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Für die Stelle, an der sonst ein „Vorwort“ steht:
Mein kurzer Weg zur langen Ahnenforschung in unserer Familie
Bearbeitungsstand: März 2010 - Christoph Janecke, E-Mail: christoph@janecke.name
„Wenn uns der Gegenstand für eine Erinnerung verloren geht, so wird auch früher oder später das Vermögen zum Erinnern verloren sein. Holen wir den Gegenstand zurück. Bewahren wir Kenntnisse aus dem Leben unserer Vorfahren.“
Onkel Hellmut
Es war neulich. Im Herbst 1978 erzählte mir der 1903 geborene Hellmut Runge, Cousin meiner Mutter, bei einem seiner Besuche, dass er sich seit geraumer Zeit mit der Ahnenforschung beschäftige und dass ich doch einmal durchdenken solle, ob das nicht auch für mich ein interessantes Hobby wäre. „Dankbar“ sei diese Liebhaberei ohnehin in vielfältiger Beziehung. „Onkel“ Hellmuts Besuche bei uns waren trotz örtlicher Nähe selten, waren doch unsere nahen Wohnorte Potsdam-Babelsberg und Berlin-West durch Mauer und Stacheldraht weit voneinander getrennt. So fragte er mich bei einem späteren Besuch, ob mein Durchdenken seiner Anregung schon ein fruchtbares Ergebnis gezeitigt hätte. Ich murmelte als Antwort etwas Ausweichendes, in der Art wie „… habe doch so viel zu tun“ und „diese Leute, die man nicht mehr kennen lernen kann, sind doch schon alle lange tot“ – was ihm als Argument aber wohl nicht viel galt, denn er fragte mich: „Was aber, Junge, willst Du mal Deinen Kindern erzählen, woher sie kommen? Was wirst Du Ihnen sagen, wenn sie fragen, wer in dieser Familie alles vor Dir da war, wer und wie diese Menschen waren, was sie zu ihrer Zeit bewegte, was Jene selber bewegten? Du selbst erinnerst Dich doch lediglich schwach an zwei Deiner Großeltern, die starben, als Du noch klein warst. Willst Du täglich nur leben um zu essen, zu arbeiten zu schlafen – später von der Bühne des Lebens gehen, ohne eigene Spuren zu hinterlassen, ohne Spuren von Vorfahren aufzunehmen und zu dokumentieren, zu bewahren, weil diese Menschen es zu ihrer Zeit nicht taten oder es wegen harter Arbeitsbelastung auch gar nicht vermochten¿‘
Ja, so etwa, der Onkel Hellmut. Er hatte seine Schulzeit auf dem Realgymnasium in Nowawes (spätere Beethovenschule in Babelsberg) während des Ersten Weltkrieges absolviert. Danach lernte er das „Kaufmännische Handwerk von der Pike auf“, bei der Firma Heinrich Ravené, in Potsdam, Nauener Straße 39 - „Eisen- und Kurzwaren, Spielwaren und Wirtschaftsartikel“. Die kurzen Jahre mit Arbeit, Heirat und Kindererziehung, vergingen wie im Fluge und dann hatte auch er dem Ruf zu folgen - in den nächsten Krieg, als Soldat. Geschworen hatte er sich in dieser Zeit: „Wenn ich aus dieser Hölle noch einmal lebend herauskomme, will ich nur noch anderen Menschen Gutes tun“. Und so hielt er es dann auch. Schon sein Name galt als ihm als Programm, schien eine gute Grundlage, sein Wirken mit einem freundlichen unerschütterlichen, hellen Mut anzugehen.
Der Umfang
Hellmuts nachhakende Fragestellung stachelte dann doch mein Interesse an. Schnell wurde mir klar, dass es nicht dabei bleiben könne, von einigen Vorfahren verschiedene noch erreichbare Lebensdaten zusammen zu suchen und ich begann:
Dieses Bemühen zeigte auch bald erste Früchte, denn die Fragestellungen zu den Lücken, die geschlossen werden wollen, drängen sich einem ja direkt von selbst auf. Zeit und Geduld für das Erschließen von Quellen ist allerdings gefragt.
Erlebnisse am Rande
Das Erfassen führt ja immer wieder zum Kontakt mit Menschen und demzufolge auch zu kleinen Begebenheiten, die am Rande des Suchens und Forschens liegen aber Auflockerung und Würze für die Arbeit über den Büchern und in alten Dokumenten bedeuten.
„Wenn du dich deinen Vorfahren ein wenig nähern möchtest, musst du dorthin gehen, wo sie gewohnt haben, sollst du versuchen, es einmal so zu halten, wie sie gelebt haben.“
Zu meinen Erinnerungen gehören unter vielen anderen:
Hellmut II
Nun konnte ich ihm endlich etwas von den Erfolgen und Erlebnissen berichten.
Ja, und der freundliche Anreger des Ganzen, der drahtige, agile Hellmut, - mit 82 Jahren wollte er noch einmal den Grad seiner Jugendlichkeit ausleben, „innerhalb des Passierscheinabkommens“ zwischen Ost- und Westdeutschland, gern mit mir, ebenfalls mit Fahrrad und Zelt, durch märkische Dörfer radeln und noch ein wenig erforschen – ich sollte nur noch eine kurze Weile warten, da er und sein Chirurg einen Termin für ihn in ihren Kalendern hätten. Für einen kleinen operativen Eingriff. Dieser fand dann auch statt und gelang wohl ganz vorzüglich. Nur wachte Hellmut aus der Narkose nicht mehr auf. So ging sein Wunsch für eine kurze, gemeinsame Wegstrecke in der Familienforschung nicht mehr in Erfüllung.
Ich versuche, das Werk fortzusetzen, möchte auch seinen Ansprüchen gerecht zu werden, sehr wohl in dem Wissen, dass ich nie mit diesem Suchen, Ordnen, Gestalten fertig werde und mit der Unsicherheit lebe, nicht zu wissen, ob das Zusammengesuchte nach meiner Zeit erhalten bleibt und in die Zukunft getragen wird.
Bei Hellmut gestaltete sich das leider so, dass nach seinem Tod bzw. dem Ableben seiner Ehefrau, der große Abfallcontainer den Wohnungsinhalt aufnahm. Von seinen Forschungsergebnissen blieb wohl nichts erhalten und mir war es nicht möglich etwas davon zu bergen, denn die innerdeutsche Ost-West-Grenze stand ja auch zwischen unseren Wohnorten Potsdam und Berlin. Das war im Jahre 1985.
Der Umfang II
Nahmen die gesammelten Notizen und Dokumente am Anfang stolz einige dünne Schnellhefter in Beschlag, mussten bald mehrere Ordner her. Seit dann das Ordnerregal wegen Überfüllung geschlossen werden musste, nimmt außerdem ein Mehretagen-Ordner-Karussell diese Schätze auf. Aber auch bei diesem guten Möbelstück ist eine Erschöpfung der Kapazität abzusehen.
Soweit die äußere Ordnung. Viel schlimmer gebärden sich die vielen Zettel, deren Notizen einer Bearbeitung harren und noch bzw. immer wieder einem „ungebändigten Schüttkegel“ ähneln.
Ja, diese Arbeit wächst vor einem her, je mehr man glaubt, erledigt zu haben.
Aber das kennen wir ja alle – ich wollte eben nur einmal erzählen, wie es bei mir anfing.
Die Unterstützer
Im Laufe der Zeit durfte ich mit verschiedenen anderen Familienforschern Gedanken und Ergebnisse austauschen.
Im Herbst 2009, unterstützte mich kurzzeitig Herr Dieter Fettback mit Angaben aus den bei ihm vorhandenen Unterlagen. Ihm soll hier besonders gedankt werden. Genauso auch Herrn Frank Wolfermann, der mich großzügig an seinen Erkundungen teilhaben ließ.
Eine Anmerkung zum Nutzen. Zum Nutzen?
Meine gute Mutter bedauerte es langzeitig, dass sie von wohl auf „ihrer väterlichen Seite“ in der Umgebung so gar keine Verwandten hätte, mit denen man freundlich Gedanken austauschen, gemeinsam etwas tun, sich mit Rat und Tat beistehen könne. In ihrer Familie, also bei ihren Eltern, wurde mit den Kindern kaum etwas über Familienverbindungen gesprochen, geschweige denn, diese gepflegt. Das ist schade - und wirkte nach.
Ihr Bedauern wäre nicht nötig gewesen - habe ich doch im Rahmen der Familienforschung in der nahen örtlichen Umgebung sehr viele frühere Verwandte, Großtanten, Großonkel, Großcousinen, Großcousins gefunden, von deren Existenz meine Mutter leider nichts wusste. Aber auch jene anderen hatten ihrerseits auch meine Mutter als ihre Verwandte nicht kontaktiert, sie ebenfalls nicht als Verwandte erkannt. So lebten viele Blutsverwandte nebeneinander her, ohne sich zu kennen. Ja, gefunden habe ich tatsächlich sehr viele - aber eben nur „nach Aktenlage“. Die Zeit ist inzwischen über sie hinweggegangen. Von den Erfolgen kann ich ihnen „auf direktem Wege“ leider nichts mehr erzählen, oder noch besser, meine Erfolge in einen ganz praktischen Nutzen für jene Menschen ummünzen.
Was lehrt uns das? In unserer Generation halten „wir Kinderfamilien“ es so, dass wir uns mehrmals im Jahr treffen, bei Kultur im Heim oder in der Natur, bei gutem Schmaus und Trank, uns immer viel zu erzählen haben - und auch an „die Alten“ denken, die Erinnerung an sie wach halten.
Eine Frage ganz am Rande: Gibt es Probleme mit meiner Internetseite?
Es erreichten mich Zuschriften, die bei der Suche nach einem bestimmten Namen, mit der Gliederung meiner Seite nicht klar kamen. Bitte nicht verzweifeln. Wir halten das mit dem Gliedern und auch mit dem Nummerieren einfach nur etwas unterschiedlich. Gut ist es dann, mir eine „Gäste - E-Mail“ mit der Fragestellung zu senden oder einen „Verbesserungsvorschlag“ zu schreiben. So kommen wir weiter.
Gibt es „neue“ Wissensgebiete für die sich eine Ahnen - Datensammlung lohnt?
Interessant wäre es für mich, durch Gäste-E-Mails zu erfahren, ob meine Sammlungen noch zu einseitig erscheinen. Man muss ja nicht nur immer Daten aus Archiven herausfinden, wir können ja auch mal aktuell schon etwas zur Unterstützung späterer potenzieller Ahnenforscher der Sippe tun. Eine meiner Anregungen ist beispielsweise, darzustellen, wie sich die Blutgruppen der Personen innerhalb der Familie im Erbgang verteilen, die gesamte Blutformel zu erfassen, vielleicht auch festzuhalten, wie die Knochenmark-Spezifika aussehen. Das ist doch mal zur Entspannung von den alten, staubigen Akten etwa ganz persönlich greifbares (und kann, als Spender auftretend, anderen Menschen wirksam helfen). Wer soll so etwas später nachholen, wenn wir nicht heute damit beginnen es zu erfassen? Ich glaube, das macht wohl noch nicht jeder Familienforscher. Gewiss gibt es noch mehr an interessanten Teilthemen, wie das Erfassen von Körper- oder Charaktermerkmalen der (noch persönlich bekannten) Leute. Auch der Versuch, aus dem Schrifttum der Vorfahren mit der Graphologie sich den Wesenszügen der Altvorderen versuchsweise zu nähern, erscheint als ein interessantes Teilgebiet.
Zum Bearbeitungsstand
All das Vorgenannte kann schon als recht spannend empfunden werden - obwohl „für alles“ die eigene Lebenszeit nicht ausreicht, - und auch ich ja bei allen Bemühungen weiß: Wir sehen nur kleine Lebensausschnitte der Vorfahren - es bleibt meist ein „grobes Stückwerk“, was wunschgemäß eigentlich ein feines Mosaik werden sollte. So zumindest geht es mir.
Der Inhalt, der auf dieser Internetseite lesbar ist, gilt auch nicht als abgeschlossen. Einzelne Teile werden im laufenden Jahr ergänzt, erweitert, manchmal korrigiert und neue kommen hinzu. Es geht also immer weiter.
Das Veröffentlichen besorgt mein Sohn Martin, da ich mich mit dem Programmieren, mit der Administration nicht auskenne. Dafür danke ich ihm sehr.
Christoph Janecke