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Die Stadt Buckow in der „Märkischen Schweiz“, im Land Brandenburg, Notizen zur Ortschronik


Heimatgeschichte, Hinweise auf die Ahnen der Familie in einigen Anmerkungen


Autor und Kontaktpartner für Fragen, Meinungen oder Hinweise: Chris Janecke,

E-Mail: christoph@janecke.name Stand der Bearbeitung: November 2016


Genutzte Literaturquellen:


Zu den direkten Vorfahren des Autors gehören aus der Stadt Buckow u.a.:


Zugehörigkeit: des Ortes:

Vor 1816: Oberbarnim (früher auch - mal - als „Bahrin“ bezeichnet), 1816 – 1950: Kreis Lebus im Lande Brandenburg, nach 1952: Dem Kreis Seelow im Bezirk Frankfurt (Oder) zugehörig. Nach 1990: Im Kreis Märkisch Oderland liegend.


Wappen:

Das Buckower Wappen zeigt Hopfen, die Rose und Burgzinnen.


Die Ortsbezeichnung:

Der Name des Ortes ist von der slawischen Benennung, als einem Standort von Buchen abgeleitet. Daher scheint es auch erklärlich, dass dieser Name für mehreren Orte gewählt wurde.


Hinweise zur Besiedelung:

Aus der frühen Bronzezeit, um 2000 vor unserer Zeitrechnung, sind uns noch keine Hinweise über eine Besiedlung des Gebietes übermittelt. Aus der Hoch-Bronzezeit (1600 – 1300 v. u. Z.) und besonders dann in der Spätbronzezeit (1300 – 750 v. u. Z.) können wir schon von einer stärkeren Besiedlung des Gebietes ausgehen. Es handelt sich um Stämme der Lausitzer Kultur: Ackerleute, Viehzüchter, Fischer, Handwerker (auch Bronzemetallurgie) und Jäger. Die Bodenfunde aus diesem Zeitraum bestehen aus Gefäßen in der Gestaltung der Buckelkeramik, aus Bronzesicheln, Schmuck sowie aus Überresten rechteckiger Pfostenhäuser mit Wänden aus Flechtwerk von Weide und Rohr, mit Lehm beworfen und jener glatt gestrichen.


In der Zeit der Völkerwanderung verlassen sowohl westgermanische Semnonen, als auch ostgermanische Stämme ihr angestammtes Heimatland. In diesen Lebensraum rückten Slawen, so beispielsweise vermutlich aus den Tiefen des späteren Russlands nach.


Um 1225:

Die Grenzburgen für das Leubuser Land, so auch die Schutzburg Buckow, werden wohl zu dieser Zeit von dem schlesischen Heinrich I (Henryk), dem Bärtigen, angelegt. Es erfolgt eine dörfliche Ansiedlung (villa Buchowe) deutschstämmiger Menschen, unter der Mönchsherrschaft stehend. An dem Standort der alten Grenzburg wird viele Jahrhunderte später „Das Warmbad“ für die Einwohner eingerichtet.


nach 1244:

Bildung einer ausgedehnteren deutschen Siedlung (praeurbium) vor der Burg Buckow.


1249:

Erstmals erwähnt eine Urkunde die Burg als „Castrum Bucowe“.


Um 1250:

Man baut eine Holzkirche als Gotteshaus für die deutschen Siedler.


1253:

Erzbischof Rudolf zu Magdeburg übereignet die „villam Buchowe“ („Das Dorf“) den Mönchen des schlesischen Klosters Leubus. Mit dieser Urkunde vom 18. April haben wir das heute älteste noch erhaltene Dokument vorliegen, in dem Buckow erwähnt wird.


1300:

Das alte hölzerne Kirchlein wird entfernt und von Leubuser Mönchen ein neuer Granitbau zum Lobe Gottes und für die fleißige Nutzung der Buckower errichtet.

Viel wird an Hopfen und Wein angebaut, allhier auch gut' Bier gebraut.


1375:

Im Landbuch von Kaiser Karl IV: wird eine Praeurbium (Vorstadt von Buckow) erwähnt.

Der Ort Klein Buckow muss an die Herrschaft 3 Choros (Wispel) des Humuli (der Hopfenernte) und des weiteren 2 Frusta Geldes geben. Der Anbau von Hopfen floriert mit reichen Erträgen. Deshalb ist hier auch ein Wispel (Maß) für die Bemessung der Abgaben größer gehalten, als anderen Orts.


1400:

In Groß Buckow finden wir 33 Hopfengärten. Das Gebiet des Ortes umfasst 6 Hufen.


1405:

Buckow wird erstmals Oppidum (Städtchen) genannt und geht als bisheriger Besitz des Klosters Leubus, nunmehr an den Herrn Poppo von Holzendorf über, der wahrscheinlich ein landesherrschaftlicher Vogt war.

In Groß Buckow und Klein Buckow bestehen 50 Brauer, die Stadtmühle mit 2 Mahlgängen, inclusive der Grütz- und Ölmühle, ferner eine Loh- und Walkmühle für die Lederbereitung der Schuhmacher und für das Walken der Stoffe aus der Tuchherstellung. Zusätzlich findet man eine Abdeckerei (Tierkadaver-Verwertung), eine Badestube und die Ziegelei, in der jährlich etwa 50.000 Ziegel hergestellt werden.


1412:

Grundherr von Klein Buckow (mit 10 Hufen Fläche, zu Pritzhagen gehörig), ist Cuno von Ihlow.


1416:

Albrecht von Holzendorf, Sohn des oben genannten Poppo v. H., verkauft die Herrschaft Buckow mit Mann und Weib, mit Katz und Maus an Cuno von Ziegesar, deren Sippe mehr als ein Jahrhundert über Buckow bestimmen wird. Hier wird der Ort als „Stetichen“ (Städtlein) bezeichnet.


1432:

Der Ort wird von den Hussiten zerstört und geplündert.


1465:

Vom Kurfürsten, das ist zu dieser Zeit Friedrich II. (genannt: Eisenzahn), wird das Abhalten von Wochenmärkten und zwei Jahrmärkten zugelassen.


1527:

In den Akten wird ein „Rat der Stadt Buckow“ erwähnt.


1540:

Neuordnung der Kirchensachen im Zuge der Reformation. Jetzt verwaltet der Kurfürst, Joachim II, Hektor, die Kirchengüter. Selbstverständlich ist auch die Stadt Buckow nun evangelisch.


1541:

Der erste evangelische Pfarrer in Buckow ist Thomas Sameland. Seinen Dienst des Herrn an der Gemeinde wird er bis anno Domini 1577 erfüllen können.


1550:

Buckow erhält das Stadtrecht. Die Schneider erhalten das Privileg, eine Innung zu gründen.


1554:

Besitzer von Buckow ist jetzt der Hofmarschall Adam Trott. Mit ihm zieht eine neue Abgabenlast für die Bewohner ein. An drei Tagen in der Woche ist für die Herrschaft zu arbeiten, außerdem das Mühlenfließ rein und entkrautet zu halten, Holz zur Mühle zu karren, einen Hund für die Herrschaft zu ernähren, Treiberdienste bei den Jagden sowie Bau- und Spanndienste zu leisten. Bisher hatten die Einwohner bereits Hopfenpacht, Gartenzins, Weinbergzins, Ackerzins, Hauszins und Pachthühnergeld zu zahlen. Nun das auch noch, kann man nur sehr leise stöhnen.


1570:

Ein Alaun-Werk wird eröffnet.


1618 – 1636:

Buckow bleibt in dieser Zeitspanne während des 30jährigen Krieges weitgehend von Kriegseinwirkungen und Plünderungen verschont.


1624:

In dieser Zeit hat sich die Bezeichnung „Buckow“ offiziell manifestiert.


1628:

Erwähnt werden in den Akten das Städtlein mit seiner Wassermühle sowie der alte und der neue Rittersitz mit seinem Baumgarten und den zwei Hopfengärten.


1633:

Buckow besteht jetzt aus 45 Häusern.


1637:

Buckow wird völlig von der Einwohnerschaft geräumt, die sich in der Umgebung versteckt. Die militärischen Truppen der Schweden und der mitziehende Tross spolieren (plündern) die Häuser, wobei man auch nicht vor den Herrschaftsgebäuden Halt macht.

Nahrungsmangel zieht die Hungersnot nach sich. Die Menschen der Gegend haben unter der Pest zu leiden.


1652:

Die Güter und Höfe, teils verwaist, befinden bei der ersten Erfassung nach dem großen Kriege in einem schlechten Zustand. Der Verfall der Kultur, die Verrohung der Sitten ist sehr zu beklagen. Mord, Gewalt und Diebstahl sind alltägliche Begleiter. des kargen Lebens.


1654:

Kaum ist unser Ort dabei, sich von den Schrecken des Krieges zu erholen, werden am 16. Oktober von einem Schadensfeuer 36 Häuser in Schutt und Asche gelegt, darunter auch die Schule und das Pfarrhaus.


1665:

Eine neuerliche, gar gewaltige Feuersbrunst äschert am 24. April fast die gesamte Stadt ein, davon ist auch das Grafenschloss betroffen, ferner der Kirchturm, das Pfarrhaus und das Diakonat. Das Rathaus ist ebenfalls nicht verschont – alle wesentlichen Archivalien werden zum Raub der Flammen. Vier Personen, unter ihnen auch des Pfarrers Eheweib, kommen in dem Flammenmeer um. Nur 14 Häuser sind noch bewohnbar.


1670:

Buckower Einwohner pachten für eine Erweiterung des Hopfenanbaus einige Landflächen des Pritzhagener Forstes, denn sie versorgen schon jetzt 39 der umliegenden Dörfer mit dem Bier als Grundnahrungsgetränk. Es handelt sich bei den Landstücken im Wesentlichen um nasse Luchgebiete am kleinen Tornowsee, im Roten Luch, am „Dümpel“, auf der Herrenwiese und am Sophienfließ die Nonnenwiese, die mit dem Anlegen von Gräben entwässert und in Hopfengartenland umgewandelt werden.


1674:

Es heiraten Feldmarschall Heyno Heinrich von Flemming und Dorothea Elisabeth von Pfuel (aus der Uckermark stammend). Sie sind derzeitig die Herrschaft von Buckow. Sie lassen das Schloss an leicht verändertem Standorte in barockem Stil und mit angegliederten Wirtschaftsgebäuden neu errichten. 1680 sind die Bauarbeiten dann abgeschlossen. Die Gartenanlagen werden nach französischer Art angelegt.

Die Herrschaft stiftet der Kirche die Gerätschaft für das Heilige Abendmahl.


1686:

Die Kirche geht in Flammen auf. Bis 1688 wird sie repariert und im barocken Geschmacke ausgezieret.

Schlosser, Kleinschmiede, Waffen- und auch Hufschmiede werden privilegiert und sollen sich zusammen schließen.


1687:

Zur Einwohnerschaft von Groß- und Klein Buckow zählen 45 Bürgerfamilien. Wir haben zwei Bürgermeister (die beiden Richter), vier Ratsmänner und vier Verordnete der Bürgerschaft.


1689:

Es wird die Dahmsdorfer Vorstadt angelegt.


1690:

Reparatur und Umbau der Kirche (in die über das Jahr 2000 hinaus bestehende Form. Nur der Turm erfährt mit seiner Bedachung noch mehrfache Änderungen). Die alten Feldsteine finden beim Umbau ihre Wiederverwendung. Baumeister N. Mathias aus Berlin ist mit diesen Bauarbeiten betraut. Dabei wird auch berücksichtigt, eine Gruft für Sarkophage der Herrschaftsfamilie anzulegen.


1694:

Groß Buckow besteht jetzt aus 67 Familien, die Vorstädte haben insgesamt 58 Familien. Das erscheint wenig, wenn wir das Jahr 1704 betrachten.


1704:

Das Einwohnerverzeichnis nennt derzeitig 203 Einwohnerfamilien. Vermerkt wird in der Aufstellung, wer Grundzins zu zahlen hat und wie viel Dienstgeld zu zahlen ist. Zu den Haushaltsvorständen gehören auch: (Es handelt sich bei der Aufzeichnung um die damalige Schreibweise) Michell Abendroth (siehe auch noch aktuell „Der Abendroth-See“), Johann Zwitzer/(Switzer), Fridrich Andraen, Friedrich Wilhelm Ebert, Hannß Bergemann, Erdmann Beezing, Matthiaß Bettge, Christian Bollerstäd, Christoph Beerend, Gürgen Burcherd, Andreß Bandow, Jürgen Brad und viele andere. Allein schon der mit uns (Familie Sommer) verwandte Familienverband „Wegen“, ist mit folgenden Familien vertreten: 160. Peter Wegen, 162. Sebastian Wegen, 163. Christian Wegen, 168. Jochim Wegen, 170. Jacob Wegen, 174. Michell Wegen.


1706:

Graf Johann Georg von Flemming übernimmt die Herrschaft über Buckow.


1709:

Die Kirche erhält eine Orgel, gebaut von Meister Johann Gottlieb Spiess. Sein Vornamens-Vetter Johann Gottlieb Bach, bestätigt ihm ein klangvoll gut gelungenes Arbeitsergebnis.


1715:

Notiz: „Der Pfarrer hat einen Obstgarten hinter'm Haus – nicht gar zu groß“.


1730:

Drei mächtige Strebpfeiler werden zur Stützung des Kirchen-Baues von außen angesetzt.

Groß- und Klein Buckow haben jetzt zusammen 207 Bürger und 14 Hausleute.


1738:

Am 04. August tobet grausig ein Orkan. Er verwüstet die Wälder und zerstöret auch Häuser.


1747:

Der Sohn Friedrich des bisherigen Grafen, übernimmt die Herrschaft. Dieser Graf zeigt ein anmaßendes Auftreten. Er schikaniert die Bevölkerung, wo er nur kann und drückt ihr noch mehr Lasten auf, deren Gewinne er für sich persönlich verbraucht. Er züchtigt auch persönlich Einwohner körperlich und / oder sperrt diese ein. Vorsichtshalber stellt er eine Schlossgarde von einem Dutzend Bewaffneter auf.

Das Hirtenhaus / Schäferhaus (in der viel später so benannten Königstraße No. 47) bildet die Ortsgrenze von Buckow, in Richtung des Friedhofs vor dem Tore, also in Richtung Sieversdorf.


1768:

Am 25. Aprilis wird in Buckow Johanne Charlotte Wegen geboren, die später, wenn sie dazu gereift ist, unseren Johann Friedrich Gottfried Sommer heiraten und mit ihm drei Kinder haben wird.


1769:

Bei einem heißen, minder sorgsam beaufsichtigten Küchenherd, bricht den 26. Octobris ein großer Flächenbrand aus, dem 57 Häuser in sechs Straßenzügen zum Opfer fallen. Zehn Jahre wird es dauern, bis die Wohnhäuser und die Schule wieder errichtet sind. Der Herr Graf war nicht bereit etwas dafür zu tun, bis er vom Beauftragten des Königs (Friedrich II.) gezwungen ward.

In dieser Zeit wird unser Johann Friedrich Gottfried Sommer geboren.


1777:

Der neue Herrscher ist itzo Generalmajor Heinrich Ludwig von Flemming.


1783:

Der nunmehrige Herrscher über Buckow ist des Vorgenannten Bruder: Christoph Friedrich von Flemming.


1789:

Friedrich Wilhelm von Flemming ist der Name des neuen Besitzers von Gut und Stadt.

In Buckow zählen wir insgesamt circa 170 Feuerstellen, darunter die der 13 Bäcker, 5 Böttcher, 5 Brunnenbauer, 3 Drechsler, 2 Fischer, 1 Glaser, 2 Maurer, 10 Leineweber, 1 Nadler, 4 Schlächter, 3 Schlosser, 4 Schmiede, 9 Schneider, 1 Schornsteinfeger, 20 Schuhmacher, 2 Seiler, 7 Stellmacher, 7 Tischler, 3 Töpfer und endlich 3 Zimmermeister., jeweils mit ihren Gesellen und Lehrjungen.


1789 – 1803:

Die Gutsbesitzerin „Frau von Friedland“ lässt die kahlen Hügel und Taleinschnitte zwischen Bollersdorf und Pritzhagen aufforsten. Sie gestaltet damit die späteren herrlichen Waldbestände dieses Gebietes, in weiter und auch weiser Voraussicht.


1791:

Bei einem gar schrecklichen Gewitter trifft ein Blitz den Kirchturm und dieser brennt ab.


1792:

Gleich nach dem Weihnachtsfest, noch vor dem Jahreswechsel, rücken die Königlichen Gardetruppen aus Potsdam und Berlin gegen das revolutionäre Frankreich aus. „Möge an uns dieser Kelch vorbeigehen“.


1793:

Zwei Jahre lang notdürftig sichernd abgedeckt, kann in diesem Jahr der zerstörte Turm der Kirche neu errichtet werden.

Im Juni muss auch Kronprinz Friedrich Wilhelm (der spätere König FR. W. III) „in das Feld der Ehre“ gegen Frankreich ziehen. Die Notwendigkeit des Feldzuges sieht er, genauso wie die Mehrheit in der Bevölkerung, nicht ein.


1794:

Der Bruder des 1789 genannten Gutsherrn, Friedrich Ludwig Heinrich Flemming, ist inzwischen der neue Herrscher. Der Schlosspark erhält eine großzügig anmutende, freundliche Umgestaltung nach englischer Art.

In diesem Jahr halten u.a. auch Johann Friedrich Gottfried Sommer und Johanne Charlotte Wegen Hochzeit. Johann ist Zimmermann, allerdings zur Zeit steht ihm der Einsatz als Kanonier, im Dienste des Königs Friedrich Wilhelm II., bevor.


1798:

In unserer Familie wird Marie Friederike Luise Sommer am 30. März in Buckow geboren.


Um 1800:

Baumeister Friedrich Gilly soll das Schloss umbauen – er aber stirbt am 03. August 1800. Statt seiner tritt sein vielseitig begnadeter, 21jähriger Schüler Karl Friedrich Schinkel im Jahre 1802 in den Arbeitsauftrag ein.

In unserer Familie wird Johann Friedrich Sommer am 30. Dezember in Buckow geboren. Er wird später in Potsdam ein tüchtiger Schuhmachermeister sein.


1801:

Es bestehen in Buckow insgesamt etwa 177 Feuerstellen, darunter die für 9 Bäcker, 4 Böttcher, 1 Feldscherer, 4 Drechsler, 2 Fischer, 1 Glaser, 2 Maurer, 1 Gutsbesitzer, 1 Hirte, 19 Hopfengärtner, 8 Leineweber, 2 Schmiede, 19 Schneider, 2 Töpfer, 8 Rademacher, 2 Zimmerleute, 1 Ziegelstreicher, 24 Schuhmacher, 9 Tischler, 1 Förster, 2 Prediger und 3 Schullehrer.


1802:

Karl Friedrich Schinkel erhält den Auftrag für den Umbau des Schlosses. Der Buckower Umbau wird ein Grundsätzlicher. Es wird ein moderner, solider, ein klassizistischer Rechteckbau mit Walmdach und zwei flankierenden Wirtschaftsgebäuden. Schinkel bearbeitet verschiedene aufwändige Aufträge zeitgleich. So hat er u. a. auch den Wiederaufbau des Schlosses Neuhardenberg in Arbeit.


1803:

In unserer Familie wird Carl August Sommer am 18. Dezember in Buckow geboren. Er wird später die Profession eines Müllers und Mühlenbauers ergreifen.


1805:

Die Bürger von Buckow mit Grundbesitz, bei denen man sich verspricht „etwas holen zu können“, sind mit Geldbeträgen abgabepflichtig, müssen das französische Lazarett mit Geldbeträgen unterhalten. Aus der Bekanntschaft unserer Familie Sommer, sind das beispielsweise die Familien: 11. Baltz, Klein Buckow, 52. Meister Schirmer, Klein Buckow, 86. Johann Stendike, Klein Buckow, 160. Jacob Wegen, Groß Buckow, 165. Gallaun, Klein Buckow, 168. Gädcke, Groß Buckow. Insgesamt sind aus Groß Buckow 170 Abgabepflichtige aufgeführt; von der Kleinen Stadt sind es acht Bürger. Unsere Familie Sommer zählt nicht zu den Vermögenden, den Grundbesitzenden, hat keine Geldabgaben zu leisten. Prinzipiell aber müssen alle Einwohnerfamilien Abgaben leisten – sei es denn in Naturalien oder durch eigener Hände Arbeit. Beispiele dazu, sind im Jahr 1808 angemerkt (siehe unten).

Über die täglichen Ausgaben des Lazaretts wird peinlich genau Buch geführt.


Ab 1806:

Den Magistrat der Stadt Buckow repräsentieren in jener Zeit die Herren Walter Rickheim, Kleist und Lachmund.

Mit dem Spätherbst des Jahres 1806 haben die Buckower Einwohner auch Abgaben an die Franzosen als Besatzungsmacht zu leisten. Der herrschaftliche Inspektor, Herr Werner, sammelt die Abgaben. Einmal in jeder Woche liefern die Bürger die Abgaben des Ortes an den französischen Kommandanten in Müncheberg ab. Es handelt sich um 21 Taler, die jedes mal, also wöchentlich, aufzubringen sind.


1807:

In dieser ersten Märzwoche des Jahres 1807 sind die Überbringer der üblichen 21 Taler: Der Schneidermeister Schirmer, der Bürger und Schneidermeister Reychert, der Bürger Herr Loose. An anderen Tagen dienen als Repräsentanten des Ortes, der Bäckermeister Fichmann und der Bürger Johan Baltz, der häufiger an der Übergabe beteiligt ist. Von der französischen Kommandantur wird die wöchentliche Übergabe / Übernahme des Geldes schriftlich quittiert. Der Dolmetscher namens Halyberlon ist dabei „hilfreich“. (Die Quittungen sind uns erhalten geblieben, ein Versuch der Rückumwandlung in Taler, scheint aber nicht aussichtsreich).

In diesem Jahr wird in unserer Familie am 05. März, Caroline Wilhelmine Sommer in Buckow geboren. Hier tritt, erstmals schriftlich festgehalten, auf, dass der Vater, bisher Zimmermann und Kanonier – nunmehr Hausmann ist, ein Invalide des Frankreichkrieges.


1808:

Die Bürger sind zu weiteren Abgaben an das französische Lazarett in Buckow verpflichtet. Die Schrift: „Verteilung der von der Bürgerschaft aufzubringenden Unterhaltskosten ...“ führt auf: Es werden Naturalien gebracht, aber auch Arbeitsleistungen vollzogen, die alle nicht nur genau registriert, sondern auch gleich taxierend in Geldwerte umgeschätzt werden. So geben beispielsweise in der letzten Januarwoche: Carl Schmidt: Brod, die Meister Gutsch und Semmler: Töpfe und Pfannen, Herr Schönbeck bringt Salz, Kerzen, Brennöl, Nägel und Lorbeerblätter. Herr Heller: 13 blecherne Löffel. Meister Conrad: Licht (vermutlich Kerzen), Herr Wagener: zwei Dutzend Löffel, And. Schmidt: Semmeln. Mstr. Gutsch und Semmler: Töpfe, Schüsseln, Teller, Milch, Sellerie und erbringen die Leistung des Holzhauens, Herr Rickheim liefert 6 Quart Milch und Schreibe-Materialien, Seife, Wachholderbeeren, zwei Besen, eine Metze Salz, Kien zum Feuer anmachen.

Im Februar geht es weiter: Leistungen der Waschfrau Borchert, von Georg Lucas eine messingene Schöpfkelle und ein Pfund Licht. Witwe Dabergotz diente mit 13 Tagen Aufwartung, ebenso Frau Gadieken. Witwe Schultze gab eine Stiege Erdtoffeln und einen Nachtstuhl, Carl Kreyde eine Metze Erbsen, Carl Wendt: Anrechnung für Arbeiten im Hospital und er gab einen Nachtstuhl mit Deckel -- so geht das täglich in den Jahren 1805 bis 1809 und oft ist nichts mehr da, was man noch aus Haus und Garten fortgeben könnte.


1809:

Nüchtern weist das Buckower Kirchenbuch aus, dass (unser Vorfahr) Johann Friedrich Sommer am 19. Februar, im 40. Lebensjahr verstarb. Zutiefst traurig ist auch die nächste Mitteilung, dass Hanne Charlotte Sommer, geb. Wegen, also seine Ehefrau, am 30. März nun ebenfalls verstarb und die vier Kinder zwischen 2 und 11 Jahren ihres Lebensalters, plötzlich Vollwaisenkinder sind.


1812 – 1815:

Auch Söhne der Stadt Buckow nehmen an den Befreiungskriegen gegen die napoleonischen Truppen teil. Mehrere Streiter der „Grande Armee“ sind im „Franzosengrund“ begraben.


1816:

Friedrich Ludwig Heinrich von Flemming gibt den Besitz weiter an Ritterschaftsrat Chr. Adolf Bogislaw von Flemming, als den nunmehrigen Herrn von Buckow. In diesem Jahr, nach dem Wiener Kongress, werden die Orte Groß Buckow und Klein Buckow zu „Buckow“ vereinigt.


1818:

Buckow wird als „Flecken“ mit inzwischen 207 Feuerstellen bezeichnet.


1820:

Eine Akte nennt Buckow das „Adlige Mediatstädtchen“.


1833:

Der künftige Herr auf Buckow heißt Leo Adolf Wilhelm von Flemming.


1848:

Zur Zeit der Revolution herrscht bei uns Albert von Flemming.


1854:

König Friedrich Wilhelm IV. besucht Buckow. Vom 12. - 16. September weilt er im Grafen-Schloss. Sein Leibarzt hatte ihm den Ort an Herz und Lunge gelegt, mit den Worten: „Majestät, in Buckow geht die Lunge auf Samt“. Die Einfahrtstraße für den Empfang des Königs war aber (genau wie die Kasse der Stadt) in einem so schrecklichen Zustand für die mäßig gefederte Kutsche, dass man vorsichtshalber fußhoch Sand zum Egalisieren aufschüttete. Dieser Zufahrtsweg wurde dann später „die Königstraße“ geheißen.


1862:

In diesem Jahr weilt unser bekannter märkischer Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane hier. Er findet das Straßenpflaster noch immer ganz schrecklich vor und beklagt das Fehlen von Bürgersteigen. Für ihn, den „Wanderer durch die Mark“ in der Kutsche, hat niemand Sand gestreut.

In diesem Jahr entbrennt der „Holzkrieg“.


1884:

Die Brüder Edmund Friedrich Ferdinand von Flemming und Karl Hans Adolf Felix von Flemming, bilden mit ihren Familien die neue Herrschaftsgeneration von Buckow und behalten diese für die nächsten 16 Jahre.


1885:

Wegen Einsturzgefahr muss der Kirchturm (errichtet im Jahre 1793) abgetragen werden.


1887:

Ein neuer Turm für die Kirche wird hochgemauert.


1891:

Nachdem der Innenraum der Kirche erneuert wurde, erhält das Gotteshaus eine neue Orgel, von der Orgelbaufirma Sauer aus Frankfurt an der Oder gestaltet.


1897:

Eröffnung der Buckower Kleinbahn-Strecke.


1900:

Die Herrschaft über Buckow obliegt jetzt dem Dr. der Jurispondenz, Herrn Hans von Flemming.


1901:

Der Kirchturm wird mit Liegnitzer Verblendziegeln umkleidet.


1907:

Buckow erhält ein Elektrizitätswerk. Eine neue, helle Zeit zieht ein.


1911 Beginn des Baus eines Freibades.


1917:

Im Ersten Weltkrieg müssen wir die beiden Bronze-Glocken der Kirche abgeben. Diese werden als Metall für die Kriegsmunition eingeschmolzen und anschließend mit Kanonen nach Frankreich verschickt.


1919:

Nach dem Ersten Weltkrieg verpachtet man das Schloss Buckow an den aus Potsdam stammenden Grafen Dohna-Schlodien.


1922:

Als Ersatz für die beiden damals eingezogenen wohltönenden Bronze-Glocken, erhalten wir für unsere Kirche drei Glocken aus Stahl.


1923:

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise wird Herr Albrecht Krebs neuer Bürgermeister der Stadt. Zu seinen Erfolgen zählen: unter anderen vollendeten Vorhaben:


1924:

Am 13. Juli wird auf dem Marktplatz der Brunnen feierlich eingeweiht.


1927:

Die Schmalspurdampfbahn wird auf Normalspurweite und elektrischen Betrieb umgerüstet und ...


1929,

... am 14. Mai wird dann der Elektro-Bahn-Betrieb aufgenommen.

Der Stadt Buckow wird die Zusatzbezeichnung „Bad“ verliehen.


1929 – 1945:

Auch in der schweren Zeit der Naziherrschaft ist Erich Andler Pfarrer in Buckow.


1931:

In Buckow werden 2.300 Einwohner gezählt.


1945:

Die sowjetische Rote Armee marschiert am 19. April in die Stadt ein. Die historischen Bauten der Schulstraße gehen verloren. Die Kirche fällt am 01. Mai einem Brand zum Opfer. Ihre Glocken stürzen hernieder und zerspringen.


1948:

Das Schinkelsche, klassizistische Buckower Schloss wurde zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört und die Ruine in diesem Jahr abgetragen.


1949:

Die kleine Gemeinde der Hasenholzer Gläubigen spendet uns eine ihrer Bronzeglocken. Sie ist für viele der Unsrigen unter den neuen Verhältnissen ein guter Trost, für den wir dankbar sind.


1951:

Die Kirche kann nach der Instandsetzung zum 08. April wieder eingeweiht werden. Von ihrer barocken Gestaltung ist nichts mehr vorhanden. Sie ist jetzt ganz sachlich, bewusst schlicht gehalten. Das steht ihr gut und scheint der Zeit angemessen.


1953:

Der Bau der Katholischen Kirche in der Lindenstraße wird geweiht.


1956:

Unsere Kirche erhält von dem Orgelbaubetrieb Eule aus Bautzen einen neuen Klangkörper.


1957:

Die Flächenausdehnung für ein 40qkm großes Landschaftsschutzgebiet wird festgelegt.


1960:

In diesem Jahr wird der Kirchturm mit einer großen Uhr ausgestattet.


1964:

Nun lässt auch ein neuer Außenputz die Kirche in neuem Glanz erstrahlen.


(1967) – 1993

Buckow besitzt einen Elektro-Triebwagenzug, der von der Oberleitung gespeist wird.


1972:

Die Bertold-Brecht-Schule wird errichtet.


1977:

Das Haus von Bertold Brecht und Helene Weigel am Schermützelsee, wird als Gedenkstätte deklariert.


1989:

Die Kirche kann in diesem Jahr mit Kupferblech neu eingedeckt werden.


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Nachbemerkungen:




------------------------ vorläufiges Ende der Aufzeichnungen zur Chronik -----------------------------------



Vielen Dank für die Geduld beim Lesen der Notizen zur halbamtlichen Stadtchronik.

Über eventuelle Ergänzungen der Notizen und Hinweise zu den genannten Personen, ist der Autor stets erfreut.



Als Zugabe für das tapfere Durchhalten beim Lesen des trockenen Stoffes, darf der nun folgende Bericht eines fünfeinhalbjährigen Jungen gelesen werden, dem sich im Jahre 1951 die Gelegenheit bot, hier in Buckow seinen „Urlaub“ zu verbringen.


Urlaub in der Schweiz

Gleich nach der Maifeier reisen wir mit Mutti nach Buckow in die Märkische Schweiz. Nein, richtiger ist, dass erst einmal die gesamte Familie fährt, denn Vati und Tante Käthe, bringen uns bis zum Bahnhof Strausberg, wo wir umsteigen müssen und dort kehren die beiden zu ihrer Babelsberger Arbeit zurück - aber für uns beginnt der Urlaub jetzt so richtig. In Buckow am Bahnhof angekommen, müssen wir uns erst einmal nach dem Weg zu unserem Quartier erkundigen. Mutti fragt eine ältere Frau mit Kopftuch, so nach der Art der Trümmerfrauen gebunden und geknotet. Und es ist nicht schwer zu finden: Vom Bahnhof ein Stückchen geradeaus, dann die Neue Promenade hinunter, links in die Königstraße hinein und dann, vor Pfarrhaus und Kirche gleich wieder nach rechts in die Wallstraße. Na bitte. Dort ist es dann das vierte Haus auf der rechten Wegesseite. Wir wohnen für die Ferientage im Hause der Familie Schoene in der Wallstraße 4, das sind Frau (Schwester) Schoene mit ihren Kindern Siegfried und Kriemhild und den weiteren Geschwisterkindern Michel, die, es ist ganz traurig, überhaupt keine eigenen Eltern mehr haben. Siegfried und Kriemhild sowie ihre Mutti, stammen aber nicht aus Xanten vom Unterrhein wie die echten aus der Nibelungenlied-Sage, sondern waren aus Sachsen hergereist.

Die Ingrid der beiden Michel-Geschwister wird uns etwa ein Jahrzehnt später als junge Frau, als angehende und berühmt werdende Opernsängerin wieder begegnen. (Aber das wissen wir natürlich jetzt noch nicht. Dazu ist einfach die Zeit noch nicht reif).

Familie Meinel aus Potsdam, ist im gleichen Hause, zur gleichen Zeit, wie wir zu Gast. Das heißt: Mutter und Kinder machen Urlaub, genauso wie wir, aber der Vater Meinel hat noch eine kirchliche Jungengruppe zu betreuen. Er also hütete derweil einen Sack Flöhe, wie es der Volksmund mitunter nennt und soll dabei ein strenges aber gerechtes „Regiment „führen.


Von der Wallstraße geht es zur Wohnung der Schoenes vier Stufen hinauf. Unsere Unterkunft ist so richtig einem Landurlaub angemessen: Wir haben ein hübsches Stübchen unter dem Dach, genauso wie die Meinels, nur jene auf der anderen Seite des Treppenpodests – müssen, um dorthin zu gelangen, die etwas knarrende, Holztreppe im Halbdunkel hinaufsteigen. Die Mahlzeiten nehmen wir aber gemeinsam unten, Hochparterre, in der Küche ein. Der Küchentisch ist mit einer Wachstuchdecke belegt. Über dem Küchentisch hängt von der Decke spiralig ein langes Fliegenfängerband herab.100 cm lang, 4 cm breit, mit braunem Kleber bestrichen - diese Zelluloid-Falle, die Lockdüfte ausdünstet. Also mich lockt es nicht, aber die armen Fliegen!

Aufmunternd wirkt dagegen das Schoene-Geschirr mit dem herrlich rustikalen Bauernmuster, mit frischen, kräftig farbigen Blumen und auch die neuen weißen Keramiktrinkbecher mit den bunten Bildern geschmückt, die Mutti für uns als Überraschung eingepackt hat. Morgens gibt es Milchkafe. Die Buttermilch schmeckt aus den Bechern aber besonders gut, doch abends den Kräutertee, gibt es wieder in Henkeltassen.


Viel haben wir uns vorgenommen – vor allem aber: Tüchtig erholen wollen wir uns. Das ist hier unsere wichtigste Aufgabe.

Und wandern will Mutti mit uns und dabei viel singen, so, wie eine Lerche, befreit von der Alltagslast, in den Himmel tiriliert. Schöne Wege gibt es ja genug, hat uns Frau Schoene berichtet. Und viel erfrischende Waldesluft, für die schon früher die Freifrau von Friedland weise vorausschauend gesorgt habe, indem sie die Wälder anpflanzen ließ. Das aber ist schon lange her, eben etwa so lange, wie die Bäume groß sind.

Bei trockenem Wetter und Sonnenschein geht das frohe Wandern, hinein in diesen warmen Monat Mai, auch sehr gut. Wie Ihr ja wisst, brauchen wir uns nur aus dem Haus die Wallstraße nach rechts über die Wallgrabenbrücke bewegen, also auf dem Weg, an dessen Zäunen viel Hopfen wuchert und schon ist man im Park, der früher, noch vor ein paar Jahren, Schlosspark hieß. Ein Grafen-Schloss gibt es hier seit sechs Jahren nicht mehr, nur noch ein paar Ruinenreste. Viel schöner ist der Bach, der sich vom Griepensee kommend, am Park entlang, zwischen Wald und Wiese, vorerst Richtung Marktplatz, zur alten Wassermühle schlängelt. Ein helles, schnell fließendes und klares Gewässer, gerade fuß- bis wadentief, so dass man ganz herrlich darin spielen kann und am Boden glitzern und gleißen die perlmuttbeschichteten Muschelstückchen im Sonnenlicht. Unsere preußische Mutti muss gleich anstimmen: „... I hab daraus getrunke, gar manchen frischen Trunk, i bin net alt geworde, i bin noch allzeit jung.“ (So, in der Art wird also im Schwabeland angegebe! Zumindescht singt das ihre dort wohnende Freundin so, mit einfach abgekürzten Worten und Mutti hat es sich aus lauter Freundschaft auch gleich angenomme.) Ja, im Urlaub (und mit braven Kindern), kann man sich eben noch jünger fühle. Wir kennen den Text und die melodische Weise natürlich selbstmurmelnd auswendig – es ist das Lied, welches so komisch mitten im Satz anzufangen scheint: „ ... Und in dem Schneegebirge, da fließt ein Brünn'lein kalt“ ... Ihr kennt es auch?

Auf verschiedenen Spaziergängen und auch kürzeren Wanderungen begleitet uns gern die freundliche alte Hausdame der Familie Meinel. Die Frauen haben sich immer etwas zu erzählen. Wir hüpfen, springen und hopsen dann etwas langsam-gesitteter.


Wir erleben wohl in jeder Ferienstunde etwas Neues, besuchen den nahen Griepensee und wandern auch zum Buckowsee durch den Erlenbruchwald, in dem auch einige Birken zu sehen sind, wo im Unterholz der Faulbaum und die Schwarze Johannisbeere wachsen. In Ufernähe und dort, wo das Licht ausreicht, finden wir Farnkraut und Wasserschwertlilien. Mit etwas Glück sehen wir den herrlich metallisch blau glänzenden Käfer, der die Erlen so sehr mag. In den Bäumen wohnen Stieglitze und Zeisige. Und auch die Libellen halten sich mit ihren Kunstflügen gerne in der Nähe der Bäche auf.


An einem anderen Tag laufen wir entlang des Flüsschens Stobber zur Güntherquelle und darüber hinaus in Richtung Tornowsee. Auf dem Rückweg haben wir ein Stück vor der Malzmühlenbrücke ungewollt Störche gestört, die auf dem Wege ihr Abendessen suchten – vielleicht zum Beispiel diese Nacktschnecken, denn wer kalte, labbrige Frösche speist, hält vielleicht auch etwas von diesen kaltblütigen „Köstlichkeiten“. Der Stobber-Bach schlängelt sich fußtief durch den Wald, bildet Buchten und formt Sandbänke. Die stark hüglige Landschaft zeigt je nach Feuchtigkeit des Bodens, wechselnde Waldbaumarten.

Aha, und so ungefähr sehen also auch die Alpen in der fernen Schweiz aus?


Zum größten See, das ist der Schermützelsee, ist es ein bisschen weiter. Wir besuchen dort mal die Badeanstalt. Das ist da nicht so romantisch. Aber es gibt noch mehr Seen, wie den Abendrothsee (weil der Mann so hieß, hat der See diesen Namen) in der Nähe von der Mühle und es gibt auch den Weißen See. Natürlich zeigt uns Mutti auch den Kurpark zwischen dem Schermützel- und dem Buckowsee, in dem sie ebenso fremd ist, wie jener für uns neu. Dorthin gelangt man einfach, wenn man durch den Park, über die (Schloss)-Parkbrücke, vorbei an der Wannen-Warm-Badeanstalt und über die Stadtmühlenbrücke erstmal in Richtung Freibad läuft.


Wenn man noch müde vom Wandern oder das Wetter regnerisch oder das Gras am Morgen noch feucht vom Tau ist, soll man erst mal besser in der Stadt bleiben. Dann läuft es sich in der Natur nicht so gut. Oder besser: Es läuft sich sehr schlecht. Nehmen wir nur alleine schon unseren Wallweg in Richtung Park durch den kühlen Grund. Mit schwarzen Nacktschnecken ist er dann wie übersät, so dass ich gar nicht weiß, wohin ich beim Laufen meine Füße setzen soll. „Der Schneckenweg“, so wird das letzte Stück der Wallstraße von mir genannt. Aber eigentlich gibt es davon viele. Hoffentlich bekommen die freundlichen Storchenpaare viele hungrige Jungen.


Anstrengend ist für mich, wegen der aufkommenden „langen Weile“, die Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst. Zwar findet er bei dem schönen Frühjahrswetter nicht im kalten Kirchen-Raum, der gerade von den Schäden des schrecklichen Weltkrieges, also besonders vom 1. Mai 1945, instand gesetzt ist, sondern unter freiem Himmel auf grob gezimmerten Bänken (ohne Rückenlehne) statt. So kann ich zumindest den entscheidungsfreien Vögeln hinterher schauen. Mutti kennt diese Unduldsamkeit bei der Nutzung meiner Zeit und hat fürsorglich für mich das Kräuter - Quartettspiel zur inneren Erbauung anderer Art mitgenommen, welches ich aber natürlich „in- und auswendig“ kenne. Vor Verzweiflung über das gar zu langsame Voranschreiten der Uhrzeiger, rupfe ich mir einige Haarbüschel aus – eine Art von Selbstkasteiung oder Buße wegen der zu geringen inneren Anteilnahme am Loben und Preisen oder der Negierung der Mahnung: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens. So habe ich zumindest ein bisschen gegen mich selbst gekämpft. Die Erbauung jedoch liegt für mich dann eher in der Erlösung durch den Ablauf der Zeit.


Interessant zum Fotografieren ist das Pumpen des Wassers gegen den übermächtigen Durst von Mensch und Tier, am Marktplatzbrunnen. Eine große Attraktion – fast ein Wahrzeichen für die Stadt. Der Brunnen wurde 1924 errichtet, als “Born der neuen Lebenskraft“, wie so schön gesagt wird. Wurde. Hier fotografiert Mutti uns, mit Kriemhild und Siegfried, als Beweis, dass wir hier sind und zur lieben Erinnerung für die nächsten Jahrzehnte, wie schön es doch hier war.


Viele kleine nette weitere Begebenheiten „am Rande des Weges“ erleben wir in diesen Tagen. Diese Ferien – ein Höhepunkt des Jahres, der uns tief bewegt.


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