Bilderserie zu den Lebensläufen Janecke oo Sommer.
Teil 1: Die Kinder- und Jugendjahre des Alfred Richard Janecke
Aktualisiert: Februar 2026
Es ist amtlich! Meine Mamá hat mich am 01. Oktober 1900 in Rixdorf, Kreis Teltow, Jägerstraße 69 geboren.
Meine Taufe am 04. November erlebte ich ein paar Schritte weiter – aber in Berlin, Zossener Straße, in der Kirche >Zum Heiligen-Kreuz<
Unsere wesentlich kleinere Kirche in Rixdorf, lerne ich erst später kennen, eben, weil ich dort n i c h t getauft wurde.
König Wilhelm I. gründete neben dem damals schon bestehenden deutschen Ort Rixdorf, nun Böhmisch-Rixdorf, als eine Kolonie der Weber und Spinner. Das liegt schon lange Zeit zurück.
Sommer 1901 in Rixdorf. Das Original-Foto wurde in schwarz/weiß gefertigt. Herr Dr. H. Schulze erneuerte 2026 das alte Foto mithilfe von KI farblich.
Das Bild zeigt uns Mamá Pauline Klara Antonie Janecke, geborene Dittwaldt. Geboren am 03. November 1872. Sie ist hier 28 Jahre jung.
Die Tochter: Pauline Elisabeth Käte. Geboren am 13. Oktober 1897.
Das Söhnchen: Alfred August Richard. Geboren am 01. Oktober 1900.
Wo nur mag der Vater gewesen sein? Das wird Nachgeborenen ein Geheimnis bleiben.
Im Jahre 1903 werden wir für ein Jahr nach Britz, Werderstraße 53 (=> Wederstraße) ziehen. Dort kann der Vater als „Fuhrherr“ Pferde und Wagen besser unterbringen.
Familie Janecke zieht 1904 nach Nowawes-Neuendorf. Der Vater folgt einem Ruf zur Arbeitswahrnehmung als Filialleiter der Kalk-und Mörtelwerke.
Quelle: Zeichnung des Landschaftsmalers Otto Thomasczek, 1903.
Wir wohnen unmittelbar am Flüsschen Nuthe auf dem Betriebsgrundstück der Kalk- und Mörtelwerke. Es ist dort manches sehr romantisch – anderes für Kinder aber auch sehr gefährlich.
... aus gegebenem Anlass – deshalb heute so festlich gewandet.
Die Kalk- und Mörtelwerke haben noch den zweiten Betriebssitz in der Potsdamer Straße 9, nahe des früheren Hakendamms. Dort werden Brennstoffe und Steingut-Erzeugnisse, hauptsächlich für die Bauwirtschaft, gehandelt. –
Nun habt ihr, leider auf zwei verschiedenen Bildern, meine Eltern kurz gesehen (Mamá mit uns Kindern und Papá beim Bier) und es wird Zeit, auf die beiden Großelternpaare einzugehen:
Von den Großeltern meiner väterlichen Seite gibt es leider keine Bilder. Sie stellen sich euch hier nur schriftlich vor:
Es sind Karl Friedrich August Janecke (der Ältere, 1842–1897) und Dorothee Elisabeth, geborene Neumann (1839–1912). Sie hatten drei Kinder, von denen mein Vater August (1869–1950) das mittlere Kind ist. Seine große Schwester ist meine Tante Luise, die Jochmann heißt und der Jüngere ist Onkel Wilhelm, ein Zimmermann. Beide leben in Wittenberge in der Prignitz. Großvater August war Postbediensteter und die Familie wohnte in Osterburg, (Altmark) Melkerstraße 10.
Fotoskizze: Chris J., 1982. Nach 1987 Abriss und Neubebauung.
Meine Großeltern mütterlicherseits, also die Eltern meiner Mamá, sind August Dittwaldt und Pauline, geborene Zinnow. Mein Großvater war Zimmermann und in späteren Lebensjahren Gastwirt.
Unsere neue Heimat ist ein einziger Abenteuer-Spielplatz.
Manchmal müssen wir drei uns aber auch „ganz ordentlich“, also „recht steif“ zeigen.
Ich besuche seit Ostern 1907 die neu errichtete 1. Gemeindeschule in der Priesterstraße 24 (spätere Grundstücksnummer 29), die mit der weithin sichtbaren markanten Kuppel über dem astronomischen Fernrohr im Dachgeschoss.
Quelle: Die Ansichtskarte wurde aber erst etwa ein halbes Jahrhundert später hergestellt – Diese Bildungsstätte steht dann also längst nicht mehr im Kaiserreich, sondern bereits zehn Jahre in der DDR, die sich in der Phase des Aufbaus des Sozialismus befindet. Weitere drei Jahrzehnte währt es, dann steht diese Schule in der Bundesrepublik Deutschland ... ohne dass sie ihren Standort gewechselt hätte.
Quellen: Handelsübliche Ansichtskarten
Im September 1909 zeigen die Amerikaner Orville und Wilbur Wright, Fahrradmechaniker und Flugpioniere, hier auf dem Bornsteder Feld, nahe dem Park von Sanssouci, ihre Flugleistungen mit dem selbstgebauten Motor-Doppeldecker. So etwas hat „die Welt“ noch nicht gesehen. Wenn das der Otto Lilienthal noch hätte erleben können.
Quelle: Werbung für Münzsammler, Ausschnitt
Dieses Buch erhielt ich von meinem Onkel Max Dittwaldt, Mamás jüngstem Bruder, der in Deutsch-Eylau wohnt, zu meinem 10. Geburtstag geschenkt.
Bald aber gibt es schon mehr solcher Wunder – auch kleinere. Manche Leute sagen: elegantere.
Die Zeit ist abwechselungsreich und vergeht wie im Fluge. Ich bin inzwischen 12 Jahre alt. Am heutigen Ferientag besucht Mamá mit mir den Botanischen Garten. Unmengen an Interessantem gibt es hier zu sehen. An Papá und meine Schwester sende ich von hier, am Gaststättentisch sitzend und schreibend, eine Zusammenfassung unserer Seh-Erlebnisse.
... er belegt, dass ich als Halbwüchsiger nun in den Kreis der Erwachsenen der Gemeinde aufgenommen wurde.
Ein besonders enges Verhältnis habe ich zu Onkel Max, dem jüngeren Bruder meiner Mamá. Max Dittwaldt, Diplom-Ingenieur, ist ein Reichsbahnamtmann. Leider wohnt er in Deutsch-Eylau, Westpreußen, so dass wir uns nur selten sehen. Er schenkt mir an diesem Tag eine Taschenuhr. Die Zukunft weiß, dass diese mich jahrzehntelang durch mein Leben begleiten wird, so wie auch seine Briefe und Gedanken.
Nach dem Abschluss der achtklassigen Volksschule stand für mich die Vorauswahl und Bewerbung für eine Ausbildung. Es bot sich die >Graphische Kunstanstalt< des Herrn Baudouin an, was durchaus meinen Neigungen entgegenkam.
Hier sollte ich nun binnen vier Jahren von der Pike auf, mit intensivem Pensum, zeichnen, schreiben!, malen, radieren, retouchieren lernen ... und vieles von dem, was damit zusammenhängt.
Hier seht ihr mich an meinem Ausbildungsplatz, in der hier üblichen vorgegebenen Kleidungsordnung. Von Anfang an gab es ein straffes Lehrprogramm aber auch Pausenzeiten zur Entspannung. –
Einige Proben meines Schaffens durfte ich mit nach Hause nehmen und mir als Spiegel der Lehrentwicklung aufbewahren.
Aufbewahrt habe ich z. B. „Den Mann im Sturm“, „Die Johannisbeere“, „Die Flasche“, „Das Farbtöpfchen“ sowie Versuche, mit verschiedenen Schriftarten klar zu kommen.
Und das Schönste: Nach nun inzwischen rund 110 Jahren könnt ihr diese Proben sehen – wie gerade frisch erarbeitet.
Wenn ihr also eine Pause vor dem Weiterlesen einlegen möchtet, nutzt bitte diesen Link. Dort sind allerdings nicht nur die Proben aus dem Jahr 1915 zu sehen, sondern auch weitere Arbeitsbeispiele aus meinem gesamten Berufsleben.
Link für Zeichnen und Schriftgestaltung: https://www.janecke.name/verschiedenes/schriftgestaltung/
Erläuterte ich gerade das Schönste, so muss ich aber auch das Ungute erwähnen: Diese gute intensive Lehrzeit währte für mich leider nur bis zum August des gleichen Jahres, endete bereits nach fünf Monaten, da mein Vater eine andere kaufmännische Stellung bekam. Sein neuer Betrieb: Die Lokomotivbau-Fabrik Orenstein Koppel. Das bedeutete für uns einen erneuten Orts- und Wohnungswechsel. Mamá seufzte sehr laut: Nicht schon wieder! Nach einem Jahr Berlin-Britz, zurück nach Nowawes. Dort würde der Vater in der Angebots- und Verkaufsabteilung von O. K. tätig sein.
Was lag da näher, als dass ich eine Lehre im gleichen Betrieb aufnehmen sollte. Eine vierjährige Lehre im Konstruktionsbüro der Fabrik. So geschah es dann auch tatsächlich.
Eine Wohnung in Nowawes fanden wir in der Mittelstraße 9 (=> Wichgrafstraße 9). Auf dem Bild sind das die vier Fenster hinter dem mittig angelegten Hauseingang. Etwas beengt ist es jedoch. Das Wohnhaus in der Britzer Hannemannstraße 32 a, war ansehnlicher und die Wohnung geräumiger. Das Einleben fiel uns ansonsten nicht schwer; wir kannten ja den Ort.
Mein Lehr-Arbeitsplatz im Zeichen- und Konstruktionsbüro ist nicht so kunstvoll wie bei Baudouin in Berlin aber auch hell und freundlich. Die Kleidungsvorgabe wird hier gleichartig und ebenso streng gehandhabt.
Der kleine Taschenrechner 1916 für Ausbildung und Berufsausübung.
In dieser Stellung der hellen Zahlenplatte können Additions- und Multiplikationsaufgaben erfolgen. Schwenkt man diese Messing-Folienplatte um ihre waagerechte Achse, so kann man mit dem Nutzen der Rückseite, Subtraktions- und Divisionsaufgaben lösen. Kosten: etwa 15 Reichsmark. (Die aufgelegte Werbung ist jedoch aus dem Jahre 1930 – erst später hinzugekommen.)
... kurz bevor der Vater in den Krieg ziehen muss. Wie wir später erfahren, wird er als Trainsoldat eingesetzt, dem unter anderem die Aufgabe obliegt, mit Pferden die Geschütze durch wenig wegsames Gelände an die Frontlinie zu ziehen. Er hatte ja seit seiner Kindheit den Umgang mit Pferden.
Meine praktische Ausbildung wird vom theoretischen Unterricht in der Fortbildungsschule begleitet. Später sagt man Berufsschule dazu. Die Schulstunden finden an den Abenden statt und zwar in der Mittelstraße 2, in dem früher als Webereischule genutztem Gebäude. So habe ich einen nur kurzen abendlichen Heimweg – einmal schräg über die Straße.
Die dritte bewegliche Turnerin von rechts ist meine Schwester Käte.
Es gehören dazu: Dreiecke / Winkel und Kurvenlineale mit unterschiedlichen Krümmungen sowie diverse Schablonen.
Auf Zeichnungen werden die Objekte meist kleiner dargestellt, als sie in der Natur vorhanden sind oder als diese später gefertigt werden sollen.
Zum Zeichnen bedient man sich deshalb eines Maßstabs.
Dieses hier abgebildete gute Arbeitsmittel ist beidseitig nutzbar und ermöglicht die einfache Größenumsetzung 1:1.000, 1:2.000, 1:2.500 und 1:5.000.
Gekauft wurde dieses Erzeugnis bei: „Großmann Nachfolger, Königlicher Hoflieferant – Mal- und Zeichenutensilien, Papier- und Schreibmaterialien – Berlin C, Brüderstraße 29“ (das >C< bedeutet: im Centrum der Stadt).
Der 25 cm lange Stab besteht aus edlem Stahl und liegt geschützt in einem Kästchen, das einen Lederbezug imitiert, mit violetter Samtauskleidung und seidener Überdeckung im gleichen Farbton.
Zur notwendigen Ausstattung gehört auch ein scharfes Messer. Es wird sowohl zum Abtragen von Farbschichten genutzt, als auch zum Radieren von Tusche-Darstellungen auf Transparentpapier. Dabei muss man darauf achten, dass zwar die Tuschezeichnung entfernt wird, jedoch keinesfalls ein Loch in das Transparentpapier geschabt wird. –
Das Messer war um 2016 wohl 100 Jahre alt.
Der Schraubendreher, unter anderem für die Zeichengeräte, hat einen Hohlgriff aus dunkelbraunem duroplastischem Werkstoff, in den sich die Klinge völlig einschieben lässt. Länge: 12,7 cm / 8 cm. Das Werkzeug steckt in einer schweinsledernen Umhüllung. Hergestellt wurde dieser Schraubendreher von „Voigt Haeffner A-G“, in Frankfurt am Main.
Es ergab sich, dass in der Nähe, in der gleichen Straße, eine günstigere Wohnung gemietet werden konnte. Mittelstraße 22, Erdgeschoss. Das ist es – das organisierte Mamá kurzentschlossen. Der Vater war ja weit fort, so ging der Umzug mit einigen weiteren helfenden Händen in unserer Eigenregie vonstatten. – Da wird der Vater etwas zum Staunen haben. Hausbesitzer ist der Töpfermeister Max Lüscher, mit dem es ein sehr gutes Auskommen geben wird.
Ich stelle euch gleich mal unsere neue Wohnung vor:
Handschriftlicher Text, bearbeitet
Der Zimmermann Wilhelm Janeke, Bruder von Richards Vater August Janecke, ist zurzeit Soldat (Kanonier) im Krieg. Er wurde im Gefecht verletzt und schreibt, nun schon wieder fast genesen, aus dem Lazarett. (Wilhelm schreibt sich stets >Janeke<, sein Bruder August aber immer >Janecke<. Beide Schreibvarianten, und weitere, traten bereits in der Vergangenheit auf.)
Hier der Text:
Absender: Kanonier Janeke, Festungslazarett Metz, Blandinenstift.
Metz, den 12.10.'17
Lieber Neffe, (ich habe) Deinen Brief richtig erhalten und habe mich wirklich sehr gefreut über die Dir zusagende, selbst gewählte Tätigkeit, denn nichts hilft einem besser über Kummer fort, als Schaffensfreudigkeit. Nun sei herzlich gegrüßt. Gruß auch an (Deine) Eltern und Schwester. Onkel Wilhelm. Brief folgt aus dem Felde, wo es bald wieder hin geht.
(Zu den Fragen der Lesenden: Die Stadt Metz liegt im Nordosten Frankreichs an der Mündung der Seille in die Mosel. Die Entfernung in Richtung Osten bis nach Saarbrücken und Saargemünd beträgt etwa 50 km. Die Zugehörigkeit der Stadt und des Gebiets wechselte nach Kriegen mehrfach zwischen Frankreich und Deutschland. Zur Zeit 1871 bis 1918 gehörte Metz zu Elsaß-Lothringen, Deutschland. – Bei der oben erwähnten >selbst gewählten Tätigkeit< geht es um ein Ehrenamt in der Freizeit. Richard betreut dort über ein Jahrzehnt lang im Rahmen der Kirche Jungengruppen in deren Freizeitgestaltung und Bildung.)
Schon drei Tage nach dem Absenden der Ansichtskarte schreibt Wilhelm den angekündigten Brief an Richard – zwei beidseitig mit Kopierstift (violett) beschriebene Papierbögen. – Der Briefinhalt wird, weil dort leichter lesbar, im Textteil unter dem Jahr 1917 angeboten.
Unser Vater bekam einen Kurzurlaub und Mamá konnte dem Frontsoldaten, der sich nach einem Braten sehnte, schlichte Kohlrüben-Festgerichte in verschiedenen Varianten anbieten.
Aus dem Krieg schreibt mir mein älterer Berliner Cousin Bruno (Sohn von Mamás älterer Schwester Hedwig Dittwaldt, verehelichte Weiland. Er schreibt wenig – auch wegen der Zensur. Immerhin ist es ein Lebenszeichen. Mögen sie im fremden Lande kein Unheil anrichten und auch gesund wieder heimkehren.
Eigentlich wollte der Kaiser noch allen Soldaten für deren Einsatz danken. Dafür ist es nun zu spät. Die Zeit wird knapp. Die kaiserliche Flucht in die Niederlande steht bevor. So leitet der Reichskanzler Prinz Max von Baden statt des Kaisers und nicht in dessen Sinne die >Abdankung< ein.
Die Kirche hat diesen Kreis der Helferinnen und Helfer, die einzeln oder zu zweit, insbesondere die zahlreichen Kindergruppen der Gemeinde betreuen. Dazu gehören Ausflüge, für die Größeren Wochenendfahrten, Gesangsstunden, das Einstudieren von Veranstaltungsprogrammen für Hoch-Feste – das Wesentliche natürlich mit christlicher Prägung. Na, und Zeit bleibt für ausgelassene Spiele. Richard J. ist in der hinteren Reihe der Dritte von links.
Zum Abschluss der Fortbildungsschule bekomme ich von der Bildungsstätte für meine Leistungen als Prämie die dreibändige „Hütte“ geschenkt. Das Taschenbuch des Maschinenbau-Ingenieurs. Ich werde es gut nutzen können, denn nach diesem Abschluss geht's gleich weiter – mit der ebenfalls abendlichen Qualifizierung zum Techniker.
... und ich gehöre dem kleinen ehrenamtlich arbeitenden Stamm-Personal an, hier mit den Aufgaben eines Sekretärs.
„Zum Auslüften“ von Körper und Geist nach dem langen Arbeitstag, kann ich auch andere Routen, statt der kürzesten Straßenverbindung wählen.
Seit April 1920, das ist kein Scherz, ist gar manches anders geworden:
Konnte man bisher mit einer hurtigen Wanderung die Stadt Berlin durchqueren, so ist das in einem Zuge nicht mehr möglich. In diesem Jahr hat Berlin 93 seiner Umlandorte „geschluckt“. Auch unser Kreis Teltow ist viele Ortschaften losgeworden, so auch meinen Geburtsort Rixdorf.
... es sei denn, man benutzt dazu den Zug!
Außer im Theaterring bin ich nun, 1922, auch dem Buchclub beigetreten. Dort wird eine Zahl von guten Büchern angeboten. So erwerbe ich dort auch das „Hausbuch“ mit einer Fülle von Zeichnungen und Gemälden Ludwig Richters. Märchen, Sagen, Gedichte, Lieder und Sprüche verschiedener Autoren gehören zum Inhalt. Ich gebe euch mal einen „Vorgeschmack“:
Als „Kostprobe“ nun der Beginn des Märchens „Tischlein, deck dich - Goldesel streck dich und Knüppel aus dem Sack“.
... und es geht noch viel weiter. Doch hier kann ich natürlich nicht die vollständige Handlung verraten.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten. Produktionsrückgang. Arbeits-Entlassungen, Geld-Inflation ...
Die hoffnungsfrohe Zeit am Beginn der Goldenen Zwanziger neigt sich bereits „zum Tanz auf dem Vulkan“. Wir kaufen „viel weniger“ aber zu weitaus höheren Preisen. Die Druckmaschinen, die Geldscheine herstellen, laufen sich heiß – immer neuere Scheine weisen immer weiter schwindelerregend steigende Summen aus.
Wo ist mein Geld nur geblieben? Wo, ja, wo? Solchen Fragen vorzubeugen, wurden in vielen Haushalten Wirtschaftsbücher geführt – man konnte mit größerem Aufwand, dann aber leicht, die Übersicht behalten. Im Normalfall. Während der Inflation gab Richard es am 27. August 1923 auf> die Ausgaben zu notieren, weil wegen der ungeheuren Geldentwertung fast täglich neue Preise festgelegt wurden und jene Schwindel erregende Zahlengrößen erreichten.
Auch diese gehören zu jenen Helfern, die ihr Ehrenamt mit Eifer und Hingabe wahrnehmen. Die Personen auf den Bildern wechseln so wie in der Natur.
Zwischen zurückliegender Inflation und bevorstehender Weltwirtschaftskrise (die wir noch nicht kennen) geht es der Auftragslage vieler Betriebe schlecht – und demzufolge den Mitarbeitern ebenso. Es folgen Massenentlassungen. So sind auch wir, Vater August und Sohn Richard diesmal darunter.
Der Vater wird sich nach ergebnislosen Bewerbungen in den zeitigen Vorruhestand begeben und ich werde im nun beginnenden Jahr einen eigenen Kleinstbetrieb eröffnen – gebe mir also selber die zuverlässigste Chance. –
Somit muss ich auch mit etwas Wehmut Abschied von den Lokomotiven nehmen – dafür winkt der „Aufbruch zu neuen Ufern“.
Wer von den Lesern und Bildbetrachtern sich jedoch für die alten Lokomotiven interessiert, kann diesen Link anklicken und noch etwas Zeit in der Historie weilen.
https://www.janecke.name/verschiedenes/lokomotiven-historische/
Die Vorderseite der Aluminium-Plakette trägt die Umschrift:
„Die Arbeit ist der Fels, auf dem die Kirche der Zukunft erbaut wird.“
Auf der Rückseite steht im Rund:
„Zur Erinnerung an Deutschlands schlimmste Zeit Deutschland“ ... und des Weiteren:
1923, im November kostete
1 Pfd. Fleisch 3.200 Milliarden Mark
4 Pfd. Brot 810 Milliarden Mark
1 Ztr. Kartoffeln 5.000 Milliarden Mark
3 Millionen Erwerbslose
Erläuterung zu dem Maßeinheiten: 1 Pfund Fleisch = 500 Gramm = 0,5 Kilogramm,
1 Zentner Kartoffeln = 50 Kilogramm = 0,5 Dezitonnen; – 5.000 Milliarden = 5 Billionen
„Deutschlands schlimmste Zeit“(?) – Man ahnte ja nicht, dass es noch viel schlimmer werden würde.
So blickt also der Chef eines Ein-Mann-Betriebes in die Welt. Mittelarm und zweckoptimistisch. Allerdings wurden mit dem Anschaffen von Maschinen und Geräten für meine bevorstehende Tätigkeit die finanziellen Reserven so stark reduziert, so dass ich nicht in der Lage war, irgendwo zweckentsprechende Geschäftsräume anzumieten. – Was ich meinen Eltern nicht hoch genug anrechnen kann: Sie schränkten ihre Bedürfnisse ein und stellten mir unser bisheriges Wohnzimmer zur Verfügung und das geht auch nur, weil meine Schwester demnächst heiraten wird und uns verlässt.
Baustellenaufmaße => danach techn. Zeichnungen, ebensolche für den Maschinenbau, Tankstellenanlagen, Lichtpausen (auch sehr großformatige), Herstellung von Druckerzeugnissen nach mehreren Verfahren, Berechnungen verschiedener Art, Ausführung von Kunst- und Plakatschriften nach Kundenwünschen, Drehpläne für die Filmproduktion und anderes mehr, wechseln nun in munterer Reihenfolge.
Link für Beispiele von Drehplänen – auch das hat etwas mit Schriftgestaltung zu tun:
https://www.janecke.name/ortsgeschichte/nowawes-filme-1/
„Herrn Richard Janecke, unserem treuen Arbeitskameraden in der Erziehungsarbeit unserer Kinderkirche. – Zum 10-jährigen Helferjubiläum am 4. Mai 1927, gewidmet vom Helferkreis an der Friedrichskirche zu Nowawes.“ (Handschriftlich ausgefertigt von Pastor Viktor Hasse).
Viel Freude aber natürlich auch größeren Arbeitsaufwand bezüglich Vorbereitung und Durchführung bedeutet die Kirchenarbeit mit den wissbegierigen munteren Jungen. Da muss ich bei meiner Belastung nun kürzer treten. Andererseits führte diese dankbare Aufgabe auch zu einem festen Freundeskreis ähnlich Gesinnter, auf den ich nicht verzichten möchte.
Einer der vom Alltag entspannenden Höhepunkte im Sommer 1929: Eben dieser kirchliche Helferkreis, wenn auch nicht alle Personen, ist heute mit dem kleinen Ausflugsschiff namens >Froh< fröhlich unterwegs zu einer Rundreise auf unseren reizvollen Havelgewässern. Gute Gespräche, frische Lieder in freier Luft und ein Schmaus füllen das Programm des Tages aus. Ein Kraftquell, für den wir dankbar sind.
In jedem Jahr gratuliert der Helferkreis unserem Pfarrer. Des Öfteren mit einem Buch und natürlich ist es meine Aufgabe, eine Widmung in das Buch zu schreiben (hier nur zwei Beispiele). Im Gegenzug bedenkt der Pastor auch seine treuen Helfer, was für ihn ja einen größeren Aufwand bedeutet.
Der Ausschnitt meiner kleinen Anzeige, in der Tageszeitung erschienen.
Der Lebenskreis meines guten Mütterleins schließt sich im Alter von nur 60 Jahren viel zu früh.
Sie bereitet für Papá, sich selber und mich die Mahlzeiten auf der >Kohle-Kochmaschine< und arbeitet auch seit längerer Zeit in meinem Einpersonen-Betrieb mit – so sind wir dort zu zweit – hier sehen wir sie an der Lichtpausmaschine.
Quellen: Handelsübliche Ansichtskarten
Während der Olympischen Spiele 1936 sind die Giganten der Lüfte besonders häufig über Berlin zu sehen.
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An dieser Stelle endet der Bildbericht über die Kinder- und Jugendjahre des Alfred Richard Janecke.
Vorhanden ist eine ähnlich gestaltete Bilderserie zu den Kinder- und Jugendjahren der Anne-Marie Sommer.
Eine weitere Bilderserie zeigt Ereignisse während der Verlobungszeit und des Ehelebens von Richard und Anne-Marie ab 1937.
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