Bilder aus Rheinsberg und Umgebung – zu den Familien Stodin

Autor: Chris. Janecke, Dokument aktualisiert im Januar 2026.
Leserhinweise werden gern gesehen. E-Mail: chris@janecke.name

Genutzte und weiterführende Literatur:

Nicht bei jedem Bild wurde mir die Quelle zuverlässig bekannt. Wenn ein Leser darüber genaueres weiß, erbitte ich eine Mitteilung, um die Herkunftsangabe umgehend exakt nachholen zu können.

Der Bahnhof in Rheinsberg

Der Zug bringt uns von Potsdam vorerst nach Berlin Lichtenberg und Oranienburg. Von dort geht die Fahrt über Löwenberg, Herzberg und Klosterheide nach Rheinsberg. Drei Stunden sind wir gerollt und nun im Familienkunde-Suchgebiet angekommen ... voller Erwartungsspannung und Vorfreude auf das Alte – für uns noch unbekannt Neue.

Unser Quartier ...

... nehmen wir in der Pension mit Restaurant „Holländer Mühle“ in der Schwanower Straße.

Rheinsberg und das stadtnahe Umfeld
Die Kirche von Linow

Unser Besuchsgebiet erstreckt sich von Rheinsberg nach Zühlen und Linow; führt durch den Boberow nach Warenthin ... und ihr begleitet uns dabei.

An den Wegen zwischen Linow und Zühlen

Quelle: Leider tragen diese Künstlerkarten nicht den Namen des Künstlers, noch die Ortsangabe – gern würde ich diese Angaben nachtragen, um den Künstler und dessen Arbeit würdig ehren zu können.

Plan der Stadt Rheinsberg

Nach dem Großen Brand vom 14. April 1740 standen in Rheinsberg nur noch das Schloss, die Kirche und 19 Bürgerhäuser (rechts im Bild). Die Stadt wurde völlig neu und modern angelegt. Die Bauplaner waren die Königlichen Baumeister Johann Gottfried Kemmeter und Georg Wenzeslaus v. Knobelsdorff. Diese Planzeichnung stammt von v. Knobelsdorff, einem damaligen Freund des Kronprinzen Friedrich, dem späteren König Friedrich II. v. Hohenzollern.

Neue Häuser (nach 1740), Lange Straße 59 / 60 und weitere.
Blick über den Rathaushof, Seestraße
Scheine des Notgeldes, etwa 1923, mit Bildern aus der Historie von Rheinsberg

Bilder-Zeile 1, links: Der Obelisk von 1791. Prinz Heinrich ließ diesen zum Andenken an den in Oranienburg früh verstorbenen Bruder August Wilhelm errichten, sowie für 28 weitere Offiziere des Siebenjährigen Krieges, die sein älterer königlicher Bruder Friedrich II. „vergessen“ hatte zu ehren.
Zeile 1, rechts: Die Pyramide (mit gebrochener Spitze) – steht nahe Schloss und Heckentheater. Sie ist seit 1802 die Ruhestätte des Prinzen Heinrich, die er selber entworfen und den Platz dafür bestimmt hatte.
Zeile 2, links: Das Kavalierhaus, dem Schloss benachbart stehend. Heute mit Theater / Kammeroper und Musikakademie besetzt.
Zeile 2, rechts: Der Orangerie-Pavillon im Schlosspark.
Zeile 3, links: das Schloss am Grienericksee, genutzt von Kronprinz Friedrich (1712–1786) in der Zeit von 1736–1740, Nutzungsende mit dem Tod des Vaters und der Thronbesteigung Friedrichs. Übereignet dem Bruder Prinzen Heinrich (1726–1802), im Jahre 1744. Es folgten weitere Baumaßnahmen, Prinzliche Aufenthaltsstätte zwischen 1752 und 1802.
Auch heute ist der Bau Schlossmuseum, mit Tucholsky-Gedenkstätte / Literaturmuseum.
Zeile 3, rechts: Denkmal für Kronprinz Friedrich auf dem Rheinsberger Triangelplatz.
Zeile 4: Gondelfahrt eines kleinen Teils der Hofgesellschaft über die Seen der Umgebung.

Weitere Notgeldscheine, 1923, mit historischen Motiven

Bilder-Zeile 1, links: Rathaus und Kirche, um 1730
Zeile 1, rechts: Der Schlosspark
Zeile 2, links: Die Kolonnade, beide Schlosstürme verbindend
Zeile 2, rechts und Zeile 3, rechts: Kronprinz Friedrich, ab 1740 bis 1786 König Friedrich II. von Preußen (Friedrich der Große, der Alte Fritz)
Zeile 3, links: Der linke Schlossturm, vom Grienerick-See aus gesehen.
Zeile 4: Rheinsberger Kammermusik

Innenraum der Rheinsberger Kirche mit Kanzel und Taufbecken
Quelle: Eine eigene Arbeit von Juliane Jäkel, Evangelische Kirche Rheinsberg. Für die Zustimmung, ihre Bilder hier zeigen zu dürfen, bedanke ich mich im Namen aller Betrachter.

„Es ward am 09. September 1790 den Stoeddinschen Eheleuten ein Sohn geboren“, weist das Rheinsberger Kirchenbuch aus. Tauftag in Rheinsberg am 17. des Monats, mit der Namensgebung: Johann Christian Friedrich St.

Das Kirchenbuch – ein Personenstandsregister

Wanderung von Rheinsberg nach Warenthin, am 30. Juni 1994

Am Beginn des Berichts befindet sich dazu die Landkarte.
Wir verlassen die Stadt, indem wir uns innerhalb des Schlossparks nach links wenden und gehen am Ufer des Grienerick-Sees entlang, bis zum Obelisken, der dem Schloss gegenübersteht.

Der Obelisk am Grienerick-See (früher Grünrücksee geschrieben
Prinz Heinrich, Bruder des Königs Friedrich II., ließ das Denkmal 1791 errichten – für seinen jüngeren Bruder, Prinzen August Wilhelm und zum Gedenken an Offiziersfreunde, die im Siebenjährigen Krieg 1757–1763 den Soldatentod erlitten hatten. – Foto von 1994.
Prinz Heinrich v. Hohenzollern
Am Poetensteig

Tempel zur Erinnerung an teure verstorbene Freunde des Prinzen Heinrich, – eine gedankliche Grabkammer – 1790 gebaut.

Am Poetensteig sehen wir einen Säulenstumpf

Das Denkmal mit den Medaillons „brennendes Herz“ und „Richtbeil“ als ein Symbol der Revolution, ließ der damals 74-jährige Prinz Heinrich errichten. Die Säule dient dem Gedenken an den während der Französischen Revolution im Jahre 1794 mit der Guillotine hingerichteten Minister Malesherbes, dem zur Last gelegt wurde, sich mit Worten für seinen König eingesetzt zu haben.

Die Warenthiner Allee durchquert den Boberow-Waldpark.

Nun verlassen wir den Poetensteig und kommen auf die Warenthiner Allee, einem etwa fünf Meter breiten sandigen Waldweg, der uns zwischen Grienericksee und Böbereckensee durch den etwa 290 Hektar großen Boberow führt (auch Baberow oder Buberow genannt – ein Ort, an dem der Biber, slawisch Bobrow, lebt. Und dafür entscheidend ist weniger der weitläufige Wald, sondern vor allem das Wasser. Die Warenthiner Allee führt uns also durch das Waldgebiet, das als Bestandteil des Gesamtkunstwerks Rheinsberg inzwischen als Park gestaltet wurde. Streckenweise lugt historisches Kopfsteinpflaster durch die Sandauflage. Steinpflaster, über das bereits die Rosse des Prinzen und seines Gefolges trabten, Ackergäule ihre schweren Lasten zogen, Menschen, beispielsweise von Warenthin zum Rheinsberger Markt zogen, darunter wohl auch die mit uns verwandten Vorfahren Ehm von Warenthin nach Rheinsberg und genauso die Stodin zu ihren Arbeitsverrichtungen auf der Remus-Insel und der Schankwirtschaft im Boberow-Forsthaus – weit über 200 Jahre liegt das nun schon zurück.
Der Boberow ist ein Buchenwald, in dem auch verstreut, Linden und Eichen wachsen. Erlen an den Seeufern. Viel Waldmeister (Möske) wurde hier geerntet – mit dem Wirkstoff Cumarin ... unter verschiedenen Anwendungen auch gern genutzt zur Bereitung leckerer Limonade und ebenso für die Anwendung als Rattengift. Die Dosis entscheidet über Heilsames oder Erschreckendes. Eine alte Tradition hat im Boberow das fröhliche Kräutersammeltreffen, das „Möskefest“ zu Himmelfahrt. Die Baumkronen überschließen die Allee wie ein hohes grünes Gewölbe, durch das Sonnenlicht nur gedämpft dringt. Gestern ging bei wieder über 35°C Lufttemperatur ein heftiges Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen hernieder – heute atmet der Wald Frische und Kühle.
Da geht einem das Herz auf: >Ein Kuckucksruf in der Ferne, ein Wand'rer vorüber zieht. Hell klingt aus jubelner Kehle ein Lied ... und die Linde, sie blüht<.
Von der Allee zweigt bald rechterhand der Weg in Richtung Forsthaus Boberow ab. Hier bildet reichlich Unterholz, oft aus Robinien bestehend, ein schier undurchdringbares Dickicht. Führt der Weg näher an den See, lockert der Wald auf, werden dem Blick Wiesen und Auen geboten – Glückliche unbeschwerte Stunden. Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben.

Blick über den Böberecken-See
In der kleinen Siedlung Warenthin lässt es sich beschaulich wohnen
Warenthin

Im Zeitraum um 1800 leben hier 60 Menschen, darunter auch die Familie Ehm.

Das frühere Gutshaus von Warenthin

Seit 1905 ist das Gebäude eine Pension mit Gastwirtschaft, derzeitig bewirtschaftet von der Familie Mischke. Hier nächtigte der Autor vom 30. Juni zum 1. Juli 1994 im Zimmer 9 – und hatte eine schöne Aussicht über den Rheinsberger See und auf die Remus-Insel. –
Der Unternehmer Kittel ließ 1920 das Denkmal für seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne und zum Gedenken an weitere Soldaten errichten. Die künstlerische Gestaltung dieses Denkmals oblag Herrn Prof. Felix Pfeifer.

Die Remus-Insel

Gondelfahrt zur Remus-Insel
Quelle: Ein alter Zeitungsausschnitt, undatiert.

Zur Zeit des Prinzen Heinrichs, wurde die Insel nach der bau-künstlerischen Fertigstellung, ab 1771 für Lustbarkeiten des Hofes genutzt. Pächter der Insel und deren Gestalter war der Generaladjutant des Prinzen, Major v. Kaphengst.

Die Remus-Insel
Zeichnung von Lieutnant Hennert, in „Beschreibung des Lustschlosses ...“

Die schwach sichelförmig „gebogene“ Insel ist etwa 400 m lang, bis zu 70 Metern breit und bis etwa 20 m hoch. Das Eiland hat hat ungefähr 3,75 Hektar Fläche.
Auf dieser wurden einige Pfade zum Lustwandeln angelegt. Im „Chinesischen Haus“ auf dem „Gipfel“ in zentraler Lage, wurden Speis und Trank gereicht und ein „Tempel“ war Schmuck, bot Unterstand, ebenso wie Parasole. Hohe Leuchtsäulen nach chinesischer Art am Boots-Anlegesteg, wiesen bei Dunkelheit den Weg.
Zu jener Zeit war (Johann) Stodin Aufseher über das Inselreich. Außerdem bewirtschaftete die Familie Stodin eine Ausschankwirtschft, zum Forsthaus Boberow gehörend. Später übernahm die mit ihnen durch Heirat verbundene Familie Lücke diese Ämter.

1994: Die Remus-Insel im Rheinsberger See

Blick von Warenthin hinüber zur Remus-Insel, unserem nächsten Abenteuer-Ziel.

Vier Forscher durchstreiften gemeinsam die einsame Insel

Von der einstigen Pracht künstlicher Anlagen, von rauschenden Festen, ist auf der Insel heute nichts mehr zu erahnen. Mutter Natur hat sich alles Vorherige wieder zurück geholt. Wir erkundeten am 13. August 1994 gemeinsam diesen kleinen märkischen Urwald und fanden Buchen, Eichen, Erlen, Tannen und auch Flieder sowie Jasmin ... .
Noch heute erkennbar ist der alte Burgwall aus slawischer Zeit, der von einer frühen Nutzung der Insel kündet. Vor jüngeren feindlichen Einfällen, so der Schweden im Jahre 1675, hatten Bewohner der Umgebung auf der Insel ihre Verstecke eingerichtet, dort Schutz gesucht.

Einige Blicke zur Sankt-Laurentius-Kirche

Die Evangelische Kirche in Rheinsberg
Foto von Klabauter2, 2014. CC BY-SA 3.0

Kirche von Süden, im Winter. Hier wurde im Januar 1812 „unsere“ Henriette Ehm getauft.

Innenansicht der Kirche
Foto von Dieter Eikenberg, 2020, CC BY-SA 4.0

Blick zu den Orgeln. Links die historische Orgel des Meisters G. Scholtze aus Ruppin, Weihe im Jahr 1767. Rechts die neue Nußbücker Orgel, aus dem Jahr 1994.

Der Hochaltar von 1576, dahinter die Chorfenster
Foto von Dieter Eikenberg, 2020, Creative Commons Attribute-Share Alike 4.0 International-Lizenz
Kanzel aus dem Jahr 1569, sechseckig, mit geschnitztem Schalldeckel
Foto von Dieter Eikenberg, CC BY-SA 4.0
Die alte Orgel aus dem Jahre 1767 des Ruppiner Orgelbauers Gottlieb Scholtze
Foto von Gemeinholzer, 2016, CC BY-SA 4.0
Das Taufbecken in der Sankt-Laurentius-Kirche in Rheinsberg
Fotografie: Juliane Jäkel. Evangelische Kirchengemeinde Rheinsberg. Mein Dank gilt Frau Jäkel für die Erlaubnis, ihre Fotos hier zeigen zu dürfen.

Das Taufbecken wurde zum Anfang des 16. Jahrhunderts hergestellt. Es besteht aus gebranntem Ton, für die weiteren künstlerischen Darstellungen, mit einer Schicht Stuckgips überzogen.

Eine Seite des Rheinsberger Kirchenbuches

Geburtseintrag des Kindes Johanne Friederike Henriette Ehm, geboren am 16. Januar 1812, getauft am 26. Januar 1812.
Mutter: Die unverheiratete Charlotte Ehm aus Warenthin,
Vater: Der Schneidergeselle Johann Stodin.

Der Kirchen-Innenraum mit Kanzel
Quelle: Diese weitere Perspektive stellt Juliane Jäkel, Rheinsberg, auf dem eigenen Foto vor. Danke!
Eine kriegerische Zeit

In eine unruhige Epoche wird auch die kleine Henriette hineingeboren. Preußen, so auch Rheinsberg, ist von den Franzosen besetzt. Die Bevölkerung stöhnt unter der Last der Abgaben an die fremde Armee – bald aber werden die Befreiungskriege beginnen.

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