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Zur Ahnenliste "Sommer" gehörend:


Karl Ernst Paul Sommer, Schuhmacher-Meister

oo

Luise Emma Krüger, Mutter von fünf Kindern

(1866 bis 1935) in Nowawes / Potsdam-Babelsberg



Tabellarischer Lebenslauf

mit einigen Anmerkungen zu ihren Vorfahren, zu ihrem eigenen Leben

und zu den Nachkommen.

Bearbeitungsstand: April 2017 E-Mail: christoph@janecke.name

Zum Text gibt es einige Bilder – bitte hier klicken.



Liegt ein sonnengoldner Traum

rings auf Blütenbusch und Zweigen,

und die hohen Buchen neigen

leise sich am Waldessaum.


Rankt ein Lied sich durchs Geäst,

singt von fernen Ewigkeiten,

will mein Herze wohl bereiten

wie zu einem Wunderfest.


Aus: „Am Wegkreuz“ von Fritz Schmidt-König






Schmalspur-Wegweiser von den Hauptpersonen (Probanden) dieser Niederschrift, zu den heute lebenden Personen dieses Familienzweiges:


Im Zeitraum 1831 bis 1909: Karl Johann Friedrich Sommer oo Marie Elisabeth Weltzer

Zu deren Kindern gehörte u.a.:

im Zeitraum 1866 bis 1935: Paul Sommer oo Emma Krüger

Dieser Paul Sommer ist der ältere Bruder des nun folgenden Max Sommer


im Zeitraum 1875 bis 1949: Rudolf Max Sommer oo Anna Margarethe Runge

zu deren Kindern zählte die Tochter:

im Zeitraum 1900 bis 2003: Anne-Marie Sommer oo Alfred Richard Janecke

zu deren Kindern gehört u. a.

im Zeitraum 1945 bis ...: Der Autor dieser Niederschrift - Chris Janecke




Worte auf den Weg

Im Laufe der Zeiten sagte man in vielen Familien: „Es wurde früher so viel über die Familiengeschichte geredet. Man könnte noch so vieles aufschreiben und erhalten!“


Tatsächlich aber wurde wohl aus solcher Erkenntnis und jenen guten Vorsätzen seltener etwas verwirklicht. So müssen auch wir uns bei diesen Lebensgeschichten vorerst mit dem vorliegenden, etwas mageren Stückwerk begnügen. Diese Schriften gelten somit als grobe Entwürfe, zu denen gewiss hier und dort Korrekturen erforderlich sind.

Mein Wunsch sind viele, viele Ergänzungen seitens wissender Leser.


Die Notizen zu den Lebensläufen, sofern es sich nicht nur um tabellarische Aufstellungen handelt, lesen sich leider nicht so flüssig, wie es in der Literatur angenehm ist. Aber wir haben hier keinen Roman vor uns. Es handelt sich ja um eine Aufzählung von Familienereignissen (darunter oftmals Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle), die in der Häufung des Erwähnens zwar ermüdend wirken können, jedoch trotzdem im Interesse des Bewahrens aufgenommen wurden.

Also nur Mut beim Lesen.



Ahn 20.1

Generation 5

Ahnin 21

Die Großeltern

---

---

Sommer

Weltzer

Name

Krüger

Mädler

Karl Johann Friedrich (Fritz)

Marie Elisabeth

Vorname

Johann Friedrich Wilhelm

Emilie Friederike Auguste

Potsdam,

13. November 1831

Potsdam,

29. März 1838

Geboren

am 09. Januar 1830

Nowawes,

am 21. Juni 1832

Johann Friedrich Sommer, geb. in Buckow (Barnim), 30. Dezember 1800

oo

Keilbach, Caroline Wilhelmine Charlotte, geb. in Potsdam, am 24. Februar 1809

Carl Georg Wilh. Weltzer geb. in Muskau? am 25. März 1813

oo

Caroline Marie Bertha Sommer, Schwester des li. Nebenstehenden

deren Eltern

Johann Friedrich Wilhelm Krüger, Arbeitsmann in Neuendorf

oo

Marie Elisabeth, geborene Bock, aus Rangsdorf-Blankenfelde

Johann Gottlieb Mädler, Webermeister in Nowawes

oo

Wilhelmine Charlotte, geb. Eckardt

Schuhmachermeister

Hausfrau und Mutter

Beruf

bei der Hochzeit noch Webergeselle,

später Webermeister

Hausfrau und Mutter

Potsdam, am 02. Juli 1859,

Friedrich ist 28 Jahre alt und Marie 21 Jahre jung.

Trauung

Nowawes, Friedrichskirche,

18. Januar 1852, Pastor Stobwasser.

Wilhelm ist 22 Jahre alt, Auguste ist 21 Jahre jung. KB Rg-Nr. 2 / 1852

zuletzt: Nowawes, Mittelstraße 9


Wohnung

Um 1867: Nowawes, Kirchplatz 3

in Reppen (Neumark), am 28. Juni 1909

Nowawes, am 10. Februar 1906

Gestorben

Nowawes vor April 1891

Nowawes, nach April 1891. (Zwischen 1891 und 1914 keinen Sterbeeintrag in Nowawes und Neuendorf gefunden).






Das Ehepaar = Die Eltern = die Probanden (in der Generation 4)

Carl Ernst Paul Sommer oo Luise Emma Krüger



Die Bedeutung dieser

Familien-Namen:

Gefühlsverbindung zu Sonne, Wärme Reife, Ernte. Namensträger eventuell im Hochsommer geboren. Ein Übername mit der Begriffswahl für diese Jahreszeit.

Der Betreiber eines „Kruges“, “einer „Ausspannung“ (für Zugtiere). Der Krug ist oft eine schlichtere Schankwirtschaft für Fuhrleute und einfachere Reisende.


Name


Sommer



Krüger


Vornamen


Carl Ernst Paul



Luise Emma


Geboren


Potsdam, Alter Markt 3,

am 26. Januar 1866.




Nowawes, Kirchplatz 3, am

21. Dezember 1867 um 9 Uhr abends.


Taufe


Getauft in der Nikolaikirche.


Anmerkung: Zur Taufe liegen uns keine Kirchenbuchangaben vor, da mehrere Kirchenbücher am Ende des Zweiten Weltkrieges, am späten Abend des 14. April 1945, nach einem Bomben-Luftangriff verbrannten.


Taufe in der Friedrichskirche am

5. Januar 1868 durch Pfarrer Groote. Paten: 1. Karl Henschel,

2. Frau Gerson, 3. Frau Kraft,

4. Gustav Nölte,

5. Webermeister Samuel Lehmann. KB Friedrichskirche Nr. 187 / 1867.



Deren Eltern (Großeltern)


Vater: Friedrich Sommer, Schuhmacher-Meister ( * 1831)

Mutter: Marie Elisabeth Weltzer (* 1833)


Vater: der (zur Zeit der Heirat der Tochter) verstorbene Webermeister Wilhelm Krüger.



Beruf


Schuhmacher-Meister

(spätestens 1889, mit 23 Jahren).


Fabrikarbeiterin, Hausfrau und Mutter von fünf Kindern.



Wohnung


Ab 03. April 1891 mit den Eltern und Geschwistern in Nowawes, Lindenstraße 44.



1891: Nowawes, Lindenstraße 14


Bürgerliche

Eheschließung


Nowawes, Standesamt: Eintrag 30 / 1891, vom 25. April 1891.

Zeugen der Eheschließung: Der Arbeiter Wilhelm Schmidt, 51 Jahre alt, in der Lindenstraße 14 wohnend, sowie der Töpfergesell Albert Krüger, 22 Jahre alt, ebenfalls in der Lindenstraße 14 wohnend.



Trauung


Trauung in der Friedrichskirche am 25. April 1891 durch Prediger Harnisch. KB der Friedrichskirche Nr. 24 / 1891. Der Bräutigam ist 25 Jahre alt, die Braut ist 23 Jahre jung und gemäß erfragter Angabe Jungfrau.



Gemeinsame Wohnungen


03. April 1891 bis 30. Juni 1893: Nowawes, Lindenstraße 46 (heute Nr. 38)

01. Juli 1893 bis 30. Juni 1894: Nowawes Lindenstraße 39 ) nach 1945: Rud.-

01. Juli 1894 bis 31. März 1898: Nowawes, Lindenstraße 2 ) Breitscheid- Str.

01. April 1898 bis 01. Oktober 1899: Nowawes, Lindenstraße 4a

02. Oktober 1899 bis 1903: Nowawes, Lindenstraße 7

Um 1908 bis etwa 1916: Nowawes, Retzowstraße 3 (nach 1945: Benzstraße

Um 1920 bis 1935: Nowawes, Lindenstraße 20 (hier wohnt Emma Sommer auch noch in ihren letzten Jahren als Witwe).



Gestorben


im Nowaweser Kreiskrankenhaus in der Lindenstraße, am 13. Dezember 1929, Nachmittag, 6¼ Uhr, mit 63 Jahren. 38 Jahre verheiratet, 5 Kinder, Testament vorhanden. Schlaganfall, Lungenentzündung.

Eintrag des Standesamtes Nowawes Nr. C 290 / 1929, Film P 324, Seite 152.



Nowawes, Lindenstraße 20 am

18. Juli 1935, am Nachmittag um

3 Uhr, mit 67 Jahren.

Anzeige seitens des Sohnes, Maurer Willy Sommer, Luisenstraße 60.

Eintrag des Standesamtes Nowawes Nr. C 218 / 1935. Stadtarchiv, Film 325, Seite 602.





Die Kinder (Generation 3) des vorgenannten Ehepaares

Paul Sommer und Emma Krüger



1.

Hedwig Marie Elisabeth

Sommer


oo

04. Okt. 1913

oIo


Hugo

Steinhorst


Geboren in Nowawes, Kreis Teltow, Lindenstraße 46, am 02. Dezember 1892 um 2 Uhr am Nachmittag. Standesamt: Nr. 336 / 1892.

Taufe in der Friedrichskirche durch Prediger Harnisch am 26. Februar 1893. Die Paten sind: 1. Luise Sommer, 2. Hedwig Sommer (Schwester des Kindsvaters), 3. Friedrich Sommer (Großvater des Kindes).

KB der Friedrichskirche Nr. 369 / 1892.

Elisabeth wird später den Beruf einer Retouchiererin ergreifen.


Sie heiratet am 04. Oktober 1913 den Schlosser Paul Fritz Hugo Steinhorst. Die Trauung nimmt Pfarrer Dessin vor. Die Braut ist 20 Jahre jung, der Bräutigam zählt 24 Lenze. (Zu seiner Familie in der Anlage ein Extrablatt).

Hugo war geboren in Potsdam, am 20. August 1889 und wohnte vor der Eheschließung im Rittergut Potsdam, Kreis Zauch-Belzig, Kolonie Daheim 10, etwa gegenüber dem Reichsbahn-Ausbesserungswerk. Er ist der Sohn der geschiedenen Arbeiterin Emilie Auguste Johanne Friederike Steinhorst (vorheriger Ehename: Gehrmann), die 1913, zur Zeit der Eheschließung ihres Sohnes mit Elisabeth Sommer, bereits in Potsdam verstorben ist.

Als Trauzeugen treten beim Standesamt der Lagerhalter Adolf Gehrmann (40 Jahre alt, der ältere Halbbruder ihres frisch gebackenen Ehemanns) und Elisabeths Vater, der Schuhmacher-Meister Paul Sommer (47 Jahre alt) auf.

Quellen: Urkunde des Standesamts Nr. 164 / 1913 und KB der Friedrichskirche: Nr. 63 / 1913: Die Trauung vollzieht der Oberpfarrer Dessin.

Mit dem Urteil des Landgerichts Potsdam vom 30. Juli 1926 wird diese Ehe rechtskräftig geschieden.



2.

Sommer, Sophie Marie Gertrud


Geboren in Nowawes, Lindenstraße 2, am 05. September 1896 am Morgen um

3 Uhr. Standesamt Nr. A 289 / 1896. Stadtarchiv Film P 287, Seite 348.

Taufe in der Friedrichskirche am 27. Sept. 1896 durch Pfarrer Koller. Die Paten sind: 1. Johanna Zilias, 2. Max Sommer (Bruder des Kindsvaters), 3. Frau Auguste Schmidt.

KB der Friedrichskirche Nr. 311/1896.


Gestorben am 31. Dezember 1897, am Vormittag um 10¾ Uhr, (Standesamt Nowawes Nr. 288 / 1997), KB Friedrichskirche Nr. 231 / 1897: 1 Jahr, 3 Monate und 26 Tage alt. Gertrudchen starb an Lungenentzündung.

Bestattet am 03. Januar 1898.



3.

Sommer,

Max Paul Fritz




oo

Nowawes,

12. Mai 1923




Sophie Pauline

Konrad

* 22.12.1901


Geboren in Nowawes, Lindenstraße 2, am 11. Januar 1898, am Vormittag um

2 Uhr. Eintrag des Standesamtes Nowawes Nr. A 14 / 1898. Film P 288, Seite 220.

Taufe in der Friedrichskirche am 06. Februar 1898 durch Oberpfarrer Dessin. Die Paten sind: 1. Marie Sommer (Schwester des Kindsvaters), 2. Frau Marie Zilias, 3. Auguste Rutschmann. Nr. 15 / 1898 im KB der Friedrichskirche.

Als Beruf wird Fritz das Schmiedehandwerk erlernen. Im Jahre 1923 wohnt er in der Eisenbahnstraße 1 und um 1930 bis nach 1938 in der Großbeerenstraße 130.


Fritz ehelicht die Weberin Sophie Pauline Konrad. Sie war geboren in Mährisch-Trübau (Tschechoslowakei), am 22. Dezember 1901 (Geb. Reg. 315 / 1901 des Kathol. Pfarramtes Mährisch-Trübau) und wohnt vor der Hochzeit in Nowawes, Kaiser-Wilhelm-Straße 25. Als Zeugen der standesamtlichen Eheschließung erschienen der Schuhmachermeister Paul Sommer (Vater des Bräutigams), ausgewiesen mit seiner Radfahrkarte, 57 Jahre alt und der Fabrikarbeiter Ludwig Nedoma, 63 Jahre alt, in Nowawes, Kaiser-Wilhelm-Straße 25 wohnend.

Standesamt-Eintrag Nr. 75 /1923.


Die heutige Braut Sophie wird aber bereits am 26. Dezember 1930, am Vormittag 11½ Uhr, mit 29 Jahren an einer Lungen- und Brustfellentzündung sterben. (Eintrag des Standesamtes Nowawes: Nr. 264 / 1930).


Witwer Fritz wird (Nr. B 10 / 1962) ein zweitesmal heiraten.

Fritz wird am 21. März 1968 sterben. Standesamt Potsdam, Eintrag 519 / 1968.



4.

Sommer, Hermann Paul Max


Geboren in Nowawes, Lindenstraße 7, am 24. August 1903, um ¾ 9 Uhr nachmittags. Standesamtseintrag Nr. 241 / 1903.

Taufe am 13. September 1903 durch Oberpfarrer Dessin. Die Paten sind

1. Fräulein Sommer, 2. Fräulein Zilias,

3. Hermann Knoll (Ehemann der Kindestante Hedwig, geb. Sommer).

Quelle: Kirchenbuch Nr. 11 der Friedrichskirche Nr. 230 / 1903.

Hermann Paul Max Sommer wird dreimal heiraten:

1. Am 05. Februar 1927 (Standesamt-Eintrag Nr. 7 / 1927, in Kreuzburg / Oberschlesien,

2. Am 02. November 1934. Standesamt-Eintrag 1209 / 1934 des Standesamt I in Berlin-Lichtenberg,

3. am 22. September 1942 Standesamt-Nr. 2267 / 1942 des Standesamtes Berlin-Mitte.


5. Sommer, Max Fritz Willy

Geboren in Nowawes in der Retzowstraße 3, am 05. Januar 1908.

Taufe am 15. März 1908 durch Oberpfarrer Dessin. Die Taufpaten sind:

1. Hedwig Knoll (Tante, Schwester des Kindsvaters)

2. Marie Steiner (Tante, Schwester des Kindsvaters) und

3. Marie Finkelmann.

Willy wird später den Beruf eines Maurers erlernen.

Um 1935 wohnt er in der Luisenstraße 60.





1892

Am 14. Mai 1892 ist Schuhmacher-Meister Paul Sommer (26 Jahre alt) Trauzeuge bei dem Hochzeitspaar:




1906

Der jüngere Bruder von Schuhmacher-Meister Paul Sommer, der Schlosser und Elektrotechniker Max Sommer, fügt einen Beitrag ein, der auch seinen älteren Bruder Paul Sommer, die Hauptperson dieses Berichts, betrifft:

„Es ist kaum zu glauben. Wir ziehen hier bieder und brav Tag für Tag Elektroleitungen und kriegen unter Anstrengungen unsere Kinder aber was machen Andere? Kommt da nicht jüngst (Anfang Oktober) so ein armes Schuhflickerchen gradewegs aus Berlin daher, Wilhelm Voigt soll er heißen (1849 – 1922) und stattet dem Altuniformhändler Berthold Remlinger & Sohn, in der Potsdamer Mittelstraße 3, einen Besuch ab. Nicht etwa, weil er den kannte – nein, weit gefehlt, möglicherweise ist der bisher nur mit dem Finger auf der Landkarte in unsere Residenz gekommen, nein, das Individuum besorgt sich eine noch regelgerechte Hauptmannsuniform und gleich um die Ecke, in der Vernickelungsanstalt Finke (hier auch „Säbelfabrikation und Militäreffekten“) in der Kreuzstraße 22, kurz darauf einen Satz Stiefelsporen. Und das nicht, um etwa zum Kostümfest zu gehen. Nein, er gabelt doch tatsächlich kurzerhand ein paar Soldaten auf und dirigiert sie per Bahn bis zum Rathaus in Köpenick bei Berlin, wo er den Bürgermeister arrettiert und die Stadtkasse mit 3.357 Mark requiriert. Der Sinn für teutsche Obrigkeitshörigkeit treibt schon seltsame Blüten – dass so etwas überhaupt gelingen kann –.

Es hätte mich nun nicht gewundert, wenn der Schuster auf dem Wege bei seinem Berufskollegen, meinem Herrn Bruder Paul Sommer, in der Nowaweser Retzowstraße 3, zumindest auf 'n Topp stärkenden Gerstenkafe eingekehrt wäre, um mit ihm über das neue Besohlen der Stiefel und das Benageln der Gesellschaft zu fachsimpeln.

Zu jenem, meinem großen Bruder, habe ich keinen häufigen Kontakt. Er ist eben einfach nicht der Typ des Königlichen Hoflieferanten aus der gediegenen Potsdamer Schuhmacherinnung, sondern ein Schustermeester, im roten Arbeiter-Nowawes, in eher ärmlichen Verhältnissen, der brav allein sein Tagewerk vollbringt und auch seinen eigenen Dick-Kopp hat. Der eben allerdings des sonntags auch zu Grammophon und Gesang in „Kleiner Gesellschaft“ gern das Tanzbein schwingt, wie wir wissen. Daher rührt auch sein Beiname „Tanzmeister“. Dabei wollen wir jetzt nicht darüber philosophieren, wer von uns Geschwistern sich nun bei allen Unterschieden und familiären Umständen als der Glücklichste wähnt.“


Der etwa ein Jahrzehnt jüngere Berufskollege von Paul Sommer, Erwin Guido Kolb (* 30. Dezember 1878) schreibt in seiner Novelle „Wenzel Tiegel“ über das Arbeiten des vormals ehrenwerten Schuhmachers in jener Zeit sinngemäß: Er (Wenzel Tiegel) war ein Flickschuster. Seinen Fähigkeiten nach, hätte er übrigens auch ein Schuster sein können, aber er lebte in der Großstadt. Jedermann weiß, dass Schuster (also autonome Künstler, die nach eigenem Geschmack und eigener Fertigkeit Schuhe vom ungeschnittenen Leder bis zur glanzgewichsten Vollendung gestalten), in der Großstadt aussterben müssen.

Alle Welt geht (jetzt) in amerikanischen Schuhen (das heißt also: in fabrikgefertigten Fußbekleidungen), die bequem sind wie Pantoffeln, die den Fuß nicht mehr drängen und umformen wollen und vorn in ballförmige Kappen ausarten, wie ihrerzeit die „Bärentatzen“ der Landsknechte – die aber stets das Odium der Marke an sich tragen. Die Neumodischen, sie sind und scheinen Fabrikware und können trotz Bequemlichkeit und Gediegenheit niemals anders auftreten wollen, als zu Hunderttausenden (ähnlichen oder gar gleichen). Die Individualität (meisterlicher Arbeit) geht hier kläglich verloren. Die Fußleiden werden rückläufig aber aller Persönlichkeitswert ist dahin.

Man kann sich kaum ein flacheres und banaleres Zeitalter vorstellen als eines, in dem niemand mehr der Schuh drückt. Eine tiefe Resignation hat (deshalb) die Großstadtschuster ergriffen. Kein Wunder, dass jene hochberühmte und auch allezeit nach Gebühr gepriesene Eigenschaft der Besinnlichkeit, die den historischen Schuster schmückte, über dem ewigen Handlangerdienste des Sohlens fremder Erzeugnisse, des Flickens an ausländischen Formen, beinahe verloren gegangen ist. E. G. Kolbenheyer.


Sollte ein noch meisterlich handgefertigter Schuh den Fuß doch gar zu sehr drücken oder reiben, so „ist dagegen ein Kraut gewachsen“, gibt es ein probates Mittel der Hilfe. Man nehme:

Den Backofen in milder Restwärme, die Schuhe, je Schuh ein Tuch, eine Portion gewärmten nicht klebenden/harzenden Öls – wie das des Rizinusbaumes. Die Tücher in heißes Wasser legen, ausdrücken mit jenen die Schuhe einwickeln, dann in den Ofen legen, die warme Feuchte durchwirken lassen. Hernach die warmen Schuhe von den Tüchern befreien und mit dem vorgewärmten Öl bestreichen. Öl im Ofen in das Schuhleder einziehen lassen und anschließend warm anziehen und tragen. Das Leder sollte dann schmiegsam sein und nicht mehr reiben noch hart drücken.



Anmerkung: Auf dem Foto (seiner Silberhochzeit), das Paul Sommer als 50-jährigen Mann zeigt, macht er einen recht ernsten Eindruck. Es ist wohl nicht wirklich sein weiterer Vorname, der ihm solches gebietet. Paul konnte durchaus auch fröhlich sein,schwang zur Musike gern das Tanzbein. Der Sozialdemokratie soll er sehr nahe gestanden haben, wurde also ein richtiger Nowaweser.

Sein jüngerer Bruder Max, der Schlosser und Elektrotechniker, fühlte sich eher zur Kaisertreue hingezogen und blieb vom Gefühl her ein Potsdamer aus der Beamten- und Soldatenstadt, auch wenn er in der Nowaweser Priesterstraße wohnte.



Foto vom Tage der Silberhochzeit von Paul und Emma Sommer,

25. April 1916 in Nowawes, Retzowstraße 3


(In der Papierausfertigung des Originaldokuments das Foto. Hier, in der Internetversion sind nur die Namen der Teilnehmer aufgelistet).


Hintere Reihe



Theodor Steiner,

Schwager des Silber-Bräutigams


50 Jahre alt



Eventuell die beiden größeren Kinder

Elisabeth und Fritz des Silberbrautpaares

(oder Tochter Elisabeth und ihr Verlobter)



Vordere Reihe


Marie Steiner,

geborene Sommer


47 Jahre alt



Margarethe Sommer,

geborene Runge


35 Jahre alt

Die Silberbraut

Emma Sommer

geborene Krüger


48 Jahre alt

Der Silber-Bräutigam

Paul Sommer


50 Jahre alt


Hedwig Knoll,

geborene Sommer

52 Jahre alt


Geboren in Potsdam,

Am Alten Markt 3,

am 28. Dez. 1868,

wohnt in Nowawes, Mittelstraße 21 (später 19a)

† 05. Februar 1946,

78 Jahre alt



Geb. in Weißensee bei Berlin, Goethestraße 25, am 05. Jan. 1880,

wohnt in Nowawes, Priesterstraße 68.

† 03. Nov. 1949,

69 Jahre alt


Geboren in Nowawes,

22. Dez. 1867


wohnt in Nowawes, Retzowstraße 3

† 18. Juli 1935,

68 Jahre alt


Geboren in Potsdam,

Alter Markt 3,

26. Jan. 1866,

wohnt in Nowawes,

Retzowstraße 3

† 13. Dez. 1929

63 Jahre alt


Geboren in Potsdam, Kirchstraße 3,

08. Juli 1863,

wohnt in Nowawes, Mittelstraße 19,

† 27. April 1943

mit 79 Jahren


Sie ist die jüngere Schwester

des Silberbräutigams


Sie ist die Schwägerin

des Silberbräutigams und Ehefrau von Max Sommer.

Hier mit Tochter Anne-Marie,

geb. 06. Juli 1913

gest. 12. Dez. 2003




Sie ist die ältere Schwester des Silberbräuti-gams


Es fehlen auf dem Bild:

Der Ehepartner von Margarethe Sommer, geborene Runge: Max Sommer, Bruder des Silber-Bräutigams, zur Zeit als Soldat im Kriegseinsatz.

Ehepartner von Hedwig Knoll: Hermann, 60 Jahre alt, Schwager des Silberbräutigams.

Warum er nicht zu sehen ist? Schaut er vielleicht gerade durch den Sucher des Fotoapparates? Wohl kaum, denn es kommt zu jener Zeit eher eine Glasplattenkamera mit Stativ in Betracht, die ein Berufsphotograph bedient.


Diese Familie Sommer lebte in eher schlichten Verhältnissen. Chris Janecke, der die Angaben zu den Vorfahren, hier auch zu der Familie seines Großonkels zusammensucht, kennt noch das Haus in der Lindenstraße 20 (als spätere Rudolf-Breitscheid-Straße 65). Familie Sommer wohnte dort in einem Seitenflügel auf dem Hof, der um 1995 abgerissen wurde. Die Dielen des Erdgeschoss-Fußbodens waren beispielsweise direkt über dem Sandboden verlegt, ohne irgendeine Wärmedämmung.




Ein Blick in die neue, durch ihre Heirat zeitweilig erweiterte Familie von

Hedwig Marie Elisabeth Sommer, des ersten/ältesten Kindes vom Ehepaar Sommer oo Krüger:



Generation 4


Die Schwiegereltern unserer

Hedwig Marie Elisabeth Sommer



Unsere bekannten

Sommer oo Krüger-Eltern

Gehrmann

Steinhorst

Name

Sommer

Krüger

Friedrich Adolph

Emilie Auguste Johanne Friederike

Vorname

Carl Ernst Paul

Luise Emma

Schmoditten, Kreis Preußisch Eylau, am 06. März 1844

Darchaunsmühle (bei Darchau) Kreis Carthaus / Westpreußen, am 05. August 1849

geboren

Potsdam,

26. Januar 1866

Nowawes,

21. Dezember 1867

Schneidergeselle,


1874 Fabrikarbeiter bei Jacobs in Pdm. (Zuckersiederei)

Arbeiterin, Hausfrau und Mutter

Beruf

Schuhmacher-Meister

Fabrikarbeiterin, Hausfrau und Mutter


Soldat 1. Ulanen-Regiment der 1. Eskadron

(3 Monate Militärgefängnis wegen Desertion). Wohnung ab 01.02.74: Potsdam, Luckenwalder Str. No. 2,

ab 16. 10. 74: Canal 70,


1872:

Potsdam, Garde du Corps Straße 20.


1873:

Scharrnstr. No.1,


1879: Alte Königsstraße 12a.


1889:

(geschieden)

Alte Königsstr. 12a

Wohnung


03. April 1891 bis 30. Juni 1893: Nowawes, Lindenstraße 46

01. Juli 1893 bis 30. Juni 1894: Nowawes Lindenstraße 39

01. Juli 1894 bis 31. März 1898: Nowawes, Lindenstraße 2

01. April 1898 bis 01. Oktober 1899: Nowawes, Lindenstraße 4a

02. Oktober 1899 bis 1903: Nowawes, Lindenstraße 7

Um 1908 bis etwa 1916: Nowawes, Retzowstraße 3

Um ? Nowawes Lindenstraße 25?

Um 1920 bis 1935: Nowawes, Lindenstraße 20 (hier wohnt Emma Sommer auch noch in den letzten Jahren als Witwe).


Potsdam, am 1. März 1874.

Die Ehe Gehrmann oo Steinhorst wurde etwa um 1889 geschieden.


Heirat

Nowawes, 25. April 1891


Potsdam, vor Oktober 1913

gestorben

Nowawes,

13. Dezember 1929

Nowawes,

18. Juli 1935


und die Kinder von Gehrmann oo Steinhorst

das also sind die neuen Schwager / Schwägerinnen

unserer Hedwig Marie Elisabeth Sommer oo Steinhorst und als 5. Kind – ihr künftiger Ehemann


Nr.


Familienname


Lebensdaten der Kinder



1






Steinhorst Adolf Friedrich August

(ab 01. 03. 1874: Gehrmann)



Als unehelicher Sohn geboren in Potsdam, Garde du Corps Straße 20, am 29. Dezember 1872. Dieses Kind ist durch die Verheirathung der Mutter am 01. 03.1874 auf den Namen „Gehrmann“ umgeschrieben.



2


Auguste Emilie Martha Gehrmann


Geboren in Potsdam, Am Canal 70, am 24. April 1875, vormittags 4 Uhr. Quelle: Standesamt Potsdam, Geburtsurkunde No. 400 / 1875



3



Auguste Caroline Juliane

Steinhorst


Geboren in "Abbau Podjes" (Gebiet Karthaus / Westpreußen) am 01. Oktober 1877 ( † C 342 / 1954 in Babelsberg).

Fabrikarbeiterin. Sie heiratet am 07. März 1890 den Schuhmachergesellen Wilhelm Gottlieb Theodor Schmidt, (geboren in Neuendorf am 03. Juli 1866 bis † C 150 / 1938 in Nowawes). Braut und Bräutigam wohnen um 1890 in der Wilhelmstraße 49. Zeugen der Eheschließung: Der Arbeiter Albert Schmidt, Wilhelmstr. 49 und der Barbier Robert Kogge, Priesterstraße 9a.

Quelle: Stand. Nowawes B 16 / 1890 auf Film P 291, Seite 120.



4


Friedrich Otto Gehrmann3


Geboren in Potsdam, Alte Königsstraße 12a, am 10. September 1879, nachmittags um 10 Uhr. Standesamt Potsdam, Urkunde 910 / 1879. Friedrich wird am 14. Oktober 1957 sterben Standesamt Potsdam-Babelsberg, Urkunde 524 / 1957



5


Paul Fritz Hugo Steinhorst

(nicht Gehrmann)


oo 04. Okt. 1913


Hedwig Marie Elisabeth Sommer


Geboren in Potsdam, am 20. August 1889.

(Seine geschiedene Mutter hat wieder ihren Mädchennamen "Steinhorst" angenommen).


Hugo erlernt später den Beruf des Schlossers und wohnt 1913 auf dem Rittergut Potsdam, Kreis Zauch-Belzig, Kolonie Daheim 10.


Er wird am 04. Oktober 1913 unsere Hedwig Marie Elisabeth Sommer heiraten aber rund ein Jahrzehnt später wieder von ihr geschieden sein.