Der Park Babelsberg bei Potsdam – ein Park auf dem Wege ein Paradies zu sein
Unser Bilderbuch-Spaziergang durch die Heimatgeschichte

Autor und Konsultationspartner: Chris Janecke, Bearbeitung: Oktober 2017.
E-Mail: christoph@janecke.name

Hier findest Du Erläuterungen und Bilder Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

Für Hinweise zur Korrektur inhaltlicher Schwächen dankt der Autor den Lesern.
Ein geringerer Teil der „Tippfehler“ ist historischen Schreibweisen zuzuordnen und gilt somit als beabsichtigt.

Dieser Spaziergang nennt und beschreibt verschiedene Besichtigungsobjekte im Park – auf der Landkarte im Norden beginnend, entgegen dem Uhrzeigersinn ansteigend nummeriert. So wird niemand dazu angehalten einer vorgegebenen Route nachzugehen, sondern das individuelle, beliebige „Kreuz und Quer“ wird gefördert. Nach der zur Verfügung stehenden Zeit und gewünschter Wegelänge kann man sich einiges an Strecken und Zielen herauszusuchen. Dabei unterstützt der im Bildteil vorhandene Orientierungsplan (Landkarte). Nicht alle der kleinen Wege sind im Orientierungsplan enthalten.

In dem bedeutsamen Jahr 2016 konnte die Restaurierung und Neuherstellung einer Anzahl alter Parkdenkmale abgeschlossen werden und schon ein Jahr später sind diese so mit der Umgebung verwachsen, geben einen Eindruck, als wäre ihr Bestand nie gestört worden. Tatsächlich gab es jedoch Schäden in den Kriegszeiten, in Epochen der Verwahrlosung und in der Zeit gröbster Eingriffe und zerstörender Veränderungen im Zuge des Mauerbaus, der Grenzbefestigungen gegenüber Berlin-West ab 1961. Auch waren und sind Schäden durch unsinnigen Vandalismus zu beklagen.
Es werden hier auch einige historische Objekte genannt und in die Skizze aufgenommen, die heute noch nicht wieder zu sehen sind. Diese tragen dann den Hinweis: „… ehemalige …“ oder „… frühere …“. Die Beschäftigten der „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“ arbeiten fleißig und erfolgreich daran, allerdings auch abhängig von den finanziellen Mitteln, die Anlagen mit ihren Sehenswürdigkeiten weitgehend wiederherzustellen. Bisher ist im Park bereits ein Arbeitsstand zu sehen, wie ihn Besucher der vergangenen drei Generationen nicht erleben konnten! Einfach wunderschön!

Für hungrige Wanderer: Links (östlich) hinter dem Schloss befindet sich eine Versorgung mit Speiseangeboten, wie ebenso im Kleinen Schloss, und auch die Toilettenanlagen.
Wer sich vor dem Spaziergang laben oder nach dessen Abschluss neue Kräfte sammeln möchte, kann Gaststätten auch in Kleinglienicke oder Potsdam-Babelsberg besuchen.

Der Babelsberger Park war seit 1833 Schloss-Park, ist seit 1927 ein Volkspark – für Jedermann zugänglich. Seine Fläche betrug zu Beginn der Parkgestaltung etwa 72 ha und nach Flächenankäufen im Stadium des Endausbaus um 1865, dann etwa 124 Hektar. Das Areal kann, je nach persönlicher Ansicht, als die landschaftlich reizvollste der drei Parkanlagen: Park Sanssouci, Neuer Garten in Potsdam und Park Babelsberg bezeichnet werden.
Der Baumbestand des Parks ist heute, 1½ Jahrhunderte nach Beginn der Arbeiten, so prachtvoll, wie damals geplant, so schön, wie noch nie. Die Schöpfer und die fürstlichen Hausherren konnten sich das eventuell vorstellen, hatten aber noch nicht die Möglichkeit den Park in gleicher Weise zu erleben, wie wir ihn heute genießen dürfen.

Ein Zitat mit der Bitte um Beherzigung: „Besonders auswärtige Gäste werden gewarnt, die Besichtigung des Parks Babelsberg nicht etwa mit einem Besuche von Potsdam verbinden zu wollen, weil sonst bei der Fülle des sich dem Auge Bietenden, das eine oder andere leiden muss“, so die mahnenden Worte der Parkverwaltung aus dem Jahre 1929. Recht hatten sie.

Viel Freude, Wissenszuwachs und Erholung beim Erkundungsgang durch den Park wünscht
Chris Janecke.

Karte des Parks Babelsberg

Was können wir im Park ansehen?
Eine kurze Angabe des Inhalts

1
Die Havel und deren Seen am Parkgelände
2
Das Matrosenhaus
3
Der Schiffsanleger / die ehemalige Steintreppe
4
Das ehemalige Kavalierhaus
5
Ein ehemaliges (inneres) Pförtner-Grundstück
6
Der Flatowturm
7
Die Bismarck-Brücke
8
Das Strandbad Babelsberg
9
Der vormalige Marinestützpunkt und der Reiterhof
10
Das Havelhaus mit Parkeingang
11
Die ehemalige „neue“ Fährstelle
12.1
Der Kindermann-Weiher im Wiesengrund
12.2
Auf den Parkwiesen
13
Das Winzerhaus = das Kutscherhaus = das Rosenhaus
14
Die Park-Gärtnerei = ehemalige Hofgärtnerei
15
Der Augustablick (Rondell mit Bänken) am früheren Borkenhäuschen
16.1
Die Mühlenstraße (außen am Park gelegen)
16.2
Der Parkeingang mit ehemaligem Pförtnerhaus „Mühlentor“
17
Ein weiterer Parkzugang (ohne Pförtnerhaus) am Ende der Mühlenstraße
18
Der Große See, derzeitig aber noch trocken
19
Der Parkeingang mit Pförtnerhaus an der Grenzstraße / Alt Nowawes
20
Die Luisenhöhe, das Aussichts-Rondell der Königin Luise
21
Die Feldherren- oder Generals-Bank
22
Die Siegessäule auf der Viktoria- und Friedrich-Wilhelm-Höhe
23
Der ehemalige chinesische Blumengarten
24
Die/das Achterbecken (Wasserhochbehälter)
25
Das ehemalige Aussichtsplateau
26
Das ehemalige Fontänen-Plateau
27
Die Wilhelmsbank auf der Friedrich-Wilhelm-Höhe
28
Der Kleine See – oder auch: „Das Schwarze Meer“
29
Parkeingang mit Pförtnerhaus an der „Allee nach Glienicke“
30
Die ehemalige Zufahrt von Nowawes nach Kleinglienicke (außerhalb des Parks)
31
Die Park-Brücke zwischen Nowawes = Babelsberg und Kleinglienicke
32
Das Gebiet der ehemaligen Schanze
33
Der Parkzugang gegenüber der Sternwarte
34
Die Fürstenruhebank auf der Fürstenhöhe
35
Das Dampfmaschinenhaus
36
Die Quelle mit Wiesen-Wasser-Gerinne, Wasserfall und der Astbrücke
37
Das Bowlinggreen
38
Das Wirtschafts- und Wohngebäude des Schlosses = Die Schlossküche
39
Das Babelsberger Königs- und Kaiser-Schloss sowie dessen Umgebung
40.1
Die (vormals güldene) Rosentreppe
40.2
Das Bildstöckl
41
Die Große Fontäne = der „Geysir“
42
Das kleine weiße Prinzenschloss = Hofdamenhaus = Gasthaus
43
Der Marstall (Pferdeschloss und Kutschenremise)
44
Die Gerichtslaube

… sowie die Aufzählung einiger Personen, die im Text erwähnt sind oder dort fehlen.

Der Park Babelsberg

1: Die Havel

am oberen Rand der Karte

Der Fluss, die „Havel“ durchfließt den „Tiefen See“, der Potsdam und Babelsberg voneinander trennt(e) – mit Wasseranschluss: zum Jungfernsee, zur Glienicker Lake / Lanke, zum Beginn des Teltow-Kanals (und dessen Fortführung durch den Griebnitzsee). Letztgenannter grenzt dann aber schon nicht mehr an den Park.

2: Das Matrosenhaus

Planquadrat 1-D; siehe auch Bild

Das Matrosenhaus, ein Wohnhaus für die Matrosen der Königlichen und Kaiserlichen Segelschiffe, Gondeln und Dampfschiffe, wurde 1840 bis 1842 erbaut.
Die höhengestaffelte Schaufassade des Matrosenhauses ist dem Giebel des Stendaler Rathauses (in der Altmark, der „Wiege Preußens“) entlehnt. Das ersparte weitere Ideen und größeren Zeichenaufwand für den Verfasser des Entwurfs, Heinrich Strack. Nur verkleinert musste der Bau gegenüber seinem Vorbild werden, da man ja hier im Park nur weniger des Rates bedurfte, als in der Stadt Stendal. Damit wurde das Gebäude auch preisgünstiger.
Im Jahre 1868 erfolgte ein modernisierender Umbau des Hauses.

3: Der Schiffsanleger

Planquadrat 1-D; Bilder

Der Schiffsanleger / die ehemalige Steintreppe, mit inoffizieller beliebter Badestelle. Hier legten Schiffe der kleinen königlichen Flottille, später der KuK (Kaiserlichen und Königlichen) Binnenmarine an, vorerst aus Segelschiffen und Gondeln für Lustfahrten bestehend. Später kamen dann auch Dampfschiffe hinzu.
Ein zweiter Marine-Stützpunkt, die „Matrosenstation“ wird ebenfalls 1842, an der Schwanen-Allee nahe der Potsdamer Parkanlage „Neuen Garten“, eingerichtet. Die Krönung jener Anlage erfolgt erst 1893 mit dem Bau eines Empfangsgebäudes nach norwegischem Geschmack auf des Königs Spitze = Landzunge (norwegisch: Kongsnaes).

4: Das ehemalige Kavalier-Haus

Planquadrat 1-D; Bilder

Rückgebaut oder abgerissen. Von der Strandpromenade aus gesehen, stand es rechts vom Matrosenhaus, in einer Sichtachse mit dem Flatowturm. Es befand sich unmittelbar am Fuße des Hanges. Spuren der ehemaligen Anlage sind im noch Boden erkennbar.

5: Pförtner-Grundstück

Planquadrat 2-D

Ein ehemaliges (inneres) Pförtner-Grundstück.

6: Der Flatowturm

Planquadrat 2-C; Bilder

Der Flatowturm in dessen Entstehungszeit 1853 bis 1856
Die Nutzung des Standorts in älterer Zeit, vor dem Turmbau zu Babel …:
Auf diesem wind- und sichtexponierten Hügel befand sich von 1756 bis 1848 eine Windmühle holländischer Bauart, zeitweise dem Hofrat Rehnitz gehörend. Diese hätte dort noch wesentlich länger stehen können, brannte aber im Jahre 1848 ab.

Erbaut wurde der Turm in den Jahren 1853 bis 1856 von Johann Heinrich Strack, Moritz Gottgetreu und gar manchem fleißigen Bauhandwerker. Es handelt sich um eine 46 m hohe Wohnanlage im Stile des Turmes einer mittelalterlichen Wasserburg, der sich aus einem ringförmig angelegten „Burggraben“ (Wasserspeicher) erhebt. Eine kurze Brücke aus Stein, die mit einer Zugbrücke kombiniert wurde, ermöglichte oder verhinderte den Zugang zum Turm. Völlig neu, aus freiem Geiste geschaffen, war die Idee zur Gestalt des Bauwerks freilich nicht, denn als Vorbild diente dem kühnen Entwurfsverfasser der Turm des Eschenheimer Tores der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main.
Die finanziellen Mittel für das Bauwerk erwirtschafteten die westpreußischen landwirtschaftlichen Prinzen-Güter Flatow und Krojanke. Von dort her wurden mit mächtigem Aufwand sogar die fertigen hellblonden Hartbrandziegel heran gekarrt, um in der Parkanlage etwas echt Westpreußisches zu beheimaten, was für das Bauwerk zumindest namensbildend wirkte. Miteinander verbunden hat man diese einzelnen tonigen Brennlinge dann aber doch mit Nowaweser Kalkmörtel. Eine dauerhaft haltende Verbindung. (Es muss schließlich nicht alles allein aus dem Westen kommen, was gut ist und Westpreußen liegt ja ohnehin aus Potsdamer Sicht weit im Osten. Zumindest im Nahen Osten).
Kurz vor der Fertigstellung des Turms im Jahre 1856 verunglückte hier der junge Zimmermann Julius August Gericke bei den Arbeiten an einem der Dachtürmchen schwer. Er war ein Vorfahre aus dem Familienverbund des Autors Chris J.

Der Flatowturm „vor einem Menschenalter“
Im Flatowturm, er war ja nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die hohen 1990-er Jahre als Halbruine zugemauert, war ich (Chris J.) etwa 1957 mit einem guten Freund zu Gast. Das war uns erleichtert, weil die Abenteuerlust anderer dort schon zu stark, also erfolgreich löchernd, an die zugemauerte Tür geklopft hatte. Solche eigentlich verbotenen Besuche waren anziehend, wenn auch etwas unheimlich. Unheimlich schön – des Abends im Halbdunkel, erst auf der fehlenden Zugbrücke den frierenden Wassergraben überqueren und dann hinein, nach oben, wo die Wendeltreppe wegen des Bauschutts auf den Stufen, eigentlich eher eine „spiralige“, steil geneigte Ebene darstellte und es stets an den offenen (wenn auch schmalen) Fenstern vorbei ging, durch die der Wind streng „pfiff“.
Vom Vorplatz des Flatowturms startend, rodelten wir als Winterkinder gern auf der „Todesbahn“ unter der Bismarck-Brücke (die offiziell nicht bei ihrem Namen genannt wurde) den Berg hinab, ohne dabei an den Kaiser oder Bismarck zu denken. Natürlich nicht ohne die Warnungen „Baahnii“ oder ähnliche, die Bahn frei räumenden Rufe, auszustoßen. Kleinere Kinder hatten sowieso besser den sanften Hang (liebevoll „Idiotenhügel“ geheißen) neben dem Haus der Kutscher hinab zu rutschen. Unsere Wildbahn war natürlich viel schneller, als die spätere künstliche Führung mittels des Grabeneinschnitts.
Eine weitere viel längere Rodelbahn führte allerdings vom Turm in östliche Richtung, also mit Blick zum großen See und zum Karl-Liebknecht-Stadion. Dieser Hügelhang war unterteilt in die breite gemütliche Abfahrt und ganz rechts die schmale schnelle, weil vereiste Bahn. Dann am Rodelabend, also nach getaner Arbeit, müde, nass und hungrig dem heimischen Herd entgegen zu trotten, dieses Gefühl, habe ich noch ganz deutlich in mir. In mir der leere Magen, hinter mir der leere Schlitten, ringsum Schnee und vor mir spärliches Gaslaternenlicht auf den Straßen. Und der Weg noch sooo weit für kurze müde Beine. Aus heutiger Sicht: „Ein Katzensprung“.
Im Sommerhalbjahr aber soll dort hoch droben ab und zu das Rapunzel gesehen worden sein, welches sehnsüchtige Blicke in die Landschaft warf.

Der Flatowturm heute
Der Turm ist restauriert worden und seit Jahren wieder zur Besichtigung freigegeben. Gezeigt wird nicht nur das Bauwerk, sondern auch prachtvolle Exponate sind im Gebäude zu entdecken. Vom oberen Wehrgang hat man bei geeigneter Witterung Rundumblicke in die wundervolle Umgebung.

7: Die Bismarck-Brücke

Planquadrat 2-C; Bild

Auf der Brücke mit einem Geländer aus schmiedeeisernem „Astgeflecht“, so berichtet uns wohl wahrheitsgetreu die Mär, hat Bismarck seinem resignierenden König Wilhelm I. wieder großen Mut zugesprochen, was seiner eigenen Karriere, in der er sich später anschickte das Deutsche Reich und teilweise auch dessen Volk, mit Blut wie Eisen zu schmieden, einen tüchtigen Schub verlieh.

8: Das Strandbad / das Freiluft-Stadtbad Babelsberg

Planquadrate 1-B/C; Bilder

Das Gelände dafür wurde in der DDR-Zeit, etwa Anfang der 1960-er Jahre, der Parkanlage entnommen.

9: Marine-Stützpunkt / Marina / Seesportzentrum / Reiterhof

Planquadrat 1-B; Bild

Die „Gesellschaft für Sport und Technik der DDR“ errichtete zum Zwecke vormilitärischer Ausbildung der Jugend in den 1950-er Jahren den Gebäudekomplex am Wasser links neben der Städtischen Badeanstalt. Das Gelände dafür wurde der Parkfläche entnommen. Später kam neben dem Wassersport der Pferdesport hinzu.

10: Das Havelhaus mit Parkeingang

Planquadrate 1-A/B; Bilder

Der Bau wurde im Jahre 1883 errichtet. Das Gebäude diente ursprünglich u.a. dem Fährmann als Wohnquartier, der zwischen dem Schlosspark Babelsberg / dem Ort Nowawes nach Potsdam die Personen und Lasten übersetzte und natürlich auch zurück. Neben dem Havelhaus befindet sich ein Parkeingang. Einige Parkwächter und-Aufseher lebten ebenfalls in diesem „Havelhaus“.
Die bauliche Sanierung auch dieses Gebäudes ist vorgesehen.

11: Die ehemalige „neue“ Fährstelle

Planquadrat 1-A

Zur DDR-Zeit, diente dem Fährmann (Familien Hapke und Ehm) eine wesentlich einfachere Klause, die auch heute noch steht, sich aber bei Verwahrlosung unansehnlich zeigt, sich eher versteckt. In den Anfangsjahren des Fährbetriebs nutzte man einen Ruderkahn, dann bis in die 1950-er Jahre eine Seilfähre und später ein Motorboot als Transportmittel. 1978 wurde die Nuthe-Straße mit der Humboldt-Brücke über die Havel fertig und deshalb der Fährverkehr eingestellt.

12.1: Der Kindermann-Weiher im Wiesengrund

Planquadrate 1/2-B; Bilder

Gelegen im jüngsten Parkteil, ab 1865.
Dieses Gewässer erhielt den Namen nach seinem Schöpfer, dem Hofgärtnermeister Christoph Otto Ferdinand Kindermann, jun. Zahlreiche Frösche sind hier beheimatet und natürlich schauen dann auch mal Störche gern nach Recht und Ordnung. Verschiedene Vogelarten leben in Schilf und Rohr. Im Winterhalbjahr zeigt der See eine geschlossene Wasserfläche aber im Hochsommer lässt er sich auf schmalem Sandsteig durchlaufen, wenn das Jahr ein trockenes ist. Dieser Weiher vermittelt uns eher den Eindruck der Naturbelassenheit, denn einer künstlerischen Gestaltung.

12.2: Parkwiesen

Planquadrate 1/3-B; Bilder

Auf den Parkwiesen ruhten wir bei manchem Spaziergang, hielten unsere Picknick-Mahlzeiten zwischen Mausegras, Katzenpfötchen, Strohnelken, Löwenmäulchen und manch anderen Pflanzen und vergnügten uns bei frohem Spiel. Achtung: In der heutigen Zeit sind die als Liegewiesen zugelassenen Flächen mit Schildern gekennzeichnet.

13: Das Kutscherhaus (früher Winzerhaus)

Planquadrat 2-C; Bilder

Diese Gebäude ist wohl das älteste der noch bestehenden Bauten in dieser Parkanlage.
Der Hang unterhalb des Flatowturmes war früher mit Wein bewachsen und dieses Haus, diente bereits ab 1770 dem Winzer (einem größeren Manne, weiß Gott, keinem Winzling) als Wohnstätte. 1850 erfuhr das Gehöft samt Bauwerk eine gründliche Modernisierung (Baumeister Moritz Gottgetreu) und auch der Weinanbau wurde zugunsten des Ansetzens märkischer Gehölze aufgegeben.
Anne-Marie J. hatte dieses Gebäude offiziös als „Das Rosenhaus“ getauft, weil sich dort in unserer Zeit weder Kutschen noch Kutscher fanden aber Rosen die Fassaden des Gebäudes, ähnlich wie beim Dornröschenschloss, bewuchsen.

14: Die Park-Gärtnerei und Hofgärtnerhaus

Planquadrate 2/3-B/C; Bilder

Die Park-Gärtnerei, frühere Hofgärtnerei, mit den Wirtschaftsgebäuden entstand im Zeitraum 1861 bis 1865. Im Hofgärtnerhaus wohnte in dem hier betrachteten Zeitraum die Familie des Hofgärtnermeisters Christoph Otto Ferdinand Kindermann (1843 bis 1918) – ein geschätzter Mitarbeiter des Fürsten Hermann v. Pückler und Sohn des Hofgärtnermeisters Christoph Ferdinand Kindermann (1805 bis 1865) und dessen Ehefrau Juliane Luise Adolphine (Kose-Rufname: Julie), geborene Zill. Seit 1835 war Kindermann, sen. Mitarbeiter bei
Peter Joseh Lenné. Geheiratet hatten sie 1837 und bereicherten die Erde mit sechs Kindern.
Während die Gärtner in ihren Stadtwohnungen lebten, „residierten“ die Hofgärtner innerhalb der Park- und Gartenanlagen der Majestäten in extra für jene Berufsgruppe gestalteten Wohnanlagen. Auf diesem Grundstück gibt es Nebengebäude als Arbeitsstätten und Remisen für Fuhrwerke. Hier wurde die Bearbeitung des Parks geplant und die Gärtner / Gartenarbeiter in ihre Aufgaben eingewiesen.
In der Hofgärtnerei, wie sollte es anders auch sein, bereitete man nicht nur den Blumenschmuck für die kaiserlichen-/königlichen Räume und Tafeln vor, sondern auch Stauden und andere Pflanzen für das zu gestaltende Freigelände.
Gesellen, künftige Hofgärtner, gingen oft auf eine Wanderschaft oder zumindest auf kürzere „Dienstreisen“, um an namhaften Höfen ihre Kenntnisse bei erfahrenen Berufskollegen zu erweitern. Sie hatten nicht nur die gärtnerische Arbeit erlernt, sondern vertiefende Einblicke in Mathematik, Physik, Chemie, das Vermessungswesen und die Baukonstruktionslehre vermittelt bekommen. Ferner gehörte zur Ausbildung das Zeichnen der Pläne, die Landschaftsgärtnerei, Botanik mit Gehölzzucht, Vermehrungstechniken und Malerei. Oft wurden die Pläne zum eindrucksvollen Darstellen der kompositorischen Wirkung farbig ausgeführt. Der Hofgärtner hatte somit gegenüber dem „einfachen“ Gärtner einen hohen gesellschaftlichen Status erworben. Er erarbeitete Bestandspläne sowie Entwurfs- und Arbeitspläne für die künftige Landschaftsgestaltung. Dabei betrachtete er nicht nur die Flächen, sondern den gesamten Raum, in dem sich beispielsweise Bäume entwickeln und diesen für sich einnehmen, einschließlich der Sichtschneisen. (Diese Textpassage wurde zusammengestellt unter Verwendung eines Prospekts vom Hofgärtner-Museum Glienicke. SPSG, April 2000).

15: Augusta-Blick am Borkenhäuschen

Planquadrat 3-D

Der Augusta-Blick am ehemaligen Borkenhäuschen = Pavillon, ein Aussichts-Rondell mit Ruhebänken. Von hier aus hat man einen guten Weitblick auf die Gärtnerei.

16.1: Die Mühlenstraße (außerhalb am Park gelegen)

Planquadrat 3-A

In der Zeit meiner Kindheit lag neben dem Baum vor dem heutigen Hause Nr. 4 noch der große, schwere Mahlstein einer Mühle. Ein Wahrzeichen. Am Morgen nach einer unguten Nacht sahen wir, dass wir den Stein nicht mehr sehen konnten. Er war verschwunden – einfach so. – Liebhaber gibt es für gar manches.
Auf die Fassaden der Häuser Nr. 5 und Nr. 16 brachte unser Babelsberger Malermeister Bernd Selle die Historie von Nowawes, der größten Kolonistensiedlung von König Friedrich II in Wort und Bild. Zu sehen ist auch die Geschichte des Parks. Nowawes (= tschechisch für »das neue Dorf«) ab 1751 errichtet, war eine neue Ansiedlung = Kolonie für Spinner und für Weber, die vorwiegend als Glaubens- und Wirtschaftsflüchtlinge aus Böhmen aber auch aus anderen Regionen hierher kamen.

16.2: Der Parkeingang III „Mühlentor“

Planquadrat 3-A; Bilder

Der Parkeingang III „Mühlentor“ nahe der Mühlenstraße ist heute ohne Pförtnergebäude. Das ehemalige Gebäude errichtete man 1866 nach dem Plan von Reinhold Persius. Das schöne Gebäude wurde in der Zeit des Zweiten Weltkrieges zerstört. In unseren Kindertagen dienten dessen Bestand verschiedenen Interessenten als Steinbruch. Die Reste wurde dann offiziell abgerissen. Wird einst um Geld für den Parkeintritt gebeten, wird das Haus eventuell wieder errichtet werden können. Links am gedachten Haus vorbei, gingen wir auf dem „Weg am Park Babelsberg“ zur Fähranlegestelle (Position 11).

17: Zugang zum Park

Planquadrat 3-B

Ein weiterer Zugang zum Park (ohne Pförtnerhaus) am Ende der Mühlenstraße/Jutestraße.

18: Großer See

Planquadrat 3-C; Bilder

Der Große See mit wechselnden Uferhöhen, vier mit Felsen versehenen Inseln und idyllischem Wasserfall, mit riesigen Feldsteinen auch in der Umgebung. Auf diesen See hinzu schritt, also früher, da sie noch jung war, „Die Badende“ oder, weil sie uns den Beweis für dieses Tun schuldig blieb, – auch „Die Wasserschöpferin“ genannt. Der Bildhauer Ludwig Wichmann modelte schöpferisch ihren Körper. Seit Jahrzehnten wird hier nichts mehr geschöpft – auch nicht gebadet noch modelliert. Man sitzt seither leider ohne Wasser (oh W.) auf dem Trockenen. Das kann sich künftig ändern, denn das Grasland der früheren Tongrube soll wieder bewässert werden, mit reichem Fischbesatz und angemessenem Wasserpflanzenschmuck versehen.

19: Parkeingang mit Pförtnerhaus II an der Grenzstraße / Alt Nowawes

Planquadrat 4-C; Bilder

Das Haus wurde 1866 von Reinhold Persius (dem jüngeren P.) in der neogotischen Formensprache gestaltet und unter der Leitung von Eduard Gebhardt und Moritz Gottgetreu errichtet. Es zeichnet sich wegen der begrenzt bereit gestellten finanziellen Mittel durch eine schlichtere Gestaltung aus. Seine Ähnlichkeit mit dem Forsthaus Kleinglienicke ist auffallend.

20: Die Luisenhöhe

Planquadrat 4-D

Ein heute eher bescheiden wirkendes Aussichts-Rondell. Zur Erinnerung an die „soeben verstorbene Königin Luise“ schuf Christian Daniel Rauch im Jahre 1804 eine Marmorbüste, die hier ihren Gedenkort fand. Als die Bäume im Blickfeld noch jung waren, konnte das Auge erfolgreich weiter schweifen als heute.

21: Die Feldherren- oder Generalsbank

Planquadrat 3-D; Bild

Man errichtete die Bank im Jahre 1882. Bis zum 2. Weltkrieg trug sie zwölf aufgepfählte Bronzeköpfe der Befehlshaber der siegreichen kriegerischen Auseinandersetzungen Preußens im Dänischen Krieg 1864, vom Krieg 1866 gegen Österreich und erinnert an den ebenfalls siegreichen deutsch-französischen Krieg 1870/71. Auch der Kopf des Fürsten Otto v. Bismarck war hier vertreten. Sie sind aber allesamt nicht mehr anwesend.
Für die vielen Tausenden Soldaten, für König, Volk und Vaterland oft völlig sinnlos „auf dem Felde der Ehre“ getötet, haben wir nicht nur an dieser Stelle ein stilles Gedenken. Säulen, Ölgemälde oder Bronzebüsten sind nicht jenen gewidmet. Solche nur äußeren Zeichen der Ehrung würden ihnen vielleicht auch wenig bedeutet und nichts geholfen haben.

Vielleicht wäre hier künftig besser ein Gedenkort für die ungezählten in den Kriegen sinnlos gestorbenen Soldaten der beteiligten Nationen und für ihre Hinterbliebenen – solch ein Denkmal suchen wir vergebens!
Oder wäre diese Bank angemessen um Potsdamer Wissenschaftler und verdiente Bürger zu ehren?

22: Die Siegessäule auf der Viktoria- und Friedrich-Wilhelm-Höhe

Planquadrat 3-D; Bilder

Die Granitsäule wurde mit „ihrer Berliner Zwillingssäule“ aus einem Stück Granit aus den Rauenschen Bergen bei Fürstenwalde (Spree) gesägt und mit Pferdewagen auf den Wegen von mehr als 85 km Länge hierher gebracht. Vom Kapitell der Säule grüßt den Besucher die Bronze-Göttin des Sieges „Victoria“, mit einem Lorbeerkranze in der Hand winkend. Sie ist eine verkleinerte Nachbildung derjenigen Victoria, die der Bildhauer Christian Daniel Rauch für Berlin schuf. Diese Erinnerungssäule steht für die Siege Preußens im dänischen Krieg 1864, im Krieg gegen Österreich 1866 und im deutsch-französischen Krieg 1870/71.

23: Blumengarten

Planquadrat 2-E

Der ehemalige chinesischer Blumengarten.

24: Die/das „Achterbecken“

Planquadrat 3-E; Bilder

Die/das „Achterbecken“ – eine doppelzylindrische Wasserhochbehälter-Anlage für das Betreiben der Wasserspiele – liegt im Parkwald, 42 m hoch und damit nahe dem höchsten Punkt des Bergparks mit 48 m über der Havel. Die Speicherbecken wurden ab 1843 von den Dampfmaschinen des Dampfmaschinenhauses (siehe Position 35) gefüllt, deren Förderleistung etwa 140 m³ Wasser / Stunde betrug. Die Bassin-Inhalte dienen der Speisung der Wasserfälle und der Springbrunnen im freien Gefälle ohne Pumpenkraft (nach der Art eines artesischen Brunnens). Die Wasseroberfläche in den Becken wirkt wie ein grüner samtiger Teppich. Die Alge Chlorella fühlt sich hier wohl.

25: Aussichtsplateau

Planquadrat 4-E

Das ehemalige Aussichtsplateau

26: Fontänen-Plateau

Planquadrat 4-E

Das frühere Fontänen-Plateau

27: Die Wilhelmsbank

Planquadrat 3-E; Bild

Auf der Friedrich-Wilhelm-Höhe dürfen wir auf einer Bank aus Sandstein Platz nehmen, die den Namen Seiner Majestät, des Kaisers, trägt.

28: Der Kleine See oder Das Schwarze Meer

Planquadrat 3-E; Bilder

Wir sehen den buchtenreichen „Kleinen See“ oder „Das Schwarze Meer“, hochgelegen im Wald versteckt, mit dem steinernen „Tintenfass“ (als Spender der Meeresschwärze – wenn dunkle Regenwolken über ihm stehen). Im See vier Inselchen, eine davon mit einem Apfelbaum bewachsen und geschmückt. Eine kleine Brücke mit Wasserfall. Bald werden hier neben Wassertieren vielleicht auch wieder wasserliebende Blütenpflanzen das Bild noch stärker bereichern.

29: Parkeingang mit Pförtnerhaus I

Planquadrate 4-F/G; Bilder

Das Pförtnerhaus I an der „Allee nach Glienicke“ wurde 1842 und 1843 unter der Leitung von Baumeister Eduard Gebhardt im Tudorstil errichtet.

30: Die ehemalige Schlossbrücke

Planquadrat 4-G; Bilder

Die ehemalige Zufahrt von Nowawes über den Teltow-Kanal nach Kleinglienicke hieß ursprünglich Schlossbrücke, später zeitweilig als Enva-Pascha-Brücke bezeichnet. Dieser Enver Pascha, Kriegsminister des Osmanischen Reiches, war maßgeblich leitend am Völkermord an den Armeniern beteiligt. Danach erhielt sie die Bezeichnung Adolf-Hitler-Brücke, und diese Wahl war keine bessere. Ein weiterer neuer Name erübrigte sich nach der Zerstörung der Brücke am Ende des Zweiten Weltkrieges. Heute überbrückt ein Stahlträger diesen Ort und der Straßenverkehr quält sich über die benachbarte enge Parkbrücke.

31: Die Park-Brücke

Planquadrat 4-G; Bilder

Die Park-Brücke verbindet den Park Babelsberg und Kleinglienicke, Waldmüllerstraße (frühere Kurfürstenstraße). Auch die schmale frühere Schlossparkbrücke wurde im vorigen Krieg zerstört aber in der Nachkriegszeit in einfacherem Aussehen neu errichtet.

32: Die ehemalige Schanze

Planquadrat 4-F; Bilder

Die ehemalige Schanze lag in diesem Gebiet (eine militärische Befestigung aus Erdwällen bestehend). Der Hausherr von Schloss Babelsberg kannte diese noch von Manöverübungen aus seiner Jugendzeit, weit vor dem Beginn der Parkgestaltung.
1950, zur DDR-Zeit, wurde hier im Park die Akademie für Staat und Recht (die so genannte „Richterschule“) für 400 Studierende gebaut. Das Gelände für die Akademie wurde dem Park 1949/1950 entnommen. Die Anlage bestand ursprünglich aus etwa 15 Gebäuden. Ein Großteil der Bauten wurde nach 1990 wieder abgerissen. Es stehen derzeitig noch drei Laubenganghäuser als Studentenwohnheim, heute zur Universität Potsdam gehörend. Diese Gebäude orientieren sich in gelungener Art am Bauhausgedanken, auch wenn sie Fremdkörper in der historischen Parkanlage des Weltkulturerbes darstellen – für die Studenten wohnt es sich dort sehr schön und herrlich ruhig – in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Schanze.

33: Parkzugang gegenüber der Sternwarte

Planquadrat 5-E; Bilder

Der Parkzugang gegenüber der Sternwarte ist ein Abzweig von der Allee nach Glienicke. Das historische Pförtner-Gebäude steht heute auf dem Gelände der Sternwarte, jenseits der Allee – es wurde nicht umgesetzt.

34: Die Fürstenhöhe mit Fürstenbank

Planquadrat 3-E; Bild

Die Fürstenhöhe oberhalb der Schlossküche lädt freundlich uns zu kurzer Rast auf der sandsteinernen Fürstenbank ein. Wir dürfen Platz nehmen, obwohl sie die fürstliche Würde des Hermann Pückler-Muskau zum Ausdruck bringt.

35: Das Dampfmaschinenhaus

Planquadrat 3-G; Bilder

Das Dampfmaschinenhaus steht am Ufer der Glienicker Lake (oder auch Lanke). Während der Jahre 1843 und 1844 erbaute man es nach den Plänen von Ludwig Persius im neogotischen Burgenstil. In seinem Untergeschoss waren die Pumpen untergebracht, von der 40 PS starken Dampfmaschine der Firma Egells aus Berlin angetrieben. Das Wasser der Havel wurde in die Achterbecken-Hochbehälter gepumpt. Von dort aus floss es durch das Leitungsnetz zu den Springbrunnen, Rinnsalen, Bächen, war für das Auffüllen der Seen gedacht und für die allgemeine Parkbewässerung nutzbar. Endlich fließend Wasser, insbesondere für die Neuanpflanzungen wichtig – ein Wunschtraum, der für Peter Joseph Lenné damals nicht in Erfüllung gehen konnte! Für die Planung des erforderlichen umfangreichen Wasser-Rohrleitungssystems sorgte der Baumeister Moritz Gottgetreu. Ebenso wurde die „Große Fontäne“, der „Geysir“, mit Wasser versorgt durch Dampfmaschinenkraft gefördert. Die Förderleistung der Dampfmaschine betrug etwa 140 m³ Wasser/Stunde. Heute wird das Wasser nicht mehr von einer Dampfmaschine, sondern mit elektrisch betriebenen Pumpen gefördert.
Im Haus befand sich auch die Wohnung des Maschinisten/Maschinenmeisters.
Im Obergeschoss wohnte Hofmarschall Graf Pückler, ein Cousin des landschaftsgestaltenden Hermann v. Pückler-Muskau (Branitz).

36: Die Quelle mit Wiesen-Wasser-Gerinne, Wasserfall und Astbrücke

Planquadrate 2/3-F; Bilder

Die Quelle mit dem Wiesen-Wasser-Gerinne am Hang, einem Sammelbecken, dem Wilhelm-Wasserfall, der unter der gusseisernen Wilhelm-Astbrücke hindurch plätschert. Auch diese herrliche Gestaltung können wir wieder seit 2016/2017 in seiner Funktion erleben und somit erstmals wieder seit rund 100 Jahren.

37: Das Bowlinggreen im Vorfeld des Schlosses

Planquadrat 2-F; Bild

Eine freie grüne Landschaftsfläche mit Blick zur Glienicker Brücke – Erholung für die Augen, wahlweise nutzbar auch für Spaß und Spiel der Herrschaft.

38: Die Schlossküche – das Wirtschaftsgebäude und Wohnhaus für Bedienstete

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Das hinter dem Schloss angeordnete Wirtschaftsgebäude wurde in den Jahren 1859 und 1860 nach den Plänen von Johann Heinrich Strack gebaut. Die Bauleitung nahm Moritz Gottgetreu wahr. Das Bauwerk ist mit dem Schloss, wie häufiger üblich, durch einen unterirdischen „Küchengang“ verbunden, der anderen Orts auch schon mal zum Fluchtweg wurde.
Hier diente und wohnte neben einer Anzahl weiterer Beschäftigten auch Georg Weltzer, ein Schlossdiener aus dem Familienverbund der Vorfahren des Autors Chris J. In diesem Gebäude war zur Zeit der DDR die „Abteilung Biologie“ der Deutschen Film Aktiengesellschaft (DEFA) untergebracht, die die Tiere für Filmauftritte vorbereitete.

39: Das Babelsberger Königs- und Kaiser-Schloss sowie dessen Umgebung

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Wir wissen ja: Das Königspaar Friedrich Wilhelm III. (1770 bis 1840) und seine liebe Ehefrau Luise (1776 bis 1810) hatte zehn Kinder in diese Welt gesetzt. –
Die anderen ihrer „Kinder“ hatten ja schon ihre Schlösschen: Friedrich Wilhelm (1795 bis 1861) hatte als Kronprinz den Potsdamer Charlottenhof. Charlotte (1797 bis 1860) brauchte hier nichts, weil sie sowieso schon Zarin aller Russen zu Sankt Petersburg, unter dem neuen Namen Alexandra Fedorowna war, wird aber Nikolskoe (mit ihrem Mann Nikolaus) noch dazu bekommen. Prinz Carl, der erst Viertgeborene (1801 bis 1883) durfte sich seine Sehnsucht nach Italien architektonisch nebenan auf dem Landgut Glienicke erfüllen und ausgerechnet er, Wilhelm, der Zweitgeborene (1798 bis 1888, nun 36 Jahre alt, jener, der später der erste Kaiser des Deutschen Reiches der neuen Zeit werden sollte), fertigt lediglich Skizzen und stellte Wunsch-Pläne auf, weil Vater Friedrich Wilhelm III. mitunter ein so zögerlich-unentschlossener Knausergeiz ist, der den Deckel der Privatschatulle eher zuhält, jedes Mal, wenn er sich deren Inhalts für das Familienbudget versichert hatte. Schade, dass die Mamá so früh verstorben war, sonst wäre vielleicht manches anders gelaufen und lustiger so wie so.
Ein eigenes Heim wünschte Wilhelm schon sehr, da er seit vier Jahren (1829) mit der ehrgeizigen und intelligenten Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar (1811 bis 1890) verheiratet ist und sie nicht mehr im Berliner Stadtschloss bleiben wollen. Eifrig liefern beide dem Herrn Oberlandesbaudirektor Karl Friedrich Schinkel (1781 bis 1841) ihre zahlreichen sich fleißig ändernden Detailentwürfe zu, was ihm die Bearbeitung durchaus nicht leichter macht. Prinzessin Augusta hatte nämlich unter Geheimrat Johann Wolfgang v. Goethe (1749 bis 1832) fachfraulich das professionelle Zeichnen erlernt, konnte also mehr als ein Wort mitreden. Natürlich strichelte auch Wilhelms älterer Bruder, Kronprinz Friedrich Wilhelm begeistert mit, der ja sowieso lieber selber Architekt geworden wäre, statt sich auf eine spätere königliche Regentschaft vorbereiten zu müssen, deren Würde er anzweifelte.
Am 3. August 1833 war es dann aber nach dem üblicher Weise langen väterlichen Zaudern doch endlich soweit. An diesem Tage erteilte der König seinem 2. Sohn, dem Prinzen Wilhelm die Erlaubnis, den ihm sehr teuren Babertsberg, einer vom Forstfiskus gepachteten Scholle mit einer Ausdehnung von 270 Morgen, (etwa 72 ha), mit einer Cottage (einer „einfachen Hütte“) bebauen zu dürfen. (Juhuh!) Der früher hauptsächlich mit Kiefern und Eichen be- und umstandene Hügel hatte bereits zur Zeit Friedrich Wilhelms des Großen Kurfürsten (1620 bis 1688), ein Wildgatter beherbergt. In der Franzosenzeit (Besetzung 1806 bis 1809) war aber auch dieser Hügel von deren Soldateska in eine sandige baumlose Wüstenei verwschandelt worden. Man hatte reichlich Brennholz benötigt. Deshalb waren die Gefühle, die das Prinzen-Paar dem neuen P(r)achtgrundstück nach erster Inaugenscheinnahme entgegenbrachte, gemischter Art. Zu der Wahl dieses Grundstücks hatte auch Lenné geraten – dieser aber sah bereits das Bild der gestalteten Zukunft vor seinem geistigen Auge. Bald begannen die bisherigen Traumschlösser von Augusta und Wilhelm nun mit Ideen für diesen konkreten Standort bedacht zu werden. Der total überarbeitete Schinkel lieferte zwischenzeitlich einen aufwändigen Projektentwurf, den wohl Prinzessin Augusta spitzfingerig dem Papierkorbe überantwortete. Ungeachtet eines solchen Tuns, entstand dann aber letztendlich doch unter Leitung des Hofbauinspektors Eduard Gebhardt das sehr gut proportionierte Schinkel-Gebäude im neogotischen Tudorstil, das uns an einen alten englischen Landsitz erinnert.
Die Gelände- und Bauvorbereitungen begannen im März 1834. Am 1. Juni wurde der Grundstein gelegt und ein Jahr später, im September 1835 war der Bau (heute der östliche Teil) einschließlich des Ausbaus vollendet, nur wenige Wochen später ausgeziert und im Stil der Neogotik meubelirt, so dass am 18. Oktober, am vierten Geburtstage des Söhnchens Fritz (dem späteren Kaiser Friedrich III. (1831 bis 1888), das Schloss festlich eingeweiht werden konnte.
Fritz wird Jahre später das weiße Prinzenschlösschen am Gestade des Havel-Stroms als Wohnstätte erhalten.
Karl Friedrich Schinkel starb im Jahre 1841. Der sparsame König und Vater Friedrich Wilhelm III. war bereits im Jahr davor hingeschieden.
So begann ungestört 1844 eine Schlosserweiterung durch den Schinkel-Meisterschüler Friedrich Ludwig Persius (1803 bis 1845), die nach dessen viel zu frühem Tod, von Johann Heinrich Strack (1805 bis 1880) und Hofbauinspektor Eduard Gebhardt weitergeführt wurde. Jener neuere, westliche Teil des Schlosses, ebenfalls aus gelbem Backstein, dominiert leider gegenüber dem Schinkelschen Bau an Höhe und ornamentalem Schmuck. Er zeigt andere Auffassungen der baulichen Gliederung oder gröber ausgedrückt: Er verunstaltet die Harmonie des ursprünglichen Baukunstwerkes. Die architektonische Endfassung des Bauwerks erscheint uns als nicht völlig harmonisch geglückt. Nicht wie aus einem Guss. Es handelt sich eben um etappenweise hingesetzte Ergebnisse, es sind Antworten auf längeres prinzliches Gequengel. Diese Art der Bauerweiterung von der „Cottage“ zum Schloss entsprach nun aber gerade dem Geschmack der herrschaftlichen Bewohner „die das Sagen des längeren Hebels hatten“ sowie ihren gewachsenen Ansprüchen an den Raumbedarf. Es war ein vorgegebenes Auftragswerk, deshalb liegt es uns ferne die Herren Persius, Strack und Gebhardt etwa kritisieren zu wollen.
Die Bauarbeiten wurden in der Zeit der bürgerlichen Revolution im März 1848 unterbrochen. Jene Tage brachten dem Kronprinzen Wilhelm wegen seiner Befehle zum tödlichen Militäreinsatz in Berlin, vom Volke den Titel „Kartätschenprinz“ ein. Am 16. Oktober 1849 wurde dann das Schloss anlässlich des Abschlusses der Erweiterung, ein zweites Mal eingeweiht. C. F. Schinkel musste das nicht mehr miterleben, nicht dort mit zwangsfeiern.
Im Schloss wohnte als Besucher auch Alexander von Humboldt (1769 bis 1859) in einem Raum mit Blick über das Bowlinggreen auf den „Tiefen See“ der Havel.
Mit der Übernahme der Königswürde durch Wilhelm nach dem Ableben seines königlichen Bruders Friedrich Wilhelm IV., bekam Babelsberg eine noch größere Bedeutung. Hierher wurde auch Fürst Otto von Bismarck (1815 bis 1895) des Öfteren eingeladen. Seine Ernennung zum Preußischen Ministerpräsidenten fand am 22. September 1862 im Schloss Babelsberg statt.
Fast jeden Sommer lebten König Wilhelm I. (1871 wird er Kaiser Wilhelm I.) und Königin / Kaiserin Augusta auf dieser ihrer Lieblingsresidenz bis zu seinem Tode im Jahre 1888. Die Winter hingegen verbrachten sie im Berliner Stadtschloss.
Vom Babelsberger Schloss hatte man auch einen schönen Blick zur Glienicker Brücke, ebenfalls von Schinkel gestaltet. Diese wurde aber dem wachsenden Straßenverkehr nicht mehr gerecht und daher 1906/07 gegen eine gelungene Stahlkonstruktion ausgetauscht. Es ist die noch heute bestehende Brücke, die die Städte Potsdam und Berlin verbindet.
Nach dem Ableben des Kaisers Wilhelm I. im Jahre 1888 ließ das Interesse des übernächst folgenden Kaisers Wilhelm II. an der Nutzung von Schloss und Park nach und eine Vernachlässigung der Bauten und eine Verwilderung des Landschaftsparks setzte ein.
Zur Zeit der DDR stellte das Schloss eine Herberge für die musealen Ausstellungsstücke, der archäologischer Funde aus der Ur- und Frühgeschichte unseres Gebietes dar.
Ab 1961 wurden viele alte Bäume gefällt und Erdgestaltungen abgetragen, um die Grenzsicherungsanlagen, diese wichtige antifaschistische Maßnahme, dort aufbauen zu können, Übersicht und freies Schussfeld zu haben. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, nur noch aus der Literatur zur Ortsgeschichte zu erfahren.

Das Umfeld des Schlosses
Nun noch einmal zurück in der Geschichte, denn zeitgleich mit dem Baubeginn sollte unser Gartendirektor Peter Joseph Lenné (1789 bis 1866) die florale Gestaltung des Grundstücks planen und auch die Ausführung legte man in seine bewährten Hände.
Er gestaltete das Wegekonzept, legte den Pflanzplan für die Gehölze an, entwarf phantasievolle Beet-Einfassungen mit aufwändigen Ausschmückungen, ließ schattige Partien mit besonnten Wiesenflächen wechseln, führte Pfade über anmutige Hänge zu hochgelegenen Aussichtspunkten.
Wegen späterer Unstimmigkeiten zu mancher seiner fachlichen Auffassungen reifte der Wunsch der Prinzessin, Lenné im Jahre 1838 von dieser, einer seiner vielen Lebens-Aufgaben zu entbinden. Zu den Ursachen dieser Entbindung gehörte auch, dass noch keine ausreichende Bewässerung möglich war, so dass gepflanzte Bäume vertrockneten und ferner, weil Lenné aus dem schmalen Finanz-Haushalt nicht noch mehr des prächtigen Grüns und der Farbigkeit zu zaubern imstande war. –
So hatte der überarbeitete Mann nun einen Moment Zeit, den Blick auf die erste Preußische Eisenbahn zu werfen, deren stählerne Roll-Stränge dieser Tage von Potsdam durch Nowawes und Neuendorf nach Zehlendorf und weiter nach Berlin geführt wurden, bis der Zug der neuen Zeit auch bald durch diese Landschaft fuhr.
Die landschaftsgestaltenden Arbeiten im Park aber führte Hermann Fürst Pückler-Muskau (1785 bis 1871) in Zusammenarbeit mit dem Hofgärtner Christoph Otto Ferdinand Kindermann (und vorher auch mit dessen Vater) in einer Reihe von Jahren zu höchster Vollendung fort. (Der ehrgeizige Graf Pückler hatte 1822 den Fürstentitel verliehen bekommen). Pückler hatte es im Gegensatz zu Lenné in der Arbeit wesentlich leichter. Er brauchte nicht bürgerlich-untertänig auftreten, er konnte fordern: „Freie Hand muss man mir lassen und thun, was ich sage“. Des Weiteren wurde das Dampfmaschinenhaus (1843 bis 1845) errichtet. Für Pückler war es dann damit ein Einfaches, die Neuanpflanzungen aus dem Leitungsnetz durchdringend mit fließendem Havelwasser zu tränken. Lennés mühselige Herzblutarbeit, mit Pferdekarren und Eimern die Pflanzen und den durchlässigen Sandboden mehr dürftig, als ausreichend zu wässern, hatte man inzwischen wohl getrost vergessen. Nicht nur mit viel Grün und Buntem, wie sein Vorgänger, sondern daselbst zusätzlich mit Goldglanz an den Beetumzierungen, konnte der Fürst die Königliche Herrschaft herzlich erfreuen.
Ab 1859 übernahm Wilhelm von seinem erkrankten Bruder Friedrich Wilhelm IV. die Regentschaft und 1861 erhielt er die Königswürde, an Stelle seines, ach, so früh dahingeschiedenen Bruders. Das Geld des Kronprinzen Wilhelm, nun König Wilhelm I., sprudelte sodann reichlicher und davon profitierte auch das Pückler-Budget.

Die Terrassen vor dem Schloss bestanden nicht von Anfang an. Sie wurden dem Gebäude auf Anraten von Pückler vorgesetzt. „Schlossräume unter freiem Himmel“ – nannte er sie. Vor ihrer Errichtung reichte die schlichte Rasenböschung bis an die Fassade.

An der Porzellanterrasse (benannt nach dem ursprünglich darauf stehenden Porzellangestühl) betrachten wir den völlig neuen Gerhardsbrunnen = Kölner Brunnen = Städtebrunnen, also den Jubiläumsbrunnen zur Silberhochzeit des Kaiserpaares – erstmals seit mehr als 100 Jahren dürfen wir diese Wasserspiel wieder in seiner Funktion erleben. Bewacht werden diese Kunstwerke von verschiedenen Hunde-Skulpturen. Die Tierskulpturen auf der Terrasse schuf der Künstler Christophe Fratin im Jahre 1839. Ferner sind die Goldene Terrasse mit der goldenen Blumenfontäne und auch die blaue Terrasse zu besichtigen.

Den Rand der Voltaire-Terrasse südlich hinter dem Schloss mit einer Reihe von Lindenbäumchen bepflanzt, wählte man als Aufstellort einer Bronze-Plastik, die der Bildhauer August Kiß (1802 bis 1865) gestaltete. Dieses Werk trägt den Titel „Der Erzengel Michael tötet den Drachen“. Die Plastik gilt als eine Gratulation zur metzelnden Niederschlagung des badischen Aufstandes im Jahre 1849, seitens der Preußischen Armee. „Ein schöner Gewinn“, der vielen den Tod gebracht hatte. Damals „vaterländisches Tun“ – heute hoffentlich für viele von uns unverständlich. Auf beiden gegnerischen Seiten Menschen, die eigentlich nur friedlich ihrer Lebensarbeit nachgehen wollten. (Siehe auch: Der Potsdamer Bürger Maximilian Dortu und der Kampf für eine linksdemokratische Republik).

Im Vorfeld des Schlosses finden wir den „Pleasureground“ und das „Bowlinggreen“. Im Pleasureground, dem Blumengarten des Entzückens, sehen wir heute in neuem Glanz den Goldenen Rosengarten, in dessen Mitte der Reiherbrunnen steht. Ferner den Gotischen Brunnen und den ehemaligen Adlerbrunnen – heute noch ohne Säule auf der der Adler stand – aber bereits mit vier Löwenmäulchen, die im Parterre Wasser speien. Aufwändig gestaltete Blumen-Rabatten zeigen die Kunsterfolge der Gärtner.
Des Weiteren gab es hier früher Bronzebüsten von Königin Luise sowie Friedrich Wilhelm III. (an deren Stelle steht heute die Pückler-Gedenk-Stele), die Büste des Großen Kurfürsten und jene Friedrich II., des Großen.

40.1: Die Rosentreppe

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Vom Pleasureground, dem Blumenrabattengarten, hinab zum Gestade des Tiefen Sees, führt uns eine Treppe, überdacht mit dem Gerüst der grünen (ehemals vergoldeten) Rankbögen im Tudor-Stil. Blühende rote und weiße Rosen mit ihrem betörenden Duft säumen unseren Weg. Bienengesumm erfüllt die Luft. Unser Gehen wird von einem leise murmelnden Wasserfall begleitet.

40.2: Das Bildstöckl am Havelufer

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Eine Gedenksäule (ohne Bild) steht dort, flankiert von zwei schlichten Sitzbänken. Es ist ein Erinnerungs-Geschenk des Großherzogs von Baden an den damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen, weil dieser am 29. Juli 1849 bei Bischweier mal eben gerade neben dieser gestanden hatte, als Preußen den Freiheitsdrang des Volkes dort niederschlug.

41: Die große Fontäne

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Die große Fontäne = der „Geysir“ unterhalb des Bowlinggreens wurde 1845 in Betrieb genommen. Mit der Kraft der Dampfmaschine von 40 PS (Pferdestärken) stieg ihr/sein Weißwasserstrahl in die Höhe bis zu 40 m – etwa so hoch, wie bei der Fontäne vor dem Schloss im Park von Sanssouci. Ein großes Erlebnis, was in der Vergangenheit den Königlichen gemeinsamen Vorfahren in Sanssouci eben noch nicht vergönnt war, da es zu jener Zeit noch keine Dampfmaschinen gab.
Heute wird die Fontäne von Elektropumpen mit dem Havelwasser versorgt.

42: Das Kleine Schloss

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Von der Höhe, aus Richtung „Marstall“ kommend, schreiten wir die Treppe zum kleinen Schloss hinab. Wir sind nicht allein – ein quicklebendig sprudelnder Wasserfall begleitet auch hierbei unseren Weg (2017 aber noch trocken).

Das Kleine Schloss, auch zeitweilig Hofdamenhaus, liegt am Tiefen See der Havel. Das Gebäude wurde 1841 und 1842 als Umbau eines bereits vorhandenen Gartenhauses, nach Tudor-Ideen von Prinzessin Augusta, vom Baumeister Ludwig Persius konzipiert und unter der Leitung von Hofbauinspektor Eduard Gebhardt ausgeführt. Es diente dem Prinzen Friedrich (1831 bis 1888, Sohn von Wilhelm I. und Augusta, der Herrschaft von Schloss Babelsberg), als Wohnung. Friedrich war im Jahre 1888 für 99 Tage der Kaiser Friedrich III.

Während der DDR-Zeit war das Haus zeitweilig ein Erholungsheim für Beschäftigte der Filmproduktion „DEFA“. Heute leben hier im kleinen weißen Schlösschen weder Prinzen noch Hofdamen. Ein speisekultureller Erlebnisbereich lud hier den hungrigen Wanderer schon seit etwa 1950 (mit Unterbrechungen), als Gaststätte „Strandterrassen“ ein.

43: Der Marstall, eine königliche Wohnung für Rosse, Kutschen und Schwalben

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Diese „gute Stube“ ließ der Hofbaumeister Eduard Gebhardt im Auftrage des Prinzen Wilhelm in den Jahren 1834 bis 1839 im neogotischen Stil errichten. An der Bauzeitlänge dieser Stall-Anlage können wir abschätzen, dass die Pferde viel geduldiger der Fertigstellung ihres Schlosses entgegensahen, als die Prinzgemahle es mit den Baumeistern waren, wenn es um die eigenen Wohnunterkünfte ging. Im Obergeschoss wurde das Haus mit Wohnungen für Bedienstete ausgestattet. Während der DDR-Zeit beherbergte das Gebäude über mehrere Jahre den Reiterhof einer Betriebssportgemeinschaft der DEFA.
Derzeitig ist die desolate bauliche Anlage in der Sanierung begriffen.

44: Die Gerichtslaube auf dem Lenné-Hügel

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Ein „großzügiges Geschenk“ der Berliner Ratsherren anlässlich der Kaiserkrönung von Wilhelm I., im Jahre 1871 … Die Gerichtslaube und ihre etwas längere Geschichte, hier in vier Akten.

Fast jeder Besucher des Parks kennt wohl den zweigeschossigen Pavillon mit quadratischem Grundriss. Dieses Gebäude besteht aus Backstein, roten Ziegeln. Eine offene Halle gotischer Bauart, überdacht mit vier kreuzgewölbten Jochen, die sich auf acht äußere Pfeiler und einen zylindrischen Mittelpfeiler stützen. In die obere Etage und auf die Dachfläche führte einst die eiserne Wendeltreppe.
Eine niedrige, zierlich anmutende Brüstung umkränzt die Aussichtsplattform des „Dachgartens“. Das Bauwerk gilt als ein im Park Babelsberg noch recht junges, gleichsam hier spät errichtetes Kleinod, denn es stand schon anderen Ortes.

Erster Akt: Der alte Ort der Gerichtsbarkeit
Die der Erde entnommene rote mineralische Substanz für das Gebäude, formten fleißige Arbeiter bereits im 13. Jahrhundert in einer Ziegelei bei Rathenow zu Quadern. Baumeister gestalteten daraus 1272 das Gerichts-Gebäude, einen Anbau für das Rathaus an der Spandauer Straße zu Berlin. Geschmückt ist die Laube mit Tiergestalten und Fabelwesen, die zum Teil aus dem farbigen Stein herausgearbeitet wurden. Jene symbolisieren einige der niederen Eigenschaften der Menschen. Dem gedachten Zweck entsprechend, hielt die Obrigkeit in dem Gebäude Gericht. Aber solches fand eben früher in Berlin statt, nicht etwa hier an diesem Orte, nicht in unserem schönen Park Babelsberg!

Zweiter Akt: Die ursprüngliche Nutzung dieses Bauwerks
Eventuelle romantische Gedanken, die sich um die Bezeichnung „Laube“ ranken könnten, wären für ihre tatsächliche Nutzungszeit und -art unangemessen. In der Berliner Gerichtslaube verhängten die Richter mittelalterlich-zeitgemäße Urteile, also solche in grausamer Härte. Die Kriminalität wurde infolge dessen damals wohl nicht so umfangreich betrieben. Die meisten „größeren“ Delikte, bereits ein kleinerer Diebstahl zählte damals dazu, wurden zu jener Zeit üblicher Weise mit einer Beförderung gewürdigt. Vom Leben zum Tode. Zwischen den Jahren 1391 und 1448 wurden allein in dieser Gerichtsstätte 114 Hinrichtungen beschlossen und angewiesen. Die Gerichtsakten belegen vollzogene Strafen wie:

Die Unterschiede in den Urteilen, die das gleiche Ziel des Herbeiführens des absoluten leiblichen Endes der Gefangenen verfolgten, bezogen sich im Allgemeinen auf den Grad der Grausamkeit für das Vollstrecken des Strafmaßes. So konnte das schnelle Enthaupten des Leibes durch den scharfen Stahl, anders als das Rädern, als eine große Gnade angesehen und empfunden werden.
Die erzieherische Wirkung des Justizaktes bezog sich somit eventuell noch auf die Rettung des Seelenheils eines Verurteilten; im Wesentlichen doch aber wohl mehr auf das versuchsweise Abschrecken weiter lebender Individuen, also der sensationslüstern gaffenden Menge des Volkes.
Bei minderen Vergehen wurden gern Augen ausgestochen, Ohrmuscheln abgeschnitten, oder recht scharf die böse Diebeshand gehackt. Ein bewährter märkischer Brauch bestand darin, die Verurteilten zum länger währenden, nützlichen Schleppen von Steinen zu verurteilen, nur für einen kurzen Zeitraum, solange sie es denn eben konnten. Heute als kleinste Vergehen angesehene Delikte (also geringfügiger, als das Mitnehmen eines toten Fisches oder das freundliche Mischen eines Liebestranks für Dritte), konnten mit dem Pranger bestraft werden. Dazu war einer der Eckpfeiler der Original-Laube (heute der südwestliche) mit schweren Eisenringen versehen. An diesen hielt der Stadtbüttel den verurteilten wehrlosen Deliquenten in Ketten, mit Schellen für Hände und Füße oder gar zusätzlich im Halseisen, fest. Dort war er dem Spott, den Hänseleien, den Eier- oder Tomatenwürfen ausgesetzt (etwa so, wie es wegen missliebiger Worte, mit letztgenannten Wurfgeschossen heutzutage sogar einen freien, hochrangigen Politiker treffen kann).
Über dem so Angeprangerten schaut aus dem Pfeiler ein Kopf aus rotem Backstein, der „Kaak“, heraus. Dieses Phantasiegebilde, hat den Körper eines Vogels mit grinsenden menschlichen Zügen, dessen hohnvollen Ausdruck lange Eselsohren betonen. Ursprünglich mussten die Verurteilten auf einer kleinen steinernen Plattform über dem Kaak stehen, doch viele hielten das wohl nicht lange genug aus, ohne abzustürzen. Soviel zur Historie der Gerichtsstätte. Aber nochmals zur Erinnerung: All' das Gesagte fand damals in Berlin statt, nicht etwa bei uns im Potsdamer Land, nicht im Park und nicht in der Laube dieser Gestalt.

Dritter Akt: Eine Schenkung
Die Berliner Ratsherren hielten es in einem viel späteren Zeitraum aus mancherlei Gründen für angezeigt, an der Stelle des alten modernen Rathauses, ein neues Gebäude für die Stadtregierung errichten zu lassen, das modernen Ansprüchen gerecht werden sollte: Es wurde daraus das Rote Rathaus (Bauzeit zwischen 1860 und 1869), das noch heute in der Nähe des Alexanderplatzes steht. Ganz gut hätte die Gerichtslaube auch zu diesem neuen Rathaus gepasst, sie stand aber irgendwie im Wege. Es haftete ihr überdies noch stark der Geruch nach Mittelalter, nach Leiden und Prangerei an. Man wollte diese Laube einfach nicht mehr. Sie sollte fort. Der Erste Preußische Denkmalkonservator hatte allerdings bereits vor der gereiften Planung einer Rathauserneuerung das einbeziehende Berücksichtigen der historischen Gerichtslaube angemahnt. Das Stadtparlament jedoch zeigte nur wenig Interesse für solcherart Gefühlsduselei – ein olles Haus, in dem nun überhaupt kein Gericht mehr gehalten wurde, als nutzlosen „Schmuckgegenstand“ teuer zu erhalten. Die Laube musste einfach weg, koste es, was es wolle – doch große Unkosten sollte der Abriss natürlich nicht verursachen.
Der inzwischen aktuell bevorstehende Abbruch rief erneut weitere Historiker und Denkmalpfleger auf den Plan, die unbedingt 'was erhalten wollten und sich auch diesbezüglich an den König um Unterstützung wandten. Deshalb forderte denn nun Wilhelm I. am 6. März 1871 ebenfalls den Erhalt des Bauwerks (es waren selbstredend seine Gedanken) und es war eine Weisung.
Diese Königliche Unterstützung für die Denkmalpfleger führte zu einer zündenden, retourkutschierenden Idee der Berliner Stadtväter. Sie entschlossen sich in großzügiger Manier, das Gebäude dem Landesherrn nachträglich zur Krönung zu schenken (also dem bisherigen König von Preußen, der sich doch gerade frisch im Schlosse zu Versailles, im erniedrigten Frankreich, zum Kaiser eines Deutschen Reichs hatte krönen lassen).
Kaiser Wilhelm I. nahm also die Laube dankend als Geschenk an sprach dazu,

„daß es ihm wohl angelegen sein möchte, das Gebäude als ein denkwürdiges Wahrzeichen aus der Vorzeit, Allerhöchst aus der Hauptstadt, an einen exponirten Ort in der zweiten Residenz zu translocieren“.

Eine schnell beschlossene Sache. Somit ging unser Monarch nebenbei und fast versehentlich als Laubenretter in die Deutsche Geschichte ein.
Nach sechs Tagen bienenähnlichen Fleißes, war von der Gerichtsstätte nichts mehr zu sehen, war dieser Berliner Locus nicht wieder zu erkennen. Beim flotten Entfernen waren die Spender nicht unbedingt darauf erpicht, nun auch noch die bisherige Lage und Anordnung der Ziegel etwa aufwendig in Wort und Bild festzuhalten. Der Abbau war am 17. März 1871 beendet und das zerlegte Gebäude nach Nowawes verfrachtet. So schnell konnte das damals binnen weniger Tage gehen. Man hatte tragfähige hölzerne Fuhrwerke und starke Rosse.
In unserem Park Babelsberg, der dritten kaiserlich-königlichen Gartenanlage im Potsdamer Landschaftsraum, entstand das Gebäude nun also wieder. neu. Gleichsam moralisch geläutert, gesäubert, verjüngt und aufgefrischt. Ohne angedachten Nutzen. Ein neues Schmuckstück.
Zwar war den Berlinern das Aussehen der alten Laube noch gut bekannt – aber preußische Ordnung muss sein. Johann Heinrich Strack erarbeitete also den schriftlichen und zeichnerischen Entwurf zu dem Wiederaufbau. Hofbaurat Hermann Blankenstein orderte noch zusätzliche brandneue Ziegel zum Ergänzen derer, die um 1272 für die Original-Laube verwendet wurden. Reinhold Persius oblag die Oberbauleitung. Im Großen und Ganzen ging die Rechnung auf. Man baute mehr so nach lieber Wunsch-Erinnerung, mit baumeisterlicher Erfahrung und setzte die Ziegel brav nach gutem Dünken. Beim Wiederaufbau war man also nicht zimperlich und arbeitete getreu dem Satz: „Einem geschenkten Pferd guckt man nicht in den Mund – und fertig ist die Laube“. Eben deshalb wurde die G-Laube nicht nach uralter Zeichnung, Foto oder unter Beachtung architektonischer Spitzfindigkeiten aufgebaut. Der Erste Preußische Landeskonservator mag sich deswegen die Haare gerauft haben. Viele Leute haben sich aber darüber gefreut.
Nun wurde das Gebäude als ein nach freier Gotikauffassung gestaltetes Bauwerk, ohne eine übertrieben strenge Angleichung an das Berliner Original, angesehen.

Vierter Akt: Allzu späte Wehmutsäußerungen
Bald schon aber jammerten und weinten die wendehalsigen Berliner ihrer verschmähten Gerichtslaube nach. 25 Jahre später, auf der Großen Gewerbeausstellung von 1896 im Treptower Park (also auf der verhinderten Weltausstellung) hatten die Untreuen sich zum Eigentroste zumindest eine teure Kopie der Babelsberger Gerichtslaube errichtet. Nur mal so zum Anschauen für die kurze Zeitdauer, bis der Treptower Park wieder von den Ausstellungswundern befreit werden musste. Und die G.-Laube war dort eine Attraktion.

Fast wäre es ein Menschenleben später (1987) um unsere Laube tatsächlich doch noch gescheh’n, als sich die Berliner erneut darauf besannen, dass ihnen doch vor weit über 100 Jahren irgendwie eine gute Gerichtslaube abhanden gekommen sei, die sie noch in „DDR – 1502 Potsdam-Babelsberg“ stehend wähnten. Diese hätten sie gern in das damals gerade wieder erstandene modern-historische Berliner Nikolaiviertel einmodelliert, sich ach so gerne ein altes Ei ins frische Nest gelegt. Zu unserem Glück entschied man sich dann aber doch dafür, dort eine neue alte Laube hinzusetzen, die, das erkennt selbst jeder Laie, völlig anders aussieht. Unsere Gerichtslaube aus dem 13. Jahrhundert ist viel älter und viel schöner und viel echter, als die neue Berliner Gerichtslaube aus verbrämtem Beton, die anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin dort aufgestellt wurde und seither als Gaststätte genutzt wird.

Bleibt nur noch anzumerken, dass der vormals kindliche Autor dieses Berichts auch gern oben in der Laube gewohnt hätte – notfalls hätte ihm aber auch der Flatowturm genügt . – Doch wir wissen: nicht jeder Wunschtraum geht in Erfüllung.

Personen, die im Text erwähnt sind oder dort fehlen

Hinweise auf benutzte Literatur

Vielen herzlichen Dank

Den damaligen Baumeistern, Landschaftsgestaltern und Gärtnern gilt unser Dank für das landschaftsgärtnerische und bautechnische Gestalten des Parks Babelsberg bei Nowawes / Neuendorf (heute Potsdam-Babelsberg, als ein Ortsteil der Landeshauptstadt Potsdam) – und genauso danken wir allen heutigen Mitarbeitern der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, dass sie nach schwierigen Jahrzehnten dieses Gesamtkunstwerk für uns erneut voll erlebbar machen – so schön wie kaum je zuvor.

Die Farbbilder zum Text entstanden in den Monaten Juli und Oktober 2017. Fast ausschließlich wurden diese von Ellen Janecke fotografiert. Ihr verdanken wir diese vielen Augen-Blicke.