Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Unser gemeinsamer Bilderbuch-Spaziergang durch die Heimatgeschichte.


Die Potsdamer Parkanlage: „Der Neue Garten“, ...


im Norden der Stadt Potsdam am „Heiligen See“ gelegen.

Der Park wurde in der Zeit zwischen 1786 und 1794 angelegt,

vorerst für den Preußischen König Friedrich Wilhelm II. von Hohenzollern.


Autor und Konsultationspartner: Chris Janecke, E-Mail: christoph@janecke.name

Bearbeitung: Juli 2019

Zu diesem Text gibt es einige Bilder – bitte hier klicken


–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Orientierungshilfe zur Parkanlage „Neuer Garten“ in Potsdam

Dieser Spaziergang nennt und beschreibt verschiedene Besichtigungsobjekte im Park – auf dem Orientierungsplan im Norden beginnend, entgegen dem Uhrzeigersinn ansteigend nummeriert. So wird niemand von uns dazu angehalten einer vorgegebenen Route nachzugehen, sondern das individuelle, beliebige „Kreuz und Quer“ wird gefördert. Nach der zur Verfügung stehenden Zeit und gewünschter Streckenlänge kann sich jeder Spaziergänger einiges an Wegen und Zielen herauszusuchen.

Es handelt sich nur um eine Handskizze, eine grobe Übersicht.

Die Schlösserstiftung bedient die Besucher am Haupteingang mit einem besonders schönen und offiziellem Plan. Als Andenken geeignet. Wenn ... falls ...nicht, dann tut's eben notfalls diese hier.


Beschrieben und zum Teil auch in Bildern werden vorgestellt:

01. Die Meierei

02. Das Schloss „Cecilienhof”

03. Die Pyramide

04. Das verbotene Städtchen mit dem Mirbachwäldchen (außerhalb des Parks)

05. Der Elefantenbaum

06. Das Belvedere auf dem Pfingstberg (vormals Eichenberg / Judenberg)

07. Das Schindelhaus

08. Die Gärtnerei

09. Die Orangerie mit ihrem Garten

10. Das weiße Haus

11. Die Kolonie Alexandrowka (außerhalb des Parks)

12. Der Parasol

13. Das Holländische Etablissement

14. Der Haupteingang mit Pförtnerwohnung

15. Das Kavalierhaus / Hofdamenhaus

16. Der „Treffpunkt Freizeit“ (Der Standort wurde aus der Parkanlage ausgegliedert)

17. Das Palais Lichtenau, Behlertstraße 31, dem Park (außerhalb) gegenüberliegend

18. Das braune Haus

19. Die Bibliothek = der gotische Turm = das Angelhäuschen

20. Der Obelisk am Marmorpalais – aus blau-grauem schlesischen Marmor

21. Berliner Vorstadt, Blick über den Heiligen See

22. Die Küche des Marmorpalais

23. Das Marmorpalais

24. Das Rote Haus am Kaninchenhügel

25. Der Hasengraben mit der Schwanenbrücke

26. Die Matrosenstation, (außerhalb des Parks in der Schwanenallee, am Jungfernsee)

27. Eine Skulptur am Hasengraben (Feldherrnstele)

28. Das Grüne Haus

29. Die Eremitage auf dem Quapphorn

30. Die Borkenküche der Grotte

31. Die Grotte


32. Weitere Informationen zur Matrosenstation, Pkt. 26



Einstimmung: Das regierende Königshaus: Die Zeit Königs Friedrich Wilhelm des II.

Das Erdendasein des Königs währte von 1744 bis 1797 und er tat so, als ob er von 1786 bis 1797 ernsthaft regiere. Er war einer der Neffen des kinderlosen Königs Friedrich II. (der Große, der Alte Fritz) und Sohn von dessen jüngerem Bruder August Wilhelm.

Nun hielt das Zepter in seinen Händen – der Friedrich Wilhelm, der Galan, der Lebemann, der Freund von Musik und Theater. Schon als junger Kronprinz kannte er viele Mädchen, die ihm Freuden bereiteten. Bereits Onkel F II. meinte, wenn er selbst nicht mehr König sei, würde in Berlin, Potsdam und Umgebung ein noch lustigeres Leben anheben und der Schatz (des Staates) verschleudert werden. So unrecht hatte der Hellseher nicht. König Friedrich II. wollte dem prinzlichen Lotterleben seines thronfolgenden Neffen ein Ende bereiten und suchte ihm eine Ehefrau aus – warum sollte es diesem Neffen schließlich besser ergehen, als er es selber erlebt hatte? Der Onkel F II. verordnete also die Hochzeit zum 14. Juli 1764, im Schloss Charlottenburg. Punktum. Ausgewählt hatte er für seinen Neffen aus der Reihe seiner Nichten die ...


... Elisabeth, Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel, die sogar die Vorzüge hatte, hübsch, lebhaft und geistreich zu sein! Trotzdem: Die Hochzeit, als auch die Geburt der ersten Tochter, waren für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm durchaus kein triftiger Grund sich von Wilhelmine Encke, der dunkel-gelockten Tochter eines seiner Waldhornisten zu trennen, die er ein Jahr vor seiner Hochzeit, sie erst 14jährig, näher kennen gelernt hatte und deren Bildungsweg er sehr förderte. Da er sie wegen der Standesunterschiede nicht heiraten konnte, wurde sie eben seine liebste Mätresse. Geht doch. Diese hielt ihm auch über 30 Jahre, bis zu seinem Tod die Treue und auch sie empfing von ihm sehr liebe Kinder.

Friedrich Wilhelm ließ in dem entstehenden „Neuen Garten“ das Marmorpalais am Heiligen See errichten und wohnte dort auch.

Was Kronprinz Friedrich Wilhelm ständig tat, sich mit anderen Menschen weiblicher Art zu vergnügen, versuchte nun auch die junge, von ihm aber vernachlässigte Ehefrau, Kronprinzessin Elisabeth – für sie als Frau, nach männlichen Kavalieren zu schauen, war das jedoch ein folgenschweres Vergehen. Außerdem war ja die Gefahr des eventuellen unerkannten Einschleusens eines Bastards als königlichen Thronfolger zu bedenken, was letztendlich 1769, fünf Jahre nach der Trauung zur Auflösung der Ehe führte.

Trotz engster Verbindung zu Wilhelmine Encke, der später verscheinehelichten Frau Ritz (oder auch Rietz), musste Kronprinz Friedrich Wilhelm aber erneut heiraten, um den Weiterbestand der Hohenzollern-Dynastie zu gewährleisten. „Man“ wählte also auch die zweite Ehefrau nicht der Liebe wegen, sondern weil es nun mal sein musste. Mehr der Einfachheit halber, der geringen Suchumstände wegen, traf die Wahl diesmal auf ...


... Friederike Luise von Hessen-Darmstadt, geboren am 10. Oktober 1751 in Prenzlau, (gestorben 1805 in Berlin), die weder schön noch vom Intellekt her höher beanspruchbar war. Kaum konnte sie mit Charme und Esprit brillieren. Man sagte ihr körperliche Haltungsschwächen und einen gar subtil ausgeprägten Ordnungssinn nach, gestand ihr aber „ein gutes Herz“ zu. Sie heiratete Friedrich Wilhelm also in ihrem Alter von 17 Jahren. Auch wieder am 14. Juli – wie praktisch. Der Bräutigam brauchte sich keinen neuen Hochzeitstag merken, allerdings schrieb man inzwischen das Jahr 1769. Am 03. August 1770 wurde ihr erster gemeinsamer Sohn, der spätere König Friedrich Wilhelm III. geboren. Es folgten sechs weitere Kinder. Trotzdem stand Kronprinzessin Friederike Luise stets im Schatten anderer schöner Frauen. So war sie auch später als Königin in der Öffentlichkeit, beim Volke, kaum bekannt, denn beliebt. Die Bildung der Kinder lag in der Hand von Erziehern, die von Onkel König Friedrich II. ausgewählt wurden. Kronprinz Friedrich Wilhelm zog ohnehin seine Kinder von Wilhelmine Encke vor. Friederike Luise war dem Kronprinzen ziemlich gleichgültig geworden. Da dieser inzwischen auch für Julie Voß entflammt war, stimmte der inzwischen betagte König Friedrich II. notgedrungen zu, die prinzlichen Eheleute (ohne Scheidung) etwas voneinander abzurücken. Damit war die Ehefrau unter Erhalt einer großen Abfindung, mit der sie ihren Schuldenberg abtragen konnte, einverstanden. Sie erhielt als Wohnort und späteren Witwensitz das Schmuckkästchen „Monbijou“ im Herzen Berlins. Dort verbrachte sie meistens ihre Tage, hielt sich aber auch oft zu Kuren in Bad Freienwalde auf. Sie starb am 25. Februar 1805 an den Spätfolgen eines frühen Schlaganfalls und erreichte das Lebensalter von 54 Jahren.


Die hohe Geistlichkeit wurde nunmehr gedungen, dem Friedrich Wilhelm, die Julie Voß aus der unmittelbaren Kammerdamenumgebung als bisher nur offiziöse dritte Ehefrau „zur linken Hand“ anzutrauen, da die rechte ja noch als besetzt galt. Das geschah 1787 ein Jahr nach dem Tode des königlichen alten Fritzens, doch diese linkische Ehe dauerte nur knapp zwei Jahre, weil Julie bald nach der Geburt des ersten Sohnes an Tuberkulose starb.


Am 09. November 1787, im Jahre nach dem Ableben des Königs Friedrich II, erließ der nunmehrige König Friedrich Wilhelm II., ein Edikt für das gesamte Land, „dass gefallene Weibspersonen von allem Schimpf, wie aller Schande verschont bleiben sollen“.

Ganz Preußen erlebte während der nur elfjährigen Regierungszeit Friedrich Wilhelm II. einen mächtigen kulturellen Aufschwung und soziale Verbesserungen.


Aber auch weiterhin wurde in Regierungskreisen mehrlich getrunken, sich ausschweifenden ungezählten Lustbarkeiten hingegeben, dem Theater und den Liebchen gefrönt. Hingegen weniger regieret und gebauet oder gar den Staatsschatz erhöhet. Zumindest ließ der neue König in Potsdam das Schauspielhaus (die „Kanaloper“) „zum Vergnügen der Einwohner und weitere Theater bauen. Die Ausgaben bestritt der Hof, das bedeutete, auch die einfachen Bürger konnten unter diesem Regenten erstmals in ein Theater gehen, völlig kostenlos – statt auf den Exerzierplatz.


Derweil beeinflusste des Königs beste Geliebte, Wilhelmine Encke, das Regieren ziemlich deutlich und auch den Friedrich Wilhelm positiv. Friedrich Wilhelm erhob Wilhelmine Encke = Ritz / Rietz 1797, mit 40 Jahren, in den Stand einer „Gräfin Lichtenau“ und schenkte ihr eine Villa. (Palais Lichtenau, Potsdam, (heute) Behlertstraße 31). Die gemeinsamen Kinder adelte er ebenfalls (Alexander von der Mark). Wilhelmine Encke war es auch, die den kranken König aufopferungsvoll pflegte.


Der Park

Während der Regierungszeit König Friedrich Wilhelm II, wurde dieser „Neue Garten“ angelegt, eine Parkanlage, die im Laufe der Zeit, ausgehend von der Umgebung des Marmorpalais, immer weiter wuchs. Vorher war das Gebiet im Wesentlichen eine Obstgartenanlage Potsdamer Bürger die sich entsprechend verkleinerte, je mehr Grundstücke der König aufkaufte. Letzthin handelte es sich um 58 bürgerliche Obst-Parzellen, die zu einem königlichen Park zusammenwuchsen.

Die Gestaltung des Geländes planten die Hofgärtner / Gartenarchitekten / Landschaftsgestalter Eyserbeck und Morsch. Johann August Eyserbeck (* 1762 in Vogelheerd, † 1801 in Charlottenburg bei Berlin) – der König hatte ihn, der an der Gartenanlage Wörlitz arbeitete, 1786 von Dessau nach Potsdam geholt. Hier gestaltete die Parks Neuer Garten bei Potsdam, Schlosspark Charlottenhof sowie die Pfaueninsel zwischen Potsdam und Berlin in der Havel liegend. Auch am Park Steinhöfel (nahe Fürstenwalde an der Spree) arbeitete er vermutlich. Ebenfalls am Potsdamer Park war Hofgärtner Johann Friedrich Morsch in der Zeit von 1787 bis 1804 tätig. Diesem wurde der junge Peter Joseph Lenné aus Bonn, vorerst als Gehilfe, zugeteilt. Letztgenannter wohnte am Heiligen See im „Grünen Haus“.

Dieser Park sollte gegenüber der alten barocken Auffassung des vorigen Königs Friedrich II., nun eine ganz andere Gestaltung mit viel Freiraum sowie freiem Wachstum der Bäume und Sträucher erhalten.


Und nun unsere Route mit den Sehenswürdigkeiten

01. Die Meierei, eine Milchviehanlage, hier mit Gaststättenbetrieb

Eine Molkerei mit Kühen auf der Wiese, die sich hin zur Grotte erstreckt. Ein friedliches ländliches Bild. Milchgewinnung, Butter- und Käseherstellung zur Versorgung des Hofstaates war die Aufgabe. Planend gestaltet haben Carl Gotthard Langhans und Andreas Krüger die Anlage und anschließend 1790 bis '92 mit vielen fleißigen Handwerkern errichtet.

1844 baute man die Meierei um, zur Gaststätte mit vielen Außenplätzen und diese mit herrlichem Blick über den Jungfernsee.

Ab 1861 kam das Gebäude mit Schornstein (Esse) für die Dampfmaschine hinzu, die dazu diente, Pumpen anzutreiben. Die Pumpen saugten Wasser aus dem Jungfernsee und drückten die Flüssigkeit hoch in das Speicherbassin des Belvedere auf den nahegelegenen Pfingstberg. Von dort aus floss das Wasser wieder hinunter in den Park, um die Pflanzungen zu versorgen und die Springbrunnen zu betreiben.

Zwischen 1945 und 1989/90 war dieser Teil des Neuen Garten ein für Potsdamer Einwohner nicht betretbares Gebiet, in dem der Verfall voranschritt. 1945: Ende des Krieges, Nutzung des Gebiets seitens der sowjetischen Roten Armee, 1961 Verstärkung der Grenzverstärkungen, Mauerbau, Niemandsland bis Ende 1989.

Nach grundlegender Sanierung der Gebäude und des Grundstücks besteht im neuen Jahrtausend hier wieder Gaststättenbetrieb, einschließlich der eigenen Brauerei.


02. Das Schloss „Cecilienhof”

Es ist der letzte und damit jüngste Schlossbau, geschaffen für den Kronprinzen Wilhelm und seine Ehefrau Cecilie, Herzogin von Mecklenburg-Schwerin, die bisher im Marmor-Palais lebten. Nun aber ziehen sie in dieses „Landhaus“, von Paul Schultze-Naumburg (1869 bis 1949) in den Jahren 1912 bis 1916 erbaut. Das Kronprinzenpaar bewohnte es von 1917 bis zum Beginn des Jahres 1945. In diesem Schlossgebäude fand dann nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, vom 17. Juli bis zum 2. August die Potsdamer Konferenz mit dem Potsdamer Abkommen der Siegermächte statt.

Ab 1952 wurde im Haus eine Gedenkstätte eingerichtet, später auch ein Hotel.


03. Die Pyramide

Die Pyramide, in den Jahren 1791 und 1792 gebautunter diesem Bauwerk befindet sich ein etwa 5 m tiefer Kelleraushub – als kühler Lebensmittel- und Natureis-Lagerkeller. Die als Ziere der Fassade verwendeten Hieroglyphen haben jedoch nur Schmuckwert, da man zur Entstehungszeit dieser Pyramide ägyptische Hieroglyphen noch nicht lesen konnte. Diese hier sind daher unlesbar.

04. Das zwischen 1945 und 1990 „verbotene Städtchen“ (der sowjetischen Truppen) mit dem Mirbachwäldchen (außerhalb, direkt am Park) wartet auf einen Besuch.


05. Der grüne Elefant , ein „Elefantenbaum“ möchte gerne bestaunt werden.


06. Das Belvedere und der Pomona-Tempel auf dem Pfingstberg (vormals Eichenberg, Judenberg) liegt außerhalb des Parks aber nahe am Park, gleich hinter dem „verbotenen Städtchen“.

Bauherr König Friedrich Wilhelm IV., ließ das Belvedere in den Jahren 1849 bis 1852 auf dem Pfingstberg nach Entwürfen von Ludwig Persius (1803 bis 1845) und Friedrich August Stüler (1800 bis 1865) sowie Ludwig Ferdinand Hesse (1795 bis 1876) errichten.

Davor steht das Erstlingswerk des damals 19-jährigen Karl Friedrich Schinkel: Der Pomonatempel. Pomona ist die griechische Göttin der Früchte. Genutzt als „Teepavillon“. Gebaut im Jahre 1801. Ab 1945 zerstört. Ruine und Umgebung ab 1988 freigelegt und gesichert. Wieder aufgebaut nach der „Politischen Wende“.


07. Das Schindelhaus (gebaut um 1792)

In diesem Haus wohnte bis 1795 die dem König treue Wilhelmine geborene Encke / Enke mit ihrem Schein-Ehemann dem Kammerherrn Ritz. Der König Friedrich Wilhelm II. erhob sie 1796 in den Stand einer Gräfin Lichtenau und ließ für sie vom Baudirektor Michael Philipp Boumann (1731 bis 1803) das Palais bauen, das ihren Namen trägt (heute Behlertstraße 31) – von dem sie aber leider nicht so sehr viel hatte ... aber das wäre eine weitere Geschichte.


08. Die Gärtnerei zieht ausschließlich Pflanzen für den Bedarf der Parkanlage.


09. Die Orangerie mit dem ihr vorgelagerten Garten

Das 1791 bis '93 errichtete Bauwerk enthält einen Mittelsaal zum gemeinschaftlichen Hören von Konzerten oder der Teilhabe an Schmausereien. In der kalten Jahreszeit stehen in diesem Saal frostgeschützt die Palmen. Recht und links flankieren den Saal die Hallen für andere frostempfindliche Pflanzen.

Das Eingangsportal ist geschmückt mit einer treuen Wächterin, der Sphinx, von Michael Christoph (dem Jüngeren) Wohler gearbeitet und ferner bewacht von zwei dunklen ägyptischen Skulpturen, in den Nischen stehend, die von dem berühmten Berliner Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1764 bis 1850) geschaffen wurden.

Die Gartenanlage vor der Orangerie. Die Brunnenfiguren aus Bronze im vorgelagerten Garten sind noch jung. Diese schuf der Künstler Prof. Gerhard Lichtenfeld (1921 bis 1979).


Seit rund 15 Jahren wird Preußen nun schon vom Sohn und Nachfolger des Erbauers der Orangerie, also von König Friedrich Wilhelm III. regiert.

Am 30. Dezember 1812 verbündeten sich die russischen mit den preußischen Truppen.

Diese Konvention wurde im Feldlager bei der Poscheruner Mühle, nahe des Ortes Tauroggen, geschlossen. Beteiligt waren der preußische Generalleutnant Johann David v. Yorck und der russische Generalmajor Hans Karl Friedrich Anton (Iwan Iwanowitsch) v. Diebitsch-Sabalkowski, ein schlesischer Adliger, der lange in Berlin gelebt hatte, sowie General Carl v. Clausewitz.

v. Yorck hatte „als Unterhändler“ für Preußen den Waffenstillstand mit Russland unterzeichnet („jetzt oder nie“), ohne die Zustimmung oder gar den Befehl des zaudernden, zögerlichen preußischen Königs, was dem Offizier hätte das Leben kosten können.

Mit dieser Waffenbrüderschaft wurden praktisch die Befreiungskriege (1813 bis 1815) von der napoleonischen unterdrückenden Besetzung eingeleitet.

Den König Friedrich Wilhelm III. überraschte die Botschaft über diese Unterzeichnung beim Diner in der Orangerie des Potsdamer „Neuen Gartens“. am 2. Januar 1813.


10. Das weiße Haus

Alte, bereits bestehende Gartenhäuser wurden in die Parkgestaltung einbezogen – darin entstanden Wohnungen für das Personal. Wir sehen das weiße Haus, das braune Haus, das rote Haus und das grüne Haus. Alle diese Gebäude sind nach dem Farbton der Fassade benannt, nicht etwa nach politischen Denkweisen oder ähnlichen Gründen. Diese Häuser sind aber alle von Bürgern, die bei der Schlösserstiftung tätig sind, bewohnt. Es sind also keine innen zu besichtigenden Museumsbauten! Wir wollen bitte rücksichtsvoll etwas Abstand wahren.

11. Die Kolonie Alexandrowka (außerhalb der Parkanlage)

Im Jahre 1806 schlugen die französischen Truppen bei Jena und Auerstädt vernichtend das preußisch-sächsische Heer. Preußen verlor zeitweilig seine Souveränität und konnte dadurch im Jahre 1812 gezwungen werden, der französischen Armee mehr als 20.000 Söhne des Landes als Soldaten der Hilfstruppen für den Feldzug gegen Russland bereitzustellen.

Während dieses Feldzuges der „Grande Armee“ des Napoleon Bonaparte I. in den Osten, wurde eine Anzahl russischer Soldaten auch von den Preußen gefangen genommen. 62 dieser Kriegsgefangenen brachte man nach Potsdam und gliederte diese formal in das

1. Preußische Garderegiment zu Fuß“ ein. Aus jenen russischen Soldaten wurde zur Unterhaltung der Truppe bereits im Oktober 1812 eine Gruppe von Musikanten und Sängern gebildet.


Russen und Preußen kämpften ab Januar 1813 gemeinsam gegen die französische Armee und leiteten das Kriegsgeschehen somit in die Befreiungskriege / Freiheitskriege über.

Den übereilten Rückzug der Franzosen aus dem Moskauer Gebiet beschleunigend, kämpften diese russischen Militär-Musiker Soldaten auch bei der Völkerschlacht (Probstheida) bei Leipzig mit und kamen mit den preußischen Soldaten später bis nach Paris.

Zar Alexander erlaubte den weiteren Daueraufenthalt der Soldaten-Sänger in Potsdam, ja er füllte sogar zwischenzeitlich personelle Lücken auf, die der Krieg in den Chor gerissen hatte. Schließlich machte der Zar diese Menschen seinem preußischen Königlichen Verwandten zum „Geschenk“. So blieben dann diese Russen nach der Rückkehr aus Frankreich gerne als „die Freunde“ in Potsdam, statt nach Russland in die feudalistische Leibeigenschaft zurückzukehren.


Die Planung und der Bau der Kolonie Alexandrowka:

Ein relativ friedliches Jahrzehnt folgte nach dem Kriegsende, nach dem Wiener Kongress.

Es war dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) ein Bedürfnis, am 10. April 1826 die Order zur Errichtung dieser Siedlung zu erteilen:

Planung und Ausführung einer kleinen Wohnkolonie, bestehend aus 14 Häusern –

12 Wohnhäuser für die verbliebenen 12 Sänger-Soldaten, 1 Aufseherhaus, 1 weiteres Gebäude für den Popen / Priester und den Lakaien, einem ehemaligen russischen Soldaten, inzwischen Kirchenältester, und einem orthodoxen Kirchlein.

Die Siedlung sollte den Namen des Zaren Alexander I. (1777–1825) erhalten und jener damit geehrt werden. Der Zar sah das prachtvolle Dorfensemble jedoch nicht, da er etwa ein Jahr vor dem Beginn der Bauarbeiten gestorben war. Dessen Bruder Nikolaus I. heiratete unsere Potsdamer Prinzessin Charlotte. Sie war inzwischen Zarin Alexandra Fedorowna.

Die Herrscherhäuser von Preußen (Hohenzollern) und Russland (Romanow) waren aber nicht nur miteinander eng verwandt, sondern auch zeitweilig sogar befreundet.

Ebenso war es die Absicht, dass die künftige Ansiedlung an die gute preußisch-russische Waffenbrüderschaft im siegreichen Kampf gegen den Aggressor, den Kaiser der Franzosen Napoleon Bonaparte I., erinnern sollte.


Der Siedlungsstil sollte sich an übliche russische Militärdörfer anlehnen. Als Muster bestanden Zeichnungen für die Häuser des Dorfes Glasowo, die im Park von Pawlowsk bei Sankt Petersburg einige Zeit zuvor errichtet worden waren. Deren Schöpfer war der italienisch-russische Architekt Carlo Rossi. Kopien der Entwurfszeichnungen für jene Bauten hatte sich der König bereits 1815 erbeten. Fertig wurde dieses Dorf in Russland dann im Jahre 1819.

Diese Siedlung Alexandrowka kann noch heute nach einem kleinen Fußweg, von der Parkanlage aus, besichtigt werden.

Für weitere Informationen zur Kolonie Alexandrowka besteht ein eigenes, ausführlicheres Dokument auf dieser Internetseite.


12. Der Parasol ...

ist ein großer Regen- und Sonnenschirm aus Kupferblech, unter dem sich ein lauschiges Ruheplätzchen befindet. Dieses Parkbeiwerk gestaltete nach vermeintlicher chinesischer Formauffassung der deutsche Baumeister Krüger.

13. Das Holländische Etablissement an der Hauptallee des „Neuen Garten“

Dieses Areal ließ Oberhofbaurat Andreas Ludwig Krüger nach den Plänen des Carl v. Gontard (1731 bis 1791) in den Jahren 1789 bis 1790 errichten. Diese Bauten gewährten Gärtnern und Dienern Wohnungen zur Unterkunft. (Bitte Diskretion – private Nutzung).

Es war einmal: in der Zeit der DDR dienten zwei Häuser mit einem langen Verbindungsbau als

Standort für eine riesige Modelleisenbahnanlage und später der Unterbringung des

Potsdamer Planetariums mit der Bruno-Hans-Bürgel Gedenkstätte. Bürgel (* Weißensee bei Berlin, 1875, † Potsdam-Babelsberg, 1948) war Arbeiter, der Volksastronom unserer Heimat und Schriftsteller. Seine Grabstelle befindet sich im Friedgarten an der Babelsberger Goethestraße.


14. Der Haupteingang mit Pförtnerwohnung

Zwei Torhäuser nach Holländischer Bauweise bilden den Haupteingang zum Park.

Die Pförtnerwohnung ist hierin eingebaut und im zweiten Häuschen Raum für Kutsche und Gerätschaften.


15. Das Kavalierhaus / Hofdamenhaus (Bitte Diskretion – private Nutzung)

Das Haus gehört zum Ensemble des Holländischen Etablissements.


16. Der Treffpunkt Freizeit (am Rande des Parks aus dem Park ausgegliedert)

Das Haus der Jungen Pioniere ließ kein König errichten. Es wurde während der DDR-Zeit in den Jahren 1950 bis 1952 gebaut und erhielt 1990 den Namen „Treffpunkt Freizeit“. Viele Kinder erlebten und verbringen auch heute, frohe, inhaltsreiche Stunden und Tage in dieser Stätte.


17. Das Palais Lichtenau (außerhalb des Parks, Behlertstraße 31)

König Friedrich Wilhelm II. ließ es für seine Geliebte Wilhelmine Encke, verehelichte Ritz bauen, die er 1796 in den Adelsstand einer Gräfin Lichtenau erhoben hatte. Errichtet wurde das Gebäude von M. P. Boumann in den Jahren 1796 und 1797.


18. Das braune Haus am Südende des Parks. (Bitte Diskretion – private Nutzung).

19. Die Bibliothek = der gotische Turm oder eher volkstümlich: das Angelhäuschen

Es steht am Südende des Heiligen Sees, an der Mündung des Boehlertgrabens (heute Behlert aber dafür ohne Graben) – jener wurde zugeschüttet. Boehlert war von seiner Profession her „Übersetzer“ oder auch Fährmann. Die Bibliothek ist ein 1792 bis 1794 errichteter achteckiger Turmbau aus Sandsteinformelementen, dessen Erdgeschoss von einem quadratischen Arkaden-Rundgang umfasst wird.

Nicht zuverlässig überliefert ist, dass der König hier tatsächlich angelte, auch einen Aengel sichtete niemand aber das Gemäuer nahm sowohl eine umfangreiche französische, als auch eine deutsche Literatursammlung auf. Zusätzlich standen hier die Werke über die Freimaurerei und den Rosenkreuzer-Orden, zu dessen Mitgliedern der König zählte.

Bei der Bombardierung Potsdams am 14. April 1945 explodierte auch eine Bombe in der Nähe, was zur Folge hatte, dass sich das Fundament mit dem Bauwerk in Richtung See neigte. Das Gebäude stand seither schräg. Zu sehr geneigt.

In den Jahren 1995 bis 1997 wurde das Gebäude völlig zerlegt, das Fundament ausgleichend beschichtet, so dass eine neue waagerechte Plattform entstand und darauf das Gebäude neu aufgebaut werden konnte. Etwa die Hälfte der Sanierungskosten (1,6 Millionen D-Mark) spendete die Hauptstadt Berlin als Geschenk an die Stadt Potsdam, an ihre kleine feine Schwester, zu deren 1.000-Jahr-Feier im Jahre 1993. Danke!

20. Der Obelisk

Der Obelisk aus blau-grauem schlesischen Marmor, südlich in der Nähe des Marmorpalais stehend, ist mit vier Medaillons bestückt, die Abbildungen von Männerköpfen tragen, die die vier Jahreszeiten darstellen. Dieses Werk entstand unter den Händen von Gottfried Schadow und den Brüdern Wohler.


21. Berliner Vorstadt – ein Blick über den „Heiligen See“


22. Die Küche des Marmorpalais

Das Küchen- und Kastellangebäude des Palais' liegt 50 Schritt südlich vom Schlossgebäude und soll an einen halb im Erdreich versunkenen, von Erde überschütteten antiken Tempel erinnern. Das Küchengebäude wurde 1788 bis 1790 nach Plänen von Langhans errichtet. Von dieser Küche führt ein 40 m langer unterirdischer Gang zum Palais.


23. Das Marmorpalais

Bauherr war König Wilhelm II. Er hatte es als sein Wohngebäude vorgesehen. Gestaltet hatten es die Baumeister Carl von Gontard, Carl Gotthard Langhans und Andreas Ludwig Krüger.

Das Palais wurde vorerst, ab 1787 als würfelförmiger Bau (der spätere Mittelteil) nach den Entwürfen von Hofbaumeister Carl v. Gontard errichtet. Ein Jahrzehnt später wurden die beiden Seitenflügel angesetzt.

Im ersten Obergeschoss sah man den Grottensaal vor, mit einem Deckengemälde, welches Neptun nebst Gemahlin zeigt, in einem Wagen sitzend, der von Seepferdchen gezogen wird.

Die Goldene Kammer, die Grüne Kammer, die weißlackierte Kammer, die blaulackierte Kammer, sowie das Schlaf- und das Schreibkabinett findet in dieser Etage Platz.

Im zweiten Obergeschoss liegen der Konzertsaal, das Landschaftszimmer, das orientalische Zimmer und das braune Kabinett.

Das Palais ist reich versehen mit Terrasse und Freitreppen bis in den Heiligen See hinein – ideal zum Anlegen der Boote. Der Blick vom Palais schweifte zum gegenüberliegenden Ufer, zu den Windmühlen, die dort standen und darüber hinweg, zu den Höhenzügen bei Nowawes.


Zwischen 1961 und 1972 diente das Palais als Armeemuseum der DDR. Auf den Außenanlagen standen allerdings noch bis 1989 inmitten dieses Kulturensembles die neuzeitlichen Kanonen, eine Boden-Luft-Rakete, ein sowjetisches Jagdflugzeug, ein Panzer sowie ein Schnellboot – auch diese Zeit ist für unser Kulturerbe vorüber. Das militärische Getöne an unmittelbarer Grenznähe verebbte.

Inzwischen kann man wieder versuchen, so man dazu neigt, in der Abendstille die Heiligen Glocken vom Seegrund her tönen zu hören.


24. Das Rote Haus am Kaninchenhügel (Bitte Diskretion – private Nutzung)


25. Der Hasengraben mit der Schwanenbrücke

Der Park wird im Nordosten vom Hasengraben begrenzt, der einen geringen Wasseraustausch zwischen dem Jungfernsee und dem Heiligen See ermöglicht. Seit 1841 überspannt diesen Graben die Schwanenbrücke und wenige Schritte weiter stehen wir am ...


26. Areal der Matrosenstation „Kongsnaes“ (Königliche Landzunge außerhalb des Parks)

An dieser Stelle, so wird berichtet, schlug Albrecht der Bär mit seinen Mannen im Jahre 1136 das Heer des Wendenkönigs Pribislaw. Na ja.

Es ist ein Anlegeplatz, ein kleiner „Wasserbahnhof“ in norwegischer Bauart, für die Königliche, später auch Kaiserliche Binnen-Flottille. Unterkunftsbauten für die bediensteten Matrosen sind her vorhanden. Ebenso Bootsschuppen. Die Empfangshalle brannte 1945 aus Gründen ab und wurde 2018 / 2019 neu errichtet. Nach der Fertigstellung soll in der Halle eine Ausflugsgaststätte eingerichtet werden.

Die Blicke zur Heilandskirche in Sacrow und zur Pfaueninsel werden kostenlos bleiben.

Nicht weit ist's von hier bis zur Glienicker Brücke, auf der sich Berlin und Potsdam begegnen.

Wer mehr zur Matrosenstation lesen möchte, schaut bitte in den Anhang, gekennzeichnet als Punkt 32.


27. Eine Skulptur am Hasengraben – die Feldherrenstele, man muss hingehen, um sie zu sehen.


28. Das Grüne Haus

Das grüne Haus, für die Gartenwärter. Hierin hatte auch der Gartengestalter Peter Joseph Lenné in seinen jungen Jahren seinen Wohnraum (Bitte Diskretion – private Nutzung) und später stand es den Grenztruppen der DDR zur Verfügung.


29. Die Eremitage auf dem Quapphorn, auf einer Landzunge, die in den Jungfernsee ragt.

Ein bescheidenes „Einsiedlerhäuschen“ aus Holz, die Wände außen mit Eichenborke bekleidet. Blick zur Pfaueninsel – allerdings nicht durch's Fenster, denn der schlichte Bau ist fensterlos. Licht fällt durch eine Öffnung im Dach ein und Rauch verlässt durch diese das Haus. Gedeckt ist das Gebäude mit Reet (Rohr). Als Entwurfsverfasser des Bauwerks kennen wir Carl Gotthard Langhans und Johann Gottlob David Brendel (1753 bis 1803).


30. Die Borkenküche der Grotte – es ist das Küchengebäude für die Grotte.

Gebaut hat man es 1796, Abriss 162 Jahre später, also 1958. Wiederaufbau 2012. Die Holzwände des schlichten Bauwerks sind außen mit Eichen-Borke belegt, das Dach ist mit Reet gedeckt. Man hat den optischen Eindruck, als sei das Häuschen um einen Baum gebaut worden, der gleichsam durch das Dach wächst. Es handelt sich aber um den Schornstein / die Esse, als „Baumstamm“ aus Kupferblech getrieben. Leichte Vergleiche mit der Eremitage drängen sich auf.

31. Die Grotte, eine „Crystall- und Muschelgrotte“

Gebaut nach dem Entwurf von Andreas Ludwig Krüger. Die Grotte besteht aus einem enger werdenden Zugang und zwei Kabinetten mit einem dazwischen liegenden Saal. Der Saal war natürlich ebenfalls für den Erbauungs-Aufenthalt und zur Einnahme von Speisen des Hofes und seiner Gäste vorgesehen. Es handelt sich um einen Ziegelbau. Zur Parkseite halb mit Erde überdeckt aber zum See sich öffnend, sind die Wände außen mit einem Vorsatz aus Raseneisenstein-Klumpen- und Kalktuffstein sowie mit Schlacken und Ziegelfehlbränden bekleidet. Innen wurden die Wände mit Muschelschalen, auch Schneckengehäusen und ihrem schillernden Perlmutt, mit Spiegeln und unterschiedlichen kristallinen Mineralien wie „Marienglas“ (das ist Calciumsulfat, eine Varietät von Gips) sowie verschiedenfarbenem Glasschmelz geziert. Die Aufgabe dieser eher seltenen Gestaltung oblag dem Potsdamer Stukkateur Constantin Philipp Georg Satori.


Es waren einmal ...


32. Weitere Informationen zur Matrosenstation, Schwanenallee Nr. 7

Diese bauliche Anlage am Neuen Garten, die „Matrosenstation“ des norwegischen Architekten Holm Hansen Munthe wurde 1896 fertig. Die Holzhäuser riechen noch ganz neu. Prächtig sieht das Empfangsgebäude aus, kunstvoll im norwegischen Geschmacke gestaltet.


Die Station diente auch den ersten preußischen Versuchen zur drahtlosen Telegraphie im Jahre 1897 als Empfangsstation. Gesendet wurde vom Campagnile der Sacrower Heilandskirche, 1,3 km über den Jungfernsee hinweg.

Geleitet werden die Telegraphie-Arbeiten von Herrn Prof. Dr. phil., Dr. Ing. h. c., Ing. Adolf Karl Heinrich Slaby. Er hat an der Charlottenburger Technischen Hochschule den „Lehrstuhl“ für Elektrotechnik inne. Prof. Slaby ist jetzt (1897) 48 Jahre alt (* Berlin, am 8. April 1849, † Charlottenburg, 1913). Obwohl in Berlin geboren, wohnte er bereits ab 1877 hier, in unserem Potsdamer Holländerviertel, in der Mittelstraße 13. Drei Jahre später (1. April 1880) wechselte er dann in das Haus Waisenstraße 26. Herr Prof. Dr. Slaby arbeitet zusammen mit den Assistenten Herrn Dr. Martin Tietz und Herrn Dr. h. c. Georg Graf v. Arco (* 30. Aug. 1869, † 05. Mai 1940, beerdigt auf dem Südwest-Friedhof der Berliner Synode in Stahnsdorf).

Ich selbst, so erzählt der Großvater des Autoren dieser Internet-Seite, Max Sommer, bin fast 22jährig und habe die Möglichkeit, mit meinen Mechaniker- und Elektriker-Arbeiten an der praktischen Umsetzung der Telegraphie-Erkenntnisse teilzunehmen.

Am 27. August 1897 kann in Anwesenheit des Hohen Kaiserlichen Paares das erste Funk-Telegramm mit einem Schreibtelegraphen des Samuel Morse, aber eben völlig ohne Drahtverbindung, durch die freie Luft über den Jungfernsee „gefunkt“ werden.

Der mit Punkten und Strichen getippte „Funkspruch“, so nennen wir das Ergebnis, übermittelt als Botschaft den Satz:

Die Welt am Ende des Jahrhunderts steht im Zeichen des Verkehrs.“

Es ist schon ein tolles Erlebnis, hier mittendrin dabei zu sein, bei den Versuchen, bei der handwerklichen Ausgestaltung (jene auch mit Pannen und unter zeitweilig hoher

Arbeits-Anspannung). Dabei gewesen zu sein, nicht ohne „Lampenfieber“, bei der festlichen, gelungenen Vorführung vor dem Kaiserpaar. (Unser Kaiser Wilhelm II. ist jetzt 38 Jahre alt). Mittendrin also, zwischen Majestäten und Drahtspulen, etwas transpirierend mit ungewohntem scheuernden Kragen zur Gala-Vorführung. Soweit die „Laborversuche“.

Wir haben es nun geschafft mit den elektrischen Funken, einem kleinen künstlichen Gewitter, über den Jungfernsee zu gelangen, das bedeutet: drahtlos zu telegrafieren. Wer weiß – vielleicht wird man in ferner Zukunft sogar über den „Großen Teich“ funken können? –

Erst vor zwei Jahrzehnten hatte man begonnen, ein 3.500-km langes Übersee-Unterwasserkabel über Unterwasser-Berge und -Täler bis zum Kontinent Amerika zu verlegen. Vielleicht war dieser schier übermenschliche Aufwand beinahe unnötig, angesichts der neuen drahtlosen Telegrafie?

Die bisherigen Ergebnisse übernehmen zur wirtschaftlichen Großanwendung die AEG und Fa. Siemens, die dann auf diesem Teilgebiet ihrer Wirkungsspektren ab 1903 unter dem Namen „Telefunken“ firmieren und neun Jahre später in Nauen eine „Großfunkstelle“ einrichten werden, mit der schon bald weit über 1.000 km Entfernung zwischen Sender und Empfänger drahtlos telegraphiert werden kann. –

Bereits vor 1897 und noch zeitgleich mit uns gibt es aber die Telegrafie-Versuche des englischen Italieners Marconi, die ebenfalls erfolgreich verlaufen. Prof. Dr. Slaby und Dr. v. Arco waren kurze Zeit vor unserem großen Erfolg, im Juni, im offiziösen Auftrage unseres Kaisers bei Marconi am Bristol-Kanal in England zu Gast. Sie waren bei Marconis technischen Vorführungen an allem rege interessiert und durften sich dort gründlich umschauen sowie technische Erkundigungen einholen – das will ich nicht verschweigen. –

In dem nachstehenden Kasten gebe ich einige Ergänzungen, die ich erst später notiert habe:


Guglielmo Marconi, der Erfinder der drahtlosen Telegraphie, wurde am 25. April 1874 bei Bologna (Italien), als Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Seine Mutter ist irischer Abstammung. Daher lebte er zeitweilig in England aber auch in Italien.

Marconi ist also nur ein Jahr älter als ich, jetzt 22 Jahre alt. (Ich hatte bisher gedacht, es würde sich bei dem Entwickler solch einer großen Idee um einen älteren Wissenschaftler handeln). Aus Interesse hörte der junge Autodidakt Marconi bei Augusto Rihi Vorträge über die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen. Sein Gedanke: Diese Wellen nutzen, um Informationen drahtlos über große Entfernungen zu senden.

Am 2. Juli 1896 erhält Marconi das britische Patent zur drahtlosen Telegraphie – also weitaus früher, als es bei uns in Deutschland Erfolge gab. Aber Marconis Versuche gehen weiter. So erreicht er im Mai 1897 am Bristol-Kanal eine Funkstreckenlänge von etwa 6 km, im Juni über 15 km. Zu dieser Zeit besuchte Prof. Slaby ihn und er durfte als sein Gast alle technischen Details ansehen.

Im Juli 1897 gründet der 23-jährige Marconi in London seine Firma „Wireless Telegraph and Signal & Co.“

Die Erweiterung der bisher möglichen nur relativ kurzen Übertragungsstrecken ist der Forschung und Entwicklung von Prof. Karl Ferdinand Braun zu verdanken (* in Fulda am 6. Juni 1850, † in New York am 20. April 1918). Der Physiker und Erfinder Braun hatte 1872 bei dem in Potsdam gebürtigen Hermann v. Helmholtz promoviert. Zu den vielen Erfindungen Brauns gehören der Kristalldetektor als Funk-Empfänger und die Kathodenstrahlröhre (Braunsche Röhre) als wichtigstes Bauteil für den späteren Fernsehempfang.

1898: Die Trennung von Sende-Antenne und Schwingkreis zur gewaltigen Erhöhung der Sendeleistung – Patent 111578 für den „Braunschen Sender“, erhöhen die Reichweite der bisherigen Geräte von Marconi und Slaby enorm.

Im Jahre 1900 erhält Marconi ein weiteres britisches Patent Nr. 77777 zur Telegraphie.

Am 12. Dezember 1901 bringt Marconi eine erste schwache Transatlantik-Verbindung zustande. Dabei werden bereits die wesentlichen technischen Erkenntnisse des Prof. Braun genutzt.

1902 folgen im Mittelmeer-Raum verschiedene Funk-Übertragungen mit einer Reichweite von etwa 1.200 km.

Leider waren die Wissenschaftler Marconi, Slaby und Braun, im Kampf um den Ruhm sehr zerstritten. Es gab Patent- und Firmenverwicklungen. Für die praktische Umsetzung in Deutschland arbeitete Slaby mit der AEG zusammen, Braun dagegen mit Siemens und Halske.

Gut dass es 1903 eine Einigung mit der Gründung der „Telefunken“ gab. Aber Streitereien zwischen Briten und Deutschen gibt es auch weiterhin besonders bei der Weiterleitung / Negierung / Beantwortung aufgefangener Funksprüche, wenn bekannt ist, dass der Absender das Marconi-System benutzt, der Empfänger aber ein deutsches System oder umgekehrt. Das wird sich auch noch durch die Zeit des Ersten Weltkrieges hindurchziehen!


Marconi ist inzwischen Elektro-Ingenieur und wird später Physiker – gilt als Radio-Pionier.

1905 heiratet Marconi – im gleichen Jahr wie ich (Max Sommer).

1909 erhalten Marconi und Braun für ihre bahnbrechenden Arbeiten an der drahtlosen Telegraphie gemeinsam den Nobelpreis für Physik. Slaby, nennen wir ihn den Nacherfinder, geht dabei leer aus aber auch er hat im Zuge der wirtschaftlichen Verwertung der Erkenntnisse viele finanzielle Erträge.

Es erübrigt sich eigentlich zu erwähnen, dass ich, der als Schlosser und Elektrotechniker mit dem Herzen, mit „Feuer und Flamme“ dabei war, nichts erhielt. Mein Lohn war die Arbeit und das Gefühl, dabei gewesen sein zu dürfen.

Guglielmo Marconi wird am 20. Juli 1937 in Rom sterben.