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Einige Hinweise zur Zeitgeschichte 1701 bis 1800

Ein kleines Nachlesewerk


Heimatgeschichte. Notizen als Begleitung der Ahnen- und Familienforschung, Bearbeitungsstand: Dezember 2008


Diese Beiträge zur Zeitgeschichte wurden zusammengestellt von: Christoph Janecke,

E-Mail: christoph@janecke.name


Verwendet wurden als Literaturquellen: Stein: Kulturfahrplan, Rezac: Rund um die großen Erfindungen, Lenz: Das Buch der 1000 Rekorde, ungezählte Meldungen in Zeitungen und Zeitschriften, Radio und Fernsehen. Diese Werke enthalten auch wertvolles Bildmaterial zur Zeitgeschichte. Die vorliegende Notizensammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird daran gearbeitet, die Angaben zum vorliegenden Jahrhundert weiter zu vervollständigen und die Beiträge zur Zeitgeschichte auch in die Zeiträume vor und nach dem hier vorgestellten 18. Jahrhundert auszudehnen.


Der Zeitraum von 1690 bis 1730 gilt als die Zeit der französischen Vorherrschaft. In Kunst und Kultur wird diese als Hochbarock bezeichnet.


Das Jahr 1701

Politik:

In Königsberg (Ostpreußen) krönt sich der Sohn des Großen Kurfürsten, der 44jährige brandenburgische Kurfürst und Herzog in Preußen, Friedrich III., am 18. Januar selbst zum König Friedrich I. in Preußen. (Seine Lebenszeit 1657 – 1713). Die Erhebung der Hohenzollerndynastie in den Königsstand dokumentiert den Aufstieg Brandenburg-Preußens von einer eher unbedeutenden Markgrafenschaft zu einer politischen Kraft des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dieser derzeitige Herrscher, der „schiefe Fritz“, ist verschwenderisch und eitel.


Wissenschaft:

Halley erarbeitet eine Magnetfeldkarte der Erde.

Newton erfindet den Spiegelsextanten für Schiffe.


Bauten in Potsdam:

Jean de Bodt baut dem Herrscher aus Anlass der Königskrönung, auftragsgemäß an das Stadtschloss in Potsdam das Fortunaportal, als ein Meisterwerk barocker Baukunst.

Die Königsstraße, als geradlinige Verbindung nach Berlin wird gebaut.


Bauten in Berlin:

Die Friedrichstadt (das französische Viertel) entsteht.


1702

Wirtschaft:

In den deutschen Städten kommt die Ölbeleuchtung auf.


1703

Bauen in Potsdam:

Errichtung des Potsdamer Schützenhauses mit Schießplatz (am späteren Brauhausberg).


1704

Politik:

Die Briten erobern den spanischen Südfelsen Gibraltar am Mittelmeer und behalten ihn als die kleinste Kronkolonie.


Technik / Maschinenbau:

Der Pferdewagentyp „Landauer“ entsteht.


Wirtschaft:

In Preußen werden öffentliche Tee- und Kaffeelokale eingerichtet, um auch hierfür Steuereinkünfte heben zu können.

Der Chemiker, Herr Diesbach, entwickelt als ersten künstlichen Farbstoff das „Berliner Blau“ (Preußisch Blau).


1705

Wissenschaft:

Edmund Halley trifft die Aussage, dass „sein“ Komet, der 1682 erschien, 1758 wieder zu sehen sein wird.


1706

Maschinenbau:

Das Reisen wird bequemer. Der Techniker Mill erfindet die Wagenfederung.


Naturerscheinungen:

Sonnenfinsternis am Vormittag des 26. Mai.


1707

Alltag:

Erstmals hält das Billard Einzug in das „Öffentliche Spiel“. In einem Berliner Kaffeehaus aufgestellt, entwickeln sich an diesem Tisch wahre Spielleidenschaften.


1708

Wissenschaft:

Johann Friedrich Böttcher erfindet (in Sachsen eingekerkert, unter dem Druck Gold herzustellen) mit seinem Lehrmeister Tschirnhaus das Meißener Hartporzellan, das „weiße Gold“, mit Kaolin als unabdingbarem Bestandteil, einem Mehl aus weißem Gestein. Schon um 1300 hatte Marco Polo aus China Porzellan mit nach Italien gebracht. Bisher aber war die Produktionsweise und noch mehr die Rezeptur, ein Geheimnis.


Literatur:

In Berlin erscheint die „Moralische Wochenschrift“.


1709

Politik:

Dreikönigstreffen im Potsdamer Stadtschloss. Während des Nordischen Krieges treffen sich Friedrich I. (Preußen), Friedrich August von Sachsen-Polen und Friedrich IV. von Dänemark, um die aktuelle Lage und die künftige Politik zu erörtern.


Unser Klima:

Im Winter ist der Golf von Venedig zugefroren. Es herrschen dort außergewöhnlich niedrige Nachttemperaturen von (umgerechnet) -20°C.


1710

Wissenschaft / Medizin:

Die Pest wütet wieder; auch in der Mark Brandenburg. In Berlin wird ein Haus für Pestkranke eingerichtet. 17 Jahre später wird es den Namen „Charité“ (Barmherzigkeit) erhalten und im Laufe der Zeit viele andere Behandlungsarten einschließen.

In der Potsdamer Vorstadt gen Spandau wird begonnen, Seidenraupen (auf Maulbeerbäumen als Nahrungsquelle) für eine Seidenproduktion zu züchten.


Chemie:

In diesem Jahr wird im Hause Nr. 4.711 der Stadt Köln nach ungezählten Versuchen das Geheim-Rezept für das Erfrischungsduftwassers zusammengestellt.


Technik:

Le Blon erfindet den Dreifarben-Kupferdruck zur Wiedergabe aller Farben.


1711

Wissenschaft und Technik:

Th. Newcomen entwickelt die atmosphärische Kolbendampfmaschine, vorerst zum Antrieb von Pumpen. Die Dampfmaschine wird später von James Watt weiterentwickelt und patentiert. J. J. Partels baut den ersten Ventilator.


Wirtschaft:

Am 23. Januar wird die Porzellan-Manufaktur in Meißen gegründet. Es ist die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur.“ (Siehe hierzu auch unter Zeitgenossen: Böttcher. „Schaff’ Gold, Böttcher!“ Es wurde „weißes Gold“). Vom 6. Juni an, produzierte dann die Manufaktur auf der Albrechtsburg bei Meißen das erste europäische Porzellan.


Musik:

Shore erfindet die Stimmgabel und Bartolomeo Chritofori entwickelt das Hammerklavier.


1712

Politik:

Prinz Friedrich (der spätere König Friedrich II. von Preußen) wird in Berlin geboren. Seine Regierungszeit wird 1740 – 1786 sein.


1713

Politik:

Am Sonnabend, 25. Februar 1713 stirbt in Berlin König Friedrich I., geb. 1657, Kurfürst und ab 18. Januar 1701 König in Preußen im Alter von 56 Jahren an einem Leberleiden.

Der König ist tot – Es lebe der König.

Regierungsantritt von Wilhelm I. in Preußen (1713 – 1740, der Soldatenkönig). Am 3. Juli Einzug der roten Grenadiere in Potsdam (Riesengarde, „Lange Kerls“, bisher Privatbataillon des Kronprinzen, in Mittenwalde stationiert). Er bestimmt Potsdam zur zweiten Residenz neben Berlin. Potsdam ist zu dieser Zeit ein unscheinbares Städteken mit 220 Häusern und 1.500 Einwohnern. Trotzdem: Potsdam hat gegenüber dem Ende des Dreißigjährigen Krieges seine Einwohnerzahl von damals weit unter 800 Menschen wieder auf 1.500 Leute erhöhen können. Durch die künftige Peupelierungs-Politik wird die Einwohnerzahl stark ansteigen. 1740 werden es bereits 11.700 Einwohner sein (Das Militär nicht mit gezählt).

Regieren wird der neue König mit eiserner Hand. Und er wird die bisherigen Hof- und Staatskosten zusammenstreichen, dem Prunk und der Verschwendung ein Ende bereiten. Er ist jähzornig, hart, derb, fromm, bieder und von der Gicht geplagt. Geht es ihm gut, verachtet er auch recht derbe Späße nicht.

Die Prozesse gegen Zauberer und Hexen werden als Unfug verboten. Der König untersagt weitere Gerichtsprozesse gegen „Hexen“ und hebt verhängte Strafen dieser Art auf.

Erstmals öffentlich dürfen zu medizinischen Diagnose- und Lehrzwecken Leichen seziert werden.


Technik:

Der Engländer John Harrison ist von Beruf Tischler und hat 1713 eine erste präzise Pendeluhr mit einem Holzzahnräderwerk gebaut. Mit seiner Uhr kann er auch die genaue geographische Länge bestimmen. Für die genauen Messungen erfand er die neuartige Uhrenhemmung. Siehe auch 1735 und 1759.


Alltag:

Der König Friedrich Wilhelm I. lässt in Preußen das Zeitungswesen stärker verbreiten.


Mode:

Einführung des Zopfes im Preußischen Heer. (Beginn der Zopfstilzeit).


1714

Wissenschaft:

Gabriel Daniel Fahrenheit erfindet das Quecksilber-Thermometer und gibt ihm seine eigene Skaleneinteilung.


Technik:

Henry Mill entwickelt eine Schreibmaschine für Blinde.


Potsdamer Bauten:

Der bisherige Potsdamer Lustgarten wird zum Exerzierplatz „umgestaltet“. Das Orangenhaus zum Reitstall umgebaut und das Herrenhaus in Glienicke zum Gardelazarett verändert.

Der Tiergarten, der sich vom Potsdamer Brauhausberg durch die Ravensberge bis Caputh erstreckt, wird aufgelöst, dafür zu Parforcejagden die Heide am Großen Stern eingerichtet.

Im Potsdamer Stadtzentrum wird viel umgebaut, so auch am Markt das Rathaus mit Turm (1718) errichtet. Die den Kanal in der Stadt begleitende Straße, wird zur Prachtstraße ausgebaut. Zeitspanne der Ersten Potsdamer Stadterweiterung bis 1732.


1716

Technik:

Trienwald entwickelt die Warmwasser-Heizung.


Wirtschaft:

König Friedrich Wilhelm I. lässt das Potsdamer Kornhaus an der Leipziger Straße, unmittelbar an der Havel, zu einer Brauerei umbauen. Der benachbarte Berg heißt seitdem „Brauhausberg“.


Unser Klima:

In dem sehr kalten Winter friert auch in London die Themse zu. Man errichtet auf dem Eise eine Menge von Verkaufsbuden.


Zeitgeschichte im Jahr 1717

Politik:

Brandenburg verkauft seine Kolonien an der Guineaküste an die Niederlande.

Die Beteiligung Preußens am Sklavenhandel wird auf königlichen Befehl strikt unterbunden.


Medizin:

Die Armee benötigt dringend Feldschere, qualifizierte Sanitäter, also Arzthelfer. Medizinisches Wissen ohne das lange Studium und die alten Fremdsprachen der Ärzteausbildung ist gefragt. Der König fördert deshalb eine Fachschule für Medizin an der Berliner Charité.


Erziehung / Soziales:

Derzeitige Soldaten und auch die künftigen, benötigen Kenntnisse in den preußischen Tugenden. Für alle preußischen Länder wird im Jahr 1717 auf allerhöchste, gnädigste Verordnung, die Allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Jungen eingeführt. So zumindest die Theorie. Die Schulzeit hatte mit dem sechsten Lebensjahr zu beginnen – Ende offen, aber in der Praxis sehr unterschiedlich gehandhabt. Auch fehlt es an geeigneten und ausgebildeten Lehrern. Oft sind es Küster oder Handwerker, die im Zweitberuf als Lehrer eingesetzt werden.


Alltag:

In London schließen sich am 24. Juni 1717 vier Freimaurerlogen zusammen und gründen die erste Großloge der Welt. Ab 1725 greift die Bewegung, die auf Toleranz, Menschenliebe und freie Persönlichkeitsentfaltung baut, auf das europäische Festland über.


1718

Politik:

Erste Geldscheine „Banknoten“ werden in Preußen in den Zahlungsverkehr eingebracht.


Wissenschaft:

Halley weist die Bewegung der Fixsterne nach.


Wirtschaft:

Hugenotten beginnen in Moabit bei Berlin eine Maulbeerbaumplantage anzulegen.


Theater / Kunst:

Beginn der Aufführungen des Wandertheaters der Neuber(in). Anfänge des Fortkommens von einer „spaßigen Hanswurstelei“ zu regelrechten Theaterstücken mit Bildungsinhalten.


1719

Politik:

König Friedrich Wilhelm I. unternimmt Versuche zur Abschaffung der Leibeigenschaft; scheitert damit jedoch an der Interessenlage des Adels.


Literatur:

Daniel Defoe schreibt den Roman „Robinson Crusoe“. Inhalt: Ein gestrandeter Seemann überlebt auf einer Insel. Das Buch spiegelt die Wertvorstellungen des Bürgertums wider: Fortschrittsglaube, Unternehmergeist und Selbstbewusstsein. Das Buch wird ein Welterfolg. Es wird noch viele Generationen später gelesen werden.


1720

Politik:

Das östliche Vorpommern (mit Stettin) kommt von Schweden an Preußen.


Technik:

G. Graham verbessert die Taschenuhr mit Unruh und Spiralfeder.


Wirtschaft:

In England gibt es die Neuerung, Wände mit Papierbahnen zu bekleben. Das sieht wohnlicher aus. Die Tapete ist erfunden. Bisher hatten die Reichen eine Gewebebespannung (Seide) und die Bürger einen einfachen Anstrich an den Wänden.


Bauen in Potsdam:

Die Hof- und Garnisonkirche wird errichtet, mit einem Glockenspiel des Holländers Albert de Graave. 1737 wird sie aber aus Gründen mangelnder Standfestigkeit wegen des morastigen Baugrundes abgetragen und von Grund auf erneuert.


1721

Bauen in Potsdam:

König Friedrich Wilhelm I., der „Soldatenkönig mit den langen Kerls“, ordnet für Potsdam (derzeitig aus nicht viel mehr als 220 Häusern bestehend) „den starcken Bau“ an. Der Ort erfährt damit die „Erste Stadterweiterung“, die über ein Jahrzehnt andauern wird.


1722

Wissenschaft:

Im Jahre 1722 besuchte der holländische Seefahrer Roggeveen wahrscheinlich als erster Europäer die Osterinsel. Er stellt schweren Schmuck (Scheiben) an den Ohren der Inselbewohner fest, die die Ohrläppchen nach unten in die Länge ziehen.

Interessant und rätselhaft sind die die “Maoi“, um 1100 bis 1600 auf der 180 qkm kleinen Osterinsel im Südpazifik (später zu Chile gehörend) errichtet. Auf diesem Eiland stehen 638 Steinfiguren, viele bis 10 m hoch mit etwa 80 t Masse, einzelne Exemplare aber auch bis 21 m Länge. Das Material für diese Kolossalstatuen ist Tuffstein, der von der Insel stammt. Zu ihren Aufstellorten, teilweise auf Platten gestellt, wurden sie offenbar mit menschlicher Muskelkraft, Seilen, Hebeln und Rollen transportiert. Sie weisen die gleiche Grundgestaltung auf, tragen sich ähnelnde Gesichtszüge und blicken mit geschlossenen Mündern alle in die gleiche Richtung.

Blicke in die Zukunft:

1978 entdeckt man, dass einem Teil der Figuren Augäpfel eingesetzt waren, die zwar im Steinschutt, jedoch an den Figuren nicht mehr zu finden sind. Es wurden auch uralte hölzerne Schrifttafeln gefunden, die das Geheimnis der Figuren eventuell lüften könnten, doch es gelang nicht, die unbekannten Schriftzeichen zu entziffern. Diese ähneln weder polynesischen, noch südamerikanischen Schriften.

Unklar ist bis ins 21. Jahrhundert hinein,, warum „man“ sich auf diesem kargen Felseneiland einer derartigen Mühe unterzog, derartige Steinkolosse zu fertigen - von wem? weshalb, zu welchem Zweck, zu wessen Nutzen oder Ehren dieser hohe Aufwand?



Wirtschaft:

Die Potsdam – Spandauer Gewehrfabrik wird gegründet. Die ersten Arbeitskräfte sind 50 Waffenhandwerker aus dem belgischen Lüttich.


Bauten in Potsdam:

Bau des 1. Teils des Militärwaisenhauses am Kanal in Fachwerkbauweise (1722 – 1724). Die Anlage wird 1771 – 1777 erweitert und die alten Fachwerkgebäude durch Massivbauten ersetzt. Der alte kurfürstliche Wasserabzugsgraben, der durch die Stadt führt, wird durch den „Neu gestochenen Canal“ ersetzt.

Die Stadtmauer wird gebaut, um die Accise-Einnahmen zu gewährleisten – Zutritt und Ausweg nur durch die Stadttore, um das Desertieren von Soldaten vor dem teils unmenschlichen Drill zu verhindern und ein bisschen, um kaum anzunehmende feindliche Überfälle auf die Residenzstadt zu erschweren. Um 1733 muss diese aber bereits zum Teil erneuert aber auch erweitert werden, weil die Stadt zusehends wächst.


1723

Musik:

Johann Sebastian Bach wird Kantor an der Leipziger Thomaskirche „als Ersatz“ für Telemann, der das Angebot abgelehnt hatte.


1724

Politik:

Weitere Kolonisten werden für die Mark Brandenburg angeworben. In der dünn besiedelten Uckermark werden vor allem Schwaben und Franken angesiedelt.


Wirtschaft:

Potsdam wird in die große Postroute einbezogen, die von Berlin nach Leipzig führt.


1726

Bauten in Potsdam:

König Friedrich Wilhelm I. lässt die Heiligengeistkirche (1725 / 26) errichten, die jetzt vollendet wird. Gayette hat sie konstruiert (noch ohne Turm). Sie findet ihren Standort auf dem alten (allerdings abgetragenen) slawischen Burgringwall, der Keimzelle des Ortes. Es ist die Stelle, auf der der Große Kurfürst später sein Vorratsgebäude mit Weinkeller errichten ließ; unmittelbar am Ufer der Havel. Jetzt also dort eine Kirche. Bei der Einweihung ist auch „Der Alte Dessauer“ dabei. Der komplizierte Turm wird erst 1728 von de Grael angesetzt.


1727

Politik:

Zarin Katharina I. stirbt. Peter II. wird ihr Nachfolger (dieser ist jedoch noch minderjährig).


Wissenschaft:

H. Schulze entdeckt die Lichtempfindlichkeit der Silbersalze (eine Voraussetzung für die Photographie, die aber erst etwa 120 Jahre später ihre Anfänge nehmen wird).

Vitus Jonassen Behring, ein dänischer Forscher durchfährt als Seeoffizier in russischen Diensten, die nach ihm benannte Seestraße zwischen Asien und Alaska.


Alltag:

Eine Invasion mehrerer Millionen Wanderratten durchschwimmt die Wolga und dringt nach Mitteleuropa herein. In den schmutzigen Städten nisten sie sich ein. Verschiedene Städte stellten eigens Rattenfänger an (so auch die Stadt Hameln), um der Plage Herr zu werden.


1729

Wissenschaft:

Hall schleift erstmals eine achromatische Linse.


1730 – 1760: Rokoko (Spätbarock = Rokkoko). Es ist ein teil der Regierungszeit des Preußenkönigs Friedrich II. (der Große).


1730

Politik:

Der 18jährige preußische Kronprinz Friedrich versucht vor seinem Vater, dem harten, cholerischen Friedrich Wilhelm I. (Soldatenkönig), nach einem mehrjährigen Konflikt, am 05. August außer Landes zu fliehen. Er wird jedoch gefangen und erhält Festungshaft in Küstrin. Sein Freund und Fluchthelfer Leutnant v. Katte wird enthauptet, was der Vater mit dem Sohn ebenfalls vorhatte und was nur mittels energischer Proteste verhindert wird.


Wissenschaft:

Der Physiker René Reaumur (1683 – 1757) fertigt ein Weingeistthermometer.


Bauten in Potsdam:

Der energische König Wilhelm I. befiehlt den Bau einer besser gegründeten und größeren Hof- und Garnisonkirche an der gleichen morastigen Stelle, an der der neue Vorgängerbau gerade abgebrochen werden musste, weil die Standsicherheit nicht gegeben war. Der spätere Altar der Kirche ist von Professor Laske. Den Kanzelumbau aus buntem Marmor entwarf Feldmann. Ausgeführt wird er 1732 vom Bildhauer Koch.

Die neue Kirche wird 1732 fertig und erhält aber erst 1735 einen Turm angesetzt. Diesmal bleiben Kirche und Turm stehen.


Naturgewalten:

Ein starkes Beben der Erde fordert im Gebiet um Jeddo (Japan) etwa 137.000 Menschenleben.


1731

Politik:

Aus dem Salzburger Land werden die Bürger vertrieben, die sich vom Katholizismus gelöst und dem Protestantismus zugewandt haben. Etwa 20.000 Salzburger aus Österreich finden in Ostpreußen eine neue Heimat. Jener Landstrich ist von der Pest weitgehend entvölkert worden. Schweizer Bürger siedeln vor allem in der Mark Brandenburg.


Bauen in Potsdam:

In der Parforceheide wird am Wegestern ein Königliches Jagdschloss nach niederländischer Bauart errichtet, das wohl Jan Boumann entwarf. Es wird „Das Jagdschloss Stern“ geheißen. Daneben wird das Kastellanhaus, ein Fachwerkbau mit gewalmten Dach aufgeführt.


Wirtschaft:

Das Reichsgewerbegesetz hebt die Autonomie der Zünfte auf. Der Ausweiszwang für Handwerksgesellen auf der Wanderschaft wird eingerichtet.


1732

Bauen in Potsdam:

1732 – 1742 Bau der „Zweiten Stadterweiterung“, Weiterführung des „starcken Baues“. Mit dem Holländischen Viertel (den vier Quarrés aus roten Backsteinhäusern bis 1742).


1733

Politik:

Kronprinz Friedrich (der spätere Friedrich II – der Große) - heiratet am 12. Juni auf Forderung seines Vaters die Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig – Bevern auf deren elterlichem Schloss Salzdahlum bei Wolfenbüttel. Diese Ehe wird jedoch keine werden. Sobald der Soldatenkönig (der Vater des Bräutigams) 1740 stirbt, wird Friedrich II. seine Ehefrau „fallen lassen“, sie verbannen: „In Schönhausen (später Berlin-Niederschönhausen) mag sie schön hausen“, wird er seinen Befehl kommentieren.


Bauen in Potsdam:

Das Jägertor wird errichtet. Die Stadtmauer wird erneuert.


1734

Bauen in Potsdam:

Seit zwei Jahren wurde durch Grael an dem Turm für die Heiligengeistkirche gebaut. Jetzt ist er vollendet und sieht sehr gut aus.


Musik:

Johann Sebastian Bach komponiert das Weihnachtsoratorium.


1735

Technik:

Der Engländer John Harrison ist von Beruf Tischler und hatte wie wir wissen, 1713 eine erste präzise Pendeluhr mit einem Holzzahnräderwerk gebaut. Für die genauen Messungen erfand er die Uhrenhemmung. In diesem Jahr stellt er nun die erste Uhr für Schiffe her. Temperaturschwankungen gleicht er mit Bimetallstreifen aus und gegen Schiffsbewegungen setzt er zwei parallele Pendel ein, die er miteinander verbindet. Mit seiner Uhr kann er auch die genaue geographische Länge auf Schiffsreisen und also nicht mehr nur nach den Gestirnen bestimmen. Bisher maß man nach der Erde-Mond-Distanz.


Bauen in Potsdam:

Es wird an der Stadtmauer gebaut (hier derzeitig zwischen den Stadttoren: Nauener Tor und Jägertor. Den Verlauf der Stadtmauer wird nach deren Abriss um 1900, die spätere Kaiser-Wilhelm-Allee (heute Hegelallee) nachzeichnen.

Philipp Gerlach baut einen 90 m hohen barocken Turm für die Hof- und Garnisonkirche.

Die benachbarte Mammonstraße erhält ihren Namen nach dem Wohnsitz des sehr reichen Obersten v. Kleist, einem Günstling des Soldatenkönigs, der im Hause Nr. 5 lebt.

Jedes der fünf Potsdamer Stadttore hat neben dem Torschreiberhaus für die Akzise auch eine Militärwache. An der Stadtmauer ist in Abständen von 80 bis 100 Metern ein ständiger Militärposten gegen das Desertieren eingerichtet. Zur Wasserseite hin besteht ein Palisadenwall.


Wirtschaft:

Darby baut einen Kokshochofen.


1737

Wissenschaft:

Die Universität Göttingen wird gegründet.


Wirtschaft:

Christian Friedrich Rewendt (1704 – 1768) gründet in Potsdam in der Nauener Straße 7, unweit des Nauener Tores, eine „Porzellanmacherei“. Er stellt dort jedoch nicht das teure Porzellan nach Meißener Machart her, sondern „unächtes Porzellain“, worunter Majolika oder Fayence zu verstehen ist: Hartgebrannter Ton, überzogen mit einer beliebigen Farbschicht. Sein Nachfolger im Geschäft wird ab 1775 Phillip Georg Satori.


Bauen in Potsdam:

Das Holländische Viertel wird in den Jahren 1737 bis 1742 errichtet. 134 rote Backsteinhäuser in vier Quarrees, vor allem zur Ansiedlung niederländischer Handwerker, so die Absicht. Innerhalb von 2 Jahren (bis 1739) soll das Potsdamer Bassin mit dem Heiligen See vermittels eines schiffbaren Grabens verbunden werden. Das Übersetzen der Leute soll der Fuhrmann Boehlert besorgen. Eine zweite aber unterirdische Verbindung vom Bassin, soll zum Stadtkanal geschaffen werden, um das sumpfige Stadtgebiet besser entwässern zu können.

Gayette baut an der Plantage, neben der Hof- und Garnisonkirche, den „Langen Stall“, einen Fachwerksaal zum Exerzieren bei Regen und Schnee.

In Rheinsberg baut Wenzeslaus v. Knobelsdorff das alte Schloss für den jungen Kronprinzen Fritz um.


1738

Potsdamer Bauten:

Unter Philipp Gerlach wird die Große Stadtschule in der Nauener Straße errichtet und zeitlich parallel dazu die Kommandantur in der Lindenstraße (späteres Doppelhaus Nr. 53-54).


1739

Wissenschaft / Medizin:

Zwischen 1739 und 1749 hielt der Wurmfortsatz des Menschen zögerlich Einzug in die dürftigen anatomischen Lehrbücher dieser Zeit. (Schweine, die schon lange zu Vergleichen mit dem menschlichen Körper seziert wurden, boten und bieten keinen Wurmfortsatz an). Bis zur ersten heilenden Operation dieser „Seitenkrankheit“ im rechten Unterbauch, werden aber noch über 150 Jahre vergehen. Siehe auch 1812, 1885, 1901/02.


Potsdamer Bauten:

Im Bassin entsteht eine Holländische Gloriette, ein „Lusthäuschen“, das nur mit der Gondel erreichbar ist. Dem Vernehmen nach sollen hier auch königliche Tabaksitzungen abgehalten werden.


Aus dem Jahre 1740

Politik:

Frühjahr: Die Repräsentationstruppe „die Langen Kerls“ und das Königsregiment „die roten Grenadiere“, sind in ihrer Truppenstärke vom Beginn ihres Aufbaus im Jahre 1713 bis heute von 600 Mann auf 6.000 Mann verzehnfacht worden.

Der preußische König Friedrich Wilhelm der I. (der Soldatenkönig) stirbt am 31. Mai. Er wird in der Hof- und Garnisonkirche der Residenz Potsdam bestattet. Nachfolger wird sein Sohn, der Kronprinz Friedrich, als König Friedrich II. (Der Große). Bis zu seinem Tode, bis 1786 währt dessen Regierungszeit. Der König löst die Riesengarde seines Vaters („die langen Kerls“) sofort auf, spart sie ein.

Des Weiteren schickt er, wie schon erwähnt, seine Frau Elisabeth Christine für ihr weiteres Leben ins Schloss Schönhausen. (Niederschönhausen bei Pankow, nahe Berlin) – „dort mag sie schön hausen“, wünscht er.

Er schafft in Preußen die Folter ab und setzt die Glaubenstoleranz fort. Heiraten dürfen Militärangehörige nur mit schriftlicher Genehmigung. Nicht mehr als ⅓ der Truppen sollen „beweibt“ sein, da Familien eine Belastung darstellen und Witwen Versorgungsansprüche haben. Im Leibregiment werden „Liebstenscheine“ ausgestellt, die eine „wilde Ehe“ ohne Versorgungsansprüche legalisieren. Das ist praktisch und sparend.

In diesem Jahr stirbt auch der Deutsche Kaiser Karl VI. in Wien. Seine Nachfolgerin wird die 23jährige Maria Teresia von Habsburg, „der Liebling des Volkes“, Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen, verheiratet seit dem 12. Februar 1736 mit Franz I. Stephan, Herzog von Lothringen.

Friedrich II. nutzt die momentane Schwäche der noch wenig erfahrenen Thronfolgerin Maria Theresia von Habsburg aus und marschiert am 16. Dezember 1740 in Schlesien ein, erobert Anfang des Folgejahres Schlesien als Landgewinn für Preußen.


Medizin:

In Berlin grassieren die Pocken. Etwa jeder siebte Einwohner stirbt.


Maschinenbau:

Lewis Pau entwickelt eine Spinnmaschine mit Strickwalzen.

Huntsmann baut einen Tiegel zur Guss-Stahlherstellung.


Alltag in Potsdam und Berlin:

Friedrich II. geht streng „gegen die Unsitte des Kaffeegenusses“ vor, kann aber nicht verhindern, dass sich das braune Getränk immer größerer Beliebtheit erfreut.

Potsdam hat in diesen Tagen 11.700 Einwohner aber nur 10 Jahre später werden es durch die konsequente Ansiedlungspolitik bereits 28.000 sein.

Ein strenger Winterfrost in dieser Saison. Viele der Weinstöcke auch im Raum Potsdam und Berlin erfroren.

In Berlin wird die erste Lotterie etabliert. Der Staat verdient natürlich tüchtig mit daran.


1741

Politik:

Am 03. Januar 1741 erobern preußische Truppen Breslau, die Hauptstadt Schlesiens, im 1. Preußisch-Österreichischen Krieg.


Wissenschaft:

Der Däne Vitus Jonassen Behring, ein Seemann in russischen Diensten, Forscher und Expeditionsleiter, stirbt auf einer Schiffsexpedition zur Erforschung der See östlich von Kamtschatka, an Skorbut.


Baukunst:

Weihe der neuerbauten Katholischen Hofkirche zu Dresden.


Musik:

Johann Joachim Quantz (1697 – 1773) wird Hofkomponist und Musiklehrer von Friedrich II. in Preußen. Es stirbt in Wien der 63jährige italienische Komponist Antonio Vivaldi. Er hatte 46 Opern komponiert, 3 Oratorien, 81 Konzerte, 23 Kammerkonzerte und 93 Sonaten.


1742

Politik

11. Juni: Friedensschluss in Breslau nach dem 1. Schlesischen Krieg gegen Österreich. Die Habsburger Monarchie muss den Verlust dieses Landes hinnehmen.


Wissenschaft:

Der schwedische Astronom Anders Celsius (1701 – 1744) gestaltet eine Thermometerskala, die nach ihm benannt wird.


Bauwesen:

Der Ausbau des Elbe-Havel-Kanals beginnt.


Bauen in Berlin:

Die Königliche Oper in Berlin „Unter den Linden“, ein Bau von W. v. Knobelsdorff, wird eröffnet.


Bauen in Potsdam und Umgebung:

Im September sind im Zuge der zweiten Stadterweiterung auch alle 134 Häuser des Holländischen Quartiers fertig gestellt - aber nur 22 holländische Familien sind gekommen und ziehen ein.


Musik:

Georg Friedrich Händel komponiert den „Messias“ mit dem berühmten „Hallelujah“.


1743

Politik:

Englische Streitkräfte drängen die französischen Truppen wieder über den Rhein zurück.

Die Tretmühle wird als Strafmaßnahme eingeführt.


Wissenschaft:

Die Anziehungskraft des Hufeisenmagneten wird gefunden.

Die Herren Hausen, Brose und Winkler entwickeln eine Reibungselektrisiermaschine - bald wird diese zum modischen Spielzeug.


Wirtschaft:

In England beginnt die Großproduktion von Erzeugnissen aus Zink.


Baukunst des Hoch-Barock:

Georg Wenzeslaus v. Knobelsdorff baut Seiten-Flügel an das alte Charlottenburger Schloss nahe der Stadt Berlin.


Musik:

Friedrich Händel komponiert „Samson“.


1744

Politik:

König Friedrich II. v. Preußen beginnt am 10. August den „Zweiten Schlesischen Krieg“ mit Frankreich gegen Österreich.

Preußen wird außerdem das Gebiet von Ostfriesland dazu gewinnen.


Wissenschaft:

Euler begründet die astronomische Störungstheorie.


Bauten in Potsdam:

Zwischen 1744 und 1752 erfährt das Potsdamer Stadtschloss eine große Modernisierung, die auch die letzte sein wird und die unter dem Einfluss des Rokoko steht. Dabei werden beide Seitenflügel um eine Etage aufgestockt. Diese bestehen also nunmehr aus drei Geschossen. Die Seitenflügel werden mit dem Fortunaportal mittels zweier geschwungener Arkardenbauten verbunden, die nahezu ein Halbrund ergeben Der Umbau wird von Wenzeslaus v. Knobelsdorff geplant, der Figurenschmuck von dem aus Franken zugereisten Johann Peter Benkert. Das Innere erhält eine herrliche Rokoko-Ausstattung.


Wirtschaft:

Die erste Manufaktur zur Verarbeitung von Baumwolle wird in Berlin gegründet.

Man beginnt den Bau des Finowkanals bei Eberswalde.


Literatur:

Gleim veröffentlicht Lyrikbände. Gottsched verfasst eine „Historie der Deutschen Sprache“.


Musik:

Johann Sebastian Bach komponiert „Das wohltemperierte Klavier“ und Händel „Herakles“.


Alltag / Sport:

Schriftliche Regelungen für das Golf-Spiel werden aufgestellt.


1745

Politik:

Beim Frieden zu Dresden erhält Preußen im Ergebnis des 2. Schlesischen Krieges ganz Schlesien vom österreichischen Kaiser Franz I. gezwungenermaßen zugeeignet.

Die Marquise de Pompadur wird Mätresse von Ludwig XV. und gewinnt politischen Einfluss.

Ein Generalreglement stellt die preußischen jüdischen Menschen unter den Schutz des Königs.


Wissenschaft:

Ewald Jürgen von Kleist entwickelt die Leydener Flasche (elektrischer Kondensator).


Technik:

W. Cooke baut die wohl erste Dampfheizung.


Wirtschaft:

In der Wirtschaft macht sich eine zunehmende Arbeitsteilung bemerkbar.


Potsdamer Bauten:

In den Jahren 1745 - 1747 wird des Königs Lustschloss „Sanssouci“ auf dem wüsten Berg, dem späteren Weinberg, durch Wenzeslaus v. Knobelsdorff, nach Angaben und den Skizzen des Königs errichtet.


1746

Wissenschaft:

Der Physiker Euler unterstützt die Wellentheorie des Lichts.


Wirtschaft:

Der Storkower Kanal wird gebaut. Das Gebiet des Oderbruches wird zwecks Landgewinnung zu großen Teilen trockengelegt. Eine riesige meliorative Maßnahme, die der König anordnete und die bis 1763 andauern wird.

Im englischen Birmingham beginnt die Großherstellung von Schwefelsäure in Bleikammern. Eine äußerst ungesunde Arbeit.


1747

Wissenschaft:

Lautinghausen stellt Alkohol aus Kartoffeln her.

Der Chemiker Andreas Sigismund Marggraf entdeckt den Zuckergehalt der Runkel-Rübe (aus der später die Zuckerrübe gezüchtet wird).


Potsdamer Bauten:

Auf dem vormals „Wüsten Berg bey Potsdam“ entstand zwischen 1745 und 1747 das Schloss Sanssouci, nach teilweise zwischen dem König Friedrich II und W. v. Knobelsdorff kontrovers diskutierten Ansichten). Abschließend wird der alte Teil des Parks nach französischem Geschmacke angelegt. Die spätere Parkerweiterung aber wird im englischen Stil erfolgen.


Musik:

Johann Sebastian Bach besucht Friedrich II. in Potsdam (wohnt bei einem Hornisten, Am Bassin 10), erhält jedoch am Hofe nicht die gewünschte Anstellung. Er spielt bei seinem Besuch in der Heiligengeistkirche die Orgel.


1748

Wissenschaft:

Die erste Stahlfeder zum Schreiben kommt von Janssen aus Aachen.

Der Abbé Nollet entdeckt den osmotischen Druck in der Pflanzenphysiologie.


Medizin:

Anfänge der Elektrotherapie mit Plattenkondensatoren.


Baukunst:

In Preußen herrscht der von Knobelsdorff und seinen Schülern bevorzugte französisch betonte „akademische Klassizismus“ mit Ansätzen zum Barock vor (1748 – 1753).


Berliner Bauten:

Es wird mit dem Bau des Palais für den Prinzen Heinrich begonnen. Das Bauvorhaben wird 1753 vollendet sein und viel, viel später den Hauptkomplex der Universität bilden.


Potsdamer Bauten:

Der Ruinenberg wird mit einem Wasserbecken, umgeben von einer (künstlich) zerfallenen Tempelanlage gestaltet. Die Anlage gemahnt an die Vergänglichkeit. Vom Schloss Sanssouci gut aus zu sehen.

In der Folgezeit werden vom Staat (vom Königshaus) viele Bürgerhäuser in Massivbauweise errichtet bzw. erneuert, um den Bauten ein aufeinander abgestimmtes und herrschaftliches Gepräge zu geben.


Wirtschaft:

Preußen steigert die Anzahl der Bauernhöfe durch Landvergabe (innere Kolonisation).

Erste Seidenmanufaktur in Berlin.

Platin kommt von Südamerika nach Europa.


Literatur:

Gottsched schreibt „Die Grundlegung einer Deutschen Sprachkunst“. Klopstock dichtet den „Messias“ und Lessing „Der junge Gelehrte“, uraufgeführt von der Schauspielertruppe der Karoline Neuber.


1749

Politik:

Friedrich Wilhelm v. Haugwitz befasst sich mit der Reform der inneren Verwaltung.


Bauen in Potsdam

Der Bildhauer Andreas Hoferick aus Berlin ist Schöpfer der Neptungruppe mit dem Triton, dem 2,30 m hohen Sandsteinmann, für den Lustgartenteich vor der Südfassade des Stadtschlosses. (1945 wird diese Gruppe in den letzten Kriegstagen zertrümmert und 2002 / 2004 in Bruchstücken wieder ausgegraben und aufgestellt).


Kunst:

Die jetzige Zeit ist die der Hochkultur des Rokoko in der Bau-, Kleidungs-, Möbel- und Porzellangestaltung erkennbar.


Literatur:

Ewald von Kleist schreibt „Der Frühling“.

In der Reichsstadt Frankfurt am Main wird Johann Wolfgang Goethe geboren.


Musik:

J. S. Bach komponiert „Die Kunst der Fuge“ und Händel „Die Feuerwerksmusik“.


Alltag:

Als modern gelten bei den Damen: Reifrock und Schnürmieder, Stöckelschuhe, Kartusche, Fächer, Volants und Schönheitspflästerchen. Bei den Herren: Zopf, „Rock“, Weste, Dreispitz-Hut, Spitzenjabot, Sammetkniehosen, Schnallenschuhe, Stock und Degen.


Einige Notizen zum Jahr 1750

Politik:

Der berühmte französische Schriftsteller Voltaire kommt nach Potsdam an den Hof. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit König Friedrich II. wird er es hier etwa drei Jahre aushalten, bis er lieber die Rückreise nach Frankreich antritt.

Endgültige Abschaffung der Hexenprozesse in Deutschland.


Wissenschaft:

Johann Tobias Mayer stellt das Fehlen einer Mondatmosphäre fest. Er erarbeitet eine „Generalkarte“ des Mondes.

Georg Gmelin (1709 – 1755), ein Botaniker aus Tübingen, schreibt nach langer Forschungsreise durch Kamtschatka und Sibirien das Werk „Flora Sibirica“.


Technik/Maschinenbau:

Segner konstruiert ein Reaktions-Wasserrad, welches bis 1760 die Nutzungsreife erlangt.


Bauwesen:

Eine erste Luftheizungsanlage der Neuzeit wird in St. Petersburg errichtet.

In England werden erstmals Tapeten farbig bedruckt.


Wirtschaft:

Einführung der planmäßigen Personenpost-Touren (mit der Postkutsche) in Deutschland.


1751

Wissenschaft:

A. F. Cronstedt entdeckt das Element Nickel.

Linné stellt die Nomenklatur für Pflanzen auf, die „Philosophia botanica“.


Maschinenbau:

Chaumette entwickelt das Hinterladergewehr, das eine schnellere Schussfolge ermöglicht.


Bauten in Potsdam und Umgebung:

In Sanssouci entsteht die „Neptungrotte“.

W. v. Knobelsdorff entwirft im königlichen Auftrag die Französische Kirche, die im nächsten Jahr von Jan Boumann errichtet werden wird.

Die böhmische Spinner- und Weberkolonie „Nowawes“ (Neues Dorf), eine Mustersiedlung, wird neben dem alten bestehenden Neuendorf bei Potsdam gegründet. Auf Befehl des Königs leitet Oberst v. Retzow die Arbeiten. Im ersten Bauabschnitt entstehen vier Straßen sowie die Straße um den Kirchplatz und an diese werden 155 Häuser gesetzt. Es sind die Lindenstraße mit vier Reihen Linden und breiten Grasflächen zum Bleichen der gewebten Ware, die etwas schmalere Wallstraße, die Priesterstraße, die Mittelstraße und eben die Bebauung um den Kirchplatz.

Die Bewohner kommen aus Böhmen und Mähren, aus Sachsen, Württemberg, aus der Schweiz und Bayern. Jede Weberfamilie kann ein halbes Haus mit Gartenanteil nutzen. Es gibt für sie die zeitweilige Befreiung vom Militärdienst und von Steuern, um Fuß fassen zu können.

Der zweite Bauabschnitt verzögert sich wegen des Siebenjährigen Krieges, aus dem auch Oberst v. Retzow nicht zurückkommen wird. Weiter geht es mit dem Bauen dann im Jahre 1764. Bauleiter ist dann der Oberst v. Anhalt.


Wirtschaft:

W. C. Wegely gründet in Berlin die erste Preußische Porzellanmanufaktur.

Das „Heidelberger Fass“ wird gebaut, ein Weinfass für 222.000 Liter Inhalt. Es steht im Renaissance-Schloss zu Heidelberg.

In Deutschland entstehen wieder öffentliche Kaffeegärten (siehe auch 1683).


Literatur:

Gotthold Ephraim Lessing aus Kamenz, ist Kritiker bei der Vossischen Zeitung in Berlin.


Musik:

Das Menuett wird als Gesellschaftstanz bekannt.


1752

Wissenschaft:

Benjamin Franklin erfindet den Blitzableiter. Erst 1769 wird jener allerdings in Deutschland angewendet.


Wissenschaft / Medizin:

Jaques Daviel gelingt eine Star-Operation am menschlichen Auge.


1753

Bauen in Potsdam:

Die Stadt wird stark vom Wunsch des Königs nach dem palladianischen Stil (nach Palladio) geprägt. Gebaut werden u. a.:

Bauen in Nowawes:

Am 06. Mai wird für die Spinner- und Webercolonie Nowawes, die Friedrichskirche geweiht.


Auf einer Höhe am Babertsberg lässt Herr Rehnitz eine Windmühle errichten. (Rund 100 Jahre später ( ab 1856) wird an dieser Stelle der Flatowturm gebaut. Dazu braucht die Mühle aber nicht abgetragen werden, denn diese verbrennt schon im Jahre 1848.


Bildung:

In Schwerin wird die Schauspielerakademie gegründet.


Literatur

Am 26. März verlässt Voltaire Preußen, nachdem er sich mit dem König Friedrich II. überworfen hat.


1755

Politik:

Es beginnt der englisch-französische Kolonialkrieg, der bis 1763 andauern wird.


Wissenschaft:

Immanuel Kant schreibt die „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“.


Bauen in Potsdam:

Das Stadtschloss zu Potsdam erhält eine Warmluftheizung mit „drachenförmigen Heizkörpern“. Der Baumeister ist v. Knobelsdorff. Wer sonst?

Das Direktionsgebäude der Gewehrfabrik an der Breiten Straße entsteht unter der Leitung von Büring.

Das Nauener Tor wird errichtet. (Dessen Form später im Jahre 1867 aber modernisiert).

Verschiedene Varianten für ein Neues Palais am Ende des Parks gegen Eiche werden entworfen. Wegen der Kriegshandlungen kommt es aber nicht zum Baubeginn.


Literatur:

Lessing schreibt mit „Miss Sarah Sampson“ die erste bürgerliche Tragödie. Victor de Mirabeau (1715 – 1789) verfasst „Der Menschenfreund“, eine Schrift nach liberalen Grundsätzen.


Naturgewalten:

Ein Erd- und Seebeben zerstört Lissabon am 01. November. Etwa 32.000 Tote.

Das wahrscheinlich letzte Wisent wird in Ostpreußen erlegt.


Musik:

Joseph Haydn komponiert sein erstes Streichquartett.


Bildung:

Die Zarin Elisabeth gründet die erste russische Universität in Moskau.


1756

Politik und Krieg:

Am 06. Mai nehmen an der Schlacht bei Prag 127.000 Soldaten teil. Aus den Reihen der Preußen und Österreicher fallen 28.000 Soldaten.

Am 29. August beginnt König Friedrich II. den Siebenjährigen Krieg gegen Österreich, Russland, Frankreich und Kursachsen. Wieder ein „Präventivkrieg“. Am 28. August werden im „Lustgarten“ die Potsdamer Soldaten verabschiedet, die nach Sachsen abkommandiert werden, denn der Krieg beginnt am 29. August mit einem Einfall in Sachsen, das mit Österreich (Maria Theresia) verbündet ist. 100.000 Preußen gegen 18.000 Sachsen. Die sächsische Armee kapituliert am 15. September und Sachsen wird Preußische Provinz.


Wirtschaft:

In diesem Jahr führte König Friedrich II. per Erlass den stärkeren Anbau der Kartoffel in Preußen ein, um den Hungersnöten zu begegnen. Je nach Landstrich wird die Kartoffel auch Erdtoffel, Tüffel, Erdapfel genannt. Kartoffelmus wird als „Armenkäse“ bezeichnet. Aus gerösteten aufgekochten Kartoffelwürfeln entsteht Kartoffelkaffee.

In Berlin wird die erste europäische Schokoladenproduktion eröffnet. Die Frucht des Kakaostrauches ist dafür die unabdingbare Voraussetzung.


Bauten in Potsdam:

Im Park von Sanssouci wird nach zweijähriger Bauzeit das Chinesische Haus fertig (auch Japanisches – oder Chinesisches (Tee-) Haus genannt), mit Figuren von Benkert, Heymüller und Giese.


Naturgewalten:

Das Erdbeben eines geringen Ausmaßes wird in Aachen beobachtet.


1757

Politik und Krieg:

Krieg herrscht zwischen dem russischen Zarenreich, mit Zarin Elisabeth I. an der Spitze und Preußen, durch König Friedrich II. vertreten. Zarin Elisabeth I. ist die Tochter von Zar Peter dem Großen und seiner Frau Katharina I. Elisabeth wird bis 1762 Zarin sein.

Die Preußen siegen in der Schlacht bei Leuthen. Bei 98.000 eingesetzten Soldaten gibt es 33.600 Tote zu beklagen.

14. August und 25. August: Schlacht von Zornsdorf. Russland gegen Preußen. Auf jeder Seite über 20.000 Tote beim Einsatz von etwa 80.000 Soldaten.

19. August: Schlacht von Großjägerndorf. Die russische Armee gewinnt gegen die Preußen.

05. November: Die Preußen gewinnen die Schlacht bei Rostock.


Technik:

Waschmaschine – Die erste Flügelwaschmaschine wird in Betrieb genommen.


Alltagsleben:

In Erfurt erscheint eine Zeitung für Mode und Galanterie.


1759

Politik und Krieg:

Österreicher und Russen siegen bei Kunersdorf (in Ostbrandenburg / Neumark) gegen die preußischen Truppen Friedrichs des Großen. 110.500 Soldaten waren eingesetzt. 34.500 Tote waren zu beklagen (darunter 19.000 preußische Soldaten). Eine schwere Krise des preußischen Staates.

Die junge Herzogin Anna Amalia von Sachsen – Weimar – Eisenach beginnt die Regentschaft im sächsischen Herzogtum, nachdem ihr Ehemann Ernst August Constantin schon im Alter von nur 20 Lebensjahren verstorben war. Berühmt wird ihre Hofrunde, die Gelehrte und Interessenten aus Malerei, Musik, Literatur und des Theaters anzieht.


Wissenschaft und Technik:

Joseph Black (1728 – 1799) begründet die Kalorimetrie und unterscheidet die Begriffe „Temperatur“ und „Wärmemenge“.

Einer der ersten Blitzableiter in Europa wird an einem Kanalleuchtturm in England montiert.


Literatur:

Lessing, Nikolai, Mendelssohn und v. Kleist geben ein gemeinsames Werk heraus.


Mode:

Der „Haarbeutel“ verschwindet aus der Herrenmode.


1760 – 1789 (franz. Revolution). Es ist die Zeit des Zopfstils.


1760

Politik und Krieg:

Im Zuge des Siebenjährigen Krieges besetzen österreichische Truppen unter General Esterhazy auch die Stadt Potsdam. Es kommt zu tätlichen Übergriffen gegenüber der Bevölkerung. In der Schlacht bei Torgau am 03. November verwandelt der Kavallerie-General Hans Joachim v. Zieten durch eine beherzte Attacke die ziemlich sicher drohende Niederlage Preußens in einen Sieg. In der Schlacht waren 103.400 Soldaten aus Preußen und Österreich. 32.400 Tote sind zu beklagen.

Preußen legt die kursächsische Hauptstadt Dresden in Schutt und Asche. Berlin dagegen wird bei dem sächsisch-österreichischen Einmarsch ausgeplündert und zum Teil zerstört.


Sport:

Der Belgier John Joseph Merlin erfindet die Rollschuhe. Ausgestattet mit vier Rädern, paarweise angeordnet.


Alltag:

Die Colonie Nowawes hat aus dem ersten Bauabschnitt derzeitig 155 Häuser mit 103 Webstühlen und 680 Einwohnern. (Der zweite Bauabschnitt erfolgt ab 1764).


1761

Politik:

Preußen gewinnt die Schlacht bei Langensalza in Thüringen.


Wissenschaft / Medizin:

Einführung der Perkussion (Abklopfen des Brustkorbes) zur Diagnose durch L. Auenbrugger.


Preußisches Bauen:

Der Deutsche Barockstil, Zopfstil, wird vom französischen Neoklassizismus beeinflusst.


Wirtschaft:

Es wird im bayerischen München die Nymphenburger Porcellain-Manufaktur gegründet.

Die Feuerwehr – Schubleiter wird entwickelt.


Kunst / Musik:

Joseph Haydn wird Kapellmeister (bis 1790) bei Fürst Esterhazy.


1762

Politik:

Am 05. Januar stirbt Zarin Elisabeth von Russland, eine entschiedene Gegnerin von König Friedrich II. Auf den Zarenthron folgt der bisherige Großfürst, der labile, geistig gestörte Zar Peter III. (von Holstein), ein großer Bewunderer Friedrich des Großen und Preußens.

Am 05. Mai schließt der kranke Zar Peter III. Frieden mit Friedrich II. von Preußen, womit Preußen einer weiteren Niederlage entgeht. Peters Ehefrau Katharina, vormalige deutsche Prinzessin Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst (1729-1796) wird 1762 Zarin „Katharina die Große“ von Russland, indem sie ihren Ehemann Zar Peter III. am 28. Juni 1762 stürzt, d. h. von Graf Orloff ermorden lässt. Sie leitet eine der glanzvollsten Epochen Russlands ein. Die Kunstliebhaberin macht den Petersburger Hof zu einem kulturellen Zentrum Europas.

Am 29.10. findet bei Freiberg die letzte Schlacht zwischen Preußen und Österreich statt.


Wissenschaft:

Zu jener Zeit stellt man die These auf, dass als Krankheitserreger Mikroorganismen in Betracht kommen. In Lyon wird die erste Tierheilschule gegründet.


Kunst / Musik:

Gluck komponiert „Orpheo ed Euridice“.


1763

Politik:

Friede von Paris am 10. Februar, beschlossen von England, Portugal, Frankreich und Spanien. Österreich, Sachsen und Preußen schließen am 15. Februar den Vertrag zum Frieden von Hubertusburg im gleichnamigen barocken Jagdschloss. Der Siebenjährige Krieg ist vorbei. Preußen und England ziehen aus diesem Krieg Vorteile. Frankreich verliert viele seiner Kolonien, darunter auch Kanada. Aber auch Preußen leidet sehr unter den Kriegsfolgen. Trotzdem zeigt es Friedrich II. Europa, indem er so tut, als ob die Staatskasse nicht ziemlich leer wäre und baut am Park von Sanssouci das riesige (eher unnütze) Neue Palais „Friedrichshuld“. Der Bau ist etwa 300 m lang und hat mehr als 200 Zimmer. Der Grobentwurf stammt vom König, mit den Baumeistern Manger und Büring erarbeitet. Ab 1765 übernimmt Gontard die Bauleitung. (Anmerkung: Die vorgelagerte Terrasse mit den geschmiedeten Kandelabern kommt erst unter Friedrich Wilhelm II. dazu).


Wirtschaft:

Die Trockenlegung des Oderbruches mit Entwässerungen und Eindeichungen gilt nach 15 jährigen Bemühungen als abgeschlossen.


Potsdamer Baumeister:

1763 bis 1786: Diese Zeitspanne umfasst die Phase der Wirksamkeit des Baumeisters Carl v. Gontard für Potsdam. Einer seiner besten Schüler ist der Baumeister Unger.


Kunst / Musik:

Der sechsjährige Wolfgang Amadeus Mozart befindet sich (1762-1764) auf Konzertreise und spielt auch vor Kaiserin Maria Theresia in Wien.


Bildung und Erziehung:

Das General-Schul-Reglement ändert und konkretisiert die Schulpflicht mit der Festlegung des Schulbesuches in der Zeit vom 5. bis zum 13. Lebensjahr.


1764

Politik:

Der König erlässt ein Münzgesetz und ein Verbot „des Bauernlegens“ in Preußen.

Der Lebemann Chevalier de Seingalt Giaccomo Casanova hält sich gerade in Potsdam und am Hofe auf. Der König hat das großherzige Angebot an Casanova (den bekannten Herrn Neuhaus), ihn als Kadettenerzieher einzustellen. Jener lehnt aber ab. Einen solchen ehrenvollen Posten in preußischen Landen findet er doch zu nüchtern, trocken und einfach zu drillig. Seine Zukunftspläne sehen doch ganz anders aus (siehe „Casanova“ unter der Zusammenstellung „Zeitgenossen“).


Bauten von Potsdam und Umgebung:

Der alte kurfürstliche Entwässerungsgraben wird in den Jahren 1764 bis 1786 erneuert und dabei zu einem Stadtkanal nach dem Vorbild holländischer Grachten ausgebaut.

König Friedrich II. sucht jemanden, der im Park von Sanssouci die bereits vorbereiteten „Wasserkünste“ funktionsfähig machen kann. Ein Erfolg für das Funktionieren der Fontänen wird sich erst einstellen können, nachdem die Dampfmaschine mit ihrer gewaltigen Kraft die Aufgabe übernehmen kann, einen leistungsfähigen Druck mittels Pumpenkraft aufzubauen.

Es beginnt in Nowawes der zweite Abschnitt des Bauens, nun unter der Leitung des Obersten v. Anhalt. Drei neue Straßen werden angelegt und an jenen 55 weitere Häuser errichtet. Es ist die Neue Lindenstraße (= Alt Nowawes), die 11-Häuser-Straße (Mühlenstraße) und die 6-Häuser-Straße (Garnstraße). Bald leben in den nun insgesamt 210 Häusern rund 1.100 Einwohner, davon 230 Menschen, die aus Böhmen einwanderten. In der Folgezeit werden in den bestehenden Straßen weitere Häuser aufgeführt, Lücken in den Straßenzeilen „aufgefüllt“.


Literatur:

Moses Mendelssohn schreibt eine „Abhandlung über die Eridenzia“, also über die metaphysischen Wissenschaften (von der preußischen Akademie preisgekrönt).

Voltaire gibt das Philosophische Wörterbuch heraus.


Naturereignisse:

Ein starker Wirbelsturm richtet in Mecklenburg verheerende Schäden an.


1765

Politik:

Es stirbt Kaiser Franz I. (v. Lothringen). Kaiser seit 1745, Gemahl der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. Sein Sohn Joseph II wird deutscher Kaiser, bis 1790.

In den Jahren 1765 – 1767 werden in Preußen erste Kasernen für Soldatenfamilien eingerichtet, um sie nicht in Bürgerhäusern / Wohnungen mit einquartieren zu müssen. Das geschah nämlich sonst oft gegen den Willen des Hausbesitzers.


Wissenschaft:

Spallanzani probt erfolgreich Konservierungsversuche durch Luftabschluss.


Maschinenbau:

James Watt baut das neue Modell einer Dampfmaschine und lässt diese 1769 patentieren.


Bauwesen:

In der Zeit zwischen 1765 und 1800 wird der Landschaftspark zu Wörlitz gestaltet. Initiator ist Fürst Leopold III., Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. Sein Architekt ist Friedrich Wilhelm v. Erdmannsdorff. Mitarbeit von Schoch und Neumann. Die Gestaltung wird bis 1808 andauern.


Wirtschaft:

Die Kartoffel ist inzwischen in ganz Deutschland bekannt und wird jetzt zum Volksnahrungsmittel.


Bauen in Potsdam:

Bau der „Breiten Brücke“ über den Kanal, bestückt mit prächtigen barocken Laternenträgern von den Bayreuther Meistern Gebrüder Ränz.


Erziehung:

In Breslau wird ein realgymnasialer Schulzweig eingerichtet (in Berlin erst 1826).


Alltag:

Russland führt noch den alten Julianischen Kalender, den einst Julius Caesar erdacht hatte). Papst Gregor XIII. hatte bereits 1582 den neuen, nach ihm bekannten Kalender eingeführt. Beide Kalender weisen eine jährliche Differenz von 11 Tagen aus. Die meisten protestantischen Länder führten den „neuen“ Kalender um 1700 ein. In Russland werden alle offiziellen Schreiben „in der Übergangszeit“ mit beiden Daten versehen. Noch weiß aber niemand, wie lange diese Übergangszeit dauern wird.


1766

Wissenschaft:

Cavendish stellt den Wasserstoff dar. Es stirbt Johann Maria Farina, Erfinder des „Eau de Cologne“. Er lebte in der Stadt Köln im Hause Nr. 4.711.


Medizin:

In Paris wird die Tierärztliche Hochschule gegründet.


Wirtschaft:

Der Staat behält sich das Tabakmonopol in Preußen vor.


Mode:

Der Frack hält Einzug in der Herrenmode.


Naturgewalten:

Ende März bricht der Vesuv bei Neapel wieder aus. Es ist die 26. größere Eruption seit Kaiser Titus. Am Mo., 19. Oktober erneut ein heftiger Ausbruch. Am 20. bis 23. Oktober besteigt der Natur- und Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann (aus Stendal) mit Begleitern den Berg über Lavaströme, „die schon so weit abgekühlt waren, dass nur noch die Schuhsohlen verschmorten“. „Der zerrissene Vulkanrand erschien uns wie das Eingangstor zum Hades“, führt er aus.


1767

Politik:

Zarin Katharina II., die Große, leitet in Russland Gesetzesreformen ein.


Baukunst:

Vor drei Jahren wurde für Zarin Katharina II. mit dem Bau des Schlosses „Eremitage“ in Sankt Petersburg begonnen. Nun ist es fertig.


Maschinenbau:

James Hargreaves stellt die erste brauchbare Spinnmaschine vor. Er nennt sie „Jenny“.


Literatur:

Lessing schreibt „Minna von Barnhelm“.


1768

Politik:

Frankreich kauft die Insel Korsika von Genua. (Nur dadurch wird der Korse Napoleon Bonaparte im Jahre 1769 als Franzose geboren).


Bauten in Potsdam:

Im Park von Sanssouci lässt Friedrich II. zu Ehren seiner Lieblingsschwester Wilhelmine zu Bayreuth, den Freundschaftstempel errichten. Sie ist in diesem auch als Statue, sitzend mit einem Bologneser Hündchen auf dem Schoße, dargestellt.

Am Wilhelmplatz wird die jüdische Synagoge erbaut (aber 1901 – 1903 durch einen Neubau ersetzt; am 09. November 1938 in der Reichsprogromnacht verwüstet, 1945 zerbombt).


Literatur:

Goethe verlässt erkrankt Leipzig. Er ist dort mit Käthchen Schönkopf befreundet.


Kunst / Musik:

Mozart komponiert „Bastien und Bastienne“. Dieses Singspiel des 12jährigen wird in Wien uraufgeführt.


1769

Maschinenbau:

James Watt stellt eine verbesserte Dampfmaschine vor. Der erste „religiöse Blitzableiter“ Deutschlands wird auf der Jakobikirche zu Hamburg errichtet.


Potsdamer Bauten:

Unger baut in der „Breiten Straße“ die Hiller-Brandtschen Häuser, ein Auftragswerk zweier reicher Bürger.


1770

Politik:

James Cook nimmt für die englische Krone den Kontinent Australien und auch Neuseeland in Besitz. Die Ureinwohner wurden nicht um ihr Einverständnis gebeten.

Marie Antoinette, eine Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia wird Gemahlin Ludwig XVI. (hingerichtet im Zuge der Französischen Revolution 1793).


Wissenschaft:

Im fernen Königsberg am Fluss Pregel wird Immanuel Kant Professor für Philosophie. (Wo auch sonst – hat er doch seine Heimatstadt nie verlassen – sagt man).


Technik:

Der Spiralbohrer wird erfunden. Canaletto (eigentlich Bernardo Belotto), italienischer Maler, überwiegend in Dresden, bedient sich der Zeichenkamera, der „Camera obscura“.


Wirtschaft:

Die Gesindeordnung wird eingeführt. Bei der Entlohnung darf keine Herrschaft die andere überbieten oder dem Gesinde Geschenke zukommen lassen. In diesem Falle wäre eine Strafe fällig; in einer Höhe zwischen 20 Talern und 100 Dukaten.

Der Höchstlohn für eine Köchin beträgt 8 – 12 Taler im Jahr, für eine Magd (Nähen, Waschen, Reinigung des Hauses) 8 – 9 Taler, für ein Kindermädchen 6 Taler im Jahr. Hält das Gesinde eventuelle Schikanen der Herrschaften nicht aus, so haben sie trotzdem nicht die Möglichkeit zu kündigen. Verlassen sie ihre Arbeitsstelle, kommen sie in das Arbeitshaus.


Literatur:

J. W. Goethe ist Student in Straßburg (bis 1771). Er begegnet Herder und hält Freundschaft mit Friederike Brion (1752 – 1813). Matthias Claudius wird Herausgeber des „Wandsbecker Boten“, bis 1775, Redakteur bis 1813.


Natur:

Ein sehr harter Winter 1770 / 1771 mit der Folge von Missernten und Hungersnöten. Ständiger Anstieg der Preise für Lebensmittel.


1771

Wissenschaft:

Der Seefahrer James Cook entdeckt auf seiner ersten Weltumsegelung (ab 1768) in diesem Jahr die Gesellschaftsinseln.


Technik:

Am 2. Juli in Paris: Der französische Ingenieur und Artillerieoffizier Nicolas Joseph Cugnot stellt ein Dampffahrzeug vor, das sich aber mit seiner hohen Masse von 5t und seiner Schwerfälligkeit (Höchstgeschwindigkeit etwa 4 km/h) auf den unbefestigten Wegen nicht bewährte. Es sollte hauptsächlich zum Ziehen schwerer Geschütze zum Einsatz kommen, hatte aber auf seiner „Jungfernfahrt“ einen Unfall, indem es eine Mauer durchbrach.


Bauten in Potsdam:

Das Oberlyzeum wird in der Waisenstraße, Ecke Bäckerstraße gebaut (heute Schule in der Dortustraße).

Eine schöne barocke Straßenkreuzung mit acht Ecken gestaltet Gontard an der Hohewegstraße / Schwertfegerstraße.

Gontard erweitert das Militärwaisenhaus um den Bau in der Lindenstraße mit der Tempelkuppel, zum „Großen Potsdamschen Waisenhaus“. Die Bauarbeiten währen bis 1777. In der gleichen Zeit werden der Wilhelm-Platz und der Bassinplatz neu gestaltet.

Angelegt werden die Pflugstraße (Charlottenstraße), die Hoditzstraße (Staabstraße), die Französische Straße, die Burg- und die Fischerstraße.

Das Nauener Tor wird modernisiert und das Brandenburger Tor ergänzt.

Der Palast Barberini wird am Marktplatz errichtet unter der Verwendung des Motivs der Mittelloggia des Palazzo Barberini in Rom (Die Seitenflügel aber werden erst in der Bauzeit 1845 – 1849 hinzukommen).

Das Dorf Eiche erhält in diesem Jahr eine barocke Kirche (Unger).


1772

Politik:

Das Land Polen erfährt die erste gewaltsame Aufteilung zwischen Österreich, Preußen und Russland. Ermland in Ostpreußen wird im Zuge dieser Teilung von Preußen genommen, genau wie Westpreußen. Somit besteht nun eine neue „durchgehende preußische Besitzung“.


Wissenschaft:

James Cook befindet sich inzwischen bereits auf seiner 2. Weltseereise (1772 – 1775). Er klärt dabei, dass keine Südkontinente vorhanden sind, findet aber das „Südpolarland“, die „Antarktis“.

Der Engländer D. Rutherford (1749 – 1819) entdeckt den gasförmigen Stickstoff.

J. H. Lambert entwickelt die flächentreue Landkartenprojektion.


Wirtschaft:

Preußen mobilisiert den Überseehandel durch Gründung der „Seehandlung“.


Literatur:

Lessing verfasst das Trauerspiel „Emilia Galotti“.

Wieland schreibt „Der goldene Spiegel“, ein Roman über den Staat.


1773

Wissenschaft:

Friedrich Schiller wird Schüler und später Medizinstudent an der Karlsschule bei Stuttgart.


Potsdamer Bauten:

Große Holländische Giebelbauten entstehen am Bassin an der Rückseite der Nauener Straße (v. Gontard).


Literatur:

Johann Wolfgang Goethe dichtet den „Götz v. Berlichingen“ und verfasst den „Urfaust“.

Klopstock (1748 – 1773) schreibt den „Messias“.


Aus der Zeitgeschichte des Jahres 1774

Wissenschaft:

Antoine Lavoisier gilt als Begründer der modernen Chemie.

Priestley entdeckt Ammoniak und Sauerstoff.

Die Elemente Chlor und Mangan werden gefunden.


Wirtschaft:

Bei Werder an der Havel werden Ziegel gebrannt und im Kahn nach Potsdam und Berlin geschickt. 1.000 Ziegel kosten 8 Taler, das ist soviel, wie etwa eine Magd im Jahr an Lohn erhält.


Literatur:

J. W. Goethe schreibt „Die Leiden des jungen Werther“.


Musik:

Gluck verfasst eine erste Reformoper und nennt diese „Iphigenie in Aulis“.


Soziales:

Pestalozzi gründet eine Armenanstalt – eine sich selbst erhaltende Arbeitsschule.


Kunst:

Frankreich: Es beginnt der Louis-Seize-Stil (nach König Ludwig XVI.).


1775

Wissenschaft:

Priestly entdeckt Salzsäure.

Die Pariser Akademie lehnt weitere Prüfungen von Vorschlägen und Patentanmeldungen für jedwede Art eines „Perpetuum mobile“ ab. Es gibt kein Perpetuum mobile. Punktum.


Medizin:

Man nimmt die Ansteckung mit Krankheiten, wegen des Vorhandenseins gasförmiger Ausdünstungen „Miasmen“ an. De Morveau erarbeitet seine These der Desinfektion mit Giftgas (Chlor), um den Miasmen entgegen zu wirken.


Technik:

Es wird in Deutschland die erste Schiene für ein Fahrgleis aus Eisen gegossen.


Literatur:

Beaumarchais schreibt „Der Barbier von Sevilla“.

Goethe verlobt sich mit Lili Schönemann – bald folgt die Entlobung und er siedelt nach Weimar über. Dort schließt er Freundschaft mit Frau v. Stein.

Johann Kaspar Lavater (1741 – 1801) verfasst eine Schrift über Menschenkenntnis und Menschenliebe.


1776

Politik:

Am 04. Juli schließen sich die bisherigen dreizehn englischen Kolonien in Amerika zusammen und erklären der britischen Krone einseitig ihre Unabhängigkeit vom Mutterland England. Es ist die Geburtsstunde der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Ihr erster Präsident wird George Washington sein. Mit dieser Unabhängigkeitserklärung beginnt der Befreiungskrieg. (Siehe auch 1783).


Wissenschaft:

James Cook (1728 – 1779) befindet sich auf seiner 3. Weltseereise. Er macht u. a. auch Halt auf dem russischen Kamtschatka, im Peter-und-Paul-Hafen (Petropawlowsk). Er entdeckt in diesem Jahr die Hawaii-Inseln. Auf der Hauptinsel von Hawaii, „O-Wains“ wird er von Eingeborenen erschlagen, weil er wohl unwissentlich „das Tabu“ eines Heiligtums verletzt hat. Das Gedenken an ihn steht ebenbürtig zu dem für Columbus, Vasco da Gama, Americo Westpucci und Fernando de Maggelan, als Entdecker der Erde und der See und als Anreger für Andere, Nachkommende, sich ebenfalls weit vorzuwagen.


Technik:

Hatton entwickelt eine Hobelmaschine.

Am 24. März 1776 stirbt „Der Vater der Zeit“, der englische Tischler und Uhrmacher John Harrison. Siehe auch 1713, 1714 und 1735.


Bauten in Potsdam:

Am Canal, neben der Plantage, wird die Preußische Oberrechnungskammer errichtet.

Vom Rathausturm am Markt, stürzt der schwere Atlas aus vergoldetem Blei, der die Erdkugel trägt, wegen der ungünstigen Masseverteilung (sehr hoch liegender Schwerpunkt). Herr Wohlers fertigt ein neues Modell an und der Kupferschmied Jury treibt die neue Figur aus leichtem Kupferblech. Nur die Beine bis zum Knie sind noch bleiern schwer. Die neue Ausführung stellt sich auch kostengünstiger.

Das Haus Brauerstraße 10 an der Ecke des Marktes, gehört (wahrscheinlich) Herrn v. Knobelsdorff.


Literatur:

Es beginnt die Zeit von „Sturm und Drang“. Herder wird Prediger in Weimar.


Alltag:

In Holland wird ein lebender Orang-Utan zur Schau gestellt.


Unser Klima:

Im Winter wird die liebliche Provence von (umgerechnet) -18 bis -20°C heimgesucht.


1777

Potsdamer Bauten:

In den Jahren 1771 – 1777 wurde von Gontard das „Große Potsdamsche Waisenhaus“ in der Lindenstraße gebaut, jetzt also beendet.


1778

Politik:

Bayerischer Erbfolgekrieg mit Österreich: König Friedrich II. gegen Kaiser Joseph II.

Die USA ernennen den deutschen Friedrich v. Steuben zum Generalinspekteur des Heeres.


Wirtschaft:

In England wird die erste Eisenbrücke (Gusseisen) der Welt gebaut. Konstrukteur ist A. Darby.


Literatur:

Goethe hält sich in Berlin auf. Gotthold Ephraim Lessing schreibt „Nathan der Weise“.


Das Jahr 1780

Politik:

Es stirbt Maria Theresia (1717 – 29. Nov. 1780) in Wien, die Kaiserin von Österreich / Ungarn, Gemahlin von Kaiser Franz. Sie wird von Friedrich II. v. Preußen, (grundlos) als eine seiner größten Widersacherinnen angesehen. Nachfolger ist ihr (schwieriger) Sohn Joseph II, bis zu seinem Tode im Jahr 1790.


Wissenschaft:

Etwa in dieser Zeit führt der Landarzt Dr. Edward Jenner die Schutzimpfung gegen Pocken ein. Cavendish tritt den Beweis an, dass sich Sauerstoff und Wasserstoff zu Wasser verbinden.


Technik:

Mehr und mehr löst die neue Schreibfeder aus Stahlblech den Gänsekiel ab.


Bauen in Berlin:

Die prächtige Königliche Bibliothek „Unter den Linden“ wird vollendet. Mit dem Bau wurde 1774 begonnen.


Bauen in Potsdam und Umgebung:

Die Hoditzstraße wird angelegt (spätere Staabstraße) und bis 1786 mit den Häusern bebaut. Graf Hoditz, ein Freund des Königs Friedrich I., wohnte in der Nr. 9. Die Nr. 8 wird später das Geburtshaus von Helmholtz sein. Das Haus Hoditzstraße, Ecke Am Canal 24, ist das Geburtshaus des großen Biologen Ernst Haeckel.

In Nowawes werden an verschiedenen Orten der Colonie Maulbeerbäume angepflanzt, die einzige „Futterweide“ / Nahrungsquelle für Seidenraupen.


Das Jahr 1781

Politik:

Das letzte Todesurteil der (spanischen) Inquisition wird vollstreckt. Es wird offiziell zum letzten Male öffentlich eine Frau als Hexe angeklagt und verbrannt.


Bauten in Potsdam:

Die Pflugstraße (spätere Charlottenstraße) wird bis 1786 mit den Häuserzeilen bebaut.

Der schmückende „Kopfbau“ des „Langen Stall“ entsteht (von Unger).


Wissenschaft:

Rene Just Hauy führt den Kristallaufbau der Materie auf das Bestehen eines Raumgitters zurück. Der Astronom und Fernrohrbauer Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt den Planeten Uranus mit einem selbst gebautem Spiegelfernrohr. De Jouffroy gelingt der erste erfolgreiche Versuch eines Schiffsantriebes mittels Dampfmaschine. Erste gelungene Fallschirmschwebeversuche sind zu melden. James Watt erfindet die doppelt wirkende Kolben-Dampfmaschine.


Literatur:

Immanuel Kant schreibt in Königsberg: „Die Kritik der reinen Vernunft“.


Kunst / Musik:

Mozart vertont: „Die Entführung aus dem Serail“. Joseph Haydn komponiert „Russische Streichquartette“.


Das Jahr 1782

Literatur:

Matthias Claudius schreibt „Irrtum und Wahrheit“, Goethe wird geadelt. Er schreibt jetzt am „Erlkönig“. Schiller dichtet „Die Räuber".


Das Jahr 1783

Politik:

Karl Friedrich von Baden (1728 – 1811) hebt als erster im deutschsprachigen Raum die Leibeigenschaft auf. Potemkin erobert die Krim für Russland. Am 03. September werden die Vereinigten Staaten von Nordamerika durch England, das ehemalige Mutterland, anerkannt.


Wissenschaft und Technik:

19. September: Die Brüder Montgolfiér (französische Papierfabrikanten) starten in Paris einen Heißluftballon aus einer Stoffhülle bestehend. Der Ballon fährt mit den Passagieren – einer Ente, einem Huhn und einem Schwein zur ersten Luftfahrt und beendet diese auch glücklich mit dem langsamen Abkühlen der heißen Luft des Strohfeuers nach etwa vier Kilometern.

Im Oktober: Ballonaufstiege der Brüder Montgolfiér mit Heißluft. Ballonfahrer sind die Naturforscher Pilâtre de Rozier und der Marquis d’ Arlandes, ein einflussreicher Adliger (später verunglückte Rozier tödlich). Nochmals am 21. November erhebt sich die prächtig bemalte Heißluft-Montgolfiére. Nach 25 Minuten Fahrt, geht sie sanft bei Versailles nieder. Im Dezember des gleichen Jahres: Aufstieg eines weiteren Gasballons, bei Paris, dieses Mal mit Wasserstoff gefüllt. Gesteuert wird der Ballon von dem Physiker Prof. Jaques Charles und seinem Bruder Robert. Auf der zweistündigen Fahrt, werden 40 km zurückgelegt.

De Saussure entwickelt das Haar-Hygrometer.

Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt die Eigenbewegung des Sonnensystems.

In England nimmt eine von James Watt konstruierte Dampfmaschine den Betrieb auf. Der Mensch verfügt damit nun über mechanische Antriebskräfte, wie sie in ihrer möglichen Stärke vorher noch völlig unbekannt waren.


Bauen in Potsdam:

Prinz Friedrich Wilhelm (der spätere König Friedrich Wilhelm II, der Dicke), kauft das Landhaus des Herrn Punschel am Heiligen See, das von Obstgärten umgeben ist.


Alltag:

Die Vossische Zeitung informiert am 5. September ihre Leser über die neuen französischen, bemannten Luftballone, um einem Schrecken im Volke über deren Erscheinen vorzubeugen.


Naturgewalten:

Ein starkes Erdbeben in Kalabrien nimmt etwa 100.000 Menschen das Leben.


Das Jahr 1784

Wissenschaft:

Auch Goethe unternimmt Versuche mit Heißluftballons.


Literatur:

Schiller schreibt: „Kabale und Liebe“ und pflegt die Freundschaft mit Charlotte v. Kalb (1761 – 1843).


Alltag:

Dahlien kommen erstmals von Mexiko nach Spanien (Alexander v. Humboldt).


Das Jahr 1785

Politik:

König Friedrich II. gründet den Fürstenbund.


Wissenschaft:

Salsano entwickelt ein Seismometer.


Technik:

Es gelingt im Januar die Überquerung des Ärmelkanals zwischen Dover und Calais mittels gasgefüllter Ballons durch den Luftfahrtpionier Jan Pierre Blanchard aus Frankreich und den Arzt Dr. Jeffries aus Amerika. Sie fahren von England nach Frankreich und führen die wohl ersten Luftpostpakete mit sich. Allerdings erreichen sie zu wenig Auftrieb, so dass sie viel des beweglichen Gutes abwerfen müssen, um nicht unfreiwillig zu wassern. Einige Journalisten wollen wissen, dass die Ballonfahrer sich selbst ihrer Kleidung entledigt haben. (Blanchard verunglückte später tödlich auf seiner 60. Ballonfahrt).

Im Sommerhalbjahr findet das erste Kanalschwimmen zwischen Dover und Calais, über eine Strecke von 31 km statt. Berthollet hat Erfolge mit der Chlorbleiche (von Geweben).


Wirtschaft:

Ersteinsatz einer Dampfmaschine in Preußen.

Der Engländer Cartwright lässt einen mechanischen Webstuhl patentieren.


Das Jahr 1786

Politik:

Es stirbt König Friedrich der II. (der Große) in Sanssouci bei Potsdam. Da er kinderlos ist, wird sein Neffe Wilhelm der Nachfolger. Dieser regiert 11 Jahre lang, von 1786 bis 1797 als König Friedrich Wilhelm II. von Preußen.


Wissenschaft:

James Watt stellt eine Dampfmaschine mit Kolbenstange und Zentrifugalregulator vor.

Klapproth entdeckt das chemische Element Uran, aber erst 1896 wird Becquerel erkennen, dass von diesem Element radioaktive Strahlung ausgeht.


Bauten in Potsdam:

Die romantische Gotik findet in dieser Zeit ihren Ausdruck beim Bau des Schlösschens auf der Pfaueninsel und bei der Meierei am Neuen Garten.


Wirtschaft:

Erste versuchsweise Gasbeleuchtung für Innenräume in England und Deutschland.


Kunst:

Eine neue Stilepoche zwischen 1786 und 1810: Der Frühklassizismus und die frühe theatralische Romantik (Vertreter: Carl Gotthard Langhans und Philipp Boumann).


Literatur:

Bürger schreibt die „Wunderbaren Reisen des Freiherrn von Münchhausen“.


Musik:

Mozart komponiert „Die Hochzeit des Figaro“.


Bildung und Erziehung:

Eine Schul- und Bildungsreform wird eingeleitet.


Alltag:

Die Erstbesteigung des Mont Blanc (4.810 m hoch) gelingt. Es wird das Verbot des lasterhaften Rauchens auf öffentlichen Straßen und Plätzen verhängt. In Berlin fand am 15. August wieder eine Hinrichtung durch Verbrennen der Person statt.


Das Jahr 1787

Wissenschaft und Technik:

Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt zwei Uranus–Monde. John Fritzsch entwickelt einen Schraubenantrieb für Dampfschiffe. Im November startet in Nürnberg der französische Luftschiffer Jan Pierre Blanchard zu seiner 28. Luftfahrt.


Bauten in Potsdam:

Im Stile des beginnenden Klassizismus wird von Krüger der königliche Kutschstall am Neuen Markte gestaltet. Über dem Eingangsbereich befindet sich ein von vier Pferden gezogener königlicher Phaetonwagen, mit der tatsächlich leibhaftigen Figur des Leibkutschers von F II, Eberhard Pfund und der (ungewöhnlichen) Darstellung weiterer niederer Bediensteter.

Zeitgleich mit dem Baubeginn des Marmorpalais (1787- 1792, von Karl v. Gontard und Carl Gotthard Langhans) am Heiligen See, auf dem vormaligen Grund des Herrn Punschel, dessen Landhaus in diesem Jahr abgerissen wurde, entsteht schrittweise durch weitere Landankäufe, der „Neue Garten“ (als Gegenstück zu den nun schon einige Jahrzehnte alten Gärten des Parks von Sanssouci).

Der Park wird vom Hofgärtner August Eyserbeck des Jüngeren, der aus Wörlitz stammt, angelegt aber später von Joseph Peter Lenné nochmals umgestaltet. Auch entsteht im Neuen Garten die kleine Orangerie, mit Königsstatuen von Johann Gottfried Schadow.


Literatur:

Schiller geht nach Weimar. Er dichtet das Drama „Don Carlos“.


Kunst / Malerei:

Tischbein malt Goethe auf Ruinen in der Campagna.


Kunst / Musik:

L. Boccerini wird Hofkomponist in Berlin.

Mozart komponiert „Don Giovanni“ und „Eine kleine Nachtmusik“.


Soziales:

Edikt für das gesamte Land: Am 09. November 1787 befiehlt König Friedrich Wilhelm II., dass „gefallene Weibspersonen“ von allem Schimpf wie aller Schande verschont bleiben sollen“.


Alltag:

De Saussure besteigt als zweiter den Mont Blanc und unternimmt dabei auch meteorologische Messungen.


Das Jahr 1788

Politik:

England „nutzt“ den Kontinent Australien als Strafkolonie. Natürlich fragt niemand die Ureinwohner, ob ihnen das sehr angenehm sei.


Wissenschaft:

Nach Deutschland wird aus China die Hortensie eingeführt und aus Peru die Fuchsie.

Der französische Luftschiffer Blanchard hebt ab zu einer Ballonfahrt über Berlin und wird stürmisch gefeiert.


Literatur:

Johann Wolfgang v. Goethe schreibt den „Egmont“. Er bricht das Verhältnis mit Frau v. Stein, geb. v. Schardt (1742 – 1827) und verbindet sich mit Christiane Vulpius (1765 – 1816). Goethe durchlebt eine Schaffenspause und lernt Schiller kennen.

Immanuel Kant schreibt in Königsberg (wo sonst) die „Kritik der reinen (d.h. praktischen) Vernunft“ (die Ethik mit dem kategorischen Imperativ).

Adolf Freiherr v. Knigge verfasst sein Werk „Über den Umgang mit Menschen“.


Bildung und Erziehung:

Der Schulabschluss mit dem Abiturium wird eingeführt – eine Grundlage der Hochschulreife.


Der Zeitraum 1789 – 1815: Französische Revolution und Befreiungskriege vom französischen Joch. In Kunst und Kultur spricht man von der Zeit des Klassizismus und des Empire.


Das Jahr 1789

Politik:

Bürgerliche Revolution in Frankreich in den Jahren 1789 - 1795.

20. Juni 1789: Die Vertreter des „Dritten Standes“ schwören im Ballhaus zu Versailles, nicht auseinander zu gehen, bis Frankreich eine Verfassung, ein Grundgesetz hat. Der König kapituliert. Ziele: Beteiligung des Volkes an der Machtausübung – fort mit dem Feudalismus. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ist die Devise. Die Bürgerschaft stellt bewaffnete Nationalgarden auf und übernimmt die staatliche Verwaltung.

Am 06. Juli proklamiert die französische Nationalversammlung das Volk als den regierenden Souverän und setzt die Monarchie ab.

14. Juli 1789: Sturm auf die Bastille (Festung und Waffenlager) und deren gewaltsame Zerstörung. Dieser Tag wird als Beginn der Revolution in die Geschichte eingehen.

04. August: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte durch die Nationalversammlung. Der Adel verzichtet auf Privilegien.


George Washington wird erster Präsident der USA (1789 – 1797). Er erhielt im Revolutionskrieg gegen die britische Kolonialmacht vom Marquis de Lafayette zwei Pistolen, hergestellt natürlich in Frankreich, als Freundschaftsgeschenk (für die im Jahr 2000 ein Liebhaberpreis von 1,5 Millionen Dollar gezahlt wird).


Wissenschaft:

Alessandro Volta begründet die Lehre von der Elektrizität.

Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt den 6. und den 7. Saturnmond.

Der französische Chemiker Lavoisier kennt 20 chemische Elemente auf dieser Erde. Leider kann er nicht noch mehr entdecken, denn er wird im Zuge der französischen Revolution bald der Guillotine zum Opfer fallen.


Wirtschaft:

Beginn der Klein-Herstellung (Versuche) von Rübenzucker durch Franz Karl Achard.

Konstruktion einer Rechenmaschine von J. H. Müller für die vier Grundrechenarten.


Literatur:

Goethe schreibt den „Torquato Tasso“ und Schiller „Die Geisterseher“.

Matthias Claudius schreibt „Lieder für das Volk“, Wieland den „Oberon“.


Kunst:

Möbelgestaltung – Bisher dominiert, aus Frankreich kommend, der Louis-Seize-Stil (Ludwig XVI.), eine spielerisch verschnörkelte Rokoko-Gestaltung. Diese Epoche endet abrupt mit dem Ausbruch der französischen Revolution. Nach der Revolution zieht auch im Mobiliar eine streng klassizistische Formensprache ein (Klassizismus und Empire).


Alltag:

Goethes vorehelicher Sohn August (mit Christiane Vulpius) wird in diesem Jahr geboren.


Die „Zeit der Romantik“ wird etwa von 1790 – 1850 anhaltend, angegeben. Sie überschneidet sich mit der „Klassik“ und dem „Biedermeier“.

Die Liebe zu stimmungsvollen Landschaftsbildern, der Rückblick zum Mittelalter, eine Neigung zur Religiosität, die Sehnsucht nach Unendlichkeit und das Entdecken des beschaulich-volkstümlichen, kennzeichnen diese Zeitspanne wesentlich.


Das Jahr 1790

Bauen in Potsdam:

In dieser Zeit wird der Neoklassizismus eingeführt. Ein Beispiel ist das Marmorpalais am Neuen Garten, der beiden Baumeister Karl v. Gontard und Carl Gotthard Langhans.


Musik / Theater:

„Cosi fan tutte“ erscheint auf dem Spielplan.


Alltag:

Friedrich Schiller heiratet Charlotte v. Lengefeld (1766 – 1826) und wird mit ihr zwei Söhne und zwei Töchter haben.


Das Jahr 1791

Politik:

USA: Die „Bill of Rights“ garantiert einzigartige Freiheitsrechte. Am 15. Dez. 1791 treten zehn Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung in Kraft. Diese sichern Rede-, Presse-, Versammlungs- und Religionsfreiheit sowie das Recht, Waffen tragen zu dürfen.

Die Stadt Washington wird als Hauptstadt der USA gegründet.


Wissenschaft:

Luigi Galvani (1731 – 1798) entdeckt die neuromuskuläre Elektrizität am Froschschenkel.


Bauten in Potsdam:

Am Park von Sanssouci wird die alte Bockwindmühle abgebrochen und der Neubau einer repräsentativen Holländer-Galerie-Windmühle aufgeführt.


Bauten in Berlin:

Das Brandenburger Tor im Herzen Berlins wird vollendet. Carl Gotthard Langhans (1732 – 1808) hatte den Bau 1788 begonnen.


Wirtschaft:

Leblanc beschäftigt sich erfolgreich mit der Sodaproduktion.


Literatur:

Goethe leitet das neue Weimarer Hoftheater.

Schiller schreibt eine Abhandlung über die Geschichte des 30jährigen Krieges.


Musik:

Der geniale Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) stirbt im Alter von nur 34 Jahren in bitterer Armut und wird in einem Armen-Massengrab „beigesetzt“. Er hatte unter anderem die Musik für „Figaros Hochzeit“, „Don Giovanni“, „Cosi fan tutte“, „Die Zauberflöte“ und viele andere Stücke komponiert.


Mode:

Für Damen: Igelfrisuren mit hohen Hauben überdeckt, Reifröcke.

Für Herren: Der Zylinder (Quäkerhut) kommt aus den USA nach Europa.


Das Jahr 1792

Politik:

20. April: Frankreich erklärt dem mächtigen Österreich den Krieg. Am 28. Dezember, zwischen Weihnachten und Silvester, ziehen auch Potsdamer Einheiten des Königs Friedrich Wilhelm II. v. Preußen in den Krieg gegen Frankreich. Es waren Freiwillige, denn die Residenz-Städte Berlin und Potsdam waren von der „Enrollierung“, d. h. von der Aushebung von Soldaten für diesen Einsatz ausgenommen. Österreich und Preußen schlagen die französischen Revolutionstruppen. Französische Kämpfer unterliegen bei Lille. Allerdings unterliegen Preußen und Österreicher bei Valmy.

Am 10. August erstürmen Pariser Bürger in Paris die Tuilieren, die Schlossanlage, und nehmen Ludwig XVI, der mit den Feudalmächten Europas gegen die französische Revolution paktiert hatte, fest. Seine Frau, die geborene Österreicherin Marie Antoinette v. Habsburg, war die letzte französische Königin. Die Revolutionäre verhaften die königliche Familie. Die Kinder werden der Königin sofort weggenommen.

Die Marseillaise ist das Kampflied der Revolutionäre. Als Hinrichtungsmaschine wird das Fallbeil, die Guillotine, eingeführt, entwickelt von einem Arzt gleichen Namens. Das Königtum, die Monarchie, ist abgeschafft. Die „bürgerlich-demokratische Jakobiner-Diktatur“ wird errichtet und am 22. September die „Erste französische Republik“ ausgerufen.


Wissenschaft:

Im September wird in Frankreich die dezimale Zeit eingeführt. Der Tag hat 10 Stunden, die Stunde 100 Minuten.


Technik:

Der Ingenieur William Murdock (1754 – 1839) aus der Dampfmaschinenfabrik Boulton und Watt, beleuchtet erstmals Fabrikräume mit dem Licht – der Gasflamme, aus Steinkohle gewonnen.


Musik:

In Berlin wird die „Singakademie“ gegründet.


Das Jahr 1793

Am 17. Januar wird der frühere französische König Ludwig XVI, nunmehr als einfacher Bürger, hingerichtet, öffentlich enthauptet durch die Erfindung des Fallbeils des französischen Arztes Ignace Guillotin. Seine Ehefrau, Marie Antoinette, wird vorerst in den Kerker geworfen und ihr am 14. Oktober vom Revolutionstribunal der Prozess gemacht. Das Todesurteil stand bereits vorher fest. Am 16. Oktober wurde sie mit 38 Jahren ebenfalls hingerichtet. Ihre Briefe, so auch der Abschiedsbrief von der Welt und den Kindern ist erhalten.

Die Revolutionäre richten täglich Hunderte von „Gegnern“ hin. Es reichen Denunziationen, auch ohne Grund, zum Todesurteil. „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder“.


Am 19. März: Verlobungsfeier der Luise v. Mecklenburg-Strelitz mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm v. Preußen. Im Juni muss der Kronprinz „ins Feld“ – Krieg gegen die französische Revolution. Die Notwendigkeit des Feldzuges sieht er, genauso wie die Mehrheit des Volkes, nicht ein.

Das Preußische Allgemeine Landrecht tritt in Kraft, ein Zeichen des Beginns der Rechtsstaatlichkeit in Preußen. Hochzeit von Luise und Friedrich Wilhelm (dem späteren König Friedrich Wilhelm III.) am 24. Dezember in Berlin. Grandioser Empfang seitens der Berliner Bevölkerung für Luise.

Zwei Tage später heiratet auch Luises Schwester Friederike, den Bruder ihres Schwagers: Ludwig von Hohenzollern.


Bauten in Potsdam:

„Am Canal“ wird das Schauspielhaus von König Friedrich Wilhelm II., „Zum Vergnügen der Einwohner“ errichtet, entworfen von Baumeister Philipp Boumann. Im Giebeldreieck der Fassade „Das Musenfest“ von Johann Gottfried Schadow entworfen und ausgeführt von den Brüdern Wohler. Das Volk wird dem Gebäude später den Namen „Canaloper“ geben. Das Haus ist für die Bürger geöffnet und deutsch wird gesprochen, statt französisch – unter früheren Herrschern blieben solche Kunstgenüsse dem Hofstaat und seinen Gästen vorbehalten.


Am Ostufer des Heiligen Sees wird in den Jahren 1792 – 1794 der Bau des hölzernen Maurischen Tempels errichtet.


Das Jahr 1794

Politik:

Der französische Brigadegeneral Napoleon Bonaparte wird unehrenhaft aus der Armee entlassen.

Preußischer Feldzug gegen Polen. Am15. Juni besetzt Preußen Krakau.

Am 27. Juli 1794 erheben sich während der Französischen Revolution führende Mitglieder des Nationalkonvents gegen den scheinbar allmächtigen Maximilian Robespierre, „dem Vater“ der Terrorherrschaft der Jakobiner, durch die Tausende Menschen unter der Guillotine endeten.

Am 28. Juli 94 wird Robespierre hingerichtet. Mit ihm werden 21 seiner Anhänger zur Guillotine geführt. Der Terror endet. Mit dem Ende der Jakobinerherrschaft beginnt die letzte Phase der Französischen Revolution, in der sich das Großbürgertum als herrschende Klasse etabliert.


Preußen führt einen Feldzug gegen die Französische Republik. An dieser nehmen u.a. Heinrich von Kleist, wie auch sogar der Hugenotte Friedrich de la Motte-Fouqué teil. (Regen Gedankenaustausch pflegt jener ansonsten in seinem Wohnort Nennhausen an den Diskussionsabenden mit Chamisso, Kleist, Tieck, August Wilhelm Schlegel, Wilhelm v. Humboldt, Gneisenau, Varnhagen v. Ense und anderen).


Technik:

Wilkinson erfindet den Kupolofen. Bramah konstruiert eine hydraulische Presse.

Der Franzose Claude Chappe (1763 – 1805), ein ehemaliger Priester, erfindet den mechanisch-optischen Telegraphen, bestehend aus einer Säule mit bewegbaren „Armen“, mit denen 196 verschiedene Zeichen dargestellt werden können (Zeichenalphabet für Buchstaben und Zahlen. Vorläufer waren der Flaggen- und der Fackel-Telegraf). Für eine 240 km lange Strecke sind nun bei 22 Zwischenstationen nur noch 2 bis 6 Minuten Übertragungszeit erforderlich.


Medizin:

Am 14. Januar 1794 wagt Dr. Jesse Bennet in County (Virginia) eine Schnittentbindung bei seiner Frau bei vollem Bewusstsein. Narkotika waren ja noch unbekannt (deren Anfänge um 1846). Die Operation hatte für Mutter und Kind einen guten Erfolg, obwohl in europäischen Krankenanstalten die Frauen gehäuft starben. Es war die erste bekannt gewordene Schnittentbindung auf amerikanischem Boden.


Alltag:

In England wird die wohl erste Pferdebahn der Welt für den öffentlichen Verkehr eingesetzt.


1795 – 1888 eine Epoche der Revolutionen und der Restauration


Das Jahr 1795

Politik:

3. Januar: Polen ist zum dritten Mal aufgeteilt worden; auf Russland, Österreich und Preußen.

Holland ist auf die Seite der französischen Revolutionstruppen getreten. Der französische Brigadegeneral Napoleon Bonaparte, im Vorjahr unehrenhaft aus der Armee entlassen worden, erhält am 5. Oktober 1795 den Auftrag, einen royalistischen Aufstand in Paris niederzuschlagen. Sein Sieg über die Rebellen wird ihm 1796 das Oberkommando im Feldzug gegen Italien einbringen.


Frankreich führt Kriege in den Jahren 1795, 96 und 97. Vorerst aber am 05. April 95: Der Friedensschluss von Basel zwischen Frankreich und Preußen. Heimkehr von Soldaten aus Frankreich nach Potsdam, darunter auch Heinrich v. Kleist (1777 – 1811).


In Südafrika hatten bisher die Buren als Herren (holländischer Abstammung) allein die Schwarzafrikaner unterdrückt und jene ausgebeutet. Nun wird Südafrika von den Briten annektiert und die Konflikte vergrößern sich.

15. Oktober: Geboren wird Kronprinz Friedrich Wilhelm (der spätere König Fr. Wilhelm IV.)


Wissenschaft:

Forschungsexpedition. Der Schotte Mungo Park bricht am 21. Februar 1795 zu einer Expedition auf, die erste, mit der ein Europäer das innere Afrikas erforscht. Er beginnt an der Mündung des Gambia-Flusses und durchquert den oberen Senegal bis zum Niger. (Im kommenden Jahr wird Park von Eingeborenen gefangen genommen, kann aber fliehen. Siehe auch 1805).


Technik:

Bramah ersinnt die hydraulische Presse.


Potsdamer Bauten:

Krüger baut an der Charlottenstraße die Hauptwache als einen klassizistischen Arkadenbau.

Die erste „Kunststraße“ (Stein-Pflasterstraße) Preußens wird zwischen Berlin und Potsdam über Zehlendorf und Glienicke gehend, gebaut. Es ist die „Neue Königsstraße“.

Die gerade erst etwa vierzig Jahre alte Nikolaikirche brennt am 03. September völlig aus. Nur das Rokoko-Portal bleibt (bis 1811) stehen.

Im vergangenen Jahr wurde am Jungfernsee die Meierei im gotischen Stil errichtet und jetzt in Betrieb genommen. (Siehe auch 1842).


Kunst:

Der Bildhauer Johann Gottfried Schadow fertigt im Auftrage von König Friedrich Wilhelm II, die Plastik der lieblich gestalteten Prinzessinnen „Luise und Friederike“ aus Marmor. Gleichwohl war das Kunstwerk wegen seiner weiblich-freizügigen Darstellung umstritten.


Das Jahr 1796

Politik / Krieg:

Feldzug Frankreichs gegen Italien, von General Napoleon Bonaparte erfolgreich geführt. Im Ergebnis ging die Lombardei an Frankreich.


Wissenschaft:

Cuvier legt die Grundlagen zur Mammut-Forschung.

Laplace schreibt über die Entstehung des Planetensystems.


Wissenschaft / Medizin:

Christoph Wilhelm Hufeland schreibt das Werk „Makrobiotik oder die Kunst, sein Leben zu verlängern“.

Einführung der Pockenschutzimpfung durch Edward Jenner (1747 – 1823, 74 J.). Er infizierte in England einen Jungen mit Kuhpocken und nach dem Abklingen dieser Krankheit mit echten Pocken – und das Kind überlebte.


Potsdamer Bauten:

In der Behlertstraße (heute Nr. 31) wird von Philipp Boumann und Carl Gotthard Langhans eine Villa für die Gräfin Lichtenau (geborene Wilhelmine Encke / verscheinehelichte Ritz, Geliebte des Königs Friedrich Wilhelm II.) gebaut.


Musik:

Auch in der königlichen Oper „Unter den Linden“ zu Berlin wird statt des bisher üblichen französisch, erstmals in deutscher Sprache gesungen.


Das Jahr 1797

Politik:

22. März: Prinz Wilhelm wird geboren (der spätere König und Kaiser Wilhelm I.)

Ende des 1. Koalitionskrieges gegen Frankreich.

Die Truppen des General Napoleons Bonaparte besetzen die Stadt Venedig.

Es stirbt am 16. Nov. König Friedrich Wilhelm II. im Marmorpalais , im Neuen Garten zu Potsdam. Sein Sohn, der Kronprinz Friedrich Wilhelm (1770 – 1840) lässt noch am Morgen des Todestages, die Geliebte, Mutter von Kindern des Königs, Wilhelmine, Gräfin von Lichtenau, geb. Encke, scheinverehelichte Ritz, im holländischen Kavalierhaus im Neuen Garten verhaften. Dieser Prinz wird Thronfolger und regiert als Friedrich Wilhelm III. bis 1840.

Von seinem Regierungsantritt bis vorerst 1806 besteht ein wirtschaftlicher und politischer Stillstand. Beamtentum und Militär bleiben in Potsdam in nahezu unverminderter Stärke.

Die Presse- und Bücherzensur wird verschärft.


Wissenschaft:

Alois Senefelder (1771 – 1834, 63 J.) erfindet die Lithographie (den Steindruck).

Alexander v. Humboldt bereist als Forschender Mittel- und Südamerika.


Bauwesen in Berlin:

In Berlin wird die Bauakademie gegründet.


Potsdamer Bauten:

Eine feste Straße wird nach Brandenburg geführt.


Wirtschaft:

Allgemeine Verarmung. Die Tätigkeit der Manufakturen, ist entsprechend der Auftragslage rückläufig, die Bautätigkeit schläft, der Wohlstand sinkt.

Die erste Dampfmaschine Berlins arbeitet in der Königlichen Porzellanmanufaktur.


Literatur:

Goethe und Schiller schreiben die „Xenien“ und Ludwig Tieck ersinnt das Märchen “Der gestiefelte Kater“.


Musik:

Joseph Haydn komponiert das „Kaiser-Quartett“. Er legt dabei die Melodie des Deutschlandliedes zu Grunde.


Natur:

Offenbar wurde im Fichtelgebirge der letzte „deutsche Bär“ erlegt.


Das Jahr 1798

Politik:

Es stirbt August Stanislaus II. (geb. 1732), mit 66 Jahren als letzter polnischer König (Regierungszeit 1764 – 1795). Er war einer der Geliebten der russische Zarin Katharina II. (der Großen).

13. Juli: Prinzessin Charlotte wird geboren, (die spätere Zarin Alexandra F., Ehefrau des Zarin Nikolaus I.)


Wissenschaft:

Cavendish berechnet die Erddichte und misst das Ergebnis mit einer Drehwaage nach.


Technik:

Trevithik baut die erste Hochdruckdampfmaschine.


Musik:

Joseph Haydn komponiert das Oratorium „Die Schöpfung“.


Alltag:

Guts Muths schreibt ein „Kleines Lehrbuch der Schwimmkunst zum Selbstunterricht“.


Das Jahr 1799

Politik:

Es entbrennt der 2. Koalitionskrieg gegen Frankreich (Preußen bleibt neutral).


Politik in Frankreich:

9. und 10. November 1799. Der korsische General Napoleon Bonaparte, 30 Jahre alt, putscht erfolgreich gegen die bürgerliche Regierung, das heißt gegen den „Rat der Alten“ mit 250 Mitgliedern und den Rat der Fünfhundert, der Jakobiner. Er wird danach Erster Konsul der französischen Republik.


Wissenschaft:

Gauß stellt den Fundamentalsatz der Algebra auf.

Von diesem Jahr an befindet sich Alexander v. Humboldt auf der Forschungsreise durch Süd- und Mittelamerika. Im Juni beispielsweise besteigen er und Aimé Bonpland den 3.750 m hohen Pico de Teyde auf Teneriffa. Im Jahr 1804 werden sie zurück kehren.

Soldaten einer französischen Militärexpedition unter der Leitung des Pionierleutnants Bouchard finden beim Anlegen von Befestigungsanlagen (Erdwällen) den eingegrabenen „Dreisprachenstein von Rosette“ am Nil. Es handelt sich dabei um einen tischgroßen schwarzen Tafelstein mit gleichen Texten in der bisher nicht deutbaren hieroglyphischen, in der griechischen und in der demotischen (ägyptischen) Schrift. Der Stein stammt wahrscheinlich aus der Zeit des Königs Ptolemäus. Aufgrund dieses Fundes wird es später Francois Champillion (1790 – 1822) möglich, die ägyptischen Hieroglyphen zu entschlüsseln.


Technik:

Alessandro Volta, Professor an der italienischen Universität zu Padua, erfindet den elektrischen Akkumulator, der Neuzeit, „das Volta-Element“. Es besteht aus Zink-Silberplatten mit dazwischengelegten, in Säure getränkten Pappscheiben. Schauen wir aber nach Ägypten in die Zeit der Antike, so finden wir dort bereits Ähnliches: Irdene Behälter mit Säure, in die Metallstäbe eingebracht sind, das Ganze mit Teer verschlossen, wie Archäologen erst im 20. Jahrhundert entdecken werden.


Wirtschaft:

Seit 1731 ist eine Kanalverbindung zwischen Sankt Petersburg und der Wolga im Bau. Jetzt kann diese in Betrieb genommen werden.


Das Jahr 1800

„Das alte Jahrhundert neigt sich, ein neues wird geboren.“


Politik:

Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland wird errichtet.

Potsdam zählt 17.600 Einwohner.


Wissenschaft: Physik / Chemie:

Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt den infraroten Teil des Sonnenlichtspektrums, die Wärmestrahlen. Gauß untersucht das Magnetfeld der Erde.

In Europa sind derzeitig 34 chemische Elemente bekannt. Vor zehn Jahren waren es erst 20.

In Frankreich wird „das Meter“ zu 100 Zentimetern zur gesetzlichen Längeneinheit bestimmt.


Medizin:

Erste Versuche einer Narkose mittels Lachgas finden mit wechselnden Erfolgen statt.

Königlicher Leibarzt wird Christoph Wilhelm Hufeland.


Maschinenbau:

O. Evans baut eine Hochdruckdampfmaschine mit Kondensation.


Bauwesen in Berlin:

An der neuen Bauakademie in Berlin studiert auch Karl Friedrich Schinkel.

Der große Baumeister Friedrich Gilly (einer von Schinkels Lehrern) stirbt am 1. September 1800.


Potsdamer Bauten:

Karl Friedrich Schinkel (geb. 1781 in Neuruppin, gest. 1841 in Berlin) entwirft, 19jährig, den Pomona-Tempel, einen Gartenpavillon / ein kleines Teehaus, für den Potsdamer Eichberg (Judenberg, später Pfingstberg genannt). Erst 20 Jahre später soll er erneut für Potsdam tätig werden. Enge freundschaftliche Beziehungen und Arbeitskontakte pflegt er mit dem Landschaftsgestalter Peter Joseph Lenné (1789 – 1866).


Wirtschaft:

Vorbereitung der Gründung der ersten Zuckerrübenfabrik der Welt, in Schlesien im Jahre 1802. Der Initiator ist Franz Carl Achard.

Auf Montgolfiér geht das erste Blechwalzwerk zurück.

Hoyle baut die erste Niederdruckwasserheizungsanlage.

Europäische Siedler und darunter insbesondere Viehzüchter, beginnen den australischen Kontinent für sich zu entdecken.


Literatur:

Novalis schreibt anlässlich des Todes seiner Braut „Hymnen an die Nacht“. Schiller verfasst „Das Lied von der Glocke“, „Maria Stuart“ und „Die Wallenstein-Triologie“.


Bildung:

Die Bürgerschule (die spätere Realschule) entsteht. Die allgemeine Schulpflicht wird etwa um diese Zeit (erneut) in Preußen eingeführt.


Alltag:

Innerhalb von Berlin wird die staatlich gelenkte Briefbeförderung eingeführt.

Der Großglockner (3.797 m) wird erstmals bestiegen. Bergsteiger sind die Brüder Klotz.


Naturereignisse:

Ein starker Wirbelsturm richtet im Königreich Sachsen verheerende Schäden an.




Anmerkung:

Hier endet dieses Dokument. Es wird aber weiter bearbeitet.

Die Fortsetzung finden wir schon jetzt unter „Zeitgeschichte 1801 bis 1900“.