Ehepaar Melsheimer oo Wessely

Für ganz schnelle Bildbetrachter hier eine Übersicht zum Ehepaar Melsheimer oo Wessely und ihren Kindern. Ausführlichere Informationen enthält der Textteil.
So etwa sahen damals die Vögel die neue Weber- und Spinner-Kolonie, wenn sie diese überquerten. Rot hervorgehoben sind einige Grundstücke: Parzelle 10, in der Lindenstraße (auf dem Gelände des alten Nowaweser Rathauses, des späteren Kulturhauses) ist die Wohnstätte der Familie Josua. Auf Parzelle 60, in der Priesterstraße, spätere Nr. 18/19, lebt die Familie Sotscheck. Parzelle 66, spätere Priesterstraße 11, gehört der Kirche. Hier haben die Prediger der Friedrichskirche ihren Wohnsitz. Auf der Parzelle 77, am Ortsausgang, vor der späteren Grenzstraße, wohnt die Familie Wessely. Erstnutzer: Wentzel Wessely (Weber, Spinner, Schneider) und seine Frau Anna. Die Bewohner der anderen Parzellen sind namentlich bekannt, werden hier aber nicht aufgeführt – es wären zu viele. Der Ortsplan in dieser Form wurde im Jahre 1759 gezeichnet.
Vom Königlichen Schlosspark Babelsberg hat man diesen Ausblick auf Nowawes. Allerdings besteht zu „unserer“ Zeit allein der Turm der Friedrichskirche (links). Die anderen Türme: Rathaus und Oberlin-Kirche gibt es noch nicht. Diese kann der Maler und Zeichner Otto Thomasczek erst am Beginn des 20. Jahrhunderts ins Bild einfügen.
So etwa, vorwiegend aber mit Walmdach, sahen die Neubauten der Kolonie aus. Die Gebäude wurden fast ausschließlich als Zwei-Familien-Häuser gebaut. Typenhäuser. Von diesem Grundtyp gab es drei verschiedene Größen:
Groß: 9,42 m x 12,56 m= 118,3 Quadratmeter; 2 Wohnungen mit je 59,15 Quadratmetern.
Mitte: 7,85 m x 11,93 m = 93,70 “, 2 Wohnungen mit je 46,85 “
Klein: 8,16 m x 11,30 m = 92,20 “, 2 Wohnungen mit je 46,10 “.
Diese Maßangaben beziehen sich auf die Außenmaße der Gebäude. Die nutzbaren Flächen sind kleiner, da hier die Maße für das Mauerwerk abzuziehen sind. Die Außenwände zum Teil als Fachwerk errichtet und die Fächer mit Lehm und Rohr/Stroh-Gemisch gefüllt. Später wurden zum Teil die Dachböden ausgebaut und mitgenutzt. Die Fußböden bestehen meist aus gestampften Lehm oder ausgelegten Ziegeln. Seltener sind Holzdielen auf einem Kantholzrost, der auf dem Sanduntergrund aufliegt.
Ein Blick ins Innere eines Kolonistenhauses. (Das Foto entstand während der Generalinstandsetzung des Hauses Weberplatz 16 im Jahre 1994).
Bild eines der Typenhäuser von 1750 / 51. Das Haus Kirchplatz 9, heute Weberplatz 9.
In der Friedrichskirche wurden wir getraut, die Kinder getauft und am Lebensende ausgesegnet. Zu unserer Zeit und des Lebens unserer Nachkommen versahen das Amt des Predigers: 1751–1765 Wentzel Letochleb, 1765–1797 Matthis Mose, 1798–1809 Johann Benjamin Kropatschek, 1810–1825 Julius Münnich, 1825–1831 Gustav Adolph Uhlmann, 1831–1843 Julius Wilhelm Papin, 1843–1848 Franz Ludwig Steinmeier, 1848–1856 Ernst Adolph Stobwasser, 1856–1872 Karl Friedrich Groote und 1840–1917 Georg Paulus Koller.
Der Begrüßungspokal des Nowaweser Weber- und Spinner-Gewerks, der „Willkomm“.
Der Webstuhl in einer Nowaweser Wohnung in einer idealisierten Darstellung. Der Arbeitsraum groß und hell, übersichtlich und freundlich ... (Abbildung auf einem der Notgeldscheine 1923 während der Inflationszeit.)
... die Praxis aber zeigte eher drückende Enge für das vielstündige Arbeiten und Wohnen. Im Raum standen ein bis 2 Webstühle, dazu der Arbeitsplatz am „Morgenstern“ zum Aufwickeln der Wollfäden oder ein Spinnrad. Die Beleuchtung für die langen Arbeitstage sehr mäßig. Auch wurde hier im Raum die Fertigware bis zur Abholung gelagert. Ein gesondertes Wohnzimmer mit einem Esstisch für die meist größere Familie war nicht vorhanden, auch Flächen für Spiele der Kinder sucht man vergebens.
Blätter eines Maulbeerbaumes – Nahrung für Seidenraupen. Auch in Nowawes wurde die Produktion und das Verarbeiten von Naturseide versucht.
Ab 1852/53 erhielten die nummerierten Parzellen geordnete Grundstücks-/ Hausnummern. Hier sehen wir das Gebäude der alten Böhmischen Schule (errichtet 1752, auf Parzelle 64), in der nunmehrigen Priesterstraße 22, nach 1945: Karl-Liebknecht-Straße 27.
Dieses Bild zeigt uns die Rückseite des Schulgebäudes. Zwischen der Straße und dem Gartenland die fast nicht enden wollende Grundstücksgrenze, bestehend aus einem typisch böhmischen Bretterzaun. 40 Meter lang. Fast so lang wie diese kurze Straße.
Hochsommer 1956: Dieser Zaun ist im Laufe der Zeit marode geworden – er muss dringend erneuert werden. In dieser Zeit und den dann folgenden Jahrzehnten lebt in diesem Haus die Familie des Küsters, Organisten und Kantors der Friedrichskirche: Christlieb Albrecht. In diesen Tagen ist er für diese Holzarbeit der Ober-Handwerker (er kann auch das ausgezeichnet) und ich, Chris Janecke, 10 Jahre, helfe ihm gern dabei – ich habe ja Große Schulferien. Darüber vergehen einige Tage emsiger Arbeit, unterbrochen von seinen Hauptverpflichtungen.
Später errichtete man auch eine Schule für deutsche Kinder in der 6-Häuser-Straße. Das ist die spätere Friedrichstraße, nach 1945: Die Garnstraße.
Als diese beiden kleinen Schulen den räumlichen Anforderungen nicht mehr gerecht wurden, baute man Im Jahre 1806 in der Priesterstraße die neue Gesamtschule. Diese hatte bis 1906 Bestand. Auf dem gleichen Grundstück wurde anschließend die „Bruno-Hans-Bürgel-Schule“ errichtet.
Windmühlen zum Mahlen des Getreides gab es an mehreren Stellen. Diese hier stehen in der Neuendorfer Gemarkung (nahe der späteren Großbeeren Straße).
Unsere Kinder wachsen in ein neues Zeitalter hinein. In jener Zeit wird es manches geben, was man sich in unseren Tagen noch nicht einmal vorstellen kann! So werden bis 1838 die Vorbereitungen für einen Eisenbahnverkehr – völlig ohne Pferde – getroffen.

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