Borna bei Oschatz in Sachsen

Aufenthalt im Kindererholungsheim „Sonnenblume“ im Jahr 1956

Zusammengestellt: Chris Janecke, Jüngste Bearbeitung Februar 2021, E-Mail: christoph@janecke.name

Im Frühjahr 1956, in meinem 10. Lebensjahr, habe ich habe Zusatzferien in Borna! Ganz prima!
Ausgangs des Winter erhalte ich nach der üblichen schulärztlichen Reihenuntersuchung von der Sozialversicherungskasse des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (SVK des FDGB) einen Aufenthalt im Kindererholungsheim verordnet und geschenkt, das in einem ehemaligen Schloss oder anders: in einer großen alten Villa in Borna untergebracht ist.

Ankunft in Borna

Nun ist es soweit. Im April kommen wir hier an. Für einige Wochen dürfen wir Kinder in dieser großen Villa gemeinsam leben und uns dabei vom Alltag erholen, uns kräftigen. Das Haus heißt „Sonnenblume“ und steht in der Straße der Jugend 11, in Borna bei Oschatz, so ist die Anschrift, falls ihr mir mal schreiben möchtet.

Hier präsentiert sich der Ort auf einer Ansichtskarte im Jugendstil.
Das Kindererholungsheim „Sonnenblume“ ist in dem früheren Schloss der Familie des Barons untergebracht. (Quelle: E.Sch.)

Jetzt fängt das schöne Frühjahr an

Jetzt fängt das schöne Frühjahr an,
und alles fängt zu blühen an auf grüner Heid und überall.
Es wachsen Blümlein auf dem Feld,
sie blühen blau, weiß, rot und gelb, wie es auch meinem Schatz gefällt.
Jetzt geh ich über Berg und Tal,
da hör ich schon die Nachtigall auf grüner Heid und überall.>

Erste Eindrücke

Viele Kinder sind es, die sich dort kennen lernen, darunter auch drei aus Babelsberg: die Ingelore, der Hartmut (Namen geändert) und ich, Chris. Ich selber bin allen schon in den ersten Stunden zu schnell bekannt geworden und das kam so:
Der große Schlafsaal der Jungen im Hochparterre, ist mit glänzend versiegeltem Parkett ausgestattet. Mit unseren filzbesohlten Hausschuhen veranstalten wir bereits nach dem Auspacken der Koffer einen kleinen „Schlidderwettbewerb“ auf diesem Parkett-Fußboden. Das geht auch recht gut, zumindest solange, bis ich ausrutsche und mit dem Kopf auf eines der eckigen Eisenbettgestelle aufschlage. Eine plötzliche Dunkelheit um mich herum, ein „Loch im Kopf“, Blutvergießen, eine Gehirnerschütterung. Die Narbe ist heute, nach mehr als sechzig Jahren, noch ausgezeichnet erhalten – eine Stelle „auf der kein Gras mehr wächst“, eine mahnende Erinnerung.
Als eine freundliche Ärztin kommt, wache ich wieder auf, Haare werden ausrasiert, ein Verband angelegt. Findige Köpfe unter den Jungen wählen für mich sofort den Indianernamen „Blutige Bärentatze“. Eine Bezeichnung nicht völlig zutreffend für den Schaden, der weiter oben angesiedelt – doch eher ein „Hauptschaden ist. Trotzdem verlege ich mich nach diesem Falle nicht auf das Protestieren. Bis zur Rückfahrt in die Heimat, wird das Ganze aber schon nicht mehr so furchterregend aussehen, obwohl dieser Fall mir schon bis ins Elternhaus vorauseilt. Meine Tante Käte pflegt in solchen Fällen die Heilung mit derartigen Sprüchen zu beschleunigen wie: „ungeschicktes Fleisch muss weg“ oder aber noch mehr tröstend: „eh' die Katz' 'n Ei legt, ist alles wieder gut“. Und genauso, wie von ihr vorausgesagt, trifft es ja dann auch ein. Ja, ja, sie hat schon eine große Lebenserfahrung.
Ganz toll und mit der Heimat verbindend, waren schon beim Auspacken des Koffers der Duft eines neuen mitgebrachten Seifenstücks in der neuen Seifenschale und auch die nagelneue Zahnpastatube und Zahnputzbürste. Der kleine braune Taschenkamm tut sein Übriges dazu. Und auch die noch mitgeschickten Äpfel duften nach Heimat. –
Das also, war der erste Tag.
Gleich am nächsten Vormittag sollen wir den Eltern schreiben, wie wir ankamen – also, dass wir gut ankamen und das es uns prächtig geht. Dazu halten die Erzieherinnen Briefpapier, Marken und auch zwei Sorten von Ansichtskarten bereit. Nach meiner Ansicht reichen diese für's Erste – aber, wenn man öfter schreiben möchte? Auf der einen Karte sehen wir das Heim von vorne und auf der zweiten erblickt man das Heim von hinten, alles in schwarz-weiß-grau. Echt Original-Foto-Handabzug. Dass es sich um eine Zwei-Kartenmotiv-Kleinserie handelt, liegt daran, dass Borna wohl kein riesengroßer Erholungsort mit vielen Sehenswürdigkeiten ist – oder kein Fotograf hat diese bisher entdeckt und so recht gewürdigt. Daher ist es besonders toll, dass die Erzieherinnen trotzdem immer wieder neue Ziele und interessante Wegstrecken für unsere Spaziergänge und Wanderungen finden.

Das Grundstück unseres Aufenthaltes

Jetzt gebe ich euch einige Erläuterungen zum Grundstück, auf dem wir zu Gast sind: Etwa seit dem Jahr 1200 soll hier schon das ursprüngliche Schloss gestanden haben. Im 30-jährigen Krieg wurde es aber völlig zerstört und dann 1677 wieder aufgebaut. Vorsichtshalber nur über eine Zugbrücke, die über einen breiten Wassergraben führte, konnte man das Schloss erreichen. Unter dem neuen Besitzer, dem Freiherrn, Baron von Byern (nein, nicht v. Bayern!) wurde 1877 das alte Schloss bis auf die gewaltigen Grundmauern abgetragen und darauf das jetzige Gebäude im Historismus-Stil errichtet, das demzufolge zu tun muss, als sei es noch älter. 1949 baute man diesen Herrensitz in das Kindererholungsheim „Sonnenblume“ um, was unseren Aufenthalt ermöglicht. Im Jahre 1950 konnte es dann als Kindererholungsheim eingeweiht werden. Aber um richtige Sonnenblumen sehen zu können, die dem Hause alle Ehre machen würden, ist es in dieser Jahreszeit noch viel zu früh. Die April-Natur zeigt sich noch kahl.
Es ist wohl beabsichtigt nach uns, also wenn wir schon lange wieder in unseren Heimatorten leben, vielleicht im nächsten Jahr aus der „Sonnenblume“ ein Dauerheim für Waisenkinder oder für solche Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu gestalten, damit sie es besser und so gut wie möglich haben.

Die nahe Umgebung des Heims

Nur ungefähr 50 m am Erholungsheim vorbei, schlängelt sich ein kleines Flüsschen durch die Landschaft. Eher ist es ein Bach, ein breiter Graben, Döllnitz mit Namen. Streckenweise ist das Ufer des Gewässers mit Bäumen bestanden. Borna weist in der näheren Umgebung einige Waldflächen auf, aber im Wesentlichen sind es Felder, die in dieser Jahreszeit noch etwas fröstelnd aussehen.

Die weitere Umgebung

Umkreisen wir in Gedanken einmal gemeinsam den Ort Borna: Zum Laufen in die hügelige Umgebung gibt es viele Möglichkeiten, zumal die Dörfer hier recht nahe beieinander liegen. Manche Orte gelten als direktes Wanderziel für uns aber wir nehmen auch mal einen Rundkurs.
Bis Liebschütz über Schönnewitz, Terpitz und Gaunitz im Nordwesten von Borna, sind es knapp 7 km. Der Liebschützer Berg ist mit fast 198 m die höchste Erhebung der Umgebung. Auf diesem Berg steht die alte Bockwindmühle, deren schwere Mahlsteine noch fleißig das Getreidekorn zermalmen. Nach Kleinragenitz, über Bornitz im Südwesten, sind es etwa 2,5 Kilometer. Bis zur Kreisstadt Oschatz in gleicher Richtung läuft oder fährt man 6 km. Der Ort Ganzig, reichlich 3 km entfernt, liegt im Süden von Borna. Der Ortsname Ganzig („Janzig“) kommt aus dem Slawischen und bedeutet soviel wie: „Besitz des Ritters Jan“. Aha! Verwandtschaftliche Beziehungen zu mir?
Wadewitz mit dem schönen Dorfteich am Sandbach, liegt auf dem Waldweg nur 300 m südlich des Heimes und gehört mit zu Borna. Wir haben also viele Wanderziele recht hübsch dicht beieinander.
Canitz im Osten, liegt 3,5 km entfernt und nordöstlich liegt Strehla an der Elbe, in 5½ Kilometer Entfernung. Auch dort trafen im Mai 1945 zum Ende der Hitlerherrschaft, also vor knapp 11 Jahren, sowjetische und amerikanische Soldaten friedlich aufeinander. Auf halben Wege dorthin finden wir in Zaußwitz noch eine Turmwindmühle und auch eine weitere, am Wege nach Clanzschwitz auf dem Käferberg, immer schön auf den Hügeln stehend. Bei uns im Bezirk Potsdam sind diese Windmühlen wohl fast alle abgerissen oder werden nur noch als Museum genutzt – hier aber funktioniert vieles noch.
Habt ihr gemerkt wie viele Ortsnamen mit „-tz“ enden? Ich finde das schon erstaunlich. Für die Eingeborenen ist es dagegen ganz normal und die wundern sich darüber, dass man sich darüber wundert. Nun gut, eine der Ausnahmen ist „unser“ Dorf, denn wir sind ja nicht in Bornatz zu Gast aber immerhin nicht weit entfernt von Bornitz und von Oschatz.

Einige Anmerkungen zur weit zurückliegenden Vergangenheit

Etwa im 6. Jahrhundert wanderten in dieses Gebiet slawische Sorben ein. Deshalb noch heute die fremdländisch anmutenden Bezeichnungen.
Der Ortsname Borna ist slawischen Ursprungs. „Borna“ bedeutet ganz einfach: Siedlung am Born, an der Quelle oder am Wasser, denn am Ort fließt das Bächlein „Döllnitz“ vorbei oder sogar hindurch, wie wir bereits lasen. Also, das ließ sich ja auch für einen alten Germanen piepeleicht übersetzen, obwohl wir ja erst im nächsten Schuljahr, also in der 5. Klasse, mit dem Erlernen einer slawischen Sprache beginnen.

Im 10. Jahrhundert: 929 eroberte Heinrich I. diesen friedlichen Slawengau und unterwarf dessen bisherige Bewohner. Erste teutsche Ansiedler zogen in das Gebiet, blieben oder wanderten früher oder später weiter.
Die alte „Hohe Salzstraße“ aus Halle (Saale) über Leipzig führt durch Borna, an Clanzschwitz und Liebschütz vorbei, über Penig, Chemnitz und Reitzenhain weiter in Richtung Böhmen. Die Straße wird zum „Herrenweg deutscher Ritter“ und führt uns also auch durch böhmische Dörfer.
Von etwa 1150 an, siedelten hier dann ständig deutsche Bauern.
Das Dorf wurde dann im Jahre 1185 in einer Urkunde des Markgrafen Otto erwähnt. (Meine Heimatstadt Potsdam wurde (mit Mann und Maus) dagegen bereits 993 vom Kaiser Otto III. verschenkt und jetzt haben wir aus der Familie Grotewohl wieder einen Otto als stellvertretenden Ministerpräsidenten).
Über die Siedlung Wadewitz (also einem Ortsteil von Borna) fand sich eine Urkunde, aber erst aus dem Jahre 1350. Deshalb, sagen die Leute, sei dieser Ortsteil eben fast 250 Jahre jünger, als der ehrwürdige Ort Borna. Na ja. Ein erstes Schloss soll dort aber trotzdem schon im 12. Jahrhundert gestanden haben.

1547 zog Kaiser Karl V. mit seinem Heer auf dem Wege zur Schlacht bei Mühlberg (Kaiserweg in Schönnewitz) durch die Bornaschen Feldflure.
Borna, Schönnewitz und Bornitz sind durch die landwirtschaftlichen Rittergüter eng miteinander verbunden.
Die vorige wesentliche Erneuerung der alten Kirche von Borna aus dem 13. Jahrhundert stammend, fand 1606 statt.
Im 30jährigen Krieg (1618–1648) zerstörten die „befreundeten“ schwedischen Soldaten nicht nur die Häuser der Bewohner, sondern sogar die Wasserburg Borna.
Zwischen 1681 und 1693 wurde die Gegend von der Pest heimgesucht. Manche Wissenschaftler vermuten aber, dass es die Cholera gewesen sein müsste. Man kann das von heute aus nicht mehr so ganz genau sehen. Das Ergebnis für die Beendung des Lebens der Menschen war aber ähnlich.
Der letzte freundliche Wolf in dieser Gegend, der den Waldtierbestand gesund hielt, wurde im Jahre 1760 in dem schmalen Waldgürtel zwischen Borna und Wadewitz erlegt. Seither gibt es nur noch Schäferhunde und andere.
1770 und 1771 waren Hungersnöte wegen der Missernten zu verzeichnen – aber wegen der Ausbeutung der Menschen durch die Herrschaften war sowieso zu oft der Hunger zu Gast.
Am 30. Dezember 1777 brach in der Bornaer Schäferei ein Schadensfeuer aus, bei dem weit über 1.000 Schafe, die guten Hütehunde und viele arme Schweine jämmerlich in den Flammen umkamen.
Viel Zeit verging seitdem. Neue Tiere wurden angeschafft und das Feuer aufmerksamer gehütet.

Die zweite deutsche Eisenbahnstrecke, also der erste sächsische Doppel-Schienenstrang von Dresden nach Leipzig führt durch Bornitz. Er brachte „neues Leben“ in dieses Gebiet. Manchmal aber auch ein Unheil: Wenige Wochen, bevor wir hier ankamen, nämlich am 25. Februar 1956, ereignete sich in Bornitz ein großes Unglück auf der Eisenbahnstrecke, als an einer Weiche ein Schnellzug und ein Güterzug zusammenstießen. Die Lokomotiven stürzten um, Wagen wurden zerstört und 43 Menschen überlebten dieses Unglück nicht. 55 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Am 14. Oktober 1950, also vor nicht ganz 6 Jahren, gab es einen großen Brand in Borna, dem auch viele Häuser zum Opfer fielen. Deshalb wurde an der Oschatzer Straße beispielsweise eine Neubauernsiedlung errichtet.

Jetzt aber gehen wir wieder in die friedliche sonnengeblümte Gegenwart. Unsere Vorhaben in den Tagesabläufen:
Jeden Tag versorgen uns die Küchenfrauen mit gutem, schmackhaften Essen. Das Geschirr, die Schüsseln mit den Mahlzeiten und die Getränke werden mit einem Aufzugskasten an dem dicken Seil von der Küche durch einen dunklen Schacht in den hellen Speisesaal hochgezogen. So braucht niemand mit vollen Händen auf der Treppe stolpern. Der tägliche Tischdienst tut dann das Übrige.

Gleich nebenan in Schönnewitz können wir die Wassermühle besichtigen. In der Dorfaue konnte man in früheren Zeiten im Frühjahr oft nicht über den 200 m breiten Platz von einem Haus zum anderen gehen, wenn die kleine Döllnitz das große Schmelzwasser nicht mehr fassen konnte und das Wasser weit über die Ufer trat. Auf dem Liebschützberg steht eine Windmühle. Diese ist weniger vom Hochwasser bedroht. Auch in Wadewitz können wir eine Mühle betrachten.
Tonlagerstätten, Brauneisenstein (Klappersteine) und verkieseltes (versteinertes) Holz gibt es bei Zaußwitz. Hier steht eine prächtige Holländer-Windmühle. An diesem Ort führt auch eine Kleinbahnlinie, eine Nebenstrecke vorbei.

Zu unseren vielseitigen Freizeitbeschäftigungen in diesen Tagen gehört auch das Schnitzen kleiner Boote aus dicker Borke der abgeholzten, stark duftenden Kiefernstämme. Beliebt ist deren heimliche Ausstattung mit Gummibaumblattsegeln. Gummibäume stehen im Heim zur Verfügung und mancher lässt auch mal freiwillig ein etwas schon gelbes Blatt fallen. In dem Teich der Parkanlage des Heims kann man die Boote prächtig fahren lassen.
Für die Zeit, wenn der Himmel mal voller Wolken hängt und Wasser ablässt, haben wir eine große Bibliothek. Ich las gerade das Indianerbuch „Blauvogel“ von Anna Jürgen (das ist Anna Müller-Tannewitz, 1899–1988. Jürgen ist nicht etwa ihr Bruder, sondern es ist ihr Künstlerinnen-Name und das Buch ist somit auch Kunst). Sie hat den Inhalt ihres Buches nicht nur erdacht, wie es beispielsweise Karl May ganz meisterhaft verstand, – sie war sogar in Nordamerika bei den Indianern, um deren Geschichte, Sitten und Gebräuche näher kennenzulernen, bevor sie etwas darüber schrieb. So weit reisen müssen wir Menschen der DDR nicht. Das Buch handelt von den weißen Männern, die immer mehr Indianerland rauben, von dem neunjährigen Jungen Georg Ruster (sie sagen Raster zu ihm), der nach der Entführung Blauvogel heißt. Später wird er aus seiner indianischen Umgebung „befreit“, findet sich aber in der groben lauten Welt der Weißen nicht mehr zurecht. Es gelingt ihm die Flucht und Rückkehr in seine wahre indianische Heimat. – Als nächstes lese ich ein Buch über den Aufenthalt einer Gruppe sowjetischer Pioniere im Ferienlager Artek bei Sewastopol auf der Halbinsel Krim. Von (gespielten) Admiralen und deren Adjutanten (also, das sind auch männliche Jungen, alles Seeleute in Offiziersrängen). Von der gesamten Schiffsmannschaft und den Abenteuern, die sie zu bestehen haben, erzählt diese Geschichte.

Zu unserer Jungengruppe gehört auch diese Zimmerbelegung.
Auf diesem Bild sehen wir Kinder aus mehreren Gruppen, mal ganz schnell zusammengestellt – ich bin nicht dabei.
Zu Festen in anderen Jahreszeiten kommen auch gern Kinder aus dem Dorf, Kinder von Erzieherinnen und den „technischen Kräften“. Dieses Bild wurde zur Faschingszeit geknipst. Überschäumende Karnevalsfreuden.
Die Erwachsenen sind dem freudig-närrischen Treiben ebenfalls nicht abgeneigt – wenn die Arbeitszeit zu Ende.

Wir lernen mehrere neue Lieder. Es gehören dazu ein Cowboylied und ein altes Seemannslied – und das mitten in Sachsen, mittendrin im Sozialismus – und so hören sie sich an:

Im Kanton bin ich geboren

Im Kanton bin ich geboren
bin als Cowboy ausgezogen
nach dem Süden.
Hab mein Lasso ausgeschwungen,
und ein Liebeslied gesungen
für Koschita. / ( oder Seniorina)

Refrain:
Hab an dich gedacht
bei Tag und auch bei Nacht,
denn ich bin ja nur ein Reiter
und die Sehnsucht treibt mich weiter
nach dem Süden hin.

In der Schänke der Seniore'
saßen wir an langen Tischen
tranken Whisky.
Tranken Schnaps und sangen Lieder,
diese Zeit kehrt niemals wieder,
oh, Koschita. / (Seniorina)

Fern im Süden will ich sterben,
denn ich hab ja keine Erben
nur Koschita.
Sie allein nur konnt' ich lieben
sonst ist mir nichts geblieben,
als die Sehnsucht.

Winde wehn, Schiffe gehn

Winde weh'n, Schiffe geh'n
weit in fremde Land'.
II: Nur des Matrosen allerliebster Schatz
bleibt weinend steh'n am Strand.:II

Wein doch nicht, lieb' Gesicht,
wisch die Tränen ab!
II: Und denk an mich und an die schöne Zeit,
bis ich dich wiederhab'.:II

Silber, Gold – Kisten voll,
bring ich dann mit mir.
II: Ich bring Seide, schönes Sammetzeug,
und alles schenk ich dir.:II

Das ist ein Volkslied der in Finnland lebenden Schweden. In die deutsche Sprache umgedichtet, 1925 von Erich Spohr und Hermann Gumbel.

Ja, und so vergingen diese Wochen wie im Fluge. Bald schon fahren wieder nach Hause.
Auch das ist schön.

Zum Personal des Kindererholungsheims „Sonnenblume“ in den 1950-er Jahren gehörten auch diese guten Menschen. Nur für den Fotografen und sein Filmmaterial schien es schwierig, die tollen Damen wirklich so schön abzulichten, wie sie in der Natur waren.

Und nun wieder Daheim – in den ersten Minuten etwas fremd, alles ist hier inzwischen ungewohnt, sehr geschäftig und arbeitsam – keine Kurlaubsstimmung. Ich fühle mich wie ein Fremdkörper. So etwa muss es damals dem „Blauvogel“ (im Indianerbuch) zumute gewesen sein – nur viel schlimmer.
Das Geschäft meiner Eltern ist geöffnet. Fremde Leute kommen und gehen. Die Eltern haben im Alltag viel zu tun – aber Mutti hat schon ein schönes Begrüßungsabendessen vorbereitet und Struppi, unser Hund, ist „ganz aufgedreht“. Später kann ich dann alles in Ruhe von Borna erzählen.

Schön, dass alle Kinder zum 1. Mai wieder zu Hause sind – es ist sowieso ein staatlicher Feiertag und auch in unserer Familie gibt es eine stattliche Feier, denn Vatis kleiner Familien-Betrieb begeht sein 30-jähriges Geschäftsjubiläum. Dieser Betrieb ist also ist schon sehr viel älter als die gesamte DDR.


Nach über einem halben Jahrhundert aufgeschrieben von Chris Janecke.
Kontakt über E-Mail: christoph@janecke name

Erinnern sich heute noch „weitere Kinder“ an einen damaligen schönen Aufenthalt im Erholungsheim „Sonnenblume“?

Gästebuch

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Hallo Herr Janecke, notiert im Jahre 2018

Durch Zufall stieß ich heute auf Ihren Erlebnisbericht über das Kindererholungsheim in Borna.
Auch ich verbinde mit Borna viele Kindheitserinnerungen, deshalb hatte ich heute im Internet gestöbert.
In Borna bin ich, knapp ein Jahr alt, im Herbst 1945 mit meiner Mutter und Großmutter sowie weiteren Verwandten als Flüchtlinge aus Schlesien nach einer Odyssee durch Deutschland gestrandet. Im Schloss Borna erhielten wir ein Zimmer. Zu dieser Zeit war der Baron noch da und unser Zimmer hatte noch einen Balkon. Die Balkone wurden ja später abgerissen.
Wir wohnten bis Ende des Jahres 1946 im Schloss, also lange bevor dieses Gebäude ein Kindererholungsheim wurde. Meine Großmutter war gerade aus Kummer und an Hunger gestorben.
Dem Schloss gegenüber befand sich ein langes Stallgebäude, dort waren die Tiere der Umsiedler untergebracht, bis in der Nacht vor den Volkswahlen 1950 der große Brand war. Der Brandstifter war ein Jugendlicher aus dem Ort.
Wir wohnten dann ab 1947 bei einem Bauern, bis die Neubauernsiedlung errichtet wurde. In dieser Siedlung bekamen wir das Haus 13, das letzte oben auf dem Hügel.
Wenn Sie sich vielleicht noch erinnern: Am Ende des großen Schlosshofes an der Döllnitz standen u-förmig Scheunen. Dort hatten sich meine beiden Onkel Anfang der 50-er Jahre ihre Wohnhäuser ausgebaut. Bei einem der Onkel lebte auch mein gleichaltriger Cousin.
Hier habe ich also meine Kindheit verbracht. Jeden Tag war ich dort. Baden in der Döllnitz oder im Winter Eisschollen-springen. Die Scheunen waren unser Abenteuerspielplatz. Im Pfarrgarten Äpfel stibitzen und vieles andere mehr. Borna ist auch der Ort wo ich als 4-Jähriger erleben durfte, meinen bereits für gefallen erklärten Vater das erste Mal zu sehen, als er aus Sibirien heimkehrte.
1951 wurde ich in Schönnewitz eingeschult.
Im Nachhinein habe ich mich gefragt, warum wir „Dorfjungs“ später keinen oder jedenfalls kaum Kontakt zu den „Schlosskindern“ hatten. Die in Ihrem Bericht erwähnte Notiz ist die Antwort – das „Schloss“ war ja ab etwa 1957 ein Kinderheim, wohl für schwierige Kinder, wie man sagte. Die Erzieherinnen haben wohl Kontakte zu Kindern aus dem Dorf abgeblockt ?! Wir spielten in direkter Nachbarschaft – das Grundstück meines einen Onkels grenzte direkt an das Schlossgrundstück. Leider kann ich mich nicht daran erinnern, ob Heimkinder auch in meiner Schulklasse waren.
Da mein Vater wieder als Müller arbeiten wollte, gaben meine Eltern später die Neubauernstelle auf und wir zogen nach Werdau / Langenhessen.
Borna aber hat mich nie losgelassen. In den Sommerferien war ich immer zwei Wochen dort.
Und auch jetzt noch, im Jahr 2018, gibt es Wochenendausflüge dorthin.
Ihr Bericht über Ihren Aufenthalt in diesem sächsischen Dorf hat in mir viele Erinnerungen wachgerufen, wohnen doch fast alle meine Cousins und Cousinen, die mit mir die Kindheit verbracht haben, heute noch in Borna, Oschatz, Wadewitz und Terpitz.

Mit freundlichen Grüßen
D. K.

Herr L. B. notierte am 16. März 2019 zu seinem Aufenthalt im Heim unter anderem:
Hallo, Herr Janecke

Ich wurde 1947 geboren und war in der Zeit vom 11.08.1958 bis 13.09.1958 im Kinderheim „Völkerfreundschaft“ (bis 1957 Kindererholungsheim „Sonnenblume“).
Die Eheleute Peterhensel (oder Peterhänsel) leiteten das Kinderheim nicht sehr streng.
Im Schlafsaal der Jungs standen 10 oder 12 einfache Metallbetten. Zu den Schlafsälen führten auffallend breite Flure mit Parkettfußboden. Der Speisesaal war wegen der großen Fenster sehr hell aber schlicht eingerichtet.
Ab Anfang September, die Großen Ferien waren zu Ende, kam ich in die 6. Klasse der Dorfschule. Mein Russisch aus der 5. Klasse war viel weiter, als man hier war, was der Russischlehrer vor den anderen Schülern mit einem Lob versah.
Am 13. September konnte ich das Kinderheim verlassen ... und bald war unsere Familie wieder zusammen.

Grüße von Haus zu Haus,
L. B.

Meine erste Kur – im Herbst 1952, geschrieben im November 2020

Moderne Telekommunikation und ein runder Geburtstag im vergangenen Jahr machten es möglich: Ich recherchierte mit meinem Geburtstagsgeschenk im Internet nach Ortschaften um die sächsische Stadt Oschatz. Das Smartphon führte mich dabei auch nach Borna. Mit dem Beitrag von Herrn Janecke über das dortige Kinderheim erwachten augenblicklich Kindheitserinnerungen. Bilder und Gefühle von damals stiegen auf…

Als ich dreizehn war, bescheinigte mir der Arzt bei einer Schüleruntersuchung, dass ich ein unterernährtes Kind sei und verordnete mir eine Erholungskur. Die Anreise mit mehreren Jungs aus dem oberen Vogtland war wohl über die Sozialversicherungsanstalt organisiert: Per Reichsbahn nach Leipzig, hier Umstieg nach Oschatz. Vom dortigen Bahnhof brachte uns ein für Personentransport umgebauter LKW, damals mangels Omnibussen üblich, zum mit Spannung erwarteten Ziel: Dem Kinderheim Sonnenblume in Borna. Mein erster Eindruck vom Ort: Ein kleines Dorf, trist, nichts los. Ganz anders berührte mich das kleine Schloss, in dem sich das Kinderheim befand. Es erinnerte mich auf Anhieb mit seinem schönen, herbstlich angehauchten Park an das ehemalige Rittergut im heimatlichen Nachbardorf. Dort hatte ich öfter mit Freunden im Spätsommer und Herbst Kastanien und Eicheln gesammelt, zum Basteln oder auch für die Wildfütterung im Winter. Der erste Blick auf das Heim war also gut ausgefallen. Auch der zweite war positiv: Bei den Erzieherinnen (oder Schwestern sagten wir wohl) sowie dem Küchen- und Hauspersonal spürte man vom ersten Tag an das, was man heutzutage bei manchen beruflich Tätigen gelegentlich vermisst: Dass sie ihren Job mit Freude machen - und nicht nur, um Geld zu verdienen. Man konnte hier also für ein paar Wochen heimisch werden.

Am nächsten Tag wurden wir dem Kurarzt vorgestellt. Von seiner Untersuchung blieben mir zwei Dinge haften: Rumpfbeugen war das erste. Auf einer Fußbank stehend musste ich bei geschlossenen Füßen und gestreckten Knien den Oberkörper weitmöglichst nach unten beugen, bis ich mit den Fingerspitzen die Zehen erreichte. Das fiel mir nicht schwer; ich kam bis deutlich unterhalb der Fußbank-Oberkante und bekam dafür vom Doktor ein Lob und zugleich die Auflage, während der Kur bis zur Fußboden-Reichweite weiter zu trainieren. Das zweite Merk-Mal war die Gewichtskontrolle. Nach dem Blick des Arztes auf die Waage versprach er vollmundig eine Tafel Schokolade als Belohnung, wenn ich in den drei Wochen Kur drei Kilo zunehme. S c h o k o l a d e war in dieser Zeit für mich mehr wert als ein Goldschatz. Drei Kilo, dachte ich, das ist ein Kilo pro Woche - ein Klacks. Also mobilisierte ich auf der Stelle ungeahnte innere Kräfte, um das verlockende Ziel zu erreichen. Allerdings stellte sich heraus, dass ich nicht der einzige Anwärter auf diese Zielprämie war. Auch die anderen Kurkinder hatte der Mediziner damit motiviert. Doch der angestachelte Ehrgeiz hätte mich ebenso wie die anderen zu wahren Fress-Orgien hingerissen, wenn nicht die Rationen zu den Mahlzeiten unserem Tun Grenzen gesetzt hätten. Wir waren im zweiten Streckenwachstum, von der Kriegs- und Nachkriegszeit alle meist mager, aber zugleich in ständigem Bewegungsdrang. Zum Frühstücksbrötchen gab es gerade mal abgewogene zwanzig Gramm Butter! Diese Einschränkung war allerdings im Jahre zweiundfünfzig der Rationierung mittels Lebensmittelkarten geschuldet und nicht dem Heim.

Langeweile kam für mich in diesen Wochen nicht auf. Es gab für uns häufige Wanderungen und Spaziergänge durchs Dorf und in die nähere und weitere Umgebung. Dabei sahen wir manchmal am Himmel Flugzeuge in größerer Höhe, aber noch gut mit bloßem Auge erkennbar, die mit Abstand einen Luftsack hinter sich herzogen. Dann tauchten oben plötzlich mit hoher Geschwindigkeit Jagdflugzeuge auf. Wir sahen deren Bordfeuer und hörten mit Zeitverzögerung die Schüsse. Das hing mit einem größeren Truppenübungs- und Flugplatz der Sowjetarmee zusammen, der irgendwo in der Nähe gewesen sein muss. In diesem Zusammenhang stand ein Zwischenfall, der uns im Heim ziemlich beunruhigte. Eine der Erzieherinnen, die von ihrem Wohnort Strehla (oder bei Strehla) meist mit dem Fahrrad zur Arbeit kam, fehlte eines Tages. Den Grund erfuhren wir nicht, spürten aber die Unruhe beim Personal. Erst allmählich sickerte durch, dass die junge Frau mit ihrem Fahrrad auf offener Landstraße von einem Geschoss oder Splitter ins Bein getroffen worden war, wohl von einem MG-Fehltreffer.

Von der Landschaft sind mir bei unseren Spaziergängen wenig konkrete Bilder haftengeblieben. Nur den „Busch“ habe ich noch vor Augen, so nannten ihn die Erzieherinnen: Ein Wäldchen von ziemlich jungen Laubbäumen, Pappeln oder sowas und Gebüsch, nicht vergleichbar mit unseren heimischen weitläufigen Fichten- und Mischwäldern. Der Park des Heimes dagegen faszinierte mich wegen seiner Gestaltung mit alten Bäumen und deren Laubfärbung - es war ja Oktober. Morgens war er die Kulisse für unseren Frühsport. Den mochten zwar nicht alle Kinder, mancher versuchte sich davor zu drücken. Bei mir war das anders; denn ich war von zu Hause viel Bewegung beim Wandern, Fußballspielen, Pilze suchen gewöhnt und deshalb immer mit Spaß dabei. Doch beim Laubhütten bauen waren a l l e begeistert und es ging um die Wette: Wer baut am schnellsten, wer am schönsten. Und welche Romantik damit verbunden ist, habe ich in meiner Kindheit nur hier erleben können.

Apropos Romantik, da fallen mir noch die Gute-Nacht-Lieder ein, die unsere Erzieherinnen allabendlich im Halbdunkel für uns sangen, wenn nach Abendbrot und Waschraumgedränge „der Sturm sich gelegt“ hatte, wir in unseren Betten des Schlafraums flachlagen und nur das Licht aus dem Flur durch die offene Tür schien. Manche Jungs in meinem Zimmer fanden dieses Abendkonzert kindisch, bei mir dagegen stellte sich stets ein Gefühl des Zuhause- und Geborgenseins ein. (Bei uns Daheim wurde auch gesungen, nicht nur zur Weihnachtszeit.) Nachhaltig daran war, dass ich später in verschiedenen Situationen, beim Zelten als Jüngling, bei geselligen Anlässen oder als langjähriger Chorsänger merkte, wie viele deutsche Schlaf- und Heimatliedertexte ich damals im Heim Sonnenblume gelernt habe. Nebenbei regte sich bei dieser Gelegenheit ein mir bis dahin unbekanntes Gefühl. Es war eine der jungen Erzieherinnen. Sie hatte Grübchen in den Wangen und sang sehr schön mit warmer Stimme. Ihr Dialekt ähnelte dem der Dresdner. Damit erinnerte sie mich an meine Lieblings-Cousine. Als wir nach den Kurwochen das Heim mit dem LKW-Bus in Richtung Oschatz verließen, saß die junge Frau neben mir und beim Singen des Liedes „Wahre Freundschaft soll nicht wanken“, überkam mich so was wie Wehmut… Doch das hat mein „Kurschatten“ nie erfahren.

Die Zeit im Heim war wie im Flug vergangen. An kurmäßigen Anwendungen sind mir noch gymnastische Übungen, auch an der Sprossenwand, sowie Rücken-, Bein- und Fußmassagen als angenehme Behandlungen in Erinnerung geblieben. Zur Tafel Schokolade vom Doktor hat es am Ende leider nicht gereicht; von den geforderten drei Kilogramm Gewichtszunahme war ich weit entfernt. (Auch von keinem meiner Kurkameraden hörte ich eine Erfolgsmeldung.) Das Rumpfbeugen war erfolgreicher. Den Fußboden erreichte ich nicht, hatte aber durch häufiges Üben ein paar Zentimeter nach unten zugelegt. Doch dafür gab es keine süße Prämie, schade. Dennoch erinnere ich mich sehr gern an diese erste Kur in meinem Leben, die ganz besondere Wochen in meiner Kindheit waren.

Volkhard Schulze
Adorf (Vogtland)

Wahre Freundschaft

Wahre Freundschaft soll nicht wanken
wenn sie gleich entfernet ist.
I: Lebet fort noch in Gedanken
und der Treue nie vergesst. :I

Frischer Herzpuls wird in mir schlagen,
weil ich stets an dich gedacht.
I: Ich werd' Sorge für Dich immer tragen,
oft bis spät nach Mitternacht. :I

Falls dem Mühlstein entwächst eine Rebe,
und aus ihr fließet kühler Wein,
I: Wenn der Tod mir nimmt mein Leben,
hör' ich auf getreu zu sein. :I

Fern von dir würd' ich Tränen weinen,
will im Traum nah dir zur Seite steh'n.
I: Wird des Himmels Sonne uns dann scheinen,
einen Segen will' ich darin seh'n. :I

Volkslied um 1750, in einer von mehreren Textversionen

Beitrag vom Februar 2021

Hallo Herr Janecke,
Ich bin 1942 in Borna geboren, bin dort aufgewachsen und habe bis 1963 dort gelebt.
Meine Mutter hat bis zu ihrem Tode 2008 dort gelebt, so daß auch ich immer noch mit Borna
verbunden war. Von ca. 1950 bis ca. 1982 war meine Mutter im Kinderheim als Erzieherin beschäftigt.
Alle Kinder der Beschäftigten hatten einige Vergünstigungen im Kinderheim. Wir durften beispielsweise bei Veranstaltungen dabeisein, wie z. B. Fasching (siehe oben stehende Bilder), beim Puppentheater zusehen
oder an Ausflügen teilnehmen.
Ich habe nur gute Erinnerungen an das Kinderheim, wie gesagt bis zum Jahre 1982.
Das Eisenbahnunglück im Jahre 1956 (siehe die folgenden Bilder) muss für alle ein furchtbares Erlebnis gewesen sein. Die Mitarbeiter des Kinderheimes hatten die Rettungskräfte vor Ort versorgt.
Das Kindererholungsheim wurde 1950 gegründet. Es war für diese Frauen ein Segen, denn alle waren Kriegswitwen und froh eine Arbeit zu bekommen.

Mit freundlichen Grüßen E.Sch.

Einige Leser nahmen fragend Bezug auf das schreckliche Zugunglück, 1956 in Bornitz. Daher folgen hier einige Informationen: Zeitungsbilder vom Eisenbahnunglück 1956. Diese werden nicht aus Sensationslust gezeigt, sondern dienen der Beantwortung der Fragen. Gedenken wir daher still den Opfern und Geschädigten dieses Unglücks sowie ihren Angehörigen.