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Das Dorf Stolpe – Notizen zu einer
Ortschronik
Früher: Dorf Stolpe im Kreis Teltow bei Potsdam, Preußen, Provinz Brandenburg.
Heute: Berlin-Wannsee, im Stadtbezirk Berlin-Zehlendorf
Ein Beitrag zur Heimatgeschichte, Ahnen-
und Familienforschung
Autor und Kontaktpartner für Fragen, Meinungen oder Hinweise: Christoph Janecke,
E-Mail: christoph@janecke.name Stand der Bearbeitung: Mai 2008
Inhalt:
- Hauptteil: Notizen zur Geschichte des Ortes
- Anhang 1: Literaturhinweise
- Anhang 2: Erläuterungen zur Schreibweise
- Anhang 3: Alte Maßangaben und deren Umrechnung
- Anhang 4: Übersicht zur sozialen Gliederung
- Anhang 5: Die Bedeutung der Namen verschiedener Einwohner und die
Schreibweisen
- Anhang 6: Die Familiennamen und ihr zeitlich erstes Auftreten
- Anhang 7: Die Familiennamen in alphabetischer Ordnung
- Anhang 8: Landkarten
- Kein Anhang: Die Darstellung ausgewählter Eltern-Kinder-Beziehungen in den Familien Zinnow, Hönow, Perlewitz, Rohde und Schmedike (mit Angeheirateten) befindet sich derzeitig in Arbeit aber Anfragen und Mitarbeit sind möglich. Diese alteingesessenen Stolpeschen Familien gehören zu den Vorfahren des Autors.
Es liegt in der Art der Sache, dass diese relativ kurze Zusammenstellung zu den Geschehnissen in einem Ort bei der Betrachtung großer Zeiträume nur grobe Einblicke in kleine Ausschnitte des Dorflebens vermitteln kann. Ergänzungen und Hinweise von Lesern sind deshalb sehr willkommen.
Die Gegend, der wir uns hier widmen, war, unabhängig von der Gründung eines dauerhaft festen Ortes, schon seit Menschengedenken besiedelt. Es fanden sich im Großraum immer wieder Spuren menschlichen Lebens aus der Steinzeit, wie Steilbeile, Feuersteinmeißel und Speerspitzen mit einem Alter von 6.000 bis 8.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung. Totenurnen, andere Keramikgefäße und metallischer Schmuck sowie Bronzegerätschaften aus der Bronzezeit, die mit einer Zeitspanne zwischen 1.800 und 800 vor unserer Zeitrechnung angegeben werden, sind ebenfalls immer wieder gefunden worden. Fundorte sind beispielsweise auch bekannt aus Potsdam, Steglitz, Langwitz und an vielen Stellen wird der Boden noch Hinterlassenschaften unserer Altvorderen enthalten. Diese Gegenstände kamen nicht nur durch Handel in unsere Gegend, nein, auch in unserer Mark Brandenburg wurden Kupfer und Zinn als Erz oberflächennah gefunden und daraus die Metalle erschmolzen. Das flüssige Metall goss man in Formen aus Ton, Hartholz oder Stein und stellte Bronze aus Kupfer durch das Hinzugeben von Zinn im Verhältnis von mindestens 9 Teilen Cu mit einem Teil Sn her, um daraus Werkzeuge, Waffen, Gerätschaften und Schmuck herzustellen. Auch ein Megalithengrab mit Schmuckbeigaben bestand bei Kohlhasenbrück (bis zur Zeit des Baus des Teltowkanals 1900 – 1906). Ansässig war in unserer Gegend der germanische Stamm der Semnonen, bis das Gebiet mit Beginn der Völkerwanderung um 375 nach Chr. entvölkert wurde. Im 5. und 6. Jahrhundert siedelten sich die aus dem Osten kommenden Slawen hier an.
Nachrichten aus dem 8. bis 11. Jahrhundert:
Unser Ort der Betrachtung, der im Gebiet des Teltow liegt, wurde wahrscheinlich zwischen den Jahren 700 und 1.000 nach Chr. von den Hevellern (den Havelländern) gegründet, die zu den wendischen Lutizen gehörten. Die Lutizen, sind die Nachkommen des Lut, des Grimmigen, des Wilden, der den Wölfen gleicht. Die Bezeichnung „Teltow“ ist möglicher Weise abgeleitet von dem lutizischen Personennamen „Telemir“ oder „Teleta“, der bedeuten soll: „Jener, der den Zorn besänftigt“. Auch das Flüsschen, das das Land durchzieht, die Telte, später Bäke genannt, findet den Ursprung ihrer Bezeichnung in dem gleichen Wortstamm. Derlei Deutungsversuche mit unterschiedlichen Aussagen, gibt es jedoch in größerer Anzahl.
Hauptsitz der Heveller war die Brendaburg / Brennaburg (in Brandenburg an der Havel) und das heutige Havelland ihr Hauptsiedlungsgebiet. Weiter östlich von Havel und Nuthe sollen dann die Stodoranen, ebenfalls ein slawischer Stamm, ihre Siedlungsplätze unterhalten haben. Im Jahre 928 eroberte Kaiser Heinrich I. die Brennaburg. 929 siegten die Sachsen bei Lenzen (an der Elbe) über die Wenden. 948 wurde das Bistum Brandenburg gegründet. 983 gab es einen großen Aufstand der Wenden, der für sie erfolgreich verlief. Fast alle bisherigen Besitzungen östlich der Elbe, von König Heinrich I. erobert, gingen an die slawischen Stämme verloren. Die Bischöfe werden sich erst wieder im 12. Jahrhundert nach Brandenburg zurück trauen.
Zu jener Zeit lebten zwischen Elbe und Oder trotzdem oftmals germanisch- und slawischstämmige Menschen Ort an Ort oder wohl auch gemeinsam, also gemischt in einem Dorf. Erst im 9. bis 12. Jahrhundert kam es mit dem Erweiterungsbestreben germanischer Stämme nach Osten zu Konflikten, die oft mit Waffengewalt ausgetragen wurden. Viele Familiennamen und Ortsbezeichnungen, vor allem solche leicht erkennbar, die auf „-ow“ enden, wie zum Beispiel Zinnow, Hönow, Grabow, Grunow, Rochow oder Schönow, Pankow, Teltow, Buckow, Storkow, Beeskow und Nudow, erinnern heute noch an slawische Zuwanderer, an slawische Ortschaften.
Im 11. Jahrhundert:
Das Dörfchen Stolpe ist genau wie seine größeren Nachbarn Potsdam und Berlin eine wendische (slawische) Ortschaft. Das Sackgassendorf ruht eingebettet in einer wald- und wasserreichen Gegend. Dadurch ist es naheliegend, dass es sich ursprünglich um ein Fischerdorf handelt. Doch auch mit der Honigproduktion und dem Ackerbau befassen sich die Einwohner. Ziegen und Schafe werden als Nutztiere gehalten. Die einstöckigen Hütten, Holzbauten, Häuser aus luftgetrockneten Lehmziegeln oder Hütten in Fachwerkbauweise mit Ausfachungen aus Stroh / Schilf mit Lehmbindung, stehen meist mit dem Giebel zur Dorfstraße. Daneben finden wir Gärten – und unweit von diesen, die Felder. Natürlicher Weise ist die Dorfstraße ein Sandweg. Die Giebelverblendungen der Hütten zeigen den geschnitzten wendischen Pferdekopf. Die tief herabgezogenen Dächer sind mit Rohr gedeckt. Die Fenster aus trüben Hornscheiben bestehend, lassen nur mäßig Sonnenlicht in das Innere. Fischerkähne liegen am Strand.
Der Boden des Teltow ist im Allgemeinen sandig aber in Stolpe finden wir auch Tone und lehmigen Geschiebemergel. Der Boden kann also auch Rüben ernähren (so die späteren berühmten Teltower Rübchen) und gibt der Ziegelherstellung für den Häuserbau die Grundlage. Umgeben wird das Land im Norden und im Westen von den Havelseen, im Osten vom Großen und Kleinen Wannsee und südöstlich vom Pohlesee, im Süden vom Stölpchensee und in südwestlicher Richtung geht es zum Griebnitzsee. Wenige Hundert Meter südlich des Dörfchens erhebt sich ein Hügel mit dem Megalithengrab, das bronzene Grabbeigaben enthält (beim Bau des Teltowkanals entfernt). Dort, in der Nähe des Teerofens, stehen sechs bis zehn einfache Lehmhütten. Das Hauptmaterial für das Betreiben des Teerofens bildet das Holz der Kiefernwälder aus der näheren Umgebung.
Geldwesen: Zu jener Zeit ist „Eine Mark Silber“ ein Silberbarren von 233 Gramm Masse, mit dem Stempel der Münzstätte versehen. 1 Schilling enthält 12 Pfennige, 20 Schillinge sind
1 Pfund Silber mit 267,2 Gramm.
1134 – 1319
Die Askanischen Markgrafen regieren das Land. 1134 – 1170: Albrecht der Bär, Markgraf der Nordmark (später als Altmark bezeichnet). Seit 1150 ist Albrecht Markgraf von Brandenburg. Er erwirbt das Havelland und die Zauche. Es besteht im Allgemeinen ein einvernehmliches Wohnen von germanischen und slawischen Stämmen im gleichen Siedlungsgebiet zwischen Elbe und Oder. Eine Anwerbung von Kolonisten wird betrieben. 1170 – 1184: Otto I. regiert das Reich.1184 – 1205: Otto II. ist Regent. 1205 – 1220: Albrecht II. ist Markgraf. 1220 – 1267: Johann I. und Otto III. regieren gemeinsam, so auch das Gebiet des Teltow, welches hier Gegenstand unserer Betrachtungen ist.
1267
Das Land steht bis 1309 unter der Regierung des Markgrafen Otto IV. (mit dem Pfeil). Die Abgaben der Landbevölkerung an die Herrschaft gelten im 13. und 14. Jahrhundert als moderat, als erträglich.
1299
Unser Ort ist in der ältesten erhaltenen urkundlichen Erwähnung als „Slauicum Stolp“ bezeichnet. (Anmerkung C. J.: Slauicum (lateinisch), gleichbedeutend mit Slavicum (slawisch) bedeutet „Ein slawischer, ein wendischer Ort“ namens „Stolp“. Stolp oder Stolpe weist in slawischen Sprachen auf „Säule, Stütze, Pfahl oder Turm“ hin. Häufiger ist mit „Stolpe“ auch die Ortslage hinter einer den Fluss regulierenden Wehranlage aus Holzpfählen benannt. Selbst bereits einfache Halterungen, an denen man Boote oder Fischreusen befestigt, werden als Stolpen bezeichnet. Diese Deutung des Namens ist also für ein Fischerdorf naheliegend aber nicht exakt gesichert, weil es eben nicht belegt ist, dass die damaligen Fischer tatsächlich ihr Dorf lediglich nach einem angespitzten, in die Erde getriebenen Kiefernstämmchen benannten. Sehr wohl belegt ist es aber, dass dieser Ortsname häufig für slawische Orte gewählt wurde, deren Lage in unmittelbarer Verbindung mit Gewässern steht.
Die vorgenannte Urkunde bezieht sich auf den Erwerb des Städtchens Teltow und den „uffm Teltow“ gelegenen Dörfern: Giesensdorf, Heinersdorf, Ruhlsdorf, Stansdorf, Wendisch Stansdorf, Schönau und Wendisch Stolpe. Zu jenem Erwerb gehören neben Grund und Boden auch alle persönlichen Dienste der Einwohner, wie Spann- und Wagendienste und Handarbeitsdienste. Ebenso die Abgabe an Feldfrüchten, Schlachttieren oder Geldeinnahmen, der Zins (die so genannte Bede). Dieser umfassende Besitz gehörte bisher dem Markgrafen Otto IV., jetzt aber dem Bischof Vollrad von Brandenburg und seinen Vasallen – zumindest bis zur viel späteren Kirchenreform (Reformationszeit, nach 1535), die er ja nicht mehr erleben wird.
Diese Schrift über den Besitztumswechsel gilt als die „offizielle Geburtsurkunde des Ortes“.
1309 – 1319
Das Land wird vom askanischen Markgrafen Waldemar regiert.
1323 – 1373
Stolpe verfügt über 16 Hufen Fläche Land, davon hat der Schulze 3 freie Hufen, das bedeutet, die geernteten Feldfrüchte dieser Fläche sind frei von Abgaben an den Fiskus. Der Schulze aber hat die Abgaben der Einwohner einzutreiben und abzurechnen. Das Land wird von bayerischen Markgrafen regiert. Von 1323 bis 1351 vom Ludwig, dem Älteren.
1348 – 1355: Der falsche Waldemar setzt sich zeitweilig in die Regierungsposition. Bis 1366 herrscht Ludwig der Römer im Brandenburger Land. Im Jahre 1356 wird die Mark zum Kurfürstentum. 1366 – 1373 ist Otto, der Faule, unser Kurfürst.
1334
Die Geldwerte von Waren betragen derzeitig für
1 Scheffel (Hohlmaß, etwa 55 Liter) Getreide oder Erbsen 15 – 16 Pfennige
Vier Pfund Erbsen (erst ab 1872 wird man „2 Kilogramm“ sagen) 1 Pfennig
1 Huhn 2 Pfennig
(Aus der „Verordnung gegen Luxus und Verschwendung“, vom 24. September 1334).
1373 – 1378 regiert Kaiser Karl IV. für den unmündigen Wenzel. 1378 – 1415: herrscht Sigismund.
1375
Urkundliche Fixierung der Dörfer im Landbuch des deutschen Kaisers Karl IV: „Das ganze Dorf Stolpe mit Ober- und Niedergericht und allen Rechten und Zubehörungen gehört dem Bischof von Brandenburg und seinen Vasallen“. Das wussten wir ja schon.
Als Ortsbezeichnung ist jetzt „Das Stolpiken“ bekannt. (Anm.: C. J.: Niederdeutscher Ausdruck. Es hätte genauso gut „das Stolpekin“ oder „das Stolpeken“, also in allen Fällen „der kleine Ort Stolpe“ heißen können). Das Dorfgebiet, so wird es festgehalten, enthält (immer noch) 16 Hufen. Der Schulze bewirtschaftet davon 3 freie Hufen.
Eine Hufe sind zu jener Zeit etwa 30 Morgen – ungefähr 7 Hektar. Die Ausdehnung einer Hufe ist jedoch im Lande nicht einheitlich und verändert sich auch in den Zeiträumen. Sie ist hauptsächlich abhängig von der Bodengüte. Die Größe einer Hufe soll so bemessen werden, dass sich von den Felderträgen eine Familie ernähren und diese Fläche auch bewirtschaften kann. So hat eine Hufe in der Magdeburger Börde eine geringere Ausdehnung, als in der sandigen Gegend des Potsdamer Gebietes. Ein Morgen sind etwa 2.553 Quadratmeter oder 180 Quadratruten. Die Feldmark des Dorfes Stolpe ist von weit reichenden Wäldern, in denen die Kiefer dominiert umgeben sowie von Heideland.
1382
Zur Ortsbenennung dient jetzt auch der Name „Stagnum Wansa“. Der lateinische Begriff Stagnum wird hier wohl in der Bedeutung für stagnierendes, stehendes Wasser, also für See genutzt. Stagnum Wansa scheint somit auf die spätere Bezeichnung „Wannsee“ hinzuweisen.
1415
Regierungszeit von Kurfürst Friedrich I. in der Kurmark von 1415 bis 1440. Diese Kurmark umfasst die Altmark, die Prignitz, die Mittelmark (mit Havelland, Zauche, Barnim, Teltow und das Ländchen Lebus) sowie die Uckermark. Mit dem Kurfürsten Friedrich I. halten die Hohenzollern als Regenten Einzug in die Mark. Im 15. und 16. Jahrhundert werden die Abgabenpflichten der Landbevölkerung deutlich merkbar erhöht. Man spricht von der Fron. Drei Tage in der Woche des Arbeitens nur für die Herrschaft, galten durchaus als Regelleistung.
1432
Einfall der Hussiten in die Mark. Sie waren Anhänger und Nachfolger des böhmischen Reformators und Rebellen Jan Hus, der 1415 wegen seiner Glaubensüberzeugung und lebensnahen Umsetzung sein Leben auf dem Scheiterhaufen lassen musste. Die Hussiten kamen aus ihrer durch den Bürgerkrieg gegen Kirche und Obrigkeit verwüsteten Heimat, raubten und mordeten in unserem Land, was dem moralischen und religiösem Trachten des Jan Hus wohl nicht gerecht wurde – ursprünglich aber um sich, selbst verfolgt, zu nähren. So waren von dem Hussitenzug beispielsweise Frankfurt (Oder) betroffen, Lebus, Müncheberg, Buckow, Strausberg und Alt Landsberg. Bekannt wurde, dass die Bürgerschaft von Bernau die Hussiten ernsthaft zurückschlagen konnte. Die Hussiten führten keine militärische Kriegsausrüstung mit sich, so dass sie sich nach jener Niederlage eilig über Fürstenwalde in Richtung Böhmen zurückzogen. So blieben wir in unserem Gebiet verschont und hörten erst später von den Schrecken.
1435
Das Dorf Stolpe umfasst 16 Hufen. Es wird von 2 Kossäten und 9 Büdnern bewohnt. Unter dem Begriff Kossäte (in unterschiedlichen Schreibweisen) verstehen wir einen dienstpflichtigen Bewohner (Landarbeiter), der (vorerst) keinen oder nur wenig Zugang zu Landbesitz hatte. Da er nicht über einen größeren Hof, mit Stallungen und Großtieren verfügte, hatte er keine „Wagendienste / Spanndienste“, sondern nur „Handdienste“ für die Herrschaft oder dem Amte gegenüber zu leisten. Der Büdner, oft ein angesiedelter Colonist, besaß hingegen nie Land, sondern eben nur seine Bude, allenfalls mit einem eingefriedeten Gärtchen daran. Das Dorf ist inzwischen dem Herrn v. Hake, zu Kleinmachnow, gehörig. Die Bewohner des Dorfes werden von den Chronisten als arm und fromm dargestellt.
1440
Kurfürst Friedrich II. (genannt Eisenzahn) regiert bis 1470.
Nach seinem Entschlusse wird die Doppelstadt Berlin-Cölln Residenz, wird Regierungssitz.
1450
Eine Besitzverschiebung: Das zum Dorf gehörende Gebiet umfasst jetzt 25 Hufen, davon liegen 2 Hufen wüst. Das Dorf nutzt eine Zeidelheide und eine Heide „gen Postamb“. (Anm. C. J.: Bei der Zeidelheide wird es sich um eine Fläche handeln, die in Abhängigkeit vom Bewuchs (eventuell Ericaen als Nahrungsspender), besonders gerne von den Bienen aufgesucht wird. Es ist eine planmäßige Bienenzucht anzunehmen. Der später hier nachgewiesene Familienname Baarz, kann auf einen „Ort der Bienenstöcke“ hindeuten, beziehungsweise auf die Tätigkeit des Imkers für den Träger dieses Namens.
1454
Wiedererwerb der Neumark, des Ostbrandenburger Gebiets jenseits der Oder, durch die Herrschaft.
1470
Der Kurfürst von Brandenburg, Albrecht III., Achilles genannt, regiert bis zum Jahre1486 das Land.
1481
Das Schoßregister belegt, dass Pardemann vom Dorf Stolpe fortzog und in Giesensdorf Hüfner geworden ist. Ungeachtet dessen, taucht dieser Familienname hier später wieder auf.
1486
Der Kurfürst von Brandenburg, Johann Cicero, regiert bis 1499. 1490 erwirbt er Zossen.
1499
Kurfürst Joachim I., Nestor, regiert bis 1535. Unter seiner Herrschaft wird 1506 die Universität Frankfurt an der Oder gegründet. Er erwirbt 1524 auch die Grafschaft Ruppin.
Es ist festzustellen, dass es zu dieser Zeit in der wüsten Feldflur mit Namen „Wendisch Stansdorf“ (mitunter auch als Damsdorf bezeichnet), die ja unmittelbar an die Stolpesche Feldflur grenzt, keinen Ort „Wendisch Stansdorf“ (mehr) gibt.
1517
Uns erreicht die Kunde, dass der rebellische Mönch Martinus Luther gegen Ansichten des Papstes arbeitet und auch insbesondere gegen den Ablasshandel wettert, als dessen eifriger Vertreter der Mönch Tetzel bekannt ist. So heftete Luther einen offenen Brief mit seinen Kritiken und Vorschlägen, 95 Leitsätzen, an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg.
1535
In Berlin führt Joachim II., Hektor, seine Residenz als Markgraf von Brandenburg und Kurfürst des Reiches (Kurmark) bis 1571. Johann von Küstrin regiert in der Neumark.
1536
Die große Feuersbrunst, die große Teile der Stadt Potsdam vernichtet, ist mit Feuerschein und Rauch natürlich auch bei uns in Stolpe zu sehen. Ein Unglück unvorstellbaren Ausmaßes.
1539
Die Lehre des die Kirche reformierenden Dr. Martin Luther, fasst unter der Beförderung durch Kurfürst Joachim II. nun auch in der Mark Brandenburg Fuß. In diesem Zuge werden die katholischen Besitztümer eingezogen und unter anderem das Kurfürstliche Amt Ziesar gebildet, zu dem nun auch das Dörflein Stolpe gehört.
In dieser Zeit lebt zu Berlin, Fischerstraße 27, der „Rosskamm“, Hans Kohlhase, ein angesehener Pferdehändler. Kohlhase reiste einst zur Leipziger Messe, als der Junker Günther von Zaschwitz mit seinen Knappen auf dem Wege zwischen Wittenberg und Leipzig aus lauter Besitzgier die von Kohlhase mitgeführten prächtigen Pferde beschlagnahmte.
Als Vergeltung nimmt Kohlhase mit Freunden die Burg des Junkers im Handstreich. Auch in der Folge nimmt er als Räuber von Reichen und gibt den Armen. So erbeutet Hans Kohlhase mit Georg Nagelschmidt und anderen Freunden kurz vor Potsdam einen Silbertransport des Churfürstlichen Hüttenfaktors Conrad Drahtzieher, der sich auf dem Wege zur Berliner Münzprägewerkstätte befindet. Der sächsische Kurfürst lässt daraufhin die Rebellen jagen und auch hierzulande wird ihm nachgestellt. Kohlhase versenkt den Raub, so die weitergesagte Überlieferung, an einer Brücke, die in der Nähe von Stolpe über das Flüsschen Bäke führt. Dieser Ort wurde danach „Kohlhasenbrück“ genannt. Hier soll der Schatz wohl auch noch im 21. Jahrhundert ruhen. Grabt nur danach. Hans Kohlhase und Georg Nagelschmidt aber fielen in der Häscher Hände und wurden zum Tode durch das aufstampfende, knochenbrechende Rad verurteilt, am 22. März 1544 vor dem Georgentor bei Berlin hingerichtet und ihre zu Tode verletzten Glieder, hernach auf das zur Schau aufzustellende Rad geflochten. Das Wissen um das Versteck haben sie bis in den Tod bewahrt. Heinrich von Kleist wird das historische Ereignis viel später in seiner Novelle „Michael Kohlhaas“ verarbeiten.
1541
Bis zum Jahre 1817 wird die Stolper Kirche eine Tochterkirche der Nikolaikirche zu Potsdam sein. Nach Potsdam besteht eine Wegeverbindung. Das ist natürlich ein Sandweg, von den Rädern der Fuhrwerke tief eingefurcht mit Höhen und Senken, die nach Regenfällen zu Morastlöchern werden, was besonders die Wildschweine freut aber die braven Zugtiere belastet.
1550
Im Dorf leben jetzt 9 Hüfner (Bauern) und 1 Kossate. In Potsdam ist schon wieder ein verheerender Stadtbrand zu beklagen. Die Menschen in unseren Breiten leiden an dem Voranschreiten der „Kleinen Eiszeit“. Es wird spürbar kälter. Das Getreide reift in den nasskalten Sommern selten aus, bringt nicht mehr die früheren Erträge. Es kann kaum noch Vorratswirtschaft betrieben werden. Das Volk lernt öfter den Hunger kennen. Bis nach 1850 wird diese kältere Periode anhalten.
1555
Das Herrscherhaus erwirbt nun mit Storkow und Beeskow, ebenfalls zwei slawische Gründungen.
1559
Wegen großer Entfernung und der
damit bestehenden Hindernisse beim Verwalten, wurden verschiedene Orte, so auch
Stolpe, vom Amt Ziesar fortgenommen und als Verbesserung dem Ambte Potsdam
unterstellt. In Stolpe leben in dieser Zeit 9 Hüfner und 2 Kossäten.
1561
Der italienische Advokat Fulgentius Ruggieri berichtet über seine Reise durch die Mark Brandenburg, dem historischen Grenzland von Germanen und Slawen, dass die Ortschaften ihm zumeist als sehr einfach und unansehnlich erscheinen. Die Häuser sind im Wesentlichen aus Lehm gebaut, schmutzig der Eindruck wegen des Unrats auf den Straßen. Nichts sei so herrlich wie in Italien. Lobende Worte findet er dagegen für die Natur mit ihren weitläufigen saftigen Wiesenflächen, zahllosen Wasserläufen, die auch für den Antrieb von Mühlen genutzt werden und mit reichem Fischbesatz ausgestattet sind. Wälder mit viel Wild und auch unkultivierter Heide, in denen nur der des Ortes Kundige die richtigen Wege erkennt. Allerdings sei das Land sandig und somit wenig fruchtbar und meist recht flach, berichtet er.
1571
Als Kurfürst von Brandenburg herrscht Johann Georg von Hohenzollern bis 1589.
1576
Stolpe hat (inzwischen) drei Feldmarken mit zusammen 40 Hufen: Das sind 16 Erbhufen, neu sind 15 Hufen auf der Feldmark von Wendisch Stahnsdorf und 9 Hufen auf der Niendorfer (Neuendorfer) Feldmark. Von den 16 Erbhufen des Ortes sind 3 1/2 frei (also ohne Abgabepflicht). Der Schulze hat davon 1 1/2 Hufen und 2 Hufen hat A. Voigt. Insgesamt hat der Schulze 3 Erbhufen in Stolpe, 2 Hufen in Wendisch Stahnsdorf, eine Wiese und zwei Gärten.
Es wohnen derzeitig hier 8 Hüfner (Bauern mit Land von einer oder mehreren Hufen Größe): Davon 5 Bauern mit je 2 Erbhufen und je 1-2 Wendisch Stahnsdorfer und Neuendorfer Hufen. 3 Hüfner mit je einer Erbhufe und 1-2 Wendisch Stahnsdorfer und Neuendorfer Hufen – einige mit Wiesen. Ferner sind 2 Kossäten ansässig: Einer mit einem Hof und 2 Wiesen in Wendisch Stahnsdorf und einer mit einem Hof, einer Hufe in der Wendisch Stahnsdorfer Feldmark und einer Wiese, genannt „das Radelandt“. Die Kirche hat Land auf der Feldmark Wendisch Stahnsdorf, auf dem Kahlenberge, zwischen beiden Heiden, auf dem Hasselberg und besitzt auch Wiesen.
(Wendisch Stansdorf ist eine wüste Feldmark südlich des östlichen Teiles des Griebnitzsees und dem späteren Teerofen gelegen. Das Gebiet wird auch als „Damsdorfer Feldmark“ oder auch als Stolpesches Hünenfeld bezeichnet). Diese wüste Mark Wendisch Stansdorf und die angrenzende Stolpesche Feldmark umfassen gemeinsam 101 Hufen Landes. Im Westen grenzt das Gebiet an die Neuendorfer Heide, an die Feldmarken von Drewitz und Gütergotz im Süden und an die Feldmark von (Deutsch) – Stansdorf (im Folgenden „Stahnsdorf“ geschrieben), im Osten.
1589
Kohlhasenbrück bei Stolpe wird erstmals in den Urkunden (Steuerlisten) des Churfürstlichen Amtes Potsdam erwähnt. „Stolpe“, „Kohlhasenbrück oder der Theerofen“ gehören zum Churfürstlichen Ambte Potsdamp mit aller Gerechtigkeit“. Der Teerbrenner entrichtet dem Churfürstlichen Ambt jährlich 30 Reichsthaler Zapfzins als Gewerbeabgabe, denn er schänkt neben der Teerbrennertätigkeit auch im Kruge das Amtsbier aus. Diese Lage der Schankwirtschaft ist günstig, denn hier besteht ein Haltepunkt für den Wagenverkehr von Berlin nach Sachsen und zurück. (Der „Churfürstliche Weg“ liegt auf der Trasse der späteren Wannseebahn, die im 20. Jahrhundert gebaut werden wird). Das Kossätengut Kohlhasenbrück umfasst eine Fläche von 72 Morgen.
Der Teerbrenner gewinnt im Schwelofen auf dem Wege der warmen / trockenen Destillation das Harz aus der Kiefer, als Teer für Abdichtungsstoffe und zu vielerlei weiteren Zwecken, so auch als Wagenschmiere, die in großen Mengen benötigt wird. Pech und auch Ruß sowie Holzkohle werden hergestellt. Verluste, die vom Abstich in den sandigen Boden laufen, bedauert man sehr. Der Erfindungsgedanke aber war noch nicht gereift, aus diesem Teer-Sand-Gemisch feste Wegeoberflächen zu gestalten, um die Verhältnisse des vorhandenen Sandes mit tiefen Furchen in den Fahrwegen zu bessern. Große Aufmerksamkeit bedarf es am Teerofen – mit den gehörigen Abständen vom Waldbestand und den Anwesen mit den leicht brennbaren Schilf- und Rohrdächern, damit kein Schadensfeuer entstehe.
In Stolpe sind immer noch ansässig: 9 Hüfner und 2 Kossäten.
1592
In Stolpe wurde in diesem Jahr Jacob Zinnow geboren. (Wie seine Eltern heißen, konnte noch nicht (wieder) ergründet werden).
1593
Bis zum Jahre 1766 werden die kirchlichen Handlungen des Ortes Stolpe im Buch der Kirche St. Nikolai zu Potsdam vermerkt.
1598
Joachim Friedrich von Hohenzollern ist neuer Kurfürst von Brandenburg. Er wird allerdings nur acht Jahre, bis 1608, regieren können.
1608
Kurfürst im Lande Brandenburg ist nun bis 1619 Johann Sigismund. Während seiner Regierungszeit beginnt der „Glaubenskrieg“, der 30 lange Jahre währen und sehr viel menschlich - unchristliches zum Vorschein bringen wird.
1611
Bis 1631 wütet die Pest – so auch im Raum Potsdam und Berlin und fordert viele Opfer.
1613
Der Familienname „Zinne / Zinno“ ist in Stolpe geläufig (Geburt des Peter Zinne 1613), wird sogar stark gehäuft auftreten. Es ist nicht auszuschließen, dass dieser der Sohn oder ein Vetter des Jacob Zinno ist, der 1592 hier geboren wurde. Der Familienname könnte vom Beruf des Zinnarbeiters, des Zinngießers herrühren. Die Verarbeitung von Kupfer und Zinn durch kunstfertige Handwerker ist uns schon aus der Bronzezeit bekannt. Möglich ist aber auch, dass der Name als Herkunftsbezeichnung diente, für Jenen, der aus Zinndorf oder Zinna hierher zog (das sind zwei Orte, die vom Kloster Zinna gegründet wurden) – also „der Mann aus Zinne“ oder eben kurz „Der Zinne“.
1618
Bis 1648 durchzieht der 30-jährige Krieg auch dieses Gebiet und hinterlässt Verwüstung und Armut. Reicht das Versorgungsaufkommen der Bevölkerung für die Soldaten nicht aus, wird oft das Letzte genommen, was die Dorfbewohner besitzen. Auch Vergewaltigungen und Folterungen selbst der „befreundeten, weil protestantischen, schwedischen Soldateska“ in der Bevölkerung sind an der Tagesordnung. So ist beispielsweise der „Schwedentrunk“ eine gefürchtete Maßnahme, die aus dem Zwangseinflößen erhitzter Jauche besteht. Brandschatzungen sind oft als Ausdruck des Unmuts üblich. Die „Lustseuche“ Syphilis beginnt durchs Land zu gehen und ihre Opfer zu fordern.
1619
Das Schoßkataster nennt Joachim und Augustin Rumschitel als Besitzer des Schulzengerichts zu Stolpe, die hier vielleicht zu den angesehenen Landwirten gehören.
Von 1619 bis 1640 regiert uns Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg.
1623
Bis etwa 1631 wird das karge Leben bestimmt von Missernten und darauf folgenden Teuerungen, von Epidemien (Typhus, Pest und Pocken, Viehseuchen) und den mit diesen Erscheinungen einher gehenden Hungersnöten. Zusätzlich schaden Brände, Raub und Erpressung. Die Bevölkerung ist völlig verarmt. Verschiedene Verzweifelte im Land setzen ihrem Leben durch tiefes Wasser, einen Strang oder den scharfen Stahl selbst ein Ende.
1624
Stolpe umfasst 16 Hufen. Jede der 16 Hufen enthält etwa 20 Magdeburger Morgen Land. Hier leben immer noch 9 Hüfner (Bauern mit Land), 2 Kossäten (Besitzer einer Kate und nur wenig Landeigentum), 1 Hirte und 1 Paar Hausleute (2 arbeitende Menschen, eventuell ein Ehepaar). Zu den Bewohnern gehören: Die Familie des Jacob Zinnow (des Älteren, wird er später genannt), der in diesem Jahr heiratet. In der ersten Ehe wird er fünf Kinder zeugen. Leider wird seine noch junge Ehefrau schon 1631 sterben müssen.
1630
Die Truppen des kaiserlichen, katholischen Oberbefehlshabers General Albrecht Wenzel Eusebius Baron von Wallenstein (geboren 1583, ermordet 1634) durchziehen im September unsere Gegend. Wie selbstverständlich muss die Bevölkerung die Truppen ernähren, egal ob den Freund oder den Feind. Ein Reuther (Reiter) soll erhalten:
Täglich 3 Pfund Brod (1.500 Gramm) zu je 3 Pfennig,
Täglich 3 Pfund Fleisch (1.500 Gramm) per a 8 Pfennig,
Täglich 3 Quart Bier ein jedes zu 5 Pfennig.
Sein Pferd soll dagegen bekommen:
Täglich 12 Pfund Heu, einmal wöchentlich 1 1/2 Scheffel Haber (das sind im Hohlmaß etwa 82,5 Liter Haferkörner), den Scheffel mit 12 Groschen veranschlagt. Einmal wöchentlich zwei große Gebundt Stroh. (Von derartigen Versorgungsmengen kann die ansässige Bevölkerung für sich selbst nur träumen).
1631
Die Truppen des Königs Gustav II Adolf von Schweden haben auf dem strategisch hervorragenden Brauhausberg bei Potsdam ihr zeitweiliges Hauptquartier aufgeschlagen. Sie zeigen ihre Machtstellung, marodieren und versorgen sich von den knappen Vorräten. Ihre Ansprüche sind ähnlich wie die der vorgenannten kaiserlichen Armee. Geplündert werden die Orte sowieso von Feind und „Freund“ und auch der Tross von Frauen und Kindern, der mit den Soldaten zieht, muss versorgt werden. Die Pestepidemie reduziert die Potsdamer Bevölkerung von etwa 1.000 Einwohnern um ein Drittel.
1632
Nach dem frühen Ableben seiner Ehefrau heiratet Jacob (der Ältere) Zinnow am 10. Junius, Maria Roch. Mit ihr wird er zwei (weitere) Kinder haben.
1635
Die dem Dorf Stolpe benachbarte kleine Ansiedlung namens Kohlhasenbrück hat ein altes Schankgut. Dieses soll um 1635 einem gewissen Hans Kohlhase verliehen worden sein.
1640
Regierungsantritt des Friedrich Wilhelm von Hohenzollern, dem ersten Fürsten dieses Namens in unserer Gegend, den man später den „Großen Kurfürsten“ nennen wird. Seine Ehefrau wird im Jahre 1646 die 19jährige, sanfte, zierliche Luise Henriette von Nassau – Oranien. Friedrich Wilhelm selbst übernimmt im Alter von erst 20 Jahren die Regierungsgeschäfte. Er übernimmt damit auch ein verwüstetes Land und leere Kassen. Trotzdem: „Das gantze Eylandt Potsdamb mus ein Paradis werden“, so die Devise – das wird auch ein bisschen uns in Stolpe und die Umgebung des Ortes betreffen, so hoffen wir. Seine Regierungszeit wird bis 1688 währen. In dieser Zeit hat das Kurfürstenpaar sechs Kinder, die in jungen Jahren sterben, bis auf das Sorgenkind (den kränkelnden Friedrich), der somit zum künftigen Thronfolger bestimmt ist. Leider stirbt Kurfürstin Luise Henriette sehr früh.
Die zweite Frau des Kurfürsten wird die Prinzessin Dorothea von Holstein – Sonderburg – Glücksburg, kraftvoll und energiegeladen, die dem Kurfürsten sechs kerngesunde kräftige Kinder gebiert, von denen aber keines die Thronfolge erreichen kann, weil der Friedrich an erster Stelle steht. Kurfürstin Dorothea wird für die Ausgestaltung des Schlosses in Caputh sorgen.
1644
Als Auswirkung des Krieges stehen im Städteken Trebbin von früher 149 Häusern heute nur noch 24. Die Residenz-Doppelstadt Cölln – Berlin zählt nur noch ganze 8.000 Seelen, ein armseliger Haufe in der einst so stolzen Stadt.
1648
Landreiter im Teltowschen Kreise ist Michel Klinitz. Er berichtet: Zum Ende des 30jährigen Krieges hat die Stadt Potsdam 700 Einwohner, das sind etwa 90 Familien. Es ist somit nur noch die Hälfte der Einwohner (gegenüber der Zeit vor dem Kriege) vorhanden. Die anderen Einwohner sind tot oder geflüchtet. Ähnlich sieht es in den umliegenden Gemeinden aus. Hunger, Elend und die wirtschaftliche Zerrüttung bestimmen das Leben. Auch die Dörfer Stolpe und Nedlitz sind fast völlig wüst! In Stolpe bestanden vor dem Kriege 9 Bauernhöfe. Sie sind verwüstet und verlassen. Es setzt aus vielen verwüsteten trostlosen Orten eine Wanderung der Menschen ein, hin zu Orten, die ihnen noch eine Zukunft verheißen können oder von denen sie zumindest einen solchen günstigen Umstand annehmen.
1650
Es leben hier in Stolpe inzwischen wieder: 1 Schulze, 8 Hüfner, 2 Kossäten. Die Aufteilung der Landstücke entspricht der Gliederung von 1576.
1651
Es erreicht uns auch die folgende Kunde aus Gütergotz: Hier in Gütergotz (seit 1937 „Güterfelde“) wohnen jetzt der Vice-Schulze Hans Zinne, der Hüfner Gürge Hönow und der Kossät Zinne, alle aus Stolpe. Die Einwohner des nahgelegenen Klein Glienicke gehen entweder nach Potsdam oder nach Stolpe in die Kirche.
1652
Der aktuelle Landreiterbericht erwähnt über die Bewohner des Dorfes Stolpe: 1 Hüfner - Vice-Schulze mit seinem Stiefsohn und 2 Bauern, alle von außerhalb zugezogen:
1. Der Schulze, Seitebauer, kam aus Hönow (Hönow ist im 30jährigen Kriege völlig verwüstet worden. Der Ort gehörte zum Amt Altlandsberg. Die Abgaben der Einwohner gingen zum Teil an das Kloster Zinna bei Jüterbog. Es ist noch nicht zuverlässig bekannt, warum sich diese Familie hier in Stolpe niederließ. Suchte sie Unterstützung bei den hier bereits ansässigen Hönows, die, weil auch Stolpe fast völlig verwüstet war, erst kürzlich eine neue Bleibe in Gütergotz gesucht hatten?)
2. Bauer Weber aus Mittenwalde, 3. Bauer Massute aus Schmargendorf. Die anderen Bauerngehöfte sind, soweit noch bewohnbar, neu von den Kossäten bezogen worden.
Zu den 4 Kossäten gehören: Die neuen Bewohner Seyke, Kumpen und Rochow aus Rüdersdorf, Löwenberg und Marienfelde. Die Familien Jacob Zinnow, Georg Zinnow und Kluge waren hier noch sesshaft. Allerdings ist ja auch einer der Zinnow’ kürzlich, ebenso wie Hönow, nach Gütergotz gezogen, um dort eine bessere Zukunft zu finden (oder kamen jene vielleicht inzwischen zurück, um den Wiederaufbau Stolpes mit vereinten Kräften voranzutreiben?)
1656
Am 30. Novembris heiraten in Drewitz der dortige Schulze und Krüger Christian Klugke und Ursula Zinnow aus Stolpe. Sie wurde geboren am 19. May 1635. Ihre Eltern: Jacob Zinnow, Schulze in Stolpe und Marie Roch. Das heute junge Paar wird später sieben Kinder haben.
1660
Bau der ersten Glienicker Brücke, einer schmalen Holzbrücke, die ausschließlich Adligen zur Benutzung vorbehalten bleibt.
1675
Johann Kunckel (1638 – 1703), Sohn eines Glashüttenbesitzers, Hofalchimist beim Großen Kurfürsten (Geheimer Kammerdiener), wohnte bisher in der Berliner Klosterstraße. Auf ihn geht die Wiederentdeckung der Anwendungen von Phosphor zurück und die Herstellung verschiedener Glassorten. Als Arbeits- und Forschungsstätte schenkte der Kurfürst von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, (der Große Kurfürst) ihm die Insel „Pfau Werder“ (die später Pfaueninsel genannt wird), die zur Gemarkung Stolpe zählen wird. Hier findet Kunckel auch die Rezeptur für das einmalig schöne Rubinglas.
1678
Kurfürst Friedrich Wilhelm erwirbt das Waldgebiet zwischen Griebnitzsee und Havel. Überhaupt möchte er das Gebiet bis Wusterhausen ausdehnen und gern in einen „Thiergarten“ zur Jagd umgestalten. In der Zeit der Verwirklichung wird er jedoch aus Altersgründen verscheiden und der Nachfolger gibt diesen Plan auf. Wir erinnern daran, dass hier in unserem Gebiet in dieser Zeit unter den Arten des reichen Wildbestandes auch die Wölfe leben.
1680
Der Ort Stolpe besteht aus einigen Häusern, nahe dem Stolpsee gelegen, dem kurfürstlichen Weinberg und endlich dem Ziegelofen. Als Betreiber des Teerofens nahe Kohlhasenbrück wird Albrecht genannt. Kohlhasenbrück ist nahe dem östlichen Ende des Griebnitzsees belegen.
In den Akten werden die “Steinstücken“ außerhalb der Gemarkung Stolpe erwähnt und ebenfalls Moorlanke (später Moorlake) am diesseitigen Gestade der Havel gegenüber von Sacrow.
1682
Es beginnt der Bau des Schlosses Klein Glienicke.
1683
Der kurfürstliche Cammerjunker-Ingenieur Samuel de Suchodoletz (polnischer Herkunft) zeichnet viele Karten von Gebieten der Mark Brandenburg, so auch 1680 eine Karte von Potsdam und 1683 eine Karte von Stolpe. Die Landkarte von Suchodoletz zeigt nebst Stolpe die „Alte Ziegeley“ am Westufer des Wannsee und auch „Der alte Hof“ ist enthalten. Der (spätere) kleine Wannsee heißt zu dieser Zeit „Das Stolper Loch“. Südlich und westlich des Stolpsees sind Sandberge eingezeichnet. Vom Ort zum Wannsee zieht sich die Stolp’sche Feldmark hin, ein Weinberg ist eingetragen. Die Steinstücken bilden einen Teil der wüsten Feldmark (WFM) Wendisch Stahnsdorf.
1684
In diesem Jahr ist eine lange Dürrezeit zu beklagen, die das Wachstum der unreifen Kulturpflanzen zum Stocken bringt. Auf Pfau Werder, der Insel, die mitten im Havelstrom nördlich von Stolpe liegt, wurde jetzt ein Kaninchenhegehaus erbaut. Diese Insel gehört zur Königlichen Heide und umfasst 380 Morgen (1Mg fürs Gehöft, das Eylandt ansonsten Gartenland).
1685
Kurfürst Friedrich Wilhelm (Der Große Kurfürst) erlässt sein Toleranzedikt. Er bietet Hugenotten und anderen Glaubensflüchtlingen die Möglichkeit der Zuflucht und der Ansiedelung in der Mark Brandenburg an.
1688
Der Große Kurfürst stirbt. Sein Sohn aus erster Ehe, Friedrich III. regiert als Kurfürst von Brandenburg bis zum Jahre 1713. Vom Volke wird der im Rückgrat Verwachsene etwas nachsichtig aber auch despektierlich, „der schiefe Fritz“ genannt. Es hat sich ja herumgesprochen: Seiner früheren Amme dem unglücklichen Ding, wird nachgesagt, dass sie ihn, den damals sechs Monate alten Säugling, eines unguten Morgens während der langen Winterreise nach Königsberg, von der Sitzbank der Kutsche auf den Boden habe fallen lassen. Davon sei nach Angabe eine Rückgratverletzung zurückgeblieben, die sich später zu einem fürstlichen Buckel auswuchs…na ja…und überhaupt kränkelt er auch als Erwachsener häufig vor sich hin, ist aber still und freundlich. Wenn auch geistig nicht so recht bedeutungsvoll, zeugt er wohl aber tatsächlich selbst seinen Nachwuchs. Das körperliche Gebrechen sucht er mit äußerem Pomp zu überdecken. Friedrich hat nacheinander drei Ehefrauen, die er aber wohl wenig von sich begeistern konnte. Aus der zweiten Ehe hat er einen ein-geborenen Sohn. Seine erste Frau, Elisabeth Henriette von Hessen – Kassel, stirbt leider nach vier Jahren der Ehe an Blattern (Pocken). Seine zweite Frau, Sophie Charlotte von Hannover - Braunschweig - Lüneburg wurde von ihm geheiratet, als sie knapp 16 Lenze zählte und bereits eine vielfältige Bildung genossen hatte. Aus dieser Ehe stammt das pummelige, zu heftigen Wutausbrüchen neigende Kind, das später unser König Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) werden soll. Vom 18. Januar 1701 an, wird aber vorerst sein Vater, unser prunkliebender schiefer Fritz der erste König in Preußen sein, was uns alle viele Steuergelder und 5.000 soldatische Landeskinder als Kämpfer im spanischen Erbfolgekrieg kostet.
Nach dem Tode des Großen Kurfürsten hört des Alchimisten Kunckels Tätigkeit für den brandenburgischen Hof auf. Auf seine Dienste legt der neue Kurfürst Friedrich III. keinen Wert. Noch in diesem Jahr wird ihn König Karl XI. von Schweden in sein Land holen und ihn fünf Jahre später adeln (Kunckel vom Löwenstern). Kunckel wird angesehen und geehrt im Jahre 1703 auf seinem Landgut bei Pernau in Litauen sterben.
1690
Der Ziegelmeister Terhecke stiftet in diesem Jahr für die Stolper Kirche eine Taufschale aus Zinn.
1693
Der Teerbrennermeister Martin Kokert / Köckert schenkt der Kirche von Stolpe zwei Altarleuchter aus Zinn.
1697
Joachim (der ältere) Zinnow, Gerichtsschöppe, Schulze und Kirchenvorsteher in Stolpe heiratet am 18. Octobris Elisabeth Palm. (Natürlich ist es ja, dass die Leute nicht nur heiraten, sondern auch geboren werden und sterben. Alle freudigen und traurigen Ereignisse, die die Dorfbewohner erleben hier auch aufzuführen, würden jedoch den Umfang dieser bescheidenen Auflistung sprengen. Deshalb erwähnen wir im Wesentlichen die Heiraten). Der Teerbrenner Martin Kokert ist Pächter des Teerofens.
1700
Stolpe gehört von jetzt an zum Amte Potsdam. Im Dorf lebten bisher 8 Bauern und 2 Kossäten, jetzt sind es aber überhaupt nur noch vier Kossäten.
Darunter befindet sich, Familie Kluke / Kluge und die Familie des Joachim Zinnow (des Älteren). Bekannt sind auch Familie Albrecht und die Familie des Martin Kokert, wobei die beiden letztgenannten streng genommen zu Kohlhasenbrück gezählt werden.
(Andreas Lehmann, Joachim Thiell und
Andreas Stacho sind Paten bei den Kindstaufen, von denen noch nicht zuverlässig
bekannt ist, ob sie auch in Stolpe wohnen).
Eine Schäferei ist angesiedelt. Der Acker ist zum überwiegenden Teil mit großen Fichten bewachsen. (Anmerkung C. J.: Eventuell waren es aber eher Kiefern: Pinus silvestris. Der Volksmund nannte die Kiefer in jener Zeit häufiger „Fichte“).
Der reine Acker ist in 11 Teile gegliedert, wovon 7 noch wüst liegen. Vor einigen Jahren wurde die Schäferei für 500 Schafe angelegt. Verpachtet sind 2 Ziegelscheunen (eine alte sowie eine neue beim Dorf) und 2 kleine Seen mit dem Fischereirecht an die Untertanen.
1701
Potsdam wird vom Kurfürstlichen Sitz zur Königlichen Residenz erhoben. Von 1701 an regiert der vormalige Kurfürst Friedrich III., nunmehr als König Friedrich I. in Preußen.
Bis 1740 lebt der Königliche Wild- und Zaunwächter der Parforceheide im Wohnplatz „Eule“.
1704
Der Pfauenwerder wurde vom König mit Kaninchen besetzt und nun dem Amte Potsdam übergeben. Diese Insel wird inzwischen auch „Kaninchenwerder“ geheißen.
1705
Bis Ende des Wonnemonats gab es nochmals winterliche Temperaturen und Schneegestöber. Unsere Königin Sophie Charlotte (auf Lietzenburg, das wird später Charlottenburg geheißen werden) ist mit 37 Jahren gestorben. An den Hof kommt nun zum schiefen Fritzen die zauberhaft wunderschöne Prinzessin Sophie Luise von Mecklenburg – Grabow. Welche Gegensätze! Sie ist jetzt 22 Jahre alt, der Fritz steht im 52. Ihre ländlich freie, gerade Erziehung hat sie nicht auf die steife Etikette, das höfische Tun der Schranzen, die täglichen Intrigen am Schlosse vorbereitet. Sie hielt diese Art zu Leben nicht aus. Man schickte sie zurück zu ihren Eltern nach Schwerin, als sie „wunderlich“ zu werden begann.
1706
In Gütergotz wird Johann Christian Hönow geboren. Als junger Mann wird er um 1730 nach Stolpe ziehen und hier mit Marie Dorothea Brückmann eine Familie gründen (und später, im vorgeschrittenen Alter, eine zweite Ehe mit Sophia Balcke führen. Der Familienname Hönow ist, wie wir wissen, in Stolpe schon seit langer Zeit bekannt.
1710
Die Pest wütet erneut in der Mark Brandenburg.
1711
Ausstattung des Dorfes: 5 Giebel in allem, der Hirte, 3 Paar Hausleute, der Schäfer, der Große Knecht, der Kleine Knecht. Land: 16 Hufen á 4 gr. (Groschen Pachtzins pro Jahr).
Anmerkung: Der Begriff “Giebel“ könnte hier eine von zwei verschiedenen Bedeutungen haben: 1. Anzahl der Häuser, vornehmlich mit Satteldach – möglich, dass die kleinen Buden (der Büdner) nicht mitgezählt wurden -, aber auch 2. mitunter verwendet als Zählmaß für die Anzahl der Einwohner.
1713
Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) regiert nach dem Tode des Vaters bis 1740 als König in Preußen. Er ist jener, den man hinter vorgehaltener Hand bereits im Kindesalter als „Satansbraten“ bezeichnete. Nun haben wir ihn als König. Der Soldatenkönig war fast der Einzige, der kaum Krieg geführt hat. Soldatenkönig wurde er wegen seiner kostspieligen „Langen Kerls“, der Repräsentations-Riesengarde genannt und er war auch ansonsten für das Militär – koste es, was es wolle. Ansonsten war er sparsam, grob, ungehobelt, Er liebte deftige Späße mit seinen Ministern und genauso gegen diese, schaffte den Prunk ab und den Drill heran. Trotzdem bekam er eine Frau - seine nicht zu beneidende Cousine Sophie Dorothea von Hannover. Die beiden hatten vierzehn Kinder miteinander, obwohl sie sehr unter seinem tyrannischen Wesen litt. Im Berliner Schlösschen Monbiju fand sie ihr Refugium.
1714
In der Parforceheide unweit von Drewitz werden am Gütergotzer Wege ein Jagdhaus und ein Försterhaus errichtet.
1716
Der Schankwirt Martin Kokert von Kohlhasenbrück zahlt gemäß Kontrakt vom 6. Juni 1716,
8 Rthlr. (Reichsthaler) Zapfenzins an das Amt Potsdam.
1720
Zum Amt Potsdam gehören die Dörfer: Ahrensdorf, Drewitz, Klein-Glienicke, Kohlhasenbrück, Neuendorf, Nudow, Philippsthal, Schenkendorf, Schönow, Sputendorf und Stolpe.
1724
In reichlich drei Jahren wurde die neue Kirche in Potsdam gebaut. Die Nikolaikirche, „unsere Mutterkirche“.
1728
Joachim Zinnow (der ältere), Kirchenvorsteher zu Stolpe, heiratet im Jahre des Herrn 1728,
am 8. January, die Catharina Hönow.
1730
König Friedrich Wilhelm I. lässt den Königsweg zwischen Potsdam und Zehlendorf anlegen. Die wüste Mark „Wendisch Stahndorf“, die an die Stolpesche Feldmark grenzt (südlich des östlichen Teil des Griebnitzsee und dem Teerofen liegend), teilweise von den Stolpeschen Leuten bewirtschaftet, ist zum Teil in der ausgebauten Königlichen Parforceheide aufgegangen. Im Nordwesten dieser alten wüsten Feldmark liegen die Steinstücken.
1731
In der Parforceheide wird am Wegestern ein Königliches Jagdschloss nach holländischem Geschmacke errichtet, das wohl Jan Boumann entwarf. Genannt: „Das Jagdschloss Stern“.
1734
Christian Hönow heiratet in Stolpe die Maria Brückmann. Gemeinsam werden sie mindestens vier Kinder haben.
1735
Joachim (der Jüngere) Zinnow,
Kossät und Kirchenvorsteher in Stolpe, 35 Jahre alt, lässt sich am 06. Octobris
mit Maria Dorothea Sange trauen. Sie ist 25 Jahre jung.
1738
Jacob Baatz, der 1704 in Stolpe geboren wurde, heiratet jetzt als Kossät und Gerichtsschöppe die um acht Jahre jüngere Marie Elisabeth Stoppel. Mit ihr wird er im Laufe der Zeit zehn Kinder haben. Das uns gut bekannte, noch vom Großen Kurfürsten erbaute Jagd- und Lustschloss Klein-Glienicke wird von unserem jetzigen äußerst sparsamen König Friedrich Wilhelm I. zur Wachstapetenmanufaktur umgebaut. Aber nicht er selber hat das alles allein gemacht.
1740
Es herrscht ein strenger Winterfrost, der schon im späteren Herbst des Vorjahres seinen Einzug hielt. Diesen überstehen viele der Weinstöcke in Berlin, Potsdam und Umgebung nicht. Auch unsere Reben des Weinbergs in Stolpe nehmen Schaden. Hinzu kommt des Sommers der Kahlfraß durch Heuschrecken, die massenhaft auftreten.
Es regiert jetzt Friedrich II., später genannt „Der Große“, als König von Preußen, also „Der Junge Fritz“. Auf Befehl seines Vaters ist der 21jährige mit der 17jährigen Elisabeth Christine von Braunschweig – Bevern verheiratet worden. Mit dem Ableben seines Vaters, ihres „Schutzpatrons“ in diesem Jahr, lässt der königliche Ehemann sie „gänzlich fallen“ und weist ihr fernab eine Wohnstatt zu: „In Schönhausen mag sie schön hausen“, meint er. Ab 1745 wird er sich vom Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff nach eigenen Vorstellungen auf dem wüsten Berg zwischen Potsdam und Bornstedt binnen nur zweier Jahre das Schloss Sanssouci bauen, ordentlich auszieren et meubelieren sowie einen dazugehörenden Garten anlegen lassen (alles wie vorher in Rheinsberg, nur noch viel schöner). Seine Ehefrau Elisabeth Christine wird weder als Königin, ja nicht einmal als Gast in diesen Palast, eingeladen. Bis zu seinem Tode im Jahre 1786 wird die Regierungszeit des dann inzwischen „Alten Fritzen“ währen. „Jenseits wird mir wohler sein“, wird Christine Elisabeth zum Lebensende ihrem Tagebuch anvertrauen. Doch bis dahin vergeht noch einige Zeit, denn wir gehen ja vorerst ins Jahr 1743.
1743
Der Krug in Kohlhasenbrück gehört jetzt Christoph Hamel.
1745
Im Dorf Stolpe leben: 6 Bauern
und 1 Kossat. 1 Krug (Sange) ist vorhanden (auch der Krüger zählt als Kossat). Zu
den Einwohnern des Dorfes gehören: Familie Baartz und Familie Sange, beide
Kossäten. Joachim Zinnow (der Jüngere), Joachim Zinnow (der Ältere), Familie
Brückmann. In diesem Jahr heiratet Christan Zinnow die Dorothea Elisabeth
Zinnow. Deshalb können wir auch bald einzeln zusätzlich aufführen: Familie
Christian Zinnow. Mit ihr wird er zwei Kinder haben. Seine Frau wird 1785 mit
62 Jahren sterben, er sie aber überleben.
1749
Es wird überall im Brandenburger Land eine neue Ackerkultur nach der Methode des Kammerrats Kretschmer aus Leipzig eingeführt.
1750
Der Schullehrer und der Feldhüter wohnen beide in der „Schule“. Die Schule in Stolpe besteht aus einem Raum, der sowohl Unterrichtsstube, als auch gleichermaßen den Wohnraum darstellt. Eine Schulpflicht besteht allerdings nicht. Die Kinder sollen nach den Möglichkeiten, also nach den Kenntnissen des Lehrers, der eigenen Aufnahmefähigkeit und der Anwesenheitsdauer, etwas Lesen erlernen und üben, in den Aussagen des Katechismus unterwiesen werden, verschiedene Liederverse kennen und Sprüche der Heiligen Schrift auswendig lernen. Soll jemand zusätzlich die Kunst des Schreibens vermittelt bekommen, so müssen die Eltern dafür wöchentlich 6 Pfennige bezahlen. Vom Rechnen in der Schule sind wir noch etwas weiter entfernt, obwohl man auch gerade dieses Wissen im Leben sehr wohl benötigt. Der Feldhüter / Flurschulze hat als Aufseher die Pflicht, Wiesen und Äcker zu schützen; besonders deren Feldfrüchte, gegen unberechtigte Entnahme und Verwüstung durch Tiere.
Eine völlig neue Siedlung wird nahe Neuendorf und Potsdam unter der Leitung des Obersten v. Retzow entstehen. Sie soll „Nowawes“ heißen (das bedeutet uns genauso viel wie „Neuendorf, nur eben in böhmischem Sprachgebrauche Nowawjes gesprochen) und als Kolonisten (Büdner) vor allem Weber und Spinner aus Böhmen, Württemberg, dem Salzburger Land und anderen Landschaften aufnehmen. Viele Wirtschaftsflüchtlinge und Glaubensverfolgte sollen sich darunter befinden.
1752
In den vergangenen Jahren 1744 – 1752 erfolgte für das Königliche Stadtschloss im nahen Potsdam ein weitreichender Umbau, den nach den Befehlen des Königs, erneut Wenzeslaus v. Knobelsdorff plante und ausführen ließ. Kein Vergleich der eingesetzten Geldmittel zu denen, die unsereins benötigt, um unsere kleinen Katen und Buden instand zu halten.
1753
Eine regelmäßige Postverbindung wird zwischen Potsdam und Berlin eingeführt, die nördlich nahe an Stolpe vorbeiführt.
Zu etwa jener Zeit heiratet Jacob (II) Zinnow. Über seine Frau ist uns leider nichts bekannt geworden. Das Paar wird aber mindestens drei Kinder haben.
1756
Es beginnt ein Krieg. Verschiedene Söhne wurden geworben, eingezogen, enrollieret. Der preußische König wird mit unseren Jungen, mit den Soldaten gegen die Sachsen kämpfen, gegen Österreich, Frankreich und Russland ziehen. Sieben Jahre, bis 1763, wird dieser Krieg dauern.
Der Schäferknecht Christian Perlewitz und Marie Elisabeth Albrecht lassen ihr Söhnchen Ludewich taufen. Johann Christian Perlewitz ist Pachtschäfer zu Stolpe.
Nach großer Hungersnot wird auf Befehl des Königs Friedrich II. (“Circular-Ordre vom 24. März 1756“) die Tatoffel, die Erdtoffel oder auch der Erdapfel genannt, (also die Kartoffel) als Volksnahrungsmittel angebaut. Bald wird aus gerösteten und gemahlenen Kartoffelwürfeln Kartoffelkaffee hergestellt und ebenso der „Armenkäse“.
1760
Österreichische Truppen, geführt von dem General Esterhazy, belagern Potsdam. Unser Dorf bleibt dabei ungeschoren.
1761
Es heiratet der Kolonist Christian Dannenberg in Stolpe die Anna Maria Schmidt. Mit ihr wird er mindestens zwei Kinder haben. Ein neuer Albrecht kommt zu uns: Der Teerschwelereipächter Albrecht aus Caputh erbietet sich, den Teerofen hier bei uns in Kohlhasenbrück neu aufzubauen und dann auch zu betreiben.
1764
Das Land der Gemeinde Stolpe wird von 10 Kossätenfamilien und einigen Büdnern bewirtschaftet. Es bestehen derzeitig keine Bauerngüter. Am 15. Dezember 1764 erscheinen vor der königlich-kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer zu Potsdam die Familienoberhäupter aller Kossäten der Gemeinde Stolpe mit einem Antrag. Bei den Personen handelt es sich um:
01. Christian Zinnow Setzschulze
02. Christian Sange Schöppe
03. Jacob Baatz Schöppe
04. Friedrich Sandow Erbschankkrüger
05. Joachim Zinnow
06. Jacob Zinnow
07. Jacob Liebenows Witwe, in Assistenz ihres Sohnes Gottfried Liebenow
08. Andreas Höhnows Wittre in Assistenz ihres Sohnes Gottfried Höhnow
09. Christian Höhnow
10. Gottfried Zinnow
(Diese Kossäten sind bisher landarme Dienstleute, Landarbeiter, die dem Dienstherrn, hier dem Amte in Potsdam, zu Arbeitsdiensten verpflichtet sind). Diese Kossäten stellen nun folgenden Antrag: Sie wollen gerne jeder den Kosspäten-Hof auf dem sie wohnen, erb- und eigenthümlich übernehmen, so ihnen dieser überlassen würde. (Es folgen Ausführungen zu weiteren Detailvorstellungen). Dem Antrag wird stattgegeben. So werden nun aus den bisherigen Kossäten Kleinbauern, freie Eigentümer ihrer Höfe mit bescheidenem Viehbestand, während aber die Äcker, Wiesen und Viehweiden, wie auch die Schäferei, als gemeinsames Eigentum bewirtschaftet werden. (So wird hier der Gedanke genossenschaftlichen Handelns in die Praxis umgesetzt). Von der Kriegs- und Domänenkammer wird ihnen im Gegenzuge die Pflicht auferlegt, vier einländische Büdnerfamilien in Stolpe anzusetzen, dass heißt, ihnen Hausbaustellen und Gärten anzuweisen sowie die erforderliche Unterstützung zu gewähren. Dieser Bedingung stimmt die Stolper Abgesandtschaft sehr gerne zu. So werden als neue Büdner die Familien von Christian Danneberg (er wird allerdings schon seit seiner Heirat im Jahre 1761 als Colonist geführt) und Christian Schmaedike, der eine Familie gründen möchte, mit einer Büdnerstelle versorgt. Der Dritte ist Johann Friedrich Bath, der ja schon in Stolpe wohnt aber eine eigene Büdnerstelle benötigt. Der Vierte ist Peter Müller, der aus Neu-Langerwisch zu uns zieht. Johann Christian Schmaedike heiratet noch in diesem Jahr Maria Dorothea Höhnow. Sie wird vier Kinder gebären, von denen zwei am Leben bleiben. Johann Friedrich Bath verließ dagegen zeitweilig den Ort und ging als Musquetier nach Bornstedt, um dort in das Zeinersche Regiment einzutreten. Der alte Rohde ist der Schulmeister. Er ist ein Veteran aus dem Siebenjährigen Kriege, der aus dem Tagelöhnerstand kam und sich nun der Schulerziehung der Kinder annimmt.
1767
Beginn des Kirchenbuches Stolpe. Das erste Buch beginnt in diesem Jahr und schließt im Jahre 1828. Die früheren kirchlichen Handlungen: Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen, wurden im Kirchenbuch von Sankt Nikolai zu Potsdam eingetragen und manche wohl auch in Glinicke (Klein Glienicke).
1768
Der Kossät und Schulze Gottfried Liebenow (ca. 35 Jahre alt) heiratet um diese Zeit die 21jährige Dorothea Sophia Zinnow. Acht Kinder werden sie in dieser Ehe haben. Ihre älteste Tochter Sophie wird später, wenn sie dazu gereift ist, ihren Stutterich heiraten.
1769
George Hoehnow, der Büdner, freit Anna Christina Sange. Eines ihrer Kinder, der Carl Wilhelm, wird am 13. 12. 73 das Licht der Welt erblicken.
1770
Eine Wegeverbindung von Stolpe über Kohlhasenbrück, besteht auch nach Nowawes.
Das Dorf hat 10 Giebel. Land: 16
Hf á 4 gr. (4 Groschen Pacht im Jahr für eine Hufe Land). Im Dorf wohnen 10
Kossäten und 8 Büdner. Möglich ist es, dass junge Familien, die noch bei den
Eltern leben, Ehepaare, die „auf dem Altenteil sitzen“ oder Einlieger, die in
einem Hause zur Miete mit einwohnen nicht extra ausgewiesen sind.
Es gehören dazu: Familie Albrecht -Teerofen-, die Familie des Kossäten Baatz, der Hirte Barthel, der Büdner Dannenberg, der Schäfer Freiberg, die Familie des Christian Hönow, die Familie des Gottfried Hönow, die Familie des Gottfried Liebenow. Die Familie des Ludwig Perlwitz, die Familie des Pachtschäfers Johann Christian Perlwitz, die Familie des Schulmeisters (vormals Ziegelstreichers), Büdners und Altsitzers Johann Gerhardt Rohde, Ferdinand Sandow, Familie Sange, die Familie des Christian Schmädicke. Familie Martin Schulze. Familie Wolter. Die Familie des Andreas Carl Zinnow. Die Familie des Jacob Zinnow, die Familie Joachim (d. J.) Zinnow. Die Familie des Christian Zinnow, die Familie des George Ludwig Zinnow, die Familie des Gottfried Zinnow. Die in Klammern gesetzten Namen (Familie Bauer, Familie Küfer, Familie Rabbak) treten als Kindspaten auf. Ob sie aber auch Einwohner von Stolpe (Büdner oder Hausleute) sind, ist später in die Vergessenheit gesunken.
Zu den Bewohnern gehören des Weiteren: Der Großknecht, der Kleinknecht und 2 Paar Hausleute (vier Personen). Von verschiedenen Tierseuchen werden unsere Dörfer über einen längeren Zeitraum heimsucht.
1771
Ein Büdner zu Stolpe, Georg Lichterfeldt, heiratet Marie Elisabeth Sange. Sie wird aber leider bereits mit 49 Jahren, im Jahre 1779 sterben. Der Kriegsinvalide, Brauknecht und Branntweinbrenner Johann Friedrich Gottfried Baatz, im Jahre 1738 in Stolpe geboren, geht am 05. Februaris 71 die Ehe mit Marie Dorothea Elisabeth Rudolf ein. Sie werden zehn Kinder in ihrem Hause aufziehen. Sein Vater ist der Kossat Christoph Friedrich Baatz.
1772
Wieder werden Hochzeiten gefeiert. Michael Freyberg aus Genshagen freit Anna Sophie Perlewitz aus Stolpe am 29. Oct. 1772. Des Bräutigams Vater Freyberg ist Pachtschäfer zu Genshagen und der Brautvater ist bekannter Maßen der Pachtschäfer Johann Christian Perlewitz zu Stolpe. Das scheint zu passen.
Johann Christian Friedrich Sandow ist Gastwirt in Stolpe. Er heiratet Maria Dorothea Kehne und wird mit ihr mindestens drei Kinder haben. Johann Gotfried Hoehnow warb erfolgreich um Sophie Dorothea Zinnow und tritt mit ihr vor den Pfarrer, um sich trauen zu lassen. Sie werden acht Kinder haben, von denen 5 das Erwachsenenalter erreichen. Damit nicht genug: Am 24. Sept. 72 gelobt Johann Wilhelm Baatz (auch ein Sohn des Jacob Baatz) vor Pfarrer und Gemeinde die Absicht der ehelichen Treue gegenüber Charlotte Sabina Zinnow. Bis zu ihrem Ableben 1785, mit erst 35 Jahren, wird sie acht Kinder geboren haben.
1775
Anton Friedrich Büsching, ein evangelischer Theologe und Geograph, Direktor des Grauen Klosters zu Berlin, schreibt detailliert über den Teil seiner Reise durch unser Gebiet: Der Weg von Berlin nach Potsdam ist nur vier kleine Meilen lang. Wegen der königlichen Residenzen muss jedoch ein Fahrpreis wie für fünf Meilen entrichtet werden. Man kommt von Berlin nach Potsdam entweder mit der ordentlichen Post oder täglich zweimal mit der Journailliere oder mit der Extra-Post oder aber mit Fuhrleuten. Die Fahrt mit der vierspännigen Extra-Post kostet für die Pferde 5 Thaler und 8 Groschen. Zuzüglich je Königliche Meile 1 Thlr. und 11Gr., in Summa 6 Thlr. und 19 Groschen. Dieser Preis ist zudem doppelt zu zahlen, weil er nur für die jeweils halbe Strecke gilt, denn in Zehlendorf ist Postwechsel. Ich habe mich besser zu Fuhrmannspferden entschlossen und zahle für die Gesamtstrecke 7 Thaler und dem Fuhrmann ein Trinkgeld drauf. Sobald man über die Glienicker Brücke kommt, hat man den Teltow verlassen und befindet sich nun im Havelländischen Kreise. Man sieht eine lange und breite Allee mit vier Baumreihen vor sich, die sich bis Potsdam zum Berliner Thor erstreckt. Sie ist schön und schattenreich aber so sandig, dass man weder zu Fuß, noch mit dem Wagen geschwind fortkommen kann.
Alle Wein-, Bier- und Wirtshäuser sollen des Winters am Abend um 10 Uhr geschlossen werden und im Sommer um 11 Uhr. Hazardspiele sollen in den Etablissements nicht geduldet werden. Christoph Kluge, Arbeitsmann in Teerofen, heiratet Catharina Blisse. Sie werden drei Kinder ihr eigen nennen.
1777
Joachim Ludwig Heydert (+ 1794) lässt für seinen Vater, den Hofgärtner des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Martin Ludwig Heydert (1656 – 1728), der zuletzt Gartenanlagen zu Neu Glienicke anlegte, ein Epitaph (Grabdenkmal) schaffen und in der Kirche zu Stolpe aufstellen. Heydert hatte 800 Taler für die Kirche gespendet und sich so ein „Anrecht“ auf ein Grabdenkmal in der Kirche und Unterbringung der Särge seiner Familie in den Grüften der Kirche erworben. - In diesem Jahr wird die neue Glienicker Brücke errichtet, eine Holzbrücke mit Zugbrückenteil für die Schiffsdurchfahrten.
Gottfried Zinnow heiratet den 13. Novembris in dritter Ehe die Louisa Sophie Hönow. Sie heiratet mit ihm fünf seiner Kinder. Mit ihr wird er weitere fünf Kinder haben. Ihre Schwester wird diesem Beispiel (vorerst der Heirat) in zwei Jahren folgen. Dagegen heiratet Anna Christina Zinnow den Kossäten und Arbeitsmann Christian Ludwig Hoehnow. Sie werden sieben Kinder haben, von denen sie vier durch die Zeiten bringen können.
1778
Der Kossät Andreas Carl Zinnow heiratet die Büdnertochter Maria Dorothea Sange. Die Geburt des ersten Kindes verläuft sehr schwierig, so dass die junge Mutter bereits im Wochenbett stirbt.
1779
Am 8. Sept. 79 geht Christine Charlotte Hoehnow mit dem jungen Pardemann den Ehebund ein. Der Kossat, Gerichtsschulze, Schul- und Kirchenvorsteher Georg Ludwig Zinnow führt am 26. Novembris Maria Dorothea Perlewitz zum Traualtar. In den Folgejahren wird sie 10 Kindern das Leben schenken, von denen sieben das Erwachsenenalter erreichen. Sämtliche Paten der Kinder leben in Stolpe. - In Stolpe werden vier weitere Kolonisten angesiedelt.
Die Stolp’schen Untertanen beklagen beim Herrn Ober-Konsistorial-Präsidenten die zu geringe geistliche Betreuung der Dorfbewohner. Sie kämen sich vor „wie eine arme verstoß’ne Gemeinde, die von ihrem Hirten nicht mehr geweidet wird“. Das Schreiben ist unterzeichnet mit: „Unterthänigste Knechte und Cossäthen zu Stolpe, Carl Zinnow, Schultze, nebst der gantzen Gemeinde“. Andreas Carl Zinnow wird auch mit „Gerichtsschulze“ tituliert.
A. Carl Zinnow heiratet ein zweites Mal. Es ist Dorothea Luisa Diederich aus Genshagen, die er am 15. April zum Traualtar führt. Doch auch dieser Ehe wird kein langer Bestand gegönnt sein, denn Dorothea wie auch ihr viertes Kind überleben dessen Geburt am 16. August 1785 nicht. Christian Sange (geb. 1731) und Maria Elisabeth Krüger entschließt sich, ebenfalls zu heiraten. Johann Wilhelm Liebenow (Sohn von Jacob Liebenow und Elisabeth Dannenberg) wird Webermeister in Stolpe und heiratet am 17. Oct. 1779 die Dorothea Louisa Barremann aus Bergholz. Zwei Kinder werden sie großziehen. Auch der verwitwete Büdner Georg Lichterfeldt entschließt sich, zu Weihnachten 79 nochmals zu heiraten. Seine Gefährtin wird Marie Elisabeth Werlich, eine verwitwete Liebenow aus Gütergotz. Gemeinsam werden sie drei Kinder haben.
1780
Johann Christian Brandt aus Kohlhasenbrück (er ist auch Soldat im Regiment „Prinz Heinrich“), heiratet in diesem Jahr Dorothea Louise Schultze. Als neuer Hirt kommt Sasse hinzu.
1782
Das Kruggut des Erbschankkrügers Friedrich Sandow gilt als Halte- und Rastpunkt auf dem Wege zwischen Potsdam und Berlin, wie auch auf dem Wege von Sachsen nach Berlin. In diesem Jahr aber verkauft Sandow die Gastwirtschaft an Erdmann Stimming. Der Krüger Ebel (aus Kohlhasenbrück) betreibt den anderen Krug zu Stolpe (siehe auch 1796). Unser Kossat Ludwig Perlewitz ehelicht am 10. November 1782 die Anna Dorothea Diederich. Sie werden fünf Kinder haben.
1783
Am 30. Januar kauft der ehemalige Hirt Jacob Sasse ein Stück Land vom Besitz des Schulzen von Caputh, das in der Königlichen Heide zwischen Kohlhasenbrück und dem ehemaligen Teerofen liegt. Diese Heidefläche wird später „Eule“ geheißen werden. Von 1783 bis 1816 führt der Kossät Sasse den Krug in Kohlhasenbrück. Das Etablissement Kohlhasenbrück umfasst mit Hof und Garten neun Morgen Fläche. Peter Große, Hirt zu Stolpe, geht den heiligen Bund der Ehe mit Anna Dorothea Neue ein und der Sohn von Johann Georg Spielhagen heiratet in Stolpe Luisa Zinnow aus Schenkendorf am 03. January 1783. Wahrscheinlich werden zwei ihrer drei Kinder überleben.
1784
Der Arbeitsmann und Häusler Jacob Liebenow heiratet am 30. Decembris 1784 Catharina Elisabeth Werlich aus Gütergotz, die dort am 28. 12. 1756 geboren wurde. Sie wird aber leider schon nach der Geburt ihres 2. Kindes im Wochenbett sterben.
1785
Unserem Setzschulzen, dem Christian Zinnow, ist im Frühjahr das Eheweib gestorben. Aber am 08. September heiratet er erneut. Die Auserwählte ist Dorothea Elisabeth Nöbers. Den 03. Novembris geht der Wittwer Johann Wilhelm Baatz die zweite Ehe ein. Mit Anna Dorothea Groß wird er zwei weitere Kinder haben.
A. Carl Zinnow geht am 7. Decembris die dritte Ehe ein, obwohl die Trauerzeit längst nicht vorüber ist aber die fünf Kinder brauchen dringend wieder eine Mutter. Charlotte Krüger aus Klein Beeren bringt frisches Blut in das Dorf. Sie wird ihm zwei Kinder gebären.
1786
Johann Andreas Liebenow, Sohn des Jacob Liebenow und seines Weibes Elisabeth Dannenberg heiratet im Hochsommer in Nowawes Anna Sophie Bornemann, die aus Nowawes stammt, Zwei Kinder werden sie haben. Zum Weihnachtsfest des gleichen Jahres gründet Johann Ludwig Hoehnow vor dem Traualtar mit Maria Dorothea Stolp einen Bund fürs Leben.
Der König ist tot. Es lebe der König. Die erste Aussage bezieht sich mehr auf Friedrich II., den inzwischen Alten Fritz, also respektvoll auf „Friedrich den Großen“, der eigenen Frauen und Kindern eher abhold war. Sein Neffe, Friedrich Wilhelm II. (der Dicke), führt die Regierung als neuer König von Preußen bis ins Jahr 1797, mit Vergnügungen, in Glanz und Glamour, unter Verschwendung des Staatsschatzes, aber auch zu manchem Vergnügen für die Einwohner. Er lässt der Wittwe seines verstorbenen Onkels, Elisabeth Christine, alle Ehren zuteil werden, die ihr „als regierende Königin“ von ihrem Gemahl Friedrich II. zur Zeit seines Lebens verwehrt wurden.
Rückschau auf einen Ausschnitt des bisherige Lebens von Friedrich Wilhelm II.: Seine erste Frau wird bereits während seiner Kronprinzenzeit die Elisabeth, Herzogin von Braunschweig – Wolfenbüttel. Sie ist hübsch, lebhaft und geistreich. Trotzdem lässt er, auch nach der Geburt seiner ersten Tochter, nicht von Wilhelmine Encke, dem schwarzgelockten Töchterchen eines seiner Waldhornisten. Was Wilhelm ständig tat, sich mit anderen zu amüsieren, versuchte nun auch die blutjunge, vernachlässigte Ehefrau und Kronprinzessin Elisabeth, was schnell zur Eheauflösung führte. Nebenbei bemerkt hätte sie dabei auch noch einen Bastard als Thronfolger (ein vielleicht echtes Liebeskind) einschleppen können. Trotz der Wilhelmine Encke, verscheinehelichte Rietz, die ihm bis zum Tode treu war und auch Kinder von ihm bekam, musste eine zweite standesgemäße Ehefrau her, also nicht der Liebe wegen, sondern weil es die Erhaltung der Dynastie forderte. Mehr der Einfachheit halber, der geringen Suchumstände wegen, traf die Wahl auf Friederike von Hessen – Darmstadt, die immer im Schatten anderer Damen am Hofe stehen sollte.
1787
Stolpesche Bewohner erwerben ein Stück Ackerland außerhalb ihres Gemeinwesens, „die Steinstücken“ mit einer Ausdehnung von etwa 57 Morgen, 500 x 300 m = 150.000 qm = 15 ha groß. Somit ist das eine Fläche von etwa 0,86 Hufen. Von etwa 170.000 qm = 1 Hufe erwartet man, dass die Ernteerträge zum Erhalt einer Familie nebst Abgaben an die Obrigkeit ausreichen würden. Der Name „Steinstücken“ bezieht sich auf die massenhafte Ansammlung von Steinen, die das eiszeitliche Gletschergeschiebe aus dem skandinavischen Raum herbrachte und hier lagern ließ. Auf dieser Fläche bildete sich später eine Wohnkolonie gleichen Namens. (Anm. C. J.: Die Steinstücken gehörten zur Flurmark Wendisch Stahnsdorf, in der Literatur mitunter auch als Damsdorf benannt). Ein Ort Wendisch Stahnsdorf oder Damsdorf oder zumindest Reste davon in der Wüstenei, wurden nicht aufgefunden, obschon das Suchgebiet nicht von großer Ausdehnung ist. Seit Wendisch Stahnsdorf oder Damsdorf, sofern es überhaupt existiert hatte, vielleicht vor Zeiten durch eine vermutete Feuersbrunst völlig zerstört und vom Erdboden getilgt wurde, bewirtschaften die Stolper Ackerleute diese Fläche der Steinstücken mit. Nun werden die genutzten Flächen offiziell erworben und daher gehört die Wustermarke (die wüste Feldmark „Wendisch Stahnsdorf“) mit ihren Ackerflächen von derzeitig noch 151 Morgen, von nun an zu Stolpe.
Jacob Liebenow geht seine 2. Ehe ein. Er heiratet Dorothea Elisabeth Lehmann am 13. Mai 1787 in Stolpe. Am 04. November gründen mit dem Trauakt Johann Georg Schuchardt, der zwar Einwanderer aus Thüringen aber schon Kossät, Schul- und Kirchenvorsteher ist und Anna Regina geborene Nebert, verwitwete Kawinske aus Dallgow eine neue Verbindung. Des Bräutigams Vater ist der Nagelschmied Johann Nicolaus Schuchardt aus Creutzburg, nördlich von Eisenach gelegen. Zwei Kinder werden die beiden haben.
Und auch unser König geht seine 3. Ehe ein. Seine jetzige ist ihm gleichgültig geworden und so wird die hohe Geistlichkeit gedungen, ihm zusätzlich die Julie Voß „zur linken Hand“ anzutrauen, für die er entflammt ist. Das Glück wird aber nur zwei Jahre dauern, weil Julie dann an der Schwindsucht (Tuberkulose) sterben wird. Wilhelmine Encke / Rietz aber bleibt. Sie beeinflusst das Regieren recht deutlich und den König Friedrich Wilhelm II. durchaus positiv. Zehn Jahre später wird er sie zur „Gräfin Lichtenau“ erheben, ihr in Potsdam am Südzipfel des Heiligen Sees ein Palais schenken und auch die gemeinsamen Kinder (so Alexander von der Mark) adeln. Den alternden, kranken König wird Wilhelmine bis zu seinem Tode liebevoll pflegen.
1789
Der russische reisende Erzähler und Historiker Nikolai Michailowitsch Karamsin berichtet, dass ihn kaum etwas ebenso langweilen könne, wie die Wegstrecke von Berlin nach Potsdam. Überall tiefer Sand und nirgends ein auffallender oder angenehmer Gegenstand für das Auge. (Unsere jungen Frauen hat er wohl nicht gesehen. Da hat er wohl aus Taiga und Tundra seiner Heimat viel schönere Erfahrungen oder aber noch gar keine).
Am 06. Oct. 1789 heiratet Martin Sasse aus Kohlhasenbrück, der Tagelöhner beim Teerofen ist, Marie Elisabeth Jänicke.
1790
Zu den im Dorf Stolpe Lebenden, gehört zusätzlich zu den bisher Genannten auch die Familie des Gottfried Heydert.
1791
Es heiraten Johann Gerhardt Rohde, der Büdner und Altsitzer, der als Ziegelstreicher tätig ist und Schmaedikes Tochter Sophie Luise. Sie werden miteinander sechs Kinder aufziehen.
1792
Auf Anordnung des Königs Friedrich Wilhelm II. wird bis zum Jahre 1795 nördlich des Königswegs zwischen Potsdam und Berlin (Potsdam, Neue Königstraße, Glienicker Brücke, Klein Glienicke und weiterführend nach Zehlendorf und in Richtung Berlin) die preußische Musterstraße gebaut. Nach dieser Zeit wird es einsam auf dem alten sandigen Königsweg, der alten Heerstraße, die über die Försterei Dreilinden, südlich vorbei am Stolper Loch (Kleiner Wannsee) durch Stolpe und dann über die Hempstücken und Klein-Glienicke nach Potsdam führt. Und so einsam wird es auch am Rast- und Haltepunkt des Kruggutes von Friedrich Sandow. Dieser verkauft den Krug an Erdmann Stimming.
1794
Am 8. January ist der vormalige Ziegelstreicher und Altsitzer, Johann Gerhardt Rohde, nach dem Siebenjährigen Kriege Veteran, zuletzt als Schulmeister tätig, im Alter von 65 Jahren verschieden. Als Lehrer folgt ihm Randau.
Nachfolger des Krugwirtes Erdmann Stimming wird Johann Friedrich Stimming. Er verlegt den Gasthof neben die Friedrich-Wilhelm-Brücke (spätere Wannseebrücke), an die „Grenze“ zwischen dem Kleinen und dem Großen Wannsee, mit unterstützender Beyhülfe von 3.032 Thalern, 9 Groschen und 5 Pfennigen, mit der er das Etablissement „Neuer Krug“ errichten lässt. Die Beihilfe dient ihm als Entschädigung für den alten Krug in Stolpe, „der mit dem Bau der neuen Chaussee vom Wege abgekommen“ war.
Auf Kaninchenwerder = Pfauenwerder wird ein kleines königliches Schloss etabliert, im Style einer Ruine und außerdem die Meierei errichtet..
1795
Die barocke Potsdamer Nikolaikirche brennt ab; nur das kolossale Portal blieb übrig. Dieses musste jedoch auch abgetragen werden. Die Gläubigen nutzen die Heiligengeistkirche mit.
1796
Das alte Schankwirtschaftsgebäude des Gastwirts Stimming wird abgebrochen.
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, IV Gewerbe-Sachen, 1 Brauerei- und
Krug-Sachen Sign. 363 II Sep. Stolpe 1 Nr. 1
Der Lehrer Randau stellt ein Gesuch an die Regierung, um Überlassung eines Stück Landes zum Anlegen einer Maulbeerplantage.
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, IV. Gewerbe, 3. Maulbeerbaum-Sachen,
Sign.: 407 I. Gen.16 Nr. 93
1797
Neubau der Ziegelei (ungefähre Lage nach der Adresse aus dem Jahr 2000: Am Großen Wannsee 18 / 19).
Das Leben unseres Königs Friedrich Wilhelm II. endet. Die Regierungszeit seines Sohnes König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise Auguste Wilhelmine Amalie v. Mecklenburg - Strelitz beginnt. Diese Zeitspanne wird 1840 mit dem Tode des Königs enden. Luise wird bis zu ihrem frühen Tod (1810) mit 34 Jahren, in den 16 Ehejahren zehn Kindern das Leben geben. Luise hält Kontakt mit Goethe und Schiller, ist lebhaft und bildungshungrig. Der König ist ein eher Unbeständiger, Unentschlossener, auch Melancholischer, der sich zwangsläufig mehr dem Militär und der Verwaltung zuwenden muss, als sich der Bildung und Kunst widmen zu können. Gute Zeiten eines eher bürgerlichen Lebens wird das Paar im ländlichen Schloss Paretz verleben. Ihr erster Sohn wird König Friedrich Wilhelm IV. (der Künstler auf dem Thron) werden und der zweite Sohn wird der spätere König Wilhelm I. von Preußen sowie ab 1871 auch Deutscher Kaiser sein. Die erste Tochter Charlotte wird als Anna Fedorowna, Zarin von Russland, Frau des Zaren Nikolaus.
1799
Die Fachwerkkirche zu Stolpe wird repariert und umgebaut.
(Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, X. Kirchen-Sachen, 3.
Kirchenrechnungen, Signatur 1592, I. Gen. 139 Nr.11 (130.194, Kirchenrechnungen
von Stolpe 1795 – 1802)
1800
Der bisherige Torfinspektor Simon führt die Schankwirtschaft Kohlhasenbrück am Königsweg. Es ist ein zu ruhiges Geschäft seit die neue Kunststraße von Potsdam gen Zehlendorf genutzt wird und der Königsweg vom Verkehr entblößt wurde. Sie allein ernährt nicht mehr ihren Mann von seiner Hände Arbeit. Torfinspektor Simon wird später auch als Gutsbesitzer, Amtmann und Ortsvorsteher von Kohlhasenbrück erwähnt.
In den Akten wird Hakes Jägerhaus und die Grünheide bei den Steinstücken erwähnt.
Johann Friedrich Sasse (Sohn des Jacob Sasse), zeitweilig Musketier bei v. Burgdorf, hat erfolgreich um Dorothea Elisabeth Jänicke geworben. Jetzt im November heiraten sie.
1801
Der hessische Finanzminister Conrad August von Hoffmann äußert sich über das Befahren der relativ neuen Musterchaussee von 1795 durchaus positiv: Man reist von Berlin nach Potsdam mit der zweimal täglich fahrenden Diligence (Journaliére), einer sehr bequemen sechssitzigen Kutsche. Die Distanz zwischen beiden Städten durch den tiefen Sand wurde früher üblicher Weise mit sechs Stunden angegeben. Auf der guten neuen Chaussee rollt man in drei Stunden dahin. Das übertraf alle meine Erwartungen auf das Angenehmste.
Stolpe wird jetzt genannt als ein Dorf mit Amtsvorwerk und Krug, Friedrich-Wilhelm-Brück (Familie Stimming). Es leben hier: 10 Ganz-Kossäten, 12 Büdner, 5 Einlieger. Anzahl der Einwohner: 139 Personen. 26 Feuerstellen bestehen. 16 Hufen umfasst nach wie vor das Gemeindeland.
Zu den Einwohnern gehören in
dieser Zeit die bisher Genannten und als neuere Einlieger zusätzlich: Johann
Gottlieb Seidel (aus Sacrow), Johann Friedrich Dürre.
Das Etablissement Kohlhasenbrück verfügt über einen Krug nahe dem Griebnitzsee an der Straße nach Berlin. Hier leben 3 Einliegerfamilien, das sind 16 Einwohner. Es gibt 2 Feuerstellen und einen ehemaligen Teerofen. In dieser Zeit wird auf den Steinstücken Hakens Jägerhaus errichtet (1 Feuerstelle). Das Baugebiet nennt man jetzt wohltuender „die Grüne Heide“ oder kurz: „Grünheide“ – das erinnert uns nicht so sehr an einen steinigen Acker und die vielen Mühen damit.
1804
Die Geld-Einkünfte der Kirchenbedienten werden verkürzt, da die bisherigen Naturaleinnahmen in Geldeinnahmen umgewandelt werden. Johann Ludewich Liebenow geht in Stolpe am 29. Nov. den Ehebund mit Louise Sophia Zinnow ein.
1805
Es besteht Hunger bei großem Brodmangel auch in den Dörfern bei Potsdam und Berlin.
1806
Mindestens im Zeitraum 1805 –
1815 (möglicher Weise aber auch länger) ist Zinnow Schulze in Stolpe und Hoene
in Kohlhasenbrück. (Anm.: Die Vornamen sind nicht genannt).
Im Oktober beginnt die französische Besatzungszeit, die bis zu den Befreiungskriegen 1813 anhalten wird. Napoleon Bonaparte hält sich bereits in Berlin und in Potsdam auf.
1808
Vom Amte Potsdam wurde eine neue Anordnung für die Durchführung der Nachtwachen in den Dörfern erlassen.
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, VI Prästations-Sachen, 3.
Dienst-Sachen, Sign. 719, I. Gen., 68 Nr. 48
Von Pockenerkrankungen erblinden zahlreiche Kinder in unserer Mark Brandenburg.
1809
Die Gemeinde Stolpe beschwert sich beim Amte über „den Steinlieferungsunternehmer“, weil jener auf den Gemeindeäckern unbefugt nach Kies gräbt.
Quelle: Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, VII Grundstückssachen, 1. Fiskalische und private Grundstücke, Sign. 983, I. Gen., 81 Nr. 15 (26, 86, 98, 164).
Johann Georg Schuchardt heiratet ein zweites Mal. Er führt Charlotte Dorothea Hönow zum Traualtar.
1810
In dieser Zeit ist es üblich, wenn nächtliche Gänge durch das Dorf erforderlich sind, namentlich bei Neumond eine Laterne zur Hand zu nehmen. Im Hause dient am Abend eine Kerze zur Beleuchtung, die mit Schwefelhölzern entzündet wird. (Phosphorstreichhölzer sind noch nicht bekannt, diese Sicherheitszündhölzer werden erst ab 1850 Einzug halten). Tabakraucher nutzen den Feuerschwamm, der durch Funkenbildung durch das aneinander Schlagen von Stahl und Stein, zum Glimmen gebracht wird.
Der Wochenlohn eines Arbeiters beträgt in dieser Zeit im Durchschnitt einen Thaler.
Unsere Königin Luise reist mit Lungenentzündung krank nach Neustrelitz, um den Vater und die Schwester zu besuchen. Sie stirbt am 19. Juli auf Hohenzieritz am Tollense-See im Alter von 34 Jahren. Später wird sie im Mausoleum Charlottenburg beigesetzt.
1811
Heinrich von Kleist, auch erst 34 Jahre alt, wählte hier am kleinen Wannsee, nahe Stolpe, am 12. November den Freitod. Er erschoss seine krebskranke, verheiratete Freundin Henriette Adolphine Vogel und sich selber, weil beide keine gemeinsame und gute Zukunft für sich sahen. Die letzte Nacht vor ihrem Tode verbrachten sie in Stimmings Gastwirtschaft und ließen sich noch eine letzte Frühstücksmahlzeit (um diese Jahreszeit am Wannsee) servieren. Der Spruch für ihn auf dem Grabstein: „Er lebte, sang und litt in trüber, schwerer Zeit. Er suchte hier den Tod und fand Unsterblichkeit“.
1813
Am 18. August erklärt Österreich dem Kaiser der Franzosen den Krieg. Russland und auch Schweden unterstützen Österreich. Der zögerliche preußische König Friedrich Wilhelm III. kündigt „den Waffenstillstand“ gegen die französische Besatzungsmacht auf. Die Befreiungskriege beginnen.
Zusätzlich, zu den bereits mehrfach Genannten wohnen inzwischen hier die Büdner: Grunow, Kieburg und Stutterich sowie als Einlieger Johann Peter Lemke, Karl Friedrich Dürre, Johann Gottfried Wolter, Gottlieb Große (der spätere Lehrer) sowie Johann Gottlieb Seidel. Aufgeführt werden ferner Johann Gottfried Riebisch, Friedrich Wilhelm Haupt, Johann Friedrich Wilhelm Neumann, Johann Christoph Conrad und Johann Gottlob Schnutz. Noch nicht lange im Ort ist Familie Berend als Krüger.
Nahe zu uns gerückt ist mit der Schlacht bei Großbeeren am 22. / 23. August der Befreiungskrieg.
„Mit Gott für König und Vaterland“ fochten in den Jahren 1813 – 1815 folgende unserer
Söhne aus dem Dorf Stolpe, so erinnert später auch eine Gedenktafel in unserer Kirche:
- 01. Friedrich Wilhelm Brabandt (von Theerofen). Landwehrmann im 1. Bataillon des
7. Kurmärkischen Landwehr-Infanterie Regiments, gestorben den 02. Februaris 1835.
- 02. Johann Ludwig Rohde (von Stolpe), Musketier im 12. Reserve-Infanterie-Regiment, gestorben am 19. Junius 1840.
- 03. Johann Peter Lemke (von Stolpe), Landwehrmann im 7. Kurmärkischen Landwehr-Infanterie - Regiment, gestorben am 11. Marty 1848.
- 04. Karl Friedrich Dürre (von der Ziegelei), Truppe unbekannt, gestorben den 15. Septembris 1851.
- 05. Johann August Hönow (von Stolpe), Landwehrmann im 7. Kurmärkischen Landwehr-Infanterie - Regiment, gestorben den 23. Junius 1854.
- 06. Johann Ludwig Zinnow (von Stolpe), Landwehrmann im 7. Kurmärkischen Landwehr-Infanterie - Regiment, gestorben den 29. Aprilis 1854.
- 07. Johann Ludwig Hönow (von Stolpe), Füsilier im 2. Garderegiment zu Fuß. Gestorben, den 07. Decembris 1855.
- 08. Johann Gottfried Riebisch (von Stolpe). Musketier im Garnison-Bataillon No. 24, gestorben den 14. July 1856.
- 09. Johann Friedrich Spielhagen (von Stolpe). Füsilier im Leib-Füsilier-Bataillon. Gestorben den 18. February 1858.
- 10. Johann Friedrich Liebenow (von Stolpe), Landwehrmann im 1. Bataillon des 7. Kurmärkischen Landwehrregiments. Gestorben den 11. Aprilis 1861.
- 11 Johann Friedrich Spielhagen (von Stolpe), Landwehrmann im 1. Bataillon des 7. Kurmärkischen Landwehrregiments. Gestorben den 23. January 1864.
- 12. Friedrich Wilhelm Haupt (von Stolpe). Landwehrmann im 1. Bataillon des 7. Kurmärkischen Landwehrregiments. Gestorben den 24. Novembris 1865.
- 13. August Ludwig Zinnow, Grenadier im 1. Garderegiment zu Fuß. Gestorben den 4. Aprilis 1866.
- 14. Johann Friedrich Wilhelm Neumann. Grenadier im Garnison-Bataillon des Leib-Regiments No. 8. Gestorben den 26. Marty 1864.
- 15. Johann Christoph Conrad, Grenadier im Garnison-Bataillon des Leib-Regiments No. 8. Gestorben den 28. Marty 1869.
- 16. Johann Gottlob Peter
Schnutz. Füsilier im Leib-Füsilier-Bataillon. Gestorben am 27. September 1870.
Gott sei gelobt. Ihm sei gedankt.
Alle sind sie lebend heimgekehrt. Viele, denen wir gedenken, blieben jedoch auf
den Schlachtfeldern.
Die Potsdamer Soldatentochter Maria Christiane Eleonore Prochaska, Schülerin im Großen Militärwaisenhaus zu Potsdam und später Köchin bei Baurat Ludwig Manger, zieht als „Jäger Renz“ verkleidet mit in den Krieg zur Befreiung der Heimat. Sie wird in der Schlacht an der Göhrde bei Danneberg am 16. September schwer verletzt und stirbt am 05. Oktober an den Folgen dieser Verletzungen.
Erläuterungen zu den vorstehenden militärischen Bezeichnungen:
- Füsilier: Der mit einem Steinschlossgewehr (französisch fusil) ausgerüstete Soldat. Leichte Bewaffnung für Soldaten geringeren Körpergewichts.
- Grenadier: Ursprünglich Granatier. Soldat der Infanterie (Fußtruppe), früher mit Handgranaten ausgestattet. Später bildeten die Grenadiere die Elitetruppe des Heeres. Für ihre Reihen wurden die stärksten, wenn möglich gleichfalls geschicktesten und oft körperlich große Soldaten ausgewählt.
- Landwehrmann: Die Leute der Landwehr sind in den Befreiungskriegen den Soldaten der regulären Preußischen Truppen gleichgestellt. Gesetz zur Bildung der Landwehr vom 17. März 1813.
- Musketiere: Mit der Muskete schwerbewaffnete Soldaten zu Fuß oder in der Kavallerie (zu Pferde). Die Muskete ist eine Waffe mit enormer Durchschlagskraft, auch gegen Körperpanzerungen aus Metall. Masse der Kugeln um 60 Gramm. Die Masse der zu tragenden Muskete über 10 Kilogramm, etwa 1,70 m lang. Für den Nahkampf ist der Musketier zusätzlich mit Degen oder Bajonett ausgerüstet.
Hinweise auf die vorgenannten Militärformationen:
- Zu den genannten Soldaten 01, 03,05, 06, 10, 11 und 12: Das 7. Kurmärkische Landwehr-Infanterieregiment gehört zur Landwehr-Brigade (später Division) Hirschfeld (Observationscorps Magdeburg) und besteht aus 3 Bataillonen zu Fuß.
- Zu Soldat 13: Das 1. Garderegiment zu Fuß gehört zur Königlichen Garde in der Brandenburgischen Brigade (später Division). Die Garde- oder Leib-Regimenter haben eine besonders hervorgehobene Beziehung zum Staatsoberhaupt (König Friedrich Wilhelm III.).
- Zu Soldat 14: Das Garnison-Bataillon des Leibregiments No. 8 war vorher das 1. Brandenburgische Garderegiment zu Fuß unter dem Kommando von Graf Tauentzien. Die Garnison befindet sich in Berlin. Hier kommandiert Major von Horn. Das Korps in seiner Gesamtheit untersteht jedoch General Yorck (später Yorck von Wartenburg).
- Zu Soldat 12: Das 12. Brandenburgische Infanterie-Regiment mit Reserve-Bataillonen gehörte zur 8. Brigade (später Division) des I. Korps. Das Füsilier-Bataillon gehört innerhalb der Brandenburgischen Brigade zur königlichen Garde, zum 2. Garde-Regiment zu Fuß (Infanterie) „König Friedrich Wilhelm III.“, kommandiert von Generalleutnant Graf Tauentzien.
1814
Abschrift des Entwurfes zur
Nachweisung und Berechnung des Verlustes, welche das Vorwerk und die
Gemeinde zu Stolpe in den Tagen der im Jahre 1813 im Teltowschen Kreise
vorgefallenen Schlacht erlitten hat.
Getreideverluste vom Felde und aus den Scheunen
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Roggen á 1 Rthlr., 8 Gr. pro Scheffel |
Roggenstroh |
Hafer |
Hafer-stroh |
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No. |
Name |
Mandeln |
Scheffel pro Mandel |
Geld (Rthlr.) |
5 Bund pro Mandel |
Geld (Rthlr.) |
21 Gr., 4 Pf. je Scheffel |
3 Rthlr. pro Schock |
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01 |
Der ganzen Commune |
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02 |
Schultz, Zinnow |
12 |
12 |
16,00 |
01 |
4,00 |
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03 |
Wilhelm Baarz |
- |
- |
- |
- |
- |
|
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04 |
Perlwitz |
02 |
02 |
02,16 |
00,10 |
0,16 |
|
|
|
05 |
Lud. Liebno |
02 |
02 |
02,16 |
00,10 |
0,16 |
|
|
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06 |
Gotfried Heno |
04 |
04 |
05,80 |
00,20 |
1,80 |
|
|
|
07 |
Wilhelm Heno |
03 |
03 |
04,00 |
00,15 |
1,00 |
|
|
|
08 |
Carl Zinno |
- |
- |
- |
00,10 |
0,16 |
|
|
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09 |
Mollenhauer |
02 |
02 |
02,16 |
- |
- |
|
|
|
10 |
Schuchard |
03 |
03 |
04,00 |
- |
- |
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11 |
Büdner Lichterfeld |
- |
- |
- |
- |
- |
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12 |
Hirt Parnemann |
- |
- |
- |
- |
- |
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13 |
Büdner Gruno |
- |
- |
- |
- |
- |
|
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|
14 |
Büdner Stuttrich |
- |
- |
- |
- |
- |
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15 |
Büdner Kieburg |
- |
- |
- |
- |
- |
|
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|
16 |
Büdner Jacob Liebno |
- |
- |
- |
- |
- |
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17 |
Büdner Dannenberg |
- |
- |
- |
- |
- |
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18 |
Rode |
- |
- |
- |
- |
- |
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19 |
Friedrich Heno |
- |
- |
- |
- |
- |
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20 |
Berend, Krug |
- |
- |
- |
- |
- |
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21 |
Stimming |
- |
- |
- |
- |
- |
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Dazu Verlust vom Felde ____ Heu á 16 Gr. pro Centner, ____ Stroh 4 Rthlr. pro Schock.
Noch Verluste: 30 Schafe = insgesamt 60 Rthlr. 1 Schwein = 5 Rthlr.
Stimming hat einen Verlust an Betten.
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 6. Teltow, =. Militär, 1. Französische
Invasion,
1.4
Kriegsschäden, Sign. 356.
Die Not und das gedrückte Gerechtigkeitsempfinden der Bewohner, führen zu folgender Beschwerde bei der Obrigkeit in Potsdam:
„Verhandelt wird auf der königlich-kurmärkischen Regierung zu Potsdam das Gesuch aus Stolpe v. 28. März 1814.
Es erscheint der Dorfschulze Zinno aus Stolpe unweit Potsdams und präsentiert der Kommission zur Unterstützung der durch den Krieg verheerten Gegenden des Teltower Kreises eine Nachreichung zur Haupt-Liquidation, wonach die Gemeinde 84 Bund Heu sowie Haferlot in Empfang nehmen soll.
Eingabe des Gemeinderates an die königlich-kurmärkische Regierung:
Der Gemeinderat sagt, dass die
Gemeinde in Stolpe mit einem so geringen Quantum nicht zufrieden sein könne. Der
(tatsächliche) Verlust ist auf 500 Bund Heu taxiert und überdies sollen sie ihr
Quantum aus Berlin holen, was auch wegen der Entfernung mit Kosten versehen
ist.
Die Dorfgemeinde bittet daher zu
veranlassen, dass ihr nicht nur eine größere Quantität Heu aufgrund ihrer
Verluste bewilligt wird, sondern das bewilligte Quantum auch in Potsdam
verabfolgt wird, so, wie schon andere Dorfgemeinden ihr Heu erhalten hätten.
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben:
Zinno Schultze (Originalunterschriften der Verhandlungspartner) Daege
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep 6. Teltow, =. Militär, 1. Französische
Invasion, 1.4 Kriegsschäden, Sign. 356 (Ein Protokoll, sinngemäße Wiedergabe).
1816
Den Krug zu Kohlhasenbrück führt immer noch der Torfinspektor Simon und das wird auch bis 1853 so bleiben.
1819
Auf der Höhe ohnweit des Abhangs zum Havelufer zur Pfaueninsel, wurde im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelm III ein Blockhaus nach russischer Manier angelegt, weil seine Tochter Charlotte an einem solchen Gebäude bereits in Sankt Petersburg Gefallen gefunden hatte. Dieses benannte er zu Ehren seiner Tochter, die 1817 den russischen Großfürsten (und späteren Zaren) Nikolaus geheiratet hatte, schlicht und einfach Nikolsko(j)e, dem Nikolaus gehörend. Im märkischen Volksmund wurde daraus schnell „Nikolsköö“.
1824
Es heiraten am 04. Juli 1824 in Nowawes: Marie Louise Brabandt aus Stolpe und Johann Friedrich August Brabandt aus Gütergotz. Beide wurden 1799 geboren. Die Eltern des Bräutigams sind Martin und Marie Elisabeth Brabandt; die Brauteltern heißen Johann Wilhelm und Maria Dorothea Brabandt.
14 Jahre nach dem Tode unserer Königin Luise heiratet König Friedrich Wilhelm III. noch einmal. Seine nicht standesgemäße Frau wird die Fürstin Auguste Liegnitz, eine geborene Gräfin Harrach. Prinz Karl, ein Sohn des Vorgenannten aus erster Ehe, lässt den neuen Schlosspark Glienicke (die wesentliche Erweiterung) anlegen, mit den entsprechenden Wohnbauten. Karl Friedrich Schinkel zeichnet für die Bauentwürfe verantwortlich und Peter Joseph Lenné für die landschaftsgärtnerische Gestaltung.
Schinkel baut in diesem Jahr auf der Pfaueninsel das Kavalierhaus im Stile eines gotischen Patrizierhauses.
1825
In der noch nahen Vergangenheit ist Christian Sange gestorben. Seine Frau (Witwe) Louise ist eine geborene Dürre. Doch das Leben geht weiter. Marie Charlotte Neumann hat den Behrend geheiratet. Zugezogen in die Gemeinde sind in jüngerer Vergangenheit Anna Louise Michaelis, Johann Friedrich Hochkirch und Friedrich Hirschfeldt sowie Jungermann.
1826
Der Kossät Ludwig Zinnow hat ein Stück Land von 2 Morgen Größe, (das sind rund 5.000 qm, z. B. eine quadratische Fläche von etwa 71 x 71 m) an die Büdner Stutterich und Jungermann verkauft, welche darauf je ein Büdnerhaus erbaut haben. Ein Teil dieses Landes, so wurde jüngst festgestellt, gehört jedoch zum Kossatenhofe des Ludwig Liebenow. Daher werden Stutterich und Jungermann das Land doch nicht als Eigenthum erwerben aber weiter in Erbpacht nutzen können. So wird die Königliche Regierung den Fall in Potsdam am 29. Sept. 1827 entscheiden.
1827
Zu unserem Kirchlein: Seit 1811 und bis 1844 müssen noch mehrere Reparaturarbeiten vorgenommen werden. Der Gottesdienst findet im Schulhause statt.
(Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, X. Kirchen-, Pfarr- und Schulsachen.
Bau- und Friedhofs-Sachen Signatur 1548 Stolpe 5 Nr. 1 (130. 17. 201).
1828
Am 27. Februar: Der Kossät Wilhelm Baatz will für seinen Bruder, den Handarbeiter Carl Baatz 1/2 Morgen Land der Steinstücken abzweigen (das sind 1.250 qm, reichlich 35 x 35 m, 1/8 Hektar).
Vor dem Traualtar in Stolpe geloben sich dam 23. Nov. 1828 Carl Friedrich Perlewitz (geb. 1800, als Sohn des Ludwig Perlewitz) und Marie Luise Hoenow (geb. 1807) die eheliche Treue.
1829
Den 3. März verkauft Kossät Ludwig Perlewitz an seinen Sohn Daniel Friedrich Perlewitz ein Stück Land von seinem Kossätengut zum Einrichten einer Büdnerstelle. Die Fläche ist 48 Ruten lang und 3 Ruten breit (181 m x 11,3 m, reichlich 2.000 qm). Im gleichen Monat verkauft er auch an Karl Friedrich Dürre an der Ziegelei ein Stück Land, ebenfalls 48 Ruten lang, 3 Ruten breit. Karl Friedrich Dürre ist, wie wir wissen, mit der Tochter von Ludwig Perlewitz, Sophie Charlotte Perlewitz verheiratet.
Am 9. May erhalten die Söhne von Altsitzer und Erbpächter Ludwig Zinnow, die Gebrüder Carl Christian und Johann August Zinnow ein Stück Land durch Abtrennung von 2 Morgen, 48 Quadratruten des väterlichen Kossätengutes (das sind etwa 2.700 qm). Sie unterzeichnen den Contract mit je drei Kreuzen. Schreiben können auch sie als junge Erwachsene zu jener Zeit nicht. Viele Einwohner leisten noch Ersatzunterschriften in dieser Art.
Der Wachstuchfabrikant Brandt kauft am 6. May ein kleines Stück Land in Stolpe für 10 Thaler vom Amte Potsdam. Es handelt sich um ein Stück der Dorfstraße von 3 1/3 x 5 Ruten Größe (das sind 12.44 m x 18,85 m, 235 qm). Schulze des Dorfes ist Hoenow.
Am 15. August heiratet der angehende Zimmermann Johann Wilhelm Zinnow, die junge Frau Sophie Friederike Rohde. Er ist 26, sie 28 Jahre alt. Der Prediger Stöwe gibt zu dieser Verbindung seinen Segen. Aus sechs Schwangerschaften wird Sophie vier gesunde Kinder erhalten. Ein viertel Jahr zuvor war ihr Vater, der Büdner und Altsitzer, der Ziegelstreicher Johann Gerhardt Rohde in die Ewigkeit eingetreten. Neuer Schullehrer ist Große.
Herr Commerzienrath Berr erwirbt das Gelände der alten Ziegelei am Wannsee vom Kossäten Ludwig Liebenow.
1830
Die Hütegerechtigkeit der Gemeinde Drewitz auf der Stolper Schäferwiese wird abgelöst.
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, VII Grundstückssachen, 3. Hütungs-
und Wiesensachen,
II. spez. Stolpe 3 Nr.4 Sign. 1052 (113. 287. 110. 21. 2. 26) – 1830 – 1842.
Der Schmied Hildebrand aus Drewitz übt verschiedene Tage in der Woche sein Handwerk in unserem Dorf aus.
Friedrich Wilhelm Karl Albrecht ist Kalkbrenner in Kohlhasenbrück. Er hat mit seiner Frau (N. N.) zwei Kinder.
Ludwig Liebenow verkauft dem Arbeitsmann Gottfried Schmidt (bisher in Drewitz, jetzt in Stolpe lebend) ½ Morgen (1.250 qm, etwa 35m x 35 m) seines Ackerlandes. Johann Gottfried Schuchardt, geb. 1806, Sohn von Johann Georg Schuchardt und seiner vormaligen Ehefrau, geborene Nebert, heiratet am 15. Juli Henriette Friederike Rietz.
1831
Die Cholera sucht auch Berlin, Potsdam und die Umgebung heim. Der Erreger, er ist ja noch unbekannt, wird hauptsächlich mit Chlorlösungen und Hitze bekämpft. Die Kranken werden auf geflochtenen Korbtragen aus Weidenzweigen, die mit Wachstuch bezogen sind, zum Krankenhaus gebracht. In den Städten läuft ein Träger mit Glocke dem Krankenzuge voran, um die Leute zu warnen, sich zu nähern. Beerdigt wird nachts. Die Bestatter tragen Schutzkleidung aus Wachstuch. Den Park von Sanssouci bei Potsdam umgab man mit einem dichten Bretterzaun, in der Hoffnung, dass die Krankheit somit nicht in das Königshaus eindringen könne. Zu hohen Kosten werden in den Städten „als Gegenmittel“ angeboten: Cholera-Schokolade, Cholera-Liqueure, Cholera-Mäntel und weiterer hilfreicher Kram oder auch nutzarmer Tand. Eine Cholera-Zeitung erscheint in Berlin und Potsdam mit den neuesten Nachrichten.
Die Büdner Daniel Friedrich Perlewitz und Dürre bauen gemeinschaftlich ein Wohnhaus.
Der Schulze Wilhelm Zinnow verkauft im Februar dem Victualienhändler Samuel Haeseler aus Nowawes, 1 Morgen seines Ackerlandes (2.500 qm, ¼ Hektar). Karl Ludwig Hoehnow, ein Sohn von Ludwig Hoehnow und Maria Dorothea Liebenow heiratet, allerdings nicht hier, sondern in Neuendorf am 01. Dez 31, die Christine Wilhelmine Heverer. Sie wohnen nun in Nowawes wo er sich den Lebensunterhalt als Viehmäster verdient.
1832
Der Cossath Ludwig Zinnow verkauft dem Büdner Gottfried Schmidt ½ Morgen Ackerfläche (50 x 25 m) vom Gebiet der Steinstücken.
Bedeutende Bauwerke dieser Zeit schaffen Karl Friedrich Schinkel und der Stab seiner Schüler und Nachfolger (wie Persius, Stüler, Hesse, Strack, …). Den künstlerischen Skulpturenschmuck erschaffen Johann Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, August Kiss und weitere. Die Gestaltung der Gartenanlagen obliegt dem Gartenbauarchitekten Peter Joseph Lenné und seinen Mitarbeitern.
1833
Ludwig Zinnow aus Stolpe verkauft an den Kossäten Johann Gottfried Liebenow aus Drewitz ½ Morgen Ackerland von den Steinstücken. Das entspricht etwa einer Fläche von 50 x 25 Metern.
Am 04. Oktober verkaufen 9 Kossäten der Gemeinde Stolpe neun Morgen des auf den Steinstücken belegenden Heidelandes an den Victualienhändler Samuel Haeseler aus Nowawes.
Carl Friedrich Perlewitz verkauft von seinem Kossätengut ½ Morgen (50 x 25 m) von dem auf den Steinstücken belegenen Acker an Carl Ludwig Hoenow aus Nowawes für 50 Taler courant.
Auch Friedrich Wilhelm Hoenow verkauft ½ Morgen Acker von den Steinstücken an Carl Ludwig Hönow in Nowawes aber für nur 40 Thaler curant.
1834
Die Kossäten Ludwig Zinnow und Friedrich Hönow haben jeder jährlich an die Geistlichkeit und Schule in Stolpe zu entrichten:
1. An den Oberprediger Ebert: 1 Scheffel und 4 Metzen Roggen
2. An den Prediger Stöwe: 12 Metzen Roggen
3. An den Küster Bloch: 8 Metzen Roggen, 1 Brod, 4 Stück Eier und 7 Gr, 6 Pfg.
an Speisegeld.
Aufgegeben und festgeschrieben vom Oberpfarrer Ebert am 20. Juli 1834
1837
Im August wird die neue Kirche „Peter und Paul“ auf Nikolskoe geweiht, der Bau, der 1834 nach den Plänen von Stüler und Schadow begonnen wurde, nahe des bereits 1819 errichteten Blockhauses. (Gesprochen: Nikolsko(j)e „dem Nikolaus gehörend“ – nicht aber Nikolsköö).
Die Kirchen von Stolpe und Nikolskoe werden Tochterkirchen der neuen Parochie Klein Glienicke. Auch die Pfaueninsel wird zu Klein Glienicke eingekircht.
Die Pfarrer der St. Peter und Paul-Kirche auf Nikolskoe werden sein:
1837 – 1867 Julius Fintelmann
1867 – 1872 Paul Griesemann
1872 – 1881 Ludwig Petzholtz
1881 – 1885 Karl Lind
1885 – 1888 Wilhelm Kritzinger
1888 – 1922 Walter Roedenbeck
1922 – 1934 Wilhelm Koschwald
Der König, Friedrich Wilhelm III. ordnet an, dass die Glocken der Kirchen von Berlin, Potsdam und Umgebung, so auch in Nikolskoe und Stolpe ganzjährig geläutet werden und zwar morgens, mittags und abends. Das dörfliche Volk hat nur wenige Uhren im persönlichen Besitz. Man verspätet sich leicht zum Kirchgang. Der Arbeitsmann Wittenberg lebt noch nicht sehr lange in der Gemeinde. Stolpe bekommt jetzt auch einen richtigen Lehrer, der gleichzeitig die Aufgaben eines Kantors und Küsters der Kirche erfüllt. Er heißt August Liese. Von dem Zustand des Schulhauses ist auch er erwartungsgemäß nicht erbaut, da es bekannter Maßen als einsturzgefährdet gilt. Die Ratten spazieren ein und aus. Eines Tages brechen auch die Schweine während der Unterweisung der Kinder in den Raum. Daher wird ein Schulneubau immer dringender.
Bahnbau – eine neue Epoche bricht an: Gastwirt Simon aus Kohlhasenbrück verkauft an die „Berlin – Potsdamer Eisenbahngesellschaft“ am 06. Oktober Ackerfläche und Wiese in einer Ausdehnung von 147 QR (Quadratruten) das sind etwa 46m x 45 m, 2090 qm, für die später über seinen jetzigen Grund führende Bahnstrecke.
Südlich von Stolpe werden die Bahngeleise für die erste Preußische Eisenbahn (zwischen Berlin und Potsdam), die „Stammbahn“, verlegt. Es ist nach Nürnberg – Fürth und Leipzig – Dresden, die dritte Eisenbahnstrecke in Deutschland. Das Flüsschen „Bäke“ ist wegen des Bahnbaus umgelenkt worden. Ihr altes Flussbett wird aber an dem Verlauf der späteren Bäkestraße und Machnower Straße erkennbar bleiben.
1838
Am 18. September wurde die Eisenbahn-Teilstrecke von Potsdam nach Zehlendorf festlich eröffnet. Es sind 300 Billets ausgegeben worden. Das Publikum hat in 16 Wagen Platz genommen, die von den beiden Dampfwagen „Adler“ und „Pegasus“ gezogen wurden. In knapp 22 Minuten war die Strecke, deren Länge 3.850 Ruten beträgt (später wird man sagen: 14,5 km) zurückgelegt. Am 29. Oktober erfolgte dann die Inbetriebnahme der Gesamtstrecke bis Berlin, Potsdamer Bahnhof. Die Zeit der Abgänge der Züge richtet sich nach der Uhrzeit der Potsdamer Garnisonkirche, die man zur Kontrolle vom Bahnhof in Potsdam auch bequem mit dem Fernglase ablesen kann.
1839
Ein Streit ist zu beklagen, zwischen der Gemeinde Stolpe und dem Fiskus, wegen der Hütung auf dem Havelsaum der Geltower Heide.
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, VII Grundstückssachen, 3. Hütungs-
und Wiesensachen,
II. spez. Stolpe, 6 Nr. 2, Sign. 1053 (113. 287. 110. 21. 2. 26) 1839 – 1847.
Der Kossät Friedrich Wilhelm Zinnow ehelicht Charlotte Wilhelmine Hönow. Gemeinsam werden sie mindestens vier Kinder haben. Mit ihr wandert er aus – zuerst nach Ruhlsdorf, später nach Nowawes und wird sich dort niederlassen, sein Brot als Viehmäster verdienen.
1840
Neu zu Stolpe gehören jetzt: Friedrich-Wilhelm-Brück und auch die Pfaueninsel. 31 Wohnhäuser im Ganzen und die Tapetenfabrik. Zur jetzigen Zeit verbinden den großen Wannsee, den Kleinen Wannsee, den Pohle-See, den Stölpchen-See und den Griebnitz-See noch keine Kanäle. Das wird erst 1907 verwirklicht sein. Steinstücken werden zu Klein-Machnow eingekircht.
Die Regierungszeit des Friedrich Wilhelm IV. als König von Preußen beginnt. Seine Ehefrau ist Elisabeth von Bayern, aus dem Hause Wittelsbach. Sie ist die Tochter des beliebten bayerischen Königs Maximilian Joseph I. und auch Tante der späteren österreichischen Kaiserin Elisabeth, „Sisi“ (im Film später „Sissi“ genannt).
Seiner Frau Elisabeth zu Ehren lässt der König an der Moorlake ein Forsthaus in bayerischer Manier errichten, das jedoch bald zu einer Ausflugsgaststätte umgenutzt wird.
1841
Kohlhasenbrück bei Stolpe ist inzwischen zu einer Kolonie mit 5 Wohnhäusern „heran gewachsen“. Den Johann Friedrich August Zinnow, der 1816 am Stolpeschen Teerofen geboren ward, zieht es nach Nowawes, weil er dort am 14. Oktober des Jahres mit Friederike Charlotte Luise Damm den Bund der Ehe eingehen wird.
1842
Der 29jährige Büdner Johann Friedrich Lichterfeldt heiratet in Stolpe des August Ludewich Zinnows 20jähriges Töchterlein Charlotte Luise. Vater Zinnow ist Kossät, Schul- und Kirchenvorsteher.
1846
Heinrich Beyer aus Kohlhasenbrück pachtet die Stolper Gemeindejagd für die jährliche Zahlung von 12 Reichstalern. Die Wälder sind reich an Rotwild, Schwarzwild, Hasen, Hühnern und Fasanen.
1847
Der Schulneubau in Stolpe wird nun endlich in Angriff genommen und nimmt bald Gestalt an.
1848
Ereignisse im Jahr der bürgerlichen Revolution gegen Unfreiheit und schlechte Lebensbedingungen: In Berlin sind nach Barrikadenkämpfen gegen das anrückende königliche Militär 200 tote Arbeiter zu beklagen. „Die Märzgefallenen“ werden sie genannt. In Potsdam wird der junge Jurist Max Dortu wegen seiner führenden Tätigkeit im „Patriotischen Verein“ verhaftet und ein Jahr später in Freiburg (Breisgau) erschossen. Die große Glocke der Kirche in Stolpe zerspringt. Eine Mahnung an König, Staat und Volk zu Demut und Gerechtigkeit? Bald darauf zerschellt auch die kleinere Glocke und der Fachwerkbau, der wohl noch aus der Zeit des Großen Kurfürsten stammt, zeigt, wie sowieso bekannt, den desolaten Zustand der Baufälligkeit.
Mit den Gastwirtschaften sieht es dagegen besser aus. Es steht außer Stimmings Krug nahe der Friedrich-Wilhelm-Brücke auch noch das kleine Hoenowsche Gasthaus an der Königsstraße.
So wie auf dem Lande üblich, lebt man auch bei uns in Stolpe naturalwirtschaftlich als Selbstversorger. Geld gibt es zu Weihnachten, da muss an den Kleidungskauf gedacht werden. Einige Einnahmen hat man vom Verkauf der Teltower Rübchen und auch vom Verkauf der Milch, vor allem nach Potsdam. Für einen Liter Milch bekommt man 6 Pfennige. Man hält sich so „über Wasser“.
1853
Vom Amte Potsdam wurde eine neue Anordnung für die Durchführung der Nachtwachen in den Dörfern erlassen.
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep 7, VI Prästations-Sachen, 3.
Dienst-Sachen, Sign. 719, I.Gen, 68 Nr. 48
Dorfschulze ist zurzeit Johann Gottfried Schuchardt. Der Krug zu Kohlhasenbrück hat den Besitzer gewechselt. Nach Simon ist nun ein gewisser Hedrich der Wirt. – Oh, die Hedrich-Zeit ist schon wieder zu Ende. Heinrich Beyer übernimmt jetzt den Krug und wird diesen bis etwa 1887 führen.
1854
Die alte Dorfkirche, der Fachwerkbau, wird wegen Einsturzgefahr nun endgültig geschlossen. König Friedrich Wilhelm IV. beauftragt den Schinkelschüler, Baumeister August Stüler, mit dem Neubau einer Kirche im romanisch-klassizistischen Stil aus gelbem Backstein. Die Baukosten werden sich auf die sehr hohe Summe von mehr als 15.000 Talern belaufen.
1855
Die Kossäten leisten im Feuerlöschwesen Spritzendienste – auch als gegenseitige Nothilfe in Nachbargemeinden. Dafür gibt es als Entschädigung vom Amt in Potsdam bzw. vom Landratsamt in Teltow das Spritzenfuhrgeld. Oft bedeutet es aber zähe Verhandlungen, Erinnerungsschreiben, Eingaben, nochmalige Nachweisungen, um die Ausgleichzahlungen tatsächlich zu erlangen.
Abgelöst wird die jährliche Roggenernte der Gemeinde Drewitz (als Abgaben und Dienste) für die Gemeinde Stolpe.
Quelle:
Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep 7, VI Prästations-Sachen, 4. Ablösung
der Abgaben und Dienste, Sign. 838, Stolpe 4, Nr. 8 (2.51) 1855 - 1858
1856
Die Kirchenvorsteher Zinnow und Parnemann wenden sich wegen der Dringlichkeit des Kirchenneubaus an den Superintendenten Klehmet.
Dorfschulze ist zurzeit Hoenow.
Johann Friedrich Kluge, vor 23 Jahren an Albrechts Teerofen geboren, geht am 17.
August mit Johanne Marie Bernau den Bund der Ehe ein. Gemeinsam werden
sie 12 Kinderchen in die Welt setzen.
1857
Im lieblichen Monat des Maien gehen Caroline Auguste Friederike Kluge aus Albrechts Teerofen und der Dienstknecht Carl Ernst Rudolf Kaatsch zum Traualtar in Neuendorf.
Heinrich Beyer (1826 – 1887) hat als einen der Punkte seiner sich selbst gestellten Lebensaufgaben, die Umgebung seines Anwesens in Kohlhasenbrück nach dem angeblich vor rund 300 Jahren vergrabenen Silberschatz des Hans Kohlhase abgesucht – ihn aber noch nicht gefunden.
1858
Die Forstverwaltung kaufte in den Jahren 1846 – 1858 Land von Kossätengrundstücken in Stolpe. Es gaben die Familien Johann Gottfried Schuchardt, Ludwig Zinnow, Friedrich Wilhelm Zinnow, Johann Ludwig Liebenow, Baatz, Pardemann, Hoenow, Wilhelm Hoenow und Gottfried Zinnow, Land an den Forstfiskus ab. Der Verhandlungspartner der Forstverwaltung ist der Oberförster Kienast.
Quelle: Landeshauptarchiv Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, VII Grundstückssachen, 1. Fiskalische und private Grundstücke, Sign. 984
Kohlhasenbrück gehört seit diesem Jahr zur Gemeinde Stolpe. Bisher galt es als ein selbständiges Etablissement. Hier gibt es jetzt 44 Einwohner an 5 Feuerstellen. Die Kolonie ist eingekircht zu Stolpe.
1859
Prinz Wilhelm („der Kartätschenprinz“ von Berlin des Jahres 1848) übernimmt die Regentschaft für den erkrankten Bruder, König Friedrich Wilhelm IV.
Das Erbauen der Stülerschen Kirche in unserem Dorf währte zwei Jahre. Die Kirche mit dem mächtigen Turm wird am 25. November eingeweiht. Sie erscheint uns noch als sehr groß, gegenüber dem früheren kleinen Fachwerkkirchlein.
1860
Zum Dorf Stolpe gehören inzwischen: Das Chausseehaus, Friedrichs-Wilhelm-Brück, Steinstücken, die Kolonie Ziegelei am Wannsee, das Forsthaus Wannsee und Kohlhasenbrück, „Eule“ und Teerofen sowie Nikolskoe mit Moorlake und zuletzt die Pfaueninsel. Auf den Steinstücken stehen ein Wohn- und zwei Wirtschaftsgebäude. Diese werden nach Kleinmachnow eingekircht. Die „Eule“ gilt als ein Abzweig von Kohlhasenbrück. In Nikolskoe finden wir den Ziegelbau bei der Kirche und das Schülerhaus, ein Wohngebäude und zwei Wirtschaftsgebäude. In Moorlake wurden ein Wohnhaus und ein Wirtschaftsgebäude errichtet. Auf der Pfaueninsel stehen das Königliche Schloss und 6 Wohngebäude.
Das Dorf besitzt nunmehr 5 Öffentliche Gebäude, 37 Wohngebäude, 52 Wirtschaftsgebäude einschließlich der Wachstuchfabrik. Die Kolonie Ziegelei besteht aus 7 Wohnhäusern und 6 Wirtschaftsgebäuden. Das Gebiet umfasst 52 Morgen Gehöfte und 29 Morgen Gartenland sowie 431 Morgen Acker, 125 Morgen Wiese und 513 Morgen Wald.
Bewohner: 10 Hofeigentümer und ein Pächter, diese zusammen mit 13 Knechten und Mägden.
Berufs- und Sozialgliederung: 28 Landwirte im Nebengewerbe mit 2 Mägden, 70 Arbeiter,
5 Personen Gesinde und 4 Bedienstete. 4 Zimmergesellen, 1 Tischlergeselle,
1 Maurergeselle, 3 Gärtner, 1 Krüger, 2 Beamte,1 Künstler, 1 Rentier, 18 Arme.
Kohlhasenbrück zählt seit langem 5 Wohnhäuser und 4 Wirtschaftsgebäude (mit Eule). Das Kruggut Kohlhasenbrück ist seit 1858 im Besitz der Familie Heinrich Beyer. Beyer war in früheren Jahren Gärtner bei der Königlichen Gartenverwaltung Potsdam, zuletzt als Obergärtner der Pfaueninsel. Zur Krugwirtschaft gehören: 72 Morgen Ackerland zwischen dem Königsweg und dem Griebnitzsee, bis an die Nowaweser Grenze, 12 Morgen Wiese vom linken Bäkeufer bis an die Teerofener Grenze und 8 Morgen Gartenland.
1861
Das Forsthaus Wannsee wird in den
Akten erwähnt. (Lage: König- / Ecke
Bismarckstraße).
Von diesem Jahre an entfallen die Arbeitsdienste und Naturalabgaben auch der Kossäten an das Amt Potsdam.
Der Schwiegersohn von Gastwirt Stimming, der Wachstuchfabrikant Brandt, zieht nach Stolpe. Im Vorjahr begann er hier eine Produktionsstätte aufzubauen. Gastwirt Friedrich Schuchardt heiratet in die Familie Hoenow ein.
König Friedrich Wilhelm IV. stirbt. König von Preußen ist nun sein etwas jüngerer Bruder Wilhelm I. Seit 1829 ist er mit Augusta, Prinzessin von Sachsen – Weimar verheiratet, einer Urenkelin von Katharina der Großen von Russland.
1862
Wilhelm Heinrich Grabow ehelicht in diesem Jahr in der Kirche zu Stolpe die Caroline Wilhelmine Auguste Ebel aus Neuendorf. W. H. Grabow ist der Sohn des Büdners Friedrich Wilhelm Grabow aus Albrechts Teerofen.
Der König macht den strebsamen Junker Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten, später auch zum Kanzler. Dieser „Schmied“, wie er sich selber gerne sieht, formte das Deutschland nicht unbedingt nach des Monarchen oder gar des Volkes Willen, sondern durch „Blut und Eisen von oben“.
1863
Der Berliner Bankier Wilhelm Conrad (1822 – 1899) erwirbt den Gasthof „Stimminger Krug“ an der Friedrich Wilhelm Brücke und wird diesen in der Folgezeit (um 1870) abbrechen lassen. Er erwirbt des Weiteren 300 Morgen des umgebenden Landes.
1864
Gründung der Villenkolonie Alsen
auf dem Grundstück des „Stimminger Krugs“ am Großen Wannsee durch Herrn Conrad.
Conrad eröffnet dort zuerst das „Café Alsen. (Anmerkung:
Alsen erinnert an die jütländische Insel Alsen, die im deutsch-dänischen Krieg 1864
erobert wurde. Conrads Schwager war an diesem Feldzug beteiligt).
Die Grünanlagen der Kolonie Alsen werden in Anlehnung der Arbeiten von Peter Joseph Lenné im Schlosspark Glienicke gestaltet.
Henriette Wilhelmine Zinnow (geboren am 05. Dec. 1842) heiratet am 21. Juni 1864 in Nowawes den Böttchermeister Johann Friedrich Adolf Johl und zieht zu ihm nach Nowawes. Sie werden mindestens zwei Kinder haben.
1866
Karl Friedrich Dürre, der am 22. März 1826 geboren ward, geht am 15. April 66 mit Dorothea Caroline Wilhelmine Mathes aus Nowawes zum Traualtar und zieht auch in diese neue, nahe Wahlheimat. Sein Vater ist der Ziegelbrenner Karl Friedrich Dürre aus Stolpe und ihre Eltern sind der Webermeister Mathes in Nowawes und seine Ehefrau Caroline, geb. Hanicke
1870
Die Vorbereitungen zum Bau der Wannseebahn werden getroffen (auch „Wahnsinnsbahn“ geheißen, weil das Verkehrsnetz ja schon so sehr engmaschig ist und man in die Sommerfrische ja ohnehin besser in offener Kutsche fährt). Dazu erfolgt Landankauf von Stolper Kossäten
Die Postzustellung von Kohlhasenbrück, Teerofen und Stolpe besorgt der Landbriefträger von Potsdam, der dort um 6 Uhr in der Frühe seinen Dienst beginnt. Hat er die Aufträge in Nowawes-Neuendorf besorgt, trifft er zwischen 10 1/2 Uhr und 11 Uhr in Kohlhasenbrück ein. Es wird aber auch Vormittagspost mit dem Zug befördert (ein nur offiziöses Abkommen), die an der Bahnwärterbude No. 25 in Kohlhasenbrück mit kühnem Schwung aus der Lokomotive geworfen wird. So gibt es die vorbildliche zweimalige Postzustellung am Tage.
Frankreich erklärt Preußen den Krieg. Es beginnt der Krieg gegen Frankreich, den Bismarck mit der „Emser Depesche“ indirekt aber ganz bewusst stark gefördert hatte.
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Mit Gott für König und Vaterland fochten in den Jahren 1870 – 1871 folgende Stolper Soldaten, die alle wieder in die Heimat zurückkamen: |
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01. Friedrich Wilhelm Carl Jänicke |
16. Heinrich Bauck, 28 Jahre alt. |
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02. Friedrich Valentin Jänicke |
17. Johann Friedrich Schuchardt, 25 Jahre |
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03. August Parnemann |
18. Wilhelm Jungermann, 21 Jahre alt |
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04. August Triebener |
19. Friedrich Freidank, 22 Jahre alt |
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05. Wilhelm Reipert |
20. Christ. Dauerheim, 31 Jahre alt |
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06. Johann Wilhelm Perlewitz |
21. Rudolf Schrödter, 26 Jahre alt |
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07. Wilhelm Kühne |
22. Friedrich Dreke, 28 Jahre alt |
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08. Carl Ferdinand Schulz |
23. Otto Heinrich, 25 Jahre alt |
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09. Julius Richter, 28 Jahre alt |
24. August Schleyhagen, 25 Jahre alt. |
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10. Ferdinand Frauenheim, 30 Jahre alt |
25. Wilhelm Geisshirt, 25 Jahre alt |
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11. Ernst Biege, 27 Jahre alt |
26. Gottfried Behnke, 30 Jahre alt |
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12. Friedrich Schmitt, 32 Jahre alt. |
27. August Ziegelmann, 27 Jahre alt |
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13. Rudolf Kramm, 26 Jahre alt |
28. Johann Ferdinand Parnemann, 23 Jahre |
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14. Wilhelm Schuchardt, 25 Jahre alt |
29. Emil Barfuß, 19 Jahre alt |
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15. Karl Jürgen, 46 Jahre alt. |
30. Johann Buchwald, 25 Jahre alt |
Christus spricht:
Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen.
Wir sehen an diesen Namen, dass vor verhältnismäßig kurzer Zeit, vor allem durch die Gründung der Villenkolonie Alsen am Großen Wannsee, viele Familien neu in das Stolper Gebiet zugezogen sind.
1871
Der preußische König Wilhelm I. von Hohenzollern wird in diesem Jahr nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich auch Deutscher Kaiser. Die Krönung findet aber nicht etwa in Berlin oder Potsdam statt, sondern im Schloss Versailles, im fernen Paris des besiegten Frankreichs.
1872
Ortsschulze und Schöffe ist in Stolpe der Kossät Wilhelm Brabandt (1827 – 1893). Heinrich Beyer (Kohlhasenbrück) gehört dem Gemeinderat von Stolpe an. Besitzer von Teerofen sind Grabow und Baatz. Weitere Häuser besitzen dort die Stolper Kossäten Brabandt und Höhnow. Die auf ein Alter von etwa 1.000 Jahre geschätzte „Kohlhaas-Eiche“ ist während eines heftigen Gewitters vom Blitzstrahle gespalten worden. Sie stand bisher vor dem Haus der Familie Heinrich Beyer in Kohlhasenbrück.
1873
Am Sedan-Tag, dem 02. September (Gedenktag an die siegreiche preußische Schlacht gegen die Franzmänner), haben wir feierlich eine neue Eiche an gleicher Stelle im ausgehöhlten Stumpf der alten Eiche gepflanzt. In den Wurzelraum brachten wir eine verlötete Blechbüchse ein, mit Berichten zur aktuellen Lage unseres Volkes und einem Satz der jetzt gültigen Münzen. Schuchardt baut in diesem Jahr einen neuen Gasthof – gegenüber der Pfaueninselchaussee.
1874
Das romantische Flüsschen, die Bäke, ist wegen des Baus der Wannseebahn erneut umgeleitet worden und auch für den Bau der Wetzlarer Bahn, wurde die Bäke wiederum in ein neues Flussbett gezwungen.
Der Eisenbahnhaltepunkt „Wannsee“ wird auf der Strecke eingerichtet und die Strecke in Richtung Potsdam weitergeführt.
Einen eigenen Bahnhof besitzt Nowawes-Neuendorf noch nicht aber zwischen der Stammbahnstrecke und der sich ihr nähernden Wilhelmstraße (die nach dem Schlosse Babelsberg führt), steht eine kleine Holzhalle. Wenn Seine Majestät Kaiser Wilhelm I. den Zug nutzen möchte, hält dieser dort zum bequemen Zustieg.
Am 3. November werden jährlich die Hubertusjagden abgehalten. Wenn die Jagdgesellschaft mit dem Zuge aus Nowawes-Neuendorf kommt, steigt sie an der Bahnwärterbude No. 25 in Kohlhasenbrück aus. Die Jagden finden in der Parforceheide statt. Gesellschaftliches Zentrum der Jagden ist das Jagdschloss Stern.
1876
Die wachsende Schülerzahl
erzwingt den Bau eines weiteren, größeren Schulhauses. Es wird auch bald mit
dem Bau begonnen. (Quelle: Landeshauptarchiv
Potsdam, Pr. Br. Rep. 7, X. Kirchen-, Pfarr- und Schulsachen. Bau- und
Friedhofs-Sachen Signatur 1550 Stolpe 5 Nr. 7 (130. 17. 201).
Unser märkischer Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane hält des Öfteren und gerne Einkehr im ruhigen und romantischen Kohlhasenbrück. Die Ansiedlung hat, wenn auch viel Wasser vor der Tür, seit Menschengedenken nur einen einzigen Kesselbrunnen zur Trinkwasserversorgung. Dieser befindet sich im Hof der Gastwirtschaft. Es gibt also täglich Besucher, auch wenn mal keine fremden Reisenden Einkehr halten. Erst im Jahre 1895 wird sich diese Situation mit dem Bau einer Trinkwasserleitung ändern.
1877
Baubeginn der Strecke der Wetzlarer Bahn (der Kanonenbahn) nach Metz. Die Strecke verläuft mit der vorhandenen Strecke der Stammbahn zwischen Wannsee und Kohlhasenbrück parallel in etwa 60 m Abstand. Die Wetzlarer Bahn erhält in der Nähe den Haltepunkt Dreilinden, am Bahnkreuz mit der Friedhofsbahn zwischen Wannsee und Stahnsdorf.
1878
George Ludewig Zinnow heiratet Maria Dorothea Perlewitz am 26. November.
1878 – 1879
Bau der Stadtbahn durch den Grunewald.
1883
Der Gemeindevorsteher Dreitzel ist auch der Besitzer der Wachstuchfabrik. Als Schöffen sind ihm Zinnow und Jungermann beigegeben.
1884
Ein zweiter Nachtwächter wird angestellt. Sein Monatsgehalt beträgt 30,--Mark.
1887
Stolpe wird erleuchtet. Das Dorf bekommt 16 Laternen, die Kolonie Alsen 30 Leuchten.
1888
Kaiser Wilhelm I. stirbt am 09. März. Sein Nachfolger ist Sohn Friedrich III.
Heinrich Beyer aus Kohlhasenbrück liefert mit vielen Helfern 80 Kubikmeter Tannenzweige (Kiefer / Fichte), auf Wäscheleinen „zu lendendicken Guirlanden“ geflochten. Diese dienen dem Ausschmücken der Trauerstraße „Unter den Linden“ in Berlin. Es waren für den Transport 40 Pferdefuhrwerke vonnöten. Das Material stammt aus dem Forst bei Stolpe, Oberförsterei Potsdam, vorwiegend von den Bäumen, die für den Chausseebau bereits gefällt waren. Die Arbeiten waren schwierig und anstrengend. Es herrschten im März des Nachts bis zu -28°C. Die Arbeiten fanden soweit möglich, im Saal der Gaststätte statt. Die Öfen und Teekessel darauf stehend, bekamen in diesen Tagen keine Pause.
Es regiert nun Kaiser Friedrich III, bis jener Hoffnungsträger für eine liberale Politik am 15. Juni nach nur 99 Tagen an Kehlkopfkrebs verscheidet. Seine nun verwitwete Frau ist Victoria, Prinzessin von England und Irland. (Ihrem Mann zu ehrenden Gedenken, nennt sie sie fortan „Kaiserin Friedrich“). Es übernimmt deren Sohn als Deutscher Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II. die Regierungsgeschäfte. Seine Frau ist Auguste Victoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Die Regierungszeit wird 1918 mit dem Schluss des Ersten Weltkrieges in Blut und Chaos enden.
Der Landrat Stubenrauch lässt statt des einfachen Weges, die Chaussee von Nowawes über Kohlhasenbrück nach Stolpe bauen.
Der Gemeinderat für Stolpe und Umgegend tagt im alten oder im neuen Schulhause oder aber auch im Hause des Gemeindevorstehers Dreitzel. – Neuer Gemeindevorsteher wird bald der Schwager von Dreitzel, Oscar Heß. Die Landwirte Liebenow und Höhnow stehen ihm als Schöffen zur Seite.
1890
Den Gottesdienst in der Stolper Kirche versieht der Superintendent Pastor Roedenbeck von der Klein-Glienickeer Pfarrstelle. Sacrow und Nikolskoe versorgt er gleichermaßen. Daher ist er nicht jeden Sonntag anwesend – so ist der jeweils 2. Sonntag ein „Lesegottesdienst“ den der jahrzehntelang treue Kantor, Küster und Lehrer August Liese hält.
Bei Kohlhasenbrück wird auf die Anregung von Beyer begonnen, eine Villenkolonie zu errichten.
1893
Der Bahnhof Neubabelsberg (späterer Name: Bahnhof Griebnitzsee) wird gebaut. Das Bahnhofsgebäude erhält eine Gaststätte, die Gustav Behrend bewirtschaften wird. Das Gebäude ist ein Holzpavillon, der früher auf der Weltausstellung 1873 in Wien als Ausstellungshalle „Das Deutsche Haus“ gedient hat. Bis zum Jahre 1932 wird dieses Gebäude Bestand haben.
Die Jungfer Auguste Zinnow, 1870 in Stolpe geboren, zieht um nach Nowawes, um dort den Otto Sotscheck zu heiraten.
1895
Anzahl der Einwohner von Stolpe: 1.717 Personen. Dieser Zuwachs entstand vor allem durch die Gründung der Villenkolonie Alsen.
1896
Nun halten die Personenzüge der Bahn im neuen Bahnhof Neubabelsberg. Die Fahrzeit der Dampfeisenbahn von Neubabelsberg bis Berlin, Potsdamer Platz, dauert 25 Minuten.
Helle Abende! Zwischen Kohlhasenbrück und Stolpe werden am Wege fünf Gaslaternen aufgestellt, die allerdings (im Winterhalbjahr) des Abends um 10 Uhr gelöscht werden und am darauf folgenden Nachmittag wieder angezündet werden müssen.
Die Landfläche „Eule“ wird an die „Zentralstelle für wissenschaftlich-technische Analysen“ verkauft (Schwerpunkt der Arbeiten sind Pulveranalysen und Tests von Handfeuerwaffen). Das brachte für Kohlhasenbrück den Vorteil, erstmals an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen zu werden.
1898
In diesem Jahr hört der Dorfname „Stolpe“ auf, im offiziellen Gebrauch zu existieren. Das bisherige Dorf Stolpe mit der „Kolonie Albrechts Teerofen“, der Häusergruppe am „Café Alsen“, dem Etablissement „Kohlhasenbrück“, der „Kolonie Eule“, der Pfaueninsel und der Kolonie Steinstücken, wird mit einer größeren Anzahl weiterer Anwesen vereinigt, die bisher dem „Gutsbezirk Düppel“ angehörten. Es handelt sich dabei um die „Villenkolonie Wannsee“, den Bahnhof Wannsee mit mehreren Bahnwärterhäusern und „Nikolskoe“ mit „Moorlake“. Diese verschiedenen Gebiete mit ihren Wohnplätzen sind nun unter dem neuen Namen „Wannsee“ zusammengefasst. Den Ortsnamen „Stolpe“ ließ man bewusst eingehen, weil es in deutschen Landen 63 Ortschaften dieses gleichen Namens gibt und es oft zu Verwechselungen, namentlich postalischer Art, kam.
Die Kirche am Stölpchensee wird wie bisher vom Pfarrer Roedenbeck (Klein Glienicke), nun aber zusätzlich von dem Wannseer Geistlichen, Pfarrer Schaede, betreut.
Rudolf Beneck übergibt das Führen der Gastwirtschaft in Kohlhasenbrück an Karl Graf. Besitzer bleibt jedoch Bernhard Beyer.
1900
Wannsee hat 595 Hektar Flächenausdehnung. Es stehen hier inzwischen 235 Häuser. Ein Großvorhaben ist der Bau des Teltow-Kanals: Die Idee und der Entwurf stammen von dem rührigen Teltower Landrat Ernst v. Stubenrauch. Das Vorhaben hat einen Wertumfang von 40 Millionen Reichsmark. Der erste Spatenstich erfolgt am 22. Dezember im Park Babelsberg. Die Bauzeit für die 37,8 Kilometer Kanallänge bis zur Einmündung in die Spree bei Grünau wird einschließlich des Baus von 52 Brücken, voraussichtlich sechs Jahre dauern. Eine Schleuse, die bei Klein Machnow errichtet wird, benötigt man zum Heben der Schiffe um bis zu 3 Metern für den Höhenausgleich der Gewässer. Der Kanal nimmt die alte kleine Bäke in sich auf. Die erste, 1838 erbaute erste Eisenbahnbrücke Preußens über die Bäke wird jetzt zur Überbrückung der neuen Straße statt des Flüsschens genutzt. Die Bäkestraße und die Machnower Straße kennzeichnen ein kürzeres Stück des früheren Verlaufes der Bäke. Den stärker werdenden Straßenverkehr nimmt die Neue Kreisstraße auf. So bleibt der neue Villenort Kohlhasenbrück im Wesentlichen vom Lärm verschont.
1901
Weiterbau der Villenkolonie Wannsee. Die Kirche des früheren Dorfes Stolpe wird eine selbständige Pfarrgemeinde in der Superintendentur Potsdam.
1906
Am 02. Juni wird der Teltowkanal eingeweiht, seiner Bestimmung übergeben. Der erste Nutzer mit seinem Schiff ist Kaiser Wilhelm II. mit seinem Schiff. Wer auch sonst?
1907
Eröffnung des Familienbades am Wannsee. Der neue Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal verbindet die Potsdamer Havelseen mit dem Griebnitzsee, dem Stolper See (Stölpchensee), dem Pohlesee, sowie mit dem Kleinen und Großen Wannsee und so auch auf diesem Wasserwege mit den Berliner Gewässern.
1909
Festlich wird der 50. Jahrestag der Stülerschen Kirche in Stolpe begangen.
1914
Der erste Weltkrieg beginnt.
1916
Auf die Amtsperiode des Oscar Heß als Gemeindevorsteher, folgt die des Herrn Dr. Haase als Bürgermeister von Wannsee.
1917
Die Einwohnerzahl von Wannsee beläuft sich unter stürmischem Anwachsen der Besiedlung inzwischen auf 5.029 Personen.
1918
Kaiser Wilhelm II. muss abdanken (er „wird“ von Max v. Baden abgedankt) und findet in den Niederlanden ein Exil. Der erste Weltkrieg endet.
1920
Die Gemarkung Wannsee grenzt an die Stadt Nowawes und an die Villenkolonie Neu-Babelsberg, beide zum Kreis Teltow zählend. Wannsee (mit dem alten Dorf Stolpe, Kohlhasenbrück, Steinstücken, Albrechts Teerofen, Eule und Pfaueninsel sowie Nikolskoe mit Moorlake) gehört ab April nicht mehr zum Kreise Teltow der Provinz Brandenburg, sondern wird zu Groß-Berlin eingemeindet. Zuständig ist für uns nun nicht mehr das Amts- und Landgericht in Potsdam, sondern das Amtsgericht in Groß-Lichterfelde und das Landgericht II zu Schöneberg. Postalisch sind wir jedoch kurioser Weise bei Neubabelsberg geblieben. Das hat zur Folge, dass z. B. ein Brief an das zuständige, nah gelegene Zehlendorfer Bezirksamt, Fernverkehrsporto in Höhe von 12 Pf. kostet. Schicken wir jedoch Post in die Stadt Potsdam oder nach Drewitz, also „nach außerhalb“, bedarf es nur einer 8 Pf-Briefmarke.
1927
Auf den alten Steinstücken wird eine Ansiedlung errichtet. In Moorlake wird das Gasthaus -eine Ausflugsgaststätte mit vielen Außenplätzen – eröffnet. Moorlake ist wie Nikolskoe eingekircht zu Klein Glienicke.
1928
Notiz über einen bekannten Bürger aus Wannsee: „Am 02. April 1928 startete der Fuhrherr Gustav Hartmann, „Der eiserne Justav“, in der Alsenstraße 11 wohnend, mit seinem Pferd „Grasmus“ und der Droschke No. 120 zur legendären Kutschfahrt Berlin – Paris – Berlin. Am 12. September traf er wieder in Berlin ein. Seine Fahrt führte ihn durch Magdeburg, Braunschweig, Bielefeld, Köln, Trier und Verdun. Zu seinem Spitznamen kam Hartmann, weil er über 40 Jahre lang (eisern) Tag für Tag von sieben Uhr morgens bis zwei Uhr in der Nacht (so die Angabe) mit seiner Pferdekutsche am Bahnhof Wannsee auf Fahrgäste wartend, seinen Dienst versah. Gustav Hartmann lebte vom 4. Juni 1859 bis zum 23. Dezember 1938.
1929
Steinstücken wird übergangsweise nach Nowawes eingemeindet. Auf der Pfaueninsel ist als neues Gebäude die Meierei zu erwähnen.
1931
Das Territorium von Wannsee wurde auf 2.392 ha erweitert – wegen Hinzunehmens des Grunewalder Forstes und des Freibades Wannsee.
1932
Neubestimmung: Wannsee ist ein Ortsteil des Berliner Verwaltungsbezirks Zehlendorf mit den Unterwohnplätzen: Albrechts Teerofen, der Deutschen Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen / Versuchsgelände „Eule“ der Technischen Hochschule, Schlosspark Klein Glienicke, Kohlhasenbrück, Moorlake, Nikolskoe, Pfaueninsel und Steinstücken.
1999
Feier „700 Jahre Dorf Stolpe“ … nach der ältesten erhaltenen urkundlichen Erwähnung.
2008
Noch heute finden wir im Friedgarten an der Friedenstraße Grabstellen, die das Gedächtnis an die Familien Behrend, Beyer, Hönow, Liebenow, Parnemann, Perlewitz, Schuchardt, Wittenberg, Zinnow und weiterer alter Stolper Familien lebendig halten.
Auch mehrere Straßenzüge erinnern ehrend verschiedene alte Bewohner, so die Alsenstraße, die Bernhard-Beyer-Straße, die Conradstraße, die Martin-Heydert-Straße, die Pardemannstraße, der Sangebuchtweg, der Schuchardtweg, die Stimmingstraße und die Stutterichstraße.
- Ende -
Anhang 1: Literaturhinweise
- Akten aus dem Landeshauptarchiv Potsdam
- „Altberliner Bilderbogen“, Hans Ludwig, Illustrator Klaus Ensikat, Altberliner Verlag, 1985
- Bratring, Beschreibung der gesamten Mark Brandenburg, 1802
- „Das Wannseebuch“, Dr. G. Brasch, Herausgeber, Verlag R. Schneider, Wannsee 1926
- Fidicin, E. Die Territorien der Mark Brandenburg, Band 1, Kreis Teltow sowie
Die Stadt und die Insel Potsdam
- Historisches Ortlexikon für (die Mark) Brandenburg, Teil IV. Teltow, Potsdam 1976
- „Kohlhasenbrück“, Bernhard Beyer, 1934, Persönliche Gabe des Autoren an A. Janecke
- „Potsdam in alten und neuen Reisebeschreibungen“, Droste, 1992
- Kirchenbücher von Potsdam St. Nikolai und Stolpe, ausgewertet von Bischoff und Janecke
- Auszüge aus der Stammfolgenübersicht für Nowawes-Neuendorf für den Zeitraum 1752 –
1874. Erarbeitet von Bruno Schwarz, Studiendirektor, Nowawes 1937, aufgrund der
Eintragungen in Kirchenbüchern, Weberakten und Meldeakten, Stadtarchiv in Potsdam
- Vom Autoren gesammelte Aufzeichnungen.
Anhang 2: Erläuterungen zur Schreibweise
Es wurden im Text teilweise die zeitgenössischen Begriffe und auch die Familiennamen, mitunter in verschiedenen Schreibweisen aus der Zeit ihres Auftretens wiedergegeben. Sie wurden lange Zeit nach dem Hören des Gesprochenen schriftlich aufgenommen und wir lasen im Text, dass verschiedene Bewohner auch noch im 19. Jahrhundert nicht in der Lage waren, ihren eigenen Namen zu schreiben. Unterschiedliche Schreibweisen sind also beabsichtigt (sofern sich nicht auch mal ein Tippfehler eingeschlichen hat).
Anhang 3: Alte Maßangaben und deren Umrechnung
Die alten Maße sind nicht einheitlich für das Gebiet Deutschlands. Längen und Flächengrößen weichen in einzelnen Herrschaftsgebieten, Landschaften oder Zeiträumen bei gleicher Bezeichnung weit voneinander ab. Selbst zeitgleich wurden bei benachbarten Orten im Kreise Teltow deutliche Unterschiede festgestellt. So zumindest war es bis 1871. Danach trat Preußen der Meterkonvention bei; das Metrische System hielt seinen Einzug.
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Zählmaße |
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1 Paar = 2 Stück; 1 ½ Paar (Hausleute) = 3 Personen |
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1 Dutzend = 12 Stück |
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1 kleine Mandel = 15 Stück |
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1 Schock = 4 kleine Mandeln = 60 Stück; 1 Großschock = 64 Stück |
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Längenmaße |
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1 Meile, preußisch = 7,42 Km, etwa 2000 Ruten = 23.555 Fuß 1 Rute: Deren Länge wird in unterschiedlichen Regionen verschieden angegeben. 1 Rute sind etwa 12 Fuß, etwa 3,77 m 4,6 m, ungefähr 5,7 5,9 Ellen 1 Elle entspricht ca. 2 Fuß, etwa 63,0 bis 66,7 cm 1 Fuß = 0,0625 Ruten = 0,315 m = 31,5 cm, rund 12 altpreußisch Zoll (mit 2,615 cm) 1 Klafter = 1, 88 m; 1m = 0,35 Klafter 1 m (Meter) = 100 cm = 3,17 Preußische Fuß = 0,2 Ruten |
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Flächenmaße |
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Die Hufe (auch Hube) ist ein variables Flächenmaß. Sie ist Bauernland, dessen Größe sich nach der Bodenqualität richtet. Sie soll so bemessen werden, dass sich von den Felderträgen einer Hufe eine Familie ernähren und diese Fläche von ihr bewirtschaftet werden kann. Naturgemäß ist demzufolge eine Hufe in der nährstoffreichen Magdeburger Börde mit schweren Böden kleiner, als in der kargen, sandigen Mark Brandenburg. Nach der Anzahl der Hufen richtet sich die Höhe der Abgaben. 1 alte Brandenburgische Hufe sind etwa 30 große Morgen. 1 Hufe im Jahre 1585 in Sperenberg und Wünsdorf im Teltow: 14 Morgen. 1 Hufe im Jahre 1624 in Stolpe im Teltow hat 20 Magdeburger Morgen. 1 Preußische Hufe sind 66 Preußische Morgen, etwa 16,5 ha, 1,65 qkm, rund 165.000 qm. 1 Ein „Preußischer Morgen“ ist eine Fläche, die mit einem Ochsen vor dem Pflug, an einem Vormittag gepflügt werden kann. Das sind etwa 2.553 Quadratmeter Flächeninhalt oder 180 Quadratruten (13,4 x 13,4 Ruten), ¼ Hektar, 25 Ar, eine Fläche von 50 x 50 m. 1 Quadratrute (bei angenommener Rutenlänge von 3,77 m) = 14,2 qm = 0,255 Morgen |
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1 Hektar = 3,99 preußische Morgen = 0,1 Quadratkilometer = 100 Ar = 10.000 qm 1 Quadratkilometer = 399 Morgen
= 10.000 Ar = 1 Million qm 1 a (Ar) = 100 qm (Quadratmeter), eine Fläche von 10 x 10 m |
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Volumenangaben / Hohlmaße (vom 14. Jahrhundert an) |
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1 hl (Hektoliter) = 0,1 cbm = 100 l (Liter) = 1,8 preußischer Scheffel |
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1cbm = 10 hl = 1.000 l = 18 preußische Scheffel |
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1 Scheffel = 0,55 hl = 55 l = 16 Metzen (Maß für Getreide und Hülsenfrüchte) |
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1 Metze = 3,44 l = 0,0625 Scheffel = 1 Stübchen |
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1 Wispel Getreide sind etwa 100 kg = 1,8 Scheffel |
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1 Wispel Roggen hat den Wert von 2 Wispel Hafer und den Geldwert von 1 Frustum |
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1 Scheffel sind etwa 0,55 Wispel Getreide |
Geldwesen
11. Jahrhundert – 16. Jahrhundert
Zu jener Zeit ist „Eine Mark Silber“ ein Silberbarren von 233 Gramm Masse.
1 Schilling enthält 12 Pfennige, 20 Schillinge = 240 Pfennige = 1 Pfund Silber mit 267,2 Gramm, (1 Talent).
14. Jahrhundert
Die Geldwerte von Waren betragen derzeitig für
1 Scheffel (Hohlmaß, etwa 55 Liter) Getreide oder Erbsen 15 – 16 Pfennige
Vier Pfund Erbsen (nach 1871 sagt man: 2 Kilogramm) 1 Pfennig
1 Huhn 2 Pfennig
(Aus der „Verordnung gegen Luxus und Verschwendung“, vom 24. September 1334).
1630
Die Truppen des kaiserlichen Oberbefehlshabers General Albrecht Wenzel Eusebius Baron von Wallenstein (geboren 1583, ermordet 1634) durchziehen im September die Gegend. Wie selbstverständlich musste die Bevölkerung die Truppen, egal ob Freund oder Feind, ernähren. Ein Reuther (Reiter) soll erhalten:
Täglich 3 Pfund Brod (1.500 Gramm) zu je 3 Pfennig,
Täglich 3 Pfund Fleisch (1.500 Gramm) per a 8 Pfennig,
Täglich 3 Quart Bier jedes zu 5 Pfennig.
Sein Pferd soll dagegen bekommen:
Täglich 12 Pfund Heu,
Einmal wöchentlich 1 1/2 Scheffel Haber (das sind im Hohlmaß etwa 82,5 Liter Haferkörner) je Scheffel zu 12 Groschen,
Einmal wöchentlich 2 große Gebundt Stroh.
(Von derartigen Mengen konnte die ansässige Bevölkerung für sich selbst nur träumen).
1743
Das monatliche Einkommen der Militärs unter Friedrich II.
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Der Pfeifer 2 Thaler Der Musquetier 2 Thlr. und 2 Groschen Der Pikenie 2Thlr., 2 Gr. Der Dragoner 2Thlr., 16 Gr. |
Der Reiter 3 Thaler Der Wachtmeister 4 Thlr. Der Feldscher 4 Thlr. |
Der Fähnrich 11 Thlr. Der Feldprediger 15 Thlr. Der Major 63 Thaler Der Obrist 414 Thlr. |
1756:
Der Soldat zahlt in der Kasernenkantine für
Ein Mittagessen mit einem Kruge Dünnbier 2 Groschen
Eine Suppe 1 Dreier
Ein Dünnbier 2 Pfennig
1763:
Die Bevölkerung zahlt für ein Pfund Zucker 9 Groschen
1810:
Der Wochenlohn eines Arbeiters beträgt in dieser Zeit im Durchschnitt 1 Thaler.
Anhang 4: Übersicht zur
sozialen Gliederung
Die Bauern oder Hüfner (der Ackermann, die Ackerleute), die einen Hof mit mehreren Gebäuden und eine oder mehrere Hufen (Flächenmaß) Land besaßen, standen in der sozialen Hierarchie über den Kossäten und Büdnern. Sie waren dem Grundherrn mit ihrer Arbeit und mit ihrem Gespann zu Dienstleistungen verpflichtet. Als Ganzbauern oder Vollhüfner bezeichnete man diejenigen, die etwa 2 ½ bis 5 Hufen eigenes Land besaßen.
Die Bezeichnung Kossaten, Kossäten oder Kätner, Kolonisten, leitet sich von Kotte, Kothe oder Kate ab. Sie besaßen also ein einfaches Landarbeiterhaus ohne oder mit nur wenig Landfläche. Zumindest ein Garten war aber üblich. Als größte Landfläche wird ¼ eines Bauerngutes angenommen. Ist die Landfläche kleiner, werden sie auch Halbkossäten genannt und sie hatten nur wenig Vieh. Sie wurden deshalb auch Kleinhäusler, Halbbauern, Halbspänner (1 Zugtier für den Wagen) genannt. In anderen Landstrichen auch Hintersiedler, Instleute, Kothsassen oder Hintersassen genannt. Wenn die Kossäten nicht über einen größeren Hof, mit Stall und Großtieren verfügten, hatten sie keine „Wagendienste / Spanndienste“, sondern nur „Handdienste“ der Herrschaft oder dem Amte gegenüber zu leisten. Sie gehörten im Gegensatz zu Großbauern (so solche vorhanden waren) nicht zu den vollberechtigten Gemeindegliedern. In der Feudalzeit waren sie oft Leibeigene – daher wurde auch die Bezeichnung Eigenkätner verwendet. Da ihnen die Landfläche zum Ernähren der Familie fehlte oder nicht zum Leben ausreichte, mussten sie beim landbesitzenden Bauern oder für das Amt oder eine andere landbesitzende Obrigkeit als Landarbeiter arbeiten. Auch die Stellung oder ein Hinzuverdienst als Lehrer, Küster, Feldhüter oder Handwerker war denkbar und notwendig. Oft war die Kate nicht Eigentum des Nutzers, sondern es war dafür ein Mietzins oder es waren Naturalien abzugeben, Hand- oder Spanndienste zu leisten. Die Kossäten standen in der sozialen Hierarchie unter den Bauern aber über den Büdnern und Tagelöhnern.
Die Büdner hatten ihre kleine Bude „über dem Kopf“, nie aber Landfläche, höchstens einen umzäunten Garten am Hause. standen also unter den Kossäten. Sie waren oft als Colonisten von einem anderen Ort kommend, hier neu angesiedelt. Viele von ihnen zählten zu den Handarbeitern.
Handarbeiter waren Personen, die von selbständig ausgeübter Handarbeit lebten. Dazu gehörten Tagelöhner, Holzhauer, Chaussee- und Eisenbahn-Arbeiter, Näherinnen, Wäscherinnen usw.
Das Gesinde, die Bedienenden, dienten der persönlichen Bequemlichkeit der Herrschaft. Zu ihnen gehörten Butler, Köche, Kutscher, Säger, Gärtner, Haushofmeister, Knechte, Jungen, Kammer- und Stubenmädchen (Zugehfrauen), Wäscherinnen, Ammen, Mägde, Stützen und Personen mit weiteren Bezeichnungen, die auf ihre Tätigkeiten hinwiesen.
Als Einlieger bezeichnete man den Nutzer einer gemieteten Wohnung in dem Haus eines anderen Eigentümers. Einlieger arbeiteten oft handwerklich oder von verdingten sich für Tagearbeiten.
Altsitzer sind Inhaber von Altenteilen (Wohnung, Garten, Land). Die Nutzung auf Rest-Lebenszeit der Eltern wurde zwischen ihnen und den Übernehmern (des Hofes), also oft den Kindern, vereinbart.
Den Begriff Gasthöfe wählte man bei einem zu erwartenden Publikum gebildeter Stände.
Krüge und Ausspannungen gab es eher für das Frachtfuhrwesen und die zum Markte kommenden Landleute.
Schankwirtschaften (Kneipen) mit Ausschank und einfachem
Speisenangebot wurden auch von Tabagisten und Billardhaltern betrieben.
Anhang 5: Die Bedeutung der Namen verschiedener Einwohner des Dorfes
Stolpe
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Familienname |
Schreibvarianten |
Bedeutung des Familiennamens |
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Albrecht |
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Althochdeutscher Rufname „adal – beraht“ (edel und hell / strahlend / glänzend). |
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Baarz |
Baatz, Baths, Batz |
zu Beuthner, Berufsname für einen Wald- oder Heidebienenzüchter, auch Zeidler genannt oder aber auch vom Rufnamen Bartholomäus abgeleitet. |
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Barthel |
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Eventuell althochdeutsch „beraht – walt“ (hell / strahlend und mächtig oder vom Vornamen Bartholomäus (Patron der Gerber und Fleischer) abgeleitet |
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Berend |
Behrend |
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Conrad |
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Vom Vornamen abgeleitet, althochdeutsch: Kühn, stark, tapfer + Rat. |
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Damm |
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Wohnortname: Jener, der am Damm wohnt oder Berufsname: Der Deicharbeiter, der Straßenbauer. |
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Danneberg |
Dannenberg |
Herkunftsname: „Der aus Danneberg“ oder Wohnortname: Bewohner eines Berges, der mit Nadelgehölzen bewachsen ist. |
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Dürre |
Dirre |
Von der Körperstatur abgeleitet. Dürr, trocken, mager |
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Freiberg |
Freyberg |
Herkunftsname - vom (sächsischen) Ort Freiberg |
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Göhlsdorf |
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Herkunftsname. “Der aus Göhlsdorf“. |
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Grabow |
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Herkunftsname. „Der aus Grabow“. |
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Große |
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Mittelhochdeutsch. Der Große, von der Körpergröße abgeleitet, groß, dick aber auch schwerfällig oder ansehnlich. |
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Gruno |
Grunow |
Herkunftsname – „vom Ort Grunow kommend“. |
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Heß |
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Herkunftsname. „Der aus Hessen Stammende“. |
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Heydert |
Heyert |
Herkunftsname. Eventuell einer, der aus einem der vielen schlesischen Dörfer stammt (Heidau, Heide, …) |
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Hönow |
Heno, Höhnow, Höno |
Eventuell ursprünglich Ableitung der slawischen Form des Vornamens Heinrich (Hönisch) aber auch Herkunftsname „Der aus Hönow“. |
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Kluge |
Kluke |
Mittelhochdeutscher Übername „kluoc“ für fein, zierlich, klug, weise. Von der Charaktereigenschaft, vom Intellekt abgeleitet. |
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(Kohlhase) |
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Wohl mittelhochdeutsch zu „Heuschrecke“, für einen lebhaften, beweglichen, unruhigen Menschen. |
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Kokert |
Köckert |
Eventuell zu Kokeln, Verschwelung des Holzes |
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Lemke |
Lämke |
Von Lamm, Lämmchen eventuell Bezeichnung für einen Hirten, im übertragenen Sinne für einen gutmütigen oder auch naiven Menschen. |
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Lichterfeld |
Lichterfeldt |
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Liebno |
Liebnow, Liebenow |
Bezeichnung für einen außergewöhnlich lieben, freundlichen Mitmenschen. |
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Mollenhauer |
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Mittelniederdeutscher Berufsname für denjenigen, der Holzmollen (Mulden) haut, also ein längliches halbrundes Holzgefäß, einen Backtrog herstellt. |
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Pardemann |
Parnemann |
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Perlwitz |
Perlewitz |
? „Perle“- aus dem Griechischen / Lateinischen steht für den Vornamen „Margerethe“. |
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Rohde |
Rode, Rothe |
Der (urprünglich) Rothaarige oder aber: Jener der den Wald rodet / das Land urbar macht. |
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Sandow |
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Entweder Herkunftsname: aus Sandow, Sandau oder aber Berufsname: „Santmann“, ein aus freien Landeigentümern gewählter geschworener (Richter). |
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Sange |
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Mittelhochdeutsch, Berufsname „Senger“, Sänger / Kantor |
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Sasse |
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Berufsname, soviel wie Kleinbauer, Sesshafter |
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Schmädike |
Schmaedike, Schmedicke, |
Berufsname mit zwei Deutungen: Eine Wortableitung von „Schmied“ oder von „Schmalzhändler“. |
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Schuchardt |
Schuchard |
Berufsname (auch Schubert) Ein Schumacher (aus dem Thüringer Land, da nur dort gebräuchlich) |
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Schulze |
Schultze |
Berufsname, mittelhochdeutsch, von Schulheiß, das bedeutet Dorfrichter, Ortsvorsteher, Bürgermeister, Eintreiber der Abgaben an die Obrigkeit. |
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Seidel |
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Mittelhochdeutscher Übername „sitic“ für einen ruhigen, feinen, anständigen Menschen. |
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Stimming |
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Stutterich |
Stuttrich |
Eventuell abgeleitet von „Der Stotterer“? |
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Wolter |
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Zinno / |
Zinnow |
Zwei Deutungsversuche: Berufsname: Der Zinn(be)arbeiter, der Zinngießer oder aber Herkunftsname: „Der Zinne“ aus Zinna. Bei Alt Landsberg gibt es das Zinndorf (was hier nichts mit dem Metall zu tun hat, sondern vom Kloster Zinna (bei Jüterbog) gegründet wurde. |
Noch über das Jahr 2000 hinaus, werden in diesem Wohngebiet verschiedene der alten Familiennamen als Straßennamen erhalten sein:
Conradstraße, Martin-Heydert-Straße, Pardemannstraße, Roedenbeckstraße, Sangebuchtweg, Schuchardtweg, Stimmingstraße, Stutterichstraße.
Anlage 6: Aufstellung von Namen der Stolper Familien, geordnet nach
ihrem ersten zeitlichen Auftreten in dieser Dokumentation
Anmerkung: Die als „angeheiratet“ Bezeichneten stammen nicht aus Stolpe aber heirateten einen Ehepartner aus Stolpe. Bei den als Taufpaten Bezeichneten ist bisher nicht belegt, ob jene ebenfalls in Stolpe wohnten.
Dorfzentrum Stolpe mit Ziegelei
1481: Pardemann
1576: A. Voigt (Bauer, Hüfner)
1592: Zinnow
1619: Rumschitel, Joachim und Augustin, Besitzer des Schulzengerichts in Stolpe
1632: Roch (angeheiratet)
1651: Hönow
1652: Kluge / Kluke, Weber aus Mittenwalde, Massute aus Schmargendorf, Seyke, Kumpen
und Rochow.
1690: Terhecke, (Ziegelmeister)
1697: Palm
1700: Barthel, (Hirte), Freiberg (Schäfer), Lehmann, Rohde, Schulze, Albrecht,
Stacho (als Pate erwähnt), Thiell (als Pate erwähnt), Wolter
1704: Baatz / Baarz
1706: Brückmann
1710: Sange
1738: Stoppel (angeheiratet)
1756: Perlewitz (Schäfer)
1761: Dannenberg, Albrecht (II)
1764: Liebenow, Sandow (Krüger), Müller, Schmaedicke, Bath, Schmidt
1770: Schulze, Wolter, des weiteren alles Taufpaten: (Bauer, Küfer, Rabbak),
1771: Lichterfeldt, Rudolf (angeheiratet), Schmitt,
1772: Kehne (angeheiratet)
1777: Heydert
1779: Barremann (angeheiratet), Diederich (angeheiratet), Krüger (angeheiratet)
Werlich (angeheiratet)
1780: Sasse (Hirt),
1782: Stimming (Krüger), Diederich
1783: Große, Spielhagen, Neue (angeheiratet)
1784: Krüger
1785: Nöbers (angeheiratet), Stolp
1787: Nebert (angeheiratet) Schuchardt, Lehmann (angeheiratet)
1794: Randau (Lehrer)
1801: Dirre / Dürre, Seidel,
1813: Behrend, Conrad, Grunow, Haupt, Kieburg, Lemke, Neumann, Riebisch, Schnutz,
Stutterich
1814: Mollenhauer
1824: Brabandt
1825: Hirschfeldt, Hochkirch, Jungermann, Michaelis
1829: Berr, Brandt
1830: Rietz (angeheiratet), Schmidt
1831: Haeseler, Heverer (angeheiratet)
1837: Liese (Lehrer), Wittenberg
1864: Johl (angeheiratet)
1866: Mathes (angeheiratet)
1870: Barfuß, Bauck, Biege, Buchwald, Dreke, Geisshirt, Frauenheim, Heinrich, Jänicke,
Jürgen, Kramm, Kühne, Reipert, Richter, Schleyhagen, Schmitt, Schulz, Triebener,
Ziegelmann
1888: Dreitzel, Heß,
1893: Sotscheck (angeheiratet)
1928: Hartmann
Wohnplatz Kohlhasenbrück
1679: Kokert (Teerbrenner, 1720 als Schankwirt)
1743: Hamel (Schankwirt)
1780: Brandt, Schultze (angeheiratet)
1782: Ebel (Krüger)
1789: Jänicke (angeheiratet), Sasse (Teerofenarbeiter)
1800: Simon (Torfinspektor, Schankwirt)
1806: Hoehne= Hönow
1846: Beyer
1898: Beneck, Graf
Wohnplatz Teerofen
1680: Albrecht
1693: Kokert (Teerbrenner)
1775: Blisse (angeheiratet), Kluge
1813: Brabandt
1816: Zinnow
1833: Baatz, Hoenow, Kluge
1856: Bernau (angeheiratet)
1841: Damm (angeheiratet)
1857: Kaatsch (angeheiratet)
1858: Beyer, Grabow
1862: Ebel (angeheiratet)
Anlage 7: Aufstellung der gleichen Stolper Familiennamen, die in dieser
Dokumentation ausgewiesen wurden, in der alphabetischen Reihenfolge und mit
Nennung der Ersterwähnung in dieser Dokumentation
Anmerkung: Die als angeheiratete Bezeichneten stammen nicht aus Stolpe aber heirateten einen Ehepartner aus Stolpe.
Bei den als Taufpaten Bezeichneten ist bisher nicht belegt, ob jene ebenfalls in Stolpe wohnten.
Dorf Stolpe mit Ziegelei und Villenkolonie Alsen
Albrecht 1700, Albrecht II 1761
Baatz 1704, Barfuß, 1870, Barthel (Hirte) 1700, Barremann (angeheiratet) 1779, Bath 1764, Bauck 1870, Bauer (Taufpate) 1770, Behrend 1813, Berr 1829, Biege 1870, Brabandt 1824, Brandt 1829, Brückmann 1706, Buchwald 1870,
Conrad 1813,
Dannenberg 1761, Diederich 1779, Dreitzel 1888, Dreke 1870, Dürre 1801,
Frauenheim 1870, Freiberg (Schäfer) 1700,
Geisshirt 1870, Graf 1898, Große (Hirt) 1783, Grunow 1813,
Haeseler 1831, Hartmann 1928, Haupt 1813, Heinrich 1870, Heß 1888, Heverer 1831, Heydert 1777, Hirschfeldt 1825, Hönow 1651 (später auch Krüger), Hochkirch 1825,
Jänicke 1870, Johl (angeheiratet) 1864, Jürgen 1870, Jungermann 1825
Kehne (angeheiratet) 1772, Kieburg 1813, Kluge / Kluke 1652, Kramm 1870,
Krüger (angeheiratet) 1779, Küfer (Taufpate) 1770, Kühne 1870, Kumpen 1652
Lehmann (Taufpate) 1700, Lehmann (angeheiratet) 1787, Lemke 1813, Lichterfeldt 1771, Liebenow 1764, Liese (Lehrer) 1837,
Massute 1652, Mathes (angeheiratet) 1866, Müller 1764, Mollenhauer 1814,
Nebert (angeheiratet) 1787, Neue (angeheiratet) 1783, Neumann 1813,
Nöbers (angeheiratet) 1785
Palm 1697, Parnemann / Pardemann (auch Schäfer) 1481, Perlewitz (Schäfer) 1756
Rabbak (Taufpate) 1770, Randau 1794, Reipert 1870, Richter 1870, Riebisch 1813,
Rietz (angeheiratet) 1830, Roch 1632 (angeheiratet), Rochow 1652, Rohde 1700,
Rudolf (angeheiratet) 1771, Rumschitel 1619,
Sandow (Krüger) 1764, Sange 1710, Sasse (Hirt) 1780, Schleyhagen 1870,
Schmaedike 1764, Schmidt 1764, Schmitt 1870, Schnutz 1813, Schuchart 1787, Schulz 1870, Schulze 1700, Seidel 1801, Seyke 1652, Spielhagen 1783, Sotscheck (angeheiratet) 1893, Stacho (Taufpate) 1700, Stimming (Krüger) 1782, Stolp 1785, Stoppel (angeheiratet) 1738, Stutterich 1813
Terhecke (Ziegelmeister) 1690, Thiell (Taufpate) 1700, Triebener 1870,
Voigt, A. (Bauer, Hüfner) 1576,
Weber 1652, Werlich (angeheiratet) 1779, Wittenberg 1837, Wolter 1700,
Ziegelmann 1870, Zinnow 1592
Kohlhasenbrück
Beneck 1898, Beyer 1846, Brandt 1780,
Ebel, als Krüger 1782
Graf 1898
Hamel 1743, als Schankwirt
Hoehne 1806,
Jänicke (angeheiratet) 1789
Kokert, als Teerbrenner 1679, als Schankwirt 1720
Sasse als Teerofenarbeiter 1789, Simon (Torfinspektor, Schankwirt) 1800,
Teerofen
Albrecht 1680, Albrecht II 1761,
Baatz 1833, Bernau 1856 (angeheiratet), Beyer, 1858, Blisse 1775, Brabandt 1813
Damm (angeheiratet) 1841, Dreitzel 1888,
Grabow 1858
Heß 1888, Hoenow 1833
Kaatsch (angeheiratet) 1857, Kluge 1775, Kokert, Teerbrenner 1693,
Zinnow 1816,
Anhang 8: Landkarten


