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Gericke oo Borchert

Tabellarischer Lebenslauf


Nach eigenen Recherchen zusammengestellt von Chris Janecke, Bearbeitungsstand: August 2015



Die Eltern (Probanden)




Vater:



Mutter:

Name:

Gericke


Borchert

Vornamen:

August Julius Otto

Wilhelmine Marie


Die Eltern:

Vater: August Julius Otto Gericke, Tischlermeister und Kirchenältester

Vater: Rudolf Borchert, Webermeister

Mutter: Wilhelmine Sonntag,

beide in Nowawes lebend.

Mutter: Charlotte Friederike Zinnow

Mutter: Wilhelmine, geborene Sonntag

Geburt:


Nowawes, Priesterstraße 8, am 06. Dezember 1855, um 8 Uhr früh.

Marie ist geboren zu Nowawes, in der Wallstraße 19, am 06. October 1861 um 9 Uhr früh.


Taufe:

Taufe am 22. Dezember 1855 durch Pfarrer Stobwasser. Paten: 1. Frau Zinnow,

2. Meister Gericke, 3. Frau Stauch, 4. Marie Thal.

Getauft wird das Kind am 20. October 1861 durch Pastor Kühne.

Die Paten sind: 1. Frau Auguste Thalheim, 2. Frau Friederike Bertholz, 3. Amalie Borchert, 4. Marie Gebauer.

Beruf / Stand:

Tischlermeister

Mutter und Hausfrau

Wohnanschriften vor der Ehe:

Er wohnt 1883 in der Priesterstraße 8.


Sie wohnt in Nowawes, Wallstraße 19


Trauung / Eheschließung:

Otto heiratet in Nowawes am 04. Juni 1883 (bürgerliche Eheschließung auf dem Standesamt) mit 27 Jahren die Jungfrau Wilhelmine Marie Borchert, zur Zeit 21 Jahre jung. Zeugen auf dem Standesamt: Tischlermeister August Gericke (Vater des Bräutigams), 51 Jahre alt, wohnend in der Priesterstraße No. 8 und der Webermeister Rudolf Borchert (Brautvater), 52 Jahre alt, in der Wallstraße 19 lebend. Am 05. Juni vollzieht Pfarrer Koller die Trauung in der Friedrichskirche.

Quellen: Standesamt Nr. 26 / 1883, Stadtarchiv Film P 290, Bild 117. Kirchenbuch (KB) 29 / 1883.

Wohnanschriften, gemeinsame:

Nowawes Priesterstraße 19. Geburt des Sohnes Otto am 10. April 1894 in Charlottenburg (Entbindung).

Vater Otto lässt das Teil-Kolonistenhaus von 1752, Priesterstraße 19 im Jahre 1911 abbrechen und an gleicher Stelle im Jahre 1911 / 1912 ein großes Miet- und Geschäftshaus errichten. (Heute: 2010, Karl-Liebknecht-Straße 24). Die Tischlerei „im Garten“, eingeweiht am 11. September 1877, bleibt bestehen.


Tod / Gestorben:

Otto ist gestorben am 12. Mai 1936, in seinem Hause Priesterstraße 19, vormittags zwischen vier und fünf Uhr,

80 Jahre alt. Beerdigt am 15. Mai 1936. (Kirchhof an der Wichgrafstraße). KB Nr. 56 / 1936. Standesamt Nr. 145 /1936. Stadtarchiv, Film P 326, Bild 80.

Wilhelmine überlebt Otto, stirbt aber noch im gleichen Jahr 1936 am 13. September in der Priesterstraße 19 vormittags zwischen ein und drei Uhr. Sie ist 75 Jahre alt. Beerdigt wird sie am 17. September auf dem Kirchhof Wichgrafstraße. Quellen: Kirchenbuch Nr. 101 / 1936.

(Standesamt 264 / 1936). Stadtarchiv, Film P 326, Bild 80.





Die Kinder von

August Julius Otto Gericke oo Wilhelmine Marie Borchert


Nr.

Familienname:

Gericke

Lebensdaten der Kinder


1


Arthur Wilhelm Otto

Gericke


oo


Marie Pauline Katharina

Schaaf



Geboren in Charlottenburg am 10. April 1894. Auch dieser Otto wird ein Tischlermeister.

Er heiratet Katharina Schaaf, 1918 im Standesamt Petersberg (Saalkreis).

Gestorben in Potsdam am 18. Mai 1969 (Krankenhaus), aber Wohnort ist Babelsberg, Karl-Liebknecht-Straße 24 (frühere Priesterstraße 19 – sein Elternhaus).

Beerdigt am 22. Mai Friedgarten Wichgrafstraße durch Pfarrer Schmiechen mit Joh. 5, 24. KB Reg.-Nr. 41 / 1969.

Er hinterlässt die Ehefrau Marie Pauline Katharina. Reg-Nr. Standesamt Potsdam Nr. 891 / 1969.



2


Paul


Geburt in Nowawes nicht gefunden. Möglicher Weise wurde auch er in Charlottenburg geboren.

Paul wurde Lehrer und zog nach Zepernick. Der Ort liegt zwischen Buch und Bernau.



3


Charlotte


Geburt in Nowawes nicht gefunden. Möglicher Weise wurde sie ebenfalls in Charlottenburg geboren.













Tischlermeister Otto Gericke ist 1896 Taufpate bei dem Sohn des Lehrers Karl Quast, Priesterstraße 31. Taufe im KB 423/1896 am 30.01.1897.

Von Otto Gericke, sen., also dem Vater unserer Hauptperson ist bekannt, dass er zu einer kurzen Mittagsruhe, als Chef und eigener Qualitätsprüfer der Firma, gern ein Schläfchen in seinen neuen Särgen tat, um festzustellen, ob man darin ausreichend friedlich und bequem ruhen könne.

In der Priesterstraße Nr. 18 lebt in der Zeit um 1925 der Kaufmann Ernst Tornow mit seiner Verkaufsstelle, dem Bettenhaus.


Otto Gericke jun. erwirbt im Jahre 1936 einen neuen Leichenwagen, einen Opel-Blitz. Kurz darauf stirbt sein Vater. Otto Gericke, sen. ist der erste Verstorbene, den sein Sohn mit dem neuen Fahrzeug zum Friedhof fährt.


Eine Kurznotiz zu den engen Verwandtschaftsbeziehungen

in den „geraden Linien“



Die drei Zinnow-Schwestern, die in der Nowaweser Priesterstraße 18 aufwuchsen:


Friederike Zinnow

(1830–1883)

oo

August Gericke

(1832–1905)

Auguste Zinnow,

(1835–1914)

oo

Gottlieb Sotscheck

(1838–1878)

Pauline Zinnow

(1843–1913)

oo

August Dittwaldt

(1837–1904)

deren Sohn

Otto Gericke, sen.,

(1855–1936)

oo

Marie Borchert

(1861–1936)

deren Sohn

Johannes Sotscheck,

(1866–1951)

oo

Johanna Ranke

(1868–1954)

deren Tochter

Klara Dittwaldt

(1872–1933)

oo

August Janecke

(1869–1950)

deren Sohn Otto Gericke, jun.,

(1894–1969)

oo

Katharina Käthe Schaaf

(1892–1975)


die Schwester Luise der links nebenstehenden Käthe Schaaf

oo

Erich Ku., sen. (1920–2014)

deren Sohn

Fritz Martin Reinhold Sotscheck

* 1902

deren Sohn

Alfred Richard Janecke

(1900–1983)


oo


Anne-Marie Sommer

(1913–2003)

(diese Ehe blieb kinderlos)

deren Sohn ist

Ku., jun.

deren Sohn ist

J. Sotscheck


deren Sohn ist

Chris Janecke





Hier zeige ich Euch einen Ausschnitt aus der Stammfolge unserer

Familie Gericke


Meine Urgroßeltern


Johann Friedrich Gericke, Fischermeister

in Klein Glienicke



oo



Marie Louise Paul

Hausfrau und Mutter

in Klein Glienicke


Meine Großeltern


August Julius Gericke Zimmermann und Tischlermeister,

Nowawes, Priesterstraße 8 (spätere Nr. 13) / Priesterstr. 19 (heute Nr. 24)

(04. 02. 1832–19. 07. 1905)


I. oo

09. 04.

1855


Witwer


II. oo

13. 01.

1888


Charlotte Friederike Zinnow

(24. 09. 1830–26. 02. 1883)

Priesterstraße Parzelle 60 (spätere Priesterstr. 18) / Priesterstraße 7 (heute Nr. 12)

––––––––––––––––––––––––

Auguste Wilhelmine Kreutz, verwitwete Schwabel

(01. 08. 1839–19. 11. 1895)



Meine Eltern


August Julius Otto Gericke, Tischlermeister,

Nowawes, Priesterstraße 19

(06. 12. 1855–12. 05. 1936)



oo

04. 06. 1883


Wilhelmine Marie Borchert


(06. 10. 1861–13. 09. 1936)


und ich, der Sohn


Arthur Wilhelm Otto Gericke

Tischlermeister

Potsdam-Babelsberg,

Karl-Liebknecht-Straße 24

(10. 04. 1894–18. 05. 1969)



oo

Peters-berg

1918


Marie Pauline Katharina Schaaf

* in Merkewitz im Saalkreis


(12.10.1892–6.7.1975)




Meine Notizen von der Wanderung der Handwerksburschenzeit bewahrte für die nachfolgenden Generationen vorerst Erich Kusche, sen. (1920–2014) auf. Mit dem Vermächtnis zur getreuen Aufbewahrung übergab dieser vor seinem Ableben die Aufzeichnungen an Chris Janecke zum Verbleib bei ihm. Ihr dürft diese lesen. Sie befinden sich im Lebenslauf: „Gericke oo Schaaf“













Eines Handwerkers wechselvolles Lebensschicksal

Heimatgeschichte aus dem Munde eines Nowaweser Meisters

Ein Artikel in der „Potsdamer Tageszeitung“ vom 30. März 1935 –



Am 1. April (1935) kann die bekannte Möbelwerkstätte Otto Gericke in der Priesterstraße (18/19) auf ein 75jähriges Bestehen zurückblicken. Das Unternehmen, das aus kleinsten Anfängen und unter den bescheidensten Verhältnissen hervorgegangen, sich im Wandel der Zeiten und Menschen durch gute und böse Zeiten behauptet hat, verkörpert ein Stück Heimatgeschichte.

Der Gründer, Tischlermeister August Gericke, wurde als jüngstes und achtes Kind am 4. Februar 1832 zu Klein Glienicke als Sohn des Fischermeisters Wilhelm Gericke geboren. In dem väterlichen Fischereigrundstück auf der rechten Seite der heutigen, mit Villen bestandenen Griebnitzstraße gelegen, wuchs er an den Ufern des Sees bei frischer Luft und strenger Erziehung auf. Seine älteren Brüder erlernten das Fischerhandwerk und halfen dem Vater bei der Ausbeute des Sees, den er allein in Pacht hatte, unter anderem mit der Verpflichtung, die Versorgung der damals vom König auf der Pfaueninsel gehaltenen Tiere mit Futterfischen zu versehen. Nach seiner Konfirmation erlernte er bei Meister Kneib in Potsdam das Zimmerhandwerk. Nach beendeter Lehrzeit und wechselnden Arbeitsplätzen trat er dann wieder beim Zimmermeister Dosse in Arbeit. Dosse hatte die Zimmerarbeiten zu dem 1855 im Bau befindlichen Flatowturm auf dem Babelsberg übernommen, bei dem August Gericke auch beschäftigt war.

Da nahte für ihn der Unglücks- und Schicksalstag, der 22. Oktober 1855 heran, beim Ausschalen des rechten der vier Ecktürmchen. Es war mittags 12 Uhr, die Frauen der am Bau beschäftigten Leute standen am Turm mit dem Mittagessen, darunter auch seine junge Frau, die sich in baldiger Erwartung ihres ersten Sprößlings, des jetzigen 80jährigen Meisters Otto Gericke, befand.

(August) Gericke sagte zu dem unter ihm stehenden Lehrling, er möge die Klammer festschlagen, die ein Brett trug, was ihm beim Abstieg hinderte. Statt dessen schlug der Junge die Klammer los, die das Brett hielt, worauf G.(ericke) stand und so stürzte der Unglückliche von Rüstung zu Rüstung innerhalb des 96 Fuß hohen Turmes bis zur untersten Etage. Mit schweren Wunden, Arm-, Bein- und Rippenbrüchen brachte man ihn, der dem Ableben sehr nahe war, mit einem Kahn über die Havel zur Eisenhartschen Heilanstalt.

Mit Gottes Beistand unter der umsichtigen Behandlung des damaligen Dr. Wenkebach gelang, wenn auch sehr langsam, der Genesungsprozess. 1856 wieder hergestellt, suchte er bei seinen Meistern wieder nach Arbeit nach, jedoch erfolglos; niemand wollte den Verunglückten, der über seine Glieder nicht voll verfügen konnte, in Arbeit nehmen. Unfallkassen und Sozialeinrichtungen, die ihn versorgen müßten, gab es nicht; auch eine Audienz beim Prinzregenten, dem nachmaligen Kaiser Wilhelm auf Schloß Babelsberg, brachte keine Besserung seiner Notlage.

In dieser trostlosen Lage ließen sich Hausbesitzer und gute Freunde seines Schwiegervaters, des Landwirts Wilhelm Zinnow, Priesterstraße 18, in dessen Häuschen er eine Giebelwohnung innehatte, einige Fenster und Fensterläden von ihm anfertigen, die er dank seiner Geschicklichkeit auch herstellen konnte. In der kleinen Gemeinde wurde es jedoch bald ruchbar, (der Zimmermann) Gericke führe Tischlerarbeiten aus. Einige „Kollegen“ brachten ihn zur Anzeige und eine Vorladung des damaligen Polizeikommissars Kiekebusch war die Folge. Er erhielt die niedrigste Strafe: 30 Taler oder eine Woche Arrest.

Da keine Mittel vorhanden waren, büßte er letzteren am Neustädter Tor in Potsdam ab. Der Beamte aber setzte dem Urteil die tröstenden Worte hinzu: Der Gott, der Sie beim Sturz von dem hohen Flatowturm erhalten hat, der wird Ihnen auch weiter beistehen. Lernen Sie doch noch Tischler und dann zeigen Sie den Herrschaften, was eine Harke ist! Diese Worte hatten nachhaltige Wirkung.

Er erlernte bei Tischlermeister Linge in der Friedrichstraße das Tischlerhandwerk und unterzog sich auch der Gesellen- und Meisterprüfung. In einer Unterwohnung im Hause seines Schwiegervaters wurde eine kleine Werkstatt eingerichtet und die Anteilnahme der Nowaweser Einwohner, hervorgerufen durch die bitter durchlebte Zeit, brachte ihm soviel Arbeit, daß er sogleich zwei Gesellen beschäftigen konnte. Das war in den ersten Apriltagen des Jahres 1860.

Durch unermüdlichen Fleiß und Geschicklichkeit in der Anfertigung von Webereihandwerkszeug erweiterte sich der Kundenkreis immer mehr. 1862 beantragte der damalige Regierungsrat (August) Wichgraf in Potsdam bei seiner Behörde, den Nowaweser Webern müßten auf Kosten der Regierung breite Webstühle geliefert werden, damit sie an Stelle der schmalen Kattun- und Bettzeugware breite Herrenstoffe anfertigen könnten, die besser bezahlt und von den Berliner Fabrikanten abgenommen wurden.

Daraufhin wurden 100 Stück breite Webstühle in Auftrag gegeben, wovon Gericke die Hälfte erhielt. Der Preis eines solchen Webstuhles betrug je nach seiner Einrichtung, ob 18- oder 24-schäftig, wie der Fachausdruck lautete, 24 oder 30 Taler.

Dann brach im Spätsommer des Jahres 1864 im benachbarten Neuendorf ein großer Brand aus, der über die Hälfte des Dorfes, weil alles noch Strohdächer waren, in Asche legte. Beim Aufbau der neuen Häuser fielen Gericke allein acht Neubauten zur Anfertigung der Tischlerarbeiten zu. Die Kriege 1864 und 1866 brachten keine wesentlichen Störungen im handwerklichen Betrieb. Der Krieg 1870/71 legte jedoch plötzlich alle Geschäfte still, um dann aber nach Beendigung Handwerk und Handel einen ungeahnten Aufschwung zu geben. Jedoch ging mit der aufsteigenden Industrie unsere blühende Handweberei immer mehr zurück und an ihre Stelle traten die großen mechanischen Webereien, die inzwischen erbaut waren. Die Webereiwerkstätten wurden zu Wohnungen hergerichtet und die früheren Meister und Gesellen gingen in die Fabriken.

Dieser Wandel bedingte wieder einen vermehrten Bedarf an Möbeln, und bald war zu ihrer Herstellung kein Platz mehr in dem beengten Raum des kleinen Vorderhauses; ein größerer Werkstattbau erwies sich bald als notwendig, den denn auch im Jahre 1877 der Maurermeister Wilhelm Franke sen. in Auftrag bekam und ausführte.

Am 17. Juni 1905 schloß dann der Altmeister nach einem gesegneten, arbeitsreichen Leben die Augen.

Im Schwunge der aufsteigenden Linie in der Wirtschaft mußte dann das großväterliche Häuschen mütterlicherseits zur Hälfte einem großen Wohn- und Geschäftshaus 1911 Platz machen, die heute noch stehende andere Hälfte erwarb der frühere Oberpfarrer Koller zur Errichtung eines Gemeindesaales, der heute noch unter Eigentum der Friedrichsgemeinde in Benutzung ist.

1914 bei Ausbruch des großen Krieges mußten denn auch die wehrfähigen Mitarbeiter zu den Waffen; fünf brave Tischler aus der Werkstatt besiegelten ihre Treue zum Vaterland mit dem Tode. Es waren:

Eine große Zahl von Gesellen und Lehrlingen sind im Laufe der langen Jahre durch den Handwerksbetrieb gegangen, darunter auch einige, die in fremden Ländern unsere Heimatstadt und ihrer früheren Wirkungs- und Lehrstätte alle Ehre machen.



Ende des Zeitungsartikels –



Anmerkung: Die (in Klammern) gefassten Erläuterungen wurden dem Text nachträglich von Chris Janecke hinzu gesetzt.