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Zur Ahnenliste "Janecke"gehörend:


Einige Notizen zum Leben des Ehepaares

Carl Friedrich August Janeke/Janecke (der Ältere)

1842 bis 1897, ein Leben in Osterburg (Altmark), Provinz Sachsen

und seiner Ehefrau

Dorothee Elisabeth Neumann,

geboren 1839 in Schmersau (Altmark), gestorben 1912 in Osterburg.


Ahnen- und Familienforschung – Heimatgeschichte


Autor und Kontaktpartner für Fragen, Meinungen und Ergänzungen: Chris Janecke,

Bearbeitungsstand: April 2017 E-Mail: christoph@janecke.name


Diese Eheleute sind Urgroßeltern des Autors.

Der hier vorgestellte Text wird von einigen Bildern begleitet – bitte hier klicken.






Abendglocken



Die Glocke klingt im Abendrot

vom Leben singt sie und vom Tod.



Was i c h einst sang von Leid und Glück,

ihr heller Klang gibt's mir zurück.



Im Kampf und Sturm, Gefahr und Not,

sie mahnt vom Turm im Abendrot.



Und Frieden bringt ihr sanfter Klang,

von mir, der singt, ein Leben lang.






Kurzwegweiser von der damaligen Lebenszeit der hier dargestellten Personen,

bis in unsere Tage:


Carl Friedrich August Janecke (d. Ältere) 1842–1897 oo Dorothee Elisabeth Neumann 1839–1912

Dieses Ehepaar hatte drei Kinder, darunter:

Karl Friedrich August (der Jüngere) 1869–1950 oo Klara Dittwaldt 1872–1933.

Jenes Ehepaar hatte zwei Kinder, darunter:

Alfred Richard Janecke 1900–1983 oo Anne-Marie Sommer 1913–2003.

Das Ehepaar hatte drei Kinder, darunter ist der Autor dieses Beitrages: Chris Janecke





Tabellen zu den Lebensläufen


Gen. 06/Ahn 32


Gen. 06/ Ahnin 33

Die Großeltern


Gen. 06/Ahn 34.3


Gen. 06/Ahnin 35

Jahnke/Janecke

Betke


Name

Neumann

Guhl

Joachim Heinrich

Catherine Elisabeth


Vorname

Joachim Christian

Dorothee Elisabeth

Höwisch,

20. März 1807

Meseberg,

03. Mai 1811


geboren

Gladigau,

01. Mai 1801

Jeggel,

12. Juni 1797

Handarbeiter,

Postillon, Briefträger

Hausfrau,

Mutter


Beruf

Häusler

Hausfrau,

Mutter

Osterburg, 29. Mai 1836


Heirat

Schmersau, 16. Juni 1822

Osterburg,

27. Okt. 1869,

62 Jahre alt

Osterburg,

10. April 1887,

76 Jahre alt


gestorben

Schmersau,

10. April 1852,

knapp 51 Jahre

Schmersau,

25. Juli 1877,

80 Jahre alt




Das Ehepaar = Die Eltern = Die Probanden:

Carl Friedrich August (der Ältere) Janecke

und Dorothee Elisabeth Neumann




Vater: Generation 05/Ahn 16.3



Mutter: Generation 05/Ahnin 17


Die Bedeutung dieser

Familien-Namen:


Ableitungen von Kurzform Jan. -eke, -ecke, -icke ist Verkleinerungs-Suffix: "Der kleine Jan", Johann, Johannes (hebr.) "Gott ist gnädig, hilfreich" oder "Gabe Gottes".


Mittelhochdeutsch: niuwe – man, der neue Mann, der ein Hinzugezogener, ein Neubürger. Jemand, der neu in eine Gemeinschaft eintritt. Griechisch: Neander-


Name:



Janeke / Janecke


Neumann


Vornamen:


Carl Friedrich August (der Ältere)



Dorothee Elisabeth


Geburt:


Osterburg (Altmark), am Mittwoch, den 14. September 1842,

um 5 Uhr morgens.



Schmersau, Sonntag, 18. August 1839, abends um 10 Uhr.


Taufe:


Taufe: in der ev. Kirche St. Nicolai, am Sonntag, 16. Oktober 1842, Prediger Curder.

Paten: Jungfrau Dorothee Garlip aus Iden, Elisabeth Gewe,

David Gagelmann (Tagelöhner),

Johann Berge, Friedrich Blackstein.

Quelle: Kirchenbuch Osterburg 1842, S. 50, Nr. 61



Taufe in Schmersau am Sonntag, den 25. August 1839. Die Paten sind:

Friedrich Wiesel, Christoph Schulz, Friedrich Müller, Dorothee Pruke (?, schlecht lesbar), Dorothee Linde.

Quelle: KB Schmersau 1839, Nr. 2/7

(Das KB liegt im Pfarramt Gladigau).

Der kleine Ort hat derzeitig 196 Einwohner.


Beruf / Stand:


um 1845: Handarbeiter, 1868 Dachdecker,

u. 1883: Postbote (Landbriefträger)



Hausfrau , Mutter von drei Kindern


Trauung / Eheschließung:


In Osterburg, Altmark, Provinz Sachsen, Königreich Preußen,

am Sonntag, 26. Januar 1868. Diakon Rathmann traut das Paar.

Der Bräutigam ist 25 Jahre alt, die Braut zählt 28 Lenze.

Quelle: KB Osterburg, St. Nicolai, 1868, Seite 117, Nr. 2.



Wohnanschriften, gemeinsame:


Die Familie lebt in dem kleinen Haus in Osterburg, Melkerstraße 10.

(1987 abgebrochen. Das Grundstück anschließend neu bebaut).

Elisabeth lebt später als Witwe im Hospital „Sankt Georg“ (der Armen, Alten und Kranken), in Osterburg, Stendaler Straße 37, nur weniger Schritte von der Melkerstraße 10 entfernt.



Tod / Gestorben:


Osterburg, Di., 20. April 1897, vormittags 8 ½ Uhr.

August wurde 54 Jahre/ 7 Monate/ 6 Tage alt.

Anzeige beim Standesamt und beim Pfarrer durch seinen Sohn Wilhelm Janeke aus Wittenberge, dort wohnend: Schützenstraße 25, am Gaswerk.


Beerdigt am 23. April 1897, Pastor Nürnberger.


Quelle: KB Osterburg, 1897, Nr. 27.



Osterburg, am Sonntag, den

15. September 1912, 4 Uhr am Nachmittag, Dorothee Elisabeth wurde 73 Jahre alt.

Anzeige beim Standesamt und beim Pfarrer durch ihre Tochter, der Witwe Luise Jochmann, geb. Janeke aus Wittenberge.



Bestattet am Mittwoch, den

18. September 1912, Pfarrer Stephan.


Quelle: KB Osterburg 1912, Nr. 79.



Erfasst von Chris Janecke am 28. August 1979 in Gladigau bei Herrn Pfarrer. Dr. Müller.




Die Kinder der Eltern: (Generation 04)

Carl Friedrich August (d. Ä.) Janecke oo Dorothee Elisabeth Neumann


Anmerkung: Der Name des Kindes, das die Ahnenfolge in gerader Linie zu den jüngsten Probanden dieses Zweiges der Familie Janecke weiterführt, ist fett gedruckt.



Nr.


Familienname:

Janecke/Janeke/

Jahnke


Lebensdaten der Kinder


1


04/8.1


Luise Hermine Auguste Janecke


oo 06. April 1891


Jochmann, Wilhelm Franz




* Osterburg, Melkerstraße 10, den 16. März 1868, am Vormittag, 11 Uhr.

Taufe am 13. April. Paten: Postbote Sannemann, Frau Goetze, Frau Meder, Frau Meier. Diakon Rathmann vollzog die Taufe.

Kirchenbuch Osterburg, Taufen 1868, Seite 181, Nr. 25.


Luise erlernt später den Beruf einer Schneiderin. Sie wohnt in Wittenberge, Mohrenstraße 4.

Sie heiratet den Buchdrucker Wilhelm Franz Jochmann, der aus Schlesien kam und dort am 5. August 1867 in Liebau geboren wurde. Die Trauung findet in der Osterburger Nicolaikirche am 06. April 1891 statt. Reg.-Nr. im KB Osterburg: Nr. 9/1891.

Das Paar wohnt in Wittenberge, im Laufe der Zeit in verschiedenen Häusern und wird mehrere Kinder haben.


Luise stirbt in Wittenberge am 01. Juli 1919 mit 51 Jahren /

3 Monaten / 14 Tagen. Sie wird am 04. Juli 1919 beerdigt.

Reg.-Nr. KB Wittenberge 212/1919.

Ihr Ehemann Wilhelm Jochmann stirbt bereits vor ihr, am

28. März 1912, im Alter von nur 44 Jahren.




2


04/8.2

Karl Friedrich August Janecke

(der Jüngere)


oo


Klara Dittwaldt


(Dieser ist einer der Großväter von Chris J., dem Autor dieses Dokuments)


* Osterburg, Melkerstraße 10, am 18. September 1869.

August zieht als Schulkind zu seiner Tante Charlotte Janecke oo Zelm nach Berlin. Die Residenzstadt wird vorerst sein Lebensmittelpunkt.


Dort heiratet er in Berlin-Südost am 15. Sept. 1896, Pauline Klara Antonie Dittwaldt, die in Berlin am 03. November 1872 geboren wurde und wechselt später mit seiner Familie nach Nowawes-Neuendorf über. Er arbeitet als „Fuhrherr“, Schankwirt, Buchhalter, Verwalter, Kaufmännischer Angestellter und Geschäftsführer.


Klara stirbt in Nowawes am 25. Februar 1933 mit 60 Jahren und August am 02. Februar 1950 im Alter von 80 Jahren.



3


04/8.3


Carl Friedrich Wilhelm

Janecke



* Osterburg, Melkerstraße 10, am 10. September 1871.

Wilhelm erlernt den Beruf eines Zimmermanns. Er wohnt in Wittenberge (Prignitz) in der Schützenstraße 25 (am Gaswerk).

Wilhelm bleibt unverheiratet.

Auch er muss als Soldat in den Weltkrieg ziehen.

Im Jahre 1917 wird er verwundet und heilt bei einem Lazarettaufenthalt in Metz seine Verletzung aus. Er stirbt als Soldat im Kampfeinsatz am 12. September 1918, zwei Tage nach seinem 48. Geburtstag – zwei Monate vor Kriegsende.

Quelle: wiki-de.genealogy.net/Verlustlisten_Erster Weltkrieg. Ausgabe 2099, † 1918-09-12, Seite 26.209, der wiki-Datenbank zugefügt: 2014-07-04.




Die Geschwister von Carl Friedrich August Janeke/Janecke , (d. Ä.),

das sind die 9 Kinder von

06 /32 Joachim Heinrich Janeke oo 06/33 Catherine Elisabeth Betke



Anmerkung: Mein Name (Carl Friedrich August) ist fett gedruckt, weil ich die geradlinige Ahnenfolge zu der Familie des Autoren dieses Dokuments, Chris Janecke, weiterführe.


Nr.

Familienname:

Janecke/Janeke/

Jahnke

Lebensdaten der Kinder


1


Johann Joachim Friedrich

Janeke



Geboren in Osterburg am 15. August 1836, 8½ Uhr morgens.

Anzeige: Joachim Heinrich Janeke, hiesiger Postillon.

Taufe am 22. September 1836. Paten u. a. Nicolaus Blume, Zimmermann aus Meseberg. Taufreg. 1836: S.194/192, Nr. 55.

Gestorben in Osterburg am 23. September 1836, 11½ Uhr mittags. Diagnose: Krämpfe, kein Arzt zugegen.

Beerdigt am 25. Sept. 1836. Quelle: K-Buch 1836, S. 56, Nr. 48.



2


Sophie Dorothea Elisabeth

Rufname: „Lisette“

Janeke


oo


nein, unverheiratet.



Von ihren vier Kindern

blieb Lisette nur der erste Sohn erhalten.



Geboren in Osterburg am 06. August 1837, 9 Uhr abends.

Taufe am 27. August 1837. Getauft von Oberprediger Dr. Chr. Wolterstorff. Quelle: KB 1837, 206/204, Nr. 38. Lisette bleibt

unverheiratet, hat aber eigene Kinder, in Osterburg geboren. Lisette ist mit 60 Jahren am 28. März 1898 gestorben und wurde bestattet am 31. März. Pastor Walter. Quelle: KB 1898, Nr. 36.


Die Kinder von Lisette:

1. Ferdinand Friedrich Carl, * 03. Okt. 1859, vormittags 11 Uhr, Anzeigende: Burg. Vater: - , unehelich, Taufe: 16. Okt. 1859,

Pf. Henning. Paten: Friedrich Janecke, Ferdinand Heider, Marie Heise. Quelle: KB 1859, Nr. 77.

(Anm.: Chris: Er ist bis Ende 1866 nicht in Osterburg gestorben, hat aber auch nicht 1871 bis 1892 in Osterburg geheiratet).


2. Ohne eingetragenen Namen, da noch nicht getauft. Geboren am 28. Mai 1866, gestorben: 23. Juni 1866 abends 9 Uhr. Krämpfe. Anzeige: Frau Janecke. Bestattet am 27. Juni 1866. Quelle: KB 1866, Seite 105, Nr. 51.


3. Charlotte Wilhelmine Sophie, * 17. Februar 1868, 3 Uhr nachmittags. Anzeige Baers. Taufe am 29. März 1868,

Pfarrer Wolf. Paten: Postbote Janecke, Zimmermann Bartels, Frau Elisabeth Haese. Quelle: KB 1868, Seite 182, Nr. 18.

Gestorben am 20. August 1868, nachts 2 Uhr.

Alter: 6 Monate / 3 Tage. Beerdigt am 22. August 1868.


4. Carl Ludwig August, Geboren: 13. März 1869, abends 8 Uhr. Anzeige: Burg. Getauft am 18. April 1869, Diakon Rathmann.

Paten: Arbeiter Janecke, Arbeiter Tiemann, Frau Krause.

Quelle: KB 1869, Seite 203, Nr. 22.

Gestorben 25. Mai 1869, 6 Uhr abends. Alter: 2 Monate/12 Tage. Krämpfe. Anzeige Frau Janecke. Bestattet am 28. Mai 1869. Quelle: KB 1869, Nr. 41.



3



Marie Dorothea Wilhelmine

Janeke




Geboren in Osterburg am 10. Dezember 1838, um 1 Uhr nachmittags. Taufe am 06. Januar 1839.

Quelle: KB 1838, S. 222/220, Nr. 65.

Gestorben in Osterburg am 12. Mai 1840, 8 Uhr morgens.

Alter: 1 J / 5 Monate / 2 Tage. Quelle: KB 1840, Nr. 33. Diagnose: Auszehrung (Chirurgus Pohle). Bestattet am 15. Mai 1840.



4


Marie Friederike Charlotte

Jahnke/Janeke



oo 28. Januar 1866



Friedrich August Zelm



Geboren in Osterburg am 12. September 1840, um 8 Uhr vormittags,

Taufe am 19. Oktober 1840, Pfarrer Curder.

Die Paten: Jungggesell' Tischler Blum aus Meseberg. Jungfrau Dorothea Betke aus Meseberg, Maurergeselle Johann Becker aus Höwisch, Jungfrau Dorothea Curts aus Düsedau und

Jungfrau Marie Arendt aus Flessau. Quelle KB 1840, Nr. 50.


Konfirmiert am Sonntag Palmarum, den 09. April 1854.


Sie heiratet als Jungfrau am 28. Januar 1866 in Osterburg den Arbeiter und späteren Fuhrherrn Friedrich August Zelm. Es traute sie Diakon Rathmann. Quelle: KB 1866 Seite 89, Nr. 5.

Das Paar zieht später nach Berlin und nimmt den Sohn August Janecke ihres Bruders an Kindes statt an und mit in ihren Haushalt nach Berlin.

Das Kind ist: (04/08) Karl Friedrich August Janecke, (der Jüngere) * Osterburg am 18. September 69.


Ehemann Friedrich August Zelm war geboren in Osterburg am 19. Juni 1840.


5


Ich, also


05/16

Karl Friedrich August der Ältere



oo 26. Januar 1868


05/17

Dorothee Elisabeth Neumann



Geboren in Osterburg am 14. September 1842, 5 Uhr morgens. Taufe: 16. Oktober 1842, Pastor Curder,

Paten: Dorothea Garlip aus Iden, Elisabeth Gewe aus Osterburg, David Gagelmann, Tagelöhner aus Osterburg, Johann Berge, Friedrich Blackstein. Quelle: KB 1842, Nr 61.


Heirat in Osterburg mit Dorothee Elisabeth Neumann aus Schmersau am 26. Januar 1868. Quelle: KB 1868, S.117, Nr.2


Unsere drei Kinder:

1. 04/8.1 Janecke, Luise Auguste Hermine, * in Osterburg am 16. März 1868, † In Wittenberge am 01. Juli 1919, mit 51 J.

oo Wilhelm Jochmann, * in Liebau (Schlesien) am 05. Aug. 1867, + Wittenberge, am 28. März 1912 mit 44 Jahren.


2. 04/8.2 Janecke, Carl Friedrich August (der Jüngere),

* in Osterburg am 18. September 1869, † Potsdam-Babelsberg, 02. Febr. 1950 (80 Jahre alt) oo Klara Dittwaldt in Berlin am 03. Nov. 1872, + 25. Februar 1933 (60 Jahre alt).


3. (04/8.3) Janeke, Carl Friedrich Wilhelm.

* in Osterburg am 10. September 1871,

Zimmermann in Wittenberge.

Gefallen als Soldat am 12. September 1918. 48 Jahre alt.



6


Johanne Catherine Elisabeth

Jahnke


Geboren in Osterburg am 24. Januar 1845, um 8 Uhr abends.

Taufe am 09. März 1845. Quelle: KB 1845, Nr. 8. Die Taufpaten: Frau Küpers, geborene Lüdke, Frau Mühlenbauer Bartels, Jungfer Friederike Krüger, Handarbeiter Christian Grell,

Kossath Friedrich Giffey aus Meseberg.

Gestorben in Osterburg am 23. September 1845, 3 Uhr morg. Zahnfieber, kein Arzt verfügbar. Beerdigt am 26. Sept.1845.

Quelle: Kirchenbuch Osterburg, Sterberegister 1845 Nr. 42.



7


Carl Friedrich Wilhelm

Jahnke


Geboren Osterburg am 09. August 1846, 12 Uhr mittags.

Taufe am 13. September 1846. Taufpaten: Wilhelmine Dresch, Osterburg; Zimmergeselle Johann Rauh, Osterburg; Jungfrau Elisabeth Betke aus Meseberg, Müllergeselle Blum aus Meseberg, Dienstknecht Friedrich Teege aus Bretsch.

(Anmerkung: Kein Ableben im Kindesalter bis 1858 gefunden).



8



Marie Friederike Wilhelmine

„Minchen“, „Mine“

Janeke


oo


nein, unverheiratet.





Nur zwei der sechs Kinder des Minchens überlebten wohl


Geboren in Osterburg am 09. Mai 1849, um 2 Uhr nachmittags,

Taufe am 17. Juni 1849, Pf. Dr. Christoph Wolterstorff. Paten: Frau Superintendent Wolterstorff, geb. Koch, Madame Bracht, Apotheker Herr Rathmann, Dunker. Quelle: KB1849, Nr. 45.

(Anmerkung C. J.: Erstaunlich, diese Änderung der sozialen Wahl der Paten, nur bei diesem Kind).


Mine bleibt unverheiratet, hat aber mehrere Kinder:

1. Charlotte Wilhelmine Luise, * Osterburg 22. Okt. 68, nachts 12 Uhr. Taufe: 01. November 1868. Paten u.a. Frau Charlotte Zelm, geb. Janecke, Berlin. Quelle: KB 1868, Seite 193, Nr. 99.


† 13. Februar 1871, mittags 12 Uhr an Bräune (Diphtherie).

Alter: 2 Jahre/3 Monate/22 Tage. Anzeige der Großmutter, Frau Janecke. Bestattet am 16. Febr. 1871. Quelle: KB 1871, Nr. 10

2. Erster Zwilling: Luise Sophie Wilhelmine,* Osterburg,

05. Januar 1872, früh 3 Uhr. Anzeige Frau Burg (vielleicht die Hebamme?) Taufe am 18. Februar 1872, Pfarrer Manger. Paten:

Frau Frank, Arbeiter Zelm, Frau Janecke. Quelle: KB 1872, Nr. 7.


† Osterburg 06. August 1872, um 3 Uhr früh an der Ruhr.

Anzeige: Großmutter/Witwe Janecke, Catharine Elisabeth, geb. Betke. Bestattet am 09. August 1872.

3. Zweiter Zwilling: Marie Auguste Lisette, * Osterburg am

05. Januar 1872, früh 3 Uhr. Anzeige: Frau Burg. Taufe am 18. Februar 1872, Pfarrer Manger. Paten: Frau Koehn, Lisette Janecke, Schuhmacher Berge.


† Osterburg, 07. August 1872, 3 Uhr früh, an der Ruhr, Anzeige: Großmutter Janecke, Bestattet am 10. August 1872.

4. Anna Charlotte Wilhelmine, * O'burg, 22. Jan. 1873, 6 Uhr früh Anzeige: Burg. Taufe am 02. März, Prediger Manger. Paten: Arbeiter Haase, Frau Zelm, Herr Zelm. Quelle: KB 1873, Nr. 13.

(Anmerkung: Bis 1882 nicht in Osterburg verstorben).

5. Carl Friedrich August, * Osterburg, am 29. Sept. 1876, ½ 12 Uhr nachts. Anzeige: Burg. Taufe: 24. Dezember 1876,

Diakon Rathmann. Paten: Janecke, Frank, Koehn. Quelle: KB 1876, Nr. 104 (Anmerkung: Bis 1882 nicht in Osterburg gestorb. aber auch keine Heirat bis 1900 in Osterburg gefunden).

6. Sohn ohne Namen,*/† Osterburg am 16. Nov. 1881, nachts um 1 Uhr. Quelle: Kirchenbuch 1881, Nr. 124.



9


Friedrich Wilhelm

Janecke


Geboren in Osterburg am 04. September 1852, 8 Uhr morgens.

Anzeige von Joachim Heinrich Janeke, hiesiger Handarbeiter (der Großvater). Taufe am 26. September 1852.

Gestorben in Osterburg am 10. Dezember 1852, 9½ Uhr abends an Lungenentzündung. Bestattet am 14. Dezember.

Quelle: KB 1852, Seite 85, Nr. 73.



Über diese Kinder und deren Kinder ist in Osterburg und Umgebung die Zeit hinweg gegangen. Spuren sind verweht –

150 Jahre später wohl kaum noch nachweisbar.

Erhalten und fortgepflanzt hat sich, bisher allein nachgewiesen,

der nach Berlin ausgewanderte

August Janecke (der Jüngere) oo Klara Dittwaldt.





Vorworte des Nachkommen Chris Janecke


Auf der Suche nach meinen Vorfahren im Kreis Osterburg in dem Zeitraum zwischen 1978 und 1985, verbrachte ich an mehreren Tagen eine Anzahl guter Stunden auch über den Kirchenbüchern im Pfarrhaus Osterburg, Wasserstraße 12.

Im ersten Jahr wurde ich recht freundlich von Superintendent Pfarrer Norbert Kruppke (Burgstraße 19) empfangen. Später betreute die Pfarrfamilie Hippe meine Anwesenheit und beim nächsten mal die Familie von Pfarrer Kasparik. Der schwere Panzerschrank im Erdgeschoss des Pfarrhauses bewahrte die Aufzeichnungen über die kirchlichen Handlungen ab 1630. Die alten Bücher unschätzbaren ideellen Wertes durfte ich im Pfarrhaus studieren. Ein Kuriosum darf hier angemerkt werden: Das Register des ersten Osterburger Kirchenbuchs der Taufen ist alphabetisch nach Vornamen sortiert – wenn ich mich recht erinnere. Eine „Würze“ für das Suchen und Finden.

Im Giebelraum unter dem Dach des Pfarrhauses durfte ich mich als Gast aufhalten – hatte den Ausblick auf den Parkplatz mit der großen Weide, hinunter auf die Brachfläche, auf der ab 1833 das Postgebäude „Inselstraße No. 240“ stand. Das ehrwürdige Fachwerkgebäude der Post (irgendwann mit Putz überschichtet) beherbergte in den Anfangsjahren der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) noch die Räume des Schuh-Hauses Emil Looff und den KONSUM, eine Lebensmittelverkaufsstelle, bis es etwa um 1962 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Daher nun die Möglichkeit der Aussicht und des Eintritts von Sonnenstrahlen in den Raum, in „meinen Kirchenbuch-Studienraum“.

Hier im Pfarrhaus erarbeitete ich also die Grundlagen für die Übersicht über die Lebenszeit dieser Vorfahren. Für die freundliche, warmherzige Aufnahme und das mir entgegen gebrachte Vertrauen, bin ich den Osterburger Pfarrern noch heute sehr dankbar.


Mir ist durchaus bewusst, dass es auf den folgenden Seiten bei einer nur sehr groben Darstellung bleibt, denn diese Vorfahren und ich, wir haben uns ja nicht kennenlernen, nie sprechen können. Sie haben wohl für die Nachkommen auch keine „Familiengeschichte“ hinterlassen.

So müssen die vielen täglichen Sorgen genau wie die kleinen Freuden unerkannt und unerwähnt bleiben – können lediglich "geschätzt gewichtet" werden. Die wichtigen im Folgenden erwähnten Fakten sind jedoch „erforscht“ und deshalb darf ich diese auch notieren.


Als Quellen dienten außer den Kirchenbüchern, ein langes, gutes Gespräch mit dem früheren Osterburger Postangestellten Heinz Wiedt, der mir gern sein liebevoll gestaltetes "Post-Archiv" öffnete. Das Osterburger Heimatmuseum half mit Informationen. Ein Stück der Osterburger Chronik stammt aus „Du und dein Land“, Beiträge zur Geschichte der Stadt Osterburg, „Die Kunstdenkmale des Kreises Osterburg“, verschiedene Amtsblätter der Königlichen Postverwaltung (Postmuseum Berlin), einige Zeitungen „Osterburger Kreisblatt“ von 1868/1869 und der Bildband mit einer Sammlung kommentierter Ansichtskarten sowie eigene Datensammlungen und Fotos., vervollständigten die Sammlung. Allen Unterstützern, Konsultierten und Beteiligten gilt mein Dank.


Nun aber Schluss mit den Vorworten. Ich übergebe meinem Urgroßvater August Janeke Feder und Wort (so, als hätte er es tatsächlich selbst geschrieben) und lehne ich mich behaglich zurück.

Nun kann es richtig losgehen.


Ihr lieben Nachgeborenen“, schreibt August Janeke:

Heute möchte ich die Gelegenheit beim Schopfe fassen und euch etwas aus unserer Lebenszeit berichten. Damit ihr mich gut versteht, werde ich mich des Hochdeutschen und der modernen Redewendungen bedienen.


Mein ordentlicher Vater,

Joachim Heinrich Janeke wurde im altmärkischen Ort Höwisch am 20. März des Jahres 1807 geboren und er lebte bis zum 27. Oktober 1869, wurde also 62 Jahre alt. In der Zeit dazwischen verdiente er das Brot für die Seinen als Handarbeiter, später im Preußischen Staatsdienst als Briefträger und Postillon.


Meine liebe Mutter,

Catherine Elisabeth stammte aus der Familie Betke, in Meseberg ansässig. Hier erblickte sie am 03. März Anno 1811 das Licht der Welt und lebte bis zum 10. April 1887, wurde 76 Jahre alt.


Den Bund der Ehe waren die Beiden in Osterburg am 29. Mai 1836 eingegangen. Vater war damals 29 Jahre alt und Mutter 25 Jahre reif. Sie blieben für diesen Teil des gemeinsamen Lebens in Osterburg wohnen.


Mutter hat insgesamt neun Kindern das Leben gegeben. Vier von diesen Kindern, zwei Mädchen und zwei Jungen, starben schon sehr früh, in zartestem Alter.

Ich bin das fünfte Kind meiner Eltern und habe zwei ältere Schwestern. Diese sind:

Um meine Schwestern ist es was Besonderes. Die älteste und auch die jüngste Schwester , Lisette und Minchen – beide haben nicht geheiratet und trotzdem sind ihre Wohnungen voller Kinder. Dagegen hat die mittlere Schwester Charlotte zwar geheiratet, ist also bemannt, nennt aber keine Kinder ihr eigen. So geht es manchmal zu in der Welt. Verstehe es, wer's kann und will.


1842

Geboren wurde ich, Carl Friedrich August Janeke/Janecke (die Leute wechselten die Schreibweisen unseres Namens öfter – selbst Jahnke kam dabei vor), in Osterburg am Mittwoch, den 14. September 1842, morgens um 5 Uhr.

Einen Monat später, am 16. Oktober 1842, hebt mich meine Mama in der evangelischen Sankt-Nicolai-Kirche zu Osterburg über das Taufbecken. Prediger Curder nimmt mich in die Osterburger Gemeinschaft auf und spritzt mir als äußeres Zeichen dafür, beim Nennen meiner Vornamen noch einige Tropfen des geweihten kalten Wassers ins Gesicht.

Schon dieses Taufbecken ist sehenswert – ein großer Bronzepokal, der 1442 aus einer großen Blechtafel getrieben, mit Zierornamenten geprägt, geformt und zusammengelötet wurde. Ich erwähne das so ausführlich, denn da man meinen ersten Geburtstag feiert (der im Leben dann als „Nullter“ gezählt wird) erreicht zur gleichen Zeit dieser Taufpokal das biblische Alter von 400(!) Jahren – und sieht so gut aus, wie neu.


Als Gevatterinnen und Gevattern, die mir alle nur Gutes wollen, haben sich bereit erklärt:

Die Jungfrau Dorothea Garlip aus Iden, Elisabeth Gewe aus Osterburg, Der Tagelöhner David Gagelmann, Johann Berge und Friedrich Blackstein.

Diese befreundeten Älteren wollen mich also ein Stück auf meinem Lebensweg hilfreich begleiten.


1846

Inzwischen bin ich fast vier Jahre alt und bekomme nun ein Brüderchen. Carl Friedrich Wilhelm wird am 09. August 1846 geboren.


Die Chaussee, also zu gut deutsch eine Überland-Kunststraße, wird zwischen Stendal und Wittenberge gebaut. Diese führt auch durch die Städte Osterburg und Seehausen. Dank dieser Pflaster-Straßen statt der bisherigen Sandwege mit ihren tiefen Räderfurchen, wird der Verkehr erleichtert und belebt. Besonders auch die Pferde danken es – sollte man meinen.


1849

In Höwisch stirbt mein Großvater, der Mühlenmann Andreas Christoph Heinrich Janeke

am 11. März mit fast 71 Jahren seiner Lebzeit.

Meine kleine Schwester Marie Friederike Wilhelmine, das Minchen, wird am 09. Mai 1849 geboren. Sie bleibt später unverheiratet, wird aber einige Kinder gebären. Ich erwähnte es bereits.


Zwischen den großen Städten Magdeburg und Hamburg wurde eine Eisenbahnlinie gebaut. Nun ist sie fertig. Die Königlich-Preußische Kreisstadt Osterburg liegt zwischen den genannten Städten an der Strecke. So hat unsere Stadt jetzt auch einen Bahnhof. Er ist ein schöner zweieinhalbgeschossiger rotbrauner Klinkerbau, im Mansardgeschoss mit gelblichen Putzfächen angenehm aufhellend ausgestattet. Jenseits der Bahngeleise wurde am Seggewiesenwall eine Lindenallee angelegt, die später, wenn die Bäume groß sind, gewiss einen lauschigen Eindruck vermittelt. Dahinter erstreckt sich heute noch Brachland, das wohl später zu kleinen Gärten umgewandelt werden soll.


Und ich habe täglich zweimal den gleichen Weg. Ich besuche jetzt nämlich die Schule, damit ich mehr von der Welt verstehe und später nicht als Unterschrift drei Kreuze machen muss, wie man es noch ab und zu bei älteren Leuten findet. Also aber nicht bei meinen Älteren.


1850

Seit diesem Jahr gibt es in Preußischen Landen für Briefe, die ersten Post-Franco-Marken (Briefmarken) zu kaufen. Warum ich das hier extra erwähne, erfahrt ihr 16 Jahre später. Ihr dürft aber auch jetzt schon im Text vorauseilen und vorsichtig nachsehen.

Die Marken sind natürlich äußerst zweckmäßig. So wird das Porto nicht mehr umständlich beim Empfänger kassiert, der manchmal gar nicht zu Hause ist oder der den Brief überhaupt nicht bekommen möchte, sondern der Absender erwirbt einfach das Beförderungsentgelt mit dem Markenkauf im Postbureau im Voraus und schmückt damit vorschriftsgemäß seine Briefschaft.

Das ist in vielen Fällen auch als gerechter anzusehen.


In unserem schönen Land soll es für ewig friedlich bleiben. Aus diesem Grunde wird die Stadtbegrenzung, werden die früheren schützenden Wallanlagen etwas eingeebnet, mit Wohnhäusern bebaut und als Zugang sowie zur Erinnerung eine "Wallpromenade" angelegt.


1855

Die Kunststraße von Stendal nach Wittenberge hat sich in den zurückliegenden Jahren bestens bewährt. Sie erfreut sich regen Zuspruchs und fleißiger Nutzung. Ermutigt durch diese Erfahrung, wird jetzt mit dem Bau einer schönen festen Straße zwischen Osterburg und Bismarck begonnen.


1857

Schwupps, was war das? Die kurzweiligen Jahre der langen Schulzeit sind schon wieder vorbei. Religion, Lesen, auch Schreiben, selbst Schön-schreiben – kein Problem. Auch in die Kunst des Rechnens wurden wir Schüler eingeweiht. Weil wir ein ordentliches Elternhaus haben und ich weiß, was sich gehört, habe ich in dieser Zeit auch mit dem Rohrstock der Lehrer nur wenig Bekanntschaft machen müssen. Ein wenig nur.

Nachdem ich gehörig das Pensum der Schule gelernt habe, trete ich nun in die Ausbildung zum Berufe des löblichen Dachdeckerhandwerks ein. Es fällt mir bald nicht zu schwer mit Dachleiter, Spitzhammer und Zange umzugehen. Seit dem großen Osterburger Brand vor rund hundert Jahren, werden ja in der Stadt keine Dächer mehr mit Rohr gedeckt, sondern nur noch mit unbrennbaren Ziegeln. Ein bisschen kompliziert wird es manchmal an Ort- und Rinnen-abschlüssen, besonders bei Kehlausbildungen und an Schornsteinen. Da legen wir großen Wert auf die gute Vorarbeit der Zimmerleute und der Klempner., die für uns "sanfte Übergänge und gute Anschlussmöglichkeiten" fertigen.


1859

Osterburg wird eine Stadt der Bildung. Das Königliche Lehrerseminar wird in diesem Jahr hier etablirt. Aber auch für die Bildung der Städtischen Intelligenz und weiterer Bürger wird etwas unternommen: Es erscheint in der Buchhandlung Doeger das „Osterburger Kreisblatt“ (es ist aber rechteckig). Mal sehen, ob es Bestand hat – dann kann ich euch ja mal eine „Kostprobe“ vom Inhalt übermitteln, die ihr vielleicht nachlesen möchtet.

Meine große Schwester Lisette ist nicht in den heiligen Stand der Ehe getreten, bekommt aber am 3. Oktober '59 trotzdem einen Sohn, der die Namen Ferdinand Friedrich Carl erhält. Unsere Eltern haben trotz langer Unterredungen dafür kein volles Verständnis, konnten es aber nicht ungeschehen machen und Lisettchen wollte es auch so!

(Anmerkung von Chris Janecke: Ich nehme an, dass Lisette, die ja noch mehrere Kinder bekommt, keine flüchtigen Bekanntschaften als Kindeserzeuger hatte, sondern eher in einer festen Lebensgemeinschaft, also relativ zahm und hoffentlich glücklich in einer „wilden Ehe“ lebte).


1860

In drei Jahren ist meine Dachdecker-Lehrzeit absolviert und ich bin von der Lehre freigesprochen, bin nun ein Geselle.


1861

100 Jahre sind seit dem Großen Stadtbrand Osterburgs, der gewaltigen Feuersbrunst, die unsere Stadt zu großen Teilen eingeäscherte, derweil ins Land gegangen. Die Erinnerung daran wird wach gehalten, den Jüngeren mahnend übermittelt. Und unser edles Dachdecker-Gewerk trägt dazu wesentlich bei, dass sich so etwas nie wiederholt.


1862

Zwar will ich mich selbst hier im Bericht ein wenig zurückhalten aber erwähnen darf ich ja zwischendurch mal, dass ich jetzt 20 Jahre alt geworden bin.


1863

In der Burgstraße wird eine Mädchenschule errichtet und auch ein „Knabeninstitut“ der Wolterstorffschen Lehranstalten. Danach wurde die anliegende Straße als Schulstraße benannt.


1864

Die Ecke Schulstraße/Stendaler Straße sieht jetzt ganz verändert aus. Das alte Hospital Sankt Georg unterzog man einer völligen Erneuerung und es sieht jetzt so richtig schön aus.

Die Taubstummenanstalt der Provinz Sachsen bekommt in Osterburg ihre Heimstatt.


1866

Am 28. Januar '66 wird bei uns ein großer familiärer Feiertag begangen. Meine mittlere Schwester Marie Friederike Charlotte wird von dem Osterburger Arbeitsmann Friedrich August Zelm von unserem Zuhause weggeehelicht. Zwar ziehen die beiden in die Königliche Residenz Berlin – aber ich verrate euch schon mal: Wir werden sie trotzdem nicht aus den Augen verlieren, sondern später noch mehrfach Anlass haben, hier Nachrichten über sie zu lesen.


Unsere „große Lisette“ (das ist ja ein Widerspruch in sich, nicht wahr?), wird am 28. Mai '66 von einem zweiten Kinde entbunden, einem Mädchen, das aber schon unter der Geburt stirbt. Das dumme Tuscheln in der Nachbarschaft über „ein Gottesgericht“, weil sie ja nicht verheiratet ist, lässt sich kaum überhören aber das dringt wohl nicht in ihr Innerstes. Sie ist in dieser Zeit völlig von tiefer Trauer befangen.


Bei mir keimt eine große Verliebtheit empor. Dieser Schatz den ich jüngst kennenlernte heißt Dorothee Elisabeth Neumann, wohnt in Schmersau und ist 26 Jahre jung. Zwar bin ich erst 23, das macht aber nichts. Im Gegenteil – sie ist eben nicht mehr so zickig wie vielleicht manch' anderer Backfisch, sondern strahlt eine wohlig-reife Herzenswärme aus.


1868, Jahresbeginn

Nach einigen Jahren der fleißigen Berufsausübung als dachdeckender Handarbeiter, bietet es sich für mich an, in den Königlich-Preußischen Staatsdienst einzutreten, in die Beamtenlaufbahn einzusteigen. Das hat doch auch seinen Wert. Ich werde Postbote, Landbriefträger. Ich tausche die Arbeitsjacke gegen die dunkelblaue Postuniform mit den roten Biesen und blanken Messingknöpfen. So geht es bei mir nun nicht mehr mit schweren Lasten in die Höhe, dafür aber in der Ebene, auf den Postkursen, in großem Umkreis auf Schusters Rappen durch das Land.

Nicht völlig schuldlos“ an diesem Wechsel ist ja mein Vater, der früher auch Handarbeiter war aber später, noch bis zum heutigen Tage, Post befördert. Der freut sich besonders, dass er es miterleben kann, wie ich in seine Fußstapfen trete, denn es geht ihm schon nicht mehr so gut.

Der Ort meiner Arbeitsstelle, das Königliche Postamt, liegt hinter Sankt Nicolai. Das Gebäude steht auf dem Grundstück der Inselstraße No. 240 (später, nach der Umnummerierung, wird das die Wasserstraße 11 sein). Links davon steht das Pfarrhaus aber rechts von der Post befindet sich an der Ecke Kirchstraße das Gebäude des Kaufmanns Niepagen (später Wasserstraße 10).

Auf diesem Grundstück No. 240 ist das Osterburger Postamt in der Zeit von 1855 bis 1889 untergebracht; vorher im gleichen Haus aber nicht als Amt, sondern nur als eine kleine Postagentur, mit einem 20 qm großen „Expeditionsraum“ im vorderen Zimmer links. Später wird aber erweitert. Hinter der Expedition entsteht eine Packkammer und vorn rechts an der Inselstraße wird ein Geschäftszimmer, ein Kontor, eingerichtet.


Noch bis vor zwei Jahrzehnten war es so, dass die Briefe an Empfänger, die in Landgemeinden wohnten, bei renommierten Osterburger Geschäftsleuten abgelegt wurden – zur gelegentlichen Mitnahme zu den Adressaten oder der gezielten Abholung von den Empfängern. Die Besitzer landwirtschaftlicher Rittergüter dagegen, ließen die an sie gerichteten Postsachen durch eigene Boten abholen.

Amtliche Nachrichten, Gesetzblätter und das Intelligenzblatt aus Stendal beförderten die Boten des Landratsamtes, welche regelmäßig einmal wöchentlich die Dörfer des Kreises bereisten. –

Derzeitig sind im Postamt unter anderem sechs Landbriefträger beschäftigt. Drei davon kenne ich schon ein bisschen besser. Das sind der Sannemann, der Kleinau und ich. Wir sehen uns nicht lange, nur zur Zeit des Dienstantritts, dann geht jeder seine eigenen (vorgeschriebenen) langen Wege. Jeder dieser Landbriefträger hat eine wöchentliche Arbeitszeit, gleichbedeutend mit einer Laufzeit, von 54 Stunden. Das wären also Montag bis Samstag täglich 9 Stunden. Die wöchentliche Laufleistung kann mit 6 Meilen angenommen werden – (1 preußische Meile = 7,4 km. 6 Tage/Woche x 7,4 km/Tag entspricht nach späterer Bezeichnung reichlich 44 km) – nur wenig mehr als damals zwischen Marathon und Athen – zwar ohne Kriegerrüstung aber natürlich mit der schweren Packtasche. Wir Landbriefträger versorgen die Einwohner von 37 Orten des Kreises Osterburg, nebst 18 kleinen Wohnplätzen (Vorwerken, Ausbauen). Das sind 1.610 Häuser, in denen 7.688 Personen leben. Die Entlohnung für uns liegt je nach Dienstalter zwischen 6 und 10 Thalern in der Woche. Ich erhalte also für jeden der Tage einen Thaler an Besoldung oder Alimentation. Bald, nach der Währungsreform, werden es dann drei Mark sein, was nicht mehr ist.


Bei der Post, wie wo überall im Beamtenstande, gibt es zahlreiche Posten und ebenso viele Dienstbezeichnungen. Zu denen gehören :


Ich persönlich muss mich nun in dieser Liste recht weit unten einordnen. Vielleicht auch von dort hochdienen, wenn das Glück gut ist.


Verfehlungen von Bediensteten (mit Namen und Ort) werden stets in dem etwa wöchentlich erscheinenden Amtsblatt der Norddeutschen Postverwaltung unter „Personalien“ veröffentlicht.

Zum Beispiel:


Neueinstellungen von Postillonen gibt es ebenso viele wie die häufigen Entlassungen.

Zu Entlassungen bei Postillonen, die ebenfalls im Amtsblatt anprangernd bekanntgegeben werden, kann es unterschiedliche Gründe geben. Dazu gehören beispielsweise:


Die Posthäuser melden auch aufgefundene herrenlose Gegenstände, so beispielsweise die in Postkutschen liegengebliebenen Poststücke, wie ebenso defekte Sendungen oder Passagier-Hinterlassenschaften, die dann im Amtsblatt veröffentlicht werden. Als Beispiele dienen einige Bekanntgaben aus Amtsblättern die unter der Rubrik “Lagernde Poststücke und Passagier-Effekten“genannt werden:


Weiter im Jahre 1868 – wir schreiben immer noch Januar.

Ein völlig neuer Lebensabschnitt für uns:

Dorothee Elisabeth Neumann und Carl Friedrich August Janeke.

Nach den üblichen kirchlichen Aufgeboten in Schmersau und in Osterburg hatte niemand einen Einwand gegen eine eheliche Verbindung zwischen uns eingelegt. Bei dem Vorgespräch zur Bestellung des Aufgebots konnte Diakon Rathmann auf die übliche hochnotpeinliche Frage verzichten, ob wir denn wirklich noch Junggeselle und Jungfrau seien, noch keine praktischen Erfahrungen mit einer Vorliebe hätten. Verzichten darf er deshalb darauf, denn – man sieht es uns, also besonders dem Dorchen, schon deutlich an – ob ja, ob nein.

Am Sonntag, den 26. Januar 1868 traut uns, meine Verlobte Dorothee Elisabeth und mich, in Osterburg dann also Herr Diakon Rathmann. Geschafft. Nun kann nichts mehr dazwischen kommen. Es ist alles klar und übersichtlich. Und Dorchen heiratet nun also keinen jungen Dachdeckergesellen, sondern einen Königlichen Beamten.

Der Vater „meiner Frau“ (wie neu sich das anhört) lebt nicht mehr. Er war der Grundsitzer Joachim Christian Neumann. Meine Schwiegermutter heißt Dorothee Elisabeth (also genauso wie meine Frau), ist eine geborene Guhl und wohnt in Schmersau.


Die Osterburger Kirche Sankt Nicolai. Sie wurde im 12. Jahrhundert als romanische Basilika errichtet. Ein wesentlicher Umbau im 15. Jahrhundert gestaltete sie neu – zur dreischiffigen gotischen Hallenkirche. Nach dem großen Stadtbrand von 1761, setzte man ihr statt des abgebrannten Gotik-Turms 1762 dann eine barocke Haube auf.


Ein eigenes „Nest“ haben wir auch schon. Es ist nicht groß aber für vorerst Menschen reicht es gut. Wir haben uns das Häuschen in der Melkerstraße eingerichtet. Es steht dort, wo gegenüber die Ackerstraße einmündet. Erst viel später, zum Ende dieses Jahrhunderts, wird es die Hausnummer 10 erhalten. (Und wird 1987 abgerissen). Es fügt sich gut zu ähnlich gearteten Bauten der Straßenzeile ein. Die Fensterbrüstungen sind so niedrig angelegt, dass man mit einem kühnen Schritt ins Wohnzimmer steigen könnte. Solches Tun ist jedoch nicht erwünscht. Der richtige Eingang liegt an der Hofseite. Von der Straße aus kommend, geht man also zuvörderst an der Giebelseite des Hauses über den Hof. Unser bescheidenes Häuschen besitzt die Grundfläche von 7,00 x 6,00 m. Außen. Hinter der Eingangstür befindet sich die Küche. Die Küche geradewegs durchschreitend, kommt man in die Stube mit Fenster zur Straße. In diesem Wohnraum finden Tisch, Schrank und Stühle und auch noch der kleine Ofen Platz. Von dieser Stube zweigt eine Tür zur Mädchenkammer ab. Ein Bett und einen Stuhl nimmt der Raum gerade auf.

Rechts der Küche geht eine Tür in die elterliche Schlafkammer ab (denn bald sind wir es ja). Hier hinein passen anderthalb normale Betten, also ein etwas breiteres (dabei wird uns schon nicht kalt werden – eine Heizmöglichkeit gibt es mitnichten) und ein Nachttisch als Kleinkommode.

Links in der Küche führt die Treppe zum Dachboden, zur Mansardetage hinauf. Hier oben finden Platz, sollte der Bedarf eintreten, zwei Kinderbetten, ein kleiner Schrank, ein Tisch und zwei Stühle.

Einfach aber grundsolide sieht es aus, etwa wie damals in Sparta, könnte man sagen.

Hinter dem Haus haben wir noch einen Hof, der nach hinten durch ein Stallgebäude und das Closet begrenzt wird. Groß ist der Hof nicht aber ein Baum und die Schwengelplumpe haben ausreichend Platz, so wie auch Tisch und Ruhebank für eine sommerabendliche Muße- oder Handarbeitsstunden.


Am 07. Februar gibt meine große Schwester Lisette ihrer Tochter Charlotte Wilhelmine Sophie das eigene, freie Leben. Paten sind 1. Der Postbote Janeke (also ich), 2. Zimmermann Bartels und Elisabeth Haese.


Bei uns ist es am 16. März, vormittags gegen 11 Uhr, das allererste Mal soweit, dass meine Frau ein Kind zur Welt bringt. Ein ganz eigenes, selbst hergestelltes und nicht zu spät, nicht? Für den 13. April laden wir für unsere Luise Auguste Hermine zum Tauffest. Als Gevattern, die unser teures Kind ein Stück wohlwollend auf seinem Lebensweg begleiten werden, warben wir: Meinen Kollegen, den Postboten Sannemann, Frau Goetze, Frau Meder und Frau Meier, alle hier in Osterburg ansässig.


Mit uns wetteifert ebenso unsere kleine Schwester Minchen. Sie bekommt am 22. Oktober '68 ebenfalls eine Charlotte Wilhelmine (wie bei Lisette) aber zur Vermeidung von Verwechselungen hinten als dritten Namen: Luise.

Auch Minchen ist (genauso wie Lisette) nicht verheiratet. Es ist ihr erstes Kind.

(Anmerkung von Chris: Ich nehme an, dass auch Minchen, die ja noch mehrere Kinder bekommt, keine Zufallsbekanntschaften als Kindeserzeuger hatte, sondern eher in einer festen Lebensgemeinschaft, einer „wilden Ehe“ lebt). Der Kindes-Vater aber wurde in den pfarramtlichen Eintragungen nie erwähnt, so dass auch dieser für uns im Dunkel der Familiengeschichte verborgenen bleibt.

Drei Kinder, drei Töchter in einer Familie, binnen eines Jahres – das soll uns erst mal jemand nachmachen.


Juli 1868

Das Amtsblatt Nr. 41 der Post, vom Juli 1868 meldet unter „Nachrichten – Personalien“:

„Seine Majestät der König von Preußen (das ist derzeitig Wilhelm I. v. Hohenzollern) haben allergnädigst geruht, den nachbenannten Beamten die Annahme der von seiner Majestät dem Könige von Dänemark denselben verliehenen Orden, zu gestatten:

Dem Geheimen-Ober-Post-Rath Stephan in Berlin, das Commandeur-Kreuz 1. Klasse des Danebrog-Ordens, … usw.“

Nun, für mich wird wohl die Notwendigkeit für solch einen Aufwand nicht eintreten.


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Kennt ihr derzeitige Probleme, die bei uns auftauchen oder sucht ihr gute Angebote?

Hier einige Anzeigen, die im Osterburger Kreisblatt 1868 erscheinen. Vielleicht helfen diese auch euch weiter:


Gesundheitsmittel - Drogeriewaaren

Echt Englischer Patent-Wasch-Crystall á Packet 1 Sgr., 6 Pf.; 12 Packete für 15 Sgr.

Verkaufe den ächten weißen Brust-Syrup vom alleinigen Erfinder und Fabrikanten desselben, Herrn G. A. W. Mayer, Breslau, seiner vorzüglichen Eigenschaften wegen prämiirt auf der Pariser Weltausstellung 1867. Ist nur allein ächt vorräthig in Osterburg, in der Expedition dieses Blattes.


Thiere

Eine sehr Milch ergiebige Kuh mit Kalb (echt holländischer Race) steht zum Verkauf bei Gutsbesitzer Uderstadt in Heiligenfelde.


Haus und Hof

Mein Wohnhaus nebst Stallung und Garten, bin ich gewillt aus freier Hand zu verkaufen.

Schneidermeister Hindenburg, Flessau.


Gebrauchsartikel/Materialien

Asphalt-Dachpappe die Quadrat-Ruthe 2½ Thaler,

empfiehlt die Fabrik von Leycum und Co., Brandenburg an der Havel.


Sonstige Bekanntmachungen

Sonntag, den 14. des Monats von Nachmittags 3 Uhr an, Tanzvergnügen bei C. G. Fuchs auf dem Fuchsbau.


Einige Fuder Dung hat abzulassen: A. Heinicke, Gasthof zur Eisenbahn in Osterburg


Warnung!

Ich warne hiermit einen Jeden, über meine am Wege von Losse nach Priemern rechts und links belegenen Weideplan zu fahren, zu reiten oder zu gehen. Ackermann Besenbiehl.


Torf-Verkauf

Auf meinem Ackerplane an der Stendaler Chaussee bei Schiltdorf, steht sehr guter Torf zum Verkauf. Osterburg, den 15. Juni 1868, A. Neumann, Zimmermeister



Und auch aus dem Jahre 1869 einige Anzeigen, die im Osterburger Kreisblatt erschienen:

(Anmerkung: 1 Centner = Ctr. sind ab 1872: 50 kg, Abkürzungen: Thaler = Thlr. und Silbergroschen = Sgr.).


Stellenangebote

Einem unverheirateten Bäckermeister in gesetzten Jahren wird als Werkführer in einer Brodbäckerei eine Stelle nachgewiesen. Hierauf Reflectierende können sich schriftlich melden bei

Gottlieb Thiel, Müllermeister.


Lehrlingsgesuch

Einen kräftigen Burschen von rechtlichen Eltern wünscht in die Lehre zu nehmen,

Wassermühle Osterburg, Semler


Lebensmittel

Die Wassermühle Osterburg bietet:

Weizenmehl ¼ Ctr.: 1 Thlr, 5 Sgr.

Roggenmehl ¼Ctr.: - - , 28 Sgr.

Im Ganzen billiger.


Den allseitig gerühmten Liebigschen Fleischextract hält stets am Lager: C. C. Bode, Breite Straße.

(Anmerkung von Chris Janecke: Das Haus von Fa. Bode: Lebensmittel, Ausspannung, Weinstuben pp. ist seit 1954 das Heimatmuseum in der Friedensstraße).


Gesundheitsmittel - Drogeriewaaren

Benzoe-Seife – Das anerkannt beste und wirksamste Schönheitspflegemittel empfiehlt

á 5 Stück: 5 Sgr. W. Münsberg


Beachtenswerth!

Unterzeichneter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Bettnässen sowie gegen Schwächezustände der Harnblase und der Geschlechtsorgane.

Brief franco. Spezial-Arzt Dr. Kirchhoffer in Kappel bei Sankt Gallen (Schweiz).


Thiere

Am 25. Juni ist mir bei Uchtenhagen ein grauer Hirtenhund zugelaufen. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Inserations- und Futterkosten bei mir in Empfang nehmen.

Handelsmann Dietrich, Flessau


Litteratur

Die G. Doegersche Buchhandlung bietet die wunderbare Geschichte von dem Mädchen, welches gerne „Küssen lernen“ wollte. Preis: 2½ Sgr.


Haus und Hof

Einige Tausend alte Dachziegel zu verkaufen. Wo? Erfährt man in der Expedition dieses Blattes.


Erste und einzige radicale und wohlfeile Hilfe für Geschlechtskranke!

Dr. Wunders Belehrungen zur Heilung von Ausschweifungen, Onanie und von Ansteckungen verursachten Störungen des Nerven- und Zeugungssystems, in F. Arndts Verlagsanstalt in Leipzig erschienen. – Ein hilfreiches, ehrliches und wohlfeiles Heilverfahren, dem bereits Unzählige, durch geschlechtliche Verirrungen Geschwächte, ihre vollständige Genesung verdanken.

Zu haben bei der G. Doegerschen Hof-Buchhandlung Osterburg.


Gebrauchsartikel/Materialien

Fernröhre zum Preis von 2 ⅔ bis 8 Thlr. Wo? Doegersche Hof-Buchhandlung in Osterburg.


Sonstiges

Am Donnerstage, den 18. des Monats, reise ich ins Bad und hoffe in spätestens vier Wochen wieder zurück zu sein. Johann Kiekebusch


Gestohlen

Zwei Thaler Belohnung sichere ich Demjenigen, der den Thäter, welcher mir in der Nacht vom

6. zum 7. September Aepfel aus dem Garten stahl, so nachweist, daß ich denselben gerichtlich belangen kann. Schmidt

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Und so geht das dann immer weiter. Höchlich interessant zur Kenntnis zu nehmen, nicht wahr?


Ein Jahr ist es nun her, dass die Fürstliche Post derer von Thurn und Taxis von der Preußischen Post übernommen wurde. Dieses Gesetz erschien im Amtsblatt der Post vom 16. Februar 1867, Seite 99. Diese Fürstenpost war die erste für einen großen Landesraum regelmäßig wirkende Einrichtung.


Am 27. Oktober stirbt mein Vater Joachim Heinrich Janeke im Alter von 62 Jahren an unheilbarem Magenkrebs. Ein herber Verlust, eingedenk des Umstandes, dass doch andre Leute viel älter werden. Gut, er hat zumindest noch die jüngsten Enkelkinder dieses Jahres sehen können. Aber Mutter ist nicht allein. Wir stützen sie.

Trotz dieser unersetzbaren Lücke: Wir erlebten ein reiches Jahr, voller wichtiger Ereignisse.


1869

Das dritte lebende Kind meiner Schwester Lisette ist Carl Ludwig August, der am 13. März '69 geboren wird.


Meine Elisabeth und ich (wundert euch bitte nicht, wenn ich mal Dorchen, mal Elisabeth, mal Dorthee sage – das ist bei uns so üblich), wir erwarten unser zweites Kind. Vielleicht, wer weiß es schon, ähnelt es diesmal eher mir ein bisschen, denn es wird wie ich, im September geboren werden.

So und nun ist inzwischen alles geklärt. Es ist tatsächlich ein Junge, der am 18. September am Nachmittage um 3 Uhr seinen ersten kräftigen Schrei tat, also vier Tage nach mir Geburtstag hat. Ja, bitte immer schön hinten anstellen. Mein ganzer zweiter Stolz, ein Sonntagskind – also erhält er, sozusagen als mein Denkmal für die Zukunft, genau meine Namen: Carl Friedrich August (setzen wir also noch: „der Jüngere“ hinzu, sonst kommen wir beide angerannt wenn die Mutter ruft). Am Sonntag, den 24. Oktober ist Tauffeier. Die Kindspaten sind: Frau Fleischer Trauter, August Hübner, Sophie Bandau, Maurer J. Meier und Frau Bahnwärter Reinecke. (Also: Sie ist Hausfrau und Mutter. Sie trägt stolz an diesem Titel mit aber ihr Mann ist es, der die Schranken herunterklicken lässt und diese später wieder hochkurbelt. Auch ein Beamter wie ich, nur muss er weniger laufen oder genauer: er darf es nicht einmal. Er bekommt quasi für's Stillsitzen bezahlt – und kann trotzdem nicht ruhen. Hat mächtig viel Zeit zum Sinnieren).

Natürlich ist der Täufer unseres zwoten Kindes wieder Diakon Rathmann. Seine Amtshandlung vermerkt er gewissenhaft im Kirchenbuch 1869 auf Seite 217, unter der Nr. 99.


Meine Ehefrau Dorchen, im Kirchenbuch eingetragen als „Frau Postbote Janecke“ – ohne Beruf, ist heute Patin bei der Kindstaufe Sannemann, Reg.-Nr. 16/1869. Der Kindsvater ist mein Kollege, Postbote August Sannemann. Seine Ehefrau und Kindesmutter ist Luise, eine geborene Maaß – ursprünglich eine inzwischen schon etwas entferntere Verwandte von uns – nebenan aus Zedau.


1870

Den jungen, vielfach ausgezeichneten Postangestellten Heinrich Stephan, quälte 1865 eine gute Eingebung. Schon damals hatte er eine sehr gehobene Stellung inne. Seine Idee war, einen Kurzbrief, ein Postblatt, eine offene Karte als Nachrichtenträger einführen zu lassen.

Gegen die preußische Bürokratie, die darin eine Verletzung des Postgeheimnisses und somit eine Unanständigkeit sah, konnte er seinen Vorschlag nicht durchsetzen. Andere Länder machten sich jedoch seine Erfindung schnell erfolgreich zu eigen. Jetzt, in diesem Jahr 1870, wurde Heinrich Stephan aber der Oberste Königliche Postbeamte mit der Bezeichnung „Generalpostmeister“. In dieser Dienststellung ist es ihm möglich, seine Postkarte, diesen „unanständigen Vorschlag“ durchzusetzen, in Preußen einzuführen. Vom 1. Juli 1870 an gibt es nun, zusätzlich zu Briefen, die „Correspondenskarte“. Die Zukunft weiß, dass sie später mit vorgedruckten Sprüchen und Zeichnungen versehen wird, noch später sogar mit photographischen Darstellungen.

Schon im Krieg Deutschland gegen Frankreich 1870/71 erlangen die Karten eine große „Beliebtheit“. Sie beschränken sich auf kürzere Mitteilungen. Außerdem gehen sie, da offen, leichter durch die Zensur, weil sie beim Militär schnell prüfend gesichtet werden können. Somit werden die Karten auch schneller zum Empfänger befördert, als Briefe der Feldpost.


Genau ein Jahrzehnt ist es nun her, dass die ersten schweren Briefkästen aus Gusseisen bei unserer Post eingesetzt wurden. Vorher hatten wir noch die Holzkästen.


1871

Auch dieses Jahr ist wieder ein Jahr voller Ereignisse:

Meine Elisabeth ist wieder schwanger. Alle Wetter! Auch dieses Kind soll etwa im September zur Welt kommen. Schon wieder im September. Die Verteilung mit Gleichmaß über das Jahr geht noch nicht gut. Aber was' Wunder? Viel zu schaffen haben wir, täglich ist man abends nach dem Tageslauf „verbraucht“ und fast nur noch die liebe Advents- und Weihnachtszeit schenkt uns eben manch entspannende besinnliche Stunde. Wir haben es uns auseinandersetzen lassen: Eine menschliche Schwangerschaft währt im allgemeinen die Zeit von etwa 40 Wochen. 40 Wochen

á 7 Tage pro Woche – das sind rund 280 Tage. Um nun auf die entscheidende Zeit des innigen Zusammenseins zu kommen, rechnen wir von dem angenommenen Geburtstermin 280 Tage ab. Oder andersherum: Wir gehen gedanklich ein volles Jahr zurück und nehmen 3 Monate und 7 Tage wieder hinzu. Das, obwohl eben anders gerechnet, geht auf das gleiche Ergebnis hinaus.

Wird es vielleicht in bunter Reihe diesmal eine Caroline Friederike Auguste? ––––––

Am 10. September ist es dann soweit und Elisabeth wird um 2 Uhr in der Frühe von einem gesunden Jungen entbunden. Am 10.! Dieser Geburtstag liegt nun diesmal vier Tage vor dem meinigen. Alles wieder sehr, sehr ähnlich.

Jetzt können wir den obigen Rechenansatz auch praktisch anwenden. Also: Geburt am 10. Sept. 1871 - 1Jahr = 10. September 1870 + 3 Monate und 7 Tage = 17. Dezember 1870. Aha. Sagte ich doch. Adventszeit, schöne Zeit. Das sind klare Fronten. Übersichtliche Ordnung, bei der man erkennt, wie der Hase läuft. Das mag ich. Auch um jene Zeit hatten wir uns also erlaubt, etwas miteinander zu kuscheln. Und das kann sich jeder, der es ebenso wie nun wir versteht, selber ausrechnen ohne uns auch nur zu fragen. Aber Hoppla, Halt! Das deucht mich ja mindestens genauso schlimm, wie ein unredlich gelüftetes Briefgeheimnis.

Also wird unser allerjüngstes Kind praktischer Weise so heißen wie ich und sein großer Bruder Karl Friedrich. Nur hängen wir hinten noch einen Wilhelm dran. Nun haben wir ja gerade einen solchen als unseren eben frisch gekrönten Kaiser. Das scheint als gutes Omen.

So ist es gut. Drei Kinder verkraftet unsere Königliche-Postboten-Alimentation gerade so.

Windelkind Wilhelms Taufe ist für den 08. Oktober angesetzt. Fünf Gevattern und Gevatterinnen wollen ihm zur Seite stehen. Es sind: Der Arbeiter Haese, unser Schuhmacher Wolter, der Arbeiter Zelm, Jungfrau Emilie Arnold und Dorothea Wichmann. Eine vortreffliche Auswahl. Prediger Manger tauft das Kind.


1872

Meine kleine Schwester Minchen hat am 05. Januar Zwillinge geboren. Zwei Mädchen:

Luise Sophie Wilhelmine und Marie Auguste Lisette. Ich hoffe, es wird euch nicht zu viel mit meinen Aufzählungen. Aber für die Mutter gehört es nun mal zum Wichtigsten im Leben.


Der Generalpostmeister Heinrich Stephan hat im fernen Berlin ein Postmuseum gegründet, in dem ältere und neue Gegenstände der Post ausgestellt werden, die erst später mal Altertümer sein werden. Auch wir sammeln schon dafür, denn es ist ein großes Haus, das eines Tages voll werden soll. Es ist das erste Postmuseum auf diesem Erdenrund und wird wohl dann auch gleichfalls als das Allerälteste gelten dürfen.


Im Gegensatz zu unserer Anzahl von sechs Landbriefträgern wird die Stadt Osterburg mit ihren 3.518 Einwohnern von einem Briefträger versorgt. Dazu läuft er am Tage drei Zustellungsrunden zu vorgegebenen Zeiten und ist damit genau wie wir mit 56 Wochenstunden Arbeit eingespannt.


Vor dem Hospital an der Stendaler Straße wurde kürzlich ein großes Denkmal aufgestellt, das an unsere in den vergangenen Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Soldaten erinnern soll. Das aufwändige Monument stellten nach der Vorbereitung durch den Künstler, die Arbeiter des Eisenhüttenwerks Tangerhütte her. Schade, dass es notwendig wurde. War wohl doch nichts mit dem „ewigen Frieden“, als man damals sagte: Wir brauchen die Osterburger Wallanlagen nicht mehr! Nun, zu uns sind die Kriege ja auch nicht gekommen aber andere Menschen konnten ihnen nicht entfliehen und auch unsere Väter und Söhne mussten aus der altmärkischen Heimat dorthin.


1873

Familiäres: Ein Jahr später, nach den Zwillingen, bringt Mine am 22. Januar '73 eine

Anna Charlotte Wilhelmine zur Welt.

Dienstliches: Im Kaiserlichen Deutschland erbrachte die Zählung der Briefkästen die stattliche Anzahl von 30.665 Behältern. Nun herrscht wieder eine amtlich bestätigte Übersicht.


1874

Die in Osterburg bestehenden Wolterstorffschen Lehranstalten bekommen einen großzügigen Neubau in der Bahnhofstraße. Ihr wisst ja: Christoph Wolterstorff war hier von 1821–1846 als Pastor tätig und sein Bruder Jakob von 1846–1856.


1876

Den 29. September '76 wird Carl Friedrich August Janecke als fünftes Kind meiner kleinen Schwester Mine geboren. Dieser Neffe heißt nun auch wieder so wie ich. Womit habe ich nur eine solche Ehrung verdient? Und so wie mein mittlerer Sohn, also sein Vetter, heißt er natürlich somit auch.

Unser eigener Carl Friedrich August, wird in diesem Jahr eingeschult. Er besucht nun das Knabeninstitut der Gebrüder Wolterstorff.


1877

Am 25. Juli stirbt in dem kleinen altmärkischen Dorf Schmersau meine Schwiegermutter Dorothee Elisabeth Neumann, geborene Guhl. Es sind traurige Familienzusammentreffen zu derartigen Anlässen aber man sieht auch alte Bekannte gern wieder.


In diesem Jahr führt mein großes Postvorbild Heinrich Stephan in Berlin die Erfindung des Amerikaners Graham Bell – den Fernsprechapparat – bei der Reichspost ein. Stephan ist 11 Jahre älter als ich, wurde am 07. Januar des Jahres 1831 im pommerschen Ort Stolp geboren, als die Cholera so entsetzlich grassierte. Er ist das achte von 10 Kindern seiner Eltern. Stephan heiratete 1855 in Hannover die Anna Tomala und nach deren frühen Ableben, 1863 in unserer zweiten Residenz Potsdam, als seine zweite Ehefrau die Berlinerin Elisabeth Balde.


1878

Die stete Zunahme des Aufkommens an Postsendungen führt dazu, dass ab 01. September '78 die Orte Gladigau, Natterheide, Orpensdorf, Schmersau und Wollenrade vom Bereich Osterburg abgetrennt und der Postagentur Messdorf zugeteilt werden, denn „Postberge“ dürfen sich nicht anhäufen.


1880

Unser August, jun. Janecke ist jetzt 11 Jahre alt und der Familienrat entscheidet sich zu einem einschneidenden Schritt, der meiner Frau fast das Herz zerreißt: Er siedelt nach Berlin über. Also nicht zu fremden Leuten in die fremde Stadt, sondern zu meiner Schwester Charlotte und ihrem Mann August Zelm (beide sind Osterburger, die seit 1866 in Berlin leben). Ausschlaggebend für die Entscheidung waren drei gewichtige Gründe: 1. Bei uns im Häuschen ist es erbärmlich eng.

2. Charlotte bekommt keine Kinder (also keine eigenen) und sie wünscht sich deshalb schon so sehr lange ein mit ihr verwandtes Küken „an Kindes statt“, welches sie ummutteln kann. 3. August hat in der Weltstadt Berlin bessere Möglichkeiten später eine ihm genehme Laufbahn einzuschlagen. Er ist ja nicht aus der Welt. Er kommt ja zu Besuch. Und andere Jungs vornehmer Familien leben sogar fernab im Internat. Er wohnt jetzt also im Berliner Süden, in der Manteuffelstraße No. 5, nahe der Thomaskirche und dem Mariannenplatz. Er besucht die neue stattliche staatliche Schule in der Wrangelstraße.

Hoffentlich bleibt ihm genug Zeit für den ernsthaften Schulbetrieb, denn Schwager August Zelm treibt offenbar mit ihm manch' Allotria, Jux und Tollerei. Die beiden Augusts. Manchmal wünsche ich mir, als Dritter im Bunde dabei sein zu können. So hat er (Onkel Zelm) sich schon einen polizeilich widerrechtlichen Spaß gestattet und ins Berliner Adressbuch eintragen lassen: Zelm und Janecke, Fuhrbetriebe, Wrangelstraße 141, Hof III. Dorthin sind sie wegen betrieblicher Erweiterung gezogen. Also: Unser 11jähriger Osterburger Knabe im amtlichen Verzeichnis der Reichshauptstadt als Berliner Fuhrherr – na, das kann ja noch 'was werden oder richtiger: das kann ja alles noch werden. Er hat jetzt also in der Freizeit stets mit Pferden zu tun. Das soll sein Schade' nicht sein. „Unser Berliner August“ wird nun zum „Geflügelten Wort“ bei uns im alten Osterburg.

Die Post des Deutschen Reiches verfügt jetzt über rund 58.000 Briefkästen. Das ist das Doppelte des Zählergebnisses von vor 10 Jahren.


1881

Vom 1. April an (und das ist bitte kein Scherz) werden – trotz kirchlichen Ruhegebots – drei Sonntagsbriefträger eingestellt, weil die Arbeit nicht mehr zu schaffen ist. Die Leute schreiben ja wie doll und verrückt, machen sich den Jokus und schicken die liebsten Kartengrüße hin und her, die wir dann in schweißtreibender Arbeit kilometerweit tragen. Papier ist schwer und wir müssen geduldig sein. Und an einen starken Rücken denken.


Wovor Dorchen Bange hatte – ihr kleiner Junge in der großen Stadt – es war wohl eine gute Entscheidung ihn nach Berlin zu lassen. Er ist richtig „aufgeblüht“, wie's deutlich scheint. Er redet viel von seinen Erlebnissen, wenn er hier auf Besuch ist. Vor dem Osterfest, sagte er, habe er in Gespräche mit den Schulkameraden bewusst einfließen lassen, dass er ja aus Osterburg stammt und deshalb eine besondere ... und so. Der Schlingel – dabei weiß er ja ganz genau, was es mit dem Namen unserer Stadt auf sich hat.


Meine Schwester Minchen hat wieder ein sehr einschneidendes Erlebnis. Am 16. November Anno '81 stirbt unter der Geburt ihr sechstes Kind. Ein Trost ist hier schwer.


1882

Luise, unsere Älteste, wird konfirmiert und beginnt eine Lehre. Sie wird den ehrenvollen Beruf einer Schneiderin erlernen, der aber auch seine Schwierigkeiten oder eine größere Kompliziertheit in seiner Ausübung hat. Für mich wäre das nicht so das Rechte.

Bei seinem jüngsten Besuch mit Tante und Onkel bei uns, berichtet unser Berliner August schier Unglaubliches, was wir höchstens mal in der Zeitung lasen, er aber schon aus eigener Wissenschaft kennt: - Eissegler verkehren auf zugefrorenen Seen. - Dampfkaleschen rollen vereinzelt durch die Stadt. - Eine Elektrische, eine Straßenbahn auf Schienen, hat am Rande der Reichshauptstadt den Betrieb aufgenommen.


1883

August hat in Berlin nun die Volksschule beendet. Zum Schulabschluss erhält er als Prämie sogar ein Buch von der Schule – einen Gedichtband der Werke von Theodor Körner, dem Freiheitshelden, der im Lützowschen Freicorps damals gegen die Franzmänner kämpfte und jung starb.

Der Inhalt des Buches ist kein leichter Stoff. Der liest sich nicht so zügig. August wird konfirmiert und verfeinert vorerst bei Onkel Zelm sein Wissen und Können über das Handwerk eines Fuhrherrn im Umgang mit Rossen und Wagen sowie vor allem mit den Kunden, den Auftraggebern.

Hätte das doch noch sein Großvater erleben können, eingedenk seiner Zeit als Postillon.


Zu unserer Entlastung wird im Juni in Rönnebeck eine Posthülfsstelle eingerichtet und dann auch eine in Flessau, die der Sohn des Dorfschulzen und Standesbeamten namens Müller versieht.

So werden die Postsäcke nun von Osterburg bis zu den Hülfsstellen mit der Landpostfahrt kutschiert.


1885

Der Ober-Reichspost-Direktor/Generalpostmeister Heinrich Stephan wird vom Kaiser in den Adelsstand erhoben. Ebenfalls in der Reichshauptstadt werden die Straßen nun für die ersten Velozipeds freigegeben (erzählt uns August), obschon ein Anblick dieser Zweiradfahrer die Pferde scheuen machen könnten. Voraussetzung für das rollende Balancieren sei jedoch eine gründliche Unterweisung dieser künftigen Pedaler, die mit dem Erwerb einer Radfahrerlaubniskarte verbunden ist. Vorher tut sich nichts von Rechts wegen!

Erste Operationen der Seitenkrankheit werden mit der Entfernung des sogenannten Wurmfortsatzes am Blinddarm gewagt (bei den Schweinen als Vergleichsmuster zum Menschen hatte man diesen kurzen dem Regenwurm ähnelnden Hort möglicher Entzündungen nicht gefunden. War also nichts mit „erst mal am lebenden Objekt üben“.).

Ein Motorwagen aus der Werkstätte von Herrn Benz in Mannheim, war in Berlin zu sehen. Er fährt tatsächlich von selbst – ohne Pferde, ohne Hafer, braucht hingegen Petroleum. Nun, Apotheken zu dessen Einkauf gibt es dort in Berlin ja mehrere.


1886

Ein großes Ungemach, was sein Ende im traurigen Eigengericht fand – einer unserer Kollegen, der Friedrich Kleinau, hat sich aufgeknüpft, weil er zuzustellende Gelder manches Mal nicht auslieferte, sondern für seine Obliegenheiten verbrauchte, was ihm auch nachgewiesen werden konnte. Eigentlich ist, – eigentlich war er kein schlechter Kerl – ein Dummerjahn in diesem Falle, der mögliche Folgen seines Tuns nicht deutlich genug vorher sah, um davon abzulassen und auf ehrlicher Strecke zu bleiben. Auch ich drehe die Groschen unserer königlichen Besoldung zweimal um, bevor ich diese Elisabeth zum Einkauf des täglichen Brotes übereigne.

Die Schande ließ ihm keinen anderen Ausweg. Was aber soll aus seiner Familie werden ohne den Ernährer? Die Frau >aus dieser Familie< wird doch kaum jemand in Lohn und Brot nehmen. Und in einem solchen Falle springt auch keine Versicherung in die Bresche. Diese Eigenbefragung ist mir nicht neu. Wie würde es bei den Meinen weitergehen können, sollte ich einst vor Elisabethen aus dem Leben scheiden? Gut, dass unsere Kinder hoffentlich bald fest auf eigenen Beinen stehen.

Die Schar zu Kleinaus stillem Begräbnis ist erwartungsgemäß nicht groß. Die Leute scheuen auch bei fremder Schmach die eigene Anwesenheit. Die arme Frau – und trotz allem – Frieden seiner unglücklichen Seele.


Am 10. Mai wird die Landpostfahrt von Osterburg nach Rochau eingerichtet.


Unser jüngster Sohn Wilhelm hat die Volksschule absolviert und beginnt eine Lehrzeit des löblichen Zimmermanns-Handwerk. So werden unsere drei Kinder mit dem Einkommen aus ihren grundsoliden Tätigkeiten hoffentlich stets ihr Auskommen haben.


1887

Meine Mutter Catherine Elisabeth Janeke, geborene Betke, stirbt am 10. April 87 im Alter von 76 Jahren. Wir geleiten sie am 13. April zur ihrer letzten Ruhestätte. Noch kann niemand ahnen, dass mir, ihrem Sohn, schon in 10 Jahren der gleiche Weg bevorsteht.


Für die Orte Crevese und Krumke, Düsedau und Calberwisch wird die täglich zweimalige Postzustellung eingerichtet. Es steht die Frage, ob das für die Allgemeinheit tatsächlich derart wichtig ist. Ob die Post solche Einrichtung die nächsten hundert Jahre durchhalten wird?

Im Amt Inselstraße wird nun die gesamte untere Etage, das Parterre, von der Post belegt.


1888

Das Drei-Kaiser-Jahr.

Es stirbt im März unser hochbetagter Kaiser Wilhelm I. Sein liberal denkender Sohn, Kaiser Friedrich III, leidet am Kehlkopfkrebs und stirbt nach 99 Tagen seiner Regierungszeit im Juni. Nun ist der recht junge Wilhelm II. von Hohenzollern unser neuer Kaiser. Im Gedenken an seinen Großvater entsteht aber sehr bald das „heimliche Volkslied“: „II:Wir wollen unser'n alten Kaiser Wilhelm wiederhab'm:II, II:mit n'm Bart:II mit n'm langen Bart.


Ab 1. Juli nimmt in Walsleben eine Postagentur den Dienst auf. Von hier aus werden jetzt die Einwohner der Dörfer Uchtenhagen, Wilhelmshof und Tümpen versorgt und somit von der Zustellung aus Osterburg abgetrennt.


1889

Weltausstellung in Paris. Unübersehbares Wahrzeichen: Der 300 m(!) hohe Turm von Gustave Eiffel und ungezählte weitere Neuheiten: Die erste Automobilausstellung der Welt, die erste Rolltreppe und so sehr viel erstes mehr, dass einem wohl schier die Augen übergehen. In Berlin wird die erste „Miet-Kraftdroschke“ eingesetzt. Man setzt sich also in ein Auto, dass einem anderen gehört und gibt dem Besitzer an, wohin die Fahrt gehen soll. Sachen gibt's. – Wir lesen, dass der Kilimandscharo in Afrika zum ersten Mal bestiegen wurde – zumindest zum ersten Mal bis oben hin.


Unser Osterburger Postamt in der Inselstraße, auf Parzelle 240, wird mit seinen Räumlichkeiten den modernen (bitte zweite Silbe betonen) Anforderungen nicht mehr gerecht. Der Umzug findet in ein größeres neues Haus statt, in das Eckgebäude Breite Straße, Parzelle 283/Stendaler Straße (später Haus No. 77). Das Gebäude wurde von dem Osterburger Baumeister A. Gerdts errichtet. Eine neue Ära der Osterburger Post beginnt damit.

Bald nach dem Beginn der Regierungszeit von Kaiser Wilhelm II., haben wir nun eine Briefmarkendauerserie „Krone und Adler“ und am Wilhelmshain entsteht eine Molkerei.

In der Burgstraße gibt es wieder einen Schulneubau zu besichtigen.

Die Sportvereine erhalten die Möglichkeit, eine neue Sparte zu eröffnen, denn in Osterburg wird die erste Kegelbahn gebaut. Das ganze Spektakulum auf dem Grundstück der Gaststätte von Friedrich Behne (das ist der frühere Mühlenhoffsche Gasthoff an der Seehäuser Straße).


1890

Kaiser Wilhelm der II. macht den abgekanzelten Reichskanzler v. Bismarck gegen dessen Willen zum Ruheständler und als Trost auch noch zum „Herzog von Lauenburg“. Ein etwas lauer Titel für den „Schmied der Einigung durch Blut und Eisen“, der er nach seinem Eigenverständnis ist. Aber es ist ja nicht allein der Titel, den er bekommt. Der große Anhang tröstet noch mehr.


Unsere Osterburger Nicolai-Kirche wird gründlich renoviert. Dabei entfernt man die „etwas pompös-dominierende“ Ausstattung im Geschmack des Rokoko. Eine nüchterne, schlichte, schmuckarme Neo-Gotik-Auffassung bestimmt die neue, eher kahl wirkende Gestaltung. Schlicht protestantisch. Die Orgel aber bleibt so, wie sie ist. Das Instrument wurde im Jahre 1765 eingebaut und hat seither seine treuen Dienste geleistet.


Es findet wieder ein großes Vereinsfest im und am Schützenhause, zwischen der Wallpromenade und der Breiten Straße statt. Ob das mit den vielen feuchtfröhlichen Schießereien auf Dauer gut geht, wenn immer mehr Leute dort wohnen? Unter vielen anderen Fest-Beiträgen stellt eine 30 Personen starke Bürgergruppe fein kostümiert die vier Jahreszeiten dar. Jedes mal legen sich die Acteure mächtig in's Zeug.


1891

Am 6. April, am Palmsonntag, heiratet unsere Tochter Luise, die Schneiderin, den Schriftsetzer und Buchdrucker Wilhelm Franz Jochmann, der in Liebau, Kreis Landshut, geboren wurde und später aus seiner schlesischen Heimat hierher übersiedelte.

Aufgebotsankündigungen gab es in Wittenberge und hier in Osterburg am Ostermontag und am Sonntag Quasimodogeniti. Eine Schwierigkeit: Er ist katholisch, eine so genannte mixta religio ist hier zu besorgen. Alles geht nach dem ihm anerzogenen Glauben, weil er sonst eine große Sünde begehen würde. Ein alter Zopf für einen ordentlichen Arbeiter. In der Folge werden wir aber sehen, dass die Beiden nichts „zu heiß essen“, denn alle Kinder werden evangelisch getauft. Das Näherrücken an die „Protestierenden“ hat ihm, dem Großsünder, wohl nicht viel geschadet an Leib und Seele. Großsünder? Na, ich meine, unsere Luise war wohl außerdem auch nicht seine erste feste Bekanntschaft. Nach den Aufgeboten hatte trotz dieser Querelen niemand Einwendungen gegen die Verbindung vorgebracht. Wie denn auch? Hier kennt ihn niemand. Die Trauung findet nach alter Sitte am Heimatort der Braut statt, also in St. Nicolai zu Osterburg. Wenn ich bedenke, wie die Zeit verrinnt. 23 Jahre ist es nun her, dass wir Luise hier als winziges Bündel zum ersten Sakrament dem Geistlichen darbietend über das altehrwürdige Taufbecken hielten ... und nun nimmt ein ganz fremder Mann die Tochter. Einfach so. Trotzdem: Willkommen, Schwiegersohn. Die Geschichte geht ihren Lauf. Wir können nichts aufhalten. So, Jochmann heißt Luise nun. Hoffentlich wird sie nicht zu streng in das Gleichnamige eingespannt. Es ist immer noch der gleiche Diakon Rathmann der sie traut, der in dieser Zeit schon so viele Menschen auf dieser Welt begrüßt und andere verabschiedet hat. Die frisch gebackenen Jochmanns wohnen ab morgen in Wittenberge, jenseits der Elbe, nicht mehr im Altmärkischen, sondern in der Prignitz und dort in der Scheunenstraße 7, nahe dem Stern und dem alten Ortskern.


Die Taubstummenanstalt der Provinz Sachsen erhält ein neues Gebäude in der Osterburger Sedanstraße. Diakon Rathmann hält die Weihe-Predigt.


1892

Unsere Tochter Luise Jochmann gebiert in Wittenberge am 29. Mai ihr erstes Kind: Martha Ella Bertha. (Ich darf euch verraten, dass dieses Baby nach jahrelanger Reifezeit später den tüchtigen Eisenbahnschlosser Karl Giese, aus Groß Pankow gebürtig, heiraten wird).


Am 18. Juli herrscht hier großer Trouble auf dem Sedanplatz. Das zehnte Gesangsfest des Elbe-Havel-Sängerbundes nimmt seinen Lauf. Etwa 40 Gesangsvereine suchen sich mit ihren Darbietungen zu übertreffen. Aus unserer Stadt kommt die bekannte „Liedertafel“ und bei der Gestaltung des Rahmenprogramms ist natürlich die Osterburger Orchesterschule mit ihrer Stadtkapelle vertreten.


In Osterburg werden erstmals Straßenlaternen aufgestellt (51 Stück!), die mit Petroleum betrieben werden. Man muss nun nicht mehr stets die eigene Laterne mitführen. Auch beschäftigt man jetzt vier, statt bisher zwei Nachtwächter. Das Wachlokal befindet sich im Rathause. Die Nachtwächter wachen und kontrollieren zwar fleißig aber für das Kontrolliert-Werden des Wachpersonals hingegen sind auf den Rundgängen in vier Wachrevieren Kontrolluhren angebracht. Die Wächter sind heutzutage aber nicht mehr mit Hellebarde und Horn ausgestattet, wie weiland unser Vorfahr' Christoph Heinrich Betke, als er hier seinen nächtlichen Dienst versah, sondern mit Seitengewehr, Notpfeife und friedzielender Polizeigewalt ausgestattet.

In unserer Heimatstadt beginnt man die fortlaufende Grundstücksnummerierung abzuschaffen und wie andernorts schon lange üblich, die Grundstücks- und Hausnummerierung für jede Straße mit „1“ beginnend, neu zu vergeben.

In diesem Jahr zählte die Verwaltung in der Stadt Osterburg 4.300 Menschen einschließlich der Kinder, 239 Pferde und 334 Rinder.


1893

Am 26. Januar begehen wir, August und Dorothee Elisabeth Janeke, unseren Ehrentag der Silbernen Hochzeit. 25 Jahre sind wir nun schon verheiratet.

In Hamburg sterben bei einer Cholera-Epidemie etwa 9.000 Menschen, kurz bevor Herr Behring die Entwicklung seines Heilserums zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht hat.

Herr Benz und seine Mannen stellen den ersten Autobus her. Er kann damit ähnlich viele Leute transportieren wie mit einem Pferdewagen.


1894

Schwager August Zelm hat seinen Fuhrbetrieb nunmehr in die Rixdorfer Steinmetzstraße 47 verlegt (später wird diese Straße in Kienitzstraße umbenannt). Er ist bereits Eigentümer dieses Hauses und besitzt sogar schon einen dieser modernen Telephonanschlüsse: Rixdorf No. 58! So kann Charlotte Aufträge annehmen, während die Männer unterwegs sind. Wollt Ihr mit ihnen telephonieren, so lasst Euch, wenn das Frollein vom Amte sich mit der Frage „Was beliebt?“ meldet, von ihr einfach mit Rixdorf No. 58 verstöpseln. Wir können auch mal vom Amtsapparat aus anrufen, wenn später von hier aus solch ein Ferngespräch technisch möglich und nötig sein wird.

In Frankreich wird eine Apparatur „zum Vorführen laufender Bilder“ vorgestellt, der Kinematograph.


1895

Das zweite Kind unserer lieben Luise hat sich bei Jochmanns angemeldet. Walter Jochmann wird am 03. Februar geboren. Sieh' da!: Zu den Patinnen gehört sogar schon die junge Verlobte unseres Berliner Sohnes August, Klara Dittwaldt mit Namen. Noch gar nicht ganz bei uns angekommen und schon Patin. Ein schnelles Mädel. Na ja, die Großstädter, sind da anders, da kommt unsereins nicht mehr mit. Eine hübsche, zartgliedrige Person übrigens. Ja, ja, findet unser August auch. Er wohnt inzwischen bereits im Hause der höchstwahrscheinlichen Schwiegereltern – aber räumlich hübsch separiert von Klaren! Das Haus, unten mit Dittwaldt-Gaststätte, findet man in Berlin-Süd, Kottbusser Damm 34 und siehe da, unser Herr Sohn steht im Adressbuch nun auch schon als „Schankwirt“. Das ist wohl ein bisschen hochgestochen, wie das damals mit dem 11-jährigen Fuhrherrn? Na dann, Prost. – Lasst doch der Jugend ihren Lauf.

Aber nochmals zurück zu Jochmanns. Weil er damals aus Schlesien zugewandert ist, legt er besonderen Wert darauf, dass er nicht bloß Einwohner ist, sondern mit allen Rechten als Bürger der Stadt Wittenberge anerkannt wird und hofft, auch für die Seinen damit ein erhöhtes Maß an Sicherheit zu erlangen. So lässt er sich ganz offiziell in die städtische „Bürgerrolle“ (ein Buch) eintragen. In dem steht nun auf Seite 472: „Jochmann, Wilhelm Franz, Schriftsetzer, geboren am 4.8.67 in Liebau. Bürgerrechtsgeld bezahlt mit 21,-- Mark am 11. März 1895.“

Oh ha, teuflisch viel Geld. So hat er mit der Vorsorge wohl ein besonders gutes Gewissen.


In Osterburg werden jetzt etwas mehr als 4.500 Einwohner gezählt. Ganz schön gemausert hat sich unsere Stadt.


Die Brüder Otto und Gustav Lilienthal beginnen mit ihrem Mechaniker Paul Beylich ganz nah bei Berlin, in Lichterfelde, später in Krielow-Derwitz bei Groß Kreutz und dann vom künstlichen Fliegeberg bei der Heinersdorfer Ziegelei, mit Versuchen des Fliegens mit Luftgleitern. Diese bestehen aus einem Weidenzweiggestell, mit Leinwand bespannt. Es den Fliegen gleich gut nachzutun oder gar denn den Vögeln, ist doch nicht so einfach. Sie versuchen es hartnäckig.

Eine neue Kirche wird in Berlin eingeweiht: Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

In Probstheida bei Leipzig wird mit dem Bau des Völkerschlachtdenkmals begonnen, das an die Befreiungskriege 1813–1815 erinnern wird.


1896

Mein geschäftstüchtiger Schwager und Fuhrherr August Zelm hat inzwischen auch das Rixdorfer Haus Steinmetzstraße 57 erworben. Hier wird er bis zum Jahre 1900 wohnen. 30 Jahre ist er nun schon mit meiner Schwester verheiratet. Eine lange Zeit.


Von Mai bis Oktober gibt es im Treptower Park (bei Berlin) die Gewerbeausstellung (eigentlich ist es ja die nur leider verhinderte Weltausstellung) mit großartigen Exponaten – ich erinnere nur an Siemens’ nun schon zweite elektrische Parkbahn für die Besucher. In der gleichen Zeit läuft auch die „Große Gartenschau“. Diese ist mehr so das Damenprogramm, als „florales Gegengewicht“ zu den technischen Ausstellungsstücken.


Das dritte Kind unserer guten Luise, Wilhelm Jochmann, wird am 22. Juni 1896 geboren. Oh, oh, alle Jahre wieder? Wenn das man für unser zartes, blasses Schneiderlein nicht zu viel wird –.

(Auch hier blicke ich für euch mal in die Zukunft: Dieser Junge wird nur knapp das 24. Lebensjahr erreichen, um dann schon für immer von uns zu gehen).


In den Rhinower Bergen im Westhavelland verunglückt der hervorragende Flugpionier

Otto Lilienthal am 09. August tödlich bei einem Gleiter-Absturz. Nur der getreue Paul Beylich war zu jener Zeit bei ihm.


Am 15. September dieses 96-er Jahres heiraten in Berlin, in der Emmaus-Kirche, unser Sohn August Janecke und seine Verlobte Klara Dittwaldt, die knapp zwei Jahre jünger ist als er. Daran merkt man erst, wie schnell man selber älter wird – diese ein bisschen traurige Erkenntnis trübt aber nicht den großen Feiertag.


Wie in jedem Jahr werden für den zurückliegenden Zeitraum von der Kaiserlichen Ober-Postdirection an ausgewählte Postillone Ehren-Posthörner und Ehren-Peitschen verliehen. Die so Geehrten werden im Amtsblatte namentlich aufgeführt.


Ein Schreck fährt durch die Depeschen: Der österreichischen Kaiserin Elisabeth „Sisi“ ist von einem üblen Attentäter mit einer spitzigen Feile tödlich ins Herz gestochen worden und die Landesmutter stirbt darob. Er kannte sie überhaupt nicht. Er hatte nur eine Art von unbegreifbarem fremdenfeindlichem Hass gegen alle ihm Unbekannten, die auf der Straße sehr ordentlich oder reicher gekleidet gingen als er daselbst. Sie stand als wohlfeiles Opfer gerade wartend an der Dampferanlegestelle, als er vorbeikam.


An Altersschwäche stirbt friedlich unser brandenburgisch-märkischer Dichter Theodor Fontane.

Im Mai findet die erste und erfolgreiche Probefahrt eines Autobusses mit Elektro-Akkumulatoren-Betrieb statt. Wo? Natürlich in Berlin.


1897

Zwei sehr unterschiedliche königliche Postbedienstete müssen Abschied vom Leben nehmen:

Das Amtsblatt des Reichspostamtes, Nr. 21, Seite 135, erschienen in Berlin am 08. April 1897, würdigt das Dahinscheiden des obersten Postbeamten, des Staatssekretärs, Chef des Reichs-Postamtes, Herrn Dr. Heinrich von Stephan am 08. April 1897, nachts 12.30. Sanfter Tod im 67. Jahr seines thatenreichen Lebens, erlöst von schweren Leiden.

Das Amtsblatt Nr. 22, S. 137 und 138 vom 13. April enthält viele Trauerbekundungen. Herr Dr. von Stephan litt unter anderem an Diabetes und hatte deshalb bereits eine Beinamputation hinter sich.


Zur gleichen Zeit neigt sich aber auch mein Leben seinem Ende zu. Doch es gibt Unterschiede:

Ich bin erst 54 Jahre alt und muss auch schon gehen, das heißt, auf meinem letzten Gang wird man mich tragen. 54 Jahre – eine kurze Zeit, ausgefüllt mit Schule, Beruf, Heirat, Aufzucht der Kinder und schon ist das Ende da – aber eben nur für mich – das Leben um mich herum geht ja weiter. So lasse ich denn, ohne meinen echten Willen dazu, meine Familie am 20. April, am Vormittag gegen 8½ Uhr alleine. Sohn Wilhelm kommt aus Wittenberge (er wohnt in der Schützenstraße 25) und übernimmt es, diese Botschaft dem Standesamt und dem Pfarramt mitzuteilen, um der Mutter diese Wege zu ersparen. Man bestattet meine sterbliche Hülle am 23., drei Tage später. Ein kühler Tag, der aber schon die Freuden des kommenden Monats Mai erahnen lässt – und alles Neue, Junge wird kraftvoll nachdrängen. „Des' sollt ihr alle fröhlich sein“.

Pastor Nürnberger spricht den Meinen Worte des Trostes zu und registriert die Bestattung im Kirchenbuch als den 27. Sterbefall des Jahres 1897 in Sankt Nicolai zu Osterburg.


Der Bericht ist damit nicht abgebrochen, denn das Dorchen wird ihn fortsetzen.


Dorothee Elisabeth Janecke merkt an:

Nun bleibt mir nichts weiter übrig, als für den Rest meiner Tage diese Sammlung von Notizen stellvertretend weiter zu führen.

Ach, bei dieser neuen Aufgabe für diese Zeit, die mir bleibt, wird das Herz so schwer. Was soll es da zu berichten geben, was habe ich noch zu erwarten?

Noch konnte sich August auf ein weiteres Enkelkind freuen, wenn es ihm auch nicht gegeben war, es noch zu sehen.


Oktober 1897

In Berlin-Südost wird meine Schwiegertochter Klara Janecke, geborene Dittwaldt, am 13. Oktober von einem kräftigen Mädchen entbunden, welches (seinen beiden Großmüttern zu Ehren) auf die Namen Pauline und Elisabeth hören soll, dann aber fast immer "Käte" gerufen wird.


1898

Am 28. März 1898 stirbt meine Schwägerin Lisette Janeke, die älteste Schwester meines Seligen. Grad' fünf Jahre älter wurde sie, als ich es jetzt bin. Da kommt einem durchaus die Frage auf: Wie lang wird die Zeitspanne währen, die mir noch zugemessen ist? Zeit und >Stunde werden uns nicht bekannt gegeben. Lisette wurde reichlich 60½ Jahre alt. Vier Kinder hatte sie geboren und blieb doch unverehelicht. Am 31. März wird sie nun zur letzten Ruhe gebettet. Es ist der Weg, den wir alle gehen müssen. Pfarrer Walter ist es, der kurz an die Stationen ihres Lebens erinnert. Er versucht, mit guten Worten Trost zu spenden (Reg.-Nr. 36/1898 im Kirchenbuch).


Andere Menschen können zur gleichen Zeit fröhlich sein. So ist das Leben: Am Fuchsbau wird der neue Schützenfestplatz eingeweiht.


1899

Das vierte Kind meiner Wittenberger Luise heißt Rudolf Jochmann und wurde am 25. August geboren.

Die augenblickliche Anschrift meines Berliner August ist: Fuhrherr August Janecke, Rixdorf, Steinmetzstraße 61, mit eigenem Pferde-Fuhrgeschäft. Zieht der Junge aber oft um, das hatten wir unser Lebtag nicht.


Das erste Berliner Kinotheater wird in der Münzstraße eröffnet. Richtig bewegte Bilder, mit dem Erklärer vor der Leinwand und dem musikalisch „untermalenden“ Klavier auf der Bühne. Von derartigen Genüssen sind wir hier wohl noch weit entfernt. Es ist auch unklar, ob wir so etwas überhaupt brauchen.


1900

Meine Berliner Kinder bekamen ihr zweites Kind, den Sohn Richard Janecke, mit den zusätzlichen Namen Alfred und fast unvermeidbar, nach Großvater und Vater ebenfalls August. Doch auch er nicht im August, sondern am 01. Oktober erblickte er das Licht der Welt nach einer schwierigen Steißlagengeburt. Hoffentlich geht in der Zukunft alles leidlich gut. Die Kinder wohnen jetzt kurz hinter der Berliner Stadtgrenze, in der Rixdorfer Jägerstraße. Dort sieht es aber genauso aus – also ich meine: großstädtisch, nicht dörflich. (Großes Miethaus, ohne Pferdeställe und Wagenremisen). Das große Rixdorf erhielt kürzlich das Stadtrecht, als kleine Schwester von Berlin. Es ist nicht „Jottwede“ (Janz weit draußen), wie die Berliner sagen, sondern nur einen „Katzensprung“ vom Kottbusser Damm, der früheren Bleibe bei Schwiegereltern Dittwaldt, entfernt.


1901

Meine Tochter Luise glaubt zu wissen, dass ihr fünftes Kind auch ihr letztes sein wird. Das mag auch recht so sein. Mit einem Mädchen begann der Kinderreigen, mit einem Mädchen endet er. Sie nennt das Kind, das am 20. Oktober geboren wird „Luise“ und reicht ihren eigenen Namen weiter in die Zukunft. Für „Luise Ida Clara“ entschieden sich meine Tochter und ihr fleißiger Mann. Sie sind übrigens umgezogen, wohnen jetzt in der Lenzener Straße 20 zu Wittenberge. Das Haus steht, vom Stern kommend, nach Westen hinaus, in Richtung der Appelschen Kalkbrennerei und „Wilhelms Garten“.


August Zelm lässt nun mit 61 Jahren seinen Berliner Fuhrbetrieb „langsam auslaufen“ und hat in der Rixdorfer Steinmetzstraße 115 (die später Kienitzstraße heißen wird) eine Gaststätte (als Eigentümer) übernommen. Er behält aber seine Wohnung in der Steinmetzstraße 57. Es geht ihm gesundheitlich leider durchaus nicht bestens. Der Wechsel, eine günstige Altersvorsorge, etwas mehr Gemütlichkeit, scheinen ihm aber zu bekommen. Natürlich ist seine Frau, meine Schwägerin Charlotte am Wirtschaften in der Gaststätte wesentlich beteiligt. Sie ist die tragende Säule des Geschäfts; auch sie ist 61 Jahre alt.

Die Zelms bekommen zum Jahresende eine neue Telephonnummer. Es ist jetzt in Rixdorf bereits die No. 462 (statt der bisherigen No. 58). Die Anzahl der Teilnehmer wächst unaufhörlich. Welch ein Aufschwung, welch ein Voraneilen!


1902

Mein angeheirateter Schwager August Zelm ist in diesen Tagen in seinem 63. Lebensjahr gestorben. Charlotte will aber die Gaststätte weiterführen, so sie ihr nicht über den Kopf wächst.


1903 und 1904

Der Schwipp-Schwager meines Berliner August, der Alfred Zocher, erzählte, dass für die 1901 in Neuendorf bei Potsdam, gegründete nagelneue Kalkbrennerei ein Verwalter gesucht wird. Herr F. Russow, Wiesenstraße 20–22, Tel. Nowawes-Neuendorf No.150, ist der Besitzer. Noch in diesem Jahr wird Schwager Alfred statt dieses Herrn Russow sogar Inhaber der „Neuendorfer Kalk- und Mörtelwerke“ und unser Sohn August wird Verwalter dieses Betriebes. Es ist, den Arbeitsaufgaben entsprechend, wohl eher eine unwirtliche Stätte. Das Grundstück soll aber sehr romantisch am Flüsschen Nuthe liegen, so halb hinter Weidenbäumen versteckt – ein Eldorado für die Kinder – sofern sie nicht ins Wasser geraten. Da ist Achtsamkeit angezeigt. So wohnen die Janeckes also ab 1904 in Nowawes-Neuendorf, Wiesenstraße 20–22, auf dem Betriebsgrundstück.


In Wittenberge wird in diesem Jahr das Singer-Nähmaschinenwerk gegründet. Das ist auch mal 'was Interessantes für unsere Luise.


1905

Unsere Feuerwehr erhält in der Moltkestraße ein neues Spritzenhaus mit Beobachtungsturm. In diesem werden auch die dort aufgehängten Wasserschläuche getrocknet.


1906

Unser Kaufmann Robert Niepagen, der sein großes Haus an der Ecke Wasserstraße/Kirchstraße, direkt rechts neben dem Postamt, gegenüber von St. Nicolai hatte, ist nun auch am 08. April gestorben. Er war sieben Jahre älter als mein August und wurde immerhin 70 Jahre alt. Seine Frau und nun Witwe Bertha war im gleichen Jahr wie August geboren. Sie ist inzwischen 64, also schon 10 Jahre älter als August – eine Zeitspanne, die auch für uns als eine längere gemeinsame Zeit gut gewesen wäre. Aber die Wege des Herrn können wir mit unseren Maßstäben nicht messen. Der Kreis wird immer kleiner.

Vom Herbst an gibt es zwei Omnisbuslinien: Von Osterburg nach Arendsee und von Osterburg nach Meßdorf.


1909

Das Lehrerseminar zieht von der Werbener Straße in einen ansehnlichen Neubau. Zur festlichen Einweihung am 26. Mai wird gleichzeitig das 50-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert, zu der auch viele frühere Absolventen, also inzwischen bereits ergraute Lehrer kommen und auch solche, denen man die Weißheit schon von weitem ansehen kann.


1910

Die Wittenberger Jochmanns sind von der Lenzener Straße 20 in die Mohrenstraße 4 gezogen.

Überall muss gespart werden. Es werden jetzt nicht mehr die langzeitig bewährten, soliden Briefkästen aus Gusseisen installiert. Werden neue angebracht, so sind diese aus einem eher ungewohnt dünnem Eisenblech gefertigt. Wenn das man nicht bald durchrostet. Andererseits kann man das auch verstehen – woher soll als das Material kommen? Hatte die Reichspost vor 30 Jahren 58.000 Kästen zu leeren, sind es heute schon 153.000 in deutschen Landen. Und damit werden auch die Fußwege zu den Briefkästen immer kürzer und immer mehr Postboten werden gebraucht. Ein Berufsstand, der nicht aussterben, sondern aufstreben wird.


1911

Meine Geburtsstadt Osterburg hat jetzt 5.146 Einwohner. Der derzeitige Bürgermeister ist Herr Hilliges. Ein verständiger Mann. Er ist bemüht, ein neues Geschichtsbuch über die Stadt zusammenzustellen, da ja alle historischen Akten aus der Zeit vor dem Großen Stadtbrand von 1761 vernichtet sind.Aber die Leute, die in der Zeit vor dem Brande hier lebten, kann auch er nicht mehr befragen. Da hätte schon eher jemand beginnen müssen.


Eigenartig. Als Bahnhofsvorsteher nimmt hier ein Herr Ernst Paul Janecke seinen Dienst auf. Er ist aber nicht von hier, sondern (natürlich mit der Bahn) zugereist. Verwandte hat er in Magdeburg aber seine Frau kommt aus Goslar am Harz.

Für mich ist die Zeit vorbei, mit Jüngeren vielleicht neue/alte Verbindungen zu entdecken. Dieser junge Janecke soll sich nicht mit dem Aussehen meines inzwischen doch ein wenig zerknitterten Gesichts befassen – er muss sich um regelmäßige Züge kümmern. Das Paar hat ein kleines Kind, das am 25. Juni auf die Namen Heinz Paul Fritz Robert getauft wird. Das hört sich für mich fremd an, klingt so gar nicht wie ein Mitschwingen in unserer alten Familiensippe.

Wir wissen ja aber auch, dass Janecke dem hebräischen Vornamen Johannes entspringt – und so kann der Name vielfach auftreten, ohne dass die Leutchen miteinander verwandt sind – falls wir nicht bis Adam und Eva zurückschauen wollen. („Hüstel, Räusperei“).

Das Leben geht weiter und auf uns nicht so vertrauten Wegen – vielleicht auf besseren Straßen. Der Kreis der bekannten Gesichter in der Umgebung wird kleiner.


1912

Es stimmt irgendwie traurig: So sehr viele Janeckes wurden hier in Osterburg während des vergangenen halben Jahrhunderts geboren. Nun erscheint das neue Adressbuch von 1912 und wer von uns steht dort drin? Fast gar niemand – obwohl das Buch voller Namen ist. Allein ich als die Älteste – wenige sind an andere Orte gezogen, wenige Mädchen haben ihren Familien-Namen an Ehemänner verloren – die meisten aber hat die Zeit schon wieder gelöscht. Ja, so stehe ich einsam im Adressbuch: Janecke, Elisabeth, Witwe, Stendaler Straße 37. Ich, das frühere Dorchen. Wie lange noch? In der Melkerstraße 10, ihr wisst, lebe ich schon lange nicht mehr. Die Stendaler 37, das ist das Sankt-Georgs-Hospital, die Heimstatt für Alte, Kranke und durch Armut Bedürftige. Das kommt ja man bei mir alles so zusammen.


28. März 1912

In Wittenberge stirbt mein Schwiegersohn, der Buchdrucker Wilhelm Franz Jochmann, Ehemann meiner Tochter Luise, im Alter von nur 44 Jahren. Oh Gott, ein herber Schlag. Die jüngeren der Kinder sind doch aus dem Gröbsten noch nicht 'raus. Hoffentlich kommt Luise mit der Schneiderei über die Runden, um die Kinder und sich zu erhalten. 20 Jahre lang waren sie verheiratet.

Luises Große, die Martha, wohnt noch im gleichen Haus Mohrenstraße 4 und verdient ihr tägliches Brot als Plätterin.


18. August 1912

Ich begehe meinen 73. Geburtstag, vollende nun auch dieses Lebensjahr. Von feiern kann nicht die Rede sein. Man hält sich sehr bescheiden. Aber ich halte still inne – halte eine Rückschau, die mich immer wieder zum Fortdämmern einlädt. Trotz des vielen Leides in unserer Familie bin ich letztendlich ruhig und bin in Dankbarkeit, dieses schwere Leben bewältigt zu haben. Ich denke an die sonnenbeschienenen Tage, die schönen Zeiten.


Nun folge ich, Dorothee Elisabeth Janecke, geborene Neumann, meinem Mann in die Ewigkeit.

Hoffentlich bleibt es in den kommenden Zeiten für die Kinder, die Enkel und für alle Menschen friedlich. Das ist mein letzter, mein größter Wunsch.

In Osterburg, am 15. September 1912, 4 Uhr nachmittags, beendet sich mein irdisches Leben.

Die Beerdigung findet am 18. September 1912 statt:



Unsere Schwester Dorothee Elisabeth, geborene Neumann,

die Witwe des Briefträgers Carl Friedrich August Janecke,

ist am Sonntag, den 15. September 1912

am Beginn ihres 74. Lebensjahres sanft entschlafen und

vor das Antlitz des Herrn getreten“,

so etwa spricht Pfarrer Stephan zu der kleinen Trauergemeinde bei der Aussegnung.

Geleiten wir sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes,

zu ihrer letzten Ruhe“.

Bei solchen Worten findet die Beisetzung im ruhigen Ahnengarten,

nahe der Sankt-Martin-Kapelle unweit des früheren Burgwalls statt.

Die Feder des Geistlichen zieht im Osterburger Kirchenbuch

nüchtern den Schluss-Strich unter dieses Leben:

Gestorben 1912, Nummer 79.






Der Nachfahre Chris Janecke hängt an den Bericht folgenden Hinweis an:

Im Papier-Exemplar des Lebenslaufs dieser Familie existieren beim Autor

über die Internetfassung hinaus, noch folgende Seiten:





















Christoph Janecke Potsdam, 10. April 1987

Hebbelstraße 11

1560 Potsdam



Herrn

Fritz Ebruy

Historiker/Museumsrat

3540 Osterburg

Melkerstraße 33



Lieber Herr Ebruy!


Ein Gruß aus Potsdam soll Sie heute erreichen. Ich schreibe Ihnen als Nachfahre verschiedener altmärkischer Familien, von denen die „jüngste Familie Janecke“ wenige Häuser neben Ihrer Wohnung, Melkerstraße 33, gelebt hat. Aus verschiedenen Schriften, so z. B. aus dem „Altmärkischer Hausfreund“ sind Sie mir schon recht vertraut.

Vor einiger Zeit lief Ihre Ahnenliste „MEDER“ bei mir durch. Daraus habe ich Ihre Anschrift entnommen. Einige der bei Ihnen aufgeführten Familien-Namen kommen auch in meiner Ahnenliste vor, allerdings in anderen Orten. Eine direkte Verbindung lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Natürlich bin ich auch an den altmärkischen Wohnstätten meiner Vorfahren interessiert. So wohnte noch mein Großvater Janecke als Kind mit seinen Eltern und Geschwistern im Osterburger Hause Melkerstraße 10. Das Gebäude wird derzeitig für die PGH des Malerhandwerks umgebaut. Ich fotografierte das Haus noch im alten Zustand, als das Ehepaar Sennecke darin lebte. Von Senneckes habe ich das Foto eines Festes in Osterburg (Kopie als Beilage für Sie), bei dem die Jahreszeiten dargestellt wurden. Kennen Sie vielleicht den Anlass oder gar einige Personen – obwohl das Foto ja schon recht alt ist. Der Kleidung nach, könnte es gut aus der Zeit meines Großvaters stammen. Es hatte wohl schon Jahrzehnte auf dem Dachboden des Hauses Melkerstraße 10 gelegen.


Leider konnte oder wollte man mir beim Rat des Kreises keine Auskunft darüber geben, von wann bis wann die Janeckes in der Melkerstraße 10 wohnten (Einwohnermeldekartei, Grundbuch, Adressbücher, ...) Man sagte pauschal, die Akten seien wohl nicht vollständig wegen des zu frühen Zeitraums, Kriegseinflüssen usw.


Interessieren würde mich natürlich auch, ob noch heute im Raum Osterburg JANECKE-Familien wohnen, denn nach dem Kirchenbuch waren es einige Geschwister dieses Namens. Zumindest verzeichnet das heutige Telefonbuch keine weiteren Träger dieses Namens – aber durchaus „nicht jeder“ besitzt ja einen Telefonanschluss. Meine letzten/jüngsten Ahnen in Osterburg waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, zumindest zeitweilig, Postillon und Briefträger.

Meine JANECKE-Urgroßmutter lebte als Witwe bis 1912 im Osterburger Altenheim. Käme dafür das Haus des St.-Georgs-Hospitals, also das Gebäude des heutigen Rat des Kreises in Betracht?


Verschiedene Angaben zu meinen Vorfahren aus Höwisch fehlen mir, da ein Teil der Kirchenbücher (die heute ansonsten in Neulingen liegen) wohl in den letzten Kriegstagen vernichtet wurden. Wissen Sie eventuell, ob im „Dritten Reich“ davon Kopien gefertigt wurden und wenn ja, wo diese Akten (KB) liegen könnten?



Die Räume des Heimatmuseums, Ihrer ehemaligen Wirkungsstätte, besuchte ich erstmals im Jahre 1979. Eine wunderschöne Ausstellung mit liebevoll gesammelten Exponaten.


Über eine kurze Antwort würde ich mich freuen.

Viele Grüße,


Christoph Janecke