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Absender-Mail-Adresse: christoph@janecke.name


Ein Brief von Chris Janecke an zwei Ehepaare seiner Vorfahren –

Potsdam, 2. Advent, den 04. Dezember 2016


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Meine lieben Vorfahren,


Carl Wilhelm Keilbach (1811 bis 1878) oo Caroline Anna Bürger (1814 bis 1878),

Carl: Pantoffelmacher-Meister, Schuhmacher-Meister und

Hausverwalter im Palais Barberini, Am Schloß 5–6 zu Potsdam,

dort tätig vom 24. Juni 1869 bis zum Lebensende 24. Juni 1878 (im 67. Lebensjahr),


und als dessen Nachfolger in dieser Hausverwalter-Stelle:


Rudolph Wilhelm Mahnkopf (1847 bis 1938) oo Charlotte Wilhel. Bertha Sommer (1850 bis 1933).

Rudolph: ab 1871 Schneider-Meister.

Hausverwalter im Palais Barberini, Humboldtstraße 5–6 zu Potsdam, für

sechs Jahrzehnte, vom 09. Sept. 1878, fast bis Ende des Jahres 1937, (sein 90. Lebensjahr).



Viel länger und weitaus besser als ich, wisst Ihr, lieber Carl und lieber Rudolph, als "Kastellane" um die beständige, als auch wechselnde Nutzung des Hauses zu Euren Lebzeiten, mit dessen Wohnungen, Büros der Stadtverwaltung einschließlich des Standesamtes, der Bibliothek, als Tagungsstätte für Musikgesellschaften und mehrere Gesangsvereine, Theater-, Kino- und Konzertsälen, für den Kunstverein mit seinen Ausstellungen, für das Institut des Zeichen- und Malunterrichts, für die Lesungen und Vortragsreihen verschiedener Wissenschaftsgebiete, das Wirken der literarischen Gesellschaft, der Tanzschule, der Jugendherberge und letztlich genannt, die Verkaufsläden und die Gaststätte.

Viele dieser hier tätigen Leute brauchten ständig irgendetwas recht unterschiedliches an Material oder Organisation von Euch als Verwalter, abgesehen von den wechselnden Bestuhlungen, der Verwahrung von Groß-Instrumenten für die Musiker, tägliche Terminabstimmungen, kleinere handwerklichen Leistungen, Koordinieren der Reinigungsarbeiten ebenso ... dabei der Umgang mit verschiedensten Leuten wie Lehrern, Schauspielern, Kunst-Malern, Musikern und deren Ansprüchen sowie dies alles möglichst zur Zufriedenheit dieser Menschen. Rudolph Mahnkopf war auch Mitbegründer und aktiver Mit-Sänger des Männergesangsvereins und ebenso Beitragsgeldkassierer für einige Vereine. Bertha und Rudolph Mahnkopf saßen mitunter Modell beim Zeichen- und Malunterricht.

Viel Unterschiedliches haben dieses Gebäude, der Alte Markt, die Stadt Potsdam und auch die Region seither gesehen. Zu den schlimmsten Stunden gehörte der 14. April 1945, als am Ende des Zweiten Weltkrieges, der grausam in viele Länder getragen wurde, dieser Krieg plötzlich am späten Abend nach Potsdam zurückkehrte und mit einem Luftangriff das Potsdamer Stadt-Zentrum mit Brand-Bomben in Schutt und Asche legte.

Das war der letzte Tag auch des alten Palais Barberini, des "Palastes" und auch im Nachbarhaus, im Hotel "Stadt Königsberg" wurde an jenem Abend zum letzten Mal ein Mahl gespeist. Genauso wurde das gegenüberliegende Kaiserlich-Königliche Stadtschloss zerstört und ebenfalls viele Bürgerhäuser. Was die Bomben nicht trafen, erledigte in den folgenden Tagen die Artillerie, so dass auch das Alte Rathaus und die Nikolaikirche am Alten Markt erhebliche Schäden bekamen, das weiter entfernt stehende Schauspielhaus (die "Kanaloper") in Flammen unterging.


Doch das Leben ging weiter. Mühsam. Trümmer wurden in der Folgezeit beseitigt. Anderes, auch Erhaltenswertes, abgerissen. Schäden nach und nach repariert. Vieles wurde nicht wieder aufgebaut. So verschwand etwa 1962 auch die Humboldtstraße. Manches wurde völlig verändert neu gestaltet und trotzdem blieb eine große Brachfläche im Herzen der Stadt.


Gegenüber dem Stadtschloss wurde im Jahre 2013 mit der "Wiedererrichtung des Gebäudes Barberini", Humboldtstraße 5-6, begonnen und das Haus zum November des Jahres 2016 fertiggestellt. Es ist das künftige Museum-Barberini welches durch die großzügige Allein-Spende, die Initiative und den Ideenreichtum von Prof. Dr. mult. Hasso Plattner (Institut für Softwareentwicklung und Gründer der Denk-Fabrik: "School of Design Thinking im Hightech-Park") ermöglicht wurde. Im Museums-Gebäude werden ab Januar 2017 ständige, wechselnde Gemäldeausstellungen zu sehen sein.

Dieser Neubau holt ein Stück des Geschichtsbildes des Stadtzentrums zurück. Das Gebäude nimmt äußerlich die Architekturmerkmale des zerstörten Vorgängerhauses auf, in dem Ihr gelebt und gearbeitet hattet. Innen ist das Gebäude den neuen Bedürfnissen und Notwendigkeiten entsprechend verändert gestaltet. Unter sehr vielen Punkten gehört auch dazu, dass dieser Nachfolgebau nicht mehr über fünf oberirdische Etagen verfügt, sondern nur noch über drei, mit entsprechend größeren Raumhöhen, deren Erscheinungsbild im Wesentlichen von den Ausstellungshallen geprägt ist. Die beiden früheren besonders niedrigen Wohnetagen sind (nun aber ohne Fußböden) als oberes Fenster-Band in die neuen Säle einbezogen worden.


Gestern, am Samstag, den 03. Dezember 2016 war unsere Familie erstmals Besucher des neuen Hauses und wird zu den künftigen Dauergästen gehören.


Die Neugestaltung erscheint rundum als ansprechend: Sehr fein. In zurückhaltend-schlichter Eleganz. Gediegen. Sehr gelungen, mit handwerklichen Können in großer Sorgfalt ausgeführt. Innen allein schon bautechnisch so schön wie nie zuvor.

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Anmerkung: Der Verwalter Carl Keilbach ist ein Altonkel des Briefeschreibers Chris Janecke.

Die Ehefrau Bertha, geborene Sommer, des Verwalters Rudolph Mahnkopf ist, eine Generation jünger als der Erstgenannte, eine Urgroßtante des Chris Janecke, also eine der Schwestern seiner Urgroßmutter.


Interessenten finden tabellarische Lebensläufe zu den Familien Keilbach und Mahnkopf unter :


www.janecke.name/lebenslaeufe Keilbach oo Bürger

Mahnkopf oo Sommer


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Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des Alten Marktes und auf einige seiner Bauten


In der Zeit um 1745 bis 1747 erhielt das Stadtschloss am Marktplatz nach den Wünschen des Königs Friedrich II (der Große, der „Alte Fritz“) seine letzte, seine „heutige“ Gestalt. Die Gedanken des Königs wurden von dem genialen Baumeister und zeitweiligen Freund des Königs, Wenzeslaus v. Knobelsdorff, umgesetzt.


In den Jahren 1771 / 1772 wurde der Alte Markt in Potsdam umgestaltet. Carl von Gontard und Georg Christian Unger setzten als beauftragte Baumeister in der Straße "Am Schloß 5-6" den zwei dreigeschossigen Bürgerhäusern eine Prachtfassade vor. Der fünfachsige Mittelrisalit mit den vier hohen Bogenöffnungen und der Superposition dreier Säulenordnungen, erinnert an Wesentliches der Bauwerksgestaltung des Palazzo Barberini in Rom, den der Architekt C. Maderno ab 1625 gestaltet hatte – jedoch handelt es sich nicht etwa um eine unmittelbare Nachbildung, wie es uns beispielsweise die vorgezogene Säulengruppe und die Wohngeschosse minderer Bauhöhe zeigen. Die einfacher gegliederten Fassaden der Seitenflügel kombinieren die Elemente des originalen Palazzo Barberini mit dem schlichteren Aussehen des Palazzos Borghese in Rom.


Unter König Friedrich Wilhelm IV. wurden 1845 bis 1849 die Häuser mit dieser bereits gemeinsamen Fassade, auch funktionell „zusammengelegt“ und dabei zu einem großen Gesellschaftshaus mit Wohnungen, Büros der Stadtverwaltung, Theater- und Konzertsälen umgebaut. Zu dieser Zeit wirkten dann die Baumeister Ludwig Persius, Friedrich Stüler und Friedrich Ludwig Hesse an den Veränderungen dieses Gebäudekomplexes. Dabei wurden die rückwärtigen Teile der Seitenflügel, die fast bis zum Wasser des kleineren Havelarms, der so genannten „Alten Fahrt“ reichen, ergänzt.


Hausverwalter und Sachwalter im Palais Barberini für die Veranstaltungen war

Die Familien wohnten in dem niedrigeren Geschoss im gleichen Hause.


Auch dieses Ensemble „Alter Markt und Umgebung“ wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges, am späten Abend des 14. April 1945 zerstört und später ebenso diese Ruine, wie die meisten Häuser der Umgebung, und so auch das Stadt-Schloss, abgerissen.


Das Schloss“ in seiner äußeren historischen Gestalt von 1747, wurde als Tagungsort für das Brandenburgische Landesparlament, als "Landtag", in den Jahren 2011 bis 2013 wieder errichtet, konnte im Januar 2014 in Betrieb genommen werden.


In der Zeit von 2013 bis 2016 entstand unter der Leitung der Berliner Architekten Hilmer & Sattler sowie Albrecht das Palais Barberini in alter Schönheit wieder und belebt als "Leitbau" neu „das Gesicht“ des vor rund 70 Jahren zerbombten und daraufhin leeren Alten Marktes. Die gesamte Straße „Am Schloss“, die spätere Humboldtstraße, die 1962 eingeebnet wurde, entstand in diesem Zeitabschnitt neu, so wie alle die Straße begleitenden Gebäude.

Professor Dr. Hasso Plattner, der die Baukosten für dieses Gebäude, wie auch vorher bereits unter anderem für das Dach des "Schlosses" trug, wird mit dem Mitarbeiterstab in seinem Barberini-Museum eine ständige Kunstsammlung wechselnder Gemäldeausstellungen (Leihgaben weltweiten Austausches) zeigen.

Wir danken ihm dafür.

Ebenfalls danken wir allen am Bau beteiligten Mitarbeitern für diese sorgfältige Ausführung – eine großartige Leistung.



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