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Ein Spaziergang durch den Park von Sanssouci
in der
Landeshauptstadt Potsdam. Ein Beitrag
zur Heimatgeschichte Stand: Mai 2008
Autor und
Konsultationspartner: Chr. Janecke, E-Mail: christoph@janecke.name
Für die Korrektur inhaltlicher Schwächen dankt der Autor den
Lesern. Ein geringerer Teil von Tippfehlern ist historischen Schreibweisen
anzulasten und somit durchaus beabsichtigt.
Der Autor
verfügt über umfangreiches Fotomaterial zum vorliegenden Text.
Liebe
Leser, schauen Sie doch bitte unter www.janecke.name bei Interesse auch in die
Rubriken: Ahnenfolge. Lebensläufe, Zeitgeschichte, Ortsgeschichte Potsdam und
Notgeldscheine hinein.
Zum
folgenden Text: Gar manch ein offizieller Stadtbilderklärer oder Parkführer
würde sich ob meiner Darlegungen vielleicht sein Haupthaar raufen aber ich
erzähle nun einmal so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Man möge es mir
nachtragen, wenn nicht alles haarklein enthalten sein mag, was die Geschichte
bietet. Wandern wir also einfach durch den Park.
Jetzt
geht’s schon richtig los: So könnte die Laufstrecke aussehen – soweit die Füße
uns tragen. Natürlich könnt ihr in der Vorschlagsliste den Rotstift tanzen
lassen, doch generell befinden sich heute im Hauptmenü die folgenden Angebote:
Der Beginn
ist dabei praktischer Weise an der Parkanlage (für Autos) an der Straße „Am
Neuen Palais“, zwischen den Bushaltestellen „Am Neuen Palais“ und
„Lindenallee“.
Die Kurz-Beschreibung der Bauten in der Parkanlage ist von
mir in der folgenden Aufstellung nicht nach dem obigen Wegelauf, sondern
chronologisch gemäß ihrer Alterswürde sortiert. Selbstverständlich ist es
ebenso möglich, alle diese nun folgenden, nicht nummerierten Blätter bunt zu
mischen oder die besuchten Bauten und Parkteile neu nach der Abfolge des selber
zusammengestellten Spazierganges zu ordnen. Jede Variante kann bei ihrer
Anwendung Neugier erwecken und Freude bereiten.
Natürlich wurden in den betrachteten Zeiten bei weitem nicht
allein Schlösser errichtet und Parks gestaltet. Was sich in jener Zeit in der
Stadt tat, welche wissenschaftlichen, kulturellen und sozialen Entwicklungen
die Menschen bewegte, schlage man bei Interesse bitte bald in meiner Zeittafel
nach.
Brandenburgische Herrscher,
bevor es Sanssouci gab:
„Im Hause Hohenzollern“ begann mit Konrad III., Burggraf von
Nürnberg die preußische Linie. Er starb, wie wir wissen, 1261. Die folgenden
Regierungszeiten zogen sich hin, über die Kurfürsten Friedrich V., Friedrich
VI., Friedrich II, Albrecht III (Achilles), Johann Cicero, Joachim I, Joachim
II, Johann Georg, Joachim Friedrich, und Johann Sigismund. Über Georg Wilhelm
kommen wir nun endlich zu Friedrich Wilhelm, dass heißt, jener war der erste,
der nach Potsdam kam.
Die Zeit des brandenburgischen
Kurfürsten Friedrich Wilhelm („0“) von Hohenzollern, „Der Große Kurfürst“.
Lebenszeit von 1620 – 1688, Regierungszeit 1640 – 1688, Er
wurde 68 Jahre alt. Mit der Kurfürstenwürde ausgestattet, übernahm er von
seinem Vater während des 30jährigen Krieges im Alter von nur 20 Jahren die
Regierungsgeschäfte, nachdem er drei Jahre in Holland erzogen worden war und
dort in Leyden und Arnheim Studien betrieben hatte. Er übernahm ein verwüstetes
Land und leere Kassen. Ein starkes Erfolgsstreben und die Pflichterfüllung
waren ihm in der calvinistischen Erziehung mit auf den Lebensweg gegeben
worden. Diese Eigenschaften waren ihm wichtig für den Aufbau des Landes. Der Monarch
legte (1660) als erster seine Sommerresidenz in die von dem Wasser der
Havel-Seen umspülte bewaldete Insel, auf der Potsdam liegt und ließ ab 1662 im
Zentrum der Stadt, an der Stelle der alten, sich im Verfall befindenden Burg,
das Stadtschloss erbauen.
„Das gantze Eylandt mus ein Paradis werden“, wurde nach dem
Ausruf seines Statthalters (General und Diplomat Moritz von Nassau-Siegen) seine
Devise. – Worte, als Ausdruck des schöpferischen Willens, Jahre nach dem
30jährigen Krieg, in einer Zeit, da Potsdam nur noch ganze 700 armselige Seelen
zählte sowie das Land ausgebrannt und verwüstet darnieder lag.
Lustschlösser mit Gartenanlagen entstanden außer in Potsdam,
bald in Bornim (1664), in Caputh (1673, ein inniger Wunsch seiner Frau) und in Glienicke
(1680).
Mit dem „Edikt von Potsdam“, dem Brandenburgischen
Toleranz-Gesetz von Anno 1685, nahm der Kurfürst besonders viele Menschen aus
Frankreich auf. Hugenotten, aus Glaubensgründen vertrieben und fleißige
Handwerker auch aus manch anderer Herren Länder, besonders auch aus Holland und
der Schweiz, die sich in Potsdam und der Umgebung ansiedeln durften.
Seine erste Frau war die niederländische
Luise Henriette von Nassau - Oranien (1627 – 1667. Sie wurde 39 Jahre
alt).
Sie folgte dem Befehl ihres Vaters Friedrich Heinrich von
Oranien, sich den politischen Vorteilen beugend und begleitete, aus ihrer
wohlhabenden holländischen Heimat kommend, den ungeliebten Ehemann in das arme
verwüstete Brandenburger Gebiet.
Bei ihrer Hochzeit im Jahre 1646 war sie 19 Jahre alt. Von
Figur war sie zierlich, vom Gemüt sanft und liebevoll aber trotzdem willensstark
sowie mit großer Einsicht für die Politik geprägt. Bald verstand sie es, mit
ihrem schwierigen, schnell aufbrausenden Mann zu leben und ihm eine gute
Beraterin zu sein. Sechs Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, von denen
allerdings keines älter als 20 Jahre wurde, bis auf eine Ausnahme: Ausgerechnet
das Sorgenkind, der nunmehrige Thronfolger.
Nach Luise Henriette wurde der Ort und das Schloss
„Oranienburg“ benannt. Nach dem sehr frühen Ableben der Luise Henriette von
Oranien heiratete der Große Kurfürst erneut: Seine zweite Frau war
Prinzessin Dorothea von Holstein – Sonderburg – Glücksburg
(1636 – 1689) Sie war bereits mit 30 Jahren Witwe und Herzogin
v. Braunschweig – Lüneburg. Aus erster Ehe hatte sie keine Nachkommen. Sie war
das ganze Gegenteil der Luise Henriette, nämlich körperlich und seelisch robust
und immer mit Energie geladen. Aus dieser Ehe entstammten sieben stramme
gesunde Kinder aber dem älteren kränkelnden Prinzen Friedrich aus erster Ehe
gebührte eben die Krone. So war das. Unumstößlich.
Nach Dorothea wurde ein Teil Berlins „Dorotheenstadt“
benannt. Sie war es, die in Berlin Linden „Unter den Linden“ anpflanzen und die
Prachtstraße gestalten ließ. Dorothea wurde 53 Jahre alt.
An das Stück Land des heutigen Parks von Sanssouci, einen
wenig fruchtbaren Sandberg, von vielen kleineren Ackerflächen umgeben, dachte im
Regierungskreise noch niemand.
Der zweitälteste Sohn von Kurfürst Friedrich Wilhelm und Luise Henriette (denn der erste
Sohn, also der übliche Thronfolger war als Kind gestorben), der Nachfolger also,
lebte von 1657 bis 1713, war 1688 - 1701 Kurfürst Friedrich III. und wurde 56 Jahre alt.
Vom Volke wurde er freundlich aber vielleicht auch etwas nachsichtig
und despektierlich „der schiefe Fritz“ geheißen. Wir wissen: Seiner Amme, dem
unglücklichen Ding wird nachgesagt, dass sie ihn, das sechs Monate alte Baby,
eines unguten Morgens auf der Kutschfahrt während der Winterreise nach
Königsberg von der Sitzbank hatte fallen lassen und seitdem hatte er eine
Wirbelsäulenverletzung, die sich später zu einem kräftigen Buckel auswuchs … na
ja … und überhaupt kränkelte er häufig vor sich hin, war still, freundlich und
friedlich, und zeugte selbst seinen Nachwuchs. Sagt man. Friedrich hatte
nacheinander drei Ehefrauen, die er wenig von sich begeisterte und aus der
zweiten Ehe einen einzigen Sohn.
Seine erste Frau,
Elisabeth Henriette von Hessen – Kassel, heiratete den Fritz 1679, als sie
18 Jahre alt war. Die Ehe wurde von der Nachwelt als „sanft – glücklich“
bezeichnet. Es war nichts Gegenteiliges bekannt. Elisabeth starb schon vier
Jahre nach der Hochzeit, 1683, im Alter von nur 22 Jahren an der damals häufig
auftretenden Infektionskrankheit „Blattern“ (Pocken).
Seine zweite Frau: Die erste preußische Königin war
Sophie Charlotte von Hannover (Braunschweig – Lüneburg)
Geboren am 30. Okt. 1668 in Hannover, gestorben den 01.
Febr.1705. Sie wurde 37 Jahre alt. Der schiefe Kurprinz Fritz (27 Jahre alt)
heiratete sie 1684, als sie knapp 16 Jahre alt war. Für sie war das ein
schweres Los, da er, wie wir wissen, schon äußerlich wenig anziehend und auch
intellektuell recht unbedeutend war. Er blieb eben klein, bucklig, stets
kränklich, war aber ansonsten friedfertig. Sie hingegen war trotz ihrer frühen
Jugend bereits relativ umfassend gebildet sowie hoch intelligent und von vor
Kraft strotzender Gestalt. So versuchte sie eine „Nische“ für sich zu gewinnen
und ihr geistiges Leben möglichst unabhängig von höfischen Belangen zu
gestalten. Ein sehr ungleiche „Königliches Gespann“. Nach zwei Fehlgeburten
wurde am 14. August 1688 als Stammhalter Friedrich Wilhelm (I), der spätere
Soldatenkönig geboren, ein pummeliges, schwieriges, oft wütend aufbrausendes
Kind (manchmal ähnlich seinem Großvater dem Großen Kurfürsten, nur weit
ausgeprägter), „ein echter Satansbraten“, mit dem es zumeist keine reine Freude
war.
Froh wurde Sophie Charlotte im Schloss Lietzow / Lützow / Lietzenburg
/ Lützenburg, das sie ab 1695 auf halben Wege zwischen Potsdam und Berlin
gelegen, erbauen ließ und im Sommer 1699 beziehen konnte. Das Schloss wurde ihr
zu Ehren, allerdings erst nach ihrem Ableben, in Charlottenburg (heute in
Berlin-Charlottenburg befindlich) umbenannt. Während der König auf kulturellem
Gebiet, vorrangig an den bildenden Künsten interessiert war, beschäftigte sich
Sophie Charlotte auch intensiv mit Musik und Philosophie. Gottfried Wilhelm
Leibniz, der Universalgelehrte, war ein häufiger und gern gesehener Gast in
ihrem Schloss.
Als der sächsische Kurfürst 1697 die polnische Königskrone erlangte,
gelüstetet es auch unseren Friedrich III., den Brandenburger, verstärkt nach
einem Königstitel, was durch seine Souveränität über das damalige abseits vom
Brandenburgischen liegende Preußen (also das spätere Gebiet Ostpreußen) möglich
war. Dem deutschen Kaiser versprach er 5.000 Landeskinder als Kämpfer im
Spanischen Erbfolgekrieg, was die Zustimmung des Kaisers zur Königswürde des
Kurfürsten durchaus erleichterte. Am 18. Januar 1701 krönte sich unser schiefer
Fritz selber und anschließend seine 2. Frau Sophie Charlotte. Er regierte
sodann von 1701 bis 1713 als König Friedrich I in Preußen. Anlässlich seiner Krönung in Königsberg /
Ostpreußen (aha, daher also der Name Kaliningrad), baute man ihm schnell zu Hause
in Potsdam an das Schloss ein Fortunaportal, eine Hof-Pforte, als kleine
freudige Glücks - Überraschung für den Empfang bei der Heimkehr.
In der Kunst, die Geschicke des Staates zu lenken, konnte er
aber sowohl seinen „benachbarten Kettengliedern“ in der Ahnenreihe, dem Vater
versuchsweise nacheifernd, als auch dann dem Sohn, „nicht das Wasser reichen“.
Er gab sogar einen wesentlichen Teil der Staatsgewalt seinem früheren Erzieher
Dankelmann, weil er selbst für das Regieren weder viel Geschicke bewies, noch
große Lust dazu hatte. In trieben hingegen kulturelle und soziale Ambitionen, was
ja so schlecht auch nicht war. So gründete er 1694 die Universität Halle, 1696
die Akademie der Künste zu Berlin und 1700 die Akademie der Wissenschaften in
Berlin. - Was der Monarch nicht im Kopf und am Körper hatte, versuchte er mit
Prunk- und Prachtentfaltung auszugleichen.
Die dritte Frau des Fritzens war eine zauberhaft -
wunderschöne Prinzessin, letztes Kind unter fünf Geschwistern:
Sophie Luise von Mecklenburg – Grabow (Sie lebte vom 16. Mai 1685 bis zum
29. Juli 1735 und wurde somit 50 Jahre alt). Zum Zeitpunkt der Heirat am 28.
November 1708 war König Friedrich 51 Jahre alt und stand fünf Jahre vor seinem
Tode, Sophie Luise war 22 Jahre alt. Auf das Leben am Hofe mit dem Ältlichen, auf
die Vorschriften, die Etikette und vor allem die Intrigen, auf das alles war
sie in ihrer eher „ländlich freien, geraden Erziehung“ nicht vorbereitet. Diese
Lebensart überforderte sie, all das Höfische blieb ihr fremd. Bald zog sie sich
völlig vom Hofleben zurück und suchte Trost, nur noch in der Religion. Später
schickte man sie nach Schwerin zu den Eltern zurück, da sie im Kopf „seltsam“
zu werden begann. Sie soll sich von dieser Zeit des Hoflebens auch nie mehr
erholt haben. Eine der vielen unglücklichen königlichen Ehen. Welch ein Jammer!
Es folgt der Sohn
König Friedrich
Wilhelm I. (der vorgenannte Satansbraten). Seine Lebzeit währte
vom 14. August 1688 bis zum 31. Mai 1740 und er wurde somit 51 Jahre alt. Er
regierte von 1713 bis 1740. Friedrich Wilhelm war der einzige Sohn von Friedrich und Sophie Charlotte. Er war
der „Soldatenkönig“ mit „den langen Kerls“, seiner Repräsentations-Riesengarde.
Er war dabei fast der Einzige, der kaum einen Krieg geführt hatte. Ansonsten
sparsamst, schränkte er drastisch den Hofstaat ein, schaffte den Prunk und die
Schulden seines Vaters ab, hielt seinen Hof spartanisch, bis auf das Geld fürs
Militär. Bis auf 80.000 Soldaten stockte er die Armee auf. Oft war er jähzornig
bis brutal, später von der Gicht Schmerz geplagt.
Friedrich Wilhelm heiratete am 28. November 1706
seine Cousine
Sophie Dorothea von Hannover, die stolze Welfenprinzessin,
Tochter des englischen Königs Georg I. Sophie Dorothea lebte vom 26. März 1687 bis
28. Juni 1757. Sie wurde 70 Jahre alt. Bei der Hochzeit war sie 19, der Kronprinz
18 Jahre alt. Die königlichen Eheleute hatten miteinander 14 Kinder. Das 3.
Kind (Fritz) wurde der spätere Thronfolger (König Friedrich II. „Der Große“).
Von einer glücklichen Ehe konnte man trotz der Kinderzahl keineswegs reden.
Ständig litt sie unter seinem tyrannischen Wesen und seiner spartanischen
Hofhaltung – nur fürs Militär war ihm fast nichts zu teuer. Im Berliner Palais
Monbijou “dem Schmuckkästchen“ fand die Königin ihr kleines Refugium, das ihr später
auch zum Witwensitz wurde.
Des Königs Devise war die Einfachheit, das Gottvertrauen und
strenge Pflichterfüllung.
Viele deftig-derbe Späße wurden im Ministerzirkel betrieben.
Ruhestunden in den „Tabackskollegien“ in Königswusterhausen, später in der „Gloriette“,
dem Tabakshäuschen im Potsdamer Bassin oder auch im Jagdhaus an der
Parforceheide („Am Stern“).
1713 macht er Potsdam zur Garnisonsstadt mit etwa 1.500
Einwohnern. Im kleinen Nordischen Krieg 1715 konnte er Stralsund und Rügen
(vorerst für fünf Jahre) den Schweden abnehmen. Er schuf die Militär- und die
Zivilverwaltung. Erstmals ließ er tüchtige Soldaten zum Offiziersstand zu, auch
wenn diese nicht aus adeliger Familie stammten. Es beginnt „die Zeit des starcken
Bauens“ in Potsdam: 1722: Erste Stadterweiterung, da es innerhalb der Mauern zu
eng wird. 1724: Einbeziehung der Stadt in den Postkurs. 1731 – 1735: Bau der
Hof- und Garnisonkirche in der Breiten Straße. 1733: Beginn der zweiten
Stadterweiterung. Neue Soldatenunterkünfte in Bürgerhäusern (Kasernen kennt man
noch nicht). Schwierigstes Bauen auf mächtigen unterirdischen Baum-Pfählen im
sumpfigen Stadtgebiet. Typenhäuser mit wechselnder Detailgestaltung und
Anordnung entstehen. Die Stadtmauer mit Toren wird zur Einnahme der Accise
gebaut und ist gegen das Desertieren der Rekruten vor dem mörderischen militärischem
Drill äußerst nützlich, denn bis Sachsen war es sonst für Fliehende nicht allzu
weit. 1734 – 1742: Anlegen des Holländischen Viertels. Die Stadt zählt nun fast
12.000 Einwohner. Doch halt: 1740 tut Friedrich Wilhelm I. seinen letzten
Atemzug und die 53jährige Königin wird Witwe. Der Chef des Hauses wurde in
seiner Garnisonkirche beigesetzt, von dort nach 200 Jahren Ruhezeit, im 2.
Weltkrieg ausgelagert, über Etappen nach Marburg und später auf die Burg der
Hohenzollern bei Hechingen verbracht. Erst am 17. August 1991 kamen die Särge
von ihm und seinem Sohn, dem Alten Fritz, nach Potsdam zurück. Wilhelm I steht
seitdem liegend im Mausoleum an der Friedenskirche. Nahe seinem Gemüse- und Kräuteracker,
dem „Marly-Garten“.
Und noch immer keine Spur eines Parks von Sanssouci, obschon wir uns in diesem Gelände bewegen.
Der dritte Geborene und älteste lebende Sohn von Friedrich Wilhelm I und Sophie Dorothea,
Prinz “Friedrich“, vor Jahren gerade noch lebend dem väterlichen Gericht
entkommen, ergreift 1740 nach dem Ableben des Vaters, nicht sonderlich
glücklich, mit 28 Jahren „zum Ruder des Staatsschiffes“, ist somit nicht mehr
Kronprinz, sondern König.
Die Zeit Friedrich II.
(Fridericus Rex, Friedrich der Große),
von eher kleinwüchsiger Gestalt geprägt, soll viel später
vom Volke „Der Alte Fritz“ genannt werden). Er lebte von 1712 bis 1786, regierte
1740 – 1786 und wurde 74 Jahre alt.
Wir wissen, dass Friedrich II vorher als Kronprinz sein
Regiment in Fehrbellin hatte, später in Rheinsberg lebte, eher den Künsten und
philosophischen Betrachtungen zugeneigt war, denn mit ungeteiltem Herzen dem
Militär und dem Regieren.
Kronprinz Friedrich schrieb an seinen Vertrauten v. Grumbkow
schon bevor er seine künftige Frau überhaupt das erste Mal zu Gesicht bekommen
hatte: … wenn ich mich verheirate, werde ich gewiss ein schlechter Ehemann
sein, denn ich fühle in mir weder Beständigkeit, noch genug Liebe zum
weiblichen Geschlecht. Der bloße Gedanke an meine künftige Frau ist mir eine so
verhasste Sache, dass ich nicht ohne Abneigung daran denken kann.
Trotzdem: Am 12. Juni 1733 heiratete der 21jährige auf
Befehl des Vaters (auch gegen den Willen der Mutter) die 17jährige Elisabeth Christine von Braunschweig
- Bevern
(weil deren Vater ein tüchtiger Feldherr unter Wilhelm I
war). Geboren war sie am 08. November 1715 in Wolfenbüttel, als 3. Kind unter
15 Geschwistern. Während Elisabeth Christine ihren Gemahl schwärmerisch verehrt,
(„man muss ihn einfach lieben, wenn man ihn kennt“) machte sich Friedrich noch
nicht einmal die Mühe, seine Geringschätzung für die ihm aufgezwungene
Prinzessin zu verbergen. Nur der Schwiegervater, der die Prinzessin für seinen
Sohn bestimmt hatte, schien sie ohne Einschränkungen zu mögen. Die erste Zeit der
Ehe in Rheinsberg war für sie noch die angenehmste. Sie bemühte sich, ihre
Grundkenntnisse im Französischen eifrig aufzubessern, da man im Gegensatz zu
den Gepflogenheiten in ihrem Elternhause, am Rheinsberger Hof fast nur
französisch sprach und sie schon deshalb in eine Außenseiterrolle gedrängt
wurde. Fritz war dagegen wohl der kultivierten deutschen Sprache nicht so recht
mächtig – das aber zählte weniger.
Höfische Intrigen machten ihr auch zusätzlich bald schon
nach der Hochzeit das Leben schwer. Zudem hatte sie einen kleinen Sprachfehler,
der sie verunsichert und gehemmt auftreten ließ, bemühte sich aber, hatte ein
liebes Wesen, ein sanftes Gemüt und ein nur schwach ausgebildetes
Selbstwertgefühl. Ihr fiel es schwer, sich geschickt auszudrücken.
Unterhaltungen auf höherem Niveau waren ihre Sache nicht.
Als jedoch 1740 des Kronprinzen cholerischer, herber, gar
sehr gestrenger Herr Vater, Friedrich Wilhelm I starb, wurde Sohn Friedrich
recht plötzlich aus seiner ländlichen Idylle gerissen und hatte in Berlin und
Potsdam zu regieren. Ein künftiges Sanssouci sollte ihm etwas von der
rückliegenden Zeit bewahren. Zeiten sorgenfrei lieber als Privatier zu
verleben, zwar nur nahab aber gleich fern gerückt vom höfischen Leben, von der
Politik und dem Militär, das waren seine Wünsche. (Diese Wünsche und Wesenszüge
sollten sich aber in der Zukunft stark ändern). Vorerst bestand sein Vorhaben,
es solle für ihn in Potsdam baulich alles ähnlich werden wie in Rheinsberg –
nur schöner.
Nach dem Ableben ihres Schwiegervaters (der „seine Hand
schützend über Elisabeth Christine gehalten hatte“) erhielt sie vom
König-Gemahl das Schloss Schönhausen „geschenkt“, um darin schön (allein)
hausen zu können (zu müssen) und fast nur noch schriftliche Befehle. „Ganz fort
mit der Gans“, sagte er. Schloss Schönhausen (heute Berlin-Pankow,
Niederschönhausen) wurde quasi zu ihrem Verbannungsort So sollte es auch für die
vor ihr liegende Zeit der 46 „Ehejahre“, bis zum Tode von Friedrich II.
bleiben.
1744 – 1752: Erneuter modernisierender Umbau des
Stadtschlosses am Alten Markt im Potsdamer Stadtzentrum. Im Wesentlichen ist es
der letzte bis zum Abriss nach dem 2. Weltkrieg (1959 / 60).
Selbst nach Sanssouci wurde Elisabeth Christine nicht
eingeladen. An keinem der Familienfeste durfte sie teilnehmen. Das Ehepaar hatte
keine Kinder. Erst nach dem Ableben des Königs im Jahre 1786, lebte sie wieder
auf und konnte an Familientreffen teilhaben. Friedrich Wilhelm der II., Neffe
des just verstobenen Königs Friedrich II., ließ ihr die Ehren zuteil werden,
die der Gemahl ihr als „regierende Königin“ zeitlebens verwehrt hatte. Am 13.
Januar 1797 starb sie 81jährig in Berlin. „Jenseits wird mir wohler sein“,
stand zum Schluss in Ihrem Tagebuch.
Doch nun zu den Bauten:
1745 – 1747 Schloss
Sanssouci
Wie wir alle wissen, wurde das „Schloss Sorgenfrei“ auf
einem sandigen Weinberg (diesem „Quarzboden“ mit niedrigster Ackerwertzahl) errichtet,
der sich zwischen der Residenz-Stadt Potsdam und dem Dorfe Bornstedt befindet.
Dazu wurde die Kuppe des Weinbergs samt seiner Winzerhütte abgetragen, der
Südhang in sechs hohe Stufen terrassiert und auf dem nun vorhandenen Plateau
das Schloss errichtet, „hochkünstlerisch aus dem Boden gestampft“, denn der
Grundstein wurde am 14. April 1745 gelegt und am 1. Mai 1747 fanden bereits die
Feierlichkeiten der Einweihung statt. Zeitgleich mit den Arbeiten am Schloss,
begannen die Arbeiten an der Gartenanlage. Das begab sich während des zweiten
Krieges um Schlesien.
(Genau 100 Jahre später, ab 14. April 1845 bis 1847 wurde
die neue Hofkirche im Park, die „Friedenskirche“, errichtet und weitere 100
Jahre später, in der Nacht des 14. April 1945 fiel die Potsdamer Innenstadt
samt Stadtschloss und den drei, die Stadtsilhouette prägenden Hauptkirchen
(Garnisonkirche, Nikolaikirche und Heiligengeistkirche) im Bombenhagel und den
darauf folgenden Artillerie-Einsätzen in Schutt und Asche.)
Doch wieder rückwärts in der Zeit: Die Baugestalt des Weinberg-Schlosses
per Skizze großzügig von königlicher Hand hingeworfen, bestimmte der Bauherr
Friedrich II. Wer sonst.
Architekt, Baukonstrukteur und Formgestalter war Georg Wenzeslaus
von Knobelsdorff
(17. Februar 1699 – 1753), in seiner Zeit schlicht als
Baumeister bezeichnet (heute wäre er einer der Star-Architekten). Gewiss gab es
auch manche Diskrepanzen zwischen Bauherrn und Baumeister, die den Letzteren
später für die restliche Lebenszeit in deutliche Ungnade verstießen. So wollte Freiherr
v. Knobelsdorff zum Beispiel das Schloss gern auf ein kleines Postament
stellen, unter anderem deshalb, damit man es vom Fuße des Weinbergs in voller
Schönheit sehe und nicht der „tote Blickwinkel“ das Unterteil optisch
abschneide und damit der Monarch auch weniger kalte Füße bekäme. Der Herrscher
jedoch bestand darauf, dass der Kasten direkt in den Sand gesetzet werde. (Bitte
schön). Letztendlich wurde es ein vollendet hochbarocker Bau, somit ein
Rokokoschloss, errichtet unter der Leitung von Dietrich v. Bühring und
Hildebrandt.
Heute betrachten wir in der 12zimmerigen Anlage, die
Ankleide-, Wohn-, Arbeits- und Empfangsräume, die Gästezimmer, die Zimmerflucht
der Damen und die Schlossküche.
Im Schlosse finden wir bildende Meisterwerke, unter anderen
von Watteau, Pannini und Pesne. Doch der Platz für die gefüllten Bilderrahmen
reichte bei weitem nicht aus. So schien es unerlässlich, bald die Bildergalerie
einzurichten. Doch davon erst später.
Auf der obersten Terrasse nahe dem Ostflügel mit der Küche
befindet sich des Königs einfache Grabesgruft, der unsichtbare Zugang mit einer
liegenden Steinplatte geschlossen, nicht etwa an der Seite seiner Frau, sondern
in der Nähe seiner geliebten Windhunde, die ähnlich andenkend bestattet wurden,
unweit einer schönen Floraplastik. Diese Grablegungs-Stelle hatte er bereits
1744, also im Alter von 32 Jahren bestimmt. Jedoch wurde er nicht seinem Vermächtnis
entsprechend 1786 darin bestattet, sondern nach einer Odyssee erst am 17. August
1991, am 205. Todestag bei Fackelschein, um Mitternacht. Bis zu jenem Zeitpunkt
ruhten dort vorerst brav die Hunde, wartend auf ihren Herrn und Meister.
Zur Südseite, zum Park, ist das Schloss mit seinem ovalen,
12m hohen zentralen Kuppelbau, als ein Tempel des Weingottes Bacchus gestaltet:
Lieblich verzieret mit Weinlaub und weiblichen wie männlichen dem Vino
zusprechenden Bacchanten, von Friedrich Christian Glume am Orte der Baustelle aus
dem Marmor getrieben. Der Blick schweift weit über den nach französischem
Geschmacke angelegten Parkteil, zu dem 132 Stufen über die Terrassen hinab
führen. An die bereits damals schöne Gestaltung des Weinberges erinnern heute
Feigen (früher heimisches Obst) hinter Glas und die Rebstöcke.
Zur Nordseite des Schlosses jedoch öffnet sich der halbrunde
Ehrenhof, von Kolonnaden, von Säulengängen mit 88 Säulen begrenzt. Das Haus,
auf dieser Seite eckig, preußisch nüchtern, den Staatsempfängen die äußere steife
Form verleihend, ist nur auf steilen, eher als unbequem zu bezeichnenden
Anfahrten erreichbar.
Ein Blick auf den gegenüber liegenden Hügel zeigt uns künstliche
Ruinen (v. Knobelsdorff und Bellavite), die wie trauernd an das Vergängliche
der Zeit gemahnen. Sie umsäumen das Wasserspeicherbecken, dessen Flüssigkeit
wie unter artesischem Drucke den lieblichen Springbrunnen und den gewaltigen
Fontainen zu einem sprudelnden Anblick verhelfen sollte, was bei letzteren aber
nicht so recht erreichbar war. Schon das Wunder, ausreichende Mengen des Wassers
auf diesen Ruinenberg zu bringen, stellte eine damals unbeherrschbare Kunst
dar. Also kein Wunder: Der damalige Hausherr konnte sich seiner mächtigen
Fontänen somit allein in der Phantasie erfreuen, sah ansonsten aber nur das
Stück Rohr, aus dem es mal plätscherte und bestenfalls ab und zu „Blubb“ machte
oder so ähnlich. Denn zu seiner Zeit fielen nur stets erneut Wasserkünstler mit
ihren Wasserschöpfanlagen, vor allen aus dem niederländischen Sprachraum
kommend, in Ungnade, die nach der Ausschreibung der Leistung, vom hohen
Preisgeld gelockt, wahrsagerisch eine blendende Fontänenzukunft verhießen, aber
an dem Prüfstein, namens „Praxis“, kläglich scheiterten.
Ein Zeitvorgriff: Solches änderte sich erst im darauf folgenden
Jahrhundert, nachdem die Dampfmaschine erfunden ward und eine derartige im
Wasserwerk „Moschee“ ab Oktober 1843 tätig wurde. Höchst überraschend, wie von
Zauberhand bewegt, boten nun die durch Maschinenkraft in Sprudelbewegung gesetzten
Wasserkünste eine bislang noch nicht bekannte anmutige Abwechselung. Solches
konnte der „Alte Fritz“ aber eben nicht erleben.
Im Gartenparterre am Fuße des Schlossberges, gliedern sich
vier Rasenflächen um die Große Fontäne vor dem Schloss, in einer erweiterten
Ausformung des Hauptweges, datiert ohnehin erst mit dem Jahr der Errichtung des
größeren Beckens 1842, nachdem dieses den kleineren Vorgänger ablöste. Die
Große Fontäne erreicht bei voller Leistung der Pumpen,
40 m Höhe, so dass der höchste Punkt des aufschießenden
Strahls mit der Dachhöhe des Schlosses eine angenommene Waagerechte bildet. Umgeben
ist das Fontänenwasserbecken von den Göttern des Olymp: Venus, Minerva, Jupiter,
Mars, Merkur, Juno, Diana und Apoll nebst den figürlich dargestellten Elementen:
Erde, Wasser, Luft und Feuer. Des Weiteren, auf fast 10 m hohen Säulen,
umstehen Venus (schon wieder), Apoll, Bacchus und die Hoffnung das Becken. Es
sind marmorne Plastiken der Gebrüder Adam und des Franzosen Pigalle. Dessen
Dienstherr, Ludwig XV. von Frankreich, schenkte sie (also die Figuren) dem
Fritz im Jahre des Herrn 1748.
Der Hauptausgang am
Großen Obelisken. (Das Obelisk-Portal)
An dieser Stelle kann man aber auch in den Park eintreten. Das
Portal wurde von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Friedrich Christian
Glume geschaffen. Obelisken dienten der Kennzeichnung der Residenz, des
Herrschersitzes. Diesem hier obliegt aber eine Schmuckfunktion mit seinen 74
Fuß Höhe. Er ist mit ornamentalen Relief-Elementen ausgestattet, die man als Hieroglyphen
bezeichnete. Da man aber damals in Deutschland noch keine Hieroglyphen lesen oder
schreiben konnte, ist diese Darstellung eine unlesbare Zierde und damit etwa soviel
von praktischem Wert, als wolle man die Oberfläche eines Mohnbrötchens abtasten
und nach der Methode des Herrn Braille in die deutsche Sprache übersetzen.
An diesem Aus- und Eingang, dem vergoldeten Eisengitter,
endet der schnurgerade Hauptweg des Parks in West - Ost - Richtung. Das Portal
wird von den Göttinnen Flora und Pomona flankiert. Ein nahe gelegenes Wege - Rondell
zeigt die Köpfe von sechs Mohren, die König Friedrich II im Jahre 1742 von
einem französischen Kardinal erwarb.
Das Schloss „Neue
Kammern“
wurde 1747 von v. Knobelsdorff für den winterlichen
Aufenthalt von Orangenbäumchen und anderen klimatischen Sensibelchen gebaut
aber im Sommer als Theater und Singspielstätte genutzt. Da es der Gäste für
König F II aber viele gab, wurde es zwischen 1771 und 1774 von Georg Christian
Unger als Schlosshotel umgebaut, mit einem Jaspis-Saal im Zentralbau, den
Intarsienkabinetten der Gebrüder Spindler und der Ausstellung der Veduten
Potsdams (gemalten Ansichten, die in der gebauten Natur noch nicht vorhanden
waren, bzw. so auch später nicht in jedem Falle ausgeführt wurden). Im Ostflügel
befinden sich Gesellschaftsräume, im Westteil Gästezimmer, jedoch keine Räume,
die so aussehen, wie man sich im gut bürgerlichen Sinne eine „Kammer“
vorstellen mag. Diese Prunkgebäude sind alle relativ niedrig gehalten. Die
Gebäude repräsentieren nicht durch Bauhöhe ein Vormachtsstreben des Monarchen,
sondern eher Zurückhaltung, den Versuch der Eingliederung in die natürliche
Umwelt.
Das
Gartendirektionsgebäude
Dieses hatte v. Knobelsdorff eigentlich als Gärtnerhaus
geplant. In ihm arbeitete auch Peter Joseph Lenné, der begnadete Garten- und
Landschaftsgestalter, mit seinem Mitarbeiterstab. Vor der Hauptfront steht auf
der Wiese die Statue Friedrich II.
Die Neptungrotte
Sie wurde 1753 ebenfalls von W. v. Knobelsdorff entworfen –
die letzte Arbeit im Leben des großen Baumeisters, der im gleichen Jahr starb
und die Grottenvollendung nicht mehr erlebte. Die inneren Wände des
höhlenartigen Raumes sind mit Muscheln belegt, deren Perlmutt das einfallende
Tageslicht farbig schillernd reflektieret. Auf dem Gebäude steht Neptun aus
Marmor vom Potsdamer Bildhauer J. P. Benckert geschaffen, ebenso wie die zwei
liegenden Meeresjungfrauen zu seinen Seiten, aus deren Krügen Wasser sprudelt,
zwei Kaskadenwasserfälle bildend, über vier Etagen marmorner Wasser-Muschelschalen
nach unten stürzend. Auch dieses Wasserspiel war weise voraus erdacht. In
Funktion aber konnte es erst gesetzt werden, wir wissen es schon, nachdem die
Dampfmaschine erfunden war, die für den Druck sorgte, um das Wasser vorerst bergauf
fließen zu lassen.
Das Chinesische Haus,
oft auch das chinesische Teehaus oder das Japanische Teehaus
genannt, wurde(1754 – 1756) im Zuge der „China-Mode“ unter der Leitung des
Baumeisters Johann Gottfried Büring aufgeführt und in der edlen Farbkomposition
grün und gold bekleidet. Vom kreisförmigen zentralen Salon gehen drei Kabinette
ab, mit offenen Vorhallen. Der Salon zeigt prächtige große Vasen. Die Vorhallen
vermitteln einen mählichen Übergang vom Bauwerk zur Natur.
Das belebende Getränk müssen wir uns heute in der
Thermoskanne mitbringen, denn der exotische Beiname rührt nur von den
lebensgroßen Figuren her, von denen einige ein Schälchen in den Händen halten,
andere aber Musikinstrumente. Auf dem „Zeltdach“ des Pavillons aus Kupferblech
mit künstlichem Patinaanstrich, sitzt ein Mandarin unter dem Sonnenschirm (von
Giese). Asiatische Touristen erkennen sich oder ihre Vorfahren in diesen
Figuren allerdings nicht so recht wieder. Offenbar hatten die Bildhauer ihren
Marco Polo nicht hinreichend studiert und so viele lebende anschauliche
asiatische Modelle und Models wie heute, waren damals in Potsdam auch nicht
zugange. Eine Dienstreise gen Morgen, ins Reich der Mitte, zum Studium des
Aussehens dieser Menschen, mit Deckung von Kosten aus der königlichen Schatulle
oder Portokasse, gestattete Friedrich II den Bildhauern dann doch nicht. Das
Ergebnis sehen wir. Als Erkennungshilfe sind die Figuren vor dem Hause
zumindest schon mal gelb. Der echte Parkführer spricht an dieser Stelle
allerdings stets von einer reichen Blatt-Vergoldung. Der Goldgehalt der Figuren
schwankt allerdings, da es immer wieder Touristen gibt, die z. B. Goldfinger so
sehr lieb haben, dass sie sich welche für die Verschönerung ihres Zuhauses
abbrechen müssen. Die Sandsteinbildhauer in Sanssoucis mineralochirurgischen
Werkstätten können kaum so viele Extremitätenteile nachmodellieren. Vom
steigenden Goldpreis mal ganz zu schweigen. Alle Figuren stammen von den Bildhauern
Johann Peter Benckert und Heymüller (ab).
Zeitgenössisch diente der Bau oft als Sommer-Speisesaal und
war deshalb mit einem kleinen Küchengebäude vermittels einer Brücke nach
asiatischem Geschmacke verbunden.
Die Bildergalerie
Erbaut 1755 – 1763 von Landbaumeister Johann Gottfried Büring.
(Er kehrte 1764 der Stadt Potsdam den Rücken). In jener Zeit war es wohl
einzigartig: Ein extra Haus im Schlossgewande errichtet, nicht um darin zu
leben, sondern nur, um dort etwa 124 Bilder aufzuhängen. Wohl der erste Museumsbau
eines Herrschers in deutschen Landen.
Wir finden dort niederländische, französische und
italienische Barockmalerei, u. a. von Peter Paul Rubens, Reni, Caravaggio, van
Dyck, Vasari und Tintoretto sowie Terbrugghen, Jan Lievens und de Gelder.
Der mittige Kuppelbau gliedert das Gebäude in zwei Flügel.
Vor dem Bauwerk zeigen sich 18 Marmorstatuen, die verschiedene Künste, wie auch
mehrere Wissenschaften darstellen. Unter der Terrasse der kleine Holländische
Garten, der von einem Laubengang begrenzt wird, die Terrassenansicht mit
Muscheln geschmückt, die Treppe von Puttengruppen und Vasen flankiert. Den
vormaligen Gemüseacker verwandelte Heydert in einen Ziergarten. Einige Schritte
weiter auf der Hauptallee in Richtung Westen stoßen wir auf ein Rondell: Das
Oranier-Rondell zeigte Marmorbüsten aus dem Herrscherhaus von Oranien, ein
steinernes Gedenken an die Zeit des Urgroßväterchens, des Großen Kurfürsten.
Das Neue Palais am Ende der knapp 2,5 km langen
Hauptallee.
Diese Gebäude benötigte man schon ursprünglich gar nicht
unbedingt. Es ist das größte und letzte Prunk-Gebäude aus der Regierungszeit
Friedrich des Großen. Der König selbst bezeichnete es als “Fanfaronnade“, als
Fanfarensignal: „Seht her, hier sind wir Preußen als europäische Großmacht mit
ungebrochener (finanzieller) Kraft“! Es gilt als Prahl-Fritz-Bau, da er es
durchsetzte, dieses Pracht-Bauwerk nach dem Siebenjährigen Krieg, dem dritten
Schlesischen Kriege, nach dem Hubertusburger Frieden zu errichten, obwohl auch Preußen
an Menschen und Geldmitteln verarmt und ausgeblutet war, Hunger in der
Bevölkerung herrschte. Von 1763 – 1769 währte die Bauzeit unter Johann Gottfried
Büring, Heinrich Ludwig Manger (1728 – 1790) und dem Carl Philipp Christian von
Gontard aus Bayreuth. Aber bereits im Juli 1768 weihte man es ein. Die Wohnung
des ungeduldigen Königs ward sogar bereits 1765 bezogen. Ausgestattet wurde der
Palast mit der Königswohnung, mit Gästewohnungen für viele Verwandte und gute
Bekannte, mit Festsälen, wie dem Muschelsaal, dem Grottensaal, der
Pesne-Galerie, dem Schlosstheater – insgesamt mit etwa 300 Räumen. Die Arbeiten
der Innenausstattung lagen hauptsächlich in den Händen von Johann Christian
Hoppenhaupt. 12 Haupt-Bildhauer, darunter Johann Peter Benckert, Johann Matthias
Gottlieb Heymüller, die Brüder Johann David und Johann Lorenz Räntz sowie
Johann Christoph Wohler d. Ä. schmücken das Gebäude mit 428 überlebensgroßen
Sandsteinfiguren. 322 sehr hohe Doppel-Fenster gilt es beim Großreinemachen zu
putzen. Der Bau hatte damals etwa 3 Millionen Taler gekostet. Heute fällt es
schwer, die Finanzmittel für das bauliche Erhalten aufzubringen.
Eine zeitliche Vorausschau: Von 1856 an bewohnten der Kronprinz
Friedrich (der spätere Kaiser F. III) mit seiner englischen Frau Victoria (Vicky)
und den Kindern das Neue Palais. Während dieser Zeit benannte das Paar den Bau
in „Friedrichskron“ um. Schön. Die spätere Regierungszeit währte vom 09. März
1888 – 15. Juni 1888, als Kaiser für 99 Tage.
Und noch ein großer Kraftakt:
Die Communs oder Kavaliergebäude dem Neuen Palais gegenüberstehend. Zwei
Monumentalbauten verbunden mit geschwungenen Kolonnaden und einem mittig
eingefügten Triumphbogen, diente der Unterbringung der Hofdamen, Kavaliere und „Schranzen“
sowie zur Aufnahme des Küchen- und Wirtschaftstraktes für die Versorgung der
Menschen in der riesigen benachbarten Wohnmaschine, des „Palais“.
Die Communs wurden 1766 – 1769 nach Entwürfen und unter der
Leitung von Le Geay und Gontard gebaut. Hinter den Bauten begann das sumpfige
Ödland gegen Eiche und Golm. Die Gebäude versteckten jenes vor dem Auge des lustwandelnden
Schlossgastes.
Der Neue Palast wurde durch einen später gegrabenen
unterirdischen Küchen-Gang mit den Wirtschaftsgebäuden der Communs verbunden.
Der Antikentempel
1768 wurde dieser geschlossene Rundbau von Gontard und
mehreren Maurern und Zimmerleuten sowie Dachdeckern ausgeführt. Er enthielt die
berühmte Antikensammlung des Königs, Münzen und Gemmen – nicht von ihm selbst
gesammelt, sondern dem Baron von Stosch abgekauft.
Seit 1924 dient der Tempel als Mausoleum der Kaiserin
Auguste Viktoria, Gemahlin des letzten Kaisers, Wilhelm II. (und bedarf
dringend einer Schönheitskur. Der Tempel).
Der Freundschaftstempel
Ebenfalls 1768 errichtet, zum Andenken an die
Lieblingsschwester des Alten Fritzen, der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth
(gest. 1758). Sie sitzt dort als Statue, lesend mit einem Bologneser Hündchen
auf dem Schoße. Der Tempel ist gänzlich aus italienischem Marmor gefertigt, mit
kupfernem Dache. An den korinthischen Säulen befinden sich Medaillons römischer
und griechischer Freundespaare.
Das Drachenhaus, einer chinesischen Pagode
nachempfunden.
1770: Bau des zwischen dem Belvedere auf dem Klausberg und
der Orangerie stehenden Gebäudes, nach dem Entwurf von Christian Unger, nahe
gelegen einer Doppel-Allee prächtiger Linden von der Krim. (Heute beherbergt das
Drachenhaus eine Gaststätte).
Das Belvedere (Haus
der schönen Aussicht)
auf dem Klausberg
aber auch als Weinberg - Lusthaus geschätzt. 1770 – 1772
gestaltet von Georg Christian Unger. Ein mit rotem Jaspis ausgezierter Saal, sparsam
möbeliert, kunstvolle Marmorarbeiten und ebensolche Holz- und
Stuckverarbeitung, Deckengemälde: Vögel in luftiger Höhe. 1945 total zerstört,
erfolgte 1991 und 1992 die Generalerneuerung.
Die Historische Mühle,
eine Holländer-Galerie-Windmühle,
neben den „Neuen Kammern“, nahe dem Schloss Sanssouci gelegen.
1787-1791 von van der Bosch errichtet (also von dem Manne,
der vorher im Busch / im holländischen Walde hauste, bevor er in Potsdam eine
Wohnstätte erhielt). Diese Mühle brannte im letzen Kriegsjahr 1945 ab und wurde,
als das nötige Kleingeld zusammengekratzt war, 1993 zur 1000-Jahr-Feier Potsdams
originalgetreu wieder aufgebaut, als ein produzierendes „Denkmal“. Von der
Aussichtsgalerie und den Fenstern im Obergeschoss haben wir einen schönen
Ausblick in Potsdams wald- und wasserreiche Umgebung.
Die Zeit des Königs
Friedrich Wilhelm des II.
Sein Erdendasein währte von 1744 bis 1797 und er tat so, als
ob er von 1786 bis 1797 ernsthaft regiert habe. Er war einer der Neffen des kinderlosen
Königs Friedrich II., Sohn von dessen jüngerem Bruder August Wilhelm.
Nun also der Wilhelm, der Galan, der Lebemann. Schon als
junger Kronprinz kannte er viele Mädchen, die ihm Freuden bereiteten. Kannte
er, der auch sehr der Musik und dem Theater zugeneigt war, viele der Schauspielerinnen
in- und auswendig. Schon Onkel F II. meinte, wenn er selbst nicht mehr
König sei, würde in Berlin, Potsdam und Umgebung ein noch lustigeres Leben
anheben und der Schatz (des Staates) verschleudert werden. So unrecht hatte der
Hellseher nicht. König Friedrich II. wollte dem prinzlichen Lotterleben ein
Ende bereiten und suchte dem Neffen eine Ehefrau aus (warum sollte es dem denn
besser ergehen, als er es selber erlebt hatte?) und verordnete die Hochzeit zum
14. Juli 1764, im Schloss Charlottenburg. Punktum. Ausgewählt hatte er unter
seinen Nichten die
Elisabeth, Herzogin von Braunschweig – Wolfenbüttel, die sogar die Vorzüge hatte, hübsch, lebhaft und geistreich zu
sein! Trotzdem: Seine Hochzeit, als auch die Geburt der ersten Tochter, waren
für ihn, den Kronprinzen, kein Grund, sich von Wilhelmine Encke, der
schwarzgelockten Tochter eines seiner Waldhornisten zu trennen, die er ein Jahr
vor seiner Hochzeit, sie erst 14jährig, näher kennen gelernt hatte und deren
Bildungsweg, selbst am Pariser Hofe, er sehr förderte. Da er sie nicht
heiraten konnte, wurde sie seine liebste Mätresse. Diese hielt ihm auch über 30
Jahre, bis zu seinem Tod die Treue und auch sie empfing von ihm ganz liebe Kinder.
Friedrich Wilhelm ließ das Marmorpalais im „Neuen Garten“ am Heiligen See
errichten und wohnte dort auch.
Was Kronprinz Friedrich Wilhelm ständig tat, sich mit
anderen zu vergnügen, versuchte nun auch die junge, von ihm aber
vernachlässigte Kronprinzessin Elisabeth – für sie als Frau, war das jedoch ein
folgenschweres Vergehen. Außerdem bestand ja die Gefahr des unerkannten Einschleusens
eines Bastards als königlichen Thronfolger, was letztendlich 1769 zur Auflösung
der Ehe führte.
Trotz engster Verbindung zu Wilhelmine Encke, der später
verscheinehelichten Frau Ritz (oder auch Rietz), musste Friedrich Wilhelm aber
erneut heiraten, um den Weiterbestand der Hohenzollern – Dynastie zu
gewährleisten. „Man“ wählte also die zweite Ehefrau nicht der Liebe wegen,
sondern weil es nun mal sein musste. Mehr der Einfachheit halber, der geringen
Suchumstände wegen, traf die Wahl auf
Friederike Luise von Hessen – Darmstadt, geboren am 10. Oktober 1751 in
Prenzlau, (gest. 1805 in Berlin), die weder schön noch vom Intellekt her beanspruchbar
war. Kaum konnte sie mit Charme und Esprit brillieren. Man sagte ihr
Haltungsschwächen und einen nur subtil ausgeprägten Ordnungssinn nach, gestand
ihr aber immerhin „ein gutes Herz“ zu. Sie heiratete Friedrich Wilhelm also mit
17 Jahren. Auch wieder am 14. Juli – wie praktisch. Der Bräutigam brauchte sich
keinen neuen Hochzeitstag merken, allerdings schrieb man inzwischen das Jahr
1769. Am 03. August 1770 wurde ihr erster gemeinsamer Sohn, der spätere König
Friedrich Wilhelm III. geboren. Es folgten sechs weitere Kinder. Trotzdem stand
Kronprinzessin Friederike Luise stets im Schatten anderer schöner Frauen. So war
auch später gerade die Königin, eben schon wieder die Königin, in der
Öffentlichkeit, beim Volke, kaum bekannt, denn beliebt. Die Bildung der Kinder
lag in der Hand von Erziehern, die Onkel König Friedrich II. auswählte und
Kronprinz Friedrich Wilhelm zog ohnehin seine Kinder von Wilhelmine Encke vor. Friederike
Luise war dem Kronprinzen ziemlich gleichgültig geworden. Da dieser inzwischen
auch von Julie Voß entflammt war, stimmte der inzwischen betagte König notgedrungen
zu, die prinzlichen Eheleute etwas voneinander abzurücken (ohne Scheidung).
Damit war die Ehefrau unter Erhalt einer großen Abfindung, mit der sie ihren
Schuldenberg abtragen konnte, einverstanden. Sie erhielt als Wohnort und
späteren Witwensitz das Schmuckkästchen „Monbijou“ im Herzen Berlins. Dort
verbrachte sie meistens ihre Tage, hielt sich aber auch oft zu Kuren in Bad
Freienwalde auf. Sie starb am 25. Februar 1805 an den Spätfolgen eines frühen Schlaganfalls
und wurde 54 Jahre alt.
Die hohe Geistlichkeit wurde nunmehr gedungen, dem Friedrich
Wilhelm, die Julie
Voß aus der
unmittelbaren Kammerdamenumgebung als bisher nur offiziöse dritte Ehefrau „zur linken
Hand“ anzutrauen. Das geschah 1787 ein Jahr nach dem Tode des alten Fritzens,
doch diese Ehe dauerte nur knapp zwei Jahre, weil Julie bald nach der Geburt
des ersten Sohnes an Tuberkulose starb.
Aber auch weiterhin wurde mehrlich getrunken, sich
ausschweifenden ungezählten Lustbarkeiten hingegeben, dem Theater und den
Liebchen gefrönt, weniger gebauet und regieret oder gar den Staatsschatz
erhöhet. Zumindest ließ der neue König in Potsdam das Schauspielhaus (die
„Kanaloper“) „zum Vergnügen der Einwohner“ und weitere Theater bauen. Die
Ausgaben bestritt der Hof, das bedeutete, auch die einfachen Bürger konnten
unter diesem Regenten erstmals in ein Theater gehen, völlig kostenlos.
Derweil beeinflusste Wilhelmine Encke das Regieren ziemlich deutlich und auch den Friedrich
Wilhelm positiv. Friedrich Wilhelm erhob Wilhelmine Encke / Ritz bzw. Rietz
1797, mit 40 Jahren, in den Stand einer „Gräfin Lichtenau“ und schenkte ihr
eine Villa. (Palais Lichtenau, Potsdam, Behlertstraße 31). Ihre Kinder adelte
er ebenfalls (Alexander von der Mark). Wilhelmine Encke war es auch, die den im
Alter kranken König aufopferungsvoll pflegte.
Anmerkung: Das berühmte Brandenburger Tor in Berlin entstand
in den Jahren 1788 – 1789 (Carl Gotthard Langhans, 1733 – 1808). Hinzu gefügt
wurde fünf Jahre später die Quadriga (von Johann Gottfried Schadow, 1764 –
1850). Ganz Preußen erlebte während der Regierungszeit Friedrich Wilhelm des
II. einen mächtigen kulturellen Aufschwung.
Die Zeit des Königs
Friedrich Wilhelm III.
Sohn von Friedrich Wilhelm II und Friederike Luise. Er regierte
von 1797 – 1840, lebte von 1770 bis 1840, wurde also rund 70 Jahre alt und überlebte
seine mit 34 Lebensjahren schon früh verstorbene erste Frau dabei um 30 Jahre. Vom
Wesen her zeigte er sich wortkarg, sehr ordentlich in Körperpflege und Kleidung
(fast pedantisch), war stets pünktlich aber in politischen Sachfragen sehr
zögerlich, unentschlossen. Er heiratete die 17jährige Luise von Mecklenburg – Strelitz
(1776 – 1810). Die Ehe der beiden galt als natürlich, fast eher bürgerlich, mit
liebevollem Umgang.
Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Mecklenburg – Strelitz
Sie wurde geboren am 10. März 1776 in Hannover, als sechstes
Kind von 10 Geschwistern. Als Luise sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter im
Wochenbett, so dass Luise dann mit den Geschwistern bei ihrer Darmstädter
Großmutter aufwuchs.
Heirat mit 17 Jahren am 24. Dezember 1793. Beim Einzug in
die Berliner Residenz wird das Kronprinzenpaar begeistert gefeiert, da sie sich
freundlich und natürlich gaben. Hatte die Bevölkerung doch die regierenden
Königinnen der vorigen beiden Monarchen kaum zu Gesicht bekommen, konnte sich
kaum eine blasse Meinung bilden. Nach der Hochzeit führten die beiden als
Anrede zum ersten Male das „Du“ ein, was bisher in Herrscherkreisen nicht
üblich war. Luise wird in ihrem kurzen Leben, in ihrer nur 16jährigen Ehe zehn
Kindern das Leben geben. Der erste Sohn wird am 15. Oktober 1795 geboren (der
spätere König Friedrich Wilhelm IV.), der zweite Sohn am 22. März 1797 (als
späterer König / Kaiser Wilhelm I.).
Glückliche Tage verlebt das Paar im Gutshaus Paretz, nahe
Potsdam, entfernt von höfischer Etikette. Feste werden mit der Dorfbevölkerung
gemeinsam begangen. Treffen in Memel mit dem 24jährigen Enkel von Katharina der
Großen, der als Zar Alexander von Russland den Thron der Romanows bestiegen
hatte. Zu Pfingsten 1804 besucht das Paar den Potsdamer Eichberg, der von
diesem Zeitpunkt an „Pfingstberg“ genannt und später mit einem Belvedere
gekrönt wird. Luise kommt in Weimar wieder mit Goethe und auch mit Schiller
zusammen (schon in Jugendtagen verbrachte sie Zeiten bei Goethes Mutter, Frau
„Aja“). Sie las viel mit großem Bildungshunger, weil die höfischen Tage
ansonsten auch recht einförmig verliefen. Der König verfolgte diese
intellektuelle Weiterentwicklung wohl mit Unbehagen, weil er doch geistig von etwas
einfacherer Natur war als seine Königin, auch melancholisch, etwas
verschlossen, ein Unbeständiger, ein Unentschlossener, der sich zwangsläufig eher
dem Militär und der Verwaltung, als der Kunst und Literatur zuzuwenden hatte.
Als schicksalhaft zeigte sich mit ihren Auswirkungen die
Besetzung Preußens durch die französische Armee unter Napoleon Bonaparte I. im
Jahre 1806. Die Königsfamilie flieht nach Königsberg. Begegnung der Königin
Luise mit Napoleon in Tilsit, um eine Schonung Preußens auszuhandeln. Napoleon hat
für Luise nur einen charmant gehaltenen Spott übrig. Besonders in dieser Zeit
zeigte sich Luise aber als couragierte Patriotin, wesentlich stärker auftretend,
als der König. Luise ist aber den Belastungen, oft von Erkrankungen und
Stimmungsschwankungen begleitet, auf Dauer nicht gewachsen. Nach zwei Jahren
des Exils in Königsberg, gestattet es Napoleon, dass die Königsfamilie im
Dezember 1809 wieder zurück nach Berlin reisen darf.
Am 10. März 1810 wird Luises 34. Geburtstag gefeiert. Der
junge Heinrich von Kleist hatte für sie und diesen Tag ein Gedicht verfasst. Im
Juni reist die kranke Königin nach Neustrelitz, um Vater und Schwester zu
besuchen und anschließend einige Tage in Hohenzieritz am Tollense-See zu
verbringen. Dort nahm die Krankheit mit verschleppter Lungenentzündung,
Kreislaufstörungen und Ohnmachtsanfällen so dramatisch zu, dass die beliebte
junge Königin am 19. Juli 1810 verstarb. Später wurde sie im Mausoleum des
Schlosses Charlottenburg beigesetzt.
Vierzehn Jahre nach Luises Tod ging Wilhelm III. im Jahre 1824
eine zweite Ehe mit der katholischen Fürstin Auguste Liegnitz, geb. Gräfin Harrach, (1800 – 1873) ein.
Die folgend genannten neuen Bauwerke dieser Zeit sind aber eigentlich
mehr den Aktivitäten des ältesten Sohnes von König Friedrich Wilhelm III., dem
Friedrich Wilhelm (IV) zu zurechnen.
Kronprinz Friedrich
Wilhelm / König Friedrich Wilhelm IV.
Der Künstler und Romantiker auf dem Thron, - „Der Butt“, wie
er sich als Kind bezeichnete, ältester Sohn von König Friedrich Wilhelm III und
Königin Luise. Er lebte von 1795 – 1861, regierte von 1840 – 1861, wurde 65
Jahre alt.
In der Jugend aber war Friedrich Wilhelm in die schöne Elisa
Radziwill verliebt. Da sie aber keinem regierenden Königshaus entstammte und
somit nicht als eben(ge)bürtig galt, stand fest, dass sie (sich) beide nicht
heiraten konnten. Ja, so war das immer wieder. Schrecklich.
So wurde seine Ehefrau die
Elisabeth von Bayern, aus dem Hause Wittelsbach. (1801 – 1873, 72 Jahre). Sie wurde
am 13. November 1801 im Münchener Schloss Nymphenburg als Tochter des beliebten
bayerischen Königs Maximilian Joseph I., geboren. Sie war sie Tante der späteren
österreichischen Kaiserin „Sissi“ (eigentlich „Sisi“, von Elisabeth abgeleitet).
Am 29. November 1823 heirateten Elisabeth und Friedrich Wilhelm in Berlin und
wohnten vorerst dort im Schloss in der früheren Wohnung Friedrich des Großen,
ihr wisst schon, im 2. Obergeschoss, recht unbehaglich, schlecht heizbar, ohne
Bad und Kanalisation. Elisabeth war schüchtern und zurückhaltend, rechtschaffend,
ein scheues Reh. Also keine „Gallionsfigur zur Präsentation“, zwar katholisch
erzogen aber in konfessioneller Toleranz aufgewachsen und dabei auch ein wenig
angeprotestantelt. Nach dem Ableben seines Vaters 1840, erwartete das Volk mehr
Liberalität, als unter Friedrich Wilhelm III. Ernst Moritz Arndt durfte wieder
in Bonn unterrichten. Turnvater Jahn wurde von der Polizeiaufsicht befreit, der
Konflikt mit der Katholischen Kirche wurde beigelegt – die Erblast des Vaters war
bereinigt.
Die Revolution in Paris im Februar 1848, ein Fanal für ganz
Europa, schwappte am 18. März auch auf Berlin über. Es fanden Barrikadenkämpfe
von Berliner Arbeitern (wegen der armseligen Lebensverhältnisse) gegen das
Militär statt, nachdem der jüngere Prinz Wilhelm (Kartätschenprinz) den
Schießbefehl gegeben hatte. 200 „Märzgefallene“ Arbeiter waren das Ergebnis.
Der König beugte sich vor den Revolutionären, „meinen lieben Berlinern“, aber
das romantische Ideal eines ungestörten Treueverhältnisses zwischen König und
Volk war zusammengebrochen. Aus einem liberalen Staat wurde nichts, es blieb
mit der bisherigen aristokratischen Ministerriege eine „gottgewollte“
konservativ-bürokratische Obrigkeit.
Elises Gesundheit war von zarter Natur. Grippale Infekte und
Probleme der Atemwege suchten sie des Öfteren heim. Es ist nicht
auszuschließen, dass dieses Kränkeln auch auf psychosomatischen Ursachen
beruhte. Der Ton im preußischen Volke erschien ihr recht rau und direkt, sie
wurde mit den Bürgern nicht warm, auch vermisste sie die heimatlichen Berge.
Sie litt sie unter dem Konfessionszwiespalt, weil sie nach Heirat in das
preußische Königshaus nun vollends evangelisch werden musste – eine große Sünde
für die Katholikin. Sie zeigte oft eine wehmütige Stimmungslage. Das Volk zog
auch immer Vergleiche zur verstorbenen Königin Luise und Elisabeth wurde damit
gleichsam in deren Schatten gestellt. Sie blieb die Königin im Hintergrund. Zum
Glück harmonierte das Königspaar gut miteinander. Die Ehe der beiden blieb
kinderlos. Das Königs-Paar lebte im Schloss Sanssouci. Von seinem 60.
Lebensjahre an, hatte Friedrich Wilhelm IV. des Öfteren Ohnmachtsanfälle und ab
1856 setzte eine zeitweilig auftretende Geistesschwäche ein. 1857 bis 1859
traten mehrere Schlaganfälle mit Lähmungen und Sprachschwierigkeiten auf.
Während der mehrjährigen Zeit seiner Krankheit pflegte Elisabeth ihn
aufopferungsvoll. Wegen der ernsten Erkrankung übernahm sein jüngerer Bruder
Wilhelm (der Kartätschenprinz) bereits 1759 die tatsächliche Regentschaft. (Ab
1871 Deutscher Kaiser). Der König starb am 02. Januar 1861 und wurde unter dem
Altarraum der Hofkirche im Park von Sanssouci beigesetzt. 1873 verstarb Königin
Elisabeth in Dresden nach einer Reise zu ihrer Schwester. Nach ihr wurden das
Elisabethstift und die Elisabethstraße (heute ein Teil der Charlottenstraße)
benannt. Eine sie darstellende Büste befindet sich auf einer Säule am Schloss
Charlottenhof. Sie wurde an der Seite ihres Gemahls beigesetzt.
Doch nun die Bauten im Park – drehen wir das Rad der
Geschichte ein Stück zurück:
Das Schloss
Charlottenhof, im
neuen Parkteil Charlottenhof.
Dieser Parkteil südlich des heutigen Wirtschaftsweges (der
früheren Parkbegrenzung), dessen Boden natürlich auch aus Ranker („Streusand“)
besteht, war 1825 ein kleines Weihnachtsgeschenk vom Vater, König FrieWi III,
für den der Kunst zugewandten Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.), mit Frau
Elisabeth. Unter diesem wird der alte Park Sanssouci erweitert, die zweite
große Bauphase, die nach Friedrich II. eine lange Zäsur durchwartete, beginnt. Der
Name „Charlottenhof“ stammte von der bisherigen Besitzerin der Fläche, Maria
Charlotte von Gentzkow. Auf diesem Landstück hatte Baumeister Büring sein
Fachwerk-Wohnhaus stehen. Umgeben war diese Scholle von den Ackerflächen
mehrerer Bauern, die angekauft wurden (also nur die Felder).
In den Jahren 1826 – 1829 wurde das kleine, wohnliche Haus
von Friedrich Wilhelm geplant und von Karl Friedrich Schinkel (1781 – 1841) in
ein schlichtes Landschloss nach klarer, streng klassizistischer Auffassung architektonisch
umgesetzt.
1829 – 1840: Ausführung der innenarchitektonischen Arbeiten mit
der Feinausstattung. Auch an der Einrichtung hat Baumeister Karl Friedrich Schinkel
(nach heutiger Messlatte ebenfalls ein Star-Architekt und
Super-Diplom-Ingenieur) seine künstlerischen Spuren hinterlassen. Die
Möbelierung ist bürgerlich einfach, kurz gesagt, einfach bürgerlich gehalten. Von
den Außenanlagen mit Terrasse, Rosengarten, dem nahen Dichterhain, darf der
Blick weit in den großzügig nach englischer Manier angelegten Park schweifen.
Diesen neuen Park landschaftlich gestalten zu dürfen, die
leicht wellige Bodenmodellierung dabei zu nutzen, einen künstlichen, sich
schlängelnden breiten Wiesenbach, den Schafgraben, mit Insel vorzusehen, das
Pflanzen erlesener Baumgruppen anzuleiten, damit war Peter Joseph Lenné (1789 –
1866) in seinem Element. Das detailliert Gärtnerische setzte der Hofgärtner
Hermann Ludwig Sello (1800 – 1876) um.
Die Römischen Bäder
1829-1835-1840 betrug in Etappen die Bauzeit (Karl Friedrich
Schinkel und Ludwig Persius), mit vielen, immer wieder verbessernden Änderungen
in der Planung von Seiten des Kronprinzen. Die königliche Sehnsucht, diesmal
die von Friedrich Wilhelm III. und IV. nach dem warmen, sonnigeren Italien,
ließ einen Gebäudekomplex wachsen, der diesen hehren Ansprüchen gerecht wurde.
Ein Wohnhaus entstand, Pompejianischen Vorbildern nachempfunden, mit der
Badeeinrichtung, die allerdings nie praktisch zur Körperreinigung genutzt wurde.
Die große Wanne aus grünem Jaspis ist ein Geschenk des Schwagers und russischen
Zaren Nikolaus I. Den Eingangsbereich flankieren zwei Gebäude, das eine für die
Familie des Gärtners, das andere für weitere Hilfskräfte, das Gehilfenhaus.
Links ein Wasser speiender Butt. „Butt“, so nannte sich schon der kindliche
Friedrich Wilhelm (IV.) selber. Er machte diesen Fisch zu seinem
„Markenzeichen“. An diesen Gebäuden ein kleiner See mit Insel, durch den der
Schafgraben fließt. Bis 1923 stand an diesem „Maschinenteich“ ein Haus, das die
Pumpenanlage aufnahm. Dieser Schafgaben wird von dem Fluss „Havel“ gespeist.
Seinen Namen gab ihm die Schafherde, die in den Parkanlagen das Gras kurz
hielt.
Das Hofgärtnerhaus, zu den Römischen Bädern gehörend.
1829 erbauet.
Die Meierei (Molkerei), 1833 – 1834 nördlich der
römischen Bäder, errichtet nach Plänen von Persius, unter Mitnutzung eines
älteren Vorgängergebäudes.
Das Hippodrom
Die in der Form einer Pferderennbahn ähnelnde Garten- und
Heckengestaltung ist das Zentrum einer in sich abgeschlossenen Gartenanlage.
Als Blickfang wirkt ein Brunnen mit Bronzestatuetten von Fabelpferden. (Zu
DDR-Zeiten stand hier gastweise das größte Reiterdenkmal von Friedrich II, das
wieder in Berlin „Unter den Linden“ aufgestellt wurde).
Das Wohngebäude der
Fasanerie
wurde 1841 westlich von Charlottenhof im Anschluss an das
Hippodrom von Persius gestaltet. Dieser früher eingezäunte Parkteil, eine
Riesen-Voliere, diente etwa 45 Jahre lang der Fasanenhaltung, war damals also
Wirtschaftshof und kein Schaugehege im Park.
1842 – 1845: Nebenan wird der Wildpark angelegt. 1843 –
1850: Die Schinkelsche Nikolaikirche in der Stadt, wird jetzt zu einem
Kuppelbau umgestaltet. Vorher fehlte das Geld dazu.
Die Friedenskirche
Entwurf 1844. Bauzeit: 1845 – 1848. Das Gotteshaus wird als
neue Hof- und Stadtkirche gebaut, die gleichzeitig auch königliche Grabesstätte
werden soll. Ihr Grundstein wurde am 14. April 1845 gelegt, auf den Tag genau
100 Jahre nach dem Baubeginn des Schlosses Sanssouci und ebenfalls genau 100 Jahre
vor der Zerstörung der Potsdamer Innenstadt am Ende des 2. Weltkrieges. Persius
war es als Baumeister, der ihr nach Entwurf und im Auftrag des Königs Friedrich
Wilhelm IV., das Antlitz einer frühchristlichen Basilika gab. Nach dem Ableben
des Persius im 45er Jahr, führten zwei andere Schinkel-Schüler, Hesse und
Stüler sowie F. v. Arnim, die Arbeiten weiter.
In der Kirche wurden dem Vermächtnis entsprechend, dann auch
König Friedrich Wilhelm IV und seine Gemahlin Elisabeth in der Gruft vor dem
Altar beigesetzt.
Im benachbarten Mausoleum ruhen der 99-Tage-Kaiser von Deutschland
und König von Preußen, Friedrich III. (18. 10. 1831 – 15. 06. 1888) mit seiner
Gattin Viktoria, (Vicky), Princess Royal von England und Irland und Königin /
Kaiserin in Deutschland (17. 11. 1840 – 05. 08. 1901) sowie zwei ihrer bereits
im Kindesalter verstorbenen Söhne: Prinz Waldemar mit 10 Jahren und Prinz
Sigismund mit 2 Jahren. Seit dem 17. August 1991 befindet sich ebenfalls hier
der Sarkophag Friedrich Wilhelm I, des Soldatenkönigs (14. 08. 1688 – 31. 05.
1740).
Die Bronze-Nachbildung der Christusstatue von Thorvaldsen
dominiert im Innenhof der Kirche. In einer Nische der Südwand sehen wir eine
Figurengruppe um Moses, die letzte Arbeit von Christian Daniel Rauch. Die
Friedenskirche wird teilweise von einem künstlichen See umspült. In Richtung
des Verwaltungsgebäudes der Gartendirektion schließt sich der Marlygarten mit
der blau-weißen Säule an. Der Marlygarten ist ein Stückchen Land, das zu der
Zeit Friedrich Wilhelm I, als Küchenkräutergarten (1715) angelegt worden war.
Den märkischen Kräuter- und Gemüsegarten „Marly“ zu benennen, war eine Ironie
gegenüber dem französischen Kunstpark gleichen Namens.
Die Orangerie
Bauzeit 1851 – 1860 - 1864. Ein Monumentalbau, der
italienischen Renaissance nachgebildet. Es ist das längste Gebäude im Park von
Sanssouci. Exakt 330 m Länge misst es. König Frie. Wi. IV. und Ludwig Persius
lieferten die Entwürfe. Die Baumeister Stüler und Hesse und viele fleißige
Handwerker setzten die Gedanken und Zeichnungen bautechnisch um. Im Erdgeschoss
nimmt das Winterquartier für zahlreiche subtropische Pflanzen der Gartenanlagen
großen Raum ein. Im Gebäude finden sich viele Gästewohnungen (zum Teil auch
heute noch als Wohnungen für Arbeiter und Angestellte der Stiftung der Preußischen
Schlösser und Gärten genutzt). Der Raffaelsaal als Gemäldehalle im Mittelteil
beherbergt 47 deutsche Gemälde-Kopien nach den Werken des Italieners Raffaelo
Santi. Die Turmgalerie bietet herrlich weite Rundumblicke. Dieses Gebäude ist
das einzige realisierte Bauwerk aus einer Reihe von Entwürfen Friedrich Wilhelm
IV. für Baukunstwerke, die die Maulbeerallee als Prachtstraße einfassen sollten.
Der König konnte die Vollendung seines größten Bauentwurfes nicht mehr erleben.
Sein Nachfolger der Thronherrschaft war der bereits regierende Prinz Wilhelm,
ab 1861 König Wilhelm I, von 1871 an Kaiser Wilhelm I, der 1888 starb und dem
viel später per Gassenhauer nachgetrauert wurde: „Wir wollen unsern alten
Kaiser Wilhelm wieder ham – mit’m Bart, mit’m Bart, mit’m langen Bart.“
Umgeben wird die Orangerie vom Nordischen Garten, in dem mehr einheimische grüne
Gewächse vorherrschen, als wenige Schritte weiter im farbenprächtig-subtropisch
anmutenden sizilianischen Garten.
Der sizilianische
Garten
1857 - 1860: Peter Joseph Lenné (1798 – 1866) erhielt den
Auftrag, das Gelände unterhalb / westlich der neuen Kammern in einen
Sizilianischen Garten umzugestalten. Das war wohl keine Aufgabe nach seinem
Geschmack, für ihn, der das naturnahe Gestalten liebte. Wege, Rondelle und
Wasserbecken waren mit Lineal und Zirkel zu konstruieren. Zumindest durften bei
den Sizilianern die Pflanzen frei wachsen, ohne den strengen Beschnitt, wie im
Französischen Parkteil. Außer Nadelgehölzen trifft man hier auch Agaven, Palmen
und Pomeranzen an.
Anmerkung: 1887 – 1888: Die neue steinerne Lange Brücke wird
in der Stadt Potsdam über beide Arme des Flusses „Havel“ gebaut.
Die folgenden Regierungszeiten haben keine wesentlichen
Bauten für den Park Sanssouci mehr hervor gebracht:
Wilhelm I., 1861 –
1888 König von Preußen u. 1871 - 1888 Deutscher Kaiser, jüngerer Bruder von Friedrich
Wilhelm IV, lebte von 1797 - 1888. Er wurde 1848 als der Kartätschenprinz
bekannt, auf Grund der geschichtlichen Feststellung, dass er den Befehl gegeben
habe, auf die Berliner Barrikadenkämpfer zu schießen (die Märzgefallenen). In
späteren Jahren war seine Gesinnung jedoch wesentlich liberaler.
Er heiratete im Sommer 1829 auf väterlichen Befehl die Prinzessin,
die er „respektierte“,
Augusta Prinzessin von Sachsen – Weimar (1811 – 1890, 79 Jahre alt).
Sie war eine Urenkelin von Katharina der Großen von
Russland. Knapp 18jährig, war sie nach Berlin und Potsdam gekommen. Augusta war
geprägt von politischem Ehrgeiz, liberalen Neigungen und vielfältigen
kulturellen Interessen. Sie war sehr gebildet und dem Ehemann intellektuell
überlegen. Das Paar wohnte im Schloss Babelsberg.
Sie hatten zwei Kinder: Friedrich (III) und Luise.
Kurz nach der Regentschaftsübernahme entließ der Kronprinz
die alte reaktionäre Ministerriege, die ja die Politik unter Friedrich Wilhelm
IV. (auch gegen dessen Ambitionen) wesentlich bestimmt hatte und bildete ein
neues, liberaleres Kabinett. 1862 machte der König den äußerst strebsamen
Junker Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten, später zum Kanzler– was sich wieder
als ein Schritt gegen Liberale erweisen sollte. Das Königspaar hatte die
Einigung der Fürstentümer zu einem Deutschland mit moralischen
Eroberungen gewünscht. V. Bismarck, „der Schmied“ hatte diese Einheit nicht
nach des Monarchen und des Volkes Willen, sondern „von oben“ durch „Blut und
Eisen“ herbeigeführt. 1871 erfolgte die Gründung des Deutschen Reiches, für den
König mit der neuen Kaiserwürde verbunden.
Friedrich III, er lebte vom 18. Okt. 1831 – 15.
Juni 1888 und regierte 99 Tage des Jahres 1888 als König von Preußen und
Deutscher Kaiser. Er starb im 54. Lebensjahr an Kehlkopfkrebs. Das Volk hatte
gehofft, dass durch das Regieren dieses Königs-Paares Deutschland und Preußen
ein liberaleres Gesicht, vielleicht nach dem Vorbild Englands, bekäme. Das Paar
bewirtschaftete jahrelang interessiert und erfolgreich das Krongut in Bornstedt
bei Potsdam. Viele englische Samen und Anbaumethoden fanden hier Einzug.
Victoria - Prinzessin von England und Irland. – (1840 – 1901). Vicky kam, mit 18
Jahren verheiratet, nach Berlin. Diesmal war es eine Ehe, mit denen beide
Partner von sich aus einverstanden waren. Vicky war ungewöhnlich selbstbewusst
und für die politische Zukunft des Landes zuversichtlich-optimistisch, sah aber
alle ihre Hoffnungen nach und nach zunichte gemacht. Mit ihrem Mann befand sie
sich von 1858 – 1888, 30 Jahre lang im Kronen-Wartestand, um erst anschließend
regierend etwas mehr bewegen zu können. Tatsächlich aber, als die Zeit gereift
war, sah sie ihren todkranken Mann, geschwächt nur 99 Tage das Zepter halten. Als
48jährige Witwe nannte sich Kaiserin Victoria, „Kaiserin Friedrich“ zum
ehrenden Andenken an ihren Mann. Sie wurde 60 Jahre alt und an der Seite ihres
Gemahls im Mausoleum an der Friedenskirche beigesetzt. Für die Zukunft hatte sie
gehofft, dass ihr Ältester, von den sechs Geschwistern, der „Kronen-Sohn“,
Wilhelm (II), ein starker, liberaler, neuer „Friedrich der Große“ würde. Jedoch
trat genau das Gegenteil ein. Dass diese Entwicklung unter ihm sogar bis in
einen Weltkrieg führte, erlebte sie nicht mehr.
In der Zeit von
Wilhelm II., Sohn des
Friedrich III und Victoria.
Er lebte von 1859 – 1941 und regierte als König von Preußen
und Deutscher Kaiser von 1888 – 1918 (Zeitpunkt seiner Abdankung am Ende des 1.
Weltkrieges). Im niederländischen Asyl im Hause Doorn starb er im 82
Lebensjahr.
Wilhelm heiratete
Auguste Victoria von Schleswig – Holstein – Sonderburg –
Augustenburg Sie
lebte von 1858 bis 1921 und wurde 63 Jahre alt. Die Familie wohnte während
dieser Zeit im Neuen Palais (Gartenseite des Südflügels am Ende des Gebäudes). Auguste
Victoria unterstützte Wilhelm in jeder Hinsicht in all seinen Absichten und
Vorhaben, was durchaus nicht immer als günstig gelten konnte und beschränkte
sich ansonsten volkstümelnd auf die 3-K-Rolle: Kirche, Kinder und Küche – als
„Vorbild“ für ihre Zeitgenossinnen. Ab 1918 verbrachte der Kaiser und auch sie,
die Restzeit des Lebens in den Niederlanden. Sie starb im April 1921 und wurde
im heimatlichen Antikentempel im Park von Sanssouci beigesetzt.
1893: Bau einer
Versuchsanlage als Modell im Maßstab 1:10 für ein Fort, für eine Festung,
bautechnisch wesentlich widerstandsfähiger, als man solche Anlagen bisher
kannte.
Es entstand in jenem Jahr die 40x15 m große Anlage eines
Mini-Gebäudekomplexes aus dem neuartigen Baumaterialienmix namens „Stahlbeton“
mit erheblich höherem Durchschlagswiderstand gegen Geschosse. Die Anlage gilt
als militärgeschichtliches Denkmal, ist aber in nur noch ruinösen Rudimenten
vorhanden; südlich der Maulbeerallee in „Höhe“ des Drachenhauses zu finden. (Die
Anlage soll wieder errichtet werden ist aber derzeit mit Erdreich überdeckt
worden). Der Projektant war Julius Diener, 1873 - 1889 Dozent an der
Kriegsschule auf dem Brauhausberg, jetzt aber (1893) der Leiter der Abteilung
Festungsbau bei Fa. Krupp. Die handwerklichen Arbeiten am Bau leitete der
Bornstedter „Hof- und Schlosspolier“, der Maurermeister August Altendorf (1854
– 1941, ein Altersgenosse des Kaisers). Man kann es als gut ansehen, dass diese
Anlage die einzige von militärischer Art im Park blieb. Alle anderen
militärischen Einrichtungen wurden ja auf dem „Bornstedter Feld“ (ohne Getreide
- inzwischen Gelände der Bundesgartenschau 2001 / Volkspark) und im nahe
gelegenen Waldstück „Katharinenholz“ errichtet. Weil für die Versuchsbauten
eine wesentliche Verkleinerung gewählt wurde, nannte der Volksmund die Anlage
„Prinzenspielplatz“ oder „Prinzenspielburg“, ohne dass diese jemals diesem
Zwecke zugedacht war.
So endet denn hier unser
heutiger Spaziergang durch diesen Teil des Potsdamer Weltkulturerbes, durch den
Park von Sanssouci.
Anmerkungen:
- 993 findet sich die erste, heute noch schriftlich
erhaltene Urkunde zu Potsdam, eingewickelt in Geschenkpapier: Otto III.
verschenkte am 3. Juli 993 die (natürlich bereits vorher bestehenden) Orte Potztupimi
et Geliti (Potsdam und Geltow) seiner Tante Mathilde, der Äbtissin von
Quedlinburg. Natürlich samt Einwohnern, Mann und Maus. Wie aufmerksam, der gute
Junge.
- 1375 wird Potsdamp im Landbuch des Kaiser Karl IV. als
Oppidum (Marktflecken) erwähnt. - 1573 gab es 192 Häuser.
Die Ausdehnung des Parks Sanssouci beträgt 290 ha, (etwa 3
Quadratkilometer), seine größte Ausdehnung (Länge des Hauptweges ca. 2.500 m).
Anknüpfungen zur Familiengeschichte „Sommer“ lassen sich im
gleichnamigen Lebenslauf lesen.
Benutzte Literatur: Angaben zu den Herrschern entnahm ich
dem Buch „Die preußischen Königinnen“, von Karin Feuerstein-Praßer verfasst, einem
wunderbaren Buch. Darüber hinaus manche alten Zeitungsartikel und Informationen
aus dem Elternhaus.
Weitere Anregungen für spätere Spaziergänge:
-
Bornstedter
Feld / BUGA-Gelände, Bornstedter Friedhof, das Krongut am Bornstedter See, Pfingstberg
mit Belvedere
-
Neuer
Garten am Jungfernsee und die „Verbotene Stadt“
-
Die
Stadt Potsdam
-
Der
Stadtteil Babelsberg, der Babelsberger Park und Klein Glienicke,
-
Schloss
Paretz
-
Gransee,
Rheinsberg
-
Umrundung
der Insel Potsdam und so weiter
- Ende -