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Hinweise zur Zeitgeschichte 1801 – 1900
Ein kleines Nachlesewerk.
Heimatgeschichte. Notizen als Begleitung der Ahnen- und
Familienforschung, Bearbeitungsstand: September 2008
Diese Beiträge zur Zeitgeschichte wurden zusammengestellt von: Christoph Janecke,
E-Mail: christoph@janecke.name
Verwendet wurden als Literaturquellen: Stein:
Kulturfahrplan, Autorenkollektiv Dr. Richter: Unsere Welt 1800 – 2000, D. und
R. Glatzer: Berliner Leben 1900 – 1914, Rezac: Rund um die großen Erfindungen,
Lenz: Das Buch der 1000 Rekorde, Altberliner Bilderbogen von Hans Ludwig sowie ungezählte
Meldungen in Zeitungen und Zeitschriften, Radio und Fernsehen. Diese Werke
enthalten auch wertvolles Bildmaterial zur Zeitgeschichte. Die vorliegende Notizensammlung
erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird daran gearbeitet, diese
Beiträge zur Zeitgeschichte in die Zeiträume vor und nach dem hier
vorgestellten Jahrhundert auszudehnen und auch die Angaben zum vorliegenden
Jahrhundert weiter zu vervollständigen.
In der Kunst
dominiert von etwa 1800 bis ungefähr 1840 „das Empire“, „Das Biedermeier“ etwa
1815 – 1848 ist dessen weiter vereinfachte, bürgerliche Form (hell, leicht,
freundlich, geblümt). Der Hochklassizismus (im
Bauwesen sind Vertreter Schinkel und Persius) zeigt Einfachheit und Klarheit der
Linienführung.
Das 19.
Jahrhundert beginnt
1801 - Einige Hinweise zur Zeitgeschichte des Jahres
Politik:
Seit 1797 regiert in Preußen
König Friedrich Wilhelm III und er wird das Regierungsamt bis 1840 innehaben.
Seine Frau ist die beliebte Königin Luise (von Mecklenburg – Strelitz).
In den USA ist Thomas Jeffersen (bis 1809) Präsident.
Derzeitig gibt es auf der Erde fünf Millionen-Städte. Im Jahre 1900 werden es bereits 15 sein und im Jahr 1966 wird man 120 zählen.
Wissenschaft:
Am 22. Februar entdeckte der junge Physiker, Chemiker und Pharmazeut Johann Wilhelm Ritter in Jena, dass es jenseits der violetten Anteils des Sonnenlichtes noch weitere Strahlung kürzerer Frequenzen gibt. Er entdeckte die „Ultraviolette Strahlung“.
G. Piazzi entdeckt den Planetoiden „Ceres“.
Wissenschaft / Medizin:
In Großbritannien sind in den vergangenen fünf Jahren nach den Impfanfängen von Edward Jenner, bereits 100.000 Menschen erfolgreich gegen die Pocken geimpft worden (siehe auch1796).
Wissenschaft / Landwirtschaft:
Seit ungefähr 800 Jahren herrschte die Dreifelderwirtschaft, mit einer sich ausruhenden Brachfläche. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung wird es nun aber erforderlich, die Bodennutzung einschließlich der Bearbeitung intensiver zu gestalten.
Technik:
Der leibeigene Russe Astamanow entwickelt aus Holzbauteilen ein Laufrad (siehe auch 1817) aber seine Herrschaft zeigt keine Interessen an einem Einsatz oder einer Verbreitung.
Die Dampfmaschinenkraft beginnt an einigen ausgewählten Beispielen an die Stelle der bloßen Muskelkraft zu treten.
In England wird der erste Dampfkraftwagen für den Straßenverkehr gebaut.
Bauwesen
Der junge Architekt Karl Friedrich Schinkel aus Berlin, geboren war er in Neuruppin, hat auf dem Potsdamer Eichberg sein erstes Werk, den Pomona-Tempel gestaltet. Nun erhält er den Auftrag, Pläne für den Wiederaufbau des abgebrannten Dorfes Quilitz im Oderbruch zu erarbeiten, das später Neu Hardenberg (zeitweilig auch Marxwalde) genannt werden wird.
Wirtschaft:
Jaquard entwickelt den nach ihm benannten Webstuhl.
Die erste Rübenzuckerfabrik nimmt ihren Betrieb auf.
Malerei:
Es stirbt mit 75 Jahren der deutsche Maler Daniel Chodowiecki, der unter anderem Werke Lessings, Goethes und Schillers illustrierte.
Musik:
Beethoven komponiert "Die Geschöpfe des Prometheus" und Haydn "Die Jahreszeiten".
Erziehung:
Pestalozzi, ein Schweizer Pädagoge, gibt mit dem Buch "Wie Gertrud ihre Kinder lehrt", den Müttern Anleitung, ihre Kinder selbst zu unterrichten.
Aus der
Zeitgeschichte - Das Jahr 1802
Wissenschaft:
Alexander v. Humboldt ersteigt in Ecuador den 6.310 m hohen Chimborazzo.
Erstmals wird der Begriff „Biologie“ für eine neu eingeteilte Wissenschaftssparte eingeführt, von Gottfried Reinhold Treviranus geprägt. Entstanden aus der „Naturphilosophie“.
Wirtschaft:
In England sollen Lehrlinge
"nur noch" 11 Stunden täglich arbeiten.
Das Seebad Travemünde wird
eröffnet.
Bauen in Potsdam:
Am Jungfernsee wird „Die Chaussee zur Schwanenbrücke“ angelegt. Später in „Schwanenallee“ umbenannt. (Von 1961 bis 1989 verlief hier ein Stück „der Mauer“, der Grenze zwischen West-Berlin und Potsdam, der ein großer Teil der ursprünglichen Bepflanzung zum Opfer fiel.
Das Jahr1803
Wissenschaft:
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika beauftragt Merri Wether Lewis und William Clark zur Suche nach einem natürlichen Wasserweg zwischen Atlantik und Pazifik zur Überwindung des Felsengebirges. Die Suche wird von 1803 bis 1806 dauern. Wir nehmen an, dass sie letztendlich ergebnislos verlaufen sein wird, denn später wird aus gleichem Beweggrund der Panamakanal gegraben.
Technik:
Richard Trevithnick baut in England eine Dampfkutsche für 10 Personen. Der Durchmesser der Antriebsräder beträgt 2.500 mm, der Wagen ist 16 km/h schnell. Das Gefährt kann als Vorläufer sowohl der Lokomotive, als auch des Autos gelten.
Musik:
Ludwig van Beethoven verliert seit 1800 zunehmend an Hörfähigkeit.
Aus der
Zeitgeschichte - Das Jahr 1804
Politik:
Stein und Hardenberg verfassen
„Demokratische Grundsätze in einer monarchistischen Regierung“ (Reformen statt
Revolution).
Stein bereitet ein königliches
Edikt vor das, am 9.10.1807 verabschiedet, die Erbuntertänigkeit der Bauern
aufheben wird. Persönliche Freiheit wird gewonnen. Der Freikauf von den Diensten
auf Junker-Land wird möglich, ebenso Landerwerb für „spannfähige Bauern“ (mit
eigenen Zugtieren) – aber den meisten fehlt das Geld dazu – deshalb die
generelle Reform erst 1848.
Hardenberg wird preußischer
Außenminister (bis 1808). Freiherr von Stein kommt in die preußische Regierung
(bis 1808).
Frankreich: Der Erste Konsul Napoleon Bonaparte krönt sich am 02. Dezember 1804 und anschließend seine Frau Josephine der Kirche Notre-Dame selbst zum Kaiser Napoleon I. aller Franzosen. Der Papst muss dazu anreisen – als Zuschauer. Napoleon Bonaparte wird für nur 10 Jahre Kaiser der Franzosen sein und ab 1805 König von Italien. Die längste Zeit seiner Regierungsdauer wird er Eroberungskriege (ungerechte Expansionskriege) führen. Diese seine Zeit der Feldzüge endet in einer europäischen Katastrophe. Napoleon I. Bonaparte wird zu einem der berüchtigten Staatsmänner der Geschichte.
Technik:
Oliver Evans unternimmt in Philadelphia Probefahrten mit dem von ihm entwickelten Straßendampfwagen.
In England fährt die erste Eisenbahn: Richard Trevithnick baut die erste Schienenlokomotive „Tramwaggon“ (für eine Grubenbahn). Sie soll die Arbeit der Zugpferde ablösen. Die Lok erreicht mit einer Anhängelast von 7 Wagen mit 10 t Erz und 70 Menschen, acht km/h.
Der Engländer Sir George Cayley studiert den Vogelflug, baut und testet Segelflieger und segelt in diesem Jahr gar eine kurze Strecke mit einem Segler von 30qm Tragfläche Er ist ein Vorläufer der späteren Versuche von Otto Lilienthal.
Wirtschaft:
Der Arzt und
Landwirtschaftsexperte Albrecht Daniel Thaer kommt vom königlichen Lehrinstitut
Celle, folgt dem Ruf des Staatskanzlers v. Hardenberg ins Brandenburger Land,
um die landwirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessern, weil Stadtbewohner und
Heer nicht ausreichend versorgt werden können.
Die Königliche Eisengießerei in Berlin wird gegründet.
Alexander von Humboldt bringt von seinen Auslandsreisen Dahlien mit nach Berlin.
In Halle an der Saale wurde in diesem Jahr die erste Deutsche Schokoladenfabrik gegründet – das Hallorenwerk.
Literatur:
Goethe wird Geheimrat. Schiller schreibt „Wilhelm Tell“. Dorothea Schlegel, Tochter von Moses Mendelssohn, gibt die „Sammlung romantischer Dichtungen des Mittelalters heraus.
Chamisso lernt im Berliner Salon der Henriette Herz u.a. den Philosophen Fichte und den Theologen Schleiermacher kennen.
Musik:
Beethoven komponiert seine 3. Sinfonie, die „Eroica“.
Theater:
Friedrich v. Schiller besucht am 17. Mai das Potsdamer Schauspielhaus.
Aus der
Zeitgeschichte - Das Jahr 1805
Politik:
Im Vorfrühling lässt sich Napoleon
Bonaparte in Mailand / Milano zum König von Italien krönen (Eigenkrönung wie in
Paris). Hier ist es die eiserne Krone der Lombardenkönige.
Der Brite Admiral Nelson siegt am 21. Oktober 1805 in einer Seeschlacht bei Trafalgar über napoleonische Truppen.
Schaffen eines Bündnisses zwischen England, Österreich und Russland (3. Koalition) gegen Napoleon. Preußen verhält sich zögerlich – neutral.
02. Dezember 1805: Napoleon Bonaparte bricht in Österreich ein. Schlacht bei Austerlitz in Mähren. Napoleon besiegt die verbündeten Österreicher und Russen. (Dreikaiserschlacht: Franz II, Alexander I u. Napoleon Bonaparte). Hunderte von Toten bedecken das Schlachtfeld.
Anlässlich eines Besuches des befreundeten russischen Zaren Alexander I bei König Friedrich Wilhelm III und Königin Luise, wird der bisherige Ochsenmarkt- und Exerzierplatz in Berlin „Alexanderplatz“ genannt.
Wissenschaft:
A. Setürner entdeckt das Morphium
und seine Wirkung.
Technik:
Am 16. September unternimmt als
erster Deutscher der Berliner Professor Friedrich Wilhelm Jungius eine
erfolgreiche Ballonfahrt mit einem selbstkonstruierten Luftfahrtgerät.
Eine Rundsieb-Papiermaschine für
endloses Papier nimmt die Produktion auf.
Chanel stellt Tunkzündhölzer her.
Joseph Marie Jacquard aus Lyon
(1752 1834) stellt nach vielen Versuchen einen Webstuhl vor, der, mittels
Lochkarten gesteuert, verschiedenste Muster weben kann.
Literatur:
In Leipzig gründet sich der Verlag von Friedrich Arnold Brockhaus.
Alltag:
In London werden für besondere Aufgaben Polizeiagenten eingesetzt (Vorläufer der Kriminalpolizei).
Mode:
Kleinkindermode:
Der offenen Weste wurden ein paar
weite Hosen angenestelt, die hinten offen waren. Wie praktisch für mancherlei
Geschäfte. Darüber kam ein türkischer Spenzer. So war der Anzug vollendet, der
im Sommer, wie im Winter Hals, teilweise die Brust und Arme bloß ließ.
Aus der
Zeitgeschichte - Das Jahr 1806
Politik:
Am 12. Juli gründet Napoleon Bonaparte in Paris den Rheinbund. 16 deutsche Fürsten stellten sich unter das Protektorat Frankreichs und damit gegen Österreich und Preußen. Kaiser Franz von Österreich gab nach diesem Schachzug die Reste des Deutschen Reiches auf.
Am 6. August hört das tausendjährige "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" auf zu bestehen. Damit wird beispielsweise Vorpommern schwedisch.
Kriegserklärung Napoleons an Friedrich Wilhelm III. Belagerung des neutralen Preußens durch französische Truppen.
Am 14. Oktober: Russisch-preußische Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt gegen die Truppen Napoleons. „Das Königshaus“ flieht während des Gemetzels nach Küstrin, dann nach Königsberg in Preußen und letztlich nach Memel. Auf dem letzten Stück dieser Reise begleitete der Berliner Hofarzt Hufeland die schwerkranke Königin. Das Preußische Königshaus hinterlässt „den lieben Berlinern“ die Mahnung: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“. Es wurden in diesem Jahr „in Ruhe“ mehr Kartoffeln eingekellert als in anderen Jahren.
19. Oktober: Halle / Saale wird von der französischen Grande Armee besetzt. Prinz Louis-Ferdinand (Neffe von Friedrich II)stirbt in einem Gefecht bei Saalfeld. Am 21. Nov. erließ Napoleon in Berlin das Dekret zur Kontinentalsperre, das jeden Handel mit den britischen Inseln verbot. Die Stadt Magdeburg fiel an die Grande Armee ohne Kampfhandlungen. Und die fast als uneinnehmbar geltenden Festungen Stettin, Küstrin und Hameln ergeben sich kampflos „schon angesichts der ersten französisch redenden Pferde“ – eine Schande. Keine teutonische Kampfeswut, sondern kampflose Ergebenheit. Ebenfalls am 19. November rücken 3.000 Mann französischer Besetzung in die Freie Stadt Hamburg ein. Was heißt Franzosen? Deren Fahne ist es – ansonsten marschieren darunter auch viele Italiener, Holländer, Spanier, wie auch Deutsche. Dazu werden als Armeequartiere Häuser geräumt, egal wo deren bisherige Bewohner bleiben – und ihr Hab und Gut. Kirchen werden als Pferdeställe genutzt, das Gestühl wird dazu vorher hinausgeworfen und als Brennholz bezeichnet. So wie es Hamburg ergeht, erleiden zu dieser Zeit viele deutsche Städte und deren Bewohner ein vergleichbares Schicksal.
Am 21. Nov. Verhängt Napoleon
auch eine Kontinentalsperre gegenüber England, verbietet also alle bisherigen
Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, ja selbst jegliche Korrespondenz. Jeder
englische Bürger soll Kriegsgefangener werden, so das französische Ziel. Er möchte
damit die Briten wirtschaftlich in die Knie zwingen. Die Folge ist jedoch eine
bessere Ressourcennutzung und ein Rationalisierungsprozess in der englischen
Wirtschaft und Industrie.
Am 24. November zog Napoleon mit seinen Truppen in Berlin, Potsdam und Umgebung ein und bezog hier in Potsdam für zwei Jahre, bis Dezember 1808, Quartier. Dazu gehörte das Hauptkavalleriedepot seiner Armee. Mit der Besetzung begann auch für die Potsdamer Bevölkerung eine harte, entbehrungsreiche Zeit. Zur Verpflegung der Besatzer mussten täglich Tausende Brote gebacken werden. Dazu war der entsprechende Aufstrich zu liefern. 2.500 Flaschen Wein pro Tag beanspruchte das Heerlager und Futter für 15.000 Pferde.
Knapp sieben Jahre bleiben die
französischen Truppen in den deutschen Städten, die von den Abgaben, die auch
die einzelnen Bürger leisten müssen, in den Ruin getrieben werden.
In den Jahren 1806 –1808
verließen etwa 2.500 Potsdamer ihre Heimatstadt. Im benachbarten Nowawes
arbeiteten von vorher 450 Webstühlen nur noch fünf.
Erschossen wurde Johann Friedrich
Palm wegen seiner Flugschrift "Deutschland in seiner tiefen
Erniedrigung", gegen die Franzosen gerichtet. Er war 40 Jahre alt.
Die erfolgreiche französische Blockade gegen das mit Österreich und Russland verbündete Großbritannien hielt bis 1813 an. Frankreich errichtet das Königreich Holland.
Literatur:
Achim v. Arnim schreibt "Des Knaben Wunderhorn". Johann Gottfried Seume verfasst den Bericht aus Russland "Mein Sommer 1805" Er wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Demographie:
1806 hatte Deutschland 29 Millionen Einwohner
1850 wird Deutschland 42,8 Millionen Einwohner haben
1900 56
1930 65
Das Jahr
1807
Politik:
Gneisenau und Nettelbeck verteidigen die Festung Kolberg gegen die Franzosen bis zum Friedensschluss. Ruhmloser / unehrenhafter Friedensvertrag mit Frankreich, Russland (Zar Alexander I) und Preußen (Friedrich Wilhelm III) in Tilsit am 7. Juli 1807 nach totaler Niederlage Preußens gegen Napoleon. Die unterlegenen Herrscher erkannten damit den Status der Raubzüge von Frankreich an. Auch der persönliche Einsatz der Königin Luise konnte an diesen Ergebnissen des Friedensschlusses nichts ändern Damit schied Preußen aus der Reihe der Großmächte aus und wurde zu einem machtlosen Kleinstaat. Es verlor damit mehr als die Hälfte seines vorherigen Gebietes, darunter alle Ländereien westlich der Elbe und mehr als die Hälfte seiner Einwohner. So wird auch die Preußische Altmark für einige Jahre dem neu gegründeten Königreich Westfalen angegliedert. Es residiert König Jeromé, ein Bruder Napoleons (vom Volk genannt „König Lustik“). Napoleon Bonaparte gründet auch das Herzogtum Warschau. Zar Alexander I ist es zu danken, dass Preußen nicht komplett aufgelöst wurde. In Preußen herrscht Besetzung mit Abgaben, Unterdrückung, Todesurteilen und Überheblichkeit seitens der französischen Besatzer.
Der preußische König Friedrich Wilhelm III übertrug
Freiherrn vom und zum Stein das Organisieren der Staatsverwaltung für das
bürgerliche Leben. (Städteordnung, Recht der weitgehenden Selbstverwaltung,
Behördenreform). Zu den Reformen von Stein gehört das Oktoberedikt. Es wurde
mit diesem Edikt die Erbuntertänigkeit aufgehoben, macht die Bauern persönlich
frei; einhergehend mit einer Erleichterung der Feudallasten auf dem Lande.
Adelssonderrechte werden aufgehoben. Allerdings gibt es auf dem Lande seitens
der Junker Widerstände gegen die Änderung der alten „gottgewollten Ordnung“. In
Buckow z. B. gelingt es dem Schlossherrn Graf von Flemming die Einführung zu
verhindern, „weil die armseligen Bürger keine Zeit für die Eigen-Verwaltung
hätten“.
Steins Nachfolger im Amt war
Freiherr v. Hardenberg. Scharnhorst erhielt den Auftrag, das Heerwesen zu
reformieren.
Technik:
Der Wiener Uhrmacher Jacob Degen versucht mit einem Flugapparat den Vogelflug nachzuahmen, wozu sich die menschliche Muskelkraft aber als zu schwach erwies.
Robert Fulton baut eine
Dampfmaschine als Antrieb in ein Schiff ein.
Humphry Davy entdeckt durch elektrochemische
Zerlegung Natrium und Kalium und ein Jahr später Magnesium und Calcium,
Strontium und Barium.
Anfänge der Straßenbeleuchtung in London.
Einige britische Kriegsschiffe beschießen die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit ca. 25.000 kleinen Brandraketen. Etwa zeitgleich wird die Seenot-Rettungsrakete erfunden, die in der Lage ist ein Rettungsseil von Schiff zu Schiff zu schießen (hinter sich her zu ziehen).
Alltag:
In der Stadt München lässt König Max I: Joseph den Viktualienmarkt (Lebensmittelmarkt) für Agrarerzeugnisse einrichten.
Mode der Frauen:
Es kommen Schürzenkleider auf.
Zeitgeschichte
- Das Jahr 1808
Politik:
Im Oktober 1807 befahl Napoleon I Bonaparte, dass die
französischen Truppen die gesamte iberische Halbinsel (Portugal und Spanien)
besetzen. Der Bruder des Heerführers und Kaisers, Joseph Bonaparte wird als
spanischer König eingesetzt. Napoleonische Truppen fallen im März in Madrid
ein. Gegen die Fremdherrschaft bricht am 2. Mai ein Volksaufstand los. Die
Invasion führte zu den spanischen Befreiungskriegen 1808 – 1813/14. Die Spanier
werden Dank der Unterstützung durch britische Truppen und einer neuen
Guerilla-Kleinkampforganisation diesen Kampf gewinnen.
Von Stein wird auf Veranlassung
Napoleons aus der preußischen Regierung entlassen.
Am 6. November wird der 26jährige
Bornstedter Bauernsohn Johann Friedrich Michel wegen Widerstandes gegen die
Franzosen standrechtlich erschossen.
19. November: Erlass der Königlichen Städteordnung.
Einführung einer Selbstverwaltung. Stein und Hardenberg hatten König Friedrich
Wilhelm III von ihrer geplanten Neuordnung überzeugt: „Wie die französische
Revolution aber friedlich und von oben gelenkt“. Bildung eines Magistrats und
eines Parlaments. Mit der Städtereform erhielt auch Potsdam für seine Bürger in
seiner bereits 400 Jahre bestehenden Hohenzollernherrschaft mehr Rechte und
Freiheiten. Das Kommandantenhaus in der Potsdamer Lindenstraße erhielt eine
neue Funktion: Sitz des ersten Potsdamer Stadtparlaments zur Selbstverwaltung
seitens der Bürgerschaft. Sein Vorsitzender – Herr Horvath.
Potsdam hat 13.758 Bürger. Im Parlament sind vertreten: 33
Handwerksmeister, 11 Kaufleute, 5 Beamte, 6 Kleingewerbetreibende, 3 Apotheker,
1 Fabrikant und1 Chirurg.
Wissenschaft:
John Dalton publizierte seine Ansichten über die Atomtheorie.
Kunstzähne aus Keramik werden hergestellt.
Alexander v. Humboldt schreibt „Ansichten der Natur“.
Beginn größerer Ausgrabungen in Pompeji bis 1815. (Pompeji wurde 79 nach Chr. durch den Ausbruch des Vulkan „Vesuv“ zerstört.)
Technik:
Herr König entwickelt eine Schnellpresse zum Druck.
Wirtschaft:
Friedrich Arnold Brockhaus gibt ein Konversationslexikon
heraus.
Malerei:
Caspar David Friedrich malt „Das Kreuz im Gebirge“.
Musik:
Beethoven komponiert zwei Sinfonien: Die 5. C-moll, „Schicksalssinfonie“ und die 6. „Pastorale“
Zeitgeschichte
– Das Jahr 1809
Politik:
Sturz der Preußenherrschaft in Warschau. Die kurmärkische Regierung wird nach Potsdam verlegt. Napoleon I als Sieger in Wien. Napoleon Bonaparte lässt sich von seiner Gemahlin Josephine Beauharnais scheiden, damit er die österreichische Kaisertochter Marie Louise heiraten kann.
Die kleine Truppe des Major v. Schill, die den Aufstand gegen Napoleon versuchte, wurde in Stralsund aufgerieben Major Schill stirbt dort.
Am 03. August wird in Potsdam der erste Bürgermeister gewählt.
Rückkehr des preußischen Königspaares Wilhelm III und Luise aus Königsberg (Ostpreußen) – Ein „Gnadenakt“ Napoleons.
Wissenschaft / Medizin:
Das Berliner Hauptkrankenhaus, die „Charité“, wird der Universität angegliedert.
Technik:
v. Soemmering baut den ersten Telegraphen auf elektro-chemischer Grundlage.
Bildung und Erziehung:
Wilhelm v. Humboldt wird für ein Jahr preußischer Unterrichtsminister.
Literatur:
Goethe schreibt die „Wahlverwandtschaften“. Er spiegelt damit seine Liebesperiode (1807-1808) mit Minna Herzlieb wider.
Adalbert v. Chamisso besucht
Alexander von Humboldt, der zu jener Zeit in Paris lebt (Gedankenaustausch über
Reisen und Botanik, vor Humboldts bevorstehendem „Ausflug“ über Südafrika nach
Asien (Indien, Bengalen und Tibet). Humboldt arbeitet in Paris derzeitig an
seinem 30bändigen Werk über die zurückliegende Forschungsreise durch Amerika.
Malerei:
Caspar David Friedrich malt „Landschaft mit Regenbogen“ und „Mönch am Meer“.
Musik:
Zelter gründet in Berlin die „Liedertafel“, eine Vereinigung dichtender und komponierender Musikfreunde.
Alltag:
Verheerend wirkt sich ein Zug von Feldmäusen durch das Rhein-Main-Gebiet aus. Es handelt sich um mehrere Millionen Individuen.
Zeitgeschichte
– Das Jahr 1810
Politik:
Reform des Heeres durch die
Generäle Scharnhorst, Gneisenau und Clausewitz.
Es stirbt mit 34 Jahren Königin
Luise von Preußen in Hohenzieritz.
Hannover, Königreich Westfalen,
Holland und Nordwestdeutschland fallen an Frankreich.
Napoleon I heiratet Marie Louise, eine Tochter von Kaiser
Franz I.
Der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer wird im 44.
Lebensjahr zu Mantua erschossen.
Fürst v. Hardenberg wird preußischer Staatskanzler und führt die Steinschen Reformen fort.
Wissenschaft:
Samuel Hahnemann begründet die Homöopathie mit dem Ziel: Heilung mit kleinsten Heilmittelmengen.
Goethe veröffentlicht seine Farbenlehre.
Technik:
Friedrich König entwickelt die
Flach-Schnellpresse für den Buchdruck.
Der erste Füllfederhalter kommt auf den Markt. Bisher hatte man zum Schreiben Federn aus Kupfer- oder Bronzeblech und auch bis ins 19. Jahrhundert angespitzte Federkiele von Gänsen genutzt, die man ins Tintenfass tauchte.
Erste Gaslaternen beleuchten
ausgewählte Straßen.
Wirtschaft:
Einführung der Gewerbefreiheit.
Bildung und Erziehung:
Die Berliner „Friedrich-Wilhelm-Universität wird gegründet. Initiator: Wilhelm von Humboldt. Gründer ist aber natürlich König Friedrich Wilhelm III. Erste Dozenten: Der Dichter Fichte, der Philosoph Hegel, der Theologe Schleiermacher und Herr Thaer, als Professor für Landwirtschaft. Im gleichen Jahr wird auch die Universität zu Breslau gegründet.
Literatur:
Heinrich von Kleist schreibt
„Kätchen von Heilbronn“ und „Michael Kohlhaas“.
Musik:
Beethoven komponiert die Musik zu
Goethes „Egmont“.
Zeitgeschichte
– Das Jahr 1811
Politik:
Nach Schinkels Entwurf wird eine gotische Eisenlaube zum Gedenken an die Königin Luise in Gransee aufgestellt und eingeweiht.
Abschaffung bäuerlicher Frondienste. Abgabe von Land an die Gutsherren „als Entschädigung“.
Wissenschaft:
Avogadro entwickelt die Molekulartheorie der Gase. Er
unterscheidet Atome und Moleküle. Herr Gauß veranschaulicht „imaginäre Zahlen.“
Alexander von Humboldt
veröffentlicht in Paris die Ergebnisse seiner Amerika - Forschungsreise.
Albrecht Ludwig Berblinger (genannt: Das Brechtle), ein Schneider, unternimmt einen missglückten Segel-Fall-Versuch mittels Flügeln an seinen Armen von einer hohen Mauer nahe am Münster in Ulm in die Donau. Die Armkräfte erwiesen sich für das Flügelschlagen als zu schwach. Ob dabei auch Fische zu Schaden kamen, ist uns nicht überliefert worden.
Wirtschaft:
Die Krupp-Stahl-Werke werden in
Essen gegründet.
Der Zunftzwang wird für
Handwerker aufgehoben und die Gewerbefreiheit eingeführt
Literatur:
Goethe schreibt an „Dichtung und
Wahrheit (bis 1831, autobiographisch).
Heinrich von Kleist sucht und
findet mit Henriette Vogel den Freitod am Berliner Wannsee.
v. Arnim heiratet Bettina
Brentano.
Malerei:
Casper David Friedrich malt „Morgen im Riesengebirge“ und „Greifswalder Hafen.
Friedrich Schinkel malt viele Theaterkulissen.
Musik:
Carl Maria v. Weber komponiert
die Lustige Oper „Abu Hassan“.
Erziehung
Friedrich Ludwig Jahn aus Lanz in
der Prignitz (Lehrer, Turnvater) eröffnet in der Hasenheide bei Berlin den
ersten Turnplatz Deutschlands. Ziel: Leibesübungen zur Stählung für den
Freiheitskampf (gegen die napoleonische besetzende Unterdrückung). Dabei werden
auch die neu entwickelten Geräte „Reck“ und „Barren“ eingesetzt.
Zeitgeschichte
– Das Jahr 1812
Politik:
England: Der später als ein
utopischer Sozialist benannte Engländer Owen erstrebt eine neue Gestalt der
Gesellschaft, unter günstigen Umweltbedingungen mit kleineren Gemeinden in
einer kommunistischen Gesellschaftsordnung lebend.
Preußen: Anfang des Jahres fordern patriotische Kräfte den Bruch mit dem eroberungswütigem Frankreich und Verbindung mit Russland, doch König Friedrich Wilhelm III unterwarf sich erneut Napoleon. 180.000 Deutsche mussten in der Großen Armee Napoleons als Hilfstruppen im Feldzug gegen Russland teilnehmen, also die Truppen von König Friedrich Wilhelm III gegen die Armee des befreundeten Zaren Alexander. (So wie ein Jahrhundert später die Truppen des Kaisers Wilhelm II gegen die Armee des verwandten / befreundeten Zaren Nikolaus).
1812 – 1815 Die Befreiungskriege gegen das napoleonische Joch.
Am 28. Mai 1812 bricht Napoleon
von Dresden zu seinem letzten und übergroßen Feldzug auf. Am 23 und 24. Juni
1812 fallen Napoleons Truppen in Russland ein, indem sie den Grenzfluss nach
Osten, die Memel überschreiten. Es wird ein langwieriger, ja zunächst
langweiliger Feldzug, denn die Russen ziehen sich vorerst stets vor der
französischen übermächtigen Grande Armee immer weiter nach Osten zurück. Erst heißes
Sommerwetter, dann wochenlanger Regen in diesem schier endlosen Land. Alles ist
diesmal anders als bei den bisherigen kurzen, siegreichen Feldzügen. Die
Organisation und Versorgung der großen Streitmacht wird immer schwieriger.
„Endlich“ eine Schlacht die alle Kräfte fordert.
Am 5. bis 7. Sept. 1812 siegt
Napoleons Armee auf dem Schlachtfeld von Borodino vor Moskau gegen die Truppen
von Kutusow. Der Weg in die russische Hauptstadt ist frei aber dieser Erfolg
ist teuer erkauft. Am 14. September 1812 ziehen die Franzosen in Moskau ein.
Doch Moskau (Holzhäuser) wird von den Russen angezündet. Sie schließen ihre
geopferte Hauptstadt samt den Franzmännern ein, um den französischen Truppen
Quartier und Ernährung vorzuenthalten. Es bleibt nur noch ein schmachvoller, fluchtartiger
Rückzug. Noch ist der Herbst mild aber die Wege sind schlecht – man kommt
langsam voran, also zurück.
25. – 29. Nov. In jener Woche
gibt es stärkere Nachtfröste. Die Vorräte sind fast aufgezehrt, Nachschub kommt
nicht. Beim Stau vor dem Übergang über die Beresina wird ein Großteil der
französischen Armee zerschlagen. Die versprengten Reste der Grande Armee
fliehen in Richtung Paris – allen voran Napoleon. Das ist ein Signal für die
Volkserhebung in Preußen und in anderen Staaten.
Ludwig, Graf York (später von
Wartenburg) befehligte eine von den Franzosen gezwungene deutsche Hilfstruppe. Er
trifft mit dem zaristisch-russischen Generalmajor Graf von Diebitsch eine
Übereinkunft und stellte sich ohne Befehl / Einwilligung seines Königs
Friedrich Wilhelm III neutral. Waffenstillstand durch die Konvention von
Tauroggen (heute Litauen).
Es ist das erste Mal, dass sich ein General eher nach dem Willen des Volkes, als nach dem des Monarchen richtet. Friedrich Wilhelm III erreicht diese Nachricht in der Orangerie des Neuen Gartens zu Potsdam.
Es ist die Absicht Napoleons nach seiner Flucht aus Russland nach Paris, dort in der Heimat neue Heere zusammenzustellen. Dieses Vorhaben benötigt neun Monate bis zur Realisierung einer frischen, kampfbereiten Armee, die dann ausersehen wird, in die nächsten Großschlachten geschickt zu werden, die im Raum Leipzig stattfinden werden.
Hier erwacht eine Wende des internationalen Kräfteverhältnisses gegen das napoleonische Regime. das zusammenzubrechen beginnt.
Etwa 30.000 „Schutzjuden“ werden nach dem Emanzipationsedikt anerkannte Staatsbürger Preußens.
Wissenschaft:
Laplace vertieft die Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Medizin:
Der englische Arzt Parkinson wies auf einen Zusammenhang zwischen Bauchfellentzündung mit Todesfolge und einem entzündeten, vereiterten Wurmfortsatz als deren Ursache hin. (siehe auch 1739, 1885, 1901).
Technik:
Ressel erfindet eine Schiffsschraube.
Davy beschreibt den elektrischen Lichtbogen.
König erfindet das Druckverfahren mit der Schnellpresse.
In London wird die Straßenbeleuchtung mit Leuchtgas eingeführt
Wirtschaft:
Eine Einkommens- und
Vermögenssteuer wird von diesem Jahr an erhoben.
Erster Gussstahl auf dem europäischen Kontinent. Maschinenstürmer in der englischen Textilmanufaktur.
Bauwesen:
Baumeister Friedrich Schinkel und Christian Daniel Rauch beginnen ihre Zusammenarbeit.
Schinkel malt den „Brand von Moskau“.
Erziehung:
Potsdam hat sieben Grundschulen.
Der Zwang zur Entrichtung von Schulgeld belastet die ärmeren Bürger sehr.
1813
Politik:
3. Februar: Das Volk drängt durch
Unruhen den König dazu, freiwillige Kämpfer in Jägercorps zusammenzuschließen,
um die napoleonische Besatzung abzuschütteln. Das Volk spendet für die
Bekleidung der Soldaten und für die Ausstattung der Befreiungsarmee. So wurden
auch goldene Eheringe umgetauscht in einfache Exemplare mit der Inschrift „Gold
gab ich für Eisen“.
16. März: Preußen erklärt
Frankreich den Krieg, nachdem mit Landwehr und Landsturm 271.000 Mann unter
Waffen stehen. Das Volk steht auf – der Sturm bricht los.
Noch im März befreien russische
Truppen Potsdam von den Franzosen.
Am 21. April erschien die
Verordnung über den Landsturm. Sie betraf den möglichen Einsatz männlicher
Einwohner zwischen 16 und 60 Jahren, soweit diese nicht in offiziellen
Linientruppen, der Landwehr oder Freikorps dienten.
Freicorps: Die bekanntesten waren
das Lützowsche Freicorps, das Ausländer-Bataillon v. Reuß, das Hellwigsche
Freicorps, die Schillschen Husaren und das Jägercorps v. Reiche.
Die Kleidung war uneinheitlich,
oft Zivilsachen, die nachträglich schwarz gefärbt wurden, versehen mit roten
Aufschlägen und Messingknöpfen.
Major Adolf L. W. Freiherr v.
Lützow (1782 – 1834), einstiger Kampfgefährte Ferdinand Schills, führte mit
seiner irregulären Truppe im Rücken des Feindes einen Volkskrieg mit seinen
"schwarzen Jägern", die aus allen deutschen Staaten in Preußen zum
Freicorps, zur Freischar zusammen gezogen wurden. (Später werden sie den
regulären Truppen zugeteilt). Bei Lützow kämpfen der Turnvater Jahn mit seinen
Studenten, denen er mit Leibesübungen zu größerer Kampfkraft verhalf und auch
die Dichter Joseph v. Eichendorff und Theodor Körner (als Adjutant Lützows)
mit. Auch unsere Potsdamerin Eleonore Prochaska, 28jährig, verkleidet als
Unteroffizier August Renz, ist dabei. Vorher war sie bei der Familie des
Baurates Manger in der Brauerstraße 8 als Hausangestellte tätig. (Marie
Christiane Eleonore wurde bei der Schlacht bei Dannenberg an der Göhrde am 16.
Sept. 1813 von einer französischen Kugel der Oberschenkel zerschmettert. Sie
starb am 5. Oktober).
Auch Ernst Moritz Arndt und viele
andere kämpften für die Freiheit des Volkes.
Kämpfe bei Lützen am 1. Mai. Am
2. Mai gewinnen die Franzosen die Schlacht bei Großgörschen und drohen nach
Berlin und Potsdam zurück zukehren. Auch Blücher und Scharnhorst werden dort
verwundet. Scharnhorst stirbt am 28. Juni 1813. Die Flüsschen Nuthe und Notte
werden gestaut, die Wiesen weit überflutet, um den französischen Vormarsch zu
erschweren. Potsdam wird zunehmend Lazarettstadt. Kämpfe bei Bautzen am 21.
/22. Mai. Die Franzosen siegreich. 18. August: Österreich erklärt Frankreich
den Krieg. Russland und Schweden unterstützen Österreich. 22. August: Schlacht
bei Großbeeren. 23. August: Die Truppen Bülows erreichen eine vernichtende Niederlage
der Franzosen des Marschalls Ouindot bei Großbeeren. Letzte Gefechte hier auf
dem Mühlberg und dem Kirchhof. Auch die Bevölkerung, sogar Berliner bargen
Verwundete vom Schlachtfeld – letztere aus Dankbarkeit, dass die Franzosen hier
vom Süden nicht nach Berlin einfallen konnten. 26. August: An diesem Tage fällt
der Student und Adjutant des Major von Lützow, Theodor Körner bei Gadebusch im
Alter von nur 22 Jahren. Schlacht an der Katzbach mit Sieg Blüchers. 27. August
Schlacht bei Hagelberg, ebenfalls mit verlustreichem Sieg Preußens. 26. / 27.
August: Schlacht bei Dresden und 29. / 30. August bei Kulm, die beide die
Franzosen gewannen. Ende August/ Anfang September: Kämpfe in der Umgebung von
Berlin. 3. Oktober Schlacht bei Wartenburg (Kreis Wittenberg). 16., 18. und 19.
Oktober (der 17. war ein Sonntag - deshalb Kriegsruhetag befohlen). – Die
Völkerschlacht bei Leipzig. Leipzig hatte für 35.500 Einwohner eine
Kleinstädtische Ausdehnung. Durchmesser von Nord nach Süd etwa 2 Km, von Ost
nach west etwa 1,2 Km. Eine schreckliche Schlacht der Völker bei Probstheida,
vor den Toren Leipzigs. Die französischen Truppen unterliegen. An der Schlacht
nahmen etwa 500.000 Soldaten teil. Die verbündeten Streitkräfte hatten 54.000
Tote zu beklagen, davon allein 22.600 Russen. Auch die Armeen Napoleons hatten
etwa um 50.000 gefallene Soldaten zu beklagen.
Am 20. Okt. 1813 zählten Napoleons Truppen noch höchstens 80.000 Mann. Seine Armee verlässt Deutschland in Gewaltmärschen von Leipzig über Erfurt, Gotha, Eisenach und Fulda.
Im Dezember wird im Theater und
auch auf Weihnachtsmärkten die siegreiche Schlacht bei Leipzig in
Ausstellungen, insbesondere in Dioramen, dargestellt.
Noch Ende dieses Jahres wurde der seit 1806 bestehende Rheinbund der franzosentreuen Staaten aufgelöst. 31. Dezember: Als Silvestergeschenk an die Preußen jagen die Truppen Blüchers die napoleonischen Soldaten in Richtung Frankreich zurück.
Erst Ende März 1814 wird es gelingen, dass die Truppen der Verbündeten nach einigen blutigen Schlachten in Paris einmarschieren.
Literatur:
Die Brüder Jacob und Wilhelm
Grimm veröffentlichen die „Kinder- und Hausmärchen“.
Theodor Körner schreibt das Trauerspiel „Zriny“.
Ernst Moritz Arndt schreibt
„Lieder für Teutsche“.
Rahel Varnhagen eröffnet mit Henriette Herz in Berlin ihren Literatursalon. Rahel, geb. Levin, hatte erst kürzlich Karl. A. Varnhagen von Ense geheiratet.
Malerei:
W. Schadow malt Gabriele von
Humboldt.
Bildung und Erziehung:
J. D. Falk gründet in Weimar die
erste Anstalt für verwahrloste Kinder.
Alltag:
Der Walzer wird als
Gesellschaftstanz eingeführt.
In Berlin sind zwei Brandstifter (ein Mann und eine Frau) nach Gerichtsspruch, am 28. Mai auf dem Scheiterhaufen vor dem Oranienburger Tor, auf dem Acker vom Leben zum Tode gebracht worden. Ein grausiges Schauspiel, das viele Schaulustige anlockte.
Das Jahr 1814
Politik:
30. März 1814: Kapitulation des
französischen Kaiserreiches in Paris. Am 1. April ziehen die siegreichen
Russen, Preußen und Österreicher in Paris ein. „Pariser Frieden“, Frankreich
verlässt seine Eroberungen. Napoleon dankt am 20. April im Schloss
Fontainebleau ab und begibt sich als „souveräner Fürst“ mit ca. 1.100 Bediensteten,
vor allem Soldaten und Offiziere, in die „Verbannung“ auf Insel Elba, vor der
italienischen Küste. (Im politischen Sprachgebrauch hieß das: man wies dem
bisherigen Kaiser die Insel als “persönliches Fürstentum“ an). Napoleons
Kaiserzeit und Schreckensherrschaft hatte nur 10 Jahre gedauert. Am 30. Mai.
beschließen die Sieger über Napoleon, einen Kongress abzuhalten. Den Wiener
Kongress. Er wird vom November 1814 bis zum Juni 1815 andauern. Ziele: Rückgängig
machen der politischen und territorialen Änderungen, die während der
französischen Revolution und der napoleonischen Herrschaft erfolgten.
Ergebnisse: Neuaufteilung Polens zwischen Russland, Preußen und Österreich,
Neubesetzung Norditaliens durch Österreich. Schaffen eines gemeinsamen
Königreiches von Belgien und den Niederlanden. Im Ergebnis brachte der Kongress
nach den Befreiungskriegen keine innere Freiheit, sondern Restauration. Es
wurde ein Fürstenbündnis gegen die Revolution – kein echter Völkerbund. Aus den
Erfahrungen lernend, wird in Preußen die Wehrpflicht eingeführt.
Technik:
George Stephenson (1781 – 1848) 67 Jahre alt, konstruiert als Ingenieur und Eisenbahnpionier, seine erste Lokomotive für Grubenbahnen. „Lokomotion“ (Fortbewegung). Sie kann bis zu 25 km/h schnell sein und mit 38 Wagen Erze oder 450 Personen befördern.
Der Hand-Druck von Einzelabzügen wird von der Schnellpresse verdrängt.
Wirtschaft:
Die Zeitung „Der Rheinische Merkur“ erscheint (und wird 1816 verboten)
Bauwesen:
Friedrich Schinkel baut die Dorfkirche in Neuhardenberg.
Literatur:
Goethe schließt intime
Freundschaft mit Marianne v. Willermer (1784-1860, 76) in Frankfurt am Main.
Diese spiegelt sich in den Suleika-Liebesliedern des westöstlichen Diwans wider.
Rückert (Pseudonym Freimund
Reimar) verfasst „Geharnischte Sonette“ eine Dichtung über die
Befreiungskriege.
Musik:
Beethovens Fidelio wird
aufgeführt. (1805 ursprünglich unter dem Titel „Leonore“ geschrieben).
Schubert vertont den „Erlkönig“
von Goethe.
1815
Politik:
In den Kriegen Frankreichs gegen
das übrige Europa sind etwa 3,6 Millionen Soldaten gefallen, davon etwa 1,2
Millionen Franzosen. Napoleon Bonaparte ist 45 Jahre alt. Er kehrt nach einem
Jahr, "mit einem Handstreich" vom Verbannungsort Elba mit 1.100
Soldaten und Offizieren nach Paris zurück, um sein Kaiserreich erneut
auszurufen. Von Elba war er am 26. Februar bei schwachem Segelwind abgefahren.
Bei seinem Marsch nach Paris stoßen königstreue Truppen zu ihm. Bereits in Lyon
sind es 15.000 Soldaten. Am 20. März trifft er ohne wesentliche Widerstände in
Paris ein. König Ludwig XVIII flieht nach Belgien. Napoleon residiert dort in
Paris erneut 100 Tage. Das wurde möglich, da das Bürgertum mit der
Bourbonenregierung nicht einverstanden ist.
Die früheren Alliierten Russland,
Preußen und Österreich erklären indessen Napoleon zum Feind der Menschheit,
wollen ihm die neue Regierungswürde entreißen, drohen ihm mit einem
Vernichtungskrieg, schließen gegen ihn „eine Heilige Allianz“. Andere
europäische Staaten treten diesem Bund bei. Wohl in allen Ländern wünschen sich
die Menschen Frieden und Freiheit. Dieses Bestreben wird aber in Österreich von
Metternich und in Preußen von König Friedrich Wilhelm III gebremst.
12. Juni: Napoleon ist 46 Jahre
alt. Er zieht mit seiner Armee (122.000 Soldaten) nach Belgien, um dort einem
Angriff der englischer Truppen unter Wellington (ebenfalls 46 Jahre alt), und
preußischer Truppen mit Blücher (72 Jahre alt), v. Zieten, Graf Bülow von
Dennewitz und Gneisenau zuvorzukommen. 17. Juni: Bei dem Dorf Waterloo
südöstlich von Brüssel steht Wellington bei anhaltendem Regen mit 68.000 Mann
und 180 Geschützen der französischen Armee etwa 1-2 km gegenüber, die mit
72.000 Mann und 246 Geschützen präsent ist. Sonntag, 18. Juni: Die Schlacht bei
Waterloo – ein ganztägiges, grauenhaftes Gemetzel. Die Belle Alliance - Armee
unter dem englischen Kommando Wellingtons hat etwa 15.000 Tote und Verwundete,
Preußen etwa 7.000 Tote, Franzosen etwa 25.000 Tote und 8.000 Gefangene. Nach
diesem neuntägigen Feldzug trifft Napoleon am 21. Juni wieder in Paris ein. Am
22. Juni versagt die französische Abgeordnetenkammer Napoleon eine weitere
Unterstützung und gibt ihm eine Stunde Zeit zur Abdankung. Die neue 100-tägige
Regierungszeit Napoleons ist damit beendet. Der „2. Pariser Friede“ enthält die
nunmehrige Verbannung Napoleons nach Sankt Helena. Napoleon Bonaparte I will lieber
in den USA um Asyl bitten aber die englische Marine blockiert seine Abfahrt
über den Atlantik und bringt ihn auf Befehl des englischen Hofes mit
einem englischen Kriegsschiff (ab 15. Juli) zur Insel St. Helena im südlichen
Atlantik, diesmal aber mit weitaus weniger Bediensteten. Dort lebt er im Hause
„Longwood“. Am 07. Juli 1815 marschieren die Preußen als Zeichen des
endgültigen Sieges in Paris ein.
Am 05. Mai 1821 wird Napoleon, erst 51jährig, auf St. Helena an Magenkrebs sterben. Es bestehen auch Gerüchte zu einer Arsenvergiftung.
König Friedrich Wilhelm III teilt Preußen in 10 Provinzen auf.
Auch die militärischen Verhältnisse ändern sich. Bisher wurden in den Bürgerhäusern Zwangsquartiere für die Soldaten genommen. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, die den Bau von Kasernen nach sich zog, bedeutete das eine Lockerung für das Bürgertum.
In Jena gründen sich Burschenschaften, die Freiheit fordern.
Der Turnvater Jahn gründet Turnschulen zur Leibesertüchtigung.
Wissenschaft:
Maximilian, Prinz zu Wied-Neuwied, erforscht das brasilianische Küstengebiet.
Technik:
Davy erfindet die Sicherheitsgrubenlampe, Anfänge der Straßenbeleuchtung in Paris.
Bildhauerkunst:
Daniel Rauch gestaltet den
Sarkophag für die verstorbene Königin Luise.
Friedrich Schinkel wird Geheimer Oberbaurat.
Musik:
Ludwig van Beethoven schreibt die
Bühnenmusik zu Friedrich Dunckers Drama „Leonore Prochaska“.
Schubert komponiert
"Wanderers Nachtlied", das "Heideröslein" und verschiedene weitere
Lieder nach Texten von Goethe.
Soziales:
Der Potsdamer Theologe und Humanist Johannes Lepsius (1858 – 1926) half ab 1815 den Armeniern gegen den Völkermord der Osmanen (Türken). Er gründete in Armenien Waisenhäuser und Schulen, rettete tausende Menschenleben. Seine Potsdamer Wohnung lag in der Großen Weinmeisterstraße 45. Er wohnte dort von 1907-1925.
Alltag:
In Deutschland beginnt die Epoche des Biedermeier (aus Biedermann und Bummelmeier) eine gemütlich-beschauliche, politisch eher indifferente Zeit, die bis 1848 gerechnet wird.
Naturgewalten:
Ein Ausbruch des Vulkans Tambora auf der Insel Sumatra (Sunda-Inseln) fordert über 57.000 Tote.
Anmerkungen
zur Zeitgeschichte des Jahres 1816
Wissenschaft:
Fresnel gelingt der Spiegelversuch zum Nachweis der Lichtinterferenz. Er weist die Wellennatur des Lichts nach.
Der sächsische Physiker Heinrich
Wilhelm Brandes entwirft die erste Wetterkarte.
Bauen und Gartenkunst:
Peter Joseph Lenné (1789 in Bonn
bis 1866 in Potsdam) nimmt seine Tätigkeit in Potsdam als Gärtnergeselle auf.
Erste Arbeiten: Die Neuanlage des „Neuen Garten“, ein Umgestaltungsplan für den
Park von Sanssouci. Bereits 1818 wird er Mitglied der Gartendirektion und 1824
Gartendirektor.
Wirtschaft:
Das Jahr bringt eine Missernte.
Zu den Arbeitslosen gesellen sich Kriegswaisen, Kriegsinvaliden, Unruhen unter
den Arbeitern kommen auf. Von den etwa 17.000 Potsdamer Einwohnern galten etwa
6.000 als verarmt.
Das erste preußische Dampfschiff (ein Mittelraddampfer, wurde als „Prinzessin Sophie Charlotte von Preußen“ am 14. September in Dienst gestellt. Am 27. Oktober nimmt das Schiff den Liniendienst zwischen Berlin–Tiergarten – Spandau – Potsdam auf Spree und Havel auf. Eine Sensation. Die Dampfmaschine bewegt das Schiff etwa 3 1/2 Meilen (25 km) am Tage. Das Schiff fasste 160 Personen und legte bis 1821 etwa 5.500 km zurück.
In Berlin fährt die erste
Lokomotive in Deutschland- aber nur spazieren. Es ist ein Schaubetrieb mit
Volksfestcharakter.
Im Nordseebad Cuxhaven wird die
erste deutsche Gasanstalt eröffnet.
Literatur:
Franz Bopp (1791 – 1861)
begründet die vergleichende Grammatik der indogermanischen Sprachen.
Musik:
E.T.A. Hoffmann schreibt „Undine“
– eine romantische Oper, Rossini vertont „Der Barbier von Sevilla“ und
„Othello“.
Alltag:
In diesem Jahr wird der letzte
Sonntag im November erstmals als „Totensonntag“ begangen. Dieser Tag erinnert
an die während der französischen Besatzungszeit und insbesondere an die in den
Befreiungskriegen Gestorbenen.
1817
Politik:
Wartburgfest der deutschenstudentischen Burschenschaften im Oktober. Die erste bürgerliche Nationalkundgebung. Die schwarz-rot-goldene Fahne symbolisiert die Einheit Deutschlands. Sie wird statt der schwarz-weiß-roten Fahne gezeigt.
Der 5. Präsident der USA (1817 –
1825) ist James Monroe.
Wissenschaft:
Belloni entdeckt das Grab Sethos
im ägyptischen „Tal der Könige“.
Berzelius entdeckt hingegen Selen
und Lithium.
Technik, Maschinenbau:
Freiherr von Drais erfindet in Mannheim die Laufmaschine, „Draisine“ benannt. Das erste „Fahrrad“. Ähnliche Vorläufer gab es bereits (siehe 1801) aber die Konstrukteure hatten wohl voneinander keine Kenntnis.
Bauten in Berlin:
Beginn des Baues der Neuen Wache
am Kastanienwäldchen in Berlin.
Wirtschaft:
Die Oberrechnungskammer wurde
nach Potsdam verlegt. Dazu erhielt sie ein neues Gebäude, Am Kanal, nahe der
Plantage.
Auf dem Knochenhauerschen Grundstück an der Potsdamer Havel wird eine Werft für Dampfschiffe eingerichtet. (Schiffbauergasse).
A. Stieler gibt einen Handatlas
heraus.
Soziales:
Wilhelm von Türk (1774 – 1846),
ein geborener Thüringer, siedelt nach Potsdam über. Er organisierte das gesamte
Schulwesen nach modernen Grundsätzen neu, gründete ein Lehrerseminar, richtete
an der Havel eine Schwimmanstalt für den Schulunterricht ein, gründete 1820 das
Civil-Waisenhaus, eröffnete eine Kinderbewahranstalt und eine Versorgungsanstalt
für Waisen der Befreiungskriege. Auch das Waisenhaus in Klein-Glienicke wurde
von ihm ins Leben gerufen. Ebenso eine Suppenverteilküche, vorzugsweise als
Winterhilfe für Bedürftige, zählt zu seinen Verdiensten. Soziale Zusammenarbeit
mit dem Kaufmann Eisenhardt. 1839 wurde er Ehrenbürger der Stadt Potsdam.
Religion:
Friedrich Wilhelm III verkündet
die Union der Lutheraner und Reformierten für Preußen in der Potsdamer Hof- und
Garnisonkirche.
1818
Wissenschaft:
Chemie: Jöns Jacob von Berzelius schafft für die Chemie die Buchstaben-Formelsprache und die Indices. Damit war es möglich die Summenformeln zu schreiben, mit denen man chemische Reaktionen in mathematischen Gleichungen ausdrücken konnte.
Medizin:
Coindet setzt Jod in der Kropftherapie ein.
Technik:
Auf dem Rhein wird erstmals ein Dampfschiff eingesetzt.
Noch im gleichen Jahr fahren Dampfer nach Amerika.
Bauwesen:
Karl Friedrich Schinkel baut das Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt bis 1821
Auch wird nach seinem Entwurf das Denkmal auf dem Berliner Kreuzberg an die Befreiungskriege gegossen.
Malerei:
Caspar David Friedrich malt: „Zwei Männer, den Mond betrachtend“.
Musik:
Der österreichische katholische Dorfgeistliche Joseph Mohr dichtet das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“, vertont von Franz Xaver Gruber. Während einer Messe in einem Dorf bei Salzburg wird es am 25. Dezember 1818 erstmals gesungen.
Alltag:
Stearinkerzen werden auf dem
Markt üblich. Wachskerzen gelten nur noch als Luxuslicht.
Das Jahr 1819
Politik:
Die Karlsbader Beschlüsse engen
die politische/geistige Freiheit in Deutschland bis 1848 ein. Die Pressezensur
wird verstärkt. Die Burschenschaften werden verfolgt und verboten, die
Universitäten von revolutionär denkenden Lehrkräften, wie Ernst Moritz Arndt in
Bonn, „gesäubert“. Der Turnvater Jahn wird inhaftiert.
Wissenschaft:
Medizin:
Das Stethoskop wird von René Theophile Hyacinthe Laennec erfunden und erweitert die Möglichkeiten des Hörrohres für das Abhören des Brustkorbs. Vorher bereits hatte der Franzose Jean Nicolas Corvisat die Methode der Thoraxperkussion (Abklopfen des Brustkorbes) verbreitet, die je nach Zustand von Lunge und Rippenfell eine veränderte Tonhöhe ausweist.
Pelletier und Caventon entdecken das Chinin und seine Wirkung.
Literatur:
Byron schreibt den „Don Juan“.
Jakob Grimm verfasst “Die Deutsche Grammatik“, die in vier Bänden bis 1834 erscheint.
Schopenhauer schreibt: „Die Welt als Wille und Vorstellung“.
Freiherr von und zum Stein gründet die „Gesellschaft für Deutschlands ältere Geschichtskunde“.
Musik:
Schubert komponiert das „Forellenquintett“.
Das Jahr 1820
Politik:
Deutschlands Feind Napoleon ist nun seit langem bekämpft.
Daher besteht kein Bedarf an körperlicher Kampfkraft der jungen Männer mehr. So
wird das Vaterländische Turnen vom Innenministerium verboten. Die Bürger werden
geistig zu selbstbewusst, körperlich zu gewandt und kräftig, was sich ja auch
mal „nach innen“ wenden könnte. Unser Turnvater Jahn, der noch vor wenigen
Jahren in den Befreiungskriegen mitgekämpft hatte, sitzt wegen Aufwiegelei und
Hochverrat in Küstrin in Festungshaft und anschließend in Hausarrest. („Das
Gespenst der Arbeitersportbewegung – Turnen“, ist in Preußen nun verboten).
Eine Folge der Karlsbader Beschlüsse. Erst 20 Jahre später wird Jahn durch den
Sohn des Königs, Friedrich Wilhelm IV, rehabilitiert und geehrt. Auch Ernst
Moritz Arndt, derzeitig Professor für Geschichte in Bonn, wird wegen liberaler
Gesinnung vom Amte enthoben (ebenfalls 1840 rehabilitiert). Kotzebue wird
ermordet.
Der Sozialist Owen, andere nennen
ihn den Utopisten, schreibt in England „Das Buch von der Neuen Welt“.
Wissenschaft:
Physik:
Hans Christian Oerstedt entdeckt und beschreibt den Elektromagnetismus.
André Marie Ampere stellt die
Kraftwirkungen zwischen elektrischen Strömen dar.
Psychologie: Karl Gustav Carus prägt den Satz: „Der Schlüssel zur Erkenntnis des bewussten Seelenlebens liegt in der Region des Unterbewusstseins“.
Medizin: Ein Teil ihrer romantischen Seite: Die beliebte Doppelbehandlung - Aderlass mittels Lanzette und das Auffüllen des Flüssigkeitsverlustes mit Wein als stimulierende Medizin, dieses mal aber per Os verabreicht, führte zu der erfreulichen volkstümlichen Ansicht, dass es eines Fässchens des guten Weines bedürfe, um die Menge einer Tasse Blut im Kreislauf wieder aufzufüllen – jedoch stellte sich diese Therapie nicht als unbedingt heilend heraus.
Der Leipziger Arzt Christian Friedrich Hahnemann betrachtet die Gesundheit als Harmonie, die Krankheit als verstimmte Lebenskraft. Er ist ein sehr guter Arzt, mit gründlichen Kenntnissen in auch Physik, Chemie und Botanik. Er hatte bereits 1798 seine Karriere als angesehener Arzt abgebrochen, weil die zeitüblichen Behandlungen mit Brechmitteln, Abführmitteln, Blutegeln, das Schröpfen, das zur Ader lassen, in Wirklichkeit keinen wissenschaftlich-praktischen Wert hatten. So sagte er. Das gilt als eine Kriegserklärung an die Medizin der Epoche. Er begann bereits um 1810 das homöopathische Heilverfahren zu entwickeln, dessen Grundsatz es ist, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen – bei geringster Dosierung. Von der unendlich kleinen Dosis, zur unendlich großen Heilkraft.
In England wurde ein Saurierskelett von ca. 10 Meter Länge gefunden.
Gegenwärtig sind in Europa 46 Chemische Elemente bekannt. (Um 1790 waren es 20 Elemente).
Baukunst:
Friedrich Schinkel wird Professor für Baukunst. Er pflegt Kontakte u. a. mit Tieck, Rauch, Beuth, auch zu Goethe, Brentano Fürst Pückler und den Brüdern Humboldt.
In Berlin baut man die ersten Groß-Häuser mit vielen Mietwohnungen.
Musik:
Gottlieb Heise gründet die erste Potsdamer Orgelbauwerkstatt in der Charlottenstraße. Sein Nachfolger Herr Gesell führt das Handwerk weiter.
Literatur:
Puschkin schreibt: „Ruslan und
Ludmilla“
Malerei:
Charles Heath erfindet den
Stahlstich.
Sport:
In diesem Jahr wurde die 2962 m hohe Zugspitze, der höchste Berg Deutschlands erstmals bestiegen.
Alltag:
Erst im 19. Jahrhundert entstand
in den Häusern ein von den anderen Zimmern getrennter Schlafraum. Diese Räume
waren aber meist nur dunkle Kammern ohne Fenster. Bestenfalls erhellte ein
Talglicht das Geschehen. Zum leichteren Aufrichten im Bette gab es den
„Bett-Zopf“ mit Quaste oder Trottel am Ende. Toiletten-Nachtstühle waren meist
als Spind oder Kommode verkleidet. So genannte „Nacht-Emmas“ holten (in den Städten)
aus den Wohnungen die Nachtfäkalien-Gefäße, entleerten diese und brachten sie
gereinigt zurück.
Für einfaches Gesinde gab es oft „Schlafbänke“ z. B. für zwei Mägde. Die Schlafkammern waren meist nicht heizbar. So waren Beutel üblich, die mit Pflaumen- oder Kirschkernen gefüllt wurden und die Wärme fürs kalte Bett zur Nacht zuvor in der Ofenröhre aufnahmen.
Mode:
In der Frauenmode herrscht ein
langer Rock mit kurzer Taille vor, bauschige Ärmel gehören dazu, ein Schutenhut
– eben: Biedermeier.
Der Potsdamer August Friedrich
Eisenhart (1773-1846): Kaufmännisches Geschick machten ihn, besonders durch
Geschäfte in den Befreiungskriegen, zum wohlhabenden Bürger. Seit 1809 war er
Stadtverordneter. Er unterstützte das Waisenhaus von Herrn Türck, setzte sich
für bessere Schulbildung ein, half finanziell verarmten Bürgern. Der Stadt
vererbte er eine ungeheure Summe für soziale Dienste (Bau eines Krankenhauses)
und für die Friedhofsgestaltung. Er wohnte in der alten Berliner Straße 3. 1828
wurde er Stadtältester.
1821
Politik:
Napoleon Bonaparte, Kaiser der
Franzosen, stirbt in der Verbannung im Hause Longwood auf der Insel Sankt
Helena am 5. Mai. Er wurde 52 Jahre alt. Bei der Autopsie zeigte sich ein stark
angegriffener Magen (Magenkrebs) Er hatte keinerlei Körperhaare mehr –
typisches Anzeichen einer Arsenvergiftung. Diese könnte vom kupferarsenidhaltigen
Pigment der grün-roten Blümchentapete seines Zimmers stammen, die bei feuchter
Luft Arsen abgeben kann – und feucht war es in Longwood.
Wissenschaft:
Avogadro und Gay-Lussac arbeiten an einem Elektromagneten. Faraday erforscht die Grundlagen für Elektromotoren. Bessel begründet die Präzisionsastronomie.
Im Potsdamer Hause Wilhelmplatz 14 wird Hermann v. Helmholtz geboren (1821 – 1894). Schon früh betreibt er physikalische Studien und wird später Militärarzt. 1848 geht er nach Berlin und lehrt an der Universität Physik, später nimmt er eine Professur in Königsberg an. Er erfindet unter anderem den Augenspiegel.
Wilhelm von Humboldt schreibt die
„Grundzüge der Sprachphilosophie“ nieder.
Wirtschaft:
In Berlin wird der „Verein zur
Förderung des Gewerbefleißes“ durch Beuth gegründet.
Baukunst:
Gottfried Schadow schuf für die
Stadt Wittenberg das Lutherdenkmal und für Sanssouci die Windspiele Friedrich
des Großen sowie eine Goethe-Plastik. Schinkel arbeitet seit 1818 am Berliner
Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, das in diesem Jahr eröffnet wird.
Literatur:
Ludwig Tieck veröffentlicht die Werke: „Die Hermannschlacht“ und “Prinz Friedrich von Homburg“ von Kleist.
Jacob Grimm veröffentlicht den 1. Teil von vier Teilen seiner Grammatik. Dieser Band umfasst 1.100 Seiten. Des Weiteren verfasst Jacob Grimm das Buch „Rechtsaltertümer“, aus der Historie zusammengestellt mit dem Wunsch, zu lebensnahen deutschen Rechtsformen zu kommen. Er verglich hierin die gegenwärtigen Rechtsverhältnisse mit denen früherer Jahrhunderte und kam zu einer herben Kritik an den gegenwärtigen Verhältnissen.
Musik:
Carl Maria v. Weber komponiert die Oper „Der Freischütz“. Am 18. Juni findet im Berliner Schauspielhaus die Uraufführung des „Freischütz“ statt. Dieses Stück versetzte ganz Berlin in einen Rausch des Entzückens. So wurde besonders „der Jungfernkranz“ ein Gassenhauer“.
Im Königlichen Hoftheater zu Berlin wird im Januar „Lalla – Rookh“ aufgeführt, ein Stück in dem auch Graf Pückler und Elisa Raziwil Rollen innehaben.
1822
Politik:
Lohnstreik von Arbeitern in Potsdam und anderen Orten.
Nach Jahrhunderten langen Zögerns erkennt die katholische Kirche nun endlich das heliozentrische Weltbild des N. Kopernikus an.
Wissenschaft:
Im Jahre 1822 gelang es dem Franzosen Jean Francois Champollion die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen.
Am 20. September wird in Leipzig die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte gegründet.
Technik:
Maschinenbau: Church entwickelt die Setzmaschine. Der Spiralbohrer für das Bohren von Metallen wird entwickelt.
Bauwesen:
Schinkel beginnt in Berlin das Alte Museum zu bauen und in Potsdam das Zivil-Kasino.
Wirtschaft:
In diesem Jahr findet die erste
Berliner Gewerbeausstellung statt.
Literatur:
Grillparzer schreibt „Das goldene Vlies“, Uhland „Walther von der Vogelweide“, Wilhelm von Humboldt „Über das vergleichende Sprachstudium“.
Malerei:
Caspar David Friedrich malt „Mondaufgang am Meer“
Alltag:
Simon Kremser, ein Berliner Fuhrunternehmer, bietet Vergnügungsfahrten auf Pferdefuhrwerken an.
1823
Wissenschaft:
Der Chemiker Döbereiner entwickelt ein Wasserstoff-Feuerzeug und Herr Gauß die Ausgleichsrechnung – Methode der kleinsten Quadrate.
Faraday verflüssigt Chlor und andere Gase.
E.A. Geitner schafft die Nickellegierung „Neusilber“.
Technik:
Maschinenbau: Faraday und Barlow arbeiten an der Entwicklung des Elektromotors.
Wirtschaft:
CH. Macintosh entwickelt
wasserdichte Gewebe durch verkleben zweier Stoffbahnen mit Gummilösung.
Die Post entschließt sich, Sammelboxen für Briefe öffentlich anzubringen, um der Bevölkerung den Weg zum Postamte für das Aufgeben des Briefes zu sparen. Die Idee dazu hatte Generalpostmeister v. Nagler den Franzosen abgeguckt. In Preußen waren diese z.B. um 1900 und in der Weimarer Republik blau, nach 1933 rot und erst später gelb.
Bildhauerei:
Christian Daniel Rauch stellt eine Büste des Königs Friedrich Wilhelm III her.
Literatur:
James F. Cooper (1789 – 1851)
beginnt an den „Lederstrumpf-Geschichten“ (über nordamerikanische Indianer) zu
schreiben.
Musik:
Beethoven komponiert die 9. Sinfonie mit der Ode an die Freude, obwohl er sie, von Instrumenten gespielt, wegen des Hörverlustes nie hören konnte, sondern die Musik ausschließlich im Kopf hatte.
Carl Maria v. Weber komponiert “Euryanthe” und Schubert die Musik zu “Rosamunde”, sowie „Die schöne Müllerin“.
Alltag: Erstmals findet ein Rosenmontagsumzug in Köln statt.
1824
Wissenschaft:
L.A. Seeber begründet die Atomtheorie der Kristalle.
Technik:
Zwischen Darlington und Stockton fährt die erst öffentliche Eisenbahn der Welt, deren Zug von der Lokomotive „Locomotion“ (Fortbewegung) gezogen wird. Gebaut vom Ingenieur und Eisenbahnpionier George Stephenson.
Gartenkunst:
Peter Joseph Lenne wird Direktor
der Königlichen Gärten zu Potsdam und Umgegend.
Wirtschaft:
Aspdin testet erfolgreich den
Portlandzement und Hancock entwickelt Kunstleder
Literatur:
Heine schreibt das Werk
„Harzreise“.
Alltag:
Prinz Karl (von Hohenzollern) erwirbt von den Erben Hardenbergs bei Potsdam das Schlösschen Klein Glienicke mit Parkanlage.
1825
Politik:
Für Beamte des Staates werden Pensionen für deren Ruhezeit erstmals ausgereicht.
In Russland starb Zar Alexander I. Sein Nachfolger wird (bis 1855) Zar Nikolaus I.
Der 6. Präsident der USA(1825 – 1829) ist John Quincy Adams.
Der Kontinent Australien wird in den Ohren des Volkes sehr berüchtigt, nachdem Brisbane (Queensland) als Strafkolonie gegründet wurde.
Wissenschaft
Louis Braille 1809 – 1852 entwickelt mit 16 Jahren die Blindenpunktschrift und verbessert diese bis 1829.
Cooper erfindet das Schwefelzündholz.
Faraday entdeckt Benzol im Leuchtgas.
Laplace veröffentlicht ein Werk über die „Himmelsmechanik“.
Technik:
Die erste Lokomotive von Stephenson
fährt durch Englands Bergwerke.
Roberts entwickelt eine selbsttätige Spinnmaschine.
In den Hauptstraßen der preußischen Residenzen Berlin und Potsdam beleuchten während der Wintermonate schwankende Laternchen mit funzelnen Öllämpchen orientierend das Terrain. Sie hängen an Seilen, die man quer über die Straßen zieht. Zwischen Mai und September hat diese Beleuchtungstechnik Sommerruhe.
Bauwesen:
Der Erie-Kanal zwischen Buffalo
und Albany war seit 1817 im Bau. Nun ist seine Länge von 544 km nach nur acht
Jahren Bauzeit fertig gestellt.
Baukunst in Potsdam:
Peter Joseph Lenné erhält den
Auftrag „das Bassin“ umzugestalten. Der Teich wird auf einen Durchmesser von
60m verkleinert und die Insel mit Baumschmuck versehen.
In Potsdam entsteht ein Neubau der
Langen Brücke über die Havel, die das Wasser auf acht gusseisernen Bögen
überspannt. Der Konstrukteur ist Karl Friedrich Schinkel. (Wer sonst?)
Der Umbau der Burganlage Charlottenhof zu einem Schloss beginnt mit der Entwurfsarbeit des Königs Friedrich Wilhelm IV und Schinkel, im dorisch-klassischen Stil. Es wird 1827 eingeweiht. Der russische Zar schenkt seinem Schwiegervater König Friedrich Wilhelm III eine große Spiegelglasscheibe. Es ist der erste Spiegel in der Residenz.
Literatur:
In Leipzig wird der Börsenverein
des Deutschen Buchhandels gegründet.
Alexander Puschkin schreibt als erste russische Tragödie: „Boris Godunow.
Soziales:
In den Residenzen Berlin und Potsdam war (bis zur Bürgerrechtsreform 1848) das Rauchen auf offener Straße streng verboten. Zigarren sah man nicht! (Zigaretten gab es noch nicht). Die „kalte Pfeife“ durfte aber oft mitgehen.
Am Sonntag ging es aus den Arbeiterwohnsiedlungen der Großstädte „mit Kind und Kegel“ ins Jrüne, in die dörflichen Nachbarorte, auch in preisgünstige Gaststätten: “Hier können Familien Kaffee kochen“, so ein üblicher Werbeslogan.
In den USA kauft Robert Owen ein Stück Land, das er „New Harmony“ nennt und gründet eine kommunistische Gemeinde, die aber nach kurzer Zeit scheitert.
Alltag:
Kremser führt in Berlin einen Pferdebus-Betrieb ein.
1826
Wissenschaft:
Oersted entdeckt den Elektromagnetismus.
Baukunst in Potsdam:
Am 10. April verfügt der König
(Fr. Wilhelm III) den Bau einer Siedlung im Stile der Blockhäuser russischer Militärdörfer.
Die Siedlung wird aus 12 Häusern mit Grundstücken für Russen (bisher Soldaten –
künftig einem Sängerchor) bestehen. Angelegt wird die Siedlung am Pfingstberg
(dem früheren Minen-, Eich- oder Judenberg) in der Form eines Andreaskreuzes. Den
Auftrag zur Planung und Bauleitung erhielten: Herr Oberst v. Röder vom 1.
Garderegiment zu Fuß, Bauplanung: Hauptmann Snetlage von der
Garde-Pionier-Abteilung und für die Gartengestaltung: Gartendirektor Peter Joseph
Lenné. Für die russisch-orthodoxen Gläubigen wurde 1829 eine russisch-orthodoxe
Kapelle auf dem 55 m hohen Hügelchen (Kapellenberg am Rande der Siedlung) fertig.
Ebenfalls in jenem Jahr erhält
der Baumeister Karl Friedrich Schinkel den Auftrag, einen Kirchenneubau zu
planen, an der am 3. September 1795 abgebrannten barocken Nikolaikirche. Er
plant diese nach mehrfacher Abstimmung mit König Fr. Wilhelm III. Die
Geldknappheit gibt ihm vor, für den würfelförmigen Bau auf die Kuppel zu
verzichten und vorerst ein schlichtes Satteldach vorzusehen. (Die Kuppel wird
18 Jahre nach dem Tode von Schinkel realisiert. Sie fordert als zusätzliche
Auflager vier Eckpfeiler. Für die Kuppel wird dann kein schwereres Holzgebälk
mehr eingesetzt werden, sondern schlanke Eisenstreben, die die Fa. Borsig aus
Berlin liefert).
Schinkel beginnt mit der Planung der Schlösser Charlottenhof und Kleinglienicke.
Technik:
Berlin erhält seine erste
Gasanstalt. Sie stellt Leuchtgas her, zum Erhellen der Wohnungen. Später in
diesem Jahr die Anfänge der Straßenbeleuchtung in Berlin. Am 19. Sept. erste
Straßen-Gasbeleuchtung „Unter den Linden“. Bisher war es Pflicht, an den
Fassaden der Häuser Öllampen zu halten.
Literatur:
Uhland und Schwab geben Hölderlins Gedichte heraus.
Fröbel schreibt das Werk „Die Menschenerziehung“.
Heinrich Pertz veröffentlicht die „Monumenta Germaniae historica“, das maßgebliche Quellenwerk deutscher Geschichte.
Jacob Grimm veröffentlicht den 2.
Band seiner Grammatik. Wie der erste Teil umfasst dieses Werk auch wieder mehr
als 1.000 Seiten.
Seit diesem Jahr lebt Alexander
v. Humboldt (wieder) in Potsdam.
Musik:
Mendelssohn – Bartholdy komponiert die Ouvertüre zum „Ein Sommernachtstraum“.
Franz Schubert komponiert „Der Tod und das Mädchen“ und Carl Maria von Weber den „Oberon“.
Die Schauspielerin Henriette
Sontag (genannt: die „Jöttliche Jette“) gab am 29. Mai im Königsstädtischen
Theater am Alexanderplatz in Berlin ihre Abschiedsvorstellung in der
Rossini-Oper „Aschenbrödel“, dann am 30. Mai noch einmal in Potsdam. Sie wurde
stürmisch gefeiert.
1827
Wissenschaft:
Brown beschreibt die Wärmebewegung
mikroskopisch kleiner Teilchen.
Wöhler stellt Aluminium aus Tonerde her.
Medizin:
In diesem Jahr schreibt der Französische Arzt Meillier über Wurmfortsatzentzündungen (Abszesse in der Blinddarmgegend), weit seiner Zeit vorauseilend, dass man diese einstmals mit dem Messer herausschneiden werde. Doch bis zur Realisierung werden noch über 50 Jahre vergehen (siehe auch 1885 / 1886). Jeder Schnitt in die Bauchhöhle kam in der jetzigen Zeit noch einem Todesurteil gleich, weil die Leute anschließend sterben würden und man die Ursachen nicht kannte – Die Antisepsis, die Desinfektion, die Asepsis, das sterile Arbeiten waren ja noch völlig unbekannt.
Technik:
Das Drahtseil wird in diesem Jahr
entwickelt. Ressel entwickelt die Schiffsschraube.
Anton Löhner hat Rollschuhe
entwickelt. Der erste dampfgetriebne Kran arbeitet.
Baukunst in Potsdam:
Am 10. April Fertigstellung,
Abnahme und Bezug der Kolonie Alexandrowka. Völlige Gleichheit in der
Ausstattung wurde beachtet (siehe gesonderte Dokumentation).
Karl Friedrich Schinkel und Peter
Joseph Lenne gestalten den jüngst angekauften Parkteil Charlottenhof in den
Jahren 1826 – 1829.
Wirtschaft:
Karl Baedecker gründet einen
Verlag für Reisehandbücher.
John Walker kommt mit
Schwefelreibzündhölzern auf den Markt
Literatur:
P. J. Anselm Feuerbach schreibt „Merckwürdige Verbrechen“.
1828
Wissenschaft:
Friedrich Wöhler gelingt eine erste Synthese eines organischen Stoffes (Harnstoff) aus anorganischen Stoffen.
Am 13. Mai wird in Berlin die Deutsche Gesellschaft für Erdkunde gegründet.
Technik:
Heilmann konstruiert eine
Strickmaschine.
Bauen in Berlin:
Im Berliner Lustgarten vor dem Alten Museum wird die mächtige Granitschale aufgestellt, deren Block man aus den Rauenschen Bergen bei Fürstenwalde heran transportierte. Unbearbeitet hatte dieser eine Masse von über 1.400 Zentnern und wurde das längste Teilstück der Strecke per Schiff transportiert. An Ort und Stelle wurde „die Badewanne“ ausgehauen und dann mit Dampfmaschinenkraft poliert.
Bauten in Potsdam:
Schinkel arbeitet am Gärtnerhaus für die Schlossanlage Charlottenhof, dass 1833 beendet wird.
Literatur:
Es erscheint gedruckt der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller.
Anton Philipp Reclam gründet den Reclam-Verlag.
Wilhelm Grimm veröffentlicht das
2. Buch über deutsche Runen.
Musik:
Auber komponiert „Die Stumme von
Portici“, eine französische Oper.
Alltag:
Ein einsamer 16 jähriger junger Mann „Kaspar Hauser“ genannt, taucht auf. (1833 wird er mit 21 Jahren an den Folgen eines Mordanschlages sterben).
1829
Wissenschaft:
Döbereiner erkennt Ähnlichkeiten
bei verschiedenen chemischen Elementen und gruppiert diese. (Vorläufer des
Periodensystems).
Alexander v. Humboldt unternimmt auf Einladung und Wunsch des Zaren eine Forschungsreise durch West- und Ost-Sibirien.
Der 7. Präsident der USA ist
Andrew Jackson (1829 – 1837)
Technik:
J. Ressel erprobt den Antrieb
eines Schiffes mit Propellerschrauben. Schon die ersten Erfolge lassen eine
wesentliche Verbesserung der Leistung gegenüber den Schaufelrädern erwarten.
Stephensons Lokomotive „The Rocket“ gewinnt am 06. Oktober eine Preisfahrt, ein „Wettrennen“ zwischen den fünf Lokomotiven: „Zyklopenfuß“, „Neuheit“, „Unvergleichliche“, „Ausdauer“ und eben „Rocket“ (die Rakete), bei dem vier Maschinen ausfielen. Dieser Wettbewerb fand bei Rainhill statt, um die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Maschinen zu ermitteln. Die Ausschreibungskriterien gaben vor: Kosten pro Lok. Maximal 550 Pfund, Erreichbare Geschwindigkeit mindestens 16 km / h., Zugkraft mindestens 20 t. Stephensons Lok. schaffte ohne Zug 56 km / h. eine noch nie erlebte Geschwindigkeit und mit 20 t Anhängelast 46 km/h. Eine noch nie gekannte Leistung.
Thimonnie, konstruiert eine Kettenstichnähmaschine.
Patente werden auf die Erfindungen „Kugellager“ und „Rollenlager“
vergeben.
Baukunst in Potsdam:
In den Jahren 1829-32 baut Schinkel „Die Römischen Bäder“ im Park Charlottenhof.
Gegenüber der bestehenden
Königsbrauerei, Leipziger Straße 7/8, wird die „Potsdamer Stangenbrauerei
Adelung und Hoffmann“ eingerichtet. Leipziger Straße 60
Literatur:
Für zwei Jahre wohnt Heinrich Heine (1797 – 1856) in Potsdam, Hoher Weg 12, bei Handschuhmacher Johann Georg Witte, neben „Acht Ecken“ (Heute Fr. – Ebert – Str. 121. Hier arbeitet er am Teil III seiner „Reisebilder“. 1831 wir er nach Paris weiter ziehen.
Honoroe de Balzac beginnt „Die menschliche Komödie“ zu schreiben – ein frz. Sittenroman.
Wilhelm Grimm befasst sich mit der Darstellung der deutschen Heldensage.
Uhland ist bis 1833
Literaturprofessor an der Universität Tübingen.
Musik:
Rossini komponiert die Musik zu „Wilhelm Tell“.
Erziehung und Bildung:
In Berlin wird das erste öffentliche Museum Europas („Altes Museum“) eingeweiht.
Das Jahr 1830
Politik.
1830 / 31 Aufstand der Polen gegen die verhasste russische Fremdherrschaft.
Belgien sagt sich von den Niederlanden los und proklamiert am 04. Oktober 1830 eine eigene Übergangsregierung. (Nach 200 jähriger Trennung waren beide Länder 1815 in einer Union zusammengefasst worden. Erst am Ende des Jahrzehnts erkennen die Niederlande die Unabhängigkeit Belgiens an).
Bedeutender Streik Potsdamer
Maurer gegen schlechte Arbeitsbedingungen.
Frankreich erobert Algerien. Ein polnischer Aufstand gegen Russland scheitert.
Wissenschaft:
R. Brown entdeckt den Zellkern.
F.R. Hugy begründet die exakte Gletscherforschung.
Michael Faraday untersucht magnetische und elektrische Kräfte, das elektrische und das magnetische Feld und elektromagnetische Wellen.
Technik:
Mit der Eisenbahnlinie Liverpool
– Manchester beginnt das moderne Eisenbahnwesen. Die Spitzengeschwindigkeit
beträgt etwa 45 km/h.
Die Engländer Braithwaite und Ericson erfinden die Dampffeuerspritze zur Brandbekämpfung. Perry und Wise bringen die Schreibfeder aus Federstahl auf den Markt.
J. v. Madersperger entwickelt eine verbesserte Nähmaschine.
Die optische Telegraphielinie Berlin – Koblenz wird in Betrieb gesetzt.
Auf Englands Straßen werden Dampfomnibusse eingesetzt, die sehr großen Reisekutschen ähneln aber ohne Zugtiere fahren.
Bauwesen:
Der nunmehr ausgebaute St. Gotthard-Pass
wird für den Wagenverkehr geöffnet (Die erste Kutsche fuhr bereits 1775 über
die gefährlichen Alpen).
Bauten in Berlin:
Das Atelier Daniel Christian Rauch fertigt die große Schale (aus dem rotem Granit der Rauenschen Berge) nach des Schinkels Entwurf.
Bauten in Potsdam:
Beginn des Neubaus der 1795
ausgebrannten Nikolaikirche, vorerst mit Satteldach (Schinkel),
Grundsteinlegung am 3. September, der 35sten Wiederkehr des Brandtages.
Bauabschluss und Kirchenweihe: 1837. Karl Friedrich Schinkel wird Geheimer
Oberbaudirektor.
Literatur:
Balzac verfasst die „Tolldreisten Geschichten“, amouröse Begebenheiten der Barockzeit.
Bildung:
Gustav Leopold Kühn (1794 – 1868)
gibt in Neu-Ruppin zahlreiche Bildgeschichten auf einzelnen Papierbögen heraus
und setzt damit die Tradition fort, die sein Vater Johann Bernhard Kühn bereits
1800 begann. Es handelte sich um kolorierte Drucke von Holzschnitten mit Text
und gilt als die erste Illustrierte Deutschlands. Im Jahre 1832 wird die
Jahresproduktion der Dreier-Bögen mehr als eine Million Exemplare für das In-
und Ausland betragen. Bis 1930 werden etwa 22.000 unterschiedliche
Motive/Geschichten gedruckt.
Die Potsdamer Literarische
Gesellschaft wird gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören etwa 100
Personen, so auch Theodor Storm, Hofrat Ludwig Tieck, Julius Helmholtz, Karl v.
Reinhard, Ernst Haeckel, Philipp Karl Lange, Baldwin Möllhausen, Ernst v.
Wildenbruch u. v. a. mehr.
Alltag:
Beginn der amtlichen Wetteraufzeichnungen in Berlin.
Die Cholera breitet sich von Indien kommend nach Westen aus. Ungezählte Menschen erliegen dieser Infektionskrankheit. Innerhalb weniger Jahre erfasst die Cholera fast alle europäischen Länder
Aus dem Jahre 1831
Politik:
Gründung der französischen Fremdenlegion für Kämpfe in Nordafrika.
Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha wird König von Belgien. In Nordamerika, am Fluss Little Bighorn, siegt der Sioux-Häuptling Tatanka Yotanka (sitzender Büffel) mit seinen indianischen Kriegern (vorerst) über das 7. Kavallerieregiment General Custers.
Wissenschaft:
Charles Darwin befindet sich als
Teilnehmer auf einer Schiffs-Weltreise (bis 1836) und erforscht u.a.
Koralleninseln.
Liebig und Subeiran entdecken das Chloroform. Die erste Chloroformnarkose wird es 1858 in London geben.
Faraday entdeckt die elektrische und magnetische Induktion.
Medizin:
Die Infektionskrankheit „Cholera“ sucht Berlin, Potsdam und Umgebung heim. Der Erreger und auch der Übertragungsweg sind ja noch nicht bekannt. Chlorwasserdämpfe und Chlorlösungen werden vorsorglich angewandt. Der Hof hält sich in Sanssouci auf. Um den Park wurde eine dichte Bretterwand gestellt, damit die Cholera nicht zum Schlosse vordringen möge. Erkrankte werden auf Korbtragen, die mit abwaschbarem Wachstuch überzogen sind, zum Krankenhaus getragen. Ein Träger mit Glocke läuft warnend vor dem Transport her. Beerdigt wird nur nachts. Die Bestatter tragen auch Wachstuch-Kutten über der Kleidung. Zu hohen Kosten werden angeboten: Anti-Cholera-Schokolade, Cholera-Liqueure, Cholera-Mäntel und weiterer „hilfreicher“ Kram. Eine Cholera-Zeitung erscheint.
Technik:
Perkins stellt eine verbesserte Warmwasserheizung vor.
Die elektrische Klingel ist erfunden.
Bauten in Potsdam:
Schinkel beginnt mit dem Bau einer Klinker-Steinbrücke zwischen Potsdam und Berlin, der „Glienicker Brücke“, die 1834 beendet sein wird.
Literatur:
Im Januar stirbt Achim von Arnim.
Heinrich Heine lebt in Paris und schreibt die „Reisebilder
Victor Hugo veröffentlicht „Notre Dame de Paris“.
Ein riesiger Theatererfolg „Robert der Teufel“ von Meyerbeer
Alltag:
1830 herrscht in vielen Orten, so
auch in Potsdam, eine Choleraepidemie.
Einige Hinweise
zur Zeitgeschichte des Jahres 1832
Politik:
Das Hambacher Fest findet auf Schloss Maxburg bei Hambach in der Pfalz statt. Es ist eine „Verballhornungsfeier“, weil das Volk vorgibt, angeblich die erste Jahreswiederkehr der bayerischen Verfassung König Ludwigs (die nur sehr magere Rechte für das Volk enthielt) feiern zu wollen). Am 27. Mai kamen zu diesem Fest etwa 25.000 – 30.000 demokratische, liberale und republikanische Gäste aus ganz Deutschland und führten und hörten frische und freche politische Reden gegen die Monarchie und sangen die Marseillaise, das Lied der Französischen Revolution. Mit Fahnen in Schwarz-Rot-Gold zogen sie von Neustadt an der Weinstraße zum Berg des Hambacher Schlosses. Die Teilnehmer forderten demokratische Reformen und die Bildung eines deutschen Nationalstaates, eines einheitlichen, liberalen Deutschlands (also mehr Freiheits- und Bürgerrechte). Einer der Aufbrüche für Demokratie in Deutschland. Am 5. Juli 1832 verkündet der Bundestag die Abschaffung der Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit. Es ist die staatliche Reaktion auf das Hambacher Fest, die größte Massendemonstration des liberalen Bürgertums jener Jahre.
Wissenschaft und Technik:
Der optische Telegraph (Station
Nr. 4) wird auf dem Telegraphenberg bei Potsdam errichtet und noch im gleichen
Jahr wird die Telegraphiestrecke Berlin – Koblenz in Betrieb genommen. Bei
günstigem Wetter durchlief ein Telegramm die 61 Stationen in etwa 10 Minuten.
Faraday führt die Begriffe
„Elektrische und magnetische Kraftlinien“ ein.
Pixii entdeckt das Dynamoprinzip aber noch ohne wirtschaftliche Anwendung. Diese wird durch Siemens eingeführt. Pixii hat somit aber trotzdem den ersten Stromerzeuger konstruiert.
In Frankreich wird der Wechselstromgenerator entwickelt und funktionstüchtig vorgestellt.
Medizin:
In diesem Jahr herrscht in Hamburg und in Bremen eine Pocken-Epidemie (Blattern).
Wirtschaft:
Jenks entwickelt die Ring-Spinnmaschine.
Literatur:
Johann Wolfgang Goethe stirbt am 23. März.
Musik:
Donizetti schreibt die
italienische Oper „Der Liebestrank“ und Berlioz die „Sinfonie fastantique“
Der Berliner Komponist Zelter,
ein Freund Goethes, stirbt am 15. Mai.
Anmerkungen
zur Zeitgeschichte auf das Jahr 1833
Politik:
Im britischen Weltreich wird offiziell die Sklaverei aufgehoben, obschon abzusehen war, dass sich das nicht so plötzlich in die Praxis umzusetzen versprach.
Gründung des „Deutschen Zollvereins“ unter preußischer Führung.
Wissenschaft:
Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855) und der Physiker Wilhelm Eduard Weber entwickeln den ersten elektromagnetischen Nadel – Telegraphen mit Kabelverbindung zwischen Sender und Empfänger. Der Inhalt des ersten Telegramms: „Michelmann kommt! Michelmann war der Name des Kalfaktors, des Boten zwischen Absender und Empfänger, der nicht verstehen konnte, wie sein Besuch bereits angekündigt werden konnte (telegraphisch eben).
Wheatstone erfindet das Spiegel-Stereoskop.
Technik:
Dreyse konstruiert ein
Zündnadelgewehr.
Perrot entwickelt eine Bedruckmaschine für Textilien (Zeugdruck).
Bauen in Potsdam:
In den Jahren 1833 – 1836 entstehen nach Schinkels Bauplänen die „Römischen Bäder“ im erweiterten Park von Sanssouci.
Beginn des Baues des Schlosses Babelsberg für Prinz Wilhelm (2. Sohn, späterer Kaiser Wilhelm I,) das 1835 eingeweiht werden wird.
Landschafts- und Gartenkunst:
Der Generaldirektor der Königlichen
Gärten Peter Joseph Lenné und der Baumeister Karl Friedrich Schinkel
formulieren ihren romantischen Plan zu einer Potsdamer Kunstlandschaft
(Verschönerungsplan der Umgebung von Potsdam). Schon in diesem Jahr wird
begonnen, den „Park Babelsberg“ zwischen Potsdam und Nowawes anzulegen. Dieses
Gelände war seit der französischen Belagerung völlig verwüstet. (Die grundlegenden
Arbeiten geschehen in zwei Zeitabschnitten: 1834 - 1835 und 1844 – 1849.
Wirtschaft:
Preußen gründet den „Deutschen
Zollverein“.
In Potsdam nimmt die erste
Dampfmaschine mit einer Leistung von 10PS den Betrieb auf. Sie dient der in der
Burgstraße an der „Alten Fahrt“ (des Havelstroms) liegenden Jacobschen Zuckersiederei.
Simon Stampfer stellt kinomategraphische Effekte mit dem „Lebensrad“ vor.
Literatur:
Brentano schreibt „Das bittere
Leiden unseres Herrn Jesu Christi“ und Joseph v. Eichendorff das Lustspiel „Die
Freier“. Puschkin dichtet „Eugen Onegin“ und „Der eherne Reiter, ein Epos auf
Peter den Großen.
Erziehung:
Es stirbt der Direktor des Seminars für die Stadtschulen Berlins, Herr Diesterweg.
Johann Hinrich Wichern gründet in Hamburg-Horn „das Raue Haus“, eine Erziehungsanstalt, als Ersatz der Elternhäuser für Waisen und schwer erziehbare Kinder. Es ist die erste Einrichtung dieser Art.
Hinweise zur
Zeitgeschichte im Jahr 1834
Politik:
In Spanien wird die Inquisition
aufgehoben.
Technik:
Hun konstruiert eine Schiffchen-Nähmaschine. Den ersten brauchbaren Elektromotor baute der in Russland wirkende Physiker Moritz Hermann Jacobi (siehe auch 1867).
Bauwesen:
Karl Friedrich Schinkel erhält
den Auftrag, ein prinzliches Schloss auf dem Babelsberge bei Nowawes zu
entwerfen. Darüber hinaus ist er im Laufe der Zeit mit etwa 50 weiteren
Baukunstwerken befasst. Ein unglaubliches Arbeitspensum. Peter Joseph Lenné
bettet die Schinkelschen Bauwerke in einzigartige Landschaftsparkanlagen ein.
Die ehemalige Preußische Prinzessin Charlotte, inzwischen Zarin Alexander Fedorowna, Ehefrau des Zaren Nikolaus, eröffnet die Glienicker Brücke. Diese besteht aus 10 Bögen roter Hartbrandziegel und ist 173m lang.
Literatur:
Edward Lytton Bulver (1803 –
1873) schreibt den englischen Roman „Die letzten Tage von Pompeji“, Puschkin: verfasst
„Pique Dame“ und Thomas Moore: „Irische Melodien“.
Kunst:
In Potsdam wird der Potsdamer
Kunstverein gegründet.
Alltag:
Der als exzentrisch bekannte
Hermann Fürst von Pückler-Muskau (Branitz) fliegt mit Heißluftballons,
unternimmt Weltreisen, besucht Spielkasinos und fuhr kürzlich in Berlin vor dem
Cafe Kranzler in einer Kutsche vor, die von vier weißen Hirschen gezogen wurde.
Auch kaufte er neulich auf einem Kairoer Markt einen Afrikaner und eine
arabische Prinzessin. So sagt man. 1871 wird er sein märchenhaftes Erdendasein
beenden.
Ausgewählte
Positionen zur Zeitgeschichte 1835
Politik:
Beginn des Victorianischen Zeitalters.
Verbot der liberalen Bücher des
„Jungen Deutschland“.
Wissenschaft:
Faraday findet die
Selbstinduktion von Drahtspulen. Der Halleysche Komet erscheint wie
vorausberechnet wieder. Zwischen 1835 und 39 erforschen Robert und Richard
Schomburgk das Land Britisch-Guayana und den Orinoko. (Hoffentlich denken sie
auch dabei an die unvergleichlichen Leistungen des Alexander v. Humboldt).
Technik:
Herr Colt entwickelt den Revolver.
Morse stellt einen elektromagnetischen Schreibtelegraphen vor.
Überall in England werden Bahnen gebaut, die von Maschinen mit Wasser und Dampf geschwind durch die Landschaft gezogen werden – schneller und viel ausdauernder sogar als es die besten Pferde könnten. Die Leute mutmaßten, ob man schwindlig würde, einem die Luft wegbliebe, wenn man sich solchen Wagen anvertraute, da man mit etwa 40 km/h wohl zu schnell führe, als dass es der menschliche Körper aushalten könne. Bei dieser Abwägung liefen selbst ärztliche Meinungen weitgehend auseinander. Dessen ungeachtet wird in diesem Jahr die erste Eisenbahn in Deutschland fahren. Dafür vorbereitet ist die Strecke von Nürnberg nach Fürth – ein 6,5 km kurzer Gleisstrang. Den Zug wird die Lokomotive „Adler“ ziehen, die von der Stephensonschen Fabrik für 24.000 Mark gekauft wurde. Der Jungfernstart wird am 17. Dezember sein
Bauten in Potsdam:
Für die Söhne des Königs wurden
folgende Häuser eingerichtet: Charlottenhof: 1825, Glienicke 1829, Babelsberg
1835. König Fr. Wilhelm III genehmigt endlich den jetzigen Entwurf von Schinkel
und Rauch für das Reiterstandbild Friedrich II, des Großen, das später
hauptsächlich in Berlin „Unter den Linden“ steht, aber 100 Jahre später für
einige Jahrzehnte auch im Hippodrom des Pars von Sanssouci „Urlaub von Berlin“
machte.
Bauten in Potsdam:
Am Luisenplatz entsteht ein roter Backsteinbau von Hampel, als künftige Ulanen-Leibgendarmerie-Kaserne.
Literatur:
Hans Christian Andersen schreibt Märchen und Geschichten (bis 1872).
Bettina v. Arnim veröffentlicht den autobiografischen Roman: „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“.
Georg Büchner schreibt “Dantons
Tod“ und flieht in die Schweiz.
Die obrigkeitskritischen Werke Heinrich Heines werden verboten. Er selbst wird im Exil in Paris leben.
Soziales:
V. A. Huber greift das Problem
des (oft unwürdigen) Wohnens der Arbeiter in Preußen auf.
1836
Politik:
Das Todesurteil für Fritz Reutter wegen aktiver Mitgliedschaft in einer Burschenschaft wird in Festungshaft umgewandelt (bis 1840).
Wissenschaft:
K. F. Schimper begründet die
moderne Eiszeitforschung.
Theodor Schwann entdeckt das
eiweißverdauende Pepsin.
Dänische und deutsche Forscher beginnen die wissenschaftliche Vorgeschichtsforschung und unterscheiden dabei Stein-, Bronze- und Eisenzeit.
Technik / Maschinenbau:
Pentzoldt entwickelt die Zentrifuge zum Trennen von Stoffen unterschiedlicher spezifischer Masse, mittels der Rotationsgeschwindigkeit.
M. H. Jacobi entwickelt die Galvanoplastik.
Die zweite deutsche Eisenbahnlinie, diesmal eine Fernstrecke von Leipzig nach Dresden wird mit englischen und der ersten deutschen Lok „Saxonia“ betrieben. Konstrukteur der Lok ist Herr Prof. Johann Andreas Schubert von der Polytechnischen Schule in Dresden. Die Lokomotive wurde in der Maschinenbauanstalt in Übigau hergestellt und erreicht 45 km/h.
Baukunst in Potsdam:
Der Geograph Carl Heinrich
Berghaus zieht nach Potsdam und baut am Brauhausberg in der Schützenstraße
seine Geographische Kunstschule, in der Kartographen und Kupferstecher
ausgebildet werden sollen. (Leider wir dieses Institut 1848 aus finanzieller
Not zusammenbrechen. Er wird 1862 nach Stettin übersiedeln.
Zwischen Potsdam und Glienicke
hat die alte Holzbrücke als Verbindung ausgedient. Seit 1831 war die neue
steinerne im Bau, die Schinkel konstruiert hatte und die jetzt dem Verkehr
übergeben wurde.
Literatur:
Ludwig Tieck schreibt die Novelle
„Der junge Tischlermeister“. Arthur Schopenhauer „Über den Willen in der
Natur“. Von Wilhelm v. Humboldt erscheint posthum die „Vergleichende
Sprachforschung“.
Musik:
Adolphe Adam komponiert den „Postillon von Lonjumeau“, eine französische Oper.
Glinka vertont „Das Leben für den
Zaren“, die erste russische Oper.
Richard Wagner heiratet die
Schauspielerin Minna Planer (Scheidung 1861).
Alltag:
Frauenmode: Fußfreier
Glockenrock, enge Taille, Ärmel oben stark gebauscht und unten sehr eng.
Kapott-Hut.
1837
Politik:
Der 8. Präsident der USA (1837 – 1841) ist Martin van Buren.
Wissenschaft:
Der nordamerikanische
Historienmaler Samuel Finaly Breese Morse entwickelt eine Methode für die
telegraphische Übermittlung von Nachrichten, den ersten brauchbaren
Schreibtelegraphen der Welt mit einem vertonten Strich-Punkt-System (kurze und
längere Stromimpulse, mit dem zweiseitigen Hebel, der „Morsetaste“ gegeben „di“
und „da“), das auch auf eine Papierrolle geschrieben wird. (Das Morse-Alphabet ersannen
allerdings J. Henry und A. Vail, zwei in Mechanik und Elektrik kundige Mitarbeiter
von Morse).
Baukunst in Potsdam:
Nahe bei Potsdam, in Richtung
Zehlendorf wurde auf der Höhe unweit des Havel-Stromes eine neue Kirche
„Nikolskoje“ erbaut.
Die neue Nikolaikirche wird nach knapp 7 Jahren Bauzeit (vorerst mit Satteldach) eingeweiht. Bischof Dr. Neander hielt die Weihepredigt. Bischof Eylert berichtet, dass die Akustik so ungünstig war, dass sich Worte und Töne im Raum verloren, kaum zu verstehen waren. Man hatte die neue Kirche voll andächtiger Erwartung betreten und sie kopfschüttelnd und verdrießlich verlassen. Verärgert soll auch der König die Kirche verlassen und Sabotage gewittert haben. Das änderte sich auch nicht, als nach Schinkels Tod Persius und Stüler die schon geplante Kuppel aufsetzten Für jene bedurfte das Bauwerk zur Stabilisierung die vier Ecktürme, die nachträglich angebaut wurden.
Wirtschaft:
Die zweite deutsche
Eisenbahnstrecke Leipzig – Dresden wird eröffnet.
August Borsig (1804 – 1854) gründet in Berlin eine Eisengießerei und Maschinenbauanstalt.
Literatur:
Charles Dickens schreibt „Oliver
Twist“. Karl Friedrich Schinkel gab seit 1820 28 Hefte der „Sammlung architektonischer
Entwürfe“ heraus.
Musik:
Albert Lortzing komponiert die Oper „Zar und Zimmermann“.
Alltag:
In diesem Jahr gründen die
„Berliner Wasserfreunde“ den ersten deutschen Schwimmverein.
Und schon wieder wütet wie vor sechs Jahren eine Cholera-Epidemie in Potsdam.
Der erste private
Tierschutzverein wird in Deutschland gegründet.
1838 – Eine Schau durch das Jahr
Wissenschaft:
Bessel gelingt es, eine
Fixsternentfernung zu messen. Johann Jacob Tschudi erforscht von 1838 bis 42
das Land Peru
Louis J. M. Daguerre (1789 – 1851)
gelingt die photographische Belichtung auf Metallplatten mit lichtempfindlichen
Silbersalzen – einer Verbesserung gegenüber den zurückliegenden Versuchen von
Niepce.
J. M. Schleiden prägt den Satz, dass alle Pflanzen aus wesensgleichen Zellen bestehen.
Technik:
Januar: Einige Monate vor der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie (Teilabschnitt Potsdam – Zehlendorf) wird eine Eisenbahnwerkstätte auf dem Gelände des Rittergutes Potsdam an der Alten Königstraße (heute zwischen Babelsberger Straße und Friedrich-Engels-Straße) errichtet. Unter der Leitung des Engländers William Turner sind hier auch englische und amerikanische Facharbeiter tätig. Von ihnen werden die ersten Lokomotiven, die zerlegt aus England kamen, montiert und für den Fahrbetrieb instand gehalten. Anfangs werden hier gepflegt und bei Bedarf repariert: 6 Dampflokomotiven (mit je 35 Pferdestärken, die etwa bis zu 40 km je Stunde fahren können). 2 Staatswagen, 42 Personenwagen, 4 Tiertransportwaggons, 8 Bagagekarren. Personal: 2 Schlosser, 1 Schmied und 1 Tischler.
Für die Strecke zwischen Potsdam
und Berlin werden in Potsdam, Zehlendorf und Berlin Bahnhöfe gebaut (der in
Berlin heißt verständlicher Weise „Potsdamer Bahnhof“. Später wird gegenüber diesem
Bahnhof das vornehme „Hotel Esplanade“ errichtet).
Diese erste Eisenbahnstrecke Preußens
und damit ihre Stammbahn, zwischen Berlin und
Potsdam geht im Herbst in Betrieb. Vorerst, ab18. September bis Zehlendorf aber schon einen Monat später, ab 29. Oktober, bis Berlin. Sie ist die dritte deutsche Linie. Zwar werden anfangs noch englische Lokomotiven der Herren Stephenson and Compagny zu Newcastle on Tyne eingesetzt aber schon vor zwei Jahren baute Johann Andreas Schubert die erste deutsche Lokomotive. Für jede der ersten Fahrten hatte man 300 Billets verkauft. Die Passagiere nahmen in dem Zug mit 16 Wagen Platz, der von den beiden englischen Dampfwagen „Adler“ und „Pegasus“ gezogen wurde. In knapp 22 Minuten war die Strecke Potsdam-Zehlendorf von 3.850 Ruten Länge (14,5 km) zurückgelegt. Die pünktlichen Abgänge der Züge richten sich nach der Uhrzeit der Garnisonkirche zu Potsdam.
Bauen in Potsdam:
In Potsdam an der Großen Fischerstraße, neben der Heiligengeistkirche wird eine Militärschwimmanstalt errichtet.
Der Geo- und Kartograph Heinrich Berghaus richtet in der Potsdamer Schützenstraße (heute: Max-Planck-Straße) seine „Geographische Kunstschule“ ein.
Literatur:
Beginnend in diesem Jahr, arbeiten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm an einem allgemeinen, umfassenden Wörterbuch der Deutschen Sprache mit Begriffen aus der Zeit Luthers bis zur Gegenwart (Goethe). Diese Sprachschöpfer haben die deutsche Sprache feurig und lieblich gemacht. Das Gesamtwerk konnten die Schöpfer selbst nicht mehr beenden. Es wurde durch Wissenschaftler-Nachfahren erst 1961(!) mit dem Buchstaben „Z“ geschlossen.
1839
Politik:
Das Arbeiten von Kindern mit einem Alter von unter neun Lebensjahren wird (zumindest für den Einsatz in Fabriken) untersagt.
Wissenschaft:
James Clark Ross unternimmt in den Jahren 1839 bis 42 eine Antarktis-Expedition.
1839 und 1864 unternimmt Franz
Wilhelm Junghuhn (1809 – 1864) mehrere Reisen zur und auf der Insel Java.
Goodyear (1800 – 1860) gelingt
die Vulkanisierung von Kautschuk zu Hartgummi.
Der Engländer William Henry Fox Talbot
(1800 – 1877) unternimmt Versuche des Abbildens von Fotomotiven auf Papier und
fordert die Priorität gegenüber Daguerre. Außerdem erfindet er das
Negativ-Verfahren, das mehrere Kopien einer Aufnahme ermöglicht.
Schann entdeckt den Kern der tierischen Zelle.
Technik:
Bischof entwickelt die Gasfeuerung.
C. A. Steinheil gelingt es,
elektrische Uhren zu produzieren.
Bauen:
Karl Friedrich Schinkel wird zum Oberlandesbaudirektor ernannt.
Malerei:
Ludwig Richter zeichnet den
„Bergsee im Riesengebirge und Spitzweg „Der arme Poet“.
1840, verschiedenes aus diesem Jahre
Politik:
Der König Friedrich
Wilhelm III starb am 07. Juni 1840 mit 70 Jahren. Fr. Wilhelm III, preußischer
König seit 1797 (geb. 1770), der Ehemann von Königin Luise, ist nicht mehr. Nachfolger
ist sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm IV. (regierender König bis 1858, wegen
Erkrankung. Ableben 1861). Dieser interessiert sich jedoch weder fürs Militär
noch fürs Regieren. Er ist „Der Künstler auf dem Thron“, der lieber Architekt
geworden wäre. Es lebe der König.
Die Arbeiter der Potsdamer Gewehrfabrik streiken gegen die geringen
Löhne. In diesem und in den Folgejahren gehen viele Handwerker Bankrott.
Nowaweser Weber unterliegen der billigeren ausländischen Konkurrenz.
Wissenschaft:
J. Petzval berechnet und schleift
das erste Fotoobjektiv.
Boris Semjonowitsch Jacobi (früher
eigentlich Moritz Hermann), geb. am 21.09.1801 in Potsdam, Sohn des jüdischen
Kaufmanns Simon Jacobi, entwickelt die Galvanoplastik / Galvanostegie (später
Galvanotechnik genannt) in Dorpat (heute Tartu/Estland) zeitgleich aber
unabhängig von Thomas Spencer in Liverpool. Jacobi hatte später auch große
Erfolge in der Elektrotechnik und Telegraphie. Er hatte in Berlin und Göttingen
Architektur studiert, in Potsdam, Königsberg und Dorpat gearbeitet. 1834 baute
er einen ersten Elektromotor, der ihm 1835 den Ehrendoktortitel der Universität
Königsberg einbrachte. Weitere Stationen: Uni Dorpat, Professor für Architektur.
In St. Petersburg 1838 Hofrat, 1852 Wirklicher Staatsrat.1836 Heirat mit Anna
Grigorjewna Kochanowskaja, mit der er acht Kinder hatte.
Am 27. Februar 1874 stirbt er.
Medizin:
Dr. Karl Basedow (1799 – 1854) beschreibt die nach ihm benannte Krankheit.
Technik:
In diesem Zeitraum wird der fotomechanische Apparat und damit das Fotografieren von Daguerre erfunden.
Wirtschaft:
Postwesen – am 1. Mai wird die Brieffrankatur mit Briefmarken eingeführt; die erste Briefmarke der Welt, der „Black Penny“ erscheint. (siehe auch 1849)
Die Spielwarenindustrie erlebt ihre erste Blüte
Kunst:
Eine neue Stilepoche von 1840
bis 1860: Der weiterentwickelte Hochklassizismus begründet durch die
Schinkelschüler und König Friedrich Wilhelm IV.
Literatur:
Bettina v. Arnim schreibt das
biographische Werk „Die Günderode“, Hoffmann v. Fallersleben die „unpolitischen
Lieder“.
Malerei:
Der von Statur kleine aber
ansonsten große Künstler Adolf Menzel malt Bilder zur Geschichte Friedrich des
Großen.
Von diesem Jahr an gestaltet Fürst Hermann v. Pückler die Gartenanlagen um das Schlossgelände nahe dem Babelsberg, bis 1855 der Park als fertig gestaltet gilt.
Musik:
Robert Schumann heiratet Clara Wieck, die als Pianistin seine kompositorischen Werke verbreiten wird.
Erziehung:
Der erste allgemeine Deutsche Kindergarten, den Friedrich Fröbel 1837 in Blankenburg/Thüringen gegründet hatte, wird nach Keilhau verlegt.
Erste Arbeiterbildungsvereine entstehen in Deutschland.
Mode der Dame:
Die Krioline wird als Rock getragen, der sich bis 1860 zum Ungetüm des Reifrock auswächst.
Natur:
In Deutschland werden in diesem Jahr zum ersten Mal Lupinen ausgesät.
Was geschah unter anderem im Jahre 1841?
Politik:
Die Potsdamer Garnison zählt
6.700 Soldaten.
Wissenschaft:
Bessel bestimmt die genauere Erdgestalt. Braid entdeckt die Hypnose.
Kölliker belegt: Samenfäden sind die Träger zur Befruchtung des Eies.
James Clark Ross weist Land jenseits
des südlichen Polarkreises nach, was bereits von James Cook vermutet wurde. Das
Schweißen mit Gas und Sauerstoff wird eingeführt.
Wirtschaft:
Die Borsig-Schwermaschinenfabrik in Berlin liefert die erste Lokomotive am 24. Juni 1841. In Anwesenheit des Königs Friedrich Wilhelm IV. wurde das „Dampfross“ eingeweiht. Beim Leistungswettbewerb der Lokomotiven auf der neuen Bahnstrecke zwischen Berlin und Jüterbog gewinnt die Lokomotive, die August Borsig konstruierte, vor den englischen Modellen.
In England wird die Norm für ein Schraubengewinde nach Witworth eingeführt.
Bauen in Potsdam:
Tod Karl Friedrich Schinkels am 9. Okt 1841 (geb. 13. März 1781).
Friedrich August Stüler, geb. 1800 in Thüringen, einer der besten Schüler Schinkels, baut die Sacrower Friedenskirche. Er und Friedrich Ludwig Persius, geb. ca. 1803, gest. 1854 mit 42 Jahren, werden von Friedrich Wilhelm IV als architektonische Doppelbesetzung in der Nachfolge Schinkels benannt, gefolgt von Johann Heinrich Strack (1805 – 1880) als weiterem sehr guten Schinkel-Schüler. Dieser baute u.a. die Berliner Siegessäule.
Persius vollendet die
Nikolaikirche, nun mit Kuppel, für die Borsig das Eisengestell lieferte. (4
Jahre Bauzeit).
An der Neustädter Havelbucht wird ein Wasserwerk für Sanssouci gebaut, in der Form einer islamischen Moschee mit Minarett, die im Folgejahr fertig gestellt wird. Versuchsweise und erfolgreich wird mit dieser neuen Pumpenanlage die Großen Fontäne gespeist.
Literatur:
Joseph v. Eichendorff schreibt die Novelle „Die Glücksritter“ und Hebbel das Schauspiel „Judith“.
Musik:
Herr A. Sax erfindet das Saxophon.
Alltag:
In Berlin wird der Zoologische Garten eingeweiht.
Anmerkungen
zur Zeitgeschichte im Jahr 1842
Politik:
König Friedrich Wilhelm IV von
Preußen stiftet die Friedensklasse des Pour le mérite -Ordens. Pour le mérite
(bedeutet: Für den Verdienst“). Die hier eingerichtete „Friedensklasse“ vergibt
den Orden für besondere Leistungen in Wissenschaft und Kunst, als Gegensatz zum
gleichnamigen Orden aus der Zeit des preußischen Königs Friedrich II., als
dieser Orden ausschließlich für „militärische Heldentaten“ vergeben wurde.
Wissenschaft:
Darwin arbeitet an der
Abstammungslehre, Schönbein entdeckt das Ozon.
Charles Goodyear zeigt in Amerika seine Erfindung des vulkanisierten Kautschuks in der Öffentlichkeit. Gummischuhe werden von ihm geplant, später dünne Gummihandschuhe für die Medizin. 1844 erhält er vom Patentamt die Bestätigung, Kautschuk-Latex-Milch über Hitze-Vulkanisation zu haltbarem Gummi zu verarbeiten. Zeltplanen und wasserdichte Kleidung sind seine nächsten Ziele. Die wichtigste Erfindung: Er will diesen mechanisch empfindlichen Kautschuk in haltbare Autoreifen umformen.
Julius Robert Meyer stellt den Satz von der Energieerhaltung auf.
Technik:
Rasmyth entwickelt einen
Dampfhammer.
Bauwesen:
Am Kölner Dom soll bis zur
Vollendung weiter gebaut werden. Für diesen großen Entschluss wird nochmals ein
Grundstein gesetzt.
Bauten in Potsdam:
In den Jahren 1842 –1845 wird der
Wildpark bei Sanssouci angelegt. Die knapp 50 Jahre alte Meierei am Jungfernsee
wird in den normannischen Stil umgebaut und dient jetzt auch gleichzeitig als
Wasserwerk für den Neuen Garten.
Im Park von Sanssouci wird es erstmals Wirklichkeit: Die Große Fontaine steigt 36 m hoch.
Literatur:
Annette v. Droste-Hülshoff schreibt: „Die Judenbuche“, Gogol „Die toten Seelen“.
Karl Marx ist Chefredakteur der
„Rheinischen Zeitung“, die besonders linksliberale bürgerliche Leser bedient.
Musik:
Glinka komponiert: „Russlan und
Ludmilla“, eine russische Oper, Albert Lortzing „Der Wildschütz“ und Richard
Wagner die Oper “Rienzi“.
Alltag:
Als neuer Gesellschaftstanz kommt die Polka auf.
Am 4. / 5. Mai 1842: Der große Brand in Hamburg.
Hinweise zur
Geschichte des Jahres 1843
Wissenschaft:
Der deutsche Arzt Galle entdeckt den Planeten Neptun.
Technik:
Vierzehn Jahre nach Alexander v.
Humboldt beginnt Alexander v. Middendorf (1815 – 1894) eine Forschungsreise
durch Nord- und Ostsibirien, durch die „ewige Gefrornis“.
Cooke entwickelt das Blocksignalsystem für das Eisenbahnwesen.
Talbot gelingt die erste fotografische Vergrößerung.
Bauten in Potsdam:
In den Jahren 1843 – 1850 erhält die Nikolaikirche die gewaltige Kuppel, wie sie Schinkel und Bramante vorsahen. Um die enormen Kräfte der aufliegenden Last aufnehmen und in den Baugrund weiterleiten zu können, erhält der würfelförmige Bau an den Ecken Glockentürme als Widerlager. Die Höhe der Innenkuppel beträgt 53 m. Die Außenkuppel besteht aus einem Eisengerüst der Fa. Borsig und wurde mit Kupferblech beschichtet.
Literatur:
Heinrich Heine dichtet:
„Deutschland, ein Wintermärchen“.
Naturschauspiele:
Am Tages-Himmel ist ein heller großer Komet mit langem Schweif dicht neben der Sonne zu sehen. Später wird man errechnen, dass er, aus Eis Schmutzpartikeln und kondensierten Gasen bestehend, nicht mehr als 1 km im Durchmesser maß. Zu sehen war er eigentlich nur wegen seines Schweifs, dessen Länge auf 330 Millionen Kilometer geschätzt wurde. Das Schauspiel begann am 27. Februar und erreichte seinen Höhepunkt in der Helligkeit am 7. März.
Aus dem
Jahre 1844
Wissenschaft:
Der Preuße Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt geb. 23. Okt. 1813 in Trebatsch bei Beeskow, Philologe und Naturwissenschaftler, will ab 1841 (mit 28 Jahren) den australischen Kontinent erforschen. Mit einer etwa achtköpfigen Truppe (sechs europäische Forscher und zwei Einheimische) sowie einer Anzahl von Tragtieren unternimmt er mehrere kürzere Forschungsreisen. Zu einer großen Tour bricht er im Juni 1844 in Brisbane im Osten auf, um in Küstennähe in den Norden nach Port Essington zu gelangen. Seine Ost-Nord-Route wird 4.500 km lang sein. Der Kompass geht unterwegs entzwei; Umwege müssen in Kauf genommen werden. Unter vielen Entbehrungen, Hunger und Durst, einem Aborigines-Überfall, bei dem ein Forscher getötet wird, die anderen verletzt werden, erreicht die Gruppe im September 1845 Port Essington. Dort erholen sie sich vier Wochen, um dann mit einem Schoner nach Sydney zu segeln.
Bald bereiten sie jedoch die nächste Expedition vor. Die neue Route soll von Brisbane im Osten quer durch den Kontinent nach Westen führen und wird damit etwa doppelt so lang sein, wie die erste Strecke. Die große Simpson-Wüste (halb so groß wie Deutschland) sollte nördlich umgangen werden. Die Strecke war trotzdem sehr beschwerlich. In den ersten Monaten wohl ab Dezember 1847 legte die Forschergruppe bis April 48 etwa 800 km zurück. Leichardt schrieb am 03. April 1848 einen Brief (wie üblich in Englisch, dies war das letzte Lebenszeichen der acht Personen starken Expedition mit vielen Tragtieren). Seither galten sie als verschollen, wurden für tot erklärt, nachdem verschiedene Suchgruppen erfolglos zurückkamen. Erst 1912 wird ein Gewehrbeschlag aus Metall mit seinem eingravierten Namenszug am Rande der Simpson-Wüste gefunden aber der genaue Fundort nicht gekennzeichnet, um das Gelände durch Spezialisten genauer untersuchen zu können. So blieb unbekannt, ob die Forscher vielleicht in der Regenzeit ertranken? Gab es eventuell eine Meuterei, verletzten sie vielleicht unwissend ein Tabu und wurden von Eingeborenen mit einem Massaker bestraft? Kamen Sie durch Wildtiere um? Das alles bleibt offen. In Australien werden seine Forschungen bis ins 21. Jahrhundert sehr beachtet und geehrt werden. Deutschland hat seinen Sohn dagegen fast vergessen. Verschiedene frühere Reiseberichte wurden posthum herausgegeben.
Wirtschaft:
In diesem Jahr 1844 hat ein Dresdener Konditor (Ferdinand Wilhelm Hanke), das Rezept für das „Knusper – Alphabet“ unter dem Namen “Russisch Brot“ gelüftet. Er hatte es mit von der Walz’ aus Sankt Petersburg in Russland mitgebracht – dort geriet es im Laufe der Zeit aus der Mode und in Vergessenheit. In Deutschland aber ist es nach wie vor bekannt. Vorausschau: Im Jahre 2005 wird es Hartmut Quendt, ebenfalls ein Sachse, nach Russland an seinen Ausgangsort zurückbringen. Dort in Russland wird dieses „unbekannte Gebäck“ gern wieder angenommen.
Kunst / Musik:
In Berlin wird die Oper „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner vom Publikum mäßig aufgenommen.
1845
Wissenschaft:
Starr erregt Aufsehen mit einem
elektrischen Glühlicht.
Technik:
Heilmann stellt eine Kämm-Maschine vor.
Bauten in Potsdam:
Die Friedenskirche wird (bis
1848/50) am Eingang von Sanssouci, Am Grünen Gitter, nach Entwürfen von König
Friedrich Wilhelm IV und Persius gebaut (100 Jahre nach dem Schloss Sanssouci),
mit der Statue des einladenden Christus von Thorwaldsen als dominierender
Schmuck. Sie wird zur neuen Hofkirche werden.
Im Bau war seit 1841 die
Heilandskirche in Sacrow. Nun ist sie fertig.
In den Jahren 1845 bis 1849
erhält der Palast Barberini „Am Alten Markt“ zwei große Seitenflügel.
Auf dem Ruinenberg wird
zusätzlich ein Turm „der Normannische“ errichtet.
Das Jahr 1846
Wissenschaft:
Der deutsche Astronom Gottfried
Galle findet am 23. September 1842 den zweitäußersten bläulichen Planeten
Neptun. Der viertgrößte Planet unseres Sonnensystems ist von der Sonne etwa 4,5
Milliarden km entfernt. Bis er die Sonne einmal umrundet hat, vergehen fast 165
Jahre.
Schönbein erkennt den Nutzen von Schießbaumwolle.
In Berlin wird das
Meteorologische Institut gegründet.
Medizin:
Am 16. Oktober 1846 führt in Boston Dr. Morton eine Operation durch, bei der zum ersten Male eine Äthernarkose angewendet wird. Natürlich gab es auch schon Versuche mit Lachgas. Zuvor aber fanden die chirurgischen Eingriffe bei vollem Bewusstsein statt, mitunter etwas durch Alkohol gedämpft oder aber man freute sich oder der Patient war dankbar, wenn er in Ohnmacht fiel.
Gartenkunst:
In Berliner Osten entsteht ein großer öffentlicher Park, der „Friedrichshain“, als Gegenstück zum bereits bestehenden „Thiergarten“ im Westen.
1847
Politik:
König Friedrich Wilhelm IV. löst
am 26. Juni 1847 den Vereinigten Landtag, das erste gesamtpreußische Parlament
auf, weil wichtige Beschlüsse nach seiner Meinung immer wieder verschleppt
worden seien. So hatte der Landtag auch die 25.000.000 Taler - Anleihe zum Bau
der Ostbahn (Berlin – Königsberg/Ostpreußen) nicht bewilligt.
Wissenschaft:
Die Zwischenzeit von der Entwicklung der Narkose (um 1846) bis zum späteren Siegeszug von Hygiene, Antisepsis und Asepsis hätte nicht drei Jahrzehnte und länger dauern brauchen, denn es gab Menschen, die die Ursache von Wundinfektion und Infektionsübertragung bereits kannten. Zu ihnen gehörte der in Wien lebende Deutsch-Ungare Dr. Ignaz Semmelweis (Gynäkologe), doch auch er wurde mit seinen Theorien zur Sauberkeit (Reinigung / Desinfektion der Hände mit Chlorwasser) genauso von den Professoren der etablierten Lehrauffassung verlacht, wie damals Horace Wells bei Versuchen mit der Lachgasnarkose, um den Menschen bei der Operation Angst und Schmerzen zu nehmen.
Semmelweis hatte sein Medizinexamen 1846 abgelegt und führte 1847 die Chlorwasserwaschungen der Hände ein. Eine generelle vorbeugende Maßnahme gegen sogenannte „Miasmen“, die in der Luft vorhanden seien, sich auf Wunden und auf die Hände des Personals setzen, denn als Erreger sind ja Bakterien noch nicht erkannt, noch nicht sichtbar gemacht. Er kämpft gegen Unsauberkeit. Seife und Handbürste halten zumindest in seiner Klinik Einzug. Und Erfolge bei der Bekämpfung des Kindbettfiebers und anderer Wundinfektionen geben ihm Recht. Allerdings stirbt Semmelweis am 14. August 1865, erst 47jährig, an einer Sepsis nach einer Leichensektion.
Werner Siemens (1816 – 1892) eröffnet gemeinsam mit dem Mechaniker Johann Georg Halske eine kleine Fabrik in Berlin, für mechanische Arbeiten, Umsetzung (eigener) Erfindungen, Elektroentwicklungen, Telegraphenbau.
Wirtschaft:
Die Eisenbahnstrecke Berlin-Potsdam wird mit emsiger Bautätigkeit bis nach Magdeburg weitergeführt.
Zur
Zeitgeschichte des Jahres 1848
Politik:
48 / 49: Bürgerlich demokratische Revolution in Deutschland und Österreich mit dem Ziel einer demokratischen Verfassung, der eine erneute Phase der Restaurierung folgte. Es gab in diesem Revolutionsjahr verschiedene politische Unruhen, die sich gegen die Monarchien richteten. So ab 25. Februar in Paris, ab 18. März in Berlin Barrikadenkämpfe und anschließend auch in Sachsen, Baden, Bayern und Österreich. Die bürgerliche Revolution erfasst auch Potsdam. Kopf des „Patriotischen Vereins“ ist hier der junge Rechtsreferendar Maximilian Dortu.
Am 21. April die „Kartoffelrevolution“ in Berlin, da die Lebensmittelpreise drastisch anstiegen. Oft wissen die Erwachsenen nicht, wie sie ihre Familien sättigen sollten.
In Köln gründeten Marx, Engels, Wolff, Freiligrath und Weerth die „Neue Rheinische Zeitung“. Es erscheint das „Kommunistische Manifest“ von Marx und Engels.
Bismarck gründet die „Neue preußische Zeitung, ein konservatives Blatt. Das politisch-satirische Witzblatt „Kladderadatsch“ erscheint.
Am 18. Mai tagt die erste Deutsche Nationalversammlung (in der Paulskirche – dem größten Versammlungsraum - zu Frankfurt am Main). Aus dieser Nationalversammlung erarbeiten namhafte Abgeordnete wie Ernst Moritz Arndt, Robert Blum, Jakob Grimm, v. Ketteler, Vischer und andere, einen Verfassungsentwurf aus.
Der Sozialistische Juniaufstand in Paris wird niedergeschlagen.
Joseph Graf von Radetzky (1766 – 1858, 92 J) stellt die österreichische Herrschaft in Oberitalien wieder her.
Am 05. Dezember entmachtet der König Friedrich Wilhelm IV. das Potsdamer Parlament. In der Nationalversammlung wird am 21. Dezember1848 das Gesetz über die Grundrechte des Volkes verabschiedet. Gleichheit aller vor dem Gesetz, Aufhebung der Standesvorrechte und auch die Meinungsfreiheit werden darin verankert.
Max Dortu wird als Major der badischen Armee wegen seiner Revolutionsaktivitäten im Folgejahr zum Tode verurteilt und in Wiehre bei Freiburg im Breisgau erschossen. Auch Robert Blum, ein linker Demokrat, Abgeordneter, wird erschossen (39 Jahre alt).
In Deutschland hat der Arbeitstag (auch für junge Leute) etwa 14 – 16 Stunden. Arbeitervertreter fordern den 12-Stunden-Arbeitstag.
Wissenschaft:
Vom Berliner Meteorologischen Institut (vor zwei Jahren gegründet), wird der erste deutsche Wettervorhersagedienst organisiert.
Die Wissenschaftler Bond und Lassel entdecken den achten Saturnmond.
R. Böttger entwickelt Sicherheitszündhölzer.
Hancock versucht seine erste Blinddarm-/ Wurmfortsatzoperation. Eine Cholera-Epidemie durchzieht Europa.
Technik:
Das mit Spiritus beheizte Bügeleisen kommt auf den Markt.
Bauten in Potsdam:
Der Palast Barberini, der in seiner Straßenfront seit 1771 besteht, erhielt jetzt nach längerer Bauzeit zwei Seitenflügel angesetzt, die hinunter zur „Alten Fahrt“ der Havel führen.
Auf dem Pfingstberg, dem früheren
Eich- oder Judenberg, wird bis 1852 ein Belvedere errichtet. Es wird jedoch aus
Geldmangel unvollendet bleiben.
Erziehungswissenschaften / Religion:
Johann Hinrich Wichern (1808 – 1881) ist Mitbegründer der evangelischen „Inneren Mission“.
Literatur:
Es stirbt im Alter von 51 Jahren Annette von Droste – Hülshoff, die große deutsche Dichterin.
Malerei:
A. v. Menzel schafft das Gemälde „Aufbahrung der Märzgefallenen“.
Das Jahr 1849
Politik
Die Nationalversammlung wählt in der Frankfurter Paulskirche König Friedrich Wilhelm IV. zum deutschen Kaiser. Er jedoch weist dieses huldvolle Angebot brüsk ab, da das Volk keine Krone zu vergeben habe.
Der Potsdamer Revolutionär und badischer Major Max Dortu wird in Freiburg im Breisgau zum Tode verurteilt und im nahen Wiehre erschossen. Die Revolution der einfachen Bürger wird niedergeschlagen. Beamte und Militär gewinnen viel Macht.
Es tobt der Freiheitskampf nun auch in Ungarn. Dort fällt auch der 26jährige Dichter Alexander Petöfi. Richard Wagner beteiligt sich am Maiaufstand in Dresden, flieht nach Zürich und bleibt dort bis 1858. Der Deutsche Turnerbund wird aufgelöst.
Wissenschaft:
Der junge Arzt Pollender sah unter dem Mikroskop „Stäbchen“ im Blut von Schafen, die an Milzbrand gestorben waren und er vermutete darin eine mögliche Ursache der Krankheit. Er wurde jedoch von der „wissenschaftlichen Lehrmeinung“ nicht ernst genommen. Erst 30 Jahre später wird Robert Koch (1880) die erneute Beweisführung antreten. Das Lichtmikroskop wurde um 1600 erfunden.
Alexander v. Humboldt (1769 – 1859), Mitglied der Akademie der Wissenschaften, gehörte zur Potsdamer Hofgesellschaft, war Kammerherr und Vorleser in der Königlichen Familie. Für wissenschaftliche Arbeiten, seinem Hauptlebensinhalt blieben leider nur die Nachtstunden. Diesen Zustand wird er ändern. A. v. Humboldt wohnte im Stadtschloss Am Alten Markt. 1849 wurde er Ehrenbürger von Potsdam.
Fitzeau misst die Lichtgeschwindigkeit auf einer kurzen Strecke von 8,3 km.
Technik:
Der Amerikaner Hunt erfindet die Sicherheitsnadel. Sie wird sich als enorm wichtig erweisen – ähnlich wie die Büroklammer, die allerdings, in häufiger geänderten Formen, schon bei den Sumerern (3.000 Jahre vor Chr. bekannt war).
Die Telegraphenlinie von Berlin nach Frankfurt (Main) wird in Betrieb genommen.
Wirtschaft
Die ersten Briefmarken erscheinen ab 01. November in Deutschland. In Bayern: Der schwarze Einser, zu einem Kreuzer, der schwarze Dreier und die Sechsermarke zu 6 Kreuzer.
Am 27. Dezember wird die Gewehrfabrik, die hier seit 1721 bestand, nach Spandau verlegt.
Literatur:
Charles Dickens schreibt: „David Copperfield“.
Musik:
Meyerbeer komponiert die Oper „Der Prophet“.
1850
1850 – 1875: Das Zeitalter der
Technik (Nachahmung historischer Stile)
1850 – 1890: Gründerzeit: Es
herrschen Pomp und dunkler Plüsch (sichtbar gemachter Neu-Reichtum), schwere
Vorhänge, dunkle ornamentale Tapeten, schwere Schnitzereien am Mobiliar,
gedrechselte Säulen.
Politik: In diesen Jahren setzt sich der Kapitalismus in den fortgeschrittensten Ländern durch. Preußen gibt sich eine Verfassung – das Staatsgrundgesetz wird in Kraft gesetzt. Das Dreiklassenwahlrecht (ohne Berücksichtigung der Frauen als potenzielle Wählerinnen) wird eingeführt. Es wird in dieser Form bis 1918 Bestand haben.
Wissenschaft und Technik:
Herr Robert Wilhelm Bunsen
entwickelt den nach ihm benannten Labor-Gasbrenner.
Rühmkorff baut einen Funkeninduktor. Plücker entdeckt die Kathodenstrahlen.
Die Astrophysik entwickelt sich um 1850 insbesondere der Kenntnis der Spektralanalyse (Kirchhoff und Bunsen).
Das erste Veloziped (Fahrrad) mit Tretkurbeln am großen Vorderrad wird gefertigt.
Heinrich Barth geht auf eine große Sahara- und Sudan-Expedition.
W. Bauer unternimmt Versuche mit einem Tauchboot.
Hermann v. Helmholtz entwickelt den Augenspiegel.
Mc Clure findet eine Nordwestpassage von West nach Ost.
Wirtschaft:
Franz Hermann Schulze-Delitzsch gründet kleingewerbliche Kreditgenossenschaften.
Das erste Telegraphiebüro Berlins wird eröffnet. Hat jemand den Wunsch eine Depesche aufzugeben, muss er sich selbstverständlich mittels seiner Passkarte legitimieren, die Bestätigung zweier Zeugen zum Depeschentext und eine polizeiliche Bestätigung beibringen.
Das erste Seekabel wird durch den Ärmelkanal von Dover nach Calais verlegt.
In Potsdam wird die erste Pferdeomnibusstrecke eingerichtet. Die Linie führt von der Glienicker Brücke durch die Stadt bis zum Bahnhof Wildpark.
August Wichmann, Königlicher Regierungsrat, lässt die Webschule in der Nowaweser Mittelstraße einrichten.
In Sachsen werden erstmals Briefmarken eingeführt (Sachsen Dreier).
Im November beginnt in Preußen „das Zeitalter der Briefmarke“ mit dem Porträt des Königs Friedrich Wilhelm IV.
Bauten in Potsdam:
1850 – 1856 wird „Die neue Orangerie“, eine Königsvilla, als Erinnerung an die Villa der Medici in Rom, auf Befehl Friedrich Wilhelm IV. erbaut (330m lang). Es soll der erste Bau sein, der die Maulbeerallee als Prachtstraße begleitet. Es werden aber keine weiteren Bauten folgen. Ansonsten sind in dieser Zeit Stilwiederholungen üblich; so entsteht beispielsweise die Neogotik.
In Neuendorf wird auf dem Anger vor dem alten Pfarrhaus, von Ziller eine neue Kirche in Form eines Oktogons errichtet. 1852 soll sie fertig sein.
Soziales:
Bei den 23 Millionen Einwohnern der USA werden 3,2 Millionen Sklaven afrikanischer Abstammung gehalten.
Literatur:
Erste Volksbüchereien öffnen in Berlin.
Musik:
Um 1850 wird die Operette entwickelt. Sie ist die „Kleine Oper“ und gilt anfangs als eine Parodie auf die große Oper. Jaques Offenbach gilt als ihr Begründer.
In Berlin steht zu Ostern „Der Parsifal“ von Richard Wagner auf dem Opernprogramm. Außerdem beendet er den „Lohengrin“. Richard Wagner hält Freundschaft mit Mathilde Wesendonk aus Zürich.
Malerei:
A. Menzel malt das Historiengemälde aus der Zeit Friedrich des Großen: „Tafelrunde in Sanssouci“
1851
Politik:
Bismarck ist Preußischer Gesandter beim Deutschen Bundestag.
Wissenschaft:
Foucault weist durch Pendelversuche das Rotieren der Erde nach.
Der Physiker Hermann v. Helmholtz erfindet den Augenspiegel. Der geniale Berliner Augenarzt Albrecht v. Graefe arbeitet sehr viel damit.
Wirtschaft:
In Berlin wird die
Berufsfeuerwehr gegründet.
Von 1846 bis 1851 entsteht die
Göltzschtalbrücke, ein Eisenbahnviadukt bei Reichenbach im Vogtland mit 574 m
Länge, aus 26 Millionen Ziegelsteinen errichtet. Der Architekt ist Andreas
Schubert.
London richtet die erste Weltausstellung aus. Eine große Sensation ist die riesige Glashalle oder „der Kristallpalast“ von Sir Joseph Paxton gebaut (als Ausstellungshalle und gleichfalls als Exponat). Am 1. Mai wird die Ausstellung von Prinz Albert, dem Ehemann der britischen Königin Viktoria eröffnet. Diese Schau über das Moderne löst international eine Welle des Optimismus und des Fortschrittsglaubens aus. Technisch scheint im Zeitalter der Industrialisierung nun alles möglich.
Das handbetriebene U-Boot von W. Bauers ist im Kieler Hafen gesunken.
Bauen in Potsdam:
In der Schützenstraße am Brauhausberg (heute Max-Planck-Straße) entsteht die Terrassengaststätte „Wackermanns Höhe“.
Im Park von Sanssouci wird mit dem Bau der 300 m langen Orangerie an der Maulbeerallee begonnen. (1860 wird dieser Bau beendet sein).
Kunst:
Das monumentale Reiterstandbild Friedrich II. wird in Berlin „Unter den Linden“ aufgestellt. Die Vorarbeiten hatten 1839 begonnen; verschiedene Vorlagen wurden verworfen, bis die letztgültige Fassung entstand. Der Schöpfer ist Christian Daniel Rauch.
Die italienische Oper „Rigoletto“ von Verdi wird aufgeführt.
Soziales:
Preußen verbietet die Einrichtung von Kindergärten.
Alltag:
Das Baden einiger Städter in
Flüssen oder Seen wird als ungewöhnlich empfunden, als etwas, das nur
Exentriker täten.
Einige
Gedanken zum Jahr 1852
Politik:
Frankreich Louis Bonaparte, ein Neffe Napoleon Bonaparte I, macht sich am 02.12.1852 zum Kaiser Napoleon III (bis Sept. 1870).
Wissenschaft / Geographie:
Der höchste Berg der Erde wurde gemessen, ohne diesen bisher besteigen zu können (siehe 1953). Das Ergebnis: 8848 m hoch ist der Mount Everest an der Grenze zwischen Tibet und Nepal. (Der Berg ist benannt nach dem englischen Generalgouverneur von Indien Sir George Everest, da Indien eine englische Kolonie ist). Auf tibetanisch heißt der Berg Mitiz Gutti Chapu Longua und die Nepalesen nennen ihn Sagarmatha.
Giffard unternimmt Versuche mit einem halbstarren Luftschiff und als Antrieb mit einer 3 PS Dampfmaschine.
Technik:
Der in Potsdamer geborene Herr Jacobi baut einen Elektroantrieb für ein Boot. Er stellt die Gesetzmäßigkeiten für Elektromagnete dar und erfindet einen neuen Telegraphenschreiber.
Sam Fox erfindet das klappbare Metallgestell für einen Regenschirm.
Literatur:
Harriet Beecher-Stowe (1812 – 1896) schreibt als Nordstaaten-USA-Bürgerin den Roman „Onkel Toms Hütte“, gegen die Negersklaverei. Hebbel schreibt das Trauerspiel „Agnes Bernauer“ und Theodor Storm die Novelle „Immensee“. Joseph Meyer gibt das Große Konversationslexikon von 52 Bänden heraus.
Malerei:
Der russische Adel darf am 5. Februar erstmals die Schätze in der Petersburger Eremitage bewundern. Diese wurde nach dem, in den Jahren 1764 – 1767, für Zarin Katharina II (die Große) erbauten kleinem Schloss benannt.
Religion:
Einführung des Kindergottesdienstes in Deutschland.
Mode:
Damen: hellfarbene Kleidung, Reifröcke aus leichten Stoffen, Dekolleté, große flache Hüte mit Sammetbändern und Pleureusen.
Herren: Langes Beinkleid,
Gehrock, Zylinder, Frack bei feierlichen Anlässen.
Natur:
Die USA führen Sperlinge aus England ein, um mit deren Hilfe der Raupenplage Herr zu werden.
Die Victoria-regia ist erstmals in Europa (in Hannover) zu sehen. Im Folgejahr wird auch ein Exemplar im Berliner Botanischen Garten zu sehen sein.
Zeitgeschichtliche
Rundschau 1853
Politik:
In den Jahren 1853 – 1856 findet Krieg auf der Krim statt. Russische
Soldaten kämpfen hier gegen Türken, Franzosen und Briten. Bekannt wird die
Schlacht bei Sewastopol. Allerdings kommen noch mehr Soldaten infolge der
Cholera um, als bei den Kampfhandlungen.
Ende Dezember trifft der Dichter und Gerichts-Assessor Theodor Storm (1817 – 1888) in Potsdam ein. Storm wohnt nacheinander in der Brandenburger Straße 70, ab 1854 in der Waisenstraße 68 und ab 1856 in der Kreuzstraße15. Ab August 1856 siedelt er nach Heiligenstadt über. Hier in Potsdam schreibt Storm die Novellen „Im Sonnenschein“, „Angelica“ und „Wenn die Äpfel reif sind“. Theodor Storm und Hofrat Ludwig Tieck (1773 – 1853) werden zusammen mit etwa 100 weiteren Personen im Verzeichnis der Potsdamer Literarischen Gesellschaft geführt.
In Preußen wird das Gesetz über die Gewerbeaufsicht erlassen.
Technik:
Krupp entwickelt nahtlose Räder für die Eisenbahn. Pravaz hingegen gestaltet die Injektionsspritze. In London wird jetzt Post (in Kapseln) mit Druckluft durch eine Rohranlage geblasen.
Bauen in Potsdam:
Auf dem Hügel „Babertsberg“ im Schlosspark bei Nowawes, der bisher dem Hofrat Rehnitz gehörte, stand bis 1848 eine Windmühle. In jenem Jahre war sie abgebrannt. Nun veranlasst der König (Friedrich Willhelm IV.), dass hier ein Turm zum Schmuck, zur Aussicht sowie für Arbeit und Erholung errichtet werde. Er erhält die Gestalt des Eschenheimer Tores in Frankfurt (Main). Die Ziegel für diesen Turm werden von weit hergeholt – von dem Gut Flatow-Krojanke in Westpreußen.
Literatur:
In Leipzig erscheint die Zeitschrift „Die Gartenlaube“.
Kunst / Musik:
Die Oper „Lohengrin“ von Richard Wagner wird in Berlin mit mäßigem Beifall bedacht.
Richard Wagner verfasst „Der Ring der Nibelungen“.
Verdi komponiert die Musik zu „La Traviata“ und „Der Troubadour“.
Zum Jahr 1854
verschiedene Hinweise
Politik:
Der Deutsche Bundestag verbietet alle Arbeitervereine.
Wissenschaft:
Heinrich Göbel erfindet in Niedersachsen die Glühlampe, stellt sie auch in New York vor, meldet sie jedoch nicht zum Patent an. (Siehe auch Edison, 1879).
Medizin:
Inzwischen gibt es die Narkose gegen den Operationsschmerz aber die Wundinfektionen, insbesondere auch bei Kriegsverletzungen, fordern viele Opfer. Der erste Krieg, in dem Soldaten unter Narkose operiert werden können, ist der Krimkrieg. In Skutari und Konstantinopel bestehen in Türkenkasernen englische Hauptlazarette.
Florence Nightingale nahm sich zu dieser Zeit einer verbesserten weiblichen Krankenpflege an, was von der Lehrmeinung allerdings als ein sonderbares Bemühen abgewertet wurde. Bald aber sollte sie ein Pflegerinnenkorps für oben genannten Krieg zusammenstellen. Dort herrschten Wundfieber, Cholera, Typhus, Wundrose und Brand in den vielen schmutzstarrenden Lazarettsälen ohne fließendes Wasser, wo die zerschossenen Soldaten oft nur auf dem Fußboden lagen. Florence N. (1820 – 1910), Tochter eines eher leichtlebigen englischen Aristokraten-Paares, wollte die Stimme Gottes gehört haben, der sie in seine Dienste zur Pflege der Kranken rief. Als Engel der Hospitäler gilt Florence Nightingale, die sich voll und ganz den Verletzten widmet.
Von diesem Jahr an bekämpfte Max Pettenkofer die Cholera durch verbesserte Hygiene, vor allem auch mit der Trinkwasser- und Abwasserhygiene, nachdem er von der bayerischen Regierung dazu den Auftrag erwirken konnte „das Cholera-Rätsel“ zu lösen. Bis jedoch ein Impfstoff da ist, wird es noch rund ein halbes Jahrhundert dauern. Der britische Arzt John Snow entdeckt, dass sich die Cholera über verschmutztes Trinkwasser verbreitet. In London wird nach diesen Erkenntnissen ein neues Abwassererfassungsnetz gebaut. Mit Erfolg!
Technik:
Für das Fahrrad ersann Philipp M. Fischer den Tretkurbelmechanismus.
Sinsteden entwickelte den Blei-Akkumulator als Speicher elektrischer Energie.
Die technische Anwendung des Aluminiums begründet St. Cl. Deville und Werner von Siemens erfindet den Doppel-T-Anker für Motore aber Ernst Litfaß in Berlin stützt die Reklame mit Anschlagsäulen (Plakatanklebesäulen).
Bauen:
In München wird ein Glaspalast errichtet, (der 1931 abbrennen wird).
Wirtschaft:
Literatur:
Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm nehmen die Arbeit für ein Deutsches Wörterbuch auf. In Berlin lebt in der Bauhofstraße 2, für knapp zwei Jahre ein kleines, also kurzbeiniges Schweizer Männlein: Der Schriftsteller Gottfried Keller. Hier schreibt er das autobiographische Werk „Der grüne Heinrich“ und „Die Leute von Seldwyla“. Freytag schreibt das Lustspiel „Die Journalisten“ und Friedrich Scheffel „Der Trompeter von Säckingen“.
Musik:
Liszt komponiert „Les Preludes“. Robert Schumann fällt bedauerlicher Weise in geistige Umnachtung. Richard Wagner beginnt mit seiner Arbeit an „Das Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ (beendet 1874).
Naturereignisse:
Während des Krimkrieges ist dort eine Sturmkatastrophe zu verzeichnen.
Aus dem
Jahre 1855
Wissenschaft:
Livingstone entdeckt die Victoriafälle bei seiner Afrikadurchquerung.
Technik:
Henry Bessemer (1813 – 1893) erfindet die Erzeugung flüssiger Stahlmasse in der „Bessemer-Birne“. Max Eyth führt in verschiedenen Ländern die Vorzüge des Dampfpfluges der Firma Fowler vor. Garcia erfindet den Kehlkopfspiegel und David Edward Hughes den Drucktelegraphen. Erste Revolverdrehbänke kommen auf den Markt.
Wirtschaft:
Am 1. Juli erhielt in Berlin Ernst Litfaß vom Generalpolizeiinspektor Hinkeldey die Erlaubnis, vorerst 50, später 100 Reklamesäulen in Berlin aufzustellen.
Weltausstellung in Paris. Das erste Warenhaus eröffnet seine Tore anlässlich der Weltausstellung. Selbstverständlich auch in Paris. Hapag setzt ihr erstes Dampfschiff in Dienst.
Bauten in Potsdam:
In Bornstedt wird eine Kirche mit
Friedhof gebaut. In Zukunft wird es heißen: Jeder, der in Sanssouci gelebt und
gearbeitet hat, wird in Bornstedt beerdigt werden.
Literatur:
Scheffel schreibt das Buch „Ekkehard“. Turgenjew schreibt den Roman „Rudin“.
Musik:
Zur der Anwendung der Rollschuhe: In der Oper „Der Prophet“ des Berliner Komponisten Meyerbeer kommt ein Schlittschuhballett vor. Für die Bühnenaufführung ist es nötig, wohl erstmals im Theater Rollschuhe einzusetzen.
1856
Wissenschaft:
Vormenschlicher Knochenfund (tatsächlich nur das Schädeldach) bei Arbeiten im Kalksteinbruch, in der Feldhofer Grotte im Neandertal zwischen Elberfeld und Düsseldorf entdeckt. Der „Neandertaler“. Man vermutet ein Alter von vielleicht 100.000 Jahren. (Neander, der Direktor des Düsseldorfer Gymnasiums (*1647), der gerne in jenem Tal weilte und dort dichtete).
Brown-Séquard weist die Wichtigkeit der Nebenniere nach.
Johann Heinrich Jacob Müller gelingt der photographische Nachweis der ultravioletten Strahlen.
Der Deutsche Heinrich Göbel
erfindet eine Glühlampe aber noch ohne kommerzielle Verbreitung (siehe auch1873
Lodygin-Lampe aus St. Petersburg und 1877 – die erste Edison-Glühlampe).
Wirtschaft:
Die Berliner Wasserwerke werden gebaut. Berlin zählt derzeitig 600.000 Einwohner. 900 öffentliche Brunnen stehen in den Straßen und spenden Wasser für Mensch und Tier. Auch in etwa 9.000 Höfen von Häusern stehen weitere Pumpen der Brunnenanlagen. Gewiss ist es mühselig, die vollen Eimer bis zu fünf Stockwerke hoch zu tragen und das Schmutzwasser dann auch wieder hinunter. Für „saubere Abwässer“ gab es zwischen Trottoir und Damm (Fußweg und Fahrbahn) den Rinnstein, der meist eine Stinkbrühe beförderte. Ein Kind, so drückt es Bruno Hans Bürgel aus, kann „bequem“ im Rinnstein ertrinken. Bisher werden die Toiletteneimer während der Dunkelheit der Nacht, von den Dienstleistenden, den mit Laternen bewaffneten „Nacht-Emmas“ getauscht, die vollen auf einem Wagen mitgenommen, sofern man nicht über ein Trockenklo mit Auffanggrube verfügt. (Mit dem Bau der Abwasserkanalisation wird man 1873 beginnen).
In der Stadt Berlin beginnt man mit dem Verlegen von Wasserleitungen. Das Kübeltragen von „der Plumpe“ wird Schritt um Schritt weniger. Die Humboldts gehörten zu den ersten in Berlin, die sich im Zuge des Verlegens der Wasserleitungen auch ein Badezimmer einrichten ließen. Wollte dagegen der König Wilhelm I. in seinem Palais mal ein Bad nehmen, so musste er vorerst Bedienstete zum Ausleihen einer zinkenen Wanne in das benachbarte „Hotel de Rome“ schicken, um diese dann im Palast mit Eimern warmen Wassers füllen zu lassen. Außer diesen Zinkwannen, kamen schon Tretbrausen auf. Die Pedale tretend, wurde das Wasser aus der Wanne in den Duschkopf gepumpt und somit im Kreislauf gehalten.
Fertig gestellt wurde in diesem Jahr die Schwarzwaldbahn mit 40 Tunneln.
Bauen in Potsdam:
Bau der Kirche in Bornstedt.
Literatur
Es stirbt Heinrich Heine mit 56 Jahren in seinem Pariser Exil. Seit 1831 war er hier als Journalist tätig. Seine obrigkeitskritischen Werke waren seit 1835 in Deutschland verboten. Raabe schreibt die „Chronik der Sperlingsgasse“ in Berlin. Hermann v. Helmholtz gibt das „Handbuch der physiologischen Optik“ heraus. Die erste Auflage des Ingenieur-Taschenbuchs „Die Hütte“ erscheint.
Kunst / Musik:
Die Oper „Tannhäuser“ wird in Berlin für Richard Wagner ein großer Erfolg. Robert Schumann stirbt, Franz Liszt komponiert die „Ungarische Rhapsodien“.
1857
Wissenschaft:
Chemie: Friedrich Kekulé (1829 – 1896) ist der Begründer der chemischen Strukturformeln.
H. W. Dove stellt „Das Gesetz der Stürme“ auf (mit Winddrehungsgesetz).
Louis Pasteur veröffentlicht Arbeiten über Milchsäure- und Alkoholgärung.
Literatur:
Turgenjew schreibt die Erzählung „Assja“ nieder.
Musik:
Hans v. Bülow (1830 – 1894), ein deutscher Dirigent heiratet Cosima die Tochter des Franz Liszt.
1858
Politik:
Nach 18jähriger Regierungszeit erkrankte unser König Friedrich Wilhelm IV geistig immer stärker, so dass sein jüngerer Bruder, Prinz Wilhelm (später König Wilhelm I und ab 1871 Kaiser Wilhelm I) nun die Regentschaft übernimmt.
Wissenschaft:
Die Briten Richard Burton und John Hanning Speke sind in Afrika auf der Suche nach den Quellen des Nils unterwegs.
Cannizzaro legt die Atomgewichte der Elemente in ihrer Relation zum Wasserstoff fest.
Plücker entdeckt die Kathodenstrahlen. Virchow begründet die Zellular-Pathologie.
Medizin / Religion:
Das Bauernmädchen Bernadette Soubirous hatte in ihrem südfranzösischen Heimatort Lourdes (am Fuße der Pyrenäen) achtzehnmal eine Marienerscheinung, mit verstehbarer Kommunikation und Auftragserteilungen an das Mädchen. In der Folge wird es zahlreiche Wunderheilungen von Kranken geben, die sich medizinisch nicht erklären lassen.
Technik:
Der Amerikaner Otis baut den ersten Aufzug (Fahrstuhl) mit Dampfbetrieb.
Es wird mit dem Verlegen des ersten Unterwasserkabels durch den Atlantik begonnen, um die Drahttelegraphie zwischen Europa und Amerika zu ermöglichen (Kabellegerschiffe, Cyrus Field). Eine Sohlennähmaschine erleichtert die Arbeit der Schuhmacher.
Pullmann stellt Luxus-Eisenbahnwagen her.
Soziales:
Johann Hinrich Wichern (1808 – 1881) gründet in Berlin das Johannesstift, eine caritative Einrichtung.
Literatur:
Ernst Moritz Arndt schreibt „Meine Wanderungen und Wandlungen mit dem Reichsfreiherrn vom Stein“. Diese Schrift bringt ihm eine Gefängnisstrafe ein. Turgenjew verfasst den Roman „Das Adelsnest“ aber Wilhelm Busch den „Max und Moritz“.
Musik:
Jaques Offenbach komponiert die Pariser Operette „Orpheus in der Unterwelt“.
Verschiedene
Notizen aus dem Jahr 1859
Politik:
Kronprinz Friedrich (später König Friedrich III = der 99 Tage – Kaiser) und seine Frau, die britische Prinzessein Victoria (Vicky) erwarten Nachwuchs. Prinz Wilhelm, der spätere Thronfolger Wilhelm (II.), wird geboren. Es gibt eine Geburtskomplikation. Der linke Arm bleibt schwächlich, gelähmt und verkürzt. Das Verhältnis des Kindes - auch später als Mann, bleibt gegenüber seiner Mutter distanziert bis feindselig. Sein Intellekt wird nach strenger Erziehung eingeschätzt: Schnelle Auffassung, mäßig begabt, oberflächlich. Bereits im 15./16. Lebensjahr wird er als kaltherziger Mensch charakterisiert werden. Fortsetzung 1888.
Das Volk demonstriert (wieder einmal) für die nationale Einheit Deutschlands.
Krieg: Schwere Schlacht in Italien in Solferino am Gardasee (Österreich verliert). Der Schweizer Henry Dunant gründet nach diesem Gemetzel das „Internationale Rote Kreuz“, das sich aus Barmherzigkeit um die Verwundeten künftiger Kriege kümmern soll. „Tutti fratelli“ – alle sind Brüder, heißt seine Losung. Es entstehen daraus die drei Genfer Konventionen: Verbesserung des Loses der Verletzten, Verbesserung des Loses der Kriegsgefangenen und Schutz der Zivilbevölkerung.
Wissenschaft:
Charles Darwin stellt seine Gedanken in dem Werk „Die Entstehung der Arten“ / den Kampf ums Dasein (durch natürliche Auslese) dar. Die Kirche erkennt das Werk nicht an, da seine Ausführungen der Schöpfungslehre des Christentums entgegenstehen.
Bauwesen:
Das neue Berliner Rote Rathaus wird errichtet.
Naturereignisse:
Auswanderer aus Europa, die eine neue Existenz in Australien (Victoria) suchten, brachten nach dort Kaninchen mit. Diese wuchsen sich in Australien ohne natürliche Feinde zu einer Landplage aus, die rund 100 Jahre lang anhielt. Künstlich wurden die Kaninchen mit tödlichen Infektionskrankheiten, wie der Myxomatose, bekämpft.
1860
Wissenschaft und Technik:
Es stirbt der „Vater der Vulkanisation des Kautschuk“, Charles Goodyear, 59 Jahre alt, sehr verarmt, krank von den bleihaltigen Chemikalien. Er war ein großer Erfinder und ein schlechter Geschäftsmann.
Zwischen 1860 bis 1872 führt Max Eyth sechsscharige Dampf-Pflüge und ihre Folgegeräte, gezogen von Lokomobilen der englischen Firma von John Fowler ein. Er führt sie vor, zum Muster-Pflügen auf den unterschiedlichsten Böden in Afrika (Ägypten), den USA und Russland, um aus unterschiedlichen wirtschaftlichen Erwägungen die landwirtschaftlichen Flächen rationeller bearbeiten zu können.
Der Franzose Etienne Lenoir konstruiert den ersten Gasmotor.
Philipp Reis (1834 – 1874) baut das erste, noch unvollkommene Telefon. Es wird (außer vom Erfinder) vorerst noch als Spielzeug angesehen. Er selbst aber hat die Vision: Wie viel Hunderte Botengänge kann man täglich einsparen, wenn man in Sekundenschnelle … und dann auch gleich die Antwort erhält (siehe auch 1877).
Potsdamer
Bauten:
Im vergangenen
Jahr wurde der Bau der Sommervilla für König Fr. Wilhelm IV., das Schlösschen
Lindstedt begonnen und jetzt fertig gestellt.
Auf einem deutschen Schloss (nicht in Potsdam) wird erstmals ein WC, ein Wasserclosett eingebaut. In den Bürgerhäusern demzufolge erst viel später, in Potsdam ab etwa 1896/97.
Bildung:
In Potsdam wird die Höhere Lehranstalt für Mädchen eröffnet.
Mode der Dame:
Als modern gelten Ungetüme von Reifröcken.
Alltag:
In der Stadt Potsdam gibt es zwei Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten. Das sind die Zuckersiederei Jacobs in der Burgstraße und die Eisenbahnwerkstätten in der Alten Königstraße.
Zeitgeschichtliche
Anmerkungen zum Jahr 1861
Politik:
Der amerikanische Bürgerkrieg der modernen freiheitlichen Nordstaaten gegen die sklavenhaltenden Südstaaten beginnt. Der Bruder-Krieg wird bis 1865 anhalten und mit der offiziellen Aufhebung der Sklaverei enden. Allein von den nördlichen, den Unionsangehörigen werden etwa 67.000 Soldaten fallen aber nochmals ebenso viele Verwundete werden in den Hospitälern an Wundinfektionen sterben, für die noch keine Behandlung bekannt ist.
König Friedrich Wilhelm IV. von
Preußen (Regierungszeit von 1840 bis 1861) stirbt am 02. Januar im Schloss
Sanssouci. Er galt als musikalisch und künstlerisch begabt, was ihm den
Beinamen „der Romantiker, der Künstler auf dem Thron“ einbrachte. Wegen seiner
Erkrankung übernahm aber sein jüngerer Bruder Wilhelm (1797 – 1888), der
„Kartätschenprinz von 1848“ und spätere Kaiser Wilhelm I bereits 1858 die
Regentschaft. Er übernimmt mit Beginn des Jahres 1861 die Thronfolge als König
Wilhelm I und wird bis zu seinem Lebensende 1888 regieren.
Wissenschaft:
Im ägyptischen Tal der Könige bei Luxor werden in Grabanlagen 40 Mumien entdeckt. Die Grabanlagen aber sind alle ausgeraubt. In den Jahren 1861 bis 65 erforscht Adolf Bastian die ostasiatischen Völker.
Technik:
Der Lehrer Philipp Reis (1834 – 1874) aus Friedrichsdorf im Taunus konstruiert das erste Telefon der Welt. Der gesprochene Versuchstext: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“.
Wirtschaft:
Mit einem Fallgewicht von 1.000
Zentnern wird „Fritz“, der größte mit Dampfkraft angetriebene Schmiedehammer
Deutschlands am 16. September 1861 zum ersten Mal in Essen eingesetzt.
Firmenchef Alfred Krupp hatte das Hochleistungswerkzeug selbst konstruiert, das
bis zu 50.000 Pfund starke Gussstahlblöcke zum Beispiel zu Schiffswellen
verarbeiten konnte. Für den Hammer wurde ein eigenes Gebäude errichtet. Dessen
72 m hoher Turm war lange Zeit das höchste Gebäude in Essen.
Alltag:
Potsdam hat 41.800 Einwohner.
Das Jahr 1862
Politik:
Am 22. Sept. treffen sich König
Wilhelm I und Otto von Bismarck im Park zu Babelsberg. Der König spricht über
politische Schwierigkeiten des Regierens (mehr gegen das Parlament als mit
diesem) und äußert Abdankungsabsichten. Bismarck erklärt seine Bereitschaft zur
Übernahme des Amtes eines regierenden Ministerpräsidenten. Dieser ist dafür,
die großen Fragen der Zeit nicht durch Reden, sondern durch Blut und Eisen zu
regeln. König Wilhelm I ernennt ihn zum Ministerpräsidenten, nachdem Bismarck
den resignierenden Monarchen „stützt und vom Groben entlastet“.
Vergeblicher Versuch Garibaldis,
Rom von den Franzosen zu befreien.
Wissenschaft:
Wöhler gewinnt Azetylen aus Calciumcarbid.
Es wird aber noch bis 1906 dauern, dass dieses Gas als Brenngas zum Schweißen
verwendet wird.
Potsdamer Bauten:
An der Glienicker Brücke wird die Villa Schöning gebaut.
Wirtschaft:
In diesem Jahr findet die
Weltausstellung in Paris statt.
Der britische Dampfer „Scotia“
gewinnt im Wettbewerb das „Blaue Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung
in 8 Tagen und 2 Stunden.
Literatur:
Flaubert schreibt „Salambo“,
einen französischen Roman über Karthago.
Fontane berichtet schriftlich
über seine Wanderungen durch die Mark Brandenburg.
Hebbel verfasst über die
Nibelungensage ein Trauerspiel.
Victor Hugo schreibt „Die
Elenden“, ein zehnbändiges Romanwerk.
Malerei:
Millet, ein französischer
realistischer Maler gestaltet das Werk: „Mann mit Hacke“.
Musik:
Verdi vertont die Oper „Die Macht
des Schicksals.
Alltag:
Das Rauchen wurde nach der
Besiedlung Amerikas von den Weißen nach dem Vorbild der Ureinwohner eingeführt.
Die erste deutsche Zigarettenfabrik entsteht 1862 in Dresden. Im 19. Jahrhundert
wird daher die Zigarette zur ernsthaften Konkurrenz zu Zigarre und
Tabakspfeife.
Viele neue Turnvereine entstehen
in Deutschland.
Statistisches aus dem Berliner Alltag:
In der Stadt leben 620.000 Einwohner in 150.000 Wohnungen. Die Mieten betragen im Durchschnitt 150 Taler im Jahr – das entspricht etwa dem Einkommen von Arbeitern und „kleinen“ Handwerkern.
Es gibt 768 Ärzte und Zahnärzte, 49 Apotheker, 93 Rechtsanwälte, 200 Buchhandlungen, 129 Schreibwarengeschäfte, 4.821 Schneider, 4.238 Schuhmacher, 2.700 Schankwirtschaften, 256 Photographen (keine Amateurphotographen). Es folgen Weber und Zinngießer in der Häufigkeit.
Die sieben Eisenbahnlinien von und nach Berlin enden vor den Toren der Stadt. Es gibt noch keinen Bahnhof in der Stadt. Täglich gehen 46 Züge von Berlin ab. In der Stadt verkehren derzeitig 2.500 Pferdedroschken und einige Pferde-Omnibusse.
Nachrichten
aus dem Jahre 1863:
Politik:
Die größte Schlacht des
amerikanischen Bürgerkrieges der Nordstaaten gegen die Südstaaten, in
Gettysburg, endet mit einem Sieg der Unionstruppen.
Lassalle gründet in Leipzig den
„Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“, mit den Hauptzielen des allgemeinen
Wahlrechts (Gerechtigkeit) und der Bildung von Produktionsgenossenschaften.
Wissenschaft:
Ernst Haeckel gelangt zu der
Erkenntnis: der Mensch stammt von affenähnlichen Säugern ab.
Der Nobelpreis wird für die „Herstellbarkeit
von Nitroglycerin in großen Mengen“ vergeben.
Beginn der Metallographie durch
H. C. Sorby’s mikroskopische Untersuchungen des kristallinen Eisenaufbaus.
Wirtschaft:
Eröffnung der Londoner Untergrundbahn mit Druckluftantrieb. Es handelt sich um die erste U-Bahnstrecke der Welt.
Malerei:
Das Museum Petersburger Eremitage
wird für „das breite Publikum“ geöffnet.
Monet malt „Das Frühstück im Garten“.
Musik:
Bizet vertont die französische Oper „Die Perlenfischer“.
Alltag:
Es wird der erste deutsche
„Rot-Kreuz-Verein“ gegründet.
Mehrere
Hinweise zum Jahr 1864
Politik:
Bismarck veranlasst den Krieg Preußens und Österreichs gegen Dänemark um Schleswig-Holstein. Der Krieg wird von der Allianz gewonnen. Preußen wird um Schlewig und Holstein größer.
Die Genfer Konvention „Zur
Verbesserung des Loses der verwundeten Soldaten der Armeen im Felde“, wird von
16 Nationen unterzeichnet.
Gründung der „I. Internationalen Arbeiterassoziation“ in London durch Karl Marx (er ist deren Leiter bis 1872).
Ferdinand Lasalle, ein deutscher Sozialistenführer, geb. 1825, stirbt im Duell mit 39 Jahren.
Wissenschaft:
1839 und 1864 unternimmt Franz
Wilhelm Junghuhn (1809 – 1864) mehrere Reisen zur und auf der Insel Java.
Technik:
Svend Foyn entwickelt die
Harpunenkanone zum Walfang.
Die Siemens-Martin-Stahlschmelze unter Schrott-Verwendung wird erprobt.
Max Eyth führt in Ägypten das Dampfpflügen mit je zwei Lokomobilen der britischen Firma Fowler ein. Dazu entwickelte er auch die Technik zum geordneten, regelmäßigen Aufspulen der Seile auf die Windentrommeln und betreibt ebenfalls dampfbetriebene Pumpen zur Bewässerung der Felder. Nun können zu jeder Zeit Ströme von Wasser in die erstmals tiefgepflügten Felder rinnen, in die Felder, steinharten Bodens, die seit Jahrtausenden nichts an Bodenbearbeitung kennen gelernt haben, als den altägyptischen Zinken (Einfachpflug, der die Erde aufritzte aber die Scholle nicht wendete). Jener ist auch in den Grabkammern von Memphis und Theben zu sehen.
Den politischen Aufschwung dazu
gab der Bürgerkrieg der Südstaten der USA gegen die Yankees, der den dort zu
anderen Zeiten üblichen Baumwolleanbau auf Jahre illusorisch machte und daher
der afrikanische Kontinent als Ausgleich gefragt war.
Soziales:
Gründung der Hilfsorganisation
„Rotes Kreuz“.
Literatur:
Wilhelm Raabe schreibt den Roman
„Der Hungerpastor“ und Jules Verne die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“.
Musik:
Jaques Offenbach schreibt die
Pariser Operette: „Die schöne Helena“.
Alltag:
In Leipzig wird von E. J. Hauschild die Bildung der Schreber-Gärten-Vereine begründet.
Naturgewalten:
Ein Zyklon im Gebiet von Kalkutta
(Indien) löst am 05. Oktober eine Sturmflut mit Wellen von etwa 6 m Höhe aus,
die das Land verwüsteten. 48.635 Tote wurden gezählt.
Neues aus
dem Jahre 1865
Politik:
In den USA endet der Bürgerkrieg
mit dem Sieg der Nordstaaten. Damit wird auch die Sklaverei offiziell
abgeschafft, die Schwarzen werden offiziell befreit. Präsident Abraham Lincoln
wird als der Sklavenbefreier am 14. April von Rassenfanatikern ermordet.
Bildung des Ku-Klux-Klan-Geheimbundes, der Lynchjustiz, die Mord und Hass gegen
Farbige und Juden ausübt. 1871 wird er verboten.
Wissenschaft:
Alfred Nobel erfindet das Dynamit als Sprengstoff.
Ermittlung der wahren Molekülgröße durch Loschmidt.
Der Mönch Gregor Mendel stellt bei
Kreuzungsversuchen mit Erbsen grundsätzliche Regeln der Vererbung auf, die aber
leider erst ab 1900 beachtet werden.
Wirtschaft:
Die Gesellschaft zur Rettung
Schiffbrüchiger wird gegründet.
Erstersteigung des Matterhorns
durch den 25 jährigen Edward Whymper.
Erste Rohrpostanlage in Berlin.
Erste deutsche Pferdestraßenbahn – ebenfalls in Berlin.
Gründung der Badischen Anilin- und Sodafabriken in Ludwigshafen.
Bildung:
In Preußen wird die Schulpflicht
eingeführt. Wilhelm Busch dichtet sogleich: „Also, lautet der Beschluss, dass
der Mensch was lernen muss?“... (Max und Moritz).
Zwischen den USA und Europa wird
ein „Unterwasser –Überseekabel“ verlegt. Dazu wurde die Great Eastern, das
damals größte Schiff nach mehreren Unfällen 1865 als Kabelverleger umgebaut –
mit 500 Mann Besatzung. Nach unendlichen Schwierigkeiten und mehrfachen
Kabelrissen (wegen der Eigenmasse) wird die Kabelverlegung 1866 vollendet.
Sport:
Am 13. Juli stürzen der Bergsteiger Whymper und weiter Begleiter bei dem Versuch der Erstbesteigung des 4.505 m hohen Matterhorns ab.
Das Jahr 1866
Politik:
Zwischen Preußen und Österreich findet der „Einigungskrieg“ um die Vorherrschaft in Deutschland statt. Schlacht bei Langensalza.
Wissenschaft:
Der Potsdamer Forscher Ernst Haeckel legt das „Biogenetische Grundgesetz“ vor, in dem er ausführt, dass die Ontogenese (Individualentwicklung) eine kurze und schnelle Rekapitulation (Wiederholung) der Phylogenese (Stammesentwicklung) sei. Dieser Lehrsatz sei besonders gut an der Embryonalentwicklung sichtbar.
Der Mönch Gregor Mendel stellt seine drei Regeln der Vererbung auf: Die Uniformitätsregel, die Dominantenregel und die Unabhängigkeitsregel / Neukombinationsregel.
Medizin:
Lord Joseph Lister, Prof. der Chirurgie in Glasgow, setzt die Forschungen der Antisepsis zum vorbeugenden Ausschluss der Wundinfektionen im Geiste von Semmelweis fort. Er wendet dabei insbesondere Kohlenteerpräparate: Phenol- und Karbolsäure an. Die Erfolge: Keine rotglühende Entzündung der Wunde mehr, kein Eiter, kein Gestank mehr. Lister entwickelte auch den Karbolspray und -dampf über dem Operationsfeld, um es gegen „Miasmen“ aus der Luft abzuschirmen. Bisher und bis in die achtziger Jahre hinein waren nach Operationen oder bei offenen Wunden nach Unfällen Fieberkurven bis über 40°C üblich. Eine Wunde ohne Eiterung gab es kaum (Bakterien waren noch nicht bekannt, wenn auch vorhanden). Eine Sauberkeit bei Operationen wurde von den meisten Ärzten noch für unnötig erachtet. Es war also üblich, dass etwa 80% der chirurgisch behandelten Menschen starben.
Der französische Chemiker Louis Pasteur (1822 – 1895) hatte Lister durch seine Arbeiten über die Fäulnis zur Antisepsis angeregt. Pasteur selbst hatte gute Erfolge mit der Hitzebehandlung (um 70°C) „zum Abtöten kleiner unbekannter Lebewesen“, die zum schnellen Faulen des Fleisches beitrugen – aber auch er wurde vorerst verlacht. Die „Pasteurisierung“ war erfunden. In den Folgejahren entwickelt er Impfstoffe gegen die Geflügelcholera, den Milzbrand und die Tollwut (Lyssa, Rabies).
Technik:
Die erste Schreibmaschine kommt
auf den Markt. Der Tiroler Bürger Peter Mitterhofer präsentiert am Kaiserhof in
Wien am 18. Dez. 1866 die wohl erste funktionsfähige Schreibmaschine.
Allerdings wird der Erfinder damit nicht reich. Für das aus Holz und Blech
gefertigte Gerät bekommt Mitterhofer von seiner Majestät 200 Gulden als
Anerkennung (für diese hübsche Spielerei).
1867
Politik:
Preußen gründet zusammen mit 17 deutschen Kleinstaaten und Hansestädten den „Norddeutschen Bund“.
Der russische Zar verkauft Alaska an die USA „für ein Butterbrot“ von 7,2 Millionen Dollar.
Am 17. Januar feiert die Starkstromtechnik ihren Geburtstag. Werner v. Siemens gibt der Akademie der Wissenschaften zu Berlin die Entdeckung des dynamo-elektrischen Prinzips bekannt.
Technik:
Werner Siemens baut die erste Dynamomaschine, einen Generator zur Umwandlung von mechanischer Energie in elektrischen Strom.
Potsdamer Bauten:
Es wird mit dem Bau einer Katholischen Kirche am Bassin begonnen,
Baumeister Salzenbach. Turm nach dem Vorbild nach San Zeno in Verona. 1870 soll
sie fertig sein.
Das Nauener Tor wird umgebaut und
eine Kaserne für die Einheit der Dritten Gardeulanen in der Jägerallee im
Burgenstil fertiggestellt.
Literatur:
Anton Philipp Reclam beginnt mit
der Herausgabe einer „Universal-Bibliothek“. Es handelt sich um einfach
gebundene kleine Heftchen – für das interessierte Volk bezahlbar.
Alltag:
In diesem Jahr erfand ein Luckenwalder Bürger den Pappteller.
Am 06. April wird in Potsdam der Vaterländische Frauenverein gegründet
1868
Wissenschaft / Paläontologie:
Im süddeutschen Sonthofen ist ein Fossil, ein Flugtier ins Gestein eingedrückt, als Urvogel bezeichnet, aufgefunden worden. Er gilt als (ein recht kleiner) Nachfolger der Flugsaurier.
Die erste deutsche Nordpolarexpedition (Spitzbergen) startet mit Kapitän Karl Koldewey auf dem Schiff „Germania“. Auf der zweiten Expedition begleitet sie zusätzlich das Schiff „Hansa“, das jedoch vom Packeis zerquetscht wird. Die Besatzung rettet sich auf Grönland. Bis 1909 wird es jedoch noch an Zeit brauchen bis (soweit uns bekannt), der erste Mensch den Nordpol betritt. In den Jahren von 1868 bis 72 erforscht Ferdinand v. Richthofen (1833 – 1905) das Land China.
Medizin:
Der Chirurg Lord Joseph Lister (ein Quäker) verwendet erstmals mit Karbol desinfizierte Catgutfäden (Katzendarm) als Nahtmaterial, die also im Körper verbleiben können. So brauchen keine Fäden mehr aus der Wunde heraushängen, bis sie abeiterten. Von den Methoden Listers lernten u.a. der Leipziger Chirurg Prof. Thiersch, Adolf von Badeleben aus der Charité zu Berlin und Richard von Volkmann in Halle sowie Professor Nussbaum aus München. 1875 wird Lister nach Deutschland reisen und hier die triumphalen Erfolge seiner antiseptischen Wundversorgung kennen lernen, denn in England, wurde leider (wie es oft in der Geschichte der Medizin geschah), der Wert seiner Arbeit verkannt (s. 1866).
Wirtschaft:
Am 01. Januar erscheinen die ersten Briefmarken des Norddeutschen Bundes, der territorial deckungsgleich ist mit dem Norddeutschen Postgebiet.
Aus dem
Jahre 1869
Politik:
August Bebel und Wilhelm Liebknecht gründen im thüringischen Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei.
Wissenschaft / Medizin:
Professor Gustav Simon, Chirurg in Heidelberg, entfernt in diesem Jahr erstmals und erfolgreich eine kranke menschliche Niere nach zahlreichen Versuchen an Hunden und menschlichen Leichen.
In den USA wird Zelluloid erfunden, ein Kunststoff, brennbar, leicht biegsam und durchsichtig (siehe auch 1887).
Johann Friedrich Miescher findet das Nuclein, eine schwach saure Substanz, die Phosphat und Sauerstoff enthält. Diese wird später DNA genannt werden.
Die zweite deutsche Nordpolarexpedition führt nach Ostgrönland.
Technik:
Siemens und Halske bauen die riesige Telegraphenlinie von London durch Deutschland, Russland, Persien nach Indien, etwa 10.000 km lang.
Der Franzose Mayer baut erste Fahrräder mit Metallrahmen statt des Holzbalkens und nennt diese Konstruktion „Veloziped“.
Bauwesen und Wirtschaft:
In den USA am 10. Mai: Die erste Bahnverbindung vom Atlantik bis zum Pazifik, quer durch den Kontinent ist fertig gestellt. Von beiden Endpunkten begonnen, trafen die Schienenstränge in den Bergen von Nebraska zusammen. Die transkontinentale Eisenbahn benötigte sechs Jahre Bauzeit. Etwa eine Million Arbeiter waren beteiligt. Ungefähr 10.000 sind dabei gestorben. Zweihundert Haltestationen wurden vorerst eingerichtet. 10 Tage beträgt die gegenwärtige Fahrzeit.
Der Suezkanal wird eröffnet. Er stellt die Verbindung zwischen dem Mittelländischen und dem Roten Meer dar. Er ist 60 km lang und im Durchschnitt 12,9 m tief.
Literatur:
Jules Verne veröffentlicht seinen Roman „Kapitän Nemo“.
Alltag:
Damenbekleidung besteht um diese Zeit im Viktorianischen Zeitalter aus einem Korsett, um dem Oberkörper eine (unnatürliche) Form mit sehr schlanker Taille zu geben, den Körper einzuzwängen, die Organe nach oben und unten zu verdrängen (häufige Ohnmachten). Leibchen waren zu knüpfen. Schlüpfer wurden als die „Unaussprechlichen“ bezeichnet. Mehrere Unterröcke wurden übereinander getragen, Mieder mit bis zu 50 Häkchen geschlossen. Rock mit Schleppe und „Puff“ über dem Hinterteil.
Alfred Brehm baut in Berlin, „Unter den Linden Nr. 68“, Ecke Schadowstraße, das erste Schau-Aquarium und -Terrarium mit vielen exotischen Tieren.
Das Jahr 1870
Politik:
Am 19. Juli 1870 erklärt der französische Kaiser Napoleon II, dem Preußischen Staat den Krieg. Auslöser dazu war eine Notiz in der „Emser Depesche“. Der französische Botschafter wollte Wilhelm I von Preußen, der in Bad Ems zur Kur weilte, wegen des Streits um die Spanische Krone sprechen. König Wilhelm I wollte ihn aber noch nicht empfangen. Darüber wurde Bismarck informiert. Dieser verfasste eine kurze Zeitungsmeldung, die vermuten ließ, der preußische König wolle generell keine französischen Botschafter mehr empfangen. Eine „Ohrfeige – für Frankreich – daher als Reaktion die französische Kriegserklärung. Dafür mussten so viele Menschen sterben Am 02. September fällt die französische Stadt Sedan.
Während des Krieges schlossen sich die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund an, der mit dem Reichstagsbeschluss vom 10. Dezember 1870 den Namen „Deutsches Reich“ annahm. Die offiziellen Gründungsfeierlichkeiten werden dann im Januar 1871 stattfinden.
Bismarck formte nach dem Sieg („Heil dir, im Siegerkranz“) aus dem lockeren deutschen Staatenbund das Deutsche Reich.
Der Arzt Rudolf Virchow rüstet für den Krieg Eisenbahn-Lazarettzüge aus. Er errichtete auf dem Tempelhofer Feld in Berlin ein Barackenlager für Verwundete.
Wissenschaft:
In Paris beginnen die
Verhandlungen über ein neues, für alle gleichartiges Bemessungssystem, das
„Metrische System“. Als Vertreter ist dort auch der in Potsdam geborene
Wissenschaftler Jacobi vertreten.
Die Wissenschaftler Mendelejew und Lothar Meyer stellen etwa zeitgleich aber unabhängig voneinander eine Systematik vor, in das die chemischen Elemente sinnvoll eingeordnet sind. Diese Periodensysteme enthalten bisher 60 Elemente. Es ist abzusehen, dass aber auf unserer Erde noch mehr zu finden sind.
Technik:
Das erste deutsche Windkraftwerk liefert 9 PS und betreibt im Raum Holstein einen elektrischen Stromgenerator.
In London zwingt der dichter werdende Verkehr von Kutschen und Velozipeds an Straßenkreuzungen erste Verkehrsschilder aufzustellen.
Alltag:
Seit diesem Jahr gibt es im Postverkehr die so genannten Ansichtskarten. Die gezeichnete Bildseite hat einen kleinen Platz für eine kurze Mitteilung. Die Rückseite wird von dem Anschriftenfeld eingenommen; darf nicht für Mitteilungen genutzt werden. Diese Vorschrift wird bis 1905 bestehen bleiben.
„Streiflichter“
aus dem Jahre 1871
Das Deutsche Kaiserreich 1871 – 1919: (Neues 1. Deutsches Reich)
Politik:
Am 18. Januar lässt sich König Wilhelm I von Preußen auf Initiative Bismarcks im besiegten Frankreich, im Spiegelsaal des Schloss Versailles als Deutscher Kaiser krönen und ausrufen. Es schließen sich 22 Fürstentümer und drei freie Städte mit Preußen zum Deutschen Kaiserreich, mit Berlin als Hauptstadt, zusammen. Berlin wird dadurch mächtig aufgewertet, mit dem entsprechenden Aufschwung für Wirtschaft und Infrastruktur (Gründerzeit), so dass sich für die Hauptstadt eine starke Zuwanderung ergibt.
Am 10. Mai legt „der Friede von
Frankfurt“ fest, dass Frankreich Elsass und Lothringen an Deutschland verliert.
In Paris besteht zeitweilig eine proletarische Regierung (Die Pariser Kommune). Deutsche Armeen nehmen Paris ein.
In Deutschland tritt das erste Tierschutzgesetz in Kraft.
Wissenschaft:
Eine archäologische Expedition befasst sich mit Ausgrabungen in Jahrtausenden alten Sahara-Oasen in Ägypten.
Der deutsche Archäologe Karl Maus findet in Simbabwe im südafrikanischen Busch zahlreiche Ruinen von Steinhäusern. Unter anderem auch einen Tempel mit den Abmessungen 92 x 64 m. Mächtige Umfassungsmauern, die heute z.T. noch stehen, bestanden aus sorgfältig behauenen Granitquadern, die ohne Bindemittel aufeinander gesetzt wurden. Woher stammen diese Bauten? Sollten die Vorfahren der heutigen einfachen Buschmänner, die in schlichten Hütten leben, diese prachtvollen Bauten errichtet haben. Spätere Forschungen um 1929 werden mit der inzwischen entwickelten Radiokarbonmethode belegen, dass die Häuser im 2. bis 3. Jahrhundert nach Chr. entstanden und bis etwa 1.100 genutzt wurden. Die Wissenschaftler vermuten, dass dann im 16. Jahrhundert die Nahrungsmittel- und Holzvorräte erschöpft waren und eventuell in der Kombination von Dürre, Missernten, ausgelaugtem Boden, verheerenden Epidemien, den Menschen das Leben in der Stadt Simbabwe unmöglich wurde.
Charles Darwin veröffentlicht
seine Schrift „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“.
Technik:
Friedrich Soennecken gründet die „Werkstätte zur Herstellung von Metallteilen für Ordnungsmittel“. (Alles für das Büro), siehe auch 1886 und 1901.
Der englische Arzt R. L. Maddox erfindet die Trockenfotografie (siehe Polaroid).
Siemens und Halske lassen das
etwa 3.500 km lange Unterseekabel zwischen den USA und Großbritannien von
Spezialschiffen (Kabelleger) verlegen.
Potsdamer Bauten:
Zwischen 1870 und 1880 entstehen im Potsdamer Norden bedeutende vornehme Wohnviertel.
Wirtschaft:
Die Post gibt mit der Reichsgründung neue Briefmarken heraus, die Brustschild-Ausgabe. Diese sind unterschiedlich gedruckt – für den Norden Deutschlands in Thalern als Geldwert, für Süddeutschland in Gulden-Währung (siehe auch 1875).
Soziales:
Die Einwohnerzahl Deutschlands beträgt 41 Millionen Menschen. (1841 waren es 33 Millionen, 1933 werden es 66 Millionen sein).
Musik:
In dieser Zeit wird das sozialdemokratische Kampflied „Die Internationale“ geschrieben und komponiert ...“Wacht auf, verdammte dieser Erde.../…Völker höret die Signale…“
Alltag:
Chikago – Fast alle Gebäude der
Industriestadt fallen am 8. Oktober einem Großfeuer zum Opfer, das erst nach
sieben Tagen gelöscht werden konnte. 300 Einwohner sterben in den Flammen,
900.000 werden obdachlos. Der Brand offenbart eklatante Mängel im Löschwesen.
Erst 1873 wird eine städtische Feuerwehr gegründet.
Am 12. November 1871 wurde in Potsdam der Märkische Gastwirteverein gegründet.
Notizen zum
Jahr 1872
Politik:
Bismarck beginnt den Kulturkampf gegen die katholische Kirche.
Der Staat übernimmt die Kontrolle über das Schulwesen.
Wissenschaft:
Nordpolarexpedition mit dem Schiff „Tegethoff“. Leiter ist Julius von
Payer, ein österreichischer Polarforscher und Maler. Co-Leiter ist Carl
Weyprecht. Sie entdecken das so von ihnen benannte „Franz-Joseph-Land“.
Technik:
Abbé in Jena verbessert das bisherige Mikroskop wesentlich. Grundlage
dafür war seine Abhandlung über die Theorie zum Bau leistungsstarker
Mikroskope.
Bildung:
In Preußen wird die staatliche Schulaufsicht eingeführt.
Pullmann baut Speisewagen für Eisenbahnzüge.
Soziales:
v. Bodelschwingh gründet in Bethel eine Anstalt für Epileptiker.
Der Arbeits-Achtstundentag wird eingeführt
Literatur:
Freytag schreibt „Die Ahnen“, einen Roman in sechs Bänden.
Rudolf Mosse (29 Jahre alt) gründet die Zeitung „Berliner Tageblatt“.
Naturereignisse:
Ein Erdbeben geringeren Ausmaßes erschüttert die Stadt Gera in Thüringen.
Die „Krebspest“ vernichtet in Deutschland Flusskrebsbestände.
1873 – einige Ereignisse aus diesem Jahr
Wissenschaft:
Der Deutsche Carl Linde entwickelt den Kühlschrank.
Es beginnt die biologische Erforschung der Weltmeere im Hinblick auf die Seefischerei (England mit Challenger-Expedition).
Technik:
Alexander Lodygin zeigt in St. Petersburg eine von ihm entwickelte elektrische Glühlampe in einer Straßenlaterne.
Wirtschaft:
In Wien findet die diesjährige Weltausstellung statt.
Eine Weltwirtschaftskrise beendet die „Gründerjahre.
Literatur:
Theodor Storm schreibt die Novelle „Violatricolor“. Leo Tolstoi beginnt die Arbeit an „Anna Karenina“. Jules Verne schreibt „Reise um die Erde in 80 Tagen“.
Alltag:
In Berlin beginnt man, eine zentrale Abwasserkanalisation zu verlegen.
1874
Politik:
Die Zivilehe vor dem Standesamt wird obligatorisch eingeführt (Bismarck).
Wissenschaft / Medizin:
Die Impfgesellschaft des Deutschen Reiches kann verkünden: Pockentodesfälle nehmen in Deutschland rapide ab.
Bauen in Potsdam und Umgebung:
In Neuendorf wird auf dem Grundstück Schulstraße 9 eine Knabenschule errichtet.
Literatur:
Theodor Storm schreibt: „Pole Poppenspäler“, eine Novelle.
Heinrich v. Stephan schreibt: „Weltpost und Luftschiff-Fahrt“.
Malerei:
Die Impressionisten veranstalten in Paris ihre erste Kunstausstellung. Es gehören dazu: Claude Monet, Edouard Manet, Sisley, Pablo Pissaro, Degas, Renoir, Liebermann, Corinth, Slevogt. Max Liebermann fertigt das Gemälde „Die Gänserupferinnen“.
Musik:
Richard Wagner komponiert die „Götterdämmerung“, die letzte Oper aus dem Ring der Nibelungen.
1875
Politik:
In Gotha vereinigen sich die Lasalleaner mit den Marxisten zur sozialistischen Arbeiterpartei.
Wissenschaft:
Heinrich Schliemann arbeitet daran, die Stadt Troja auszugraben.
Iwan Mitschurin beginnt mit seinen erfolgreichen Pflanzenzüchtungen.
Louis Pasteur entwickelt einen Impfstoff gegen die Tollwut.
Technik:
Telefon - Im USA-Staat Connecticut wird am 25. Januar 1875 das weltweit erste Fernsprechvermittlungsamt in Betrieb genommen.
In England wird ein Fahrrad mit Freilauf und Rücktritt auf den Markt gebracht.
Wirtschaft:
Für Deutschland findet eine Währungsvereinheitlichung statt. Bisher wurde in Norddeutschland mit Thalern bezahlt, in Süddeutschland mit Gulden berechnet. Nun wird die Mark und der Pfennig einheitlich eingeführt (mit Adler und Krone Motiv). Die Mark wird bis Ende 2001, also rund 135 Jahre das übliche Zahlungsmittel in Deutschland sein. Ab 2002 ist es dann der Euro und der Cent.
Bildung:
In Berliner Mädchenschulen wird das Unterrichtsfach „Turnen“ eingeführt.
Literatur:
Peter Rosegger schreibt: „Die Schriften eines Waldschulmeisters“.
Alltag:
Der Berliner Druckereibesitzer Ernst Litfaß erhielt die Urheberurkunde für Säulen aus Eisenblechrohr auf Betonsockel, zum Zwecke des Plakatanschlages, nachdem er diese vor einigen Jahren eingeführt hatte. (Hi, hi, bereits 1824 gab es dazu ein Patent in London).
In diesem Jahr findet zum ersten
Male der Wettbewerb des Kanalschwimmens zwischen Dover und Calais statt. Die
Distanz beträgt 31 km.
Der erste Schwimmer über den Ärmelkanal ist Kapitän Matthew Webb. Für die Strecke von Dover nach Cap Gris-Nez benötigt er 21 Stunden und 45 Minuten. Im nächsten Jahrhundert wird der Weltrekord bei 7 Stunden und 40 Minuten liegen.
Frauenmode:
Hohe Schnürung und Polsterung ist angesagt.
1876
Politik und Krieg:
Durch die nordamerikanische Prärie zieht die Kavallerie des General Custer. Ihr Befehl ist eine Strafexpedition gegen die unterdrückten indianischen Ureinwohner. Diese Armee-Einheit wird von Kriegern der indianischen Stämme Sioux und Cheyenne aufgerieben.
Wissenschaft und Technik:
Weltausstellung in Philadelphia
(USA). Der Taubstummen-Lehrer Alexander Graham Bell stellt ein technisch
brauchbares Telefon vor; wohl etwas später als Johann Philipp Reis. Der erste
telefonisch gesprochene Text (angeblich): „Das Pferd frisst keinen
Gurkensalat“. Zu den Vordenkern die schon früher an einem solchen System
tüftelten gehören auch der Amerikaner Dr. Page und der französische Forscher
Laborde.
Robert Koch entdeckt das
Milzbrandbazillus.
Heinrich Schliemann, der
autodidaktisch Kenntnisse in der Archäologie erwarb, beginnt Ausgrabungen in
Mykene und findet Königsgräber mit reicher Ausstattung. Er hofft das Grab des
Agamemnons zu finden.
Franziska Tiburtius ist erster
weiblicher Mediziner in Berlin. Sie promovierte in Zürich. Das war in
Deutschland wohl noch kaum denkbar.
Die internationale Meterkonvention
legte nach Beschluss von 1875 das nun fertig gestellte Urmeter als Metallprisma
in Paris ab. Es besitzt Teilungen für100 cm und 1.000 mm.
Astronomie: Von dem sächsischen Forscher Tempel wurde der Komet Tempel entdeckt. In diesen werden die USA im Jahre 2005 ein Geschoss zur Erforschung der Zusammensetzung einbringen. Siehe 2005.
Nikolaus Otto (1832 – 1891) stellt den ersten, von ihm konstruierten atmosphärischen Motor mit Fremdzündung vor. Otto und Langen gründen in Köln die Gasmotorenfabrik „Deutz AG“ und beschäftigen zwei besonders befähigte Ingenieure: Gottlieb Daimler als Direktor für Technik und Wilhelm Maybach als Leiter des Konstruktionsbüros.
Medizin:
Antisepsis und Asepsis, die schon vor 30 Jahren von „wachen“ Ärzten wie Ignaz Semmelweis eingeführt hatten (und die lange Zeit darob verlacht wurden), beginnt sich langsam als anerkanntes Gemeingut in der Chirurgie durchzusetzen. Wie viele Todesopfer hat die Nichtbeachtung, die Unsauberkeit gekostet.
Robert Koch findet den Erreger des Milzbrandes.
In Italien wird die erste dortige
gelungene Schnittentbindung mit Uterusextirpation am 21. Mai 1876 gewagt. Der
Operateur war der Professor für Geburtshilfe Edoardo Porro (1842 – 1902) in
Pavia. Noch war ein solcher Eingriff ein Gespenst mit Todesgefahr durch Schock,
Blutverlust Bauchfellentzündung, Eiterungen wegen möglicher Unsauberkeit. (Die
erste uns bekannte Schnittentbindung fand 1794 in den USA statt).
Technik:
Linde entwickelt eine Ammoniak-Kältemaschine (Kühlschrank).
Nikolaus Otto stellt nach
mehreren Vorläufern, einen guten Viertakt-Benzinmotor vor.
Wirtschaft:
In Berlin nimmt die Post den öffentlichen
Rohrpostverkehr mittels Druckluftversand auf.
Bildung und Erziehung:
In Berlin wird der Museumsbau „Nationalgalerie für deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts“ eröffnet.
Literatur:
Mark Twain schrieb die
Jungengeschichte „Tom Sawyers Abenteuer“.
Musik:
Tschaikowski komponiert das Ballett „Schwanensee“. Das Bayreuther Festspielhaus wird mit dem „Der Ring der Nibelungen“ von Richard Wagner eröffnet.
Naturgewalten:
Im Mündungsgebiet des indischen
Flusses Ganges wütet ein Zyklon mit gewaltiger Zerstörungskraft. 215.000 tote
Menschen sind zu beklagen.
1877
Politik und Krieg:
1877 / 78 Russisch – türkischer Krieg. Schlacht am Schipka – Pass.
Wissenschaft:
Ernst Curtis (1814 – 1896) leitet
die Ausgrabungen von Olympia in den Jahren 1875 – 1881.
A. Hall entdeckt die Marsmonde
und Schiaparelli die Mars-Kanäle.
In Belgien wurde ein Saurierskelett von etwa 10 Metern Länge gefunden.
Technik:
Der erste Viertaktmotor der Welt (aus der Deutz AG, Köln) geht in Betrieb.
Thomas Alva Edison erfindet den
Phonographen. Im gleichen Jahr stellt er nach vielen Versuchen mit
Glühmaterialien die erste „langlebigen“ Glühlampen mit „Glühfaden“ aus
verkohltem Papier her.
Die erste Berliner Telefonverbindung gibt es zwischen dem Arbeitszimmer des Generalpostmeisters v. Stephan in der Leipziger Straße, und dem Arbeitszimmer des Direktors des Telegraphenamtes in der Französischen Straße.
Wirtschaft:
Hermann Blohm und Ernst Voß gründen
eine neue große Schiffswerft in Hamburg.
In den USA wird für die
Landwirtschaft der Bindemäher=Mähbinder entwickelt.
Unabsichtlich wird aus Colorado der Kartoffelkäfer nach Europa eingeschleppt.
In Deutschland wird die gesetzliche Pflicht zur Fleischbeschau nach der Tierschlachtung eingeführt.
Literatur:
Gottfried Keller schreibt die
Schweizer Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ und Peter Rosegger das
autobiographische Werk „Waldheimat“. Richard Wagner schreibt den Text zu dem
Weihespiel „Parsifal“. Emile Zola verfasst den französischen naturalistischen
Roman „Die Spelunke“.
Alltag:
Berlin erreichte jetzt die Einwohnerzahl von 1 Million Menschen.
1878
Politik:
In diesem Jahr erfolgen zwei Attentate auf den Kaiser. Bismarck erlässt das Sozialistengesetz. Dieses Gesetz verbietet sämtliche politischen Aktivitäten, nachdem bereits 75 und 76 die Arbeitervereine „Lassalleaner“ und „Eisenacher“ verboten wurden.
Wissenschaft:
Hughes entwickelt das
Kohle-Mikrophon. Thomas und Gilchrist entwickeln den Thomasprozess in der
Metallurgie. Nordenskjöld gelingt die Nordost-Passage bei Sibirien. Thomas Alva
Edison entwickelt eine Sprechmaschine (den Phonographen).
Technik:
Mannlicher entwickelt das Mehrlader-Gewehr.
Bauten in Potsdam:
1877 – 1879 wird das Astrophysikalische Observatorium erbaut.
Wirtschaft:
Die diesjährige Weltausstellung
findet in Paris statt. In Berlin wird der Weltpostverein gegründet.
Am 10. Dezember wird in der
thüringischen Stadt Gotha das erste europäische Krematorium eröffnet. Mediziner
befürworten die platzsparende und hygienische Feuerbestattung, die Kirche
bekämpft vorerst die Totenverbrennung.
Literatur:
Theodor Fontane schreibt den
Roman „Vor dem Sturm“ und Friedrich Engels den „Anti-Dühring“, ein Werk zum
dialektischen Materialismus. Der französische Bakteriologe Louis Pasteur
schreibt „Die Mikroben“.
Sport:
In Hannover wird der erste
deutsche Fußballverein gegründet und in Berlin eine Rollschuh-Hallenbahn
eingeweiht.
Aus dem
Jahre 1879
Politik:
Bismarck führt die antiliberale
Schutzzollpolitik wieder ein.
Wissenschaft und Technik:
Gewerbeausstellung in Berlin.
Werner von Siemens baut mit
Halske die erste kleine, mit einem offenen Sitzplatz ausgestattete, elektrische
Lokomotive der Welt für die Eisenbahn. Sie dient mit einem angehängten Zug von
Wägelchen der Personenbeförderung auf der Berliner Gewerbeausstellung.
Alvar Thomas Edison entwickelt die Kohlenfadenlampe mit Schraubsockel. Er nutzt dazu die Arbeiten von Heinrich Göbel aus den Jahren 1854 / 56 und meldet die Lampe (unter seinem Namen) als Patent an. Erst 1907 wird die moderne Glühlampe mit Wolframfaden erstmals produziert (in den USA). In diesem Jahr zur Weihnachtszeit schmückt Edison außer in seiner Wohnung und der Arbeitsstätte auch den New Yorker Menlo-Park mit vielen Glühlampen. Eine noch nie da gewesene Erscheinung der Lichterfülle. Dazu baut er die „Erste Kraftstation“, eine Dynamomaschine, die von einer Dampfmaschine angetrieben wird. Von einem „Kraftwerk“ wird man aber erst 1882 sprechen können. Aber auch die Stadt Berlin zeigt in der Leipziger Straße schon die erste elektrische Straßenbeleuchtung.
Albert Neisser (1855 – 1916) entdeckt die Gonokokken als Tripper-Erreger.
Eine Katastrophe am 28. Dezember:
Einsturz der Firth of Tay Brigde – Dundee, die in Nordschottland über die
Ennobucht führt. Konstrukteur der Brücke ist Thomas Bouch. Die Bauzeit betrug
sechs Jahre. Mit 3.264 m war sie die längste Brücke der Erde. Am 26. September
war die neue Brücke eingeweiht worden. Am 28. Dezember gegen 19.00 Uhr brach
bei starkem Sturm das etwa 1 km lange Mittenteil der Brücke. Der Zug war im
Dunkeln in die Tiefe des Fjords gestürzt. Alle 75 Personen starben. (Die
Folgebrücke wird 1887 fertig gestellt sein – wesentlich massiver gebaut).
Bauten in Potsdam:
Der Gebäudekomplex der früheren
Gewehrfabrik (An der Gewehrfabrik und Priesterstraße) wird Kaserne für das 1.
Garde-Regiment zu Fuß.
Wirtschaft:
Die erste deutsche Markthalle
wird in Frankfurt am Main gebaut.
Literatur
Gottfried Keller schreibt „Der
grüne Heinrich“, 2. Fassung, ein autobiographisches Werk.
Musik:
Tschaikowski komponiert „Eugen
Onegin“.
Alltag:
Zum ersten Male wird in Werder an der Havel das Fest der Baumblüte begangen.
1880
Politik:
Bismarck verlangt vom Parlament, dem Reichstag, die Bewilligung von Geldern zum Erwerb von Samoa. Deutschlands Regierungsspitze wollte Kolonialreiche und deren Roh- und Naturstoffe (siehe auch 1887).
Wissenschaft:
Eberth, Koch und Gaffky entdecken den Typhus-Erreger. Robert Koch entdeckt erstmals unter dem Mikroskop stab- und kugelförmige Kokken.
Möbius erkennt die Schilddrüsenüberfunktion als Auslöser der Basedowschen Krankheit. Louis Pasteur entdeckt Streptokokken, Staphylokokken und Pneumokokken.
J. P. Pawlow beginnt die Arbeiten über bedingte Reflexe an Hunden.
Der schwedische Polarforscher Nordenskjöld kehrt mit dem Schiff „Vega“ von der erfolgreichen Suche nach der Nordostpassage zurück. (Buch: Die Umsegelung Asiens und Europas auf der Vega).
Technik:
Siemens stellt auch die ersten Bogen – Leuchtenmasten für die elektrische Straßenbeleuchtung am Potsdamer Platz und in der Leipziger Straße in Berlin auf.
Siemens baut auch am nordwestlichen Berliner Stadtrand einen eigenen neuen Stadtteil mit Fabriken und Arbeiter-Wohnanlagen auf „Siemensstadt“.
Versuchsweise sind auch in Berlin noch immer einige Dampfkaleschen unterwegs.
Dieses Jahr gilt in der Fotografie als Beginn „Der Momentaufnahme“ auf Glasplatten. Nun bedarf es beim Fotografen keiner Kopfstützen mehr, um bei halbstündigen Belichtungszeiten verwackelungsfrei Portraits zu fertigen.
Bauten:
Der Kölner Dom wird als fertig erklärt. Die Grundsteinlegung war im Jahre 1248.
Um 1880 beginnt man verschiedene Straßen erstmals mit einer Asphaltoberfläche zu versehen (siehe auch 1888, Betonstraßen).
Bauten in Potsdam:
Baubeginn für das Landgericht am Nauener Tor und das benachbarte Victoria-Gymnasium. Fertigstellung im Jahre 1883. Im westlichen Teil der Stadt werden viele einfache Mietshäuser errichtet.
Die Stadtmauer, die Potsdam umgab, wird bis auf wenige Stücke (zur Veranschaulichung) abgerissen. Die Arbeiten werden sich bis 1900 hinziehen.
Wirtschaft:
Einführung von Fernsprech-Geräten
bei der Deutschen Post durch Generalpostmeister v. Stephan.
Gründung der privaten Potsdamer Pferde-Straßenbahn auf Gleisen. Erneuerung der Langen Brücke.
Die Bildung von Konzernen zieht
überall neue Arbeitsstätten „auf der grünen Wiese“ nach sich, so werden auch
die Vororte der Großstädte industrialisiert. Es setzt eine Landflucht in
Richtung der Städte ein aber die Arbeiterunterkünfte sind durchaus nicht immer
so komfortabel wie die neuen Industrieanlagen.
Literatur:
Conrad Duden (1829 – 1911) gibt sein „Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ heraus.
Leo Tolstoi schreibt „Die Beichte“, „Über eine russische Hinwendung zu einem christlichen Sozialismus“.
Kunst:
Rodin schuf die Bronzestatue „Der
Denker“.
Einige
Ereignisse des Jahres 1881
Politik:
Am 13. März erliegt Zar Alexander II in Petersburg einem tödlich wirkenden Bombenattentat. Man hatte sich von ihm weitere gute Reformen erhofft.
Die Hauptstadt Berlin wird aus der Provinz ausgegliedert, obwohl territorial in die Mark Brandenburg eingebettet und wird somit kreisfreie Stadt.
Wissenschaft:
Emil Brugsch-Bey findet ein Grab mit vierzig ägyptischen Königs-Mumien im Tal der Könige. G. A. Hansen entdeckt das Leprabazillus und Pasteur die Tollwut-Schutzimpfung. Fehleisen entdeckt die Streptokokken, die den Rotlauf der Schweine hervorrufen. Ein Schüler von Robert Koch, der Japaner Kitasato entdeckt das Clostridium tetanie. Nicolaier entdeckt ebenfalls etwa zeitgleich den Erreger des Wundstarrkrampfes
Robert Koch wird als Regierungsrat im Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin benannt.
Technik:
Weltausstellung in Paris. Natürlich befinden sich Siemens und Halske unter den Ausstellern und Besuchern, genauso wie Emil Rathenau und der Münchener Oscar v. Miller. Die Edison-Company zeigt als Sensation elektrische Glühlampen.
Werner v. Siemens und Halske bauen in Berlin die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Die Jungfernfahrt findet am 16. Mai statt. Die Streckenführung beginnt am Bahnhof Lichterfelde-Ost und führt zur Hauptkadettenanstalt. Die Wagenmaße entsprechen denen der Pferdebahn (Wagen 5m lang, 2m breit). Motormasse: 500kg, Leistung 5 PS. Bei der Probefahrt erreichte der Wagen, mit 26 Personen besetzt, 40 km/h. Zugelassen wird für den regulären Betrieb aber nur eine Geschwindigkeit von 20 km/h.
Es beginnt der Bau des Ozeandampfers „City of Rome“ mit 8.150 BRT, 11.900 PS, mit 32(!) km/h.
In Berlin sorgt ein Hochrad-Rennen für großes Aufsehen.
Wirtschaft:
Der St. Gotthard-Tunnel wird
vollendet. Er ist 15 km lang. Der Baubeginn war 1872. Die Einweihung wird im
kommenden Jahr sein. In Berlin wird die erste elektrische Straßenbahn, ein
Modell von Werner v. Siemens in den Dienst gestellt.
Erste Fernsprechnetze werden in Deutschland installiert. In Berlin erscheint am 14. 7. 1881 das erste Telefonbuch gedruckt – für die ersten 99 Teilnehmer (bekannt geworden unter dem Titel „Das Buch der 99 Namen“.
Literatur:
Johanna Spyri, eine Schweizer
Autorin (1827 – 1901), schreibt die Kindergeschichten „Heidis Lehr- und
Wanderjahre“ und „Keiner zu klein, Helfer zu sein“.
Musik:
Die Oper „Hoffmanns Erzählungen“ des im Vorjahr verstorbene deutsch-französischen Komponisten Jaques Offenbach wird uraufgeführt.
Alltag:
In der Männermode kommt der Smoking auf. Rege Teilnahme an dem Hochradrennen in Berlin. Maximale Geschwindigkeiten bis 40 km/h wurden erreicht. Leider ging es wie immer nicht ganz ohne Unfälle ab.
Einige Nachrichten aus dem Jahre 1882
Wissenschaft:
Robert Koch entdeckt in seinem Laboratorium in der Berliner Dorotheenstraße den Tuberkelbazillus (am 24. März), „den typischen Vertreter des sozialen Elends“ und auch den Cholerabazillus dank der durch Abbé (Jena) stark verbesserten Mikroskopiertechnik. Er setzt später Tuberkulin, gezüchtet aus abgetöteten Tuberkuloseerregern, als Gegenmittel ein (siehe 1891). Gaffky, einer seiner besten Mitarbeiter, züchtete das Typhusbazillus in Reinkultur und der Mitarbeiter Löffler fand den Diphtheriebazillus.
Ernst von Bergmann (1836 – 1907) als
Chirurg tätig in Würzburg, Potsdam (Wohnung in der Alten Königsstraße =
Berliner Straße) und Berlin gilt als Vater der aseptischen Chirurgie gegen das
tödliche Wundfieber. Er schafft den bisher üblichen schwarzen Operationsfrack
ab, der mitunter so lange getragen wurde, bis das Gewebe von Blut und Eiter der
Patienten steif war. An dessen Stelle wurden bei ihm weiße Kittel und Schürzen
eingeführt. Bergmann führte auch die Äthermasken zur schmerzfreien Operation ein.
Bergmann hatte verschiedene Assistenten, die berühmt wurden wie Lange,
Schimmelbusch und v. Volkmann sowie Behring. Er gilt als der bedeutendste
Berliner Arzt.
Der Mathematiker Ferdinand
Lindemann beweist die Unmöglichkeit, ein der Kreisfläche gleiches Quadrat zu
konstruieren (Problem der Quadratur des Kreises).
Renard und Krebs unternehmen
Fahrten mit einem unstarren Luftschiff mit Elektroantrieb.
Technik:
Die Firma Siemens und Halske stellt in Berlin einen elektrischen gleisunabhängigen / gleislosen Kutschenwagen mit Oberleitungsstromabnehmer vor (O-Bus). Durch Berlin rollt der erste Zug einer Stadtbahn.
Thomas Alvar Edison nimmt in New York das erste Elektrizitäts-Kraftwerk in Betrieb.
Am 12. April wird in Berlin, im großen Keller eines Hauses in der Friedrichstraße, Ecke Unter den Linden, die erste europäische Elektro-Kraftstation in Betrieb genommen. Dazu hatte Emil Rathenau Patentrechte von Thomas Alva Edison gekauft. Das bedeutet, so heißt es, dass es seit diesem Zeitpunkt in vorerst wenigen Berliner Häusern zum ersten Mal in der Neuzeit elektrisches Glühlampenlicht gibt. (Vergleiche aber auch: Antike, Ägypten, Beleuchtung mit elektrischen Lampen, aus Batterien gespeist). Die Leipziger Straße erhält mit diesen elektrischen Laternen eine ungeheure Lichtfülle und erhellt Trottoir und Damm gleichermaßen. Bisher sind wir in den Haushalten die Kerzenlicht oder die Petroleumfunzel gewohnt und in den Straßen ein müde wirkendes Gaslicht. In zwei Jahren wird helles elektrisches Licht auch die Großgaststätte „Kaiserhallen“ erleuchten.
Bauwesen / Verkehr:
Am 01. Juni wurde die Tunnel-Bahnstrecke durch den Sankt Gotthard von Luzern nach Chiasso in Betrieb genommen. Es handelt sich mit 15 km um den bisher längsten Eisenbahntunnel der Welt. Die geologischen Verhältnisse stellten zeitweilig fast unüberwindbare Hindernisse. Bei Arbeitsunfällen starben während der Bauzeit 177 Menschen.
Wirtschaft:
Dieses Jahr findet die Weltausstellung in Moskau statt.
Thomas Alvar Edison nimmt in New
York das erste Elektrizitätswerk der Welt in Betrieb.
Abbé und Schott gründen in Jena das Werk für optische Spezialgläser.
In Liebenwerda wird die Firma „REISS“ gegründet. Sie stellt viele Produkte für den Büro- und Konstruktionsbedarf her. Es gehören dazu: Zeichentische (REISS-Bretter), Zeichengeräte (REISSzeuge), Anheftnägel (REISSzwecken), Rechenschieber und vieles andere mehr.
Ein neues Ruhemöbelstück ist
erfunden: Frau Elvira Mahlzahn aus Warnemünde wird von rheumatischen Schmerzen
geplagt. Sie möchte aber trotzdem nicht auf Ruhestunden in frischer Luft
verzichten. So entwickelt sie den vor Wind schützenden „Strandstuhl“ aus
Korbgeflecht, später „Strandkorb“ genannt. So wird der erste Strandkorb der
Welt am 15. Juli 1882 im Ostseestrand-Sand in Warnemünde ausprobiert, den der Rostocker
Hofkorbmachermeister Wilhelm Bartelmacher angefertigt hatte.
Literatur:
Ernst Haeckel, ein Sohn der Stadt
Potsdam, schreibt über „Die Naturanschauung von Darwin, Goethe und Lamarck“.
Pettenkofer schreibt das „Handbuch der Hygiene“.
Musik:
Millöker komponiert: „Der Bettelstudent“. „Die Berliner Philharmonie“ wird gegründet.
Soziales:
Die erste Sozialversicherung dieser
Erde tritt mit dem deutschen Krankenversicherungsgesetz in Kraft.
August Bebel setzt sich in einer programmatischen Schrift für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein.
Hinweise zu
Ereignissen des Jahres 1883
Wissenschaft:
USA-Patent des ersten funktionstüchtigen Kolben–Füllfederhalters durch Lewis Edson Waterman. Wirtschaftliche Anwendung in Deutschland ab 1908.
H. A. Lorentz begründet die Elektronentheorie.
Robert Koch gelingt der Nachweis, dass eine noch bessere antibakterielle Wirkung als mit Karbolsäure sich mit strömendem Wasserdampf erzielen lässt (also sowohl Dampfsterilisation aber auch das Auskochen). Nur lassen sich damit die Hände des Chirurgen nicht gut behandeln. Robert Koch (11.12. 1843 – 27.05. 1910) entdeckte unter vielem anderen zu dieser Zeit auch den Erreger der Cholera. Zum Gedenken wird man schreiben: Bereits viermal ist die Cholera im 19. Jahrhundert bei gewaltigen erdumspannenden Infektionszügen auch bis nach Europa vorgedrungen und hat auf ihrem Wege schrecklich gewütet, zahllose Menschenopfer gefordert. Das waren die Zeiten um 1830 -32, 1840 – 62, 1863 -75 und um 1883. Heinrich Heine war als Korrespondent der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ in Paris, als er von dort 1832 einen besonders erschütternden Bericht lieferte. Zu den Erkrankungssymptomen gehören: Reiswasserähnliche Durchfälle, starke Flüssigkeitsverarmung der Gewebe, Erbrechen, Muskelkrämpfe, Bewusstseinstrübung.
Technik:
Im Jahr 1883 ließen sich Gottfried Daimler und Wilhelm Maybach den von ihnen entwickelten und gebauten Viertaktmotor patentieren. Neben Carl Friedrich Benz gehören sie zu den Schöpfern des modernen Automobils. Die ersten Motore bauten sie in Zweiräder und Boote ein. 1901 wird er auch in den ersten „Mercedes“ eingebaut.
In den USA wurde seit 13 Jahren an der Brooklyn-Brigde in New York gebaut. Nun ist sie fertig. Konstrukteur ist Johann August Röbling aus dem thüringischen Mühlhausen (12. 09. 1806 – 22. 07. 1869). Er war an den Folgen eines Arbeitsunfalls (Tetanusinfektion) gestorben. Sein Sohn Washington Roebling baute dann die Brücke. Das Bauwerk ist 1,83 km lang. Die größte Spannweite beträgt 486 Meter, die Höhe über dem Wasser 85 m. Sie ist die erste elektrisch beleuchtete Brücke der Welt.
Soziales:
Der Kanzler Bismarck führt so
manche gewaltige Änderung ein. Er setzt ein Gesetz durch, dass sich alle beim
Staat gegen Krankheitsfolgen versichern lassen und vom Lohn in diese Kasse einzahlen.
Genauso gibt es nun eine Unfallversicherungspflicht: Falls es uns mal trifft
wird dann die Vorsorge wirksam.
Naturgewalten:
Vulkaninsel Krakatau in Indonesien – Ein Vulkan verändert die Welt:
Im März wurden kleinere Beben im Innern des Vulkans registriert
Am 20. Mai des Jahres 1883 kommt es zu deutlicheren Beben.
Am 26. und 27. August 1883 bricht der Vulkan Krakatau, zwischen den Inseln Java und Sumatra als Insel in der Sundastraße gelegen, aus. Um 01. Uhr mittags am 26. beginnt mit dem Ausbruch ein Inferno, die verheerendste jemals aufgezeichnete Katastrophe. Etwa alle 10 min kommt es zu gewaltigen Eruptionen, flüssiges Gestein, Felsbrocken und Bims werden hoch in die Luft geschleudert, Asche regnet anhaltend herab. Pyroplastische Massen fließen vom Vulkankegel dem Meer zu. Eine Rauchsäule steigt viele Kilometer in die Atmosphäre hinauf, was eine Abkühlung der Luft bewirkt. Gegen 6.44 Uhr abends reißt eine erneute gewaltige Explosion den Kraterberg auseinander (begünstigt wurde diese Explosion vom Vorhandensein zweier unterschiedlicher Magmasorten).
Am 27 August gegen 10 Uhr am Vormittag kommt es zu einer weiteren gewaltigen Explosion mit erneuten Erdbeben, gefolgt von einer Sunami-Welle deren Höhe auf 24 m geschätzt wurde. An Menschen waren in vielen Orten (etwa 165 betroffenen Orte) insgesamt etwa 36.400 Todesopfer zu beklagen. Der Himmel verfärbt sich ins rötliche, selbst lange in anderen Erdteilen zu beobachten.
Nachrichten
aus dem Jahre 1884
Politik:
Deutschland tritt in die Reihe der Kolonialmächte ein. Deutschland hisst seine Staatsflagge in Togo, Kamerun, Deutsch-Ost-Afrika und Neuguinea.
Wissenschaft / Maschinenbau:
Parsons entwickelt die Dampfturbine.
Robert Koch entdeckt den Erreger der Cholera.
In diesem Jahr gelingt die Herstellung von Seide auf künstlichem Wege. Kunstseide aus Zellulose. Bald darauf folgen Kupfer- und Viskoseseide, später Acetatseide.
Nipkow, ein Schüler von Helmholtz und Slaby, schafft in diesem Jahr die Grundlage für bewegte Fernsehbilder (Nipkowscheibe), eine Lochscheibe für eine Bildabtastung und -übertragung.
Der Füllfederhalter revolutioniert die Schreibkunst. Lewis E. Waterman stellt in New York den ersten Füller vor Patent im Vorjahr).
Die französischen Offiziere Renard und Krebs konstruieren das erste lenkbare Luftschiff „La France“ und treiben es mit einem Elektromotor an, was ihm eine Geschwindigkeit bis zu 24 km / h verleiht.
Das Jahr 1885
Politik:
Die Marshall-Inseln und die Karolinen werden weitere deutsche Kolonien.
Wissenschaft / Medizin:
Erste Versuche von Blinddarmoperationen finden ab etwa 1885 statt. Eine Appendektomie war auch 1902 durchaus noch eine dramatische Operation (siehe auch 1902/02, 1739).
Ernst von Bergmann begründet die keimfreie Chirurgie in Deutschland (Asepsis). Er sagt über seinen Berufsstand voller Ironie: „Ich halte es für die größte Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, dass es der Arzt gelernt hat, sich vor seiner Arbeit die Hände gründlich zu waschen.
Weismann findet heraus, dass das Keimplasma unsterblich ist.
Am 15. August bricht der 20jährige schwedische Forscher Sven Hedin zu Pferde zu seiner 1. Asienreise auf. Er reitet durch Kaukasien, Persien und Mesopotamien und später zurück über das Kaspische Meer, das Schwarze Meer nach Konstantinopel, Bulgarien, Ungarn, Preßburg, Wien.
Technik und Verkehr:
In diesem Jahr findet in Leipzig erstmalig die Muster-Messe statt.
Seit 1874 war die Brooklyn-Hängebrücke
in New York im Bau. Jetzt konnte sie eingeweiht werden. Ihr Konstrukteur ist
Johann August Röbling (1806 – 1869, amerikanisch: John Roebling).
Am 25. Januar 1885 stellte in England John Kemp Starley wohl das erste „vernünftig“ handhabbare Fahrrad mit Hartgummibereifung vor (siehe auch Dunlop).
Carl Friedrich Benz aus Mannheim gelingt
es zum ersten Male mit einem selbstkonstruierten und selbst gebauten
Dreiradautomobil zu fahren. Das erste Auto der Welt. 265 kg schwer, Einzylinder-Zweitakt-Motor
mit 1 PS, Motormasse 110 kg, maximale Geschwindigkeit 16 km/h. Siehe auch 1888.
Gottlieb Daimler baut den 1. luftgekühlten Einzylinder-Fahrzeugmotor für seinen „Petroleum-Reitwagen“ (das erste hölzerne Motorrad der Welt). Bald darauf entsteht eine Petroleum-Motor-Kutsche. Gemeinsam mit Wilhelm Maybach gründet er eine Versuchswerkstatt für Automobile.
Der Schwede Gustaf de Laval stellt die erst Dampfturbine vor. Sie erreicht 30.000 U/min.
Nordenfeld stellt ein
erfolgversprechendes U-Boot vor. Es gab bereits seit etwa 1850 Versuche
mehrerer anderer Erfinder.
K. Auer und von Welsbach setzt Gasglühlicht für Beleuchtungszwecke ein aber gleichzeitig beginnt man auch mit der elektrischen Straßenbeleuchtung.
Das autogene Schweißen wird erfunden (und 1905 verbessert).
In Berlin nimmt das erste Wärmekraftwerk Europas seinen Betrieb auf.
Um jene Zeit können die Eisenbahnkondukteure zwecks Billetkontrolle noch nicht durch die Reihe der (einzelnen) Wagen gehen, sondern liefen während der Fahrt auf den Außentrittbrettern entlang.
Wirtschaft:
H. Bauer erfindet den Druckknopf. Duttenhofer und Vieille entwickeln rauchloses Schießpulver.
Naturereignisse:
Eine Supernova (ein „sterbender“ Stern) hell leuchtend, ist am nächtlichen Himmel zu sehen. Auch unser Stern, die Sonne wird in einer fernen Zeit zu einer Supernova werden und alle sie umgebenen Planeten werden mit ihr verglühen.
Literatur:
Der Franzose Guy de Maupassant schreibt den erotischen Roman „Bel Ami“.
Musik:
Johann Strauß (Sohn) komponiert die Operette „Der Zigeunerbaron“.
Sport:
Es wurde der Deutsche Keglerbund gegründet.
Alltag in Potsdam:
Der Schwanenbestand, den es wohl
schon vor 1700 gab, hat seinen bisherigen Höchststand erreicht. Etwa 2.000
Vögel werden zwischen Potsdam und Spandau gezählt.
Neuigkeiten
aus dem Jahr 1886
Politik:
Frankreich schenkt den USA eine Freiheitsstatue, die im Hafen von New York errichtet wird.
Das seit 1871 bestehende Dreikaiserbündnis zwischen Deutschland, Österreich und Russland wird beendet.
König Ludwig II von Bayern der Märchenkönig stirbt unter mysteriösen Umständen im Starnberger See und mit ihm sein behandelnder (Nerven-) Arzt. Der König war Cousin der Kaiserin Elisabeth I von Österreich-Ungarn „Sisi“.
Wissenschaft / Medizin:
Der amerikanische Chirurg Reginald Heber Fitz aus Boston benennt zum ersten Mal „die Seitenkrankheit“ mit Appendizitis und wies darauf hin, dass eine erfolgreiche Heilung ausschließlich durch chirurgisches Entfernen möglich sei, also nicht durch Versuche internistisch-konservativer Behandlung. Escherisch entdeckt die Coli-Bakterien.
Goldstein entdeckt die „Kanalstrahlen“ (positiv geladene Atome).
Heinrich Hertz untersucht elektromagnetische Wellen und deren Resonanzproblematik. Seine praktischen Versuche der Wellenausbreitung bestätigten die theoretischen Voraussagen des englischen Physikers James Clerk Maxwell und ebneten den Erkenntnisweg zur drahtlosen Telegraphie, zum Rundfunk, zum Fernsehen, ja, zur Erforschung des Weltalls.
Die ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts wird nachgewiesen.
Technik:
Gottlieb Daimlers Dreirad-Auto erhält einen neuen Motor, den Nikolaus August Otto in Frankfurt baute.
In diesem Jahre wurde in Deutschland die Geschirrspülmaschine erfunden.
Erfindung des Lochers. Am 14. Nov. 1886 wurde ein schweres Modell zum Stanzen von Sammelmappen von Friedrich Soennecken in Bonn zum Patent angemeldet. (siehe auch 1871 und 1901.
Wirtschaft:
Robert Bosch (1861 Ahlbeck – 1942 Stuttgart) gründet eine elektrotechnisch-feinmechanische Werkstatt und entwickelt Autozubehör wie den Hochspannungsmagnetzünder.
Die Brüder Mannesmann entwickeln ein Walzverfahren zur Herstellung nahtloser Rohre
Sport:
Es wird der Deutsche Schwimmverband gegründet.
Alltag/Mode:
Der erste Smoking wird am 10.
Oktober von Griswold Lorillard auf einem Herbstball in New York getragen. Sein
kurzes schwarzes Jackett ist den in England populären Smoking-Jakets
nachempfunden, die allerdings nur auf Herrenabenden zulässig sind.
Neues
aus dem Jahr 1887
Wissenschaft:
Der Deutsch-Österreicher Mikulicz führte sterilisierte Zwirnhandschuhe für Operateure ein.
Thomas G. Morton beginnt in Philadelphia mit regelmäßigen Blinddarmoperationen (Wurmfortsatzextirpationen).
Der amerikanische Pfarrer
Hannibal Goodwin erfindet für die Photographie den Rollfilm, statt der bisher
üblichen schweren Glasplatten. Dazu verwendete er als Trägermaterial für die
lichtempfindliche Schicht den leichten, biegsamen Kunststoff „Zelluloid“, der
1869 erfunden wurde.
Technik:
Berliner bringt ein Grammophon für Schallplatten auf den Markt.
Daimler konstruiert einen vierrädrigen Kraftwagen mit Benzinmotor.
Nikolai Tesla entwickelt den Drehstrommotor.
Wirtschaft:
Heroult begründet das Metallschmelzverfahren im Elektroschmelzofen.
Die Krupp-Werke beschäftigen inzwischen 21.000 Arbeiter und Angestellte.
Gründung der Deutschen Kolonialgesellschaft.
Bauwesen:
In diesem Jahr wird mit dem Bau des Kanals begonnen, der einst die Nordsee mit der Ostsee verbinden wird. 1895 wird er fertiggestellt sein und Kaiser-Wilhelm-Kanal benannt werden.
Soziales:
Am 14. Januar beginnt in Nowawes
für Deutschland die Betreuung und Förderung taubblinder Menschen, denen sich
Diakonissen des Oberlin-Hauses annehmen. Zu dieser Zeit ist das
Diakonissen-Mutterhaus das größte Gebäude im Ort. Die erste Diakonisse und
Oberin ist Thusnelda v. Saldern (1837 – 1910). Der erste Zögling war die
taubblinde Hertha Schultz aus Cottbus.
Kunst / Musik:
Verdi komponiert die italienische Oper „Othello“.
Die Berliner Varieté-Bühne „Wintergarten“ wird eröffnet.
Naturgewalten:
Hochwasserkatastrophe in China am Howangho. Der gelbe Fluss trat aus seinem Bett und überschwemmte weite Gebiete. Ungefähr 1 Mio. Menschen sollen den Überschwemmungen zum Opfer gefallen sein. Darüber hinaus wurden etwa 2 Mio. Menschen obdachlos.
Alltag:
Der polnische Arzt Dr. Ludwig Zamenhof stellt die von ihm entwickelte Kunstsprache „Esperanto“ (hoffnungsvoll) vor.
Die Epoche
1888 – 1914 – das neue Deutsche Kaiserreich.
Das Jahr 1888
Politik:
Das Drei-Kaiser-Jahr: Am 3. März
erkrankt Kaiser Wilhelm I. Am 9. des gleichen Monats verstarb er. Er ruht bei
seinen Eltern Fr. Wilhelm III und Königin Luise im Mausoleum zu Charlottenburg.
Sein liberal denkender Sohn ist
Friedrich (III), verheiratet mit der englischen Prinzessin Viktoria (Vicky). Es
beginnen nun für Friedrich III (1831 – 1888) 99 Regierungstage als Kaiser,
nämlich vom 9. März bis zum 15. Juni. Zu jener Zeit war er aber bereits schwer
krank und stirbt am 15. Juni an Kehlkopfkrebs.
Im Frühsommer nimmt der Kronprinz Wilhelm (1859 – 1941) als 29 jähriger, als Kaiser Wilhelm II (und letzter deutscher Kaiser) das Regieren des Reiches. Er möchte aus dem Agrarland Deutschland einen modernen Industriestaat machen, will England in der Produktivität erreichen und überflügeln. Diese Träume enden 1918 nach dem Ende des Ersten Welt-Krieges, als das Kaiserreich aufhört zu existieren.
Deutschland erhält die Insel
Helgoland.
Wissenschaft:
Auf dem Potsdamer Telegraphenberg beginnt der Bau von Forschungseinrichtungen.
Heinrich Hertz begründet die Theorie
des Vorhandenseins elektromagnetischer Wellen durch Versuche.
Fritjof Nansen durchquert Südgrönland auf Skiern von Ost nach Westen.
In Irland laufen Versuche mit einer Einschienenbahn, die später abgebrochen und erst 1952 wieder aufgenommen werden.
Technik:
Die Potsdamer Bahnreparaturwerkstatt geht in das Eigentum des Staates über. Sie erhält die Bezeichnung: „Königliche Eisenbahn-Hauptwerkstätte“.
Das Vermarkten des Benzschen Motorwagens macht nur geringe Fortschritte. Da unternimmt Frau Benz mit ihren Söhnen eine spektakuläre Werbefahrt von Mannheim über Heidelberg nach Pforzheim, eine über 80 km lange Strecke, die die Zweifler von der Robustheit des Fahrzeugs überzeugte. Eine Sensation!
Sesseldreiräder (Fahrräder mit dem Sitz zwischen den Rädern) sind vereinzelt auf den Stadtstraßen zu sehen.
Der irische Tierarzt John Boyd Dunlop gründet die Dunlop Rubber Company zur Herstellung von luftgefüllten Fahrzeugreifen.
George Eastmann verbessert das Filmmaterial und gründet später die „Eastman-Kodak-Company“. Edison versucht, den Einzelbildern das Laufen zu Lehren.
Bautechnik:
Doehring erfindet den Spannbeton. Eine deutsche Erfindung: Die erste Betonstraße wird gebaut.
Bauen in Potsdam:
Die Stadt will sich vergrößern.
Weiterer Abriss eines Stückes der Stadtmauer. Nun steht das Nauener Tor ohne
Torfunktion und Mauer frei.
Die Lange Brücke (von Schinkel)
muss erneuert werden.
Wirtschaft:
Es stirbt Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der Gründer der landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften (geb. 1818).
Die Berliner Pferdebahn hat derzeitig einen Bestand von 2.000 Wagen, 7.500 Pferden und 5.000Beschäftigte. Das sind 1.300 Schaffner, 1.250 Kutscher und 1.150 Stall-Leute. Hinzu kommen 1.300 Verwaltungsangestellte. 250.000 Fahrgäste werden in den bis zu 60 Personen fassenden Wagen pro Jahr befördert. Natürlich ist es Frauen, ob ihrer Kleidung untersagt, auf dem Oberdeck zu sitzen.
Literatur
Theodor Fontane schreibt „Irrungen und Wirrungen“. Gerhart Hauptmann schreibt „Bahnwärter Thiel“ und Theodor Storm „Der Schimmelreiter“.
Naturgewalten:
Im März 1888 Vulkanausbruch in Neu Guinea. Die deutsche Kolonie versinkt im Meer.
1889 - Wir staunen über ein Jahr voller
Ereignisse
Politik:
Am 30. Januar 1889 erschießt sich
der österreichische Thronfolger Prinz Rudolf (Sohn von Kaiser Franz Joseph und
Kaiserin Elisabeth / Sisi) und seine außereheliche Geliebte, die Baronesse Mary
Vetsera im Jagdschloss Mayerling. Er wollte wie seine Mutter nicht die Enge der
Monarchie ertragen, ohne Hoffnung auf Liberalisierung und Reformen.
Das Bürgerliche Gesetzbuch wird in Kraft gesetzt.
Wissenschaft:
Behring entdeckt Antitoxine. Beginn der Hormonforschung (Selbstversuche durch Brown-Sequard). Dolivo-Dobrwolski entwickeln den Drehstrommotor. Hollerith entwickelt die Lochkartenzählmaschine. v. Mehring und Minkowski beweisen den Eintritt der Zuckerkrankheit wegen Ausfalls der Bauchspeicheldrüse.
Technik:
Der Amerikaner Otis baut den
ersten elektrisch betriebenen Lift.
Weltausstellung in Paris. Der
Turm von Gustave Eiffel (1832 – 1923) ist 300 m hoch.
Erste Autoausstellung in Paris. Die
erste Auto-Kraft-Droschke (Taxi) in Berlin, vom Fuhrunternehmer Thien
bewirtschaftet. Die erste Rolltreppe wird vorgestellt.
Wirtschaft:
Einrichtung einer Handwerkskammer in Berlin.
In Dresden werden die Eg – Gü – Werke gegründet (Fettchemie, besonders bekannt, auch noch 100 Jahre später durch die Schuhcreme in Tuben.
Bauten in Potsdam:
Auf dem Brauhausberg wird die
Kriegsschule gebaut, die später als Reichsarchiv umfunktioniert wird.
Literatur:
Otto Lilienthal schreibt das
Buch: „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst. Er ist Ingenieur und
besitzt eine Fabrik für Kesselanlagen. Außerdem ist er Direktor des Berliner
Ostend-Theaters, des 10-Pfennig-Theaters als Sozialbeitrag zur Bildung des
Volkes, das er als junger Mann gegründet hatte. Damaschke gründet die
Zeitschrift „Bodenreform“.
Soziales:
Der Arbeiter-Samariter-Bund wird
gegründet. Die Alters- und Invalidenpflichtversicherung für Arbeiter wird in
Deutschland eingeführt. Im Ruhrstreik erreichen die Arbeiter eine Audienz beim
Kaiser und in dessen Folge eine Lohnerhöhung und eine Arbeitszeitverkürzung.
Sport:
Meyer und Purtscheller ersteigen
als erste Menschen den Kilimandscharo in Afrika, etwa 5.968 m hoch. In diesem
Jahr wurde der Davis-Pokal für den Tennis-Sport gestiftet.
Der Deutsche Fußballbund wurde
gegründet,
Alltag: Erste elektrische Spielzeugeisenbahn in Deutschland.
Mode:
Für Frauen: Dunkle schwere Stoffe
mit Quasten, Stickereien, Schleppen, Cul, Spitzen und Perlen.
1890 – 1914 In Deutschland herrscht die
Zeit des „Jugendstil“ mit verschlungenen Ornamenten und Pflanzenmotiven. In
England und Frankreich gibt es eine Entsprechung, die „Nouveau art“ genannt
wird.
Was geschah
im Jahre 1890?
Politik:
Der Kaiser Wilhelm II entlässt Bismarck in den Ruhestand, mit dem Titel „Herzog von Lauenburg“. Ende der Wirkung des Sozialistengesetzes (seit 1878). Umbildung der Sozialistischen Arbeiterpartei zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands unter August Bebel.
Wissenschaft:
Es stirbt Heinrich Schliemann, der deutsche Archäologe (geb. 1822 in Ankershagen).
Technik:
Mannesmann entwickelt das Röhrenwalzverfahren.
Die ersten elektrisch gesteuerten Straßenuhren kommen auf. Sie sind eingebaut in „URANIA“-Reklamesäulen.
Ein unübersichtliches / unübersehbares Netz von Freiluftleitungen für Elektrizität und Telefonanschlüsse überspannt die Straßen über den Köpfen der Passanten in den modernen Großstädten wie London oder New York ähnlich wie ein dichtes Spinnennetz.
Wirtschaft:
Abbé begründet die Carl-Zeiss-Stiftung mit Gewinnbeteiligung der Arbeiter.
Professor William Steward Halsted (1852 – 1922) aus Baltimore erfindet den dünnen chirurgischen Gummihandschuh, nach seinen Angaben von der Goodyear-Rubber- Company gefertigt.
Bauten, historische:
Zwischen 1890 bis etwa 1902 Ausgrabungen und Erforschung des römischen Limes, der sich etwa 550 km vom Rhein zur Donau zog. Dabei freigelegt: 100 Kastelle und 1.000 Wachtürme. Initiator des Unternehmens: Theodor Mommsen.
Bauten in Potsdam:
In den Ravensbergen, nahe dem
Brauhausberg werden Institute für Astrophysik, für Geodäsie und für Meteorologie
gebaut und diese bis 1899 vollendet.
Zur Regierungszeit Kaiser Wilhelm
II entstehen zahlreiche neue Prunkbauten.
Unser geliebtes Bassin wird nun zugeschüttet.
Raum für Neues muss her. So bleibt uns ein Bassinplatz ohne Bassin.
Wirtschaft / Kommunalwesen:
In den deutschen Großstädten wird mit dem Installieren einer öffentlichen elektrischen Beleuchtung von Straßen und Plätzen begonnen – aber auch 70 Jahre später findet man durchaus noch Gas-Straßenlaternen.
Mannesmann lässt ein
Röhrenwalzwerk errichten. Dunlop produziert Autoluftreifen.
Literatur:
Es stirbt der Schweizer Dichter Gottfried Keller (geb. 1819).
In Berlin wird die „Freie Volksbühne“ eröffnet.
Malerei:
Es stirbt Vincent van Gogh (Freitod in geistiger Umnachtung), der niederländische Maler zwischen Impressionismus und Expressionismus (geb. 1853), nach einer Periode fieberhaften Schaffens.
Alltag:
Am 07. Januar stirbt in Berlin im alten Kaiserlichen Schloss Unter den Linden, die vormalige „Kaiserin Friedrich“, Kaiserwitwe Augusta.
Was bekomme ich momentan für mein Geld? Ein Angestellter wohnt in Berlin zur Untermiete. Das Zimmer mit Frühstück (Ei, Aufschnitt, Brot, Butter, Tee) kostet 33,-- Mark im Monat. Abendbrot, Licht, Heizung (Holz, Kohle, Dienstleistung des Heizens), Strom und das Waschen der Wäsche – so gewünscht – 60,--Mark /Monat. Das Mittagessen im „Franziskaner“ 1 Mark / Tag. –(Leider ist für diese Aufstellung nicht der Monatsverdienst angegeben).
Im Jahre 1891
notierten wir:
Wissenschaft:
Der Rotations-Kupfertiefdruck wird von Klietsch erfunden.
Die erste Elektro-Fernübertragung wird errichtet.
Thomas Alva Edison erfand in den USA einen Vorführapparat für bewegte Bilder (Film genannt).
Samuel P. Langley (1834 – 1906) legt Grundlagen für „Flugobjekte schwerer als Luft“ dar.
Otto Lilienthal (1848 – 1896) arbeitet weiter an Segelflügen. Erstmals fliegt er 15 m durch die Luft.
Medizin:
Robert Koch erzeugt das Tuberkulin (siehe auch 1882). Er stellt seine Entdeckungen und Entwicklungen einem großen Publikum vor. Dazu nutzt er den größten „Vortragsraum“ der Stadt Berlin vom Zirkus Renz, an der Weidendammer Brücke (dem späteren Friedrichstadt-Palast), in dem 8.000 Personen Platz finden.
Emil von Behring, ein Schüler von Koch entwickelte einen Impfstoff gegen die Diphtherie (früher Bräune genannt). In der v. Bergmannschen Klinik in Berlin werden in der Weihnachtsnacht erstmals Kinder mit Serum gegen Diphtherie geimpft, nachdem in Preußen in diesem Jahr in der Epidemie an dieser Infektionskrankheit bereits 36.160 Menschen gestorben waren.
Der berühmte Arzt Karl Ludwig Schleich (Schüler von Virchow) erfindet die örtliche Betäubung (Lokalanästhesie).
Technik:
Nikolai Tesla entwickelt einen Hochspannungstransformator für über 1 Mio. Volt.
Der Tschechische Wissenschaftler Tesla entdeckt die nach ihm benannten Ströme.
Wirtschaft:
Beginn des Baues der Trans-Sibirischen
Eisenbahn (unter Zar Nikolaus Romanow) von Wladiwostok im Fernen Osten aus.
Gesundheit:
Es bricht eine europaweite Grippeepidemie aus.
Soziales:
Der erste Kongress freier Gewerkschaften beschließt Frauen in die Reihen ihrer Mitglieder aufzunehmen. Ein neues Reichsgesetz regelt die Sonntagsruhe. Das Gesetz über die Arbeitszeit begrenzt den Arbeitstag für Fabrikarbeiter auf maximal 11 Stunden.
Naturgewalten:
In Japan (Mino-Owan) fordert ein Erdbeben 7.500 Tote.
Das Jahr 1892
Wissenschaft:
Th. L Wilson erforscht die
Kalzium-Karbonat-Anwendung.
Dubois findet auf der Insel Java Überreste von Affenmenschen (Pitecanthropus).
Technik:
Gründung des Verbandes „Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“.
Der erste Diesel-Motor wird
gebaut (wegen seines hohen Gewichts aber erst 1935 in ein Kraftfahrzeug
eingesetzt).
In den USA fand etwa 1892 der Wechsel vom Hochrad (Fahrrad) auf das Niederrad oder Sicherheitsrad mit zwei gleich großen Rädern und Kettenantrieb statt.
Der Filmbetrachtungsschrank = das Ein-Personen-Kino wird entwickelt.
Es stirbt der forschende Ingenieur Werner v. Siemens (geb. 1816)
Wirtschaft:
Hugo Stangen eröffnet das erste Berliner Reisebüro.
Bauwesen in
Potsdam
James Hobrecht (geb. 31. Dez.1825, gest. 8.Sept. 1902), Feldmesser, früher in der Berliner Bauakademie, Regierungsbaumeister in Berlin, Stadtbaurat in Stettin, Stadtbaurat in Berlin. Er konzipierte für Berlin und weitere 30 deutsche Städte, wie auch im Ausland ein modernes Abwassersystem, träumte und verwirklichte grüne Oasen und Rieselfelder.
In der Schwanenallee Nr. 7 wird die Kaiserliche Matrosenstation gebaut unter der Leitung des norwegischen Architekten H. H. Munthe. Bis 1996 soll das Areal mit Kaianlage, Empfangsgebäude, Wohnhäusern und Schuppengebäude fertig sein und den Namen Königslandzunge (auf norwegisch „Kongsnaes“) erhalten.
Literatur:
August Bebel schreibt „Christentum und Sozialismus“.
Gründung des „Bund Deutscher
Amateurtheater“.
Musik:
Verdi komponiert den „Falstaff“.
Gesundheit:
In Hamburg bricht eine Cholera-Epidemie aus. Etwa 9.000 Menschen werden dahingerafft. Es wird die letzte dieser Art in Deutschland sein, weil in der Zukunft Impfstoffe zur Verfügung stehen.
Notizen über
das Jahr 1893
Politik:
Deutschland war bisher in fünf unterschiedliche Zeitzonen aufgeteilt. Das führte beispielsweise zu bis zu 33 min. Differenzen in der Zeitangabe bei Zuganschlüssen und war nicht mehr tragbar. Diese Zergliederung wurde heute, am 01. April 1893 aufgehoben.
Wissenschaft:
Die erste meteorologische Beobachtungsstation Deutschlands, wird in Potsdam errichtet.
Rudolf Diesel stellt seine Erfindung, den ersten Schwerölmotor vor, der später nach ihm benannt werden wird.
In den USA wird der Reißverschluss patentiert.
J. Elster und H. Geitel entwickeln die Photozelle.
Fritjof Nansen unternimmt eine Nordpolexpedition mit dem Segelschiff „Fram“, die bis 1896 dauern wird.
Behring entwickelt das Heilserum gegen Diphtherie (Bräune).
Technik:
Am 16. Januar stellt der Automobilbauer Carl Benz den ersten deutschen Omnibus vor. Er verkehrt auf der Strecke Siegen-Netphen-Deutz. Schmidt konstruiert eine Heißdampflokomotive.
Bauen und Wirtschaft:
Eröffnung des Kanals von Korinth in Griechenland. Er verbindet das Ionische Meer mit dem Ägäischen Meer. Er hat eine Länge von 6,3 km und eine Tiefe von 8,0 m.
Potsdamer Bauten:
Es entsteht die Pfingstkirche die
mit Gemeindehaus und Wohnhaus zu einer großzügigen Anlage gestaltet wird.
(Geschichtliche Gotik im märkischen Backsteinstil).
Musik: Zum Weihnachtsfest Uraufführung der Oper „Hänsel und Gretel“ vom Komponisten Engelbert Humperdinck nach dem Märchen der Gebrüder Grimm.
Es stirbt der russische Komponist Peter Tschaikowski an der Cholera (geb. 1840).
Puccini vertont „Manon Lescaut“ und Sibelius „Karelia“.
Bildung und Erziehung:
Erstmals wird in Berlin eine Frau zum Universitätsstudium zugelassen.
Für 1894
notierten wir
Politik:
Fürst Hohenlohe wird Deutscher
Reichskanzler – bis 1900.
„Dreyfus-Affaire“. Am 22. Dezember 1894 wird Alfred Dreyfus, ein französischer Offizier jüdischer Herkunft in Frankreich wegen angeblicher Spionage für Deutschland degradiert und verbannt. Nach einem politischen Kampf, der von 1898 acht Jahre dauert, wird er 1906 rehabilitiert.
Krieg des Landes Japan gegen China. Japan besiegt China.
Wissenschaft:
Sven Hedin (1865 – 1952), der
schwedische Forscher begibt sich bis 1897 auf eine Reise in das Innere von
Asien. Er schreibt Bücher über die Wüste Gobi, den Tibet, das Tarimbecken.
Rayleigh und Ramsay stellen das
Edelgas Argon dar.
Der Arzt Karl-Ludwig Schleich
(1859 – 1922) entwickelt die örtliche Betäubung.
Yersin und Kitasato entdecken unabhängig voneinander das Pestbazillus.
Der englische Maler und Zeichner
Howard Carter beginnt im ägyptischen Tal der Könige als selbsternannter Archäologe
zu graben. Vorzufinden sind dort etwa 60 Grabanlagen, wahrscheinlich vor Urzeiten
ausgeraubt. Er sucht fieberhaft nach dem Grab des Kindkönigs „Tut anchamun“ (verschiedene
Schreibvarianten). Nach fast 30 Jahren (1922) soll die Suche als erfolglos
eingestellt werden aber dann findet er es nach entbehrungsreichen Grabungen und
Geldbitten tatsächlich und unversehrt. Siehe 1922.
Technik:
Klatte erfindet das Kettenwalzverfahren.
A. und Louis Lumiere (1864 – 1948)
erfinden den Kinematographen, den Filmvorführapparat
Wirtschaft:
Die Towerbrücke in London wird
fertig.
Erstes internationales Autorennen
von Paris nach Rouen. Ein Daimler-Wagen siegt.
Potsdamer Bauten:
Es wird die königliche Matrosenstation „Kongsnaes“ im norwegischen Holzhausstil, mit Anlegeplatz für die Yachten des Hofes, am Rande des Neuen Garten errichtet.
Musik:
Alexander Schuke übernahm in
Potsdam den Orgelbau der Firma Gesell, dessen Vorgänger der Orgelbauer Gottlieb
Heise war, der den Betrieb 1820 gründete. A. Schuke ist der Sohn eines Pfarrers
aus der Prignitz.
Literatur:
Rudyard Kipling schreibt „Das
Dschungelbuch“.
Sport:
Baron de Coubertin gründet das Komitee für Olympische Spiele.
Das Jahr 1895
Politik.
In diesem und dem darauffolgenden Jahr sowie in einer zweiten Welle in den Jahren 1914 / 1915 metzeln türkische Moslems etwa eine Million armenischer Christen nieder, weil diese nicht Allah anbeten, andersgläubig sind und damit als „gottlos“ gelten.
Wissenschaft:
Konrad Röntgen findet die
X-Strahlen, die später nach ihm benannt werden. Er startet erst Versuche, die
Strahlen nutzbringend anzuwenden. (Siehe auch 1901).
Abbe erfindet das Prismenfernrohr. Popow bedient sich erstmals der Hochantenne.
Carsten Borchgrevink (1864 – 1934) betritt als erster Europäer, möglicher Weise auch als erster Mensch das Festland des antarktischen Kontinents (Antarktis).
Ramsay und Cleve entdecken das Edelgas Helium.
Es scheitert die große Expedition Fritjof Nansens, die das Ziel verfolgte, den Nordpol zu erreichen.
N. R. Finsen: Anwendung von UV-Strahlen in der Medizin.
Es stirbt Louis Pasteur, der französische Bakteriologe und Chemiker, geb. 1822.
Technik:
Das Schiff „Savannah“ überquert mit Besegelung und mit Schaufelrädern, die von einer Dampfmaschine angetrieben werden, den Atlantik. Dampfmaschine von Robert Fulton gegen Verzögerungen durch Flauten.
Am 1. November findet in Berlin die erste Kinovorstellung der Welt statt. Dazu dient den Erfindern, den Brüdern Max und Emil Skladanowski mit dem Kinematographen, dem „Bioskop“ mit Handkurbelantrieb, der große Saal des Varieté „Wintergarten“. Erstmals „lebende Bilder“ auf einer Leinenwand. Natürlich ein stummes Kunstwerk von wenigen Minuten Länge (aber mit dem sprechenden Erklärer auf der Bühne. Die vorherigen „Labor-Versuche“ fanden in der Berliner Straße in Pankow, im Saal der „Gaststätte Sello“ statt.
Die beiden französischen Chemiker Auguste und Louis Lumière entwickelten etwa zeitgleich ebenfalls einen Kinofilmprojektor, den „Cinèmatographen“, ein noch weitaus besseres Gerät, als das der Brüder Skladanowski und stellen es im Dezember vor.
Wirtschaft:
Carl von Linde gründet eine Fabrik, in der verflüssigte Luft hergestellt wird (Luftverflüssigung bei -191°C).
Bauen für die Wirtschaft:
Der Kaiser-Wilhelm-Kanal ist fertig. Er verbindet die Nordsee mit der Ostsee. Er weist eine Länge von 98,7 km auf, bei einer durchschnittlichen Tiefe von 13,7 m. Den Höhenunterschied zwischen den Meeresspiegeln gleichen zwei Schleusen aus.
Baukunst:
In Berlin wird die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, nahe dem Zoologischen Garten gelegen, geweiht.
In Probstheida bei Leipzig wird mit dem Bau des Völkerschlachtdenkmals begonnen, das uns an den Sieg der Alliierten 1813 über die französischen Besatzer erinnern soll. Etwa im Jahre 1913 soll es fertiggestellt sein.
Der Nord-Ostsee-Kanal (Kaiser-Wilhelm-Kanal) war im Bau seit 1887 und wird jetzt fertig.
Philosophie / Literatur:
Theodor Fontane schreibt „Effi Briest“. Es stirbt der deutsche Schriftsteller Gustav Freytag, geb. 1816. Es stirbt der deutsche Sozialist Friedrich Engels in England, geb. 1820, Mit-Begründer des Dialektischen Materialismus, Freund von Karl Marx.
Film / Theater:
Am 28. Dezember 1895 veranstalten die Brüder August und Louis-Jean Lumiere mit ihrem Kinematographen erstmals eine öffentliche Filmvorführung (natürlich Stummfilm). Das Gerät ähnelt dem Apparat den Thomas Alva Edison 1891 in den USA erfand aber nicht im Ausland als Patent anmeldete.
Erste Filmvorführung der Brüder Skladanowsky im Berliner Wintergarten in Berlin.
Musik:
Kienzl komponiert die Oper „Der Evangelimann“ und Richard Strauss “Till Eulenspiegels lustige Streiche“.
Soziales:
Es stirbt Luise Otto-Peters, die
Gründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, geb. 1819.
Alltag:
Am 27. Januar ist wie in jedem Jahr Kaisers Geburtstag. Das beste daran: Es ist schulfrei. Aber auch alle Verkaufsstellen sind geschlossen. Es ist eben Feiertag.
Noch nicht lange Zeit gibt es Kinderwagen, in denen Säuglinge liegen können. Bisher waren kleine Handwagen üblich, für Kinder, die schon sitzen können.
Mode:
Mode der Frauenzimmer: Glatte
weite Röcke, halblange Puffärmel, Schärpen.
Das Jahr 1896
Wissenschaft:
Der Italiener Marconi befasst
sich erfolgreich mit der Funktelegraphie (siehe auch 1897).
Henry Becquerel findet die später nach ihm benannten Strahlen – die natürliche radioaktive Strahlung des Uranerzes. Das Uran als Element wurde bereits 1786 von Klaproth entdeckt.
Marie und Joliot Curie entdecken die Elemente Radium und Polonium und fanden die künstliche Radioaktivität (siehe auch 1934).
Es stirbt der schwedische Chemiker und Unternehmer Alfred Nobel (geb. 1833).
Johann Thienemann beginnt mit der Erforschung des Vogelzuges.
Der schwedische Asienforscher Sven Hedin entdeckt die alten buddhistischen Städte Dedan-uilik und Kara-dung (Ortsnamen in etwa phonetisch wiedergegeben).
Medizin / Gesundheitspflege:
Dr. Ludwig (oder Louis) Rehn gelingt in Frankfurt am Main die erste Operation am offenen Herzen. Leider hatte er keine Zeit sich speziell auf diese Operation gründlich vorzubereiten, denn er musste einen jungen Mann operieren der bei einem Überfall eine Stichverletzung des Herzens erlitten hatte. (Siehe aber auch 1898).
Wilhelm Conrad Röntgen unternimmt erste Foto-Aufnahmen mit den X-Strahlen, wie er sie nennt.
Der „Berliner Verein für Volksbäder“ gibt ein Programm heraus, in dem die Forderung aufgestellt wird: „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad“. Öffentliche Wannen- oder Brause-Badeeinrichtungen aufzusuchen ist den meisten Menschen fremd. In der Schüssel wäscht man sich.
Technik:
Am 24. März führt Alexander Stepanowitsch Popow (1859 – 1906) seinen Versuch der drahtlosen Telegraphie vor Wissenschaftlern in St. Petersburg vor. „Heinrich Hertz“ lautete der erste drahtlos übermittelte Morse-Funk-Spruch der Menschheit. Seine bahnbrechende Arbeit wurde im zaristischen Russland nur in bescheidenem Maße angewendet.
In diesem Jahr beginnt der Bau der Berliner U-Bahn.
Howard und Taite erwerben das Staubsaugerpatent. In Deutschland kommt das Produkt einige Jahre später auf den Markt.
Es stirbt am 09. August 1896 Otto Lilienthal (in der Berliner Charité) nach einem Absturz bei seinen Gleitflugversuchen bei Schmölln (Rhinower Berge). Er stürzte aus 20m Höhe ab und erlitt tödliche Verletzungen - das erste Todesopfer eines Flugzeugabsturzes. Er wurde 48 Jahre alt.
Das Stahlschiff „Rickmer Rickmers (aus der Rickmers-Werft in Bremerhaven) wird in Dienst gestellt. Anfangs fährt es die Überseelinie als Handelsschiff, später wird es der portugiesischen Armee als Segelschulschiff dienen aber letzthin wird es ab 1985 bis weit ins nächste Jahrtausend hinein, in Hamburg vertäut als Museumsschiff liegen.
Baukunst:
Am 18. Juni wird das Kyffhäuserdenkmal nahe der Burg Kyffhausen im gleichnamigen Kyffhäusergebirge eingeweiht. Es erinnert an den mittelalterlichen Stauferkaiser Barbarossa (Rotbart). 247 Stufen bis zur Aussichtsplattform hinauf, von der man bei gutem Wetter einen schönen Ausblick weit ins Thüringer Land hat und bis zum Brocken im Harz schauen kann.
Musik:
Die Familie des Musikers Wilhelm
Kempff sen. zieht von Jüterbog nach Potsdam.
Es stirbt der österreichische Komponist Anton Bruckner, geb. 1824.
Es stirbt Clara Schumann, geb. Wieck, deutsche Pianistin, geb. 1819.
Die Oper „La Boheme von Puccini wird sehr gefeiert.
Malerei / Kunst:
Es beginnt der Zeitraum des Jugendstils.
Literatur:
Der polnische Schriftsteller Hendryk Sienkiewicz schreibt den Roman „Quo vadis?“ („Wohin gehst du?“)
Sport:
Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit finden in Athen statt.
Alltag:
Es beginnt die Gartenstadtbewegung.
Das Jahr 1897
Politik:
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Bülow fordert im Reichstag für Deutschland „Einen Platz an der Sonne“, eine Forderung mit chauvinistischem Hintergrund. Deutschland „pachtet“ das chinesische Kiautschou für 99 Jahre und gibt dort deutsches Geld und deutsche Briefmarken heraus. Damit hat die Summe aller deutschen Kolonien eine Fläche erreicht, die fünfmal so groß wie das deutsche „Mutterland“ ist. Nach England und Frankreich ist nun Deutschland die drittstärkste Kolonialmacht aber in einem Vierteljahrhundert wird es damit wieder vorbei sein.
Wissenschaft:
In Böhmen wurde von Nikola Tesla
das erste brauchbare Radio vorgestellt.
Andree, Strindberg und Fränkel sterben bei dem Versuch, den Nordpol der Erde im Freiluftballon zu erreichen.
Guglielmo Marconi hat am 13. Mai 97 in England einen aufsehenerregenden Erfolg mit drahtloser Telegraphie. Mit der drahtlosen Funktelegrafie erreicht Marconi eine Entfernungsüberbrückung von 14 km. Zu diesem Versuch war auch der deutsche Funkpionier Adolf Slaby eingeladen. Er ist Professor für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Charlottenburg bei Berlin. Professor Slaby und Graf Arco unternehmen ebenfalls erfolgreiche Funk-Versuche in Potsdam.
Krische und Spitteler entwickeln einen Kunststoff und nennen diesen „Galalith“.
Goodwin ersetzt für die Fotografie die gläsernen Platten durch flexibles Zelluloid. Beide Filmträger werden jahrelang nebeneinander genutzt.
Ross entdeckt, dass der Überträger der Malaria die Anophelesmücke ist.
Technik:
Erster deutscher Automobilklub gegründet, unter dem Namen: Mitteleuropäischer Motorwagen-Verein“.
Siemens und Halske lassen zwischen Zehlendorf und Lichterfelde die erst elektrische Versuchsbahn rollen.
Wirtschaft:
Zeiss nimmt die Produktion von Prismenfernrohren auf.
Ein deutsches Schiff erringt „das blaue Band“ für die schnellste Fahrt.
Siemens und Halske wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Potsdamer Bauten:
In Potsdam wird begonnen eine
Abwasserkanalisation zu errichten und auch Trinkwasserleitungen bis in die
Wohnungen zu verlegen. Bisher goss man die allgemeinen Abwässer in den Rinnstein,
Kot und Urin kamen aber bereits in Senkgruben. Damit war nun in der Stadt schon
in wenigen Jahren Schluss. (Siehe auch Hinweis 1860).
Es entsteht die neue kaiserliche
Post am Wilhelmplatz Ecke „Am Kanal“. Sie wird 1900 fertig gestellt.
Soziales:
Der Deutsche Caritasverband (ein katholischer Wohlfahrtsverband) wird gegründet.
Alltag:
Am 3. Juli 97 wird in Wien der
Vergnügungspark „Prater“ eröffnet Das Riesenrad des Schausteller-Unternehmers
Gabor Steiner ist eine der Hauptattraktionen. Das Rad ist 67 m hoch und 430
Tonnen schwer. Dieses hatte der englische Ingenieur Walter Basset in acht
Monaten errichtet.
Der Großsegler Rickmer Rickmers
wird in Dienst gestellt. Das Schiff liegt auch noch 2005 als Museumsschiff im
Hamburger Hafen.
Flugzeugmodelle mit Dampfmaschinenantrieb
kommen auf den Markt.
Musik:
Es stirbt Johannes Brahms, ein deutscher Komponist neoklassischen Stils, geb. 1833.
Das Jahr 1898
Politik:
6. März: Ein „Pachtvertrag“ für einen deutschen Flottenstützpunkt in Kiautschou (China) wird auf 99 Jahre geschlossen. Am 27. April verurteilen August Bebel und Wilhelm Liebknecht im Reichstag die Annexion Kiatschous.
23. April – 10. Dezember: Spanisch-Amerikanischer Krieg (erster Krieg um die Neuaufteilung der Welt).
30. April: Deutscher Flottenverein gegründet, denn „Die Zukunft Deutschlands liegt auf dem Wasser“, hatte der Kaiser ausgeführt.
Im März und Juni sprechen August Bebel und Wilhelm Liebknecht gegen die Deutsche Kolonialpolitik.
30. Juli. Es stirbt der Fürst Otto von Bismarck, deutscher konservativer Staatsmann, Reichsgründer, Reichskanzler von 1871-1890. Er war 1815geboren.
Am 10. September Mordanschlag auf die österreichische Kaiserin Elisabeth auf dem Quai Mont Blanc in Genf durch einen Stich mit einer Feile mitten ins Herz. Obwohl bereits schnelle Herzoperationen möglich waren (siehe 1896) konnte sie nicht gerettet werden. Zeitverzug? Die falschen Ärzte am falschen Ort?
Wissenschaft:
Pierre und Marie Curie entdecken die chemischen Elemente Radium und Polonium.
Braun entwickelt das Kathodenstrahlrohr mit Leuchtschirm (Braunsche Röhre).
Dewar verflüssigt Wasserstoff bei -240 °C. Pickering entdeckt den 9. Saturnmond.
Frank und Caro stellen Kalkstickstoff als Düngemittel her.
Robert Koldewey (1855 – 1925) gräbt bis 1917 Babylon aus.
Erste Versuche des Züchtens von Zellen im Reagenzglas durch Leo Loeb.
Technik:
23. April: Erstes Motorradrennen in Berlin. 25. Mai Probefahrt des ersten Omnibusses mit Akkumulatorenantrieb.
Der „Umwandlungsvertrag“ verpflichtet die große Berliner Pferdeeisenbahn zur Elektrifizierung der Straßenbahnen.
Strowger entwickelt den Drehwähler für Fernsprechapparate.
Am 09. Sept. wird in Berlin die erste Kraftdroschke zugelassen.
Bautechnik:
16. September: Spreetunnel in Treptow für Straßenbahnen geöffnet.
Potsdamer Bauten:
Die Erlöserkirche, in märkischer
Backsteingotik gebaut, wird geweiht.
Auch auf Hermannswerder wird eine
Kirche errichtet.
Literatur:
Franz Mehring schreibt die „Geschichte der deutschen Sozialdemokratie“.
Käthe Kollwitz beendet den Zyklus „Weberaufstand“.
Theodor Fontane veröffentlicht das Werk „Der Stechlin“.
Soziales:
Im Februar Massenproteste wegen des Gesetzesentwurfs „Zuchthausvorlage“.
Es stirbt Theodor Fontane, norddeutscher Dichter, geb. 1819.
Sport:
Erstes Berliner Automobilrennen findet zwischen Berlin und Potsdam statt.
Wissenswertes
über 1899
Politik:
Finnland wird russifiziert.
Rixdorf erhält das Stadtrecht (wird aber ab 27. Januar 1912 in „Neukölln“ aufgehen).
Palau und die Marianen werden deutsche Kolonien.
Wissenschaft:
Carsten Borchgrevink überwintert mit neun Begleitern (freiwillig) das erste Mal in der Antarktis.
Oskar Picht setzt die Blindenschrift von Louis Braille (6 Punkte in 63 Kombinationsmöglichkeiten) in Schreibmaschinentypen um. Oskar Picht wurde am 27. Mai 1871 in Pasewalk, als Sohn des Bäckermeisters Wilhelm Picht geboren. Er war bis 1897 Lehrer in Marienthal bei Greifswald und wird später Blindenlehrer. 1911 führt er die Stenoschreibmaschine ein.
Elster und Geitel erkennen: Radioaktivität entsteht bei radioaktivem Zerfall. Beginn der Atomphysik. Rutherford entdeckt die Alpha- und Beta-Strahlen radioaktiver Atome.
Sir Arthur Evans rekonstruiert die Paläste des Knossos auf Kreta.
Medizin:
Dreser entwickelt das Aspirin als Mittel gegen Fieber und Schmerzen. Damit beginnt die Anwendung synthetischer Heilmittel.
Elsa Neumann wird erste Doktorin der Berliner Universität.
Technik:
Adam Opel (1837 – 1895) baute in Rüsselsheim Nähmaschinen und Fahrräder und tüftelte an so manch technischer Neuerung. Erst seine fünf Söhne befassten sich ab 1899 mit dem Autobau. Schon 1929 wird die Autofabrik aber aus wirtschaftlichen Gründen eine Tochter von General Motors.
Drachenflugversuche der Brüder Wright, die 1903 zum ersten bemannten Motorflug führen.
Das erste Berliner Kino wird (in der Münzstraße) eröffnet.
Die jüdischen Fabrikanten Benno Orenstein und Arthur Koppel gründen in
Neuendorf, nahe dem Bahnhofe Drewitz eine Fabrik für leichte Lokomotiven. Im
ersten Jahr beträgt die Anzahl der Leute über 420 Arbeiter und Angestellte, die
vorerst etwas mehr als 100 Maschinen im Jahr produzieren. Besonders imposant
ist innerhalb des Werkes die sinnreiche örtliche Führung der Zulieferungen
anzuschauen: Die Zubehörteile kommen aus zwei Reihen von Maschinenhallen, die
um die Endmontagehalle angeordnet sind. Jene zylindrische Halle mit kreisrundem
Grundriss für den Endzusammenbau (der "Zirkus"), wird von einer
freitragenden Kugelkalotte überspannt. Mit 50 Metern Durchmesser ist sie wohl
die größte zu dieser Zeit auf unserem Kontinent.
Der Norweger Johan Valer und der USA-Bürger William Middlebrook erheben
beide in diesem Jahr den Patent-Anspruch auf das Erfinden der Büroklammer. Wir
wissen, dass es sich bestenfalls um eine Art Wiedererfindung handeln kann, denn
die Büroklammer, war, allerdings in häufig geänderten Formen, schon bereits
seit den Sumerern (3.000 Jahre vor Chr. bekannt).
Bauen in Potsdam:
Auf dem Brauhausberg wird die Kriegsschule errichtet. Der Entwurf stammt von dem Berliner Architekten Franz Heinrich Schwechten (1841 – 1924). Der Bau wird ab 1902 genutzt werden können.
Literatur:
Max Eyth (1836 – 1906) schreibt den selbstbiografischen Ingenieurroman „Hinter Pflug und Schraubstock“.
Musik: Es sterben Johann Strauß (der Jüngere) österreichischer Komponist, geb. 1825 und Karl Millöcker, ebenfalls ein österreichischer Komponist, geb. 1842.
Soziales:
Am 24 Januar wurde der „Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse“ gegründet.
Elsa Neumann ist die erste Frau die an der Berliner Universität auf dem Gebiet der Physik promoviert.
Alltag:
Dr. Karl und Theodor Liebknecht eröffnen eine Rechtsanwaltpraxis in Berlin.
Ein Heuschreckenschwarm (Schistocerca peregrina) überflog das Rote Meer. Man schätzte die Anzahl der Tiere auf 500 Milliarden und ihr Gesamtgewicht auf 1 Million Tonnen. Das einzelne Tier war 10 cm lang und 8 Gramm schwer (siehe auch 1955).
1900 - Das letzte Jahr des alten
Jahrhunderts oder das erste Jahr des neuen Jahrhunderts?
Politik:
Am 1. Januar - tritt das
Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft.
Bau des Gewerkschaftshauses am Engelufer in Berlin vollendet.
Der Verein der Arbeiterpresse wird in Berlin gegründet.
Lenin hält sich 1900-1902 in Deutschland auf.
Es stirbt am 07. August Wilhelm Liebknecht (Vater von Karl Liebknecht, Führer der Deutschen Sozialdemokratie, geb. 1826).
23. – 27. Sept. Internationaler Sozialistenkongress in Paris.
17. Oktober: Fürst Bernhard v. Bülow, wird deutscher Reichskanzler, bis 1909
24. Dezember: Die Nr.1 der russischen „Iskra“ erscheint in Leipzig.
Boxeraufstand in China als Widerstand gegen den Imperialismus. Hinrichtung von Boxern durch das Schwert.
Wissenschaft:
K. Auer von Welsbach entdeckt das
Osmium-Licht.
Graf v. Zeppelin entwickelt und
baut sein erstes starres Motor-Luftschiff. Erste Zeppelinfahrt.
Max Planck begründet die Energiequantentheorie.
Auf der Zugspitze und auf der Schneekoppe werden Wetterstationen errichtet und eröffnet.
Sven Hedin besucht als Geologe, Geograph mit Archäologischen und anthropologischen Interessen die Stadt Lou-lan in Ostturkistan auf seiner Forschungsreise.
Medizin:
Der österreichische Arzt Karl Landsteiner (geb. 1868) findet die verschiedenen menschlichen Blutgruppen (A, B, AB und 0 benannt), nach Koagulation der Erythrocythen bei künstlichen Blutmischungen. Angeregt dazu wurde er durch immer wieder auftretende Todesfälle nach Bluttransfusionen.
Technik:
Weltausstellung in Paris. Ein riesiger Glaspalast überdacht viele Ausstellungsstücke und ist
gleichzeitig selbst ein Exponat.
Edelmann entwickelt die Galtonpfeife, die Töne im Ultraschallbereich hervorbringt.
Knorr erfindet die Druckluftbremse.
Ruhmer entwickelt die Anfänge der Ton-Photographie. (Später: Tonfilm)
Borsig baut eine gewaltige
Dampfmaschine, die 100.000 PS leistet.
Elektrischer Versuchbetrieb der Bahn zwischen Wannsee und Zehlendorf aufgenommen.
Das telefonische Selbstwählsystem kommt für Verbindungen innerhalb eines Ortes auf. So wird sich bald „Das Frollein vom Amt“ auf die Vermittlung von Ferngesprächen konzentrieren können.
Potsdamer Bauten:
Für Arbeiter werden die Siedlungen „Cecilienhöhe“ und „Colonie
Daheim“ gegründet und bis 1912 fertiggestellt. Etwa in gleicher Zeit beginnt
das Bauen für Wohlhabende und Beamte auf den Stieff’’schen Wiesen, in der
heutigen Gutenberg-, Hans-Thoma- und Leiblstr. Dazu musste hier die Stadtmauer
gegenüber den Holländerhäusern in der heutigen Hebbelstraße abgerissen werden.
In der gleichen Zeit baut der Beamten-Wohnungsverein in der Kleinen Weinmeister-Straße, der Behlert- und der Sigismundstraße.
In der Zeit zwischen 1900 und 1912 entsteht auch der Rechnungshof in der Waisenstraße, die Kadettenanstalt in der Saarmunder Straße, das Realgymnasium an der Kaiser-Wilhelm-Allee.
1900 ist auch die Kaiserliche Oberpostdirektion, Am Kanal, Ecke Wilhelmplatz fertiggestellt.
Im Dezember 1900 erfolgt im Schlosspark Babelsberg der erste Spatenstich für den Bau des Teltowkanals, der zwischen dem Griebnitzsee und der Glieniker Lake beginnt. Zu diesem Auftakt hat der rührige Landrat Ernst v. Stubenrauch die Unterstützung des Monarchen gewonnen. Dieser schickt die Kaiserliche Hoheit, den Prinzen Wilhelm. Nach dem feierlichen (aber recht umständlich-steif erscheinenden) Zeremoniell stärken sich die Anwesenden im Restaurant „Bürgers Hof“. Der Teltow-Kanal soll den Transportweg zwischen Havel und Oberspree um 16 km verkürzen. Siemens erprobt auf der Baustelle elektrische Bagger und elektrische Schleppkähne. Arbeiter schaufeln den Kanal für den geringen Lohn von 28 Pfennig je Stunde. Der Kanal wird letztendlich 25 Millionen Mark kosten und 1906 eingeweiht werden.
Wirtschaft:
1900 – 1903: Weltwirtschaftskrise.
Am 01. Januar 1900 erscheint eine
neue Dauerbriefmarke: „Die Germania“. Bis März 1922 werden 79 verschiedene
Germania-Briefmarken ausgegeben werden.
Eröffnung der Berliner Markt- und
Kühlhallen.
Beginn der Einführung des
elektrischen Lichtes / elektrischer Beleuchtung in den Haushalten.
In Wildau nimmt die neue Lokomotivfabrik von Schwartzkopff die Tätigkeit auf.
Literatur:
Sigmund Freud veröffentlicht sein Buch „Die Traumdeutung“.
Soziales und Erziehung:
Der „Deutscher Verein für Volkshygiene“ wird gegründet.
Clara Zetkin spricht am 14. Februar zum Arbeiterinnenschutz.
Zum Kinder- und Jugendschutz wird eine Verordnung in Kraft gesetzt. Nach dieser dürfen Kinder, welche das neunte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, keine gewerbliche Arbeit außerhalb des Hauses ausüben. Die Beschäftigung von Kindern unter vierzehn Jahren ist außerhalb des Hauses abends nach sieben Uhr und morgens vor einhalb Fünf Uhr verboten. Aber, so zeigte die Praxis, wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Deshalb bleibt eine der schlimmsten Geißeln der „guten alten Zeit“ trotzdem die Kinderarbeit. Zu den gängigen Beschäftigungen gehören das Austragen der Zeitungen, Spülen von Bierflaschen, das Anliefern von Milch und Brötchen „für bessere Leute“, Laufburschendienste vielerlei Art.
Vom 19. – 21. Mai streiken die Berliner Straßenbahner für den Zehnstundentag und Lohnerhöhung.
Ab 01. Juni werden Schulärzte in Deutschland bestellt.
November: Volksversammlungen gegen Wohnungsnot und Kohlenteuerung.
Musik:
Puccini komponiert die italienische Oper „Tosca“ und Sibelius „Finlandia“.
Sport:
Am 29. Januar gründen Abgesandte
von 86 deutschen Fußballvereinen in Leipzig den Deutschen Fußballbund (DFB).
Das Hauptziel des Verbandes besteht in der Vereinheitlichung der unterschiedlichen
Spielregeln.
Alltag:
Potsdam zählt 57.500 Einwohner
zuzüglich ca. 10 - 12 % Militär. Berlin hat hingegen 2.712.200 Einwohner.
Aus Schwarzenberg im Erzgebirge
kommt die verzinkte, transportable Volksbadewanne.
Die Zahnbürste ist zwar im Prinzip
seit 1750 bekannt. Eine allgemeine Verbreitung fand sie aber erst mit dem
Beginn des 20. Jahrhunderts und dann zumeist zuerst bei städtischen Bewohnern.