Bilder zu „Nowawes, eine Colonie (Siedlung) bey Potsdam“ ...

Notizen zur Entstehung und Entwicklung des Ortes von 1750 bis nach 1950

Zusammengestellt von Chris Janecke, Bearbeitung: Januar 2023.
E-Mail: christoph@janecke.name

Liebe Leserinnen und Betrachter – weibliche genauso wie männliche,

im Folgenden füge ich den geschichtlichen Ereignissen des Textteils einige frei gewählte Bilder verschiedener Bauten mit Kurzbeschreibungen hinzu.
Die Ereignisse und die Bauten sind in die beiden großen Zeit-Abschnitte: 1750 bis 1850 und 1851 bis nach 1950 gegliedert. Es tritt bei verschiedenen Grundstücken oder Objekten der Fall ein, dass diese wegen besonderer Ereignisse in beiden Zeitabschnitten aufgeführt sind. Außerdem sind die Bildhinweise zu Neuendorf in einem gesonderten Abschnitt erfasst, was dann ab 1907, also nach der Vereinigung der Orte Nowawes und Neuendorf, nicht mehr spürbar wird.
Innerhalb des jeweiligen Abschnitts stehen zuerst einige Bilder nach Zeitangabe und dann nach den Straßennamen und Hausnummern sortiert.
Da es sich um eine Betrachtung historischer Zeiträume handelt, nenne ich die zeitgenössischen Straßennamen zuerst und ergänze diese mit den heutigen. Dieses Prinzip trifft auch auf die Nummerierung der Häuser zu, wenn diese geändert wurde. –
Die aktuellen Fotos wurden vom Autor gefertigt. Nicht für alle alten Fotos, Drucke und Ansichtskarten konnten Fotograf und Verlag ermittelt werden. Druckerzeugnisse, die in allgemeinem Interesse bereits mehrfach veröffentlicht wurden, die als gemeinfrei gelten, bei denen mir aber die genauen Quellen unbekannt sind, stammen aus älteren Zeitungen und Zeitschriften, aus „fliegenden Blättern“ ohne weitere Angaben.
Falls ich mit der Wiedergabe auf dieser nichtkommerziellen Seite die Rechte eines anderen Menschen oder einer Institution unwissentlich berührt haben sollte, erbitte ich eine Nachricht, um die konkrete Quelle nachtragen zu können oder wenn gewünscht, um jenes Bild zu entfernen. –
Doch Schluss nun der Vorrede.

Die Zeit zwischen 1750 und 1850

Potsdam, Nowawes und Neuendorf.

Die Karte zeigt im rechten Teil den bereits im 14. Jahrhundert bestehenden Ort Neuendorf (hier: Neudorff) und die neue Colonie Nowawes für Weber, Spinner und andere Handwerker, wie diese geplant und ab 1751 ausgeführt wurde.
Quelle: Karte um 1830, Grundlage vom Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné und Zeichnung des Kartografen Wilhelm v. Möllendorf. Planquadrate und Farbe erst aktuell nachgetragen.

Der Werbebrief des Obersten Wolf Friedrich v. Retzow.

Dieser Brief (abschriftlich als eine Vielzahl von Handzetteln) war vorerst hauptsächlich für den Zuzug böhmischer Glaubensflüchtlinge gedacht. Der Brief wurde im Auftrag des preußischen Königs Friedrich II. geschrieben – im Oktober 1750, als hier in der künftigen Kolonie noch kein einziges Haus stand. Die Planung und Realisierung beanspruchte damals kurze Zeiträume.
Quelle: Landeshauptarchiv Potsdam

Nun sehen wir die Anlage des Ortes bereits mit ihren benannten Straßenzügen und weiteren wichtigen Anlagen, wie den Friedhöfen, einer der Maulbeerplantagen und dem Kirchplatz. Der Friedhof im Westen war bereits unter König Friedrich Wilhelm I. als Friedhof für gestorbene Kinder aus dem Potsdamer Militärwaisenhaus angelegt worden. Hier werden später (nach 1874) auch Diakonissen des Oberlinhauses bestattet.

Der hochkünstlerisch begabte Maler Bernd Selle hat in der Babelsberger Mühlenstraße an mehreren Hausfassaden sehr anschaulich Beiträge zur Chronik des Ortes gestaltet. Er zeigt uns auf dieser Karte einen Teil der Gemarkung Neuendorf.

Die Grundform der Typenhäuser. Davon sollen in der Zeit von 1751 bis 1753 vorerst 155 Gebäude errichtet werden, bis es später 210 Kolonistenhäuser sein werden.
Fünfachsig als Doppelhaus für zwei Familien angelegt, mit einem mittigen gemeinsam zu nutzenden Hausflur einschließlich Treppenaufgang. Darüber ein Krüppelwalmdach. Fachwerkaußenwände, die später bei Bausanierungen oft massiv ausgeführt werden. Das Gebälk aus Kiefernholz, für das Pfarrhaus aber Eiche. Es gab eine gemeinsam zu nutzende fensterlose (deshalb schwarze) Küche aber bald auch je Familie einen kleinen Küchenraum an der Außenwand. Im Laufe der Zeit wurde dieser Gebäudetyp in drei etwas unterschiedlichen Größen errichtet: Es musste noch mehr gespart werden.
Bei den ursprünglich geplanten und ausgeführten Gebäuden sprechen wir von den Kolonistenhäusern. Später errichtete Häuser, auch völlig gleichen Aussehens, die im Zuge der Verdichtung oder Erweiterung entstanden, werden dann als „Sekundärbauten“, als Weberhäuser bezeichnet.

Bei Umbauten wurde oft ein moderneres Satteldach verwendet. Es hatte die Vorteile einfacherer Konstruktion (auch für Reparaturarbeiten), einen etwas größeren Dachbodenraum und besonders später in der Gründerzeit, einen besseren bautechnischen Anschluss an neue höhere Nachbargebäude.

Der Grundriss eines solchen Gebäudes und seiner Wohn- und Heimarbeitsnutzung lässt die oft bedrückende Enge erahnen.
Die Bauten wurden fast ausschließlich als Zwei-Familien-Häuser mit 5 Achsen errichtet. Selten gestaltete man halbe Häuer mit 3 Achsen. Solche entstanden später vermehrt bei Teilabriss und Grenzbebauung mit einem anders gearteten Neubau.
Es gibt drei Typen von Kolonistenhäusern, die im Wesentlichen gleich aussehen. Die unten angegebenen Zahlen bezeichnen die Außenmaße der Gebäude. Für die genauere Ermittlung der nutzbaren Flächen wäre hier noch das minimierende Mauerwerk zu berücksichtigen.

Typ groß: 9,42 m x 12,56 m = 118, 3 m² : 2 Wohnungen = 59,15 m² je Whg.
Typ mittel: 7,85 m x 11,93 m = 93,70 m² : 2 Wohnungen = 46,85 m² je Whg.
Typ klein: 8,16 m x 11,30 m = 92,20 m² : 2 Wohnungen = 46,10 m² je Whg.

Die unterschiedlichen Größen wurden im wesentlichen durch Sparzwänge in der Folge des Siebenjährigen Krieges eingerichtet.
(Für den Bau des 300 m langen >Neuen Palais< im Park von Sanssouci hatten die Finanzmittel gerade noch so gereicht.) –
Wegen der Enge in den Wohnungen der Kolonisten wurden später auch Dachböden zu Wohnbereichen ausgebaut oder ein weiteres Zimmer angesetzt.
Die Wände waren ursprünglich als Fachwerk ausgeführt, mit Rohr und Lehm ausgefacht. Die Fußböden bestanden aus gestampftem Lehm, teilweise mit ausgelegten Mauerziegeln ergänzt. Selten gab es Holzdielen auf einem Kantholzrahmen über dem Sand.

Herr Bernd Selle zeigt auf einer Hausfassade den Schnitt durch ein Kolonistenhaus und die Raumaufteilung mit innenliegender „schwarzer Küche“ (b) und einem dritten Fenster je Raum.

Der Innungspokal des Zeug- und Garnweber-Gewerks.

Für die versuchsweise Herstellung von Natur-Seidenerzeugnissen wurden viele Maulbeerbäume gepflanzt – auf Plantagen, in den Straßen und auf dem Kirchplatz. Die Blätter des Maulbeerbaums waren die Nahrung für die Seidenraupen. Die von den Raupen gesponnenen Kokons wurden in den Wohnungen und auf den Dachböden aufbewahrt, dort die Raupen gezüchtet.

Das erste Blatt der Einwohnerliste von 1759 mit den Einwohner-Familien 01 bis 22 von etwa 420 Familien der Kolonie.
Quelle: Landeshauptarchiv Potsdam

Der Wohn- und Arbeitsraum im Kolonistenhaus.
Bereits der Webstuhl nimmt einen großen Teil des Raumes ein. Links das Wickelgerät, der „Morgenstern“ und oft noch ein Spinnrad, Lagerung der Fertigware, kleiner Esstisch mit Stühlen und irgendwo dazwischen auch die Kinder des Ehepaares.

Die Friedrichstraße – heute: Garnstraße

Ursprünglich, ab etwa 1754, hieß sie 6-Häuser-Straße. Die Geschichte weiß, dass es in dieser Straße nicht bei sechs Häusern blieb. Der Straßenname dann ab etwa 1903: Friedrichstraße (nach König Friedrich II.), nach 1940 kurzzeitig Nietzschestraße und seit 1945 Garnstraße.

Das Haus mit den heutigen Nummern 10 + 9 wurde im Jahre 1754 auf der Parzelle 154 errichtet. In späterer Zeit erweiterte man dieses Typenhaus nach rechts um eine Achse und wählte dabei ein Satteldach statt des originalen Krüppelwalmdaches. Diese Dachgauben waren ursprünglich nicht vorhanden. Es gibt nur wenige dieser Häuser, an die zwei Hausnummern vergeben wurden.
Im linken Gebäudeteil (Nr. 10) lebte 1889 für kürzere Zeit der Landschaftsmaler Otto Thomasczek, von dem wir in dieser Dokumentation mehrere Proben seiner Zeichen- und Malkunst sehen werden. Er war mit Vorfahren-Familien des Autors befreundet.

Dieses Gebäude in der Friedrichstraße (=> Garnstraße 30) beherbergte die erste deutsche reformierte Schule. Errichtet etwa 1764. Heute ist das Gebäude ein Wohnhaus. Der erweiternde Anbau in der Auguststraße = Tuchmacherstraße stammt aus späterer Zeit.
Ganz rechts der rote Klinkerbau – ein späteres Schulgebäude.

Das gleiche Schulgebäude – heute ein Wohnhaus, vorbildlich in ursprünglicher Baugestalt saniert und sehr gut gepflegt.

Die Friedrichskirche

Die Friedrichs-Kirche

Das Gebäude nimmt den zentralen Ort auf dem dreieckigen Platz ein. Das Gebäude wurde 1753 fertig – geweiht am 6. Mai 1753. Friedrich war kein besonderer Heiliger. König Friedrich II. war der Geldgeber, der Bauherr, der Erstbesitzer – und darüber hinaus der Auftraggeber für das Anlegen der gesamten Kolonie, der größten aller Kolonien, die er in Auftrag gab.
Diese Foto stammt nicht aus dem Jahr 1753 und auch die folgenden Bilder zeigen einen späteren Stand der Ausstattung.

Blick durch das Kirchenschiff in Richtung Osten, zu Kanzel und Altar. Das Aussehen des Inneren der Kirche wurde mehrfach etwas gewandelt. Ursprünglich war die Kanzel, wie meist üblich, über eine Innentreppe zu erreichen. Noch in der Kinder- und Jugendzeit des Autors zeigten Emporen, Säulen und Bänke einen blaugrauen Anstrich. Der später und somit auch jetzige Holzfarbton trägt zum heiteren Gefühl freundlicher Wärme wesentlich bei.

Wandleuchter, auch Blaker genannt. Diese sind aus modifizierten Mützenschilden, wie sie die Königlichen Garde-Grenadiere trugen, gearbeitet. Hier dienen sie aber ein wenig dem vorbeugenden Brandschutz für die Holzkonstruktion, vermeiden das häßliche Verrußen der Bauteile durch die Kerzen und tragen zu besserer Helligkeit bei, weil sie das Kerzenlicht reflektieren.

Auch an den die Emporen tragenden Säulen sind die kleiner brennenden Wachskerzen längst gegen elektrische Lampen ausgetauscht.

Der Blick von der Altarseite zur Orgel und zum Ausgang.
Gedenken an die Befreiungskriege 1813–1815

Der Kirchplatz – heute: Weberplatz

Kirchplatz war der Name bereits ab 1751, als noch keine Kirche dort stand. Um 1911 entschied man sich für Friedrich-Kirchplatz, um Verwechselungen zu vermeiden, denn inzwischen gab es ja mehrere Kirchen im näheren Umfeld. Ganz so sehr kirchlich wollte es der Staat später dann nicht halten und nannte die Anlage 1941 Friedrichplatz. Nun, bald gab es eine andere Gesellschaftsordnung und es schien Zeit, auch den Königsgedanken zu tilgen. Deshalb haben wir seit 1946 den Namen Weberplatz.

Das erste Gebäude, Kirchplatz 1, in dem Webermeister Wilhelm Delock mit seiner Familie lebte, existiert nicht mehr. Dessen Sohn Emil Delock richtete in einem neu erbauten Eckhaus ein Geschäft für Stoffe und Baumwollbekleidung ein.
Die große Begräbnisstelle der Familie ist heute noch im Friedgarten an der Wichgrafstraße zu sehen.

Das Haus Kirchplatz 2 aus Richtung Kirche gesehen. Es wurde 1753 auf Parzelle 147 erbaut. Der Erstbesitzer war der Etaminhersteller (Gazegewebe) Wenzel Sotscheck (heutige Einheitsschreibweise) aus Königgrätz in Böhmen mit seiner Familie. Erst später wurden stärkere Veränderungen am Baukörper des Hauses vorgenommen: An der rechten Hausseite wurden zwei Achsen angesetzt. Der Händler Gottfried Hönow erwarb 1880 das Haus und ließ in der Folgezeit über dem Erdgeschoss eine Drempeletage aufsetzen, das eine erweiterte Wohnnutzung ermöglichte. Hönow entschloss sich in dem rechten Hausteil eine Gastwirtschaft einzurichten. Das Gebäude ging an die Enkeltochter des Wilhelm Hönow über, die Erich Renn heiratete. Diese Familie verbrachte ihre Zeit bis zum Lebensende in diesem Haus.

Das gleiche Haus Kirchplatz 2 von der Kreuzstraße aus gesehen.

Das Haus auf der Parzelle 146 erhielt um 1852, wie alle anderen Häuser auch, eine Hausnummer. Hier: Kirchplatz No. 3. Das zum Ende der DDR-Zeit total heruntergekommende ruinöse Gebäude wurde mit großer Sorgfalt saniert und in vielen Belangen auf das ursprüngliche Aussehen zurückgeführt, wobei selbst an der linken Seite– beim Anschluss an das etwa höhere Nachbargebäude – nicht auf die Gestaltung des Krüppelwalmdaches verzichtet wurde. Die halbrunden Fenster in der Giebelwand des Dachraumes waren in der Entstehungszeit üblich.

Ursprünglich war das Gebäude Kirchplatz 5 auf Parzelle 145 ein übliches 5-achsiges Haus, 1753 errichtet. Der linke Teil wurde jedoch im Interesse des höheren Neubaus Nr. 6, nach 1911 abgebrochen, so dass wir hier heute ein halbes Kolonistenhaus sehen.
Der Erstbewohner war Gottfried Kretschmann aus dem sächsischen Ort Nichtwitz. Dieser verdiente sein Brot als Bäcker, Wollhändler und Bierschänker – doch nicht genug damit, er verdingte sich auch als Lehrer einer in diesem Hause deutschen Schule, in der sächsisch unterrichtet wurde, was aber nicht lange gut ging. Der Einnahmetätigkeiten des Kretschmann waren es zu viele. Den böhmisch sprechenden Kindern wurden die wichtigsten Lebensgrundlagen in der Schule Priesterstraße 22 gelehrt – siehe unten.
Auch dieses Gebäude wurde in den 1990-er Jahren grundlegend saniert.

Das Haus Kirchplatz 7 auf der damaligen Parzelle 144, wurde ebenfalls Mitte der 1990-er Jahre saniert. Es sind typische bautechnische Merkmale aus der Entstehungszeit vorhanden, wozu auch Fachwerk-Giebelwand im Dachgeschoss zählt.

Kirchplatz 9 auf der alten Parzelle 143 im Jahre 1753 errichtet. Hofseitig gibt Anbauten und das linke Hausende wurde mit einem Satteldach bedeckt.
Diese Seite des Kirchplatzes hatte noch das Haus Nr. 10 auf Parzelle 142, auch als Nr. 9a geführt, das nach Abbruch im Interesse des benachbarten Schulgrundstücks nicht wieder errichtet wurde.

Das Gebäude Kirchplatz 16 ließ Webermeister Friedrich August Baatz im Jahre 1844 als Sekundärbau auf Gartenland, einem zweiten Teilstück der Parzelle 215, errichten. Hier während der Generalinstandsetzung „giebelseitig geöffnet“ zu sehen. Es handelt sich um ein 7-achsiges Weberhaus mit Satteldach. Sanierung 1994.
Hier wohnten u. a. vor 1883- Gottfried Sotscheck oo Caroline, geb Melzheimer.

Nochmals das Haus 16. Nach der Sanierung mit Umbauarbeiten.

Das Gebäude Kirchplatz 17 ließ Gastwirt Salomon im Jahre 1842 als Sekundärbau auf Gartenland, dem ersten Teilstück der Parzelle 215, errichten.
Eine Sanierung mit Umbau erfolgte 1995 / 1996.

Auf Parzelle 139 wurde 1904 die rechte Hälfte des Kolonistenhauses Kirchplatz Nr. 23 abgerissen. Dafür entstand an dieser Stelle um 1905 ein Neubau mit drei Voll- und einem Mansardgeschoss. Der Bauherr war Herr Müller => >Jalousien-Müller<, der auch seinen Handwerksbetrieb dort einrichtete.

Kirchplatz 23. Das Haus der Nowaweser Weberinnung auf Parzelle 139. Die rechte (östliche) Seite des Kolonistengebäudes wurde 1904 zugunsten des Neubaus Nr. 22 abgebrochen, so dass wir heute nur noch die linke Hälfte des ursprünglichen Hauses sehen ∞ als halbes Kolonistenhaus mit hofseitigem Eingang.

Kirchplatz 24 auf Parzelle 138. Erstbewohner war die Familie des Johann Christian Heinrich Milch aus Gesnitz im Raum Dessau. Auch dieses Gebäude galt am Ende der DDR–Zeit als Ruine und war deshalb unbewohnt. Erhalten war jedoch der auf jedem Grundstück anzutreffende obligatorische Walnussbaum aus dem Jahr 1753. Das Gebäude wurde in den 1990-er Jahren einer vorbildlichen Grundsanierung unterzogen und auch das Gartenland neu gestaltet.

Kirchplatz 27 auf Parzelle 137. Ein großer Neubau. Hier bestehen ähnliche Verhältnisse wie bei den Häusern 22 und 23. Es wurde der linke (östliche) Teil des Hauses 26 abgebrochen, um Platz für den Neubau Nr. 27 zu schaffen.
Im Erdgeschoss betrieb Richard Sotscheck die Gastwirtschaft „Sängerklause“. – „Auch dieser Ort ist kein Museum“, sagen viele Leute. Andere Menschen bedauern eher, dass die Einheitlichkeit der einstmals harmonisch gestalteten Anlage durch neuere Großbauten auf Dauer gestört wird.

Der dreieckige Kirchplatz, der seit 1946 den Namen „Weberplatz“ trägt, war ursprünglich mit Maulbeerbäumen bepflanzt. Vom alten Bestand gibt es nur Einzelexemplare. Seit langer stehen Eichen auf dem Platz.

Die Lindenstraße

Ursprünglich 1751 Allestraße, ab etwa 1830 Alte Lindenstraße, nach 1903 Lindenstraße, vor 1838 zum Teil längs aufgetrennt und die südliche Straßenseite, nun eigenständig, als Retzowstraße weitergeführt. Die Lindenstraße erhielt 1946 kurz und bündig den Namen: Rudolf-Breitscheid-Straße (SPD-Politiker). Die Häuser der Straße wurden mehrfach umnummeriert, so dass es bei der Betrachtung von Historie und Gegenwart die Verschiedenheiten zu beachten gilt.

Die Lindenstraße 3 und 2 . Zwei halbe Häuser (=> Rudolf-Breitscheid-Straße 83 und 84).
In diesen Gebäuden lebten um 1949 Adolf Dombrowski und der Tapezierer-Meister Georg Sotscheck, beide durch Heirat innerhalb der Familien miteinander verbunden.

Die Lindenstraße 4a auf Parzelle 35 ist die heutige Rud.-Breitscheid-Straße 81. Das Haus wurde 1751 errichtet.

Das Bild zeigt in der Mitte das derzeitig von höheren neueren Häusern flankierte Gebäude der früheren Lindenstraße 4 a, heute: Rud.-Breitscheid-Straße 81. Im rechten Gebäudeteil wurde die Achsenaufteilung stark verändert und auch fand ein hofseitiger Ausbau statt.

Das Gebäude Lindenstraße 8 auf Parzelle 33 wurde 1751 errichtet, heute Rud.-Breitscheid-Straße 77. Nach dem Abriss des Musterhauses der Kolonie in der Retzowstraße 2 wurde es zum neuen Musterhaus der Baugewerkeschule Berlin, als Anschauungsobjekt zu Lehrzwecken für die Aus- und Weiterbildung von Bauhandwerkern gewählt, weil es sich noch immer weitestgehend im Originalzustand befand.

Das vorgenannte Gebäude Lindenstraße 8 => R.-Breitscheid-Straße 77 verfügt über Gartenland, dass sich bis zur Grenze des Friedgartens hinzieht.

Die frühere Lindenstraße 14 auf Parzelle 30, ist heute das Haus Rud.-Breitscheid-Straße 71. Das Haus wurde 1751 errichtet.

Die frühere Parzelle 27, später Lindenstraße 20, ist heute das Grundstück Rud.-Breitscheid-Straße 65. Das Gebäude wurde 1751 errichtet – dieses originale Kolonistenhaus stand aber nur bis zum Jahr 1997.

Ein Blick in den Hof des Hauses Lindenstraße 20 => R. Breitscheid-Straße 65

An dieses Haus sind im Hof zwei Seitenflügel angebaut worden, so dass die Räume des Haupthauses von dieser Seite (Nordseite) wenig natürliche Belichtung bekamen. Wir wissen aber auch, dass dieser Gebäudekomplex 1997 abgerissen wurde. Es entstand im gleichen Jahr ein Neubau, der die denkmalspflegerischen Belange berücksichtigt und mit der Auflockerung des Hofgeländes günstigere Wohnbedingungen erhielt. Wir sehen dieses neue Gebäude im Bilderteil „1851 bis nach 1950“.

Das Gebäude Lindenstraße 22 auf Parzelle 25, heute Rudolf-Breitscheit-Straße 62 wurde 1751 errichtet aber später völlig umgebaut, so dass nur noch die straßenseitige Fassade entfernt an das ursprüngliche Kolonistenhaus erinnert. In den 1950-er Jahren war dort ein Kino, die „Union-Lichtspiele“ eingerichtet, im Volksmund auch „Flohkiste“ genannt. Der Standort war nur wenige Schritte vom Kino „Thalia-Theater“ in der gleichen Straße, Haus Nr. 51 entfernt.

Das Kolonistenhaus Lindenstraße 40 auf Parzelle 17 ist seit 1946 die Rudolf-Breitscheid-Straße 45. Das Gebäude wurde 1751 errichtet. Im Gartengelände wurde ein weiteres Wohnhaus und ein langes massives Schuppengebäude errichtet. Dort war auch der 1751 obligatorische Walnussbaum bis nach 1950 erhalten. Das Haus rechts daneben ist die Lindenstraße 39 => R.-Breitscheid-Straße 46.

Lindenstraße 47-46-45-44. Das Kolonistenhaus Nr. 46 ist heute die Rudolf-Breitscheid-Straße 39. Ursprüngliche Parzelle 14. Gebaut 1751. In der linken (westlichen) Hausseite wurde um 1890 ein Geschäft eingerichtet mit großen Schaufenstern und einer mittig angeordneten Ladentür. Glaserei Zimmermann. Das Gebäude rechts daneben: Fleischerei Johannes Johl.

Lindenstraße 57 => Rudolf-Breitscheid-Straße 22. Das Kolonistenhaus von 1751 steht auf der Parzelle 7. Es wurde 1751 errichtet. Zwischenzeitliche große Änderungen durch Anbauten wurden bei der Sanierung rückgebaut. Die vorbildliche Sanierung lehnt sich gut an das Ursprungsaussehen an. Das Gebäude steht links neben der Zufahrt zum Gelände der Oberlin-Klinik, Rudolf-Breitscheid-Straße 24.
Das Haus wurde 1751 in der Lindenstraße auf Parzelle 36 errichtet. Diese Straße wurde mit dem Bau der Eisenbahnstrecke kurz vor 1838 längs aufgetrennt. Der Straßenteil, auf dem dieses Haus steht, wurde um 1903 Retzowstraße genannt. Das Haus war dann Retzowstraße 27, nach 1945: Benzstraße 27. Die Generalinstandsetzung fand 1992 / 1993 statt.
Die erste Eisenbahnstrecke in Preußen und damit „die Stammbahn“ wird im Jahre 1838 zwischen Potsdam und Berlin, über Zehlendorf, eröffnet.
Im Anschluss an das Westende der Lindenstraße, Am Schwarzen Damm, befand sich seit der Zeit König Friedrich Wilhelm I. der Friedhof des Potsdamer Militärwaisenhauses, kurz: Waisenfriedhof, genannt. Dieser wurde, einschließlich der davor im Eckhaus Wilhelmstraße => Alt Nowawes gelegenen Gaststätte „Zum Kaiserpark“, später, in der DDR-Zeit als Restaurant „Haushalter“ bezeichnet, im Interesse der Gestaltung der Autoauffahrt zur Humboldtbrücke, im Jahr 1977 aufgegeben, die Gaststätte, deren Kegelbahn an den Friedhof grenzte, abgebrochen.

Die Mittelstraße, seit 1930 Wichgrafstraße

Das Gebäude der Mittelstraße 2 war ursprünglich auch das fünfachsige Kolonistenhaus aus dem Jahre 1753. Es musste dem Bau der Webschule weichen, die von August Wichgraf ins Leben gerufen wurde.

Mittelstraße 18, erbaut im Jahre 1753 auf Parzelle 132, seit 1930 Wichgrafstraße 18. Augenfällig sind die breite flachgedeckte Dachgaube und der hofseitige Ausbau des Dachgeschosses.
Hier wohnten viele Jahrzehnte die Familien Kloppe und Füssel.

Die Gebäude 19, 19a und 21 stehen auf der Parzelle 122. Der Komplex 19a und der rechte (westliche Teil der Nr. 21) waren das ursprüngliche fünfachsige Kolonistenhaus. Wohl um 1874 baute man links (östlich) zwei Achsen an aber auch rechts wurde ein eigeständiges Haus mit drei Achsen, drei Geschosse hoch, etwa kubischen Aussehens, als Haus-Nr. 19 angebaut. Zustand 1990, vor der Sanierung.

Hier sehen wir das gleiche Haus, links 19 a, rechts Nr. 19 nach der Generalinstandsetzung.

Wichgrafstraße 23, 23a, 25. Hier sehen wir einen neun-achsigen Gebäudekomplex. Das ursprünglich fünfachsige Haus mit seiner wie üblich zetral liegenden Tür, wurde 1753 auf Parzelle 120 errichtet und um 1873 / 1874 sowohl links östlich), als auch rechts mit je einem Anbau von 2 Achsen erweitert.

Das Gebäude Mittelstraße => Wichgrafstraße 27 auf Parzelle 118, errichtet 1753. Sein Aussehen wurde durch das eingefügte Kniestockwerk und das Querhaus im Dach wesentlich verändert, was wohl in der Zeit nach 1880 vorgenommen wurde. Weitere Veränderungen traten im Zuge der Sanierung nach 1996 ein.
Seit 1926 wird das Grundstück als evangelischer Kindergarten der Kirchengemeinde genutzt.

Der Friedgarten schließt sich an das Grundstück Mittelstraße 27 => Wichgrafstraße 27 an und erstreckt sich bis fast zur Plantagenstraße mit seiner ursprünglichen Länge von 180 m bei einer Breite von 80 m. Im Jahr 1753 / 1754 wurde er angelegt. Die Weihe fand am 28. Juli 1754 statt. Zwei inzwischen mächtige Eichen flankieren das Eingangstor.

Die kleine Kapelle steht dem Eingang des Friedhofs etwa gegenüber.
Die nördliche Straßenseite der heutigen Wichgrafstraße mit dem Blick nach Westen (Richtung Weberplatz).

Die 11-Häuser-Straße, um 1903 in Mühlenstraße umbenannt.

Die Straße beginnt mit dem Haus Nr. 2. Das Haus Nr. 1, wohl ein Kolonistenhaus von 1765, fiel, genauso wie das Haus 1a dem Bau der Zufahrt zur Humboldtbrücke im Sommer 1977 zum Opfer. Zwischen jenem Grundstück mit dem Haus Nr. 1 und der späteren Gaststätte „Zum Kaiserpark“, lag der Kinderwaisenfriedhof des Potsdamer Militärwaisenhauses, auf dem aber später auch z. B. Diakonissen des Oberlinhauses bestattet wurden.

Mühlenstraße 2 auf Parzelle 197. Es handelt sich um einen Bau aus dem Jahre 1854. Somit ist das Gebäude kein ursprüngliches Haus für die Kolonisten, sondern ein Nachbau, ein Sekundärbau und wird somit als Weberhaus bezeichnet.
Nach gründlicher Sanierung in den 1990-er Jahren zog in das Gebäude eine Kindertagesstätte ein.

Das Kolonistenhaus Mühlenstraße 8. Es wurde im Jahr 1765 als ein fünfachsiges Haus auf der Parzelle 201 errichtet aber bereits ein Jahrzehnt später um zwei Achsen linksseitig verlängert. Ursprünglich befand sich die Hauseingangstür traditionell in der mittleren der fünf Achsen – die Tür aber wurde zur Hofseite verlegt.

Nochmals das gleiche Gebäude. Dieses Haus galt über Jahre hinweg als das kleine Rathaus. Es war „die Residenz“ des beliebten Orts-, dann Amts-Vorstehers für Nowawes, Neuendorf und Drewitz, August Friedrich Julius Mücke. In seiner Funktion war er auch der Verwaltungsbeamte für das Personenstandswesen (Standesbeamter) und kannte sehr viele Einwohner persönlich, hatte mit diesen mindestens bei den Geburtenregistrierungen, den Eheschließungen sowie bei den Einträgen der Sterbefälle zu tun und stand jenen mit seiner Herzensgüte bei. Julius Mücke war in seinem Erstberuf ein Mühlenmeister. Seine Verwaltungs-Dienstjahre übte er von 1870 bis 1897 aus. Seine Lebenszeit währte von 1838–1897. Leider starb er bereits im Alter von 59 Jahren.

Kolonistenhaus Mühlenstraße 9 und 10. Gebaut 1765 auf Parzelle 202 allerdings als ein übliches fünfachsiges Gebäude. Diesem wurden später rechts und auch links jeweils ein halbes Haus mit drei Achsen angesetzt. Somit bestehen hier drei Sektionen, heute ein Doppelhaus mit 11 Achsen.

Ein Gebäude in der Neuen Straße

Diesen Namen trägt die Straße seit etwa 1860. Sie ist also nicht mehr ganz neu – aber bisher ergriff niemand die Initiative zur „Erneuerung“ – und dabei gibt es durchaus gangbare Bezeichnungen, wie beispielsweise Parkstraße, weil sie geradewegs auf diesen zuführt, zumindest bis zur Mühlenstraße.

Das Gebäude Nr. 3 steht auf der Parzelle 160. Es wurde als Weberhaus um 1852 errichtet. Es weist einen sehr guten Sanierungszustand aus.

Nun ein Gang durch die Priesterstraße, seit 1946 Karl-Liebknecht-Straße, die die frühere Neuendorfer Eisenbahnstraße einbezieht.

Es waren in der Eisenbahnstraße anfangs 5 Häuser, so dass man beim gedanklichen Übergang von der Priesterstraße zur Karl-Liebknecht-Straße oft 5 Hausnummern hinzuzählt. So wurde beispielsweise die frühere Priesterstraße 22 zur Karl-Liebknecht-Straße Nr. 27. Allerdings hat die Straße noch eine weitere Besonderheit: Die Erweiterungsplanung erfolgte nicht ganz so wie vorgesehen. So merken wir beim Durchwandern der Straße, dass zwischendurch ein gutes halbes Hundert Hausnummern fehlen – und somit ändern sich auch plötzlich die Hausnummern nicht mehr um die vorgenannte Differenz von fünf Nummern, sondern gehen wir vom nördlichen Straßenende zurück in Richtung Rathaus, so müssen wir eine Hausnummerndifferenz von 53 berücksichtigen. Beispiel: Die frühere Priesterstraße 68 bekam bei der Straßenumbenennung und Umnummerierung die Hausnummer 121. Ich treffe immer mal wieder Bewohner der Straße, denen dieser Umstand überhaupt nicht bewusst geworden ist.

Kolonistenhaus Priesterstraße 7 und 8 auf Parzelle 52 ist heute das Haus Karl-Liebknecht-Straße 12 und 13. Es wurde 1752 in wie gewohnt fünfachsiger Ausführung gebaut. Es gehört zu den wenigen Fällen, bei denen für ein Haus zwei Hausnummern vergeben wurden. Entgegen der hier gezeigten Hausnummer, ist der rechte Hausteil die Nr. 7, die linke Haushälfte die Nr. 8. In dem Haus ist seit langer Zeit die Bürgel-Buchhandlung untergebracht, nach dem Volksastronomen und Schriftsteller Bruno Hans Bürgel benannt.

Das gleiche Haus in schräger Seitenansicht.

1752 wurde auf der Parzelle 60 ein fünfachsiges Kolonistenhaus errichtet. Der Erstbewohner ab 1752 und Besitzer ab 1760 war Wenzel Sotscheck aus Königgrätz in Böhmen. Eigentümer ab ca. 1832 Familie Zinnow, im rechten (südlichen) Teil Nr. 23 wohnend (heute Weberstübchen). Im linken Teil (spätere Nr. 19, heute 24) lebte Familie Gericke. Das Gebäude wurde im Laufe der Zeit räumlich durch Anbauten erweitert, so dass ein Gebäudekomplex fast doppelter Länge von 24,5 m entstand.
Um 1910 / 1911 wurde der linke Teil des Langhauses abgebrochen und auf der Fläche das vierstöckige Wohn- und Geschäftshaus Gericke errichtet. Im Gartenareal / Hofgelände befand sich das Gebäude einer Tischlerwerkstatt der Gerickes.

Das Gebäude Priesterstraße 20 auf Parzelle 62 im Jahre 1752 gebaut, ist heute Karl-Liebknecht-Straße 25.

Das Gebäude Priesterstraße 22 auf Parzelle 64, ist heute das Grundstück Karl-Liebknecht-Straße 27. Das Haus war die erste Nowaweser Schule, in der (im Gegensatz zur deutschen Schule, Kirchplatz 5) in böhmischer Sprache unterrichtet wurde. Hierin wohnte auch die Familie des Lehrers.
Viel später, nachdem der Kinderreichtum der eher armen Weber zu groß war und deshalb im Jahre 1806 eine größere Schule auf dem Grundstück Priesterstraße 24 errichtet wurde, lebten in diesem Hause immer noch Lehrer und anschließend Küster, Kantore und Organisten der Friedrichskirchen-Gemeinde.

Das Grundstück, diese Parzelle 64, zog sich weit (durch die erst später entstehende Lutherstraße) bis zum Grundstück Kirchpatz 14. Das Grundstück wird auf dieser Seite von einem etwa 40 m langen Bretterzaun eingefriedet, wie er in Böhmen als üblich galt.
In den 1950-er Jahren erneuerte der Bewohner, der Kantor und Organist Christlieb Albrecht diesen Zaun und der Autor dieses Berichts, Chris J. war ihm dabei ein junger interessierter Helfer.

Dieses Gebäude, ebenfalls 1752 gebaut, sieht etwas stattlicher aus, als die vorher gezeigte Schule für viele Kinder und ihren Lehrer. Es handelt sich um das Pfarrhaus auf Parzelle 66, in der Priesterstraße 23, seit 1946: Karl-Liebknecht-Straße 28. Das Gebäude entspricht im Prinzip den anderen Kolonistenhäusern ist aber im Platzangebot großzügiger ausgelegt, was sich vor allem am recht breiten Querflur (als Nebenraum) zeigt und schon bei der Errichtung nach Norden um eine Achse erweitert (also kein nachtäglicher Anbau, wie sonst öfter praktiziert). Es ist somit ein sechsachsiger Bau. Für das Gebälk wurde Eichenholz statt der sonst üblichen Kiefer verwendet und der Fußboden erhielt in vornehmer Weise Dielenbretter, was sonst selten vertreten war. Es lebte hierin als erster Bewohner der Prediger Wenzel Letochleb.

Grundstück Parzelle 67, Priesterstraße 24, heute: Karl-Liebknecht-Straße 29.
Auf der Parzelle 67 wurde das Kolonistenhaus im Jahre 1806 abgebrochen und stattdessen ein Schulneubau errichtet, weil die bisherigen Stätten die Anzahl der Kinder nicht mehr fassten. Das Haus lehnt sich traditionsgemäß an die Gestaltung der Kolonistenhäuser und auch des benachbarten Pfarrhauses an. Es ist größer, mit sieben Achsen ausgeführt. Die Zukunft wird wissen, dass dieses Bauwerk bereits nach 100 Jahren abgebrochen und ein gleicher Stelle durch einen wiederum größeren Schulneubau ersetzt wird, der dann später den Ehrennamen des Bruno Hans Bürgel (Schriftsteller und Volksastronom) erhalten wird.

Das Gebäude steht auf der Parzelle 82 in der Priesterstraße 35; heutige Anschrift: Karl-Liebknecht-Straße 40. Es ist das vorletzte Gebäude vor der Einmündung der Turnstraße. Es handelt sich um einen Bau von 1752, dem nach etwa 100 Jahren am Südende (rechte Seite) eine Achse und auch hofseitig ein zweigeschossiger Seitenflügel angefügt wurde, der die Belichtungsverhältnisse einschränkt. Das Gebäude wurde in der zweiten Hälfte der 1990-er Jahre grundlegend saniert, auch der Dachboden ausgebaut und mit Satteldachgauben versehen. Dem Nutzen im Sinne der Wohnqualität steht die geminderte Ästhetik der ursprünglich ausgewogenen Gebäude-Gestaltung entgegen.

Priesterstraße 38 => Karl-Liebknecht-Straße 93

Das Gebäude Priesterstraße 37 auf Parzelle 81 => heute Karl-Liebknecht-Straße 42, bildete mit dem hier gezeigten Bild des auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehendem Hauses Priesterstraße 38 auf Parzelle 80 (heute Nr. 93) den nördlichen Abschluss der Kolonie Nowawes. Wir sehen – eine spätere Gebietsplanung wurde nicht verwirklicht – es besteht hier eine Lücke von rund 50 Hausnummern, die nicht vergeben wurden.
Das fünfachsige Typen-Haus Priesterstraße 38 = Karl-Liebknecht Nr. 93 wurde im Jahr 1752 errichtet. Zu einem späteren, nicht genau bestimmten Zeitpunkt wurde südlich (links) ein vierachsiger Erweiterungsbau ohne eigenen Zugang angesetzt, der die Hausnummer 94 erhielt (rotes Gebäude, angeschnitten)

Auf der ehemaligen Parzelle 79 stehen die heutigen Häuser Karl-Liebknecht-Straße 97 (gedacht vorn links außerhalb des Bildes), 96 – im Bild zu sehen der rechte (nördliche) Teil des Hauses Nr. 96, das Haus Nr. 95. Ganz rechts, angeschnitten, ist das rote einzeln stehende Haus Nr. 94. Es steht schon auf Parzelle 80. Das Gebäude vorn links, die Nr. 96 war ursprünglich wie üblich freistehend und ist ein Kolonistenhaus aus dem Jahre 1752. Das im Zuge der Verdichtung rechts (nördlich) angesetzte Haus Nr. 95 mag etwa 125 Jahre jünger sein und wird als Weberhaus bezeichnet. Auch an die südliche Seite wurde ein weiteres Haus, die heutige Nr. 97, angesetzt.

Das Bauwerk der heutigen Karl-Liebknecht-Straße 100 / 101 steht auf der ursprünglichen Parzelle 77. Auch dieses Haus wurde im Jahre 1752 errichtet. Hierin wohnte spätestens seit 1755 die Familie des Wenzel Wessely (dem querulantiven „Königsquäler“) aus Podebrad in Böhmen.
In späterer Zeit versah man das Haus links (südlich) mit einem Anbau, der als Verkaufsladen genutzt wurde.

Ab 1750: Waldstraße, um 1892 Wallstraße. Seit 1946: Die Karl-Gruhl-Straße

Dieses ursprüngliche Kolonistenhaus in der Waldstraße => Wallstraße => Karl-Gruhl-Straße 56 a auf der Parzelle 89 wurde 1752 als fünfachsiges Gebäude errichtet. Der sich rechts (östlich) befindende dreiachsige Anbau (Nr. 56) wurde nach 1874 errichtet. Der Gebäudeteil rechts von der Eingangstür wurde für die Nutzung als Gaststätte gegenüber der ursprünglichen Baugestaltung wesentlich verändert.
Besitzer des Hauses ist seit 1896 Familie Hiemke. Hiemkes „Sportrestaurant“, weil nahe dem heutigen Karl-Liebknecht-Stadion gelegen. In diesem Hause konstituierte sich 1919 im roten Nowawes die Ortsgruppe der Kommunistischen Partei.

Ein weiteres saniertes Haus, Karl-Gruhl-Straße 17
Der Eigentümer des Nachbarhauses, links, Nr. 18, ist (um 1949) der Schlosser-Meister August Sotscheck.

Auf der ursprüngliche Parzelle 106 steht das heute nur noch halbe Weberhaus, ein Sekundärbau. Das Gebäude wurde um 1865 fünfachsig ausgeführt, der linke Teil von zwei Achsen jedoch in den 1980-er Jahren abgebrochen.

1764: 50-Häuser-Straße / Eichenallee, ab 1778: Neue Lindenstraße, ab 1875 Wilhelmstraße, seit 1953 Alt Nowawes

Dieses Kolonistenhaus steht auf der Parzelle 164. Es wurde nach dem Siebenjährigen Krieg, im Jahre 1764 als fünfachsiges Gebäude errichtet, das so bis 1911 jenen Bestand hatte. Wegen des rechtsseitigen Neubaus als Grenzbebauung auf gleicher Parzelle, wurden die nördlichen beiden Achsen des Kolonistenhauses abgebrochen. Der Eingang lag an der Stelle des rechten der drei Fenster und wurde zur Hofseite verlegt.
Dem Schaffen von mehr Wohnraum und reichlicheren Mieteinnahmen aus einem Viergeschosser, gab man den Vorzug gegenüber dem Bewahren des einheitlichen Ortsbildes – aber das bereits seit des Beginns der Gründerzeit.

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