Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Zur Ahnenliste "Janecke" gehörend.

Autor und Kontaktpartner für Fragen, Meinungen oder Ergänzungen: Chris Janecke,

E-Mail: christoph@janecke.name

Nach eigenen Recherchen zusammengestellt. Bearbeitungsstand: April 2017.

Zum Text gibt es einige Bilder – bitte hier klicken.




Dr. phil. Georg Karl Wernher Bauer, einige Hinweise zu seinem Leben.


* Berlin, 25. Januar 1897, † Saalow, Kreis Zossen, 22. Mai 1986


Tabellarische Aufstellung zu seinen Vorfahren


Dr. phil. Ida Maria Ruppel, Verlobte des Wernher Bauer


* Frankfurt am Main, 17. Dezember 1897, † Berlin, 23. September 1937


Beide wurden bestattet im Dorf Liebätz bei Luckenwalde…



Ein Beitrag zur Familienforschung und Heimatgeschichte


Bei Wernher und seinen Angehörigen handelt es sich um Verwandte des Autors. Die Großmutter des Wernher Bauer: Auguste Sotscheck, geborene Zinnow und die Urgroßmutter des Chris J.: Pauline Dittwaldt, geborene Zinnow waren Schwestern.

Wenn du Interesse hast, mehr darüber zu lesen, was sich in dieser Zeit im Leben der Menschen abspielte, so sieh’ bitte auch in die Dokumentationen „Zeitgeschichte“ und „Zeitgenossen“.

Zu dem hier vorliegenden Text bestehen verschiedene Bilder.




An Liuba


Wenn ich Liebätzer Erde bin

und nähre Gras und Blume,

dann leb' ich auf, dann lob' ich Gott

in seinem Heiligtume.


Dann lacht mein Herz ob jeden Schritts,

der meine Kiesel rollte,

dann heft' ich mich an jeden Schuh,

der mich entführen sollte.


Dann hoffen wir auf Tau und Tropf',

auf Sonne und auf Regen.

Mit Itis bin ich dann vermählt

auf Feldern und auf Wegen.


Dann sind wir eins und wohlgemut

in Gottes weitem Garten,

ein Vogel trägt uns durch die Luft

wo Sterne uns erwarten.


Dann sind wir überall zu Haus

und doch Liebätz verbunden.

O Göttin, habe Herzensdank,

dass wir dich hier gefunden.


16. Gilbhart 1979, Rangsdorf, Wernher Bauer



Anmerkung: Liuba ist im Sorbischen/Wendischen die Göttin des Frühlings, der Liebe und der Fruchtbarkeit. Sie ist die Beschützerin aller Liebenden. Liebätz ist ein kleines Rundlingsdorf nahe der Stadt Luckenwalde im Land Brandenburg. „Itis“ ist hier gewählt als Bezeichnung für die Verlobte des W. B. Gilbhart = Monat Oktober.


Worte auf den Weg

Im Laufe der Zeiten sagte man in vielen Familien: „Es wurde früher so viel über die Familiengeschichte geredet. Man könnte noch so vieles aufschreiben und erhalten!“


Tatsächlich aber wurde wohl aus solcher Erkenntnis und jenen guten Vorsätzen seltener etwas verwirklicht. So müssen auch wir uns bei diesen Lebensgeschichten vorerst mit dem vorliegenden, etwas mageren Stückwerk begnügen. Diese Schriften gelten somit als grobe Entwürfe, zu denen gewiss hier und dort Korrekturen erforderlich sowie Ergänzungen wünschenswert sind.

Mein Wunsch sind viele, viele Ergänzungen seitens wissender Leser.


Die Notizen zu den Lebensläufen, sofern es sich nicht nur um tabellarische Aufstellungen handelt, lesen sich leider nicht so flüssig, wie es in der Literatur angenehm ist. Aber wir haben hier keinen Roman vor uns. Es handelt sich ja um eine Aufzählung von Familienereignissen (darunter oftmals Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle), die in der Häufung des Erwähnens zwar ermüdend wirken können, jedoch trotzdem im Interesse des Bewahrens aufgenommen wurden.

Also nur Mut beim Lesen.


Wernher erläutert uns:




In der Generation 06: Urgroßeltern, väterlicherseits des Wernher Bauer


Bauer


Name

N.N.

Friedrich


Vornamen


1803

(Geburtsdatum zwischen 1802 und 1804 nicht im Kirchenbuch Storkow gefunden. Chris J. 2016)

Geboren


Landwirt / Gutsherr in Storkow

(Mark)

Beruf / Tätigkeit


Wahrscheinlich in Neuendorf bei Stettin, im Jahre 1840.


Heirat

Über die Ehefrau des Friedrichs ist uns leider nichts überliefert.

Storkow,

Im Altersstand (nach Verkauf des Storkower Gutes) in Fürstenwalde lebend.

Wohnungen




Gestorben





In der Generation 06: Urgroßeltern, mütterlicherseits

des Wernher Bauer


Sotscheck


Name

Melsheimer

(später als Verschreibung im Kirchenbuch):

Melzheimer

Friedrich Gottlieb

(der Ältere)


Vornamen

Caroline

Nowawes, 13. Oktober 1813


Geboren

Nowawes, am 01. Februar 1813

Webermeister, später Fabrikant,

Victualienhändler,

Schulvorsteher, Kirchenältester


Beruf / Tätigkeit

Ehefrau, Mutter, Hausfrau und Beraterin

Nowawes, Kirchplatz 16,

am 29. Dezember 1883,

vormittag 10 Uhr.

70 Jahre alt.


Gestorben

Nowawes, Kirchplatz 16,

am 03. September 1896,

nachmittags um 11 Uhr.

83 Jahre alt.


Das Ehepaar hat 13 Kinder – siehe Lebenslauf: Sotscheck oo Melzheimer




Generation 05 mit Wernher Bauers Großeltern, väterlicherseits:

Friedrich Bauer und seine Ehefrau

haben sechs Söhne und eine Tochter.


1


Carl

Bauer

oo

Anna Henriette Mandernach



Geboren wird Carl in Storkow, im April 1841.


(Kirchenbuchverluste in Storkow, daher keine näheren Angaben zu den Kindern möglich. Chris J., Januar 2016). Zentrales Kirchenbuch-Archiv Berlin, Find-Katalog Seite 182, Microfich-Gruppe 13662.


Carl wird zuerst Soldat, später Eisenbahnbeamter.



2


Rudolf

Bauer


Geboren

Rudolf erlernt den Beruf eines Brauers.



3


Georg

Bauer


Geboren

Georg wird ebenfalls Brauer.



4


Oskar

Bauer


Geboren

Er erlernt den Beruf eines Maschinenbauers.

Er wandert nach Nordamerika aus.



5


Hermann

Bauer


Geboren

Von Beruf wird er ein Zigarrenmacher und wandert ebenfalls nach Nordamerika aus.



6


Paul

Bauer


Geboren

Paul reist als Matrose auf einem Handelsschiff nach Nordamerika, wird dort Soldat und kommt vermutlich im Bürgerkrieg (1861–1865) zu zeitig ums Leben.



7


Marie

Bauer


Geboren

Marie heiratete den Zimmermann Paeseler.







In der Generation 05: Großeltern, väterlicherseits, des Wernher Bauer


Name:

Bauer


Mandernach

Vornamen:

Carl


Anna Henriette

Geburt:

Taufe:

Storkow in der Mark Brandenburg, am 21. April 1841

Luxemburg-Stadt,

am 12. Oktober 1844


Die Eltern

Vater: Gutsherr Friedrich Bauer aus Storkow bei Fürstenwalde

(geboren im Jahre 1803).

Mutter: Namentlich unbekannt.

Vater: Antonius Johann Mandernach Mutter: Regina Francoise Josephine, geb. Codrons.


Beruf / Stand:


und

Wohnorte

Ab 1858 Soldat im 29. Rheinischen Infanterieregiment in der Festung Luxemburg.

Später Eisenbahnbeamter in Conz bei Trier, später in Neunkirchen in der Pfalz, dann bei der niederschlesisch-märkischen Eisenbahn in Breslau.


Mutter und Hausfrau

Trauung / Eheschließung:

Luxemburg-Stadt, am 10. Februar 1866.

Carl mit 24 Jahren, Anna Henriette mit 21 Jahren.



Anmerkung:

Von 1815 bis 1866 gehörte das Großherzogtum Luxemburg zum Deutschen Bund. Die Leute der preußischen Besatzung werden von den Einwohnern gern als „Stinkpreußen“ bezeichnet. Die einfache Bevölkerung spricht deutsch, gehobene Schichten eher französisch.


Wohnanschriften:

Am Rande von Breslau am Liebigsberg, später in Pöpelwitz bei Breslau.


Tod / Gestorben:

Berlin, am 06. Januar 1900.




Carl hatte kein glückhaftes Leben durchlebt. Aus der Verwandtschaft wird berichtet, dass seine gute Ehefrau auch unter ihm zu leiden hatte.

Breslau, am 06. September 1874, mit 30 Lebensjahren an Leberkrebs und Wassersucht.


Diese edle Ehefrau und Mutter starb früh an schwerer Krankheit. Sie hatte in den 8½ Jahren der Ehe sieben Kinder geboren. Nur ein Kind war jedoch lebensfähig: Georg Friedrich, der Vater unseres „Oheim Wernher“ Bauer.






Generation 05: Die Großeltern von Wernher Bauer, mütterlicherseits


Name:


Sotscheck

Zinnow

Vornamen:


Friedrich Albert Gottlieb (der Jüngere)


Caroline Louise Auguste

Geburt:

Taufe:

Nowawes, 17. Januar 1838, nachts um 1 Uhr.

Taufpaten: Jungfrau Josua, Jungfrau Wittke, Frau Sotscheck.

Taufregister Nr. 12 / 1838

Nowawes, 08. November 1835, morgens 10 Uhr.

Taufpaten: Jungfrau Charlotte Zinnow, Jungfrau Charlotte Baatz, Frau Rohde, August Zinnow. Alle Paten aus Stolpe.

Kirchenbuch der Friedrichskirche 95 / 1835.


Beruf / Stand:


Lehrer und Küster in Liebätz, nahe Luckenwalde

Dienstmädchen im Pfarrhaus, Hausfrau und Mutter. von 5 Kindern. Als Witwe: Wäscherin, Näherin in Luckenwalde,

Betreiberin zweier Marktstände und eines Lebensmittel-Ladens in Berlin.


Wohnanschriften vor der Ehe:

Nowawes, Lindenstraße __?Kirchplatz Parz. 140 (spät. 22), 1853: Kirchplatz 5,

1854: Kirchplatz 16


Nowawes, Parzelle 60, das ist die spätere Priesterstraße 18/19.

(nach 1945: Nr. 23/24)

Trauung:

Nowawes, Friedrichskirche am 17. Januar 1865 durch Pfarrer Groote. Reg-Nr 2/1865. Er ist 27 Jahre alt und ledig. Sie ist 29 Jahre jung.


Wohnanschriften während und nach der Ehe:

Um 1835 Nowawes, Priesterstraße 60. // Liebätz bei Luckenwalde //.

Als Witwe betreibt Auguste eine Mehl- und Vorkosthandlung in Berlin-Süd, SO 26 (Kreuzberg), Boppstraße 6 und wohnt 1896 ... 1907 im Hause Bethanienufer 7, Parterre, nahe der Thomaskirche (später zeitweilig: Felsendamm 57. Es handelte sich um das gleiche Haus. Das Gebäude steht nicht mehr).


Tod / Gestorben:

Liebätz, den 19. Dezember 1878 um 1/2 8 Uhr nachmittags, Gottlieb stirbt im Alter von nur 40 Jahren, 11 Monaten, 2 Tagen an Zuckerkrankheit und Lungenentzündung. Er hinterlässt die Gattin und fünf minderjährige Kinder. Beerdigt am 23. Dezember 1878 in Liebätz. KB-Eintrag auch in Nowawes, nach Nr. 208 / 1878. Eintrag: Oberpfarrer Koller.

Berlin, am 16. Juli 1914.


Beerdigt auf dem Alten Jacobi-Friedhof in Berlin.


Die Liebe höret nimmer auf“, 1. Korinther, 13.3.



Das Paar hat fünf Kinder (siehe Lebenslauf Sotscheck oo Zinnow):




In der Generation 04: Zu den Kindern von

Friedrich Albert Gottlieb Sotscheck oo

Charlotte Louise Auguste Zinnow

gehörte als 2. Kind die Marie



Sotscheck



Geburts- und Sterbeorte sowie einige Lebensdaten


2.


Caroline Friederike Marie


(genannt „Eide“).


Eide = Mutter, entnommen aus der gotischen Schriftsprache, die auf die germanischen Runen folgte.


oo


Georg Friedrich Bauer



Geboren in Liebätz am 21. April 1868, morgens ½ 8 Uhr.

Getauft in Liebätz durch Prediger Pfeiffer, am 09. Mai 1868. Die Taufpaten: 1. Junggesell Johannes Sotscheck aus Nowawes (Onkel des Täuflings, das 8. Kind seiner Eltern). 2. Jungfrau Marie Klauck, Lehrerstochter aus Märtensmühle, 3. Caroline Rosin und 4. Therese Lehmann, beide aus Liebätz.


Heirat am 16. / 18. April 1892, mit Georg Friedrich Bauer. Dieser war geboren 1866 in Conz bei Trier, Militär in Potsdam, Schule für Unteroffiziere, Jägerallee 10, dann Cottbus, Berlin, Amtmann im Auswärtigen Amt. Rentier ab 1931. Hobby-Obst- und Gemüsezüchter in Rangsdorf. Gestorben in Rangsdorf am 28. Oktober 1938, 8¼ Uhr am Abend, nach 46jähriger Ehe.


Marie ist gestorben in Rangsdorf, am 09. August 1955.








In der Generation 04: Die Eltern von Georg Karl Wernher Bauer


Name:

Bauer


Sotscheck

Vornamen:

Georg Friedrich

Caroline Friederike Marie


Geburt:

Taufe:

Conz bei Trier, 1866

Liebätz, am 21. April 1868

Trauung / Eheschließung:

Berlin, 16. und 18. April 1892

Wohnanschriften, gemeinsame:

Rangsdorf

Tod / Gestorben:

Rangsdorf, 28. Oktober 1938,

8¼ Uhr am Abend, nach 46jähriger Ehe.

Rangsdorf, 09. August 1955








Generation 03 – Das zweite Kind der vorgenannten Eltern:

Georg Friedrich Bauer und Marie geborene Sotscheck



Der Sohn

Seine Verlobte


Die Bedeutung dieser

Familien-Namen:


Mittelhochdeutscher Berufs-Name „Bure“, das bedeutet: Bauer = Landwirt aber auch Erbauer und Nachbar, mitunter ebenfalls: Einwohner.


Ableitung von Namen wie Rupert, Ruprecht / Rupprecht.

Siehe auch Robert, althochdeutsch: Ruhm + glänzend.

Name:


Bauer

Ruppel


Vornamen:

Georg Karl Wernher


Ida Maria

Deren Väter

Georg Friedrich Bauer

Georg Heinrich Ruppel


Deren Mütter

Caroline Friederike Marie geborene Sotscheck


Maria Margarethe geb. Löhnholdt

Die Geschwister

Margarethe Sotscheck

(heiratet später Karl Schreiber)

Anna Elisabeth Hedwig (1899–1948)

die Zwillinge (* 1901):

Gertrud Gabriele u. Hertha Isolde R.


Geburt:

Taufe:

Friedenau bei Berlin, am 25. Januar 1897

Frankfurt am Main, 17. Dezember 1897

Beruf / Stand:

Dr. der Philologie,

studierte in Leipzig und in Tübingen (1921–1924).

Germanist, Schriftsteller und „Volksbuchwart“.


Dr. der Philologie,

studierte in (Frankfurt am Main und kurzzeitiger Studienaufenthalt in Tübingen).

Verlobung:

Wernher und Ida Maria sind nicht verheiratet.

„Wernher bleibt nach dem Ableben der Maria im Alter von 40 Jahren, bis zu seinem Lebensende, seiner etwa gleichaltrigen Verlobten treu.“


Wohnanschriften

Wernher wohnt in Rangsdorf, im „Altkreis“ Zossen, Falkenflur 2 (später umnummeriert in Nr.12), auf dem winkligen Grundstück zwischen Falkenflur, Grenzweg und Großmachnower Allee.


Tod / Gestorben:


Im Krankenpflegeheim in 1634 Saalow (Kreis Zossen), Haus 7,

am 22. Mai 1986.


In Berlin, 23. September 1937.

Bestattet:

In Liebätz (dem Geburtsort seiner Mutter) auf dem Bugberg, (Friedgarten) am 21. Juni 1986.

In Liebätz auf dem Bugberg, (Friedgarten) im Herbst 1937.


Für sie beide hatte Wernher eine gemeinsame Grabstelle vorgesehen mit einen kleinen Naturfelsen und von ihm mit den Lebensdaten versehen, in seiner eigenen, ihm typischen Schriftart gestaltet, die an Runen erinnert.



Die KB mit den Einträgen liegen im Zentralarchiv Berlin nicht als Verfilmung vor. Es wären dort im Findkatalog die Seiten Liebätz (im Kirchenbuch Woltersdorf): 829 / 831 und die Microfichgruppe 23274. Der amtierende Pastor hatte möglicher Weise etwas gegen das Verfilmen einzuwenden.






Einige wenige Hinweise zum Leben von


Dr. phil. Ida Maria Ruppel




1919

1921

1922


1923


1924


1925


1927


1929


1931

1936


1937


Ein Nachwort





Wer ist der im Text genannte Friedrich Gundolf, der private Mentor, Berater der Ida Maria Ruppel?






Literaturhinweise:






















Olympischer Gruß ...“, hier ein Auszug:












Olympischer Gruß aus Deutschland


an die Jugend der Welt































Ida Maria Ruppel, Berlin-Eichkamp, im Sommer 1936



Allen Völkern erscheint der Geist der Wahrheit unablässig in Vorkämpfern und in vollendeter Gestalt.


Dem Abendland leuchten nach langer Verschüttung aufs neue und nun unverlierbar über die ganze Erde die Griechen als Träger göttlicher Kräfte.

Heere von Forschern haben gearbeitet und fahren fort, sie zu erschließen, damit das Allgültige daraus wiedererkannt und das rings in den Völkern erwachende neue Leben sich an der heiligen Flamme naturnaher griechischer Erkenntnis nähren kann.


Daher wissen wir, daß der olympische Kämpfer und Sieger Empedokles lehrte:

Gleiches wird nur von Gleichem erkannt.

In seiner von den Zeitgenossen als göttlich erlebten und gefeierten Gestalt haben zwei griechischer Lebenshöhe und -reinheit weit aufgeschlossene Deutsche ihren geistigen Ahnherrn erblickt: Friedrich Hölderlin und Friedrich Nietzsche.


Der letzte (Nietzsche) hart Umrungene und seine gewaltige, alles was irgend die Griechen erkannten, in sich fassende, auf nie zuvor geahnte Höhen führende, Erde und Weltall ganz neu erschließende Leistung, gehört als richtungsweisende Kraft heute zuerst den Staatsmännern an.

Hölderlins abgeklärtere, den wilden Gegenwartskämpfen entrückte Gestalt atmet die gleiche, unserem Volke allzulang vorenthaltene Größe und ist Schutzgeist d e r deutschen Art, die im edlen olympischen Wettstreit sich am sichersten bewährt und zukunftsgestaltend zu wirken berufen ist.


Wir Deutschen ringen um die Heiligung des Lebens.


Des Volkes Sinn erwacht für die griechisch-natürliche Einheit von Seele und Leib, die nordisches Erbe ist, und öffnet ihm den Blick für die strahlenden Erscheinungen des von Hölderlin neugestalteten deutschen L e b e n s t a g e s.


Diesem Einsamen erschien er zuerst im griechischen Seelenraum. Ohne bewußtes Vorbild schuf er hier den Sonnenjüngling und heldischen Kämpfer um sein Vaterland, das Griechenland h e i ß t, und – Deutschland m e i n t, Hyperion und die ihm ebenbürtige, seiner Seele in lebensvoller Gemeinschaft zuwachsende, lieblich und herrlich zugleich erscheinende Diotima, das heißt die vom Zeus Geliebte, vom allwaltenden Gott.


Dem griechischen Sonnengott Helios-Hyperion und der durch Platon im Symposion unsterblich gewordenen griechischen Priesterin Diotima tritt ein vom Geiste beider erleuchtetes Menschenpaar zur Seite, das berufen ist, der edelsten deutschen Jugend Vorbild zu sein und in seiner Reinheit weit über sie hinaus allen Empfänglichen auf Erden zu strahlen. Sie sind geschaffen, „den tobenden Kampf mit F r i e d e n s t ö n e n des Himmels“ zu ordnen „bis der Menschen alte Natur, die ruhige, große, aus der gärenden Zeit mächtig und heiter sich hebt!“

Bevor s i e nicht wiederkehrt, können die Reinen, Jugendstarken sich nicht entfalten. Ihnen Bahn zu brechen, ist Mannesstärke, ist Götterstärke not.


Aus hohem Geschlecht erschien seinem Volk, als ein bedrängten Menschen seine reife Naturerkenntnis Fruchtbarmachender und als tiefblickender Arzt und Heilbringer, der antike Forscher und Weise und olympische Held Empedokles, den sein Schüler Pausanias, das heißt der Leidstiller, begleitet. Sein Ahn schon war in Olympia Sieger im Wagenkampf; er selbst kündet dort den ergriffenen Volksstämmen zur Abwehr des Unheils, in das er sie verstrickt sah, seine „R e i n i g u n g e n“, die erschütternden Sühnelieder.

In der Heimat lehnt er die Krone ab, erweist sich mit seinem Reichtum den armen heiratstüchtigen Töchtern des Volks als Vater, ein Lebensstifter, den die Sage dem Tode durch göttliche Entrückung entgehen ließ.

Aus karg überlieferten Berichten, noch ohne die Hilfe einer ergebnisreichen Wissenschaft, hat Hölderlin diesen Heros in seiner vollen Größe erahnt und 1799 unserem Volke erschlossen im 1916 zum ersten Mal aufgeführten gewaltigen Drama vom Tod des Empedokles.


Die W i e d e r g e b u r t eines ganzen Volkes, seines, unseres Volkes im griechischen Abbild ist darin gestaltet mit mehr als menschlicher Sprachgewalt.

Es tönt sein Wort dem Volk, als käm' es vom Olymp:

. . Menschen ist . . gegeben, daß sie selber sich verjüngen. Und aus dem reinigenden

Tode . . erstehn . . unüberwindlich die Völker. . . So wagt's! . . und hebt, wie

Neugeborne, die Augen auf zur göttlichen Natur!


Wenn dann der Geist sich an des Himmels Licht entzündet, . . wenn euch das Leben

der Welt ergreift, ihr Friedensgeist, . . der E r d e Grün von neuem euch erglänzt und

Berg und Meer und Wolken und Gestirn, . .

O dann, ihr Lieben! teilet T a t und R u h m wie treue Dioskuren: jeder sei wie alle,

wie auf schlanken Säulen, ruh' auf richt'gen Ordnungen das neue Leben und euren

Bund befest'ge das Gesetz. . .

Liebend gibt der Sterbliche vom Besten. . .

Es atmet der A e t h e r liebend immerdar um sie. Dann glänzt ein neuer Tag herauf“.


. . der Tag der heldischen J u g e n d . Sie ist Gestalt geworden im Jüngling Pausanias, der unbeirrt durch Fluch und Bann seinem erkorenen Führer zu neuem Leben, Empedokles, die Treue hält und ihm bis zum – Aetna nachfolgt. In ihm sieht der große Scheidende die Jugendkraft seines Volkes:

Ich war die Morgenwolke nur, . . Du bist zum klaren Tag geboren.“

In dieser Helle kennt „der heilige L e b e n s g e i s t“ nicht mehr Geburt und Tod,

nur Ein- und Übergang in neues Sein.


Lebendige Töne sind wir“.

Es offenbart die göttliche Natur sich göttlich oft durch Menschen.“

Und „wo ein Volk das Schöne liebt, wo es den Genius in seinen Künstlern ehrt,

da weht, wie Lebenslust, ein allgemeiner Geist, da öffnet sich der scheue Sinn,

der Eigendünkel schmilzt, und fromm und groß sind alle Herzen, und Helden gebiert

die Begeisterung.

Die Heimat aller Menschen ist bei solchem Volk, und gerne mag der Fremde sich

verweilen.




Um solche Lebenshöhe laßt uns in heiligem Wetteifer ringen.


Dies sei der tiefere Sinn unserer olympischen Begegnung.


Als edel mit uns Strebende seid uns gegrüßt!





Gestaltet von Ida Maria Ruppel,

Berlin-Eichkamp, im Sommer 1936










(Hier liegt eine auszugsweise Abschrift vor. Ursprünglich ...)

in deutscher Schrift (Fraktur, gesetzt) von Rudolf Koch,

gedruckt von Max Nowotka, Berlin-Charlottenburg 5, Philippistraße 6/7




Anmerkungen v. C.J.:


Empedokles (490–430 vor Chr.), Griechischer Arzt und Philosoph, auf Sizilien lebend.

empedos = unerschütterlich + kleos = kühn.

Hyperion, aus hyper = über + ion = gehend. Sinngemäß: Der oben Wandelnde

Dioskuren: Das sind die Söhne des Zeus
















Einige wenige Hinweise zum Leben des Wernher Bauer:

Auch Wernher wurde als junger Mann in die Vorbereitungen des Weltkrieges einbezogen. Im Januar 1914 vollendete er sein 17. Lebensjahr. Er erhielt eine Ausbildung als Pilot, flog aber nie im Kampfeinsatz.


Wernher war u. a. befreundet mit (seinem Vetter) Kurt Borries, der mit ihm gemeinsam das gleiche Studium (nach dem Ersten Weltkrieg, in Leipzig und etwa 1921–24 in Tübingen) absolviert. Jener wirkt später als Prof. Dr. der Philologie in Berlin, lehrte dann nach dem Zweiten Weltkrieg in Gießen und lebte bis zum Tode in Esslingen. Wernher lernt seine spätere Verlobte Maria während der Studienzeit in Tübingen kennen. Die Gleichgesinnten gehören zu einer Gruppe „glühender“ Hölderlin-Verehrer. (Johann Christian Friedrich Hölderlin 1770–1843).


Oft und gern hält sich Wernher Bauer in Liebätz auf. Ist es doch der Geburtsort seiner Mutter Marie Sotscheck, verehelichte Bauer (und deren Geschwister) sowie der zeitweilige Lebensmittelpunkt seiner Großmutter Auguste Sotscheck geb. Zinnow. Hier ist auch seine „Tante Agnes“ begraben, die aber bereits als kleines Kind in Liebätz starb.


Wernher Bauer hält in Liebätz Freundschaft unter anderen mit Fritz Ziege (1900–1945) und mit Richard Müller. Richard war der Sohn des Müllers namens Müller (nomen est omen), dem die Mühle abbrannte. Richard erlitt als junger Mann, so um die Zeit des ersten Weltkrieges, einen schrecklichen Unfall. Er wurde schwer verletzt bis nach Berlin (wohl in die Charité) gebracht. Dort setzte man in seinen zerquetschten Brustkorb ersatzweise drei silberne Rippen ein. Richard hatte den Unfall überlebt, blieb aber invalide. Er lebte als Einsiedler außerhalb des Dorfes Liebätz, Richtung Märtensmühle und ernährte sich hauptsächlich aus den Erträgen seiner Hühnerhaltung.


In Liebätz ergrub und fand Dr. Wernher Bauer „am Horstberg“, (hier verläuft heute der Horstweg, etwa 200 m südlich der Kirche), Hinterlassenschaften früher Bewohner dieses Siedlungsplatzes. Es sind steinzeitliche Werkzeuge: bearbeitete Feuersteine, Pfeilspitzen und manch anderes, die in den Zeiten vor ihm wohl niemand gesehen und beachtet hatte. Durch ihn wurde wohl somit das Vorhandensein einer steinzeitlichen Ansiedlung im heutigen Ort Liebätz belegt.


Zu Wernher Bauers Freundeskreis zählte ebenso der Künstler Hugo Höppener (08.10.1868–1948, genannt „Fidus“, „der Getreue“), der seit 1909 in Woltersdorf bei Erkner lebte. Jener war in Graphik und Malerei vor dem Ersten Weltkrieg ein Vertreter des Jugendstils, vertrat die Ansichten der lebensreformerischen Bewegung, malte gern Freikörperkultur, hielt Verbindung zur Anthroposophie des Rudolf Steiner, unterhielt zahlreiche Kontakte zum Friedrichshagener Dichterkreis (Gerhart Hauptmann, Erich Mühsam u. a.), zu Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse aber auch zu Walter Groupius (gesundes Leben in hellen, zweckmäßigen Bauten). – Manche Gedanken in dieser Art trug auch Wernher mit aber zu einer Umsetzung (hier z. B. bezogen auf geeigneten eigenen Wohnraum) hat das überlebenswichtige Geld nie gereicht.

Wernher Bauer war mit Fidus auch öfter in Liebätz zu Gast.


Wernher lebte in Rangsdorf (nach 1938) dann in einem kleinen, sehr bescheidenem (eigentlich nicht winterfesten) Gartenhäuschen, zusammen mit seiner Mutter Marie, geb. Sotscheck, die seit 1938 Witwe war. (Hier, einige Straßen weiter wohnte auch der Autor dieser Zusammenstellung, Chris J., so dass ein guter Kontakt zu Wernher bestand).


Dr. Wernher Bauer war über Jahrzehnte befreundet mit dem (bedeutend älteren) Bornimer Staudenzüchter Prof. Dr. agr. h. c. Karl Foerster (1874–1970). Karl Foerster war ein Sohn des Begründers der Berliner Sternwarte, Prof. Wilhelm Foerster, der aus Grünberg / Schlesien eingewandert war und dessen Ehefrau, Ina Paschen, die aus Schwerin in Mecklenburg stammte. Karl Foerster lebte seit 1910 auf einem großen Grundstück an der Flur-Grenze zwischen Bornim und Bornstedt bei Potsdam (Bornim, Am Raubfang 6). Zu dessen Arbeitsrichtlinien und Zielen gehörte: „Es wird durchgeblüht!“ Blühende Stauden das gesamte Jahr! Stauden von ihm fanden sich auch in Wernhers Rangsdorfer Garten, z.B. Rittersporn und Phlox. Ein weiterer Lebens-Sinnspruch von Foerster: „Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen, als andere“.

Zu diesem Kreis der Blumenfreunde zählte auch Heinz Schilde, Nowawes // Babelsberg, Lindenstraße 42. Er war von seiner Profession Gärtner, „Blumenkünstler“ und auch der Maler seiner Züchtungen. (Der Autor dieses Berichts, Chris J. lebte in seiner Kinderzeit unmittelbar an des Herrn Schildes großen Garten).


Wernher Bauer hat Tag für Tag geschrieben, bei immer schlechter werdendem Augenlicht, in viele Hefte und Bücher, in denen er seine Gedanken über die Welt, die Natur und ihre Menschen darlegte. Den Nachlass übernahm sein Neffe, der aber auch schon viele Jahre nicht mehr unter uns weilt. Nachdem auch jener verstorben war, nahm wahrscheinlich ein Müllcontainer das Schrifttum des Wernher Bauer auf. Diese Abläufe treten immer wieder erneut auf, so dass es auch in seinem Falle nicht mehr möglich ist, etwas von seinem umfangreichen Wissen zu übernehmen, aus seinen Forschungsergebnissen zu lernen. Viel Gescheites geht immer wieder verloren.


Zu viele Kritiker an seinen schriftlich niedergelegten Worten, an seinen Dichtwerken und großen Theorien hatte er wohl nicht. Er feilte aber trotzdem unermüdlich an den Formulierungen, um sie immer noch treffsicherer und zweifelsfrei, gut verständlich zu gestalten.


Dr. phil. Wernher Bauer und seine Verlobte Dr. phil. Ida Maria Ruppel wurden in Liebätz auf dem Bugberg 1937 + 1986 bestattet, obwohl sie selbst ursprünglich zu diesem Ort keine Beziehung hatte. Der „Bugberg“ ist als eine sanfte Erhebung erkennbar. Dessen Friedgarten ist eingebettet in einen Hain, der von Eichen und Kiefern gebildet wird. Die Grabstelle Bauer + Ruppel liegt rechts vom Eingang an der Mauer unter der alten Fichte. Die letzte Phase der bezahlten Ruhezeit ist längst abgelaufen aber da auf dem Grundstück noch viel Platz ist, konnte sich der Ortschronist Werner Ziege (1930 bis 2011) erfolgreich für das Erhalten des schlichten Feldsteins mit den eingravierten Lebensdaten einsetzen.

Nachsatz: Nach dem Ableben des Hüters Werner Ziege löste man die Bauer + Ruppel-Grabstelle auf – wohl ohne dringende Notwendigkeit. Weshalb? So wird die Kenntnis im Ort über ihn und das Andenken an ihn völlig verloren gehen. Was bleibt?


Einige Anekdoten um Wernher Bauer:


Die Heiratswarnung und ihre Wendung – oder – Der rote Schal

In den 1950er Jahren meint sein jüngerer Liebätzer Freund, dass es Zeit sei, eine Familie zu gründen. Er hatte sich eine liebe Frau auserwählt, so ganz nach seinem Herzen.

Freund Wernher aber ist bei dem „Kennenlernbesuch“ etwas skeptisch und nimmt den Freund still beiseite: „Ob sie für dich wirklich die Richtige ist? Prüfe nur gut. Ich habe da so ein Gefühl ...“.


Wernher Bauer ist ja ein einsiedlerischer Junggeselle, der nicht so sehr fein gewandet ist und seine Kleidung, bei erkanntem Bedarf und so gut er es eben versteht, selbst repariert. Zuviel Mühe verwendet er nicht darauf, denn er ist ja Philologe, nicht ein Schneider von seiner Profession. So trägt er in der Winterszeit einen langen, roten, inzwischen bereits recht „verschossenen“ Schal, in der Halsregion vom jahrelangen fleißigen Benutzen, schon fast durchsichtig geworden. Darauf weist die Braut lachend hin und meint, dass er damit nicht so herumlaufen könne. Sie bittet sich das gute Stück aus, wäscht und trocknet es, schneidet das desolate Stück heraus und verbindet die langen Enden mit geschickter Kunststopftechnik.

Wernher staunt nicht schlecht über das Ergebnis. “Ein Wunder, ein Kunstwerk, mein Freund, du hast eine Künstlerin zur Braut – es scheint genau für dich die Richtige zu sein“. So ungefähr (ich, Chris, war nicht dabei) brach es förmlich aus Wernher heraus und „sein Bann“, der Braut gegenüber, war gebrochen.



Aus der Sammlung von Denkwerken und Reimgedanken des Wernher Bauer

Meinem Vetter Richard J., gewidmet zum 1. Mai 1961, zu seinem 35. Geschäftsjubiläum:





Goethe und Schiller


Goethe und Schiller kannten einander.

Hölderlin erkannten sie nicht.

Goethe nicht, weil eigenes Licht ihn täuschte;

Schiller nicht, weil der Schatten Goethes zwischen sie fiel.

Goethe schloss das innere Auge vor dem Jünger seines Freundes

und beschwichtigte sich.

Schiller sann und forschte, er war bewegt und beunruhigt,

als wüchse er in dem Andächtigen noch einmal,

doch zu unbekanntem Ziele.

Seine Jugend verpflichtete sie zunächst zur Aufmerksamkeit,

nicht zur Verehrung.

Ehrfurcht für sich, war der Olympier gewohnt,

Opfer für die Freiheit der Held ...






Leipziger „Studentenkneipe“

Wernhers Lieblings-Studentenrestaurant in der Stadt Leipzig war der „Arabische Kaffeebaum“. Oheim Wernher bittet im Jahre 1965 seinen „Großneffen“ Chris, der zwar auch in Rangsdorf wohnt, sich aber derzeitig in Leipzig aufhält, doch mal nachzusehen, ob es dieses gastliche Haus noch gibt. Ja, es besteht noch und ist gut besucht.



Der Bugberg

Der lieben Familie meines Vetters Richard, Rangsdorf, 20. XII 1961

Herzliche Weihnachtswünsche! Anbei das Bild „vom Bugberg zu Liebätz“, gezeichnet von meinem Freund Meister Fidus. Jedes Jahr im Scheiding weile ich dort zum Sterbetag meiner Maria einige Tage. Dies' ist der Geburtsort meiner Mutter, wo meine Braut (1937) gebettet, dort ist auch meine Ruhestatt, die auf mich wartet.

Euer Wernher



Der Krauter

Sommer 1966: Unsere Familie besucht Oheim Wernher in Rangsdorf. Wir steigen aus dem Auto, begrüßen ihn. Er hat meine Schwester lange nicht gesehen und er geht mit erhobenen, ausgebreiteten Armen auf sie zu, begleitet von seinem lauten Ausruf „Oh, welch eine liebliche Erscheinung ...“, schaut dann durch die reflektierenden Fensterscheiben des Autos in das Wageninnere und sagt verblüfft nach kurzem Stutzen: „Ach hoho, das bin ja ich, ich dachte eben – was sitzt denn da noch für ein alter Krauter drin?“



Das Frühstück für den Überraschungsbesuch

Die Familie seines Neffens ist zu Besuch beim Oheim Wernher.

Für den Besuch ist ein ausgewogenes zweites Frühstück zusammenzustellen. Was soll es geben, um den Besuch zu sättigen? Eine offensichtliche Überforderung für die Verhältnisse des Gastgebers.

Wernher, der eingefleischte aber vegetarisch lebende „Junggeselle“, kommentiert sein etwas verzweifeltes „Vorbereiten“ des beabsichtigten Mahls:

„Heut' gibt es Stachelbeeren vom Strauche und ein Glas des heiligen Wassers* – eines gar köstlichen Trunks“. Und zur Eigen-Unterstützung, mit einem angedeuteten Donnern in der Stimme: „Nicht Wurstbrote sollt Ihr essen, nicht Fleisch fressen, wie die wilden Tiere“ – ja, Wernher vergräbt sich natürlich viel lieber in seine geliebten Bücher, als ein „konventionelles“ Frühstück für unerwartete Gäste zu gestalten.

(* Das „heilige Wasser“ ward aus der etwas rostigen Gartenwasserleitung gezapft).



Der wohlgefällige Gottesdienst

In jedem Jahr mehrmals, zumindest aber zu Pfingsten und im September (Sterbetag seiner Verlobten), besucht Wernher Bauer das Dörfchen Liebätz. Üblich ist es für ihn, er lässt es sich nicht nehmen, zum Pfingstgottesdienst mit einem großen Strauß der zeitig am Morgen gepflückten Wiesenblumen in der Kirche zu erscheinen, fleißig mitzutun, den Gottesdienst aktiv mit zu gestalten. Sein um 33 Jahre jüngerer Freund Werner Ziege, dem die Eigenheiten des Wernher Bauer ja geläufig sind, kann die (neuen) Pastoren, erst Herrn Vogel und später dessen Nachfolger, Pastor Spree, schon einfühlsam darauf einstimmen, was da auf sie zu kommt. So auch in diesem Jahr: Es gibt einen „etwas stärker abgewandelten“ Gottesdienst, in dem „der Bauer“ (seine Eigenbezeichnung) frohgemut in die Kirche wandert und mit gewaltiger Heroldstimme das von ihm verfasste Natur-Glaubensbekenntnis vorträgt, das nicht so ganz mit den üblichen liturgischen Vorgaben in Einklang zu bringen ist. Die Pastoren ließen ihn gewähren.



Märkisch-niederdeutsche Sprachausformung

Im Jahre 1969. Dr. Bauer kümmert sich unter vielen weiteren Vorhaben jahrzehntelang um das Erhalten der märkisch-niederdeutschen Mundart. Dafür unternimmt er mit Gustav Lehmann in Berlin-Lichtenberg Leseproben zu einem von ihm entworfenen und nun nachzusprechenden Text. Chris nimmt den Verlauf und besonders die Ergebnisse mit dem Tonbandgerät auf.

Gustav Lehmann ist selbstverständlich ein geborener Liebätzer und stammt aus einer früheren Schulzenfamilie.

Es wird ein recht schwieriges Unterfangen, weil die Herren oft langzeitig um die wirklich einzig richtige Aussprache eines Wortes ringen – bis die ernste Diskussion dann auch mal in einem befreienden Schmunzeln endet – weil, ja weil, manch eines dieser Worte ja schon im Nachbarort etwas anders gesprochen wird und sich die Sprache im steten Wandel befindet. (Die Szene erinnert mich recht deutlich an das Sprachlaboratorium des Professor Higgings in „My fair Lady“). So ist das Leben. (Kostprobe: „Do ging i mit de Schwestere över de Wersen in dat Holtze“ – oder eben auch ein bisschen anders – zumindest aber in der Bedeutung: „Da ging ich mit der Schwester über die Wiesen in den Wald“. So veranstalteten wir dann am 4. Januar 1969 eine Generalprobe und da sich der Abend schon stark neigte, wurde die endgültige Fassung am 8. Februar aufgenommen. Von der Endfassung fertigte ich dann verschiedene Tonband-Kopien, deren Kapseln mein Vater in Kunstschrift beschriftete. Diese stiftete Wernher dann verschiedenen Schulen, so wohl auch den Schulen in Luckenwalde und Rangsdorf, und selbstverständlich der Gemeinde Liebätz, damit die Kinder noch hören könnten, wie man in ihrer Heimat auf dem „platten Lande“ sprach, und mit der Anregung, dass sie diesen Teil des Volkstums auch bewahren mögen.


Als Philologe war Wernher bemüht, die deutsche Sprache weitgehend vor Fremdeinflüssen, „vor den Barbaren“, wie er sagte, zu schützen und diese Sprache zu pflegen. So benutzte er für die Verwandtschaftsbezeichnungen stets Oheim statt Onkel, Muhme statt Tante, Base / Vetter statt Cousine und Cousin, Eidam statt Schwiegersohn. Das Benennen der Monate: im Schriftlichen entweder mit römischen Ziffern oder mit der Verwendung älterer deutscher Bezeichnungen: Hartung, Hornung, Lenzing, Aprilis, Mai, Brachet, Heuert, Ernting, Scheiding, Gilbhart, Nebelung, Julmond.



Die Weihe im Sommer 1972

Chris hatte zu Wernher Bauer besuchsweise ein Kind mitgebracht, dessen leiblicher Vater aus Ghana (Afrika) stammte. Bei dem Besuch in Rangsdorf, bei dem Kontakt mit dem Kinde, jubelt Wernher geradezu. Er habe doch den hölzernen Rundhocker mit geschnitzten Figuren als Beine, der vom afrikanischen Erdteil hierher kam, wohl von dunkelhäutigen Händen kunstvoll geschnitzt aber nachgerade nur immer von Weißen „besessen“ worden sei. Diesem Hocker sei hierzulande noch nie die rechte Weihe (des afrikanischen „Einsitzens“) zuteil geworden – und heute sei nun endlich der Tag für solch ein feierliches Zeremoniell gekommen.



Neue Personalausweise

1964 gab es für die DDR-Bürger neue Personalausweise – diese "laufen nun wieder aus". Im Frühjahr 1979 werden „von Amts wegen“ für alle Bürger wieder Personalausweise ausgestellt. Bei der umtauschenden Abholung im Polizeirevier, sind für das neue Exemplar 2,- M (Mark der Deutschen Notenbank der DDR) zu entrichten. Wernher betrachtet nachdenklich den „auslösenden Verursacher“ dieses Vorgangs und die „Auswirkung dieser Bestellung“ auf sich selber und klärt den jungen Volkspolizisten, als den Vertreter der Staatsmacht auf: „Nicht ich habe einen neuen Ausweis beantragt, nicht ich habe Sie beauftragt, ich wünsche gar keinen anderen, als den bisherigen zu besitzen – Sie aber wollen mir unbedingt einen anderen geben. Dann müssen wohl auch Sie die Kosten tragen“, so sehe ich die Lage. Ich habe die Mindestrente.

Wie „treu und unschuldig“ er damals dabei etwa den Polizisten anschaute ist für uns leicht erlebbar, denn das Passbild für jenes neue Personaldokument ist uns erhalten geblieben.

Wernher war wohl einer der Wenigen, der das neue Personaldokument kostenlos erhalten hat.

Anzumerken ist, dass Wernher ja nicht über Einkünfte aus seiner literaturliebenden Tätigkeit (selbsternannter „Volksbuchwart“) verfügte, im Alter wohl gerade über die Mindestrente von 400 Mark im Monat.



Rangsdorf, 9. VI. 1978

Lieber Großneffe, heut' schreibe ich Dir ein Gedicht ab. Es ist posthum für meinen Kohlenträger gedacht, der plötzlich in seinem schweren Dienst verstarb. Ich schrieb es im Sinne der „DDR-Arbeiter-Mach-mit-Bewegung“. Weil er aber auf dem Kohlenplatz als Sonderling angesehen und auch verlacht wurde, hat man meine Zeilen nicht veröffentlicht. Vielleicht lag es auch zusätzlich daran, dass es nicht um ein sozialistisches Kollektiv geht, das heldisch verehrt wird.



Ein Held


Ein Held der Arbeit starb im Kohlenstaub,

ein Kohlenträger nur, ein Mann, ein Held.

Er lief als Narr und ward als Narr betrachtet –

grad wie ein Schornsteinfeger trug er den Zylinder.


Die Narrenfreiheit nahm er sich,

dass man ihn ungeschoren ließe

im Lauf der Welt, ein Narr, ein Held.

Er hatte Herz – habt ihr das auch,

ihr, die ihr ihn verhöhntet?

Ein Narr mit Herz, ein Held der Arbeit.


Darum liebt' ich ihn, wir waren wie zwei Brüder.

Er war ein Mann, ein Held! Ich lieb' ihn noch.

Er dankte es mir, wo er mich auch sah,

von seinem hohen Wagen.


Zwei Tonnen Kohle fuhr er täglich aus –

da lachte er, da grüßte er mich freudig,

werktags und des sonntags auch

und unverdrossen spielte er den Narren.


Und liebte mich, den Freund.

Er bracht' mir die Kohlen wie ein Geschenk

und schüttete sorglich, dass viele 'reingeh'n,

die Kiepe in dem engen Schuppen aus.


Und stieß er sich am Eingang mit der Bürde,

das tat ihm nichts, er lachte wohlgemut

und bracht' allein für mich,

wohl an die dreißig Kiepen.


Ein Kohlenträger nur, ein Mann, ein Held.

Ein Narr mit Herz, ein dankbarer Gesell –

allein er ist und einsam.


So starb er auch, der Stämmige, eisern, hart,

ganz plötzlich an dem Kohlenstaub,

ein Kranker in den Sielen.

Ein Held der Arbeit starb vor uns.



W. B., Frühjahr 1978








Wunderbar


Wunderbar ist das Leben –

wunderbar ist der Tod;

denn der ist auch das Leben:

Das Tor zu Gott.



30. Ernting 1982 W. B.









Eine Vision


Angenagelt zum Begaffen, seht,

da steh'n die Menschenaffen,

die die Götter, die wir suchen,

heut' verhöhnen und verfluchen.

Heute Saulus, morgen Paulus.

Fluch von hüben, Fluch von drüben,

bis ein Sturm die Spreu verweht

und die Gottheit aufersteht.


18. Lenzing 1983





Vorwort zu „Liebätz“.

Es folgen einige Gedanken des Wernher Bauer, 14 Jahre vor dem eigenen Ableben – bezogen auf die Zeit danach. Die Zeilen richtet Wernher an seine vergeistigte leibliche Mutter Marie, die auf dem Friedhof in Liebätz ruht. Liebätz war auch ihr Geburtsort, ein kleines Dorf im Urstromtal des Flüsschens Nuthe (siehe Lebenslauf: Sotscheck oo Zinnow). In seinen Gedanken bezieht Wernher ganz natürlich seine schon 1937 verstorbene Verlobte Ida Maria („Itis“) ein, die dort ebenfalls bereits auf ihn wartet. Beide Frauen, Mutter und Verlobte, scheinen für ihn in den Versen gleichsam miteinander zu einer Idealfigur zu verschmelzen.

Wernher wird dort, in gleicher Grabstelle, am 21.VI. (Heuert) 1986 bestattet werden.

Der Begriff „Eide“ kommt aus dem Gotischen und bedeutet „Mutter“. Wernher nannte so seine Mutter (ein innerfamiliärer Rufname). Der „Schwabe Holder“ bedeutet: – die beiden Philologen waren Verehrer des schwäbischen Lyrikers Friedrich Hölderlin (1770–1843).







Liebätz


Wir sind bei Dir, Du liebe Mutter „Eide“

in Deinem Dorf, das Dir das Leben gab,

Liebätz ist uns die Wiege und das Grab.

Wir ruhen gerne auf der Hügelheide.


Auf Deinem „Bugberg“ über grüner Weide.

Itis und ich. Das Höchste, was ich hab,

ich senkte dankbar ihren Leib hinab,

ihr holdes Herz, von dem ich nimmer scheide.


Du rufst mich bald zu Dir, Du Lebensquelle

gemeinsam weihen wir den süßen Schoß:

Liebätz ist schlicht und doch an Wundern reich.


Du bist dem trauten Schwaben „Holder“ gleich,

des Deutschen Volkes Herz so rein, wie groß.

Dich birgt Liebätz, dass es die Welt erhelle.



W.B. 22. IX. 1972





An jener Stelle bauet der Herrliche

dir gottgesandte Ruhe – den Dankaltar.

Dort harrt er, wonnelächelnd, wie die

scheidende Sonne, des längeren Schlummers.


(aus: „An die Ruhe“, Hölderlin, um 1788






Verwandte


Hier in Liebätz, so erzählt Wernher Bauer, verbrachten vor mir Zeiten ihres Lebens:



Zur letzten Ruhe geleiteten Wernher am 21. Juni 1986 auf den Bugberg zu Liebätz die uns bekannten Verwandten und Freunde u. a. aus Liebätz, Dresden, aus Rangsdorf und aus Potsdam, um ihn wieder mit seiner Verlobten zu vereinen.






– Ende –