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Ein Gotteshaus für Nowawes - Die Friedrichskirche und ihre Pfarrer


Im Interesse der weiteren Peupelierung der Mark Brandenburg, beschloss 1750 der kleine drahtige König Friedrich II, der auch gern der Große und der Alte Fritz geheißen wurde, die Errichtung eines böhmischen Etablissements bey Potsdamp. Die Bauleitung geruhte er dem Obersten Wolf Friedrich von Retzow zu übertragen. Jener plante, ließ bauen und überwachte das Fortschreiten. Das tat auch Not, denn der König hatte ja bereits ausgiebig Zuzügler angeworben, die sich auf den Weg begaben, als auf der „Neuen Scholle“ noch kein einzig Haus stand. Und geplant wurde mächtig und großzügig – allein die Lindenstraße, rund 60m breit.

Schon 1751 wurden 50 Doppelhäuser der böhmischen Colonie fertig. 1752 weitere 48 Bauten, so dass nach reichlich eineinhalb Jahren fast 200 Familien in die Typenhäuser einziehen konnten. Fertig wurden in jenem Jahr auch die Schule und das Haus für den künftigen Prediger. Noch aber mangelte es an einem nutzbaren Orte für die sonntäglichen Erbauung. Erahnen konnte man diese Stätte indessen, denn das Kirchlein wuchs bereits auf dem dreieckigem Platze. Entworfen hatte es beizeiten Jan (Johann) Boumann der Ältere, der als 26 jähriger nach Potsdam kam, nachdem er in der niederländischen Heimat die Berufe der Zimmerer-, Tischler- und Schiffbaukunst erlernt hatte. Von 1735 an prägte er unter Friedrich Wilhelm I und seinem Sohn Friedrich II das Aussehen des Holländischen Quartiers, entwarf als Baudirektor die Französische Kirche, das Berliner Tor, das alte Potsdamer Rathaus, Fabriken, und gestaltete gar manches Bürgerhaus. Nun arbeitete er mit den Bauleuten an der Kirche und zwar so, dass sie schon am Sonntag, den 6. May anno Domini 1753 geweiht werden konnte und dabei den Namen seines Bauherrn - ihm zur Ehre – erhielt. Erst zu dieser Zeit hielt der Name Nowawes, die tschechische Entsprechung für den mittelalterlichen Nachbarort Neuendorf, seinen Einzug in den Sprachgebrauch (bis 1938).

Im Octobris anno 1757 wurden viele Häuser durch österreichische Husaren geplündert. Bald darauf waren es russische Soldaten, die das silberne Kirchgerät raubten. Die Preußen taten es dafür anderen Orts. Es war eben viel zu oft Krieg mit Preußen.

1759 zählte die Siedlung bereits 155 Häuser mit 681 Seelen und 103 Webstühlen. Doch es gab nicht nur Freude über die neuen Häuser. Bittere Armut, der Kampf um hinreichend bezahlte Arbeit, um das tägliche Brot stellte sich ein. – über lange Zeiten. Und auch die Seidenraupen maulten mit dem Klima und ihren Ernährern, den Maulbeerbäumen, herum. Kein ungetrübtes Glück also.

Nach dem Siebenjährigen Krieg, also ab 1769, wurde dann noch weiter gebaut, so dass die Siedlung 1767, 205 Häuser mit 1.100 Einwohnern zählte (davon 228 Böhmen). Es wurde die größte der zahlreichen neuen friderizianischen Kolonien.

Die Reihe der für die Seelen sorgenden Prediger und Pfarrer war lebendig durch:







Prediger / Pfarrer / Pastoren der Friedrichskirche zu Nowawes / Babelsberg:


01.

1751 – 1765 etwa 14 Jahre lang

Letochleb, Wentzel,

als erster böhmischer Prediger

02.

1765 – 1797 etwa 32 Jahre lang






Moses,

Matthis

03.

1798 – 1809

etwa 11 Jahre lang



Er stirbt am 17. April 1809, am Morgen um 1/2 3 Uhr in der Wohnung Priesterstr. (Parzelle) 66, an hitzigem Nervenfieber. Er wurde 34 Jahre, 7 Monate und 6 Tage alt und hinterlässt die Witwe, 2 minorenne Söhne und 2 minorenne Töchter.

Beerdigt am 20. April. KB + 40/1809



Kropatschek,

Johann Benjamin

04.

1810 – 1825 etwa 15 Jahre lang



Münnich, Julius

05.

1825 – 1831

etwa 6 Jahre lang



Uhlmann,

Gustav Adolph


06.

1831 – 1843


etwa 12 Jahre lang


Papin,

Julius Wilhelm

07.

1843 – 1848

etwa 5 Jahre lang



Steinmeyer,

Franz Ludwig

08.

1848 – 1856


etwa 8 Jahre lang

Wohnt in der Priesterstraße (Parzelle 66, das ist ab 1853 Priesterstraße 11 und nach 1945 Priesterstraße 16).


weitere Ausführungen im Anhang und unter der Rubrik „Ortsgeschichte“ im Dokument “Nowawes-Colonie“

Stobwasser,

Ernst Adolph

09.

1856 – 1872


etwa 16 Jahre lang


Geboren in Kemnath am 25. Januar 1816.

Groote,

Karl Friedrich Wilhelm


während dieser Zeit auch

1863/64

Kühne

10.

1840 – 1917


ab 1886:


etwa 40 Jahre lang

die erste Pfarrstelle

Pastor Koller aus Wriezen im Oderland, geboren am 05. Dezember 1840.

Als Gemeindepfarrer hier ab 10. Juli 1872

Die Familie Koller (2 Erwachsene, 2 od. 3 Kinder) zieht am 01. April 1892 von der Priesterstraße 11 zur Priesterstraße 1.

Seine Frau Elisabeth ist eine geborene Salin, geboren in Berlin am 29. April 1845. Gestorben am 24. Juli 1934. Das Ehepaar hat acht Kinder

Gestorben ist Pastor Koller an Herzschwäche, am 07. Juni 1917,

77 Jahre alt. Er hinterlässt die Ehefrau und 3 Kinder. Beerdigt am 11. Juni 1917, Mittelstraße, Pfarrer Dessin. Reg. 93/1917.

Bestattet ist dort auch die Tochter Anne Marie Koller. * 15. Mai 1870, † 20. Aug. 1916.



Koller,

Georg Paulus Koller,

später, etwa ab 1904:

Oberpfarrer

11.

1886 – 1894


etwa 8 Jahre lang

die 2. Pfarrstelle


Harnisch,

Friedrich Magnus Ottomar

12.

1894 – 1927


ab 1912:

etwa 15 Jahre lang die erste Pfarrstelle


„Kandidat“ Dessin ab 10. Oktober 1894.


Er wurde in Fürstenwalde/Spree am 16. März 1864 geboren. Er kam aus Perleberg. Wohnt in der Priesterstraße 1, zieht aber später (am 01.10.1894) ins Haus Priesterstraße 23.


Seine Frau Eugenie ist eine geborene Krause, die aus Berlin stammt.

Kinder: Marianne * 15. September 1896

Helmuth * 25. Oktober 1894

Irmgard * 20. April 1899


Dessin,

Ferdinand Otto Hermann (Oberpfarrer)

13.

1913 – 1916

etwa 3 Jahre lang die 2. Pfarrstelle



Hamann,

Adolf Albert August

14.

1916 – 1918

2½ Jahre lang die 2. Pfarrstelle


Schwerpunktarbeit: Die Kinderkirche


Abschied von dieser Aufgabe am 16. Januar 1919. (Der 18-jährige Richard Janecke hielt die kurze Abschiedsrede).


Kinzel,

Friedrich Gerhard

15.

1919 – 1946


ab 1928:


die 1. Pfarrstelle

Viktor Hasse wurde am 02. Januar 1885 in Stendal (Altmark) geboren. 1912 Hilfsprediger in Neukölln bei Berlin. 1913 Pfarrer im Ort Kleinau in der Altmark. 1913 Hochzeit mit Frau Karla. 1913 Ehefrau Karla stirbt bei der Geburt des Kindes Hans. 1915 Pfarrer Hasse versieht seinen Dienst bei St. Nikolai in Potsdam. 1920 Hasse heiratet Elisabeth Reichmuth. Singekreis der Kinderkirche. 1933 Pfarrer (Bekennende Kirche) in Nowawes. Mehrfache Verhaftung und Internierung. 1946 Tod am 19. März mit 61 Jahren. Bischof Dibelius hält die Trauerrede.

Weitere Anmerkungen im Anhang.

Hasse,

Benno Viktor Johannes

16.

1928 – 1949

etwa 21 Jahre lang die 2. Pfarrstelle

Geboren am 31. März 1881 in Brandenburg.

Vater: Malermeister Gustav Mehlhase

Mutter Bertha Förster

Pfarrer Mehlhase heiratete in Potsdam am 04. März 1926 die Käthe Salzmann.

Wohnung im Pfarrhaus Priesterstraße 28, Ecke Lutherstraße.


Mehlhase,

Gottfried Ernst Gustav

17.

1946 –1962

etwa 16 Jahre lang die erste Pfarrstelle




Iskraut,

Wolfgang,


(Schwager von Viktor Hasse)

18.

1950 – 1957

etwa 7 Jahre lang die 2. Pfarrstelle



Bartz,

Fritz


Selbstverständlich geht die Liste der Namen im Leben weiter. Von 1987 an wird die frühere zweite Pastorenstelle nun als Gemeindepädagogenstelle fortgeführt. Ab 1990 hat die Gemeinde erstmals auch eine Pastorin. Im Jahr 2000 zählen wir dann bereits den 27. Pfarrer.



Hinweise zu 8.

Ernst Adolph Stobwasser und seine Familie.

Weitere Hinweise auch unter der Rubrik „Ortsgeschichte“, im Dokument „Nowawes-Colonie“.




Die Eltern


Name:


Stobwasser

Normann

Vornamen:

Ernst Adolph


Friederike Betty Louise Wilhelmine

Die Eltern

Stowoda = Hundertwasser, Nachkommen von Webern, die aus Böhmen eingewandert waren.



Geburt:

Taufe:

Braunschweig, am 15. Februar 1818


1824

Beruf / Stand:

Pastor


Hausfrau und Mutter

Wohnanschriften vor der Ehe:



Trauung / Eheschließung:


Wohnanschriften, gemeinsame:

- Nowawes, Priesterstraße Parzelle 66 (ab 1853: Priesterstraße 11, nach

1945: Karl-Liebknecht-Straße 16).

- Fahrland, Pfarrhaus

- Pankow im Norden von Berlin, 1868 - 1871


Tod / Gestorben:

Pankow, 28. September 1871,

im Alter von 53 Jahren








Die Kinder der Familie Stobwasser



Nr.

Name:


Lebensdaten

1

Elfriede Julia Martha Maria



* Nowawes, 01. September 1849, in der Priesterstraße, im Hause der Parzelle Nowawes 66.

2

Adolph Nathanaäl (auch Nathanael geschrieben) Martin



* Nowawes, 10. November 1852, in der Priesterstraße, im Hause der Parzelle Nowawes 66.


Martin studierte ebenfalls Theologie.

Er heiratete Hedwig Zelle.

Er war Pfarrer in Löwenberg und 1880 - 1916 in Zühlen bei Rheinsberg.

+ Zühlen am 13. Dezember 1916.


Ein Sohn von ihm: Johann Heinrich Adolph Georg wurde

am 08. Oktober 1884 in Zühlen geboren.

Er studierte die Theologie in Tübingen, Halle und Berlin.

Ordination am 23. Oktober 1910

1910 Hilfsprediger in Boxhagen-Rummelsburg bei Berlin.

Er heiratete am 03. Mai 1911 Elisabeth Tannhäuser

1911 Pfarrer in Jagow bei Prenzlau.

1917 Pfarrer in Zühlen

1929 Pfarrer in Berlin, Nazarethkirche

1929 wieder Pfarrer in Zühlen und auch noch 1956 dort lebend.

3

Heinrich Adolph Petrus Johannes



* Fahrland, nördlich von Potsdam, 23. August 1857.


Dieser wurde Pfarrer in Lychen in der Uckermark und war später Gefängnisgeistlicher in Magdeburg.

+ Magdeburg im Jahre 1920.





Hinweise zu 15:

Widmungen für Bücher zu Geburtstagen von Pfarrer Viktor Hasse

(geschrieben vom Mitglied des Helferkreises A. Rich. Janecke, der Kinderkirche in der Friedrichkirche zu Nowawes (ab 01. April 1938 ist der Ortsname Babelsberg)


Die Widmungen in den Büchern haben folgende Helfer aus der Gemeinde unterzeichnet:

Zum Geburtstage am 02. Januar 1926

  1. Alfred Richard Janecke

  2. Meta Blankenfeldt

  3. Hilde(gard) Bredelow

  4. Ella Jaeck

  5. Hermann Kloppe

  6. Käthe Weissenstein

  7. Diakonissen-Schwester Elisabeth Gandert

  8. Wilhelm Ritter

  9. Käthe Ritter

  10. Ad(olf) Sorge

  11. Anton Krüger

  12. Margarete Wititzky

  13. Elise Engels

  14. Walter Brendler

  15. Ilse Eyselée

  16. Helene Menzel



Das Jahr 1929 beginnt. Zu den Vorgenannten kommen neue Namen hinzu:

17. Hildegard Thomas

18. Schwester Stella

  1. Karl Irrgang



In ein späteres Buch (ohne Datum aber spätestens zum 2. Jan. 1938) trugen sich außer den Vorgenannten weitere Mitarbeiter ein:

  1. Anton Bernhart

  2. Else Fitz

  3. Frieda Sarnow

  4. Ilse Heidelberger

  5. Karl Krüger

  6. Irmgard Nickel

  7. Richard Lange

  8. Emma Hönow (oo Renn)

  9. Kurt Irrgang


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Anmerkungen von Chris Janecke:

Viele der Namen sind mir, aus früheren Gesprächen der Eltern geläufig; verschiedene sind mir persönlich bekannt. Zu diesen kann ich zählen:


01. Alfred Richard Janecke, na klar, ist mein Vater. Herr Pfarrer Hasse hatte meine Mutter Annemarie, geb. Sommer, 1927 konfirmiert und später (1941) auch beide miteinander getraut.

05. Bei Familie Kloppe waren wir in der Wichgrafstraße 18 (frühere Mittelstraße) als Kinder oft zu

Gast. Hermann, Rosemarie und die drei Töchter.

07. Elisabeth Gandert, Diakonisse, Krankenschwester in der Oberlin-Klinik, war die älteste meiner

drei Patentanten.

11. / 20. „Onkel Toni“ war der Ehemann meiner jüngsten Patentante Rosemarie, Eltern zweier

entzückender Töchter.

12. Unsere Mutter Annemarie verband eine lebenslange Freundschaft mit Gretel. Sie waren beide

Angehörige des „Elisabethenkreises“, der jährlichen Gedenktreffen zum Geburtstag von

Elisabeth Gandert.

14 Walter Brendler hatte später zwei Töchter und war ein uns Befreundeter – außerdem ein

begnadeter Tischler. Die Familie wohnte in der R.-Breitscheid-Straße 42.

17. Hildegard Thomas war eine der fünf Töchter des Elektromeisters Thomas.

27. Emma Hönow heiratete später Erich Renn. Schon wieder sind zwei Töchter zu erwähnen. Die

Familie wohnte Weberplatz 2.


Pfarrer Theodor Hoppe lebte von 1846 bis 1934.

Er war der Leiter des Oberlinhauses in Nowawes und einziger Ehrenbürger der Stadt.