Dachdecker

Das Eindecken der Hausdächer mit harten kleinformatigen Bauelementen (hauptsächlich mit Ton-Dachziegeln) erlebte einen Aufschwung, nachdem es wegen der Gefahr von Feuersbrünsten zumindest vorerst in den Städten untersagt wurde, die Dachstühle der Häuser mit einer brennbaren Wetterschutzschicht einzudecken. Zu den verbotenen Materialien gehörten dann Stroh, Schilf, Rohr (Reet) und Holzschindel. Anfangs (schon im 15. Jahrhundert) wurden vorzugsweise Hohlziegel verlegt, später dann Flachziegel in unterschiedlicher Ausformung. In verschiedenen Landstrichen ist aufgrund natürlicher Vorkommen auch die Dachdeckung mit Schiefertafeln anzutreffen.

Zwei bis drei Lehrjahre sind in der Ausbildung üblich.
Die Tätigkeit ist mit erhöhter Absturzgefahr verbunden, daher wird Schwindelfreiheit bereits vor der Aufnahme der Lehre vorausgesetzt.
Die Ausrüstung des Dachdeckers besteht aus einer Tragetubbe, der Dachleiter, eventuell einem kleinen Hand-Flaschen-Aufzug nebst einfachen Handwerkzeugen wie Hammer, Zange, Säge, Winkel und Zeichenstift. Ein Maschinen- und Geräte-Park gehört nicht zur Ausstattung dieser Tätigkeit.
Der Dachstuhl wird vom Zimmermann errichtet. Zu den Arbeiten des Dachdeckers gehören hingegen alle dann folgenden Holzarbeiten: Das Belegen des Dachstuhls mit Schalbrettern und das Montieren der Dachlatten als Auflage für die Ziegel.
Zum alten Brauchtum gehört beim Ende der Arbeitsleistung das "Aufstecken des Hahns" seitens des Dachdeckers und das Bereitstellen einer deftigen Mahlzeit seitens des Bauherrn. Es handelt sich dabei um eine bescheidene frühe Form des späteren Richtfests.
Am Ende größerer Aufträge war es neben der regulären Bezahlung in Geldwerten üblich, dass der Meister vom Bauherrn 1 Paar neue Schuhe und Strümpfe erhielt.