| Zurück zum Inhaltsverzeichnis |
Karl Johann Friedrich (Fritz) Sommer
So., 13. November 1831 – 28. Juni 1909
Schuhmachermeister
Lebensorte: Potsdam u. Nowawes - Neuendorf = Babelsberg, Reppen (Neumark)
und seine Ehefrau
Marie Elisabeth Weltzer
29. März 1838 - 10. Februar 1906
in Potsdam und Nowawes lebend
Autor und Kontaktpartner für Fragen, Meinungen oder Hinweise: Christoph Janecke,
Stand der Bearbeitung: Dezember 2009, E-Mail: christoph@janecke.name
Bei den oben Genannten handelt es sich um Urgroßeltern des Autors.
Zu dem hier vorliegenden Text liegen verschiedene Bilder, Fotos und Dokumente beim Autor.
Wenn du Interesse hast, mehr darüber zu lesen, was sich in dieser Zeit im Leben der Menschen abspielte, so sieh’ bitte auch in die Dokumentationen „Zeitgeschichte“ und „Zeitgenossen“.
„Geht uns der Gegenstand der Erinnerung verloren, verliert sich auch bald die Erinnerung. Holen wir den Gegenstand zurück, damit wir die Erinnerung noch lange wach halten.“
Schmalspurwegweiser von den Hauptpersonen dieser Niederschrift, zu den heute lebenden Personen:
Zeitraum 1831 bis 1909: Karl Johann Friedrich Sommer oo Marie Elisabeth Weltzer
Zu deren Kindern gehörte u.a.:
Zeitraum 1875 bis 1949: Rudolf Max Sommer oo Anna Margarethe Runge
Deren Tochter:
Zeitraum 1900 bis 2003: Anne-Marie Sommer oo A. Rich. Janecke
zu deren Kindern gehört u.a.
Zeitraum 1945 bis ...: Der Autor dieser Niederschrift - Christoph Janecke
Vorwort
Zu den in Potsdam gebürtigen Einwohnern zählen wir den Schuhmachermeister Karl Johann Friedrich, Sommer, Junior, (genannt Fritz), geboren 1831 und Marie Elisabeth Weltzer, die 1838, als Tochter eines Maurerpoliers, das Licht der Welt erblickte. Im Jahre 1859 heiraten diese beiden jungen Menschen. Wie so oft, schreiten sie auch heute wieder durch einen Abend des Frühsommers 1860 durch Straßen von Potsdam: Friedrich, der kräftige, achtundzwanzigjährige Schuhmachermeister und seine um sieben Jahre jüngere, zarte Frau Marie. Beide genießen es, am Abend den alltäglichen Arbeitsgeruch von Leim, Leder und Staub hinter sich zu lassen, draußen die frische Luft zu atmen und den sonst über die Arbeit gebeugten Rücken endlich zu strecken, während zu Hause die Stube zur Nachtruhe durchlüftet. Marie liebt genauso wie Fritz diese Jahreszeit. Für ihn ist es gut, daß die Abende lange hell bleiben. Das schont die Augen. Die Petroleumfunzel unter der Schusterkugel braucht erst später angezündet werden.
Aber halt! Soweit sind wir ja noch gar nicht. Fangen wir also von vorne mit der Lebenstabelle an.
Die Großeltern | ||||
Gen. 06 / Ahn 40 | Gen. 06 / Ahn 41 |
| Gen. 06 / Ahn 42 | Gen. 06 / Ahn 43 |
Sommer, Johann Friedrich (d. J.) | Keilbach, Caroline Wilhelmine Charlotte | Name Vorname | Weltzer, Karl Georg | Michel, Christine Friederike |
Buckow, 30. 12. 1800 | Potsdam, 24. Febr. 1809 | geboren | (mehrere Angaben) Musten /Muska / Tuchorske, am 25. März 1813 | Potsdam, 01. August 1818 |
Schuhmacher- Meister |
| Beruf | Maurer / Bauunternehmer |
|
Nowawes, 17. Dez. 1882 | Nowawes, 10. Sept. 1896 | gestorben | Nowawes, 27. Juli 1889 | Potsdam, 06. Oktober 1857 |
Die Probanden = Die Eltern
| ||
| Vater: Generation 05 / 20.1 Ahn
| Mutter Generation 05 / Ahn 21.1 |
Name: Vornamen:
| Sommer Karl Johann Friedrich genannt: Fritz (1. Kind von 11 Geschwistern) | Weltzer Marie Elisabeth
(1. Kind von 7 Geschwistern und 7 Halbgeschwistern in der Familie)
|
Geburt: Taufe: | Potsdam, 13. Nov. 1831, früh 9 Uhr, Taufe am 25. Nov. 1831, Superint. Ebert, Quelle: Potsdam, KB Nikolaikirche 1831, S. 225, Nr. 194. Taufpaten: 1. Herr Großkopf, 2. Herr Schulze, 3. Herr Schirmer, 4. Frau Schröder, 5. Frau Kästen, 6. Jungfrau Winter | Potsdam, 29. März 1838, früh, 11 Uhr Pdm., Nikolaikirche, Taufe: 15. April 1838. Quelle: KB 1838, Seite 357, Nr. 102 Paten: 1. Herr Winkelmann, 2. Herr Hase, 3. Herr Melzer, 4. Jungfrau Michel, 5. Jungfrau Stakebrand, 6. Jungfrau Bischof |
Beruf: | Schuhmachermeister |
|
Wohnanschriften vor der Ehe: | 1835: Potsdam, Kreuzstr. - 1837: Pdm., Mittelstraße - 1839: Pdm., Kreuzstraße - 1842: Pdm., Blücherplatz 7 1849: Pdm., Kirchstraße 3 1850: Nowawes, Priesterstraße 69 1856: Potsdam, Grünstraße 9 1857: Pdm., Französische Straße 21 1859: Pdm., Kriewitzgasse 3 |
1859: Potsdam, Kriewitzgasse 3 |
Trauung / Eheschließung: | Potsdam, errechnet: 1859 (KB-Verlust) | |
Wohnanschriften, gemeinsame: | 1859: Potsdam: Tuchmacherstraße 25 1863: Potsdam, Kirchstraße 3 1864: Potsdam: Am Alten Markt 3 1871: Potsdam, Schwertfegerstraße 8 1877: Potsdam, Bäckerstraße 3 1878: Nowawes, Lindenstraße 7 1888 Nowawes, Lindenstraße 44 1906: Nowawes, Mittelstraße 9 | |
Tod / Gestorben: | Nach dem Umzug nach Reppen (Neumark, Krs. Weststernberg,) + in Reppen am 28. Juni 1909, (heute Rzepin) | Nowawes, 10. Februar 1906, 3 1/2 Uhr vorm., Darmleiden, 67 Jahre, 10 Mon. 13 Tge., begraben am 13. Febr. 1906, Neuer Friedhof, Quelle: Sterbereg. Standesamt Nowawes 24 / 1906, KB 1906 Nr. 8 |
Die Kinder Anmerkung: Der Name des Kindes, das die Ahnenfolge in gerader Linie zu den jüngsten Probanden der Familie Janecke weiterführt, ist fett gedruckt.
| ||
Nr. | Familienname: Sommer Generation 04 | Lebensdaten der Kinder |
1 | 04 / 10.1 Karl Johann Friedrich (der Jüngste) | Geboren in Potsdam, Tuchmacherstraße 25, am 30. Juni 1860. Dort auch gestorben am 01. April 1862. |
2 | 04 / 10.2 Luise Klara Hedwig | Geboren in Potsdam, Kirchstraße 3, am 08. Juli 1863. Wir wissen, dass sie später den Weber und Handelsmann Hermann Knoll in Nowawes heiratet und fortan zeitlebens in der Nowaweser Mittelstraße 19, (der späteren Wichgrafstraße 19) wohnt. |
3 | 04 / 10.3 Karl Ernst Paul | Geboren in Potsdam, Am Alten Markt 3, am 26. Januar 1866. Er heiratet später die Emma Krüger. |
4 | 04 / 10.4 Marie Auguste Elisabeth | Geboren in Potsdam, Am Alten Markt 3, am 28. Dez 1868. Später als junge Erwachsene, wird sie den liebevollen, vom Gemüte her zart veranlagten, etwas schüchternen Weber Theodor Steiner heiraten.
|
5 | 04 / 10.- Ein tot geborenes Mädchen | Geboren in Potsdam, Am Alten Markt 3, am 31. Dezember 1869. am 31. Dez. 1869, kommt eine Tochter tot auf die Welt. Sie bleibt ungetauft. Es wird für sie kein Name in das Kirchenbuch eingetragen. |
6 | 04 / 10.5 Klara Anna Marie | Geboren in Potsdam, Am Alten Markt 3, am 30. Dezember 1870. Aber auch ihr ist kein längeres Leben auf dieser Erde beschieden. Mit 1½ Jahren verstirbt sie in der Schwertfegerstraße 8, am 12. Juli 1872 |
7 | 04 / 10.6 Rudolf Max | Geboren in Potsdam, Schwertfegerstraße 8, am 21. September 1875. Er wird das letzte Kind der Familie sein. Seine Eltern haben zu jener Zeit 37 Jahre und 43 Jahre ihres Lebens vollendet. Max lernt später Schlosser und Elektromonteur und bildet sich weiter zum Elektrotechniker. Er heiratet in Nowawes 1905 die Anna Margarete Runge, wohnt in der Priesterstraße 68 und öffnet dort auch ein Geschäft. Er stirbt in Babelsberg im November 1945, seine Frau 1949 |
Ihr Lieben,
nun habt ihr schon in groben Zügen gelesen, wann wir geheiratet haben, wo wir wohnten, welche Freude, welches Leid wir mit den Kindern, dem Erhalt unserer Familie hatten. Ihr wisst bereits, welche Schwiegerkinder hinzukamen und wo jene dann mit ihren Familien lebten. So bleibt mir gar nicht soviel nachzutragen. Einige Anmerkungen noch, vielleicht etwas aus meinem Berufsstand und zu einigen Ereignissen der Zeit:
1831
In der Zeit vor meiner Geburt waren die Eltern in großer Sorge. In Potsdam und Umgebung grassiert vom Herbste an die Cholera und rafft viele junge und alte Menschen hinfort. Vom 27. September bis zum 07. November sind alle Stadtzu- und -Ausgänge gesperrt und vom Militär bewacht. Ebenso die Schlösser und das Militärwaisenhaus. Ein Großteil des Potsdamer Hofes wurde nach Charlottenburg, auf halben Wege nach Berlin gelegen, kutschiert, obwohl es dort nicht besser. Sowohl in Stolpe (also noch vor Charlottenburg), als auch in Berlin, hat sich die Epidemie eingerichtet. Die Prinzessinnen und Prinzen aber werden in das Potsdamer Neue Palais eingesperrt. Die Schlösser sind mit Bretterzäunen umgeben, die die Krankheit aufhalten sollen. Alle Postsachen dürfen nur nach Erhitzung an das Schloss geliefert werden, Lebensmittel nach besonders gründlichen Waschungen oder dem Erhitzen. Auch mit Sitzungen über Chlor- oder Essigdampfbädern, versucht man den Erregern dieser Schreckenskrankheit beizukommen. Also sind meine Eltern natürlich nicht allein in Sorge. Im Neuen Palais wurde kurz vor mir, am 18. October, der Prinz Friedrich (mein Namensvetter) geboren (der dann im Jahre 1888 für 99 Tage Deutscher Kaiser und König von Preußen sein wird). Einen Tag nach meiner Geburt stirbt bekanntlich der Philosoph Hegel an der Cholera, auch der Preußische Heerführer Graf Neidhardt v. Gneisenau wird von der Cholera hinweggerafft, wie viele andere ebenso.
Für Arme gibt der Türksche Wohltätigkeitsverein kräftigende Mahlzeiten aus. Meine Eltern erzählen, dass sie selber alles ordentlich hielten und peinlich sauber schrubbten (was bei einer Arbeit an vielen fremden Schuhen gar nicht so einfach ist), denn selbstredend wollten sie auf keinen Fall erkranken und mich vielleicht alleine auf der Welt lassen. Großvater und seine Geschwister mussten ja als Waisenkinder aufwachsen, weil beide Eltern früh starben. Das steht als große Mahnung vor ihnen, sagen sie. Ja, so sind die Zustände zu der Zeit meiner Geburt.
In diesem 31er Jahr, leben in Potsdams Mauern nunmehr 23.758 Seelen.
Hier möchte ich euch meine Geschwister vorstellen:
Das zweite Kind, das also auf mich folgt, ist Karoline Marie Bertha Sommer, * 08. Oktober 1833.
Das dritte Kind, Gottfried Franz Simon Sommer, starb bereits als Säugling.
Das vierte Kind ist Wilhelm Franz Gustav Sommer, * 02. Februar 1837. Er wird später wie der Vater und der große Bruder, den Beruf eines Schuhmachermeisters ergreifen. Er wird die junge Witwe Auguste Friemann, geborene Schwaiger, (geboren in Trebbin), mit ihren drei Kindern aus deren erster Ehe heiraten und noch einmal drei eigene Sommer-Kinder haben. Nacheinander, in verschiedenen Häusern der Kriewitzstraße, nehmen sie ihre Wohnungen. Auguste wirkt als Hebamme in Potsdam.
Das fünfte Kind, Emil Joseph Sommer, * 30. August 1839, wird später ein Zigarrenmacher und ehelicht Auguste Lier (Bier). Sie wohnen ab Oktober 1864 in Potsdam, in der Kiezstraße 27; ab April 1866 in der Brandenburger Straße 20, ab 1869 in der Junkerstraße 63, ab 1873 in der Burgstraße 2 und ab Oktober 1873 in der Kriewitzstraße 1.
Das sechste Kind, Albert Rudolph Julius Sommer,* 12. Januar 1842, wird auch wieder Schuhmachermeister. Er wird vier Kinder mit seiner Frau haben und zuerst in Potsdam, Nauener Communikation 31, dann in der Mittelstraße 27, in der Wilhelmstraße 43, später in der Kleinen Fischerstraße 2 wohnen und zum Schluss in die Nowaweser Wilhelmstraße 24 ziehen. Er wird 74 Jahre alt werden.
Das siebente Geschwisterkind, Auguste Anna Wilhelmine Sommer,* 10. Dezember 1843, heiratet Anfang des Jahres 1870 Herrn Surau in Potsdam und wohnt dann in der Kiezstraße 27.
Das achte Kind, Paul Carl Wilhelm Sommer, * 19. Juli 1846, erlernt den Beruf, wie sollte es anders sein, des Schuhmacherhandwerks und heiratet später Bertha Luise Auguste Thron, genannt aber Pauline, die Tochter des Potsdamer Schuhmachermeisters aus der Hoditzstraße 19. Beide wohnen 1876 in der Kriewitzstraße 3, dann in der Nauener Communikation 24, Burgstr. 49, 1876 in der Berliner Straße 18 und ab 1883 am Blücherplatz 7, 1903 in der Junkerstraße 2.
Das neunte Kind heißt Martha Adelheid Sommer, * am 20. Juni 1848, die 1871 mit dem Gürtler, Herrn Schulz, das Bündnis der Ehe eingeht. Das Holländerhaus in der Mittelstraße 12 wird zu ihrem ersten Domizil.
Als zehntes Kind ist Bertha Charlotte Wilhelmine Sommer, * 12. September 1850, zu nennen, die später mit dem Schneidermeister Rudolph Wilhelm Karl Mahnkopf den gemeinsamen Lebensweg beschreitet und zu dieser Zeit, ab 1871, in der Burgstraße 45 wohnt.
Das elfte und letzte Kind, Carl August Sommer lebte nur 10 Tage auf dieser Erde. Geboren am 21. März 1853, gestorben am 31. März 1853.
Das also sind meine jüngeren Geschwister. Fast alle leben sie später mit ihren eigenen Familien im Wesentlichen im Potsdamer Zentrum: In den Straßenzügen zwischen der Nikolaikirche und der Heiligengeistkirche, zwischen Altem Markt und Neuem Markt aber auch im Holländerviertel oder ebenfalls verschiedentlich sogar in dem kleineren Nachbarort Nowawes.
1838
Im Frühherbst wird die erste Preußische Eisenbahnlinie zwischen Potsdam und Zehlendorf eröffnet, im Oktober dann der bis nach Berlin (Potsdamer Bahnhof) weiterführende Streckenabschnitt. Ein Riesenereignis! Ein Volksfest mit vielem Trubel.
1840
Die Stadt Potsdam ist auf 26.936 Einwohner angewachsen.
1842
Die Eltern ziehen mit uns zum Blücherplatz 7. Früher war es der Platz des Ziegenmarktes, heute eine Gegend, in der viele vornehme Leute wohnen. Das Haus gehört dem Kaufmann C. W. Bullrich. Als Mieter leben hier: Medizinalrath Dr. F. L Augustin, der Kolporteur G. Hoffmeister, der Schuhmachermeister J. F. Sommer (also unser Vater mit uns) und die Frau von Stülpnagel, geb. v. Ramin. Nebenan in der No. 6 lebt z.B. der bekannte Graf v. Bassewitz und in der Nr. 8 unser Bäcker Köppen, der Regierungsrath Bertram und die Familie des Offiziers v. Tresckow.
1844
Ich werde konfirmiert und die Zeit der Volksschule ist für mich beendet. Ich nehme eine Lehre im Schuhmacherhandwerk auf, trete also in des Vaters Fußstapfen.
1849
Die Eltern ziehen mit uns zur Kirchstraße 3, gleich hinter der Nikolaikirche gelegen. Meine Lehrzeit ist natürlich seit langem beendet.
1850
Der Potsdamer Magistrat fühlt sich genöthigt, am 26. März 1850 eine „Ordnung zur Leichenfolge bei Beerdigungen der Schuhmachergesellen in Potsdam“ zu erlassen, in denen in 13 Paragraphen genaue Vorschriften für das Benehmen aufgestellt werden. Natürlicher Weise fehlt auch eine Strafandrohung für Zuwiderhandlungen nicht. |
In diesem Jahr laufen die Probefahrten der Potsdam - Magdeburger Eisenbahn mit völlig neuen Maschinen und Wagen.
Die Eltern ziehen mit uns Geschwistern in das Kolonistenhaus, Priesterstraße 69 im nahegelegenen Nowawes, mit Blick auf die Turmspitze der Friedrichskirche.
1855
Am 19. Juli, dem Sterbetag der Königin Luise (im Jahre 1810) begehen meine Eltern ihre Silberhochzeit.
In der Stadt Potsdam werden in diesem Jahr 31.939 Bewohner gezählt.
1856
Wir ziehen in die Potsdamer Grünstraße 9. Von unserem Fenster der Straßenfront können wir in die Yorkstraße sehen und auch ein bißchen in die Kriewitzgasse, und nach links, zum Canal und über die Grüne Brücke hinweg. Das Haus steht nur ein Stückchen von unserer früheren Wohnung, Kirchstraße 3, entfernt. Aber schon ...
1857
... zieht unsere Familie in die Französische Straße 21, zwischen Canal und der Französischen Kirche gelegen. Ich aber löse mich von dem Haushalt der Eltern und beziehe eine eigene Wohnung in der Tuchmacherstraße 25.
1859
Meine Eltern wechseln mit den jüngeren Geschwistern in die Kriewitzstraße 3. Hier lerne ich auch die Familie des Hausbesitzers, des Maurerpoliers Weltzer kennen. Vor eineinhalb Jahren, am 06. Oktober 1857, starb seine Frau, Christine Friederike (eine geborene Michel) im Alter von nur 39 Jahren. Jetzt sind bei dem Vater sieben Halbwaisen-Kinder in der Wohnung. Der Vater, Karl Georg Weltzer, muß als Maurerpolier den Lebensunterhalt auf den Baustellen verdienen und kann sich nur zu wenig um die Kinderschar kümmern. In diesem Jahr nun tritt meine Schwester Karoline Marie Bertha Sommer nach der Heirat mit Carl Georg Wilhelm Weltzer (am 27. März 59) die Mutterstelle bei dessen sieben Kindern an, nur gerade 4 1/2 Jahre älter als ihre älteste Stieftochter Marie Elisabeth.
Meinen Wanderpass benötige ich nun nicht mehr. Er diente mir bei der Vorbereitung und Zulassung zur Meisterprüfung. Heute ist er mir mehr ein liebes Andenken.
Ich heirate Marie Elisabeth Weltzer, die älteste der vorgenannten Kinderschar der Familie des Maurerpoliers Weltzer. Sie ist zwanzig Jahre alt. Die jüngste Schwester meiner lieben Frau ist gerade drei Jahre alt.
Der Karl Georg Weltzer ist damit, sowohl mein Schwiegervater, weil ich seine älteste Tochter ehelichte aber auch gleichzeitig mein Schwager, weil er meine jüngere Schwester heiratete. Meine Frau und meine Schwester haben sowohl das Verhältnis von Stieftochter zu Stiefmutter - aber sie sind auch Schwägerinnen.
Hier nenne ich euch kurz die jüngeren Geschwister meiner jungen Ehefrau. Es sind:
- Friederike Christine Weltzer, * 27. Februar 1839. Sie erhielt die Vornamen ihrer Mutter. Sie hat auf dem Gut „Beerbaum“ bei Biesenthal gearbeitet. (Anm.: Siehe auch Helene Runge, geb. Beerbaum aus Biesdorf). Anschließend, im Jahre 1868, wird sie eine Weile bei uns am Am Alten Markt 3 wohnen, um dann am 17. November 68, unbemannt, nach Rußland auszuwandern. Seither erreichte uns keine Nachricht mehr über sie.
- Carl Wilhelm Weltzer, * am 19. September 1841. Er wird ein Seidenwirkermeister.
- Clara Ida Emma Weltzer, * 27. April 1845. Sie arbeitet ab Juli 1860 beim Maurer Wieprecht, Kriewitzstraße 5, als Dienstmädchen, kehrt dann im Oktober aber zu den Eltern, Kriewitzstraße 3, zurück.
- Emma Weltzer, * 19. Aug. 1847. Ab Juli 1866 arbeitet sie als Hilfe bei Dr. med. Unger, Am Canal 49 und wohnt ab Juli 1867 Am Schloß bei Dinge.
- Dann gibt es noch die neunjährige Eleonore, am 7. Oktober 1850 geboren und die kleine Amalie, die am 19. August 1854 zur Welt kam.
Am 01. August 1857 dann das schreckliche Ereignis, dass die Mutter aller dieser Kinder, Christine Friederike Weltzer, geb. Michel, mit nur 39 Jahren starb.
1860
Am 30. Juni 60 wird unser erstes Kind, unser Stammhalter, Karl Johan Friedrich (der Jüngste) Sommer, in der Potsdamer Tuchmacherstraße 25 geboren. Er ist unser ganzer Stolz!
Zum Ausklang des Jahres 1860 feiern wir meines Vaters Friedrich Sommer 60sten Geburtstag
1862
Den 01. April 62 stirbt unser Sohn Karl Johann Friedrich.
1863
Am 25. März 1863 feiert der Vater meiner Frau Elisabeth, Carl Georg Wilhelm Weltzer, der sowohl mein Schwiegervater, als auch mein Schwager ist, seinen 50. Geburtstag
Am 02. April ziehen wir von der Tuchmacherstraße 25 in das Haus Kirchstraße 3, unmittelbar am Alten Markt, wo ich früher schon mal mit den Eltern gelebt hatte.
Den 08. Juli bringt uns Elisabeth eine Tochter zur Welt. Wir wollen sie Marie Elisabeth Hedwig nennen.
1864
Am 03. Oktober wechseln wir die Wohnung und ziehen von der Kirchstraße 3 nach nebenan, zum Alten Markt 3.
1866
Am 26. Januar wird unser Sohn Karl Ernst Paul Paul geboren. (Die Wahl des Rufnamens zu Ehren seines schon vorher erwähnten Oheims und auch Tauf-Paten Paul Sommer, der Potsdamer Schuhe verfertigt, repariert und meistert). Unser Säugling Paul, wird viel später ebenfalls ein tüchtiger Schuhmachermeister in Nowawes werden. Er wird Emma Krüger. heiraten. Im Erwachsenenalter erhält er die freundlich-scherzhafte Zusatzbezeichnung "Tanzmeister", denn nachdem das Grammophon aufkommt, wird er sonntags, wenn die Arbeit ruht, im Hof des Grundstücks gern mit Musik von Schellack-Platten zum Tanze aufspielen.
1868
Eine freudige, anstrengende und arbeitssame Weihnachtszeit: Den 28. Dezember 1868 wird in Potsdam, Am Alten Markt 3, unsere zweite Tochter, Marie, geboren.
Später wird sie den Webermeister Theodor Steiner heiraten. In Nowawes-Neuendorf, Mittelstraße 21 (später Wichgrafstraße 19a), einem Kolonistenhaus, links neben dem Haus der Schwester Hedwig Knoll, werden sie wohnen.
1869
Am 24. Februar 69 wird meine Mutter Caroline Sommer, geb. Keilbach 60 Jahre alt. Anlaß für eine gemeinsame festliche Kaffeetafel.
Seit rund fünf Jahren leben wir nun „Am Alten Markt 3“, in unmittelbarer Nachbarschaft von Schloss, Palast Barberini, dem Rathaus und der Nikolaikirche. Das Haus, es wurde 1752 errichtet, gehört Frau Schatzmann, die inzwischen verwitwet ist. Außer uns mit Wohnung und Schuhmacher-Werkstatt, gibt es in dem Miethause im Hoch-Parterre die Speisewirtschaft Probstheim. Es lebt hier auch die Prediger-Witwe, Frau Stein. Des Weiteren die Witwe des Oberstleutnants v. Ebra, der Canzlei-Rath Gertung, die Rendant-Witwe Mertitsch und die Prediger-Witwe Frau Adler.
Am 31. Dezember 69 kommt bei uns ein Töchterchen, leider todt zur Welt.
1870
Den 30. Dezember 1870 wird von Elisabeth unsere Tochter Anna geboren.
1871
Am 01. April 1871 ziehen wir vom Alten Markt 3, in das Doppel-Eck-Haus Schwertfegerstraße 8, / Am Neuen Markt 1, zwischen der Hohewegstraße (Acht Ecken) und dem Neuen Markte gelegen. Beide Bauten sind über Flure miteinander verbunden. Das Haus Nr. 1 wurde 1753 errichtet und gehörte der Familie des Materialwarenhändlers Krumbholz als Erstbesitzer. In diesem Hause lebte Kronprinz Friedrich Wilhelm (der nachmalige König Fr. W. II, Regierungszeit: 1786 - 1797) von 1764 bis zum Ableben seines Onkels Friedrich des Großen im Jahre 1786, auch schon mal mit Wilhelmine Encke, der später scheinverehelichten Ritz und späteren Gräfin v. Lichtenau.
Das Haus Nr. 8 wurde unter Leitung von Heinrich Ludwig Manger im Jahre 1765 für den Brauereibesitzer Lehmann gebaut. Dieses Gebäude wurde auch vom Prinzen angemietet. In diesem Hause, also in dem wir jetzt wohnen, erblickte am 22. Juno 1767 der geniale Wissenschaftler Wilhelm v. Humboldt (eine Treppe hoch) das Licht der Welt, denn sein Vater war Kammerherr. Ebenfalls in diesem Hause wurde am 03. August 1770 der Sohn des Prinzenpaares, (der spätere König Friedrich Wilhelm III., Regierungszeit 1797 - 1840) geboren.
Nun, das ist schon eine Weile her. Nach dem Auszug der Hoheiten, sah das Haus wechselnde Verwendungen und jetzt eben wohnen wir hierin. Die Nr. 1 wurde 1833 für die Sitzungen des Königlich Preußischen Kabinetts eingerichtet.
1872
Am 12. Juli 1872 geht unser Ännchen im Alter von 1 1/2 Jahren in die ewige Ruhe ein.
Meine gute Schwester Karoline Marie Bertha Weltzer, geb. Sommer, hat ihrem Mann Karl Georg W. zwischen 1860 und diesem Jahr 1872 sieben Kinder geboren, gleichzeitig und nachdem sie die jüngeren seiner sieben Kinder aus der ersten Ehe aufgezogen hatte.
1873
Gab ich euch soeben einen kurzen Überblick zur Geschichte des Hauses, so folgt nun zum Gebäude Schwertfegerstraße 8 eine Notiz zur gegenwärtigen Belegung, die völlig anders aussieht, ganz ohne Hoheiten: Eigentümerin ist nun die Witwe, Frau Knochenhauer. Ihr kennt ja die Knochenhauersche Zichorienmühle an der Schiffbauergasse? Außer unserer Schuhmachermeisterfamilie Sommer leben hier: Der Restaurantbetreiber Winkler, der Arbeiter Wille, die Witwen Kalau und Schönemann, der Inspector Busse, der Assessor Freiherr v. Blohme, Schuhmachermeister Wilde, der Stellmacher mit Namen Bürstenbinder und der Schneidermeister Hasait. In unseren Tagen kann natürlich noch niemand ahnen, dass die Söhne der benachbarten Familien Sommer und Hasait, in drei Jahrzehnten später gemeinsam in dem Elektrotechnischen Betrieb des Max Sommer tätig sein werden, zumal letztgenannte heute ja noch nicht einmal geboren sind. Diese kurze Schwertfegerstraße erhielt früher ihren Namen nach einem hier ansässigen und tätigen Waffenschmied.
1875
Das sind ja wieder Sachen - sehe ich doch da unlängst die neue Reklame des Schuhmachermeisters A. Schulze, der in der Schockstraße 20 residiert. Er macht dem Dr. v. Bergmann Konkurrenz, lockt außer zum Schuhkauf Kunden an, als Hühneraugen-Operateur. Mit einem kräftigen Schnaps als Schmerzbetäubnis. Fragt mich doch gleich Elisabethen, ob ich so'was nicht auch machen kann und sie als Krankenpflegerin - wenn wir noch mal umzögen, vielleicht mit kleinem Operationskabinett? Ne, ha, das ist wohl eher so ein Entschuldigungsangebot, falls die angefertigten Schuhe nicht passen und zu sehr gedrückt haben. Aber immerhin - er hat sich eine Marktlücke aufgetan.
Am 21. September 75 wird unser Sohn Rudolf Max geboren. Er wird unser letztes Kind sein.
Der 15te November des Jahres1875
Nach dem Eingang unseres Berichts in das Gewerkbuch, fand am 6ten April 1850 die Einweihung der Gewerksfahne statt. Sonach hätte am 6ten April 1875 das fünfundzwanzigjährige Bestehen desselben festlich begangen werden können. Zeitverhältnisse verhinderten dies jedoch, und (so) wurde in Folge dessen, eine spätere Zeit, der 15te November, zu diesem Feste gewählt.
Zwanzig Jungfrauen, Töchter von Gewerksmeistern, welche am Schlusse des gegenwärtigen Berichts namentlich verzeichnet sind, hatten sich erboten, der Gewerksfahne zu diesem Ehrentage: -ein neues Fahnenband auf weiß seidenem Moire mit Silberfransen und der Inschrift in Golddruck: "Gewidmet von den Jungfrauen des Gewerks 1875", -einen Lorbeerkranz und -eine Schärpe für den Fahnenträger mit blau=seidenem Ripsband zu weihen. ---
Das Gewerk versammelte sich Abends 7 Uhr in den von der Potsdamer Schützengilde bereitwilligst zur Verfügung gestellten Sälen. Als Ehrengäste waren geladen und erschienen: Herr Lehrer Riehl und der Obermeister des Berliner Schuhmacher=Gewerks, Herr Bierberg. Die Feier selbst nahm um 8 Uhr ihren Anfang. Die Festrede (zu halten) hatte Herr Lehrer Riehl freundlichst übernommen, und (er) gedachte hierbei in warmen Worten der Bedeutung des fünfundzwanzigjährigen Jubelfestes, berichtete (über) die damaligen, im allgemeinen besseren Verhältnisse gegenüber der Jetztzeit und gelangte hierbei zu dem Schlusse, daß ein Hauptfaktor zu der gewissermaßen gedrückten Lage der Profession, in der unzuträglichen Massenfabrikation (von Schuhen) zu erblicken wäre, welchem (nur) die Einigkeit des Gewerks im gemeinsamen Streben erfolgreich entgegenwirken könnte. Die Rede schloß mit einem Hoch auf Seine Majestät unseren Kaiser und König, in welches alle Festgenossen begeistert einstimmten. Unser Mitmeister Neese gedachte in kurzen Worten der Frauen und Jungfrauen, welche letztere zur Verherrlichung des edlen Festes hauptsächlich beigetragen hätten. Ein Hoch auf dieselben bekräftigte den zum Ausdruck gebrachten Dank. --- Der Ehrengast, Herr Bierberg, sprach in längerer schwungvoller Rede. Auch er hob die hochwichtige Bedeutung des Jubelfestes hervor, wünschte dem Gewerk die Einigkeit und hoffte, daß die in Liebe und Verehrung dem Banner als Festschmuck gewidmeten Zeichen zu deren Befestigung und Erhöhung beitragen würden. Seine mit großem Beifall aufgenommene Rede schloß er mit einem Hoch auf die Festgenossen.
Hierauf begann die Decorirung der Fahne durch die Jungfrauen: Ida Friedrichs,Johanna Schulz,Minna Müller, Marie Goeres,Anna Röthe,Pauline Lehmann, Anna Scheuer,Clara Schreiber,Marie Scheuer, geführt von den Meistern des Gewerks: Carl Röthe und Fritz Sommer. Die Fahnen=Deputation bildeten die Herren: Carl Röthe, Hermann Schulz, August Müller, Jacob Voll, August Bürger und Andreas Schulz. Fräulein Anna Röthe trug auf weißem Atlaskissen das neue Fahnenband und den Lorbeerkranz. Fräulein Johanna Schulz schmückte die Fahne mit dem neuen Bande und sprach nachfolgendes Gedicht: Hier heft' ich in geweihter Stunde An uns're Fahne dieses Band. Der Nachwelt sei es eine Kunde, Wie wir gesorgt mit treuer Hand, Daß sich erhalte und vermehre Das Kleinod: Des Gewerkes Ehre.
Wenn sich die Fahne wird entfalten, Soll immer es ein Mahnruf sein, An allem Guten festzuhalten, Den kommenden Geschlechtern rein, Was mir vererbt in frühen Jahren In voller Liebe zu bewahren.
(verfaßt von Herrn Lehrer Riehl)
Fräulein Clara Schreiber umhing der Fahne die Lorbeeren und sprach hierbei das nachstehende Gedicht:
Nun recht dem Feste zu genügen, Das uns umfängt mit heit'rem Glanz, Laßt mich noch zu dem Bande fügen, Den immergrünen Lorbeerkranz. Man darf, wo deutsche Fahnen wehen, Als höchsten Ehrenschmuck ihn sehen.
Denn seit der festlich frohen Stunde, Da diese Fahne ward geweiht, Hat vielmals hehre Siegeskunde Dem Vaterlande sich erneut; Und daran wollen wir heute denken, Wenn wir den Kranz der Fahne schenken.
Er soll uns immer wieder mahnen, Zu halten heilig, hoch und hehr, Was Gutes aus der Zeit der Ahnen Vererbt uns ist, und täglich mehr. Nur dieser Schmuck von Lorbeerzweigen An unsrer Fahne - werth zu zeigen.
(verfaßt von Herrn Lehrer Riehl) Hiermit endete der erste Theil des Festes. ---------- -- ----------- Der zweite Theil wurde um 9 1/2 Uhr mit der Fest=Polonaise eröffnet, dem sich um 10 1/2 Uhr das gemeinsame Festessen anschloß. Der hierauf folgende Tanz hielt die Theilnehmer bis zum heranbrechenden Morgen in heiterster Stimmung beisammen. ---------- -- ----------
Verzeichnis sämmtlicher Jungfrauen, welche sich an der Schenkung des Fahnenschmuckes betheiligt haben: Motto: Ehret die Frauen, sie flechten und weben, himmlische Rosen ins irdische Leben!
1. Johanna Schulz 2. Anna Röthe 3. Clara Schreiber 4. Ida Friedrich 5. Pauline Lehmann 6. A. Lehmann 7. Marie Goers 8. Emma Goers 9. Anna Scheuer10. Marie Scheuer 11. Anna Völker12. Minna Müller 13. Agnes Müller14. Anna Gohlke 15. Elise Schwarz16. Ida Benke 17. P. Rössel18. A. Heymann 19. Ch. Bein20. A. Haufe
|
1877
Am 03. April wechseln wir die Wohnung und ziehen von der Schwertfegerstraße 8 jetzt in das Potsdamer Haus Bäckerstraße 3.
1878
Abermals ziehen wir um. Diesmal geht es nach Nowawes. Wir wohnen in der Lindenstraße No. 7.
Unsere Tochter Hedwig erlernt den Beruf des Schneiderhandwerks. Entgegen vieler Meinungen Anderer, halten wir es für wichtig, dass auch die Mädchen einen Beruf erlernen, in dem „sie ihren Man stehen“ können und der ihnen auch Einkünfte zum Lebensunterhalt bringt.
1880
Am 19. Juli feiern meine Eltern Friedrich Sommer und Caroline, geb. Keilbach ihr goldenes Ehejubiläum.
Unser Sohn Paul beendet die Volksschule, wird konfirmiert und beginnt den Beruf des Schuhmacherhandwerks zu erlernen.
1882
Am 17. Dezember 1882 stirbt in Nowawes,in der Lindenstraße 8, mein Vater, der Schuhmachermeister Johann Friedrich Sommer im Alter von fast 82 Jahren.
1883
Zur Feier der Silbernen Hochzeit Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin des Deutschen Reiches und von Preussen, sind auch Vertreter der Potsdamer Gewerke zur Gratulations=Chur eingeladen. - Ball im Weissen Saal des Königlichen Schlosses am 28. Februar 1883. - |
Ein Nachtrag zum Jahr 1831 und der Erforschung der Ursache der Cholera: Im Vorjahr hat Prof. Dr. Robert Koch (1843 - 1910, Direktor des Instituts für Infektionskrankheiten, Professor an der Berliner Universität) den Erreger dieser schrecklichen Krankheit gefunden, vergrößert und gesehen. Seiner Forschung ist die wirksame Desinfektion und sogar die Sterilisation mittels Heißdampf zu verdanken.
Wie üblich, ist auch in diesem Jahr das Statut der Innung und die Liste der Schuhmachermeister an den Magistrat einzureichen. Das Anschreiben beginnt in der üblichen Umgangsform:
„Einem Hochlöblichen Magistrat erlaubt sich die ergebenst unterzeichnete Kommission - das Statut, mit der gehorsamsten Bitte um Weitergabe desselben an die Hohe Königliche Regierung behufs Bestätigung zu überreichen. ...“. Eine Antwort kommt später: „An den Obermeister der Schuhmacherinnung Herrn Ernst Neese. Wohlgeboren, hier.“
Unsere Tochter Marie beendet die Volksschule wird konfirmiert und ergreift die Lehre für den Beruf einer Näherin.
1884
In diesem Jahr begehen wir unsere Silberhochzeit. Wie sind doch diese arbeitssamen Jahre schnell vergangen.
Der 18te October des Jahres 1884 Die 150jährige Jubiläumsfeier der Schuhmacher=Innung zu Potsdam
Unter reger Beteiligung der Mitglieder und (der) Deputation anderer Gewerke, feierte die Schuhmacher=Innung in Potsdam am 18. Okt. 1884 ihr 150jähriges Stiftungsfest. Die Berliner Schuhmacher=Innung war durch eine Deputation, bestehend aus den Vorstandsmitgliedern und Repräsentanten des Innungsausschusses mit der neuen Innungsfahne bei der Feier vertreten. Die Weihe dieses Tages wurde wesentlich dadurch gehoben, daß auf denselben der Geburtstag Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen fiel, aus welchem Anlaß die Stadt Potsdam durch reichen Flaggenschmuck ein festliches Gewand angelegt hatte. Kränze, welche über die Straße gezogen, durch welche sich der Festzug bewegte, Blumen und Guirlanden, womit viele Schuhgeschäfte geschmückt, legten wohl jedem den Gedanken nahe, daß das ehrsame Schuhmachergewerk, die Jünger des Hans Sachs, heut einen besonderen Festtag haben müsse. Um 9 Uhr Vormittag erschien der Herr Regierungspräsident von Neese in der Wohnung des Obermeisters Herrn Röthe, um der Jubelbraut seine Glückwünsche darzubringen. Gleich nach 1Uhr Mittags füllten sich die Räume des "Cafe Sanssouci" mit den Mitgliedern der Innung und den Deputierten anderer Gewerke, welche sämmtlich mit ihren Fahnen und Emblemen erschienen waren. Selbstredend durften auch die natürlichen Glieder der Handwerker=Familien, auch die Gesellen und Lehrlinge, nicht fehlen. Es muß rühmend hervorgehoben werden, daß letztere durch ihre eigens zu dieser Feier erzeugten Arbeiten, welche bei der diesjährigen Jubiläumsfeier der Berliner Schuhmacher=Innung im Festzuge auf hierzu gefertigten Stäben getragen wurden, das Lob und die Anerkennung selbst der tüchtigsten Fachmänner hervorriefen. Außer diesen Arbeiten, von denen namentlich ein wirklich musterhaft gearbeiteter Lackschuh mit Korkkeil, von Meister Neumann aus Bornim angefertigt, sowie ein aus genärbten Leder gefertigter Kropfstiefel, von einem Lehrling beim Meister Förster gemacht, ferner ein Paar Atlas=Pantoffeln, vom Hofschuhmacher=Meister Bause, besonders erwähnt zu werden verdienen, waren zu gleichem Zwecke vom Meister Voll, Handwerksgeräth, darunter ein vollständig ausgestatteter Arbeitstisch in kleinem Format, künstlich in Holz ausgeführt. Pünktlich zur festgesetzten Stunde, 2 Uhr, setzte sich der Festzug in Bewegung, eröffnet mit einem Musikkorps. Unmittelbar dahinter wurden auf einem seidenen Kissen die Innungsprivilegien getragen. Dann folgte der Obermeister mit zwei Großmarschallen, sodann die Deputation der Berliner Schuhmacher=Innung, wie (die) der anderen Gewerke. Diesen folgte wieder ein Musikkorps und die Jubelbraut mit ihrem Vorstand und der Innungsfahne, woran sich die Gesellen und Lehrlinge anschlossen. Der Festzug bewegte sich durch die Brandenburg=. Waisen=, Charlotten=, Nauener=, Hoheweg= und Schloßstraße nach dem Schützenhause am Brauhausberge, woselbst der eigentliche Festakt stattfand. Nachdem der Festzug im Garten des Etablissements kreisförmig Aufstellung genommen und von den Musikkorps die Nationalhymne intoniert war, erfolgte der Einmarsch in die feierlich dekorierte Festhalle. Die Behörde war vertreten durch den Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Herrn Boie, den Herrn Polizeidirektor Wolffgramm und den Gewerks=Assessor Stadtrath Krüger. Die Weihe, zu welcher auch Innungsfrauen und Jungfrauen erschienen waren, wurde mit einer Musikpiece und einem Männerchor mit dem Liede: "Brüder reicht die Hand zum Bunde" eröffnet, worauf Herr Hofschuhmacher=Meister Bause den Festprolog vortrug, wie folgt:
Laßt mich ein Jubellied verkünden, Ein Jubelwort im Festgewand, Der Freude Feuer zu entzünden, Das nähren soll der Arbeit Hand. Ein Fest der Arbeit frohen Lust, Das wir, als Preis des ernsten Lebens, Stolz heut' begehen, selbst bewußt! –
Wir wissen, daß wir stets gerungen Und jedes Hindernis bezwungen, Das feindlich war - wenn voll und ganz Wir, um das Beste zu erlangen, Mit Fleiß und Danken redlich rangen. Der ist kein Mann, den nicht die Ehre Zwingt, daß er immer sich bestrebt, Daß seines Wirkens weite Sphäre Er zu der höchsten Höhe hebt.
Wohl mühevoll ist dieses Ringen Verkannt von schnöder Eigenlust, Er will ja keine Lorbeer'n bringen Und keine Orden auf die Brust. Jedoch, das bringt nur nicht zum Wanken, Wir schreiten fort im schnellen Schritt, Denn in dem Reiche der Gedanken, Hält auch der Schuster Schritt und Tritt.
Soweit der Ernst an unserm Feste! Vergnügen bringe uns das Beste. So lasset denn die Freude leben, Verbrüdert Euch von Nah und Fern, Das Herz soll sich dem Herzen geben, Und glänzen soll der Liebe Stern.
Bei Schmaus und Tanz und Liederklängen, Erhebe sich die deutsche Brust, Und Jeder labe sich noch lange An dieser vollgenossnen Lust. Heut' laßt die Sorgen in der Ferne. Heut geb' sich Jeder voll und ganz. Und, wollet Ihr das Höchste bringen, Gelobet stete Einigkeit!
Das Glück wird auf zum Himmel dringen, Weil es der Weltgeist so gebeut. Laßt alles Kleinliche heut schwinden Und gebt Euch ganz der Wonne hin, Dann wird sich unser Fest begründen Im schönsten brüderlichen Sinn; Dann bleibet Euch auch dies' Gedicht: Ein herzliches Vergißmeinnicht.
Dann folgte die Festrede, Begrüßung der Ehrengäste und Deputation durch Herrn Neese mit Ansprache des Herrn Oberbürgermeister und der Deputation.
Die Zwischenpause wurde durch Musik= und Gesangvorträge ausgefüllt. Nach dem Festprogramm fand die Festtafel statt, während welcher zur Feier des Tages Ansprachen und Toaste von den Ehrengästen und (der) Deputation auf Se. Majestät, den Schirmherrn des deutschen Handwerks, Kaiser Wilhelm, den Kronprinzen, den Fürsten Reichskanzler, der Jubelbraut und dem deutschen Handwerk ausgebracht wurden. Unmittelbar hieran schloß sich ein Ball, der die Festteilnehmer bis lange nach Mitternacht in fröhlicher und kollegialischer Stimmung zusammenhielt.
Wir wünschen der Innung viel Glück und Gedeihen für die Zukunft. Möge sie für alle Zeiten in Frieden und Eintracht zum Wohle ihrer Mitglieder und zum Segen des Handwerks wirken.
Danksagung: Den Mitgliedern der Potsdamer Schuhmacher=Innung sagen die Unterzeichneten für die überaus freundliche und kollegialische Aufnahme bei der Feier ihres 150jährigen Stiftungsfestes den herzlichen Dank. Die Deputation der Berliner Schuhmacher Innung. (Namen)
Eingetragen von W. Leidig |
1887
Am 19. und 20. Juni haben die Schuhmacherinnungen der Provinz Brandenburg ihren Zweiten Unterverbandstag der Provinz Brandenburg in Frankfurt an der Oder (im Saale des „Volksgartens“). Zur Tagesordnung gehören:
- Rechnungslegung zu den zurückliegenden beiden Geschäftsjahren
- Die Einrichtung von Fachschulen für das Schuhmacherhandwerk
- Diskussionen um den Befähigungsnachweis
- Die Errichtung einer Alterskasse zur Versorgung
- Die Wahl des Vorstandes für die nächsten beiden Geschäftsjahre
Das Klima der Verhandlungen wird befördert vermittels eines Spazierganges mit freiem Gedankenaustausch, einem Concert und einem Abschlussball.
(Zur Deckung der Unkosten haben die Delegirten den Betrag von 1,50 Mark zu entrichten.)
1888
Am 03. April 88 ziehen wir von der Lindenstraße 7 einige Fußminuten weiter ins Centrum von Nowawes, zur Lindenstraße 44. Aus diesem Hause können wir die vorbeirollenden Züge noch besser beobachten.
1889
In der Auflistung der Meister der Gewerke, so auch unseres Schuhmacherhandwerks, die der Magistrat regelmäßig erhält, sind von den 191 Schuhmachermeistern aus Potsdam und Umgebung, zur gleichen Zeit, vier Schuhmachermeister Sommer unserer Familie enthalten. Wir stellen somit die „stärkste Fraktion“ in diesem Gewerk in Potsdam und Umgebung. Der derzeitige Obermeister der Schuhmacher-Innung ist Ernst Neese.
Mein Schwager und Schwiegervater, der Nowaweser Bauunternehmer Carl Georg Wilhelm Weltzer, stirbt am 27. Juli 89 mit 76 Jahren.
1890
Unsere Sommer-Töchter, die Schneiderin Hedwig Knoll und die Näherin Marie Steiner, stehen in einer freundlichen Verbindung mit der Kammerdame / Hofmeisterin (später Hofstaatsdame) Fräulein Claire von Gersdorff, die sich gemeinsam in dem Handarbeitskreis zur Hilfe für arme Kinder finden und Kleidung herstellen, wie auch flicken. Natürlich reden sie dabei allerlei, was über den üblichen Umfang von „Kinder, Küche und Kirche“ hinausgeht. Fräulein v. Gersdorff ist eine natürlich-lebhafte Frau, vielseitig interessiert, musikalisch, zeichentalentiert und spricht fließend französisch und englisch. Das Deutsche beherrscht sie selbstredend ganz vorzüglich. Fräulein v. Gersdorff ist gerade vier Jahre älter als Hedwig und zehn Jahre älter als Marie, jetzt also 48 Jahre alt. Als sie den Dienst bei der Kaiserin antrat, war sie 22 Jahre jung. Sie lebt mit den anderen beiden Hofdamen der Kaiserin, Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff und (der späteren) Hofstaatsdame v. Keller im Hofdamenhaus am Rande des Neuen Gartens.
Unser Sohn Max beendet die Volksschule in der Nowaweser Priesterstraße, wird eingesegnet und beginnt das Schlosserhandwerk zu erlernen. Gleich anschließend wird er bei der Fa. Strecker in Potsdam eine Weiterbildung zum Elektromonteur durchlaufen, da ihn auch dieses junge Gewerks-Gebiet recht interessiert.
1891
Unser Sohn Paul wird in der Friedrichskirche am 25. April mit Luise Emma Krüger getraut.
1892
Mein Oheim (Vaterbruder) Carl Sommer, der Mühlenmeister und auch Mühlenbauer (* 18. Dezember 1803 in Buckow im Oderland) ist einen Monat vor seinem 89. Geburtstag in Nowawes, Lindenstraße 4a, gestorben. Einen Monat vor seinem Tode hat er sich alt und krank, aus Gerresheim bei Düsseldorf kommend, bei meiner Schwester Caroline Marie Bertha Weltzer, geb. Sommer, seiner Nichte, eingefunden, um sich hier pflegen zu lassen. Er war früher verheiratet mit Caroline Emilie Henriette Sommer, geb. Keyling, die zu Reppen im Kreis Weststernberg (Neumark) gestorben war. Aus dieser Ehe hat er einen erwachsenen Sohn.
1893
Einige Örtliche Zeitungsnachrichten:
Juli:
Zur Sommermode des Schönen Geschlechts: Einfachheit lautet jetzt die Parole. Alle kleiden sich jetzt in einfache Stoffe, die bisher den Backfischen vorbehalten waren. Als Schmuck vielleicht ein Volant, ein Band mit flatternde Enden. Für die Straßenkleidung ist Rohleinen beliebt. Leinen, Battist und Mousselin - die Kinderzeiten werden wieder wahr.
August:
Polizeiliche Belobigung: Der Schüler Richard Schindler hat am 10. August den Knaben Paul Lohse, beide zu Berlin wohnend, vor dem Tode durch Ertrinken gerettet.
Gewalt in der Schule: Eine Beschwerde liegt gegen den Lehrer Quast aus Nowawes vor. Eines seiner Schulmädchen liegt mit fingerdicken Striemen einer Prügelstrafe am Nervenfieber darnieder.
Die Segelregatta, die der Seglerverein gestern auf dem Jungfernsee abhielt, hatte unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Es ging ein so heftiger Regen hernieder, daß man die Regatta zunächst verschieben mußte.
Am Bauplatz der Artilleriekaserne am Pfingstberg gab es gestern Bedrohungen der Bauleiter durch die Arbeiterschaft. Grund derselben war ein Unfall, bei dem Sand in die nicht abgesteifte Baugrube nachrutschte und zwei Arbeiter bis zum Halse verschüttete. Größere Sicherheitsvorkehrungen wurden von den Arbeitern gefordert. Diesem Verlangen kamen die Bauleiter aber nicht entgegen. Die Bauarbeiter machten Miene, das Baubureau zu stürmen, woran sie aber von der schnell eintreffenden Polizei gehindert wurden.
September:
Steckbrief! Gegen den Photographen Richard Schremmer aus Berlin, Naunynstraße 83, welcher sich verborgen hält, ist die Untersuchungshaft wegen Betruges verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das nächste Gerichtsgefängnis abzuliefern. (Es folgt die Beschreibung dieser Person).
In Neuendorf hat eine Frau ihren Ehemann vorsätzlich getötet. Die Frau des Gärtners Fritz lebte mit ihrem 50jährigen Ehemann in Unfrieden, weil derselbe dem Trunke ergeben war. Nach einem neuerlichen Streit legte sich der Mann zu Bette. Die Wuth der Frau war noch sehr groß und so goß sie kochendes Wasser über den Schlafenden. Der Mann verstarb unter fürchterlichen Schmerzen im Nowaweser Oberlinhaus.
Als Blutersatz wurde erforscht, Kochsalzlösung zu verabreichen.
Statistik: Aus Berlin und Brandenburg wanderten im ersten Halbjahr 3.624 Personen nach Übersee aus.
Im ganzen Reich gibt es zum 23. Jahrestag des Sieges von Sedan große Feierlichkeiten.
Kapstadt: Es gab einen Angriff Einheimischer auf die deutsche Schutztruppe in Südafrika.
Oktober:
Ausweisung eines Ausländers. Der Weber Eduard Hiebel, 20 Jahre alt, aus Neuharzdorf in Böhmen, wird zum Ende des Monats ausgewiesen. Grund der Bestrafung: Betteln.
Im Park von Sanssouci hörte ein Wachmann in der Nähe der Orangerie Hammerschläge, wie auf Stein geführt, die aus einiger Entfernung an sein Ohr drangen. Da ein Act von Vandalismus zu besorgen war, ging der Mann dem Geräusch nach. Ein Mensch, der sich an einem Marmorbildnis zu schaffen gemacht hatte, verschwand flüchtend in der Dunkelheit. Die Verfolgung verlief resultatlos.
In Chikago findet die diesjährige Weltausstellung statt.
Die Cholera hält wieder Einzug in Deutschland. Vor der Benutzung von Wasser aus Flüssen, Kanälen, Gräben usw. wird gewarnt - vor unabgekochtem Wasser überhaupt.
November:
Am 4. 11. 93 nimmt der Kaiser an der Parforcejagd im Grunewald teil.
Den 26. Nov. registrieren die Apparaturen des Magnetischen Potsdamer Observatorium Wellen eines sehr fernen Erdbebens, südwestlich von uns gelegen (vielleicht in Kuchan / Persien), welches die Schreibgeräthe mit kleinen aber lebhaften Ausschlägen aufzeichneten.
Dezember:
Dem jungen Herrn Lehrer Stephan, der kürzlich zum Erzieher der Kaiserlichen Prinzen berufen wurde, ist diese Auszeichnung zu Kopfe gestiegen, so daß er wohl an dem Größenwahn leidet und vom Dienste befreit werden mußte. Sein Vater mußte den Bedauernswerthen vom Bahnhofe abholen.
Die Offiziere des 20. Regiments nahmen im Sommer per Dienstverpflichtung einen Kursus in der russischen Sprache. Nun erhalten die Unteroffiziere, von jeder Kompanie zwei, von Herrn Hauptmann v. Bülow eine solche Unterrichtung - an jedem Tage eine Stunde. Die vorerwähnten Offiziere nehmen jetzt dagegen den Tanzunterricht. Die Einübung der hoffähig gewordenen Gavotte steht auf dem Plan.
Es gibt eine politische Debatte um die Ladenöffnungszeiten zur Weihnachtszeit.
Ein Problem des Anarchismus: In Paris kam es zu einem Attentat.
In Kamerun gibt es eine Meuterei schwarzer Polizeisoldaten. Drei deutsche Schiffe werden abgesandt, um für Ruhe zu sorgen.
In Deutschsüdwestafrika sind schwere Kämpfe zu verzeichnen.
Kriminalstatistik: Im Jahre 1892 wurden 422.326 Straftäter gemeldet - ein Anstieg der Kriminalität wird beobachtet.
1894
Sohn Paul und Schwiegertochter Emma wohnen und arbeiten in der Lindenstraße 39, dem noch neuen Haus (1874 erbaut), das vor 20 Jahren an der Stelle eines kleineren Weberhauses errichtet wurde. (Anm. In diesem Haus wird auch C. J., der Verfasser dieses Beitrages, seine frühe Kindheit verleben).
Verschiedene Örtliche Nachrichten:
März:
Der bisherige letzte Zug der Potsdamer Wannseebahn soll durch einen allerletzten, der um 2 Uhr des Nachts verkehrt, abgelöst werden. Der bisher Letzte ist dann der Vorletzte.
Die Leibgendarmerie des Kaisers, die bisher in Berlin stationiert war, wird zum Ende des Monaths in die ehemalige Garde-Husaren-Musterkaserne (erbaut von Hampel) am Luisenplatz ziehen.
Die bisherige Villa Ingenheim mit dem dazugehörigen Grundstück, welches sich bis zum Wasser der Havel hinunterzieht, soll verkauft werden, da Graf Ingenheim seinen Wohnsitz in Wusbaren nehmen wird.
Der 20jährige Knecht Hugo Preuß ist als Hauptschuldiger an den vielen hier stattgehabten Bränden ermittelt und in Sicherheit gebracht worden. Als Grund für die Brandstiftungen gibt der Bursche seinen Ärger an, daß Bauern ihn und einige seiner Genossen nicht an einem Vergnügen teilhaben lassen wollten, welches am Bahnhof Rehfelde stattfand.
Ein frecher Baum- und Strauchdieb wurde gefasst. Es handelt sich allerdings um einen wohlsituirten Glindower Obstzüchter, der in Glindow, Plötzin, Petzow und anderen Orten in fremden Gärten junge Obstbäume und Beerensträucher ausgrub. Er verschonte weder wohlhabende Nachbarn, noch blutarme Leute. In seinem eigenen Garten trugen sie dann reiche Früchte. Einen Überschuß des Raubgutes bot er auch veräußernd an Andere feil.
Angehörige des Garde-Jägerbataillons testeten Kinderluftballons, indem sie eine Postkarte an fünf Ballons banden. „Der ehrliche Finder“, Freiher von Eckardstein, fand die Karte am nächsten Vormittage in Reichenow bei Wriezen an einem Strauch. Sie hatte in der Nacht neun Meilen zurückgelegt.
April:
Die SPD bekämpft zum Schutz der Arbeiterinteressen momentan die Berliner Brauereien. Man reagierte zum 1. Mai mit Aussperrungen.
Mai:
Friedrich Reindel, 69jähriger Preußischer Scharfrichter (wohnhaft in Magdeburg), begeht das Jubiläum seiner 100sten Hinrichtung (92 Männer und acht Frauen hatte er zu enthaupten). Das Richtbeil, das er frei aus der Hand schwingt, wurde um 1840 von einem Dorfschmied in der Altmark verfertigt. Es wird stets gut scharf gehalten. Er erhält pro Hinrichtung ein Salär von 100 Mark, plus 10 Mark Tagegeld und freie Eisenbahnfahrt dritter Klasse zum Einsatzort und zurück.
Der vom Prinzen Friedrich Karl gestiftete Ehrenpreis wurde zum zehnten Mal auf dem Wannsee ausgesegelt. Der Wettkampf brachte Records, wie sie auf der Havel noch nie erzielt worden.
Der Arzt Dr. Bodenhausen, ansässig in Nowawes, besitzt einen dieser neuen Motorwagen der Fa. Benz in Mannheim, ausgestattet mit einem Benzin-Explosionsmotor, der dem Vehicel eine außerordentliche Schnelligkeit verleiht - also völlig ohne Pferd!
Juli:
Nowawes: Im Anschluß an das Oberlinhaus ist hier heute ein neues Kinderkrüppelhaus eröffnet worden. Die Kinder waren bisher provisorisch in zwei Weberhäusern untergebracht. Zur endgültigen Bezahlung des Baues fehlen noch 9.000 Mark. Der Vorsteher, Pastor Hoppe, nimmt jede Gabe dazu gern entgegen. Die Pflege und Behandlung der Kinder steht unter Leitung der Oberin der Diakonissen: Thusnelda von Saldern.
Statistik zu der Schlacht von Solferino, Franzosen gegen Österreicher, im Juli 1859 in Italien: Soeben veröffentlicht - es kam auf je 700 feindliche Schüsse 1 Verwundeter und auf je 4.200 Schüsse 1 Todter. In dem letzten deutsch-französischen Kriege jedoch, war „ein Fortschritt“ zu bemerken - da kam auf 1.300 Schüsse 1 Todter, das heißt, wenn eine Kugel je 30 Gramm wog, so waren 39 Kilogramm Blei nöthig, um einen Menschen zu tödten.
Beginn des Krieges in Korea. Streiks in den USA. Schweres Erdbeben in Konstantinopel.
Die Ausgrabungen in Troja gehen unter der Führung der Frau von Schliemann weiter. Wir erinnern: - Heinrich Schliemann, der unermüdliche Archäologe, starb 1890 im Alter von 68 Jahren.
Oktober:
In der dunklen Jahreszeit nehmen die Milchdiebstähle wieder zu. Die Spitzbuben arbeiten mit unglaublicher Frechheit, indem sie auf die in aller Frühe über die Chausseen nach Berlin rollenden Fuhrwerke hinten aufspringen und Kannen oder gar Fässer den Kumpanen hinabreichen. Werden sie einmal entdeckt, weichen sie dem Peitschenhieb aus und verschwinden unerkannt im Dunkel des Waldes.
Der neueste Gassenhauer aus „Die Gigerlkönigin“ ist schon aus jedem Leierkasten, respective jedem Drehorgelinstrument zu hören: „Ich hab sogar im Schuh mein Monogramm, als echte Modedam'.
November:
3.11. - Der Zar stirbt in Rußland. Er hat ausgelitten. Der Todt hat ihn von seinem entsetzlichen Leiden erlöst. Was wird nun der junge Nikolaus seinem unermeßlichen Reiche, was wird er Europa bringen?
Präriebrände in Nordamerika. 6 Menschen verbrandt. 1.000 Menschen bei Erdbeben in Südamerika umgekommen. USA löst ihre Probleme bei den Hinrichtungen mit dem „Elektrischen Stuhl“. Die letzte chinesische Feldarmee unterliegt am Jalufluß. Frau von Bismarck ist verstorben. Ein Erdbeben erschüttert Italien. Wir begehen den 400sten Geburtstag von Hans Sachs.
Der Kaiser und die Kaiserin besuchen am 01. 11. den Gottesdienst, der in den Potsdamer Kommuns des Neuen Palais gehalten wird. Um 10 Uhr empfängt der Monarch auf der Wildparkstation der Eisenbahn den Kronprinzen von Schweden. Am Abend besuchen die Majestäten das Opernhaus zu Berlin.
Furchtbare Panik nach Gasexplosion in der Kaserne des Garde-Jäger-Bataillons. Die anwesenden Herren Offiziere, die im Kasino gerade den Klängen der Bataillonsmusik gelauscht hatten, waren nach dem Knall in dichte Finsterniß versetzt und starr vor Schreck. Zwei der Betroffenen waren am ganzen Leibe mit entsetzlichen Brandwunden bedeckt. Wahrscheinlich war der Gasmesser, der sich hart neben dem Eingang zum Kasino in einem separaten Raume befindet, undicht, so daß es durch die brennenden Lampen zur Explosion kam. Thüren, Fenster und das Inventar wurden zertrümmert. Glassplitter der Fensterscheiben waren bis zum jenseitigen Trottoir geflogen. Man sandte sofort Boten in alle Windrichtungen, um ärztliche Hilfe zu holen, sandte nach Droschken zum Transport der Verunglückten zum Garnisons-Lazareth, alarmierte sofort die Feuerwehr, die Polizei und verständigte die Gasgesellschaft.
Aufsehenderregend auch eine Verhaftung in der Kaserne des Regiments des Garde du Corps in der Neuen Königstraße. Der Wachtmeister Nolting wurde festgenommen. Es habe sich um einen heimlichen Mistverkauf a Fuhre zu neun Mark und andere Unregelmäßigkeiten gehandelt. -
Gerichtsverhandlung: Der Maurergeselle Zimmermann hatte sich das kindliche Vergnügen gemacht, einen anderen in der Alten Luisenstraße beschäftigten Maurer mit Birnen zu bewerfen. Eine aber ging fehl und traf den zufällig vorbeireitenden Sohn des Prinzen Albrecht, beziehentlich dessen Pferd, so daß das Thier scheute. Man glaubte zuerst an das Attentat mit einem gezielten Steinwurf aber eingehende behördliche Recherchen haben den bereits geschilderten Sachverhalt festgestellt. Zur Sühne des frevelhaften Uebermuthes beantragte der Amtsanwalt eine Woche Haft aber der Gerichtshof erkannte wegen groben Unfugs auf 15 Mark Geldstrafe oder ersatzweise drei Tage Haft.
Dezember:
Hauptmann Alfred Dreyfus,ein französischer Offizier jüdischer Abstammung, soll wegen angegebener Spionage zu Gunsten von Deutschland, vor ein französisches Gericht. (Erst in acht Jahren und vielen Kämpfen wird er rehabilitiert werden, da sich der Vorwurf als unrichtig erwies).
Sturmflut an der Nordsee.
Ein Aufstand von Koreanern wurde von Japanern blutig niedergeschlagen.
Auf Kuba wurde ein Aufstand gegen die Spanier entfesselt. In Ungarn bebte die Erde.
Am 08. Dezember: Der Reichstag ist am 5. Dezember, Mittag 11 1/2 Uhr, im Rittersaal des Königlichen Schlosses in Berlin vom Kaiser mit einer Thronrede eröffnet worden.
12. Dezember: Wegen unredlicher Handlungen aber Furcht vor der Strafe hat sich der Husar Ehling aus dem Leib-Husaren-Regiment mit selbstmörderischer Absicht in einen Brunnen gehängt. Jedoch hatten das zeitige Abschneiden und die Versuche zur Wiederbelebung einen so günstigen Erfolg, daß er in den Arrest abgeführt werden konnte.
Ein Gewaltact wurde im Forst hinter dem Kirchhofe (Ravensberge) gegen eine Händlersfrau unternommen. Diese rief beherzt laut um Hilfe, was den Thäter einzuschüchtern vermochte und er die Flucht antrat. Dieser Vorgang mag zur Vorsicht mahnen, daß Damen in der Forst alleine Spaziergänge unternehmen, da vor einigen Jahren dort in den Ravensbergen sogar ein vollendeter Gewaltakt vorgekommen ist. Die Stelle ist bekannt.
1895
Zeitungsmeldungen verschiedener Art:
Februar:
Am 09. Februar kam der Rangierer Hild aus Neuendorf zu Schaden. Er wurde von einer Lokomotive erfaßt, die gerade in den Schuppen für den Kaiserlichen Hofzug einfuhr, und derartig gegen einen Pfeiler gequetscht, daß er besinnungslos, mit einem Beckenbruch ins Krankenhaus gebracht werden mußte.
Winterfolgen. Kälte und Schnee haben den Pferdebestand der Reichspost und der Omnibus- und Pferdebahngesellschaft arg mitgenommen. Hunderte von Thieren, vornehmlich in Berlin, sind erkrankt und stallahm. Viel hat das Salzstreuen den Thieren geschadet.
Unterschlagung. Aus der Neuendorfer Fabrik von Adolf Pitsch wurde Meister Weißgerber entlassen. Er hatte es unterlassen, von dem ihm anvertrauten Gelde die Invalidenmarken für das Fabrikpersonal zu kleben und dieses Geld unterschlagen.
Der Regierungspräsident zu Potsdam hat eine Polizei-Verordnung erlassen, welche bei Geldstrafe bis zu 60 Mark oder entsprechender Haft, verbietet, Luftballons unter Anwendung von Feuer aufsteigen zu lassen.
In Drewitz hat eine Frau ihren Ehemann mit der Geburt ihres gemeinsamen 18. Kindes beglückt. Nun werden weitere erwartet.
Der Gärtner Prokat hat versucht, den Gerichtsschreiber des Amtsgerichts Löhr mit einem sechsläufigen Revolver zu ermorden. Dieser schlug jedoch mit seinem Spazierstock die Waffe zur Seite. Der Flüchtige Thäter wurde in der Brandenburger Straße durch einen Schutzmann festgenommen. Als Grund gab Prokat an, daß er den Verdacht hegte, seine von ihm getrennt lebende Frau unterhielte einen verbotenen Verkehr mit dem Löhr. Deshalb wollte er alle drei erschießen. Die Anschuldigung stellte sich nach Befragung als unzutreffend heraus.
Rußland: Es verlautbart, daß der Zar keine Verfassung, keine demokratischen Veränderungen in diesem Land möchte.
Statistik zum Analphabetentum in Deutschland: Von 1.000 Bürgern können 15 ihre Heirathsurkunde nicht mit ihrem Namenszug unterschreiben.
In Nordamerika wurde ein Eisenbahnzug von Räubern überfallen und ausgeraubt. - Starke Kälte in Nordamerika. Minus 35 °C Kälte. Menschen sind erfroren. In New York liegt der Schnee 6 Zoll hoch. - 3.000 Sozialdemokraten trafen sich in Mannheim zur Versammlung.
1896
Meine gute Mutter Caroline, geb. Keilbach, stirbt am 10. September 96 in Nowawes, Lindenstraße 44 mit 87 1/2 Jahren.
Am 5. Oktober heiratet unsere Tochter Marie, eine praktisch veranlagte, strebsame Frau, die mit beiden Beinen fest auf der Erde steht, den liebevollen, vom Gemüte her zart veranlagten, etwas schüchternen Weber Theodor Steiner. In Nowawes-Neuendorf, Mittelstraße 21 (später Wichgrafstraße 19a), einem Kolonistenhaus neben dem Haus ihrer Schwester Hedwig, werden sie wohnen.
1897
Erste erfolgreiche Versuche der deutschen drahtlosen Telegraphie. Geleitet wurden diese Forschungsarbeiten von Herrn Prof. Dr. h.c. Ing. Slaby, von der Charlottenburger Technischen Hochschule, in Zusammenarbeit mit Herrn Dr. h.c. Georg Graf v. Arco (geb. 30. Aug. 1869, gest. 05. Mai 1940, beerdigt auf dem Südwest-Friedhof der Berliner Synode in Stahnsdorf). Unser Sohn Max, 21jährig, hat die Möglichkeit, mit Mechaniker- und Elektriker-Arbeiten daran teilzunehmen.
Die Telegraphieversuche gehen vom Campagnile der Sacrower Heilandskirche aus, etwa 1.300 m über den Jungfernsee zur Matrosenstation, der K. u. K. Schiffsanlegestelle "Kongsnaes" (des Königs Landzunge) hinüber, in der Schwanenallee Nr. 7, am "Neuen Garten" gelegen. Diese bauliche Anlage des Norwegers Holm Hansen Munthe ist erst im vergangenen Jahr fertiggeworden. Die Holzhäuser riechen noch ganz neu.
Am 27. August 1897 kann in Anwesenheit des Hohen Kaiserlichen Paares das erste Funk-Telegramm mit einem Schreibtelegraphen des Samuel Morse, aber eben völlig ohne Drahtverbindung, über den Jungfernsee gesandt werden. Es übermittelt als Botschaft den Satz:
"Die Welt am Ende des Jahrhunderts steht im Zeichen des Verkehrs"
Es ist schon ein tolles Erlebnis für Max und uns, hier mittendrin dabei gewesen zu sein, bei den Versuchen, bei der handwerklichen Ausgestaltung (jene auch mit Pannen und unter zeitweilig hoher Arbeits-Anspannung). Dabei gewesen zu sein, nicht ohne "Lampenfieber", bei der festlichen, gelungenen Vorführung vor dem Kaiserpaar. Eine große Ehre für ihn.
1899
Meine rastlose Schwester Marie Weltzer, geb. Sommer, zieht am 16. Juli, nach einem Jahrzehnt der Witwenschaft und der Betreuung einer Anzahl von Pflegekindern, nun im 66. Lebensjahr nach Werder an der Havel, Eisenbahnstraße 29, um dort endlich etwas Ruhe zu finden. Sie hatte bisher ein recht aufopferungsvolles Leben, nachdem sie als sehr junge Frau sich der sieben Kinder ihres Mannes aus dessen erster Ehe annahm und dann auch noch einmal sieben eigene Kinder großgezogen hatte.
Am 21. Oktober 99 heiratet Tochter Hedwig den Handelsmann und zweifachen Witwer Friedrich Hermann Knoll, der ebenfalls in der Mittelstraße 9 wohnt, in der Nowaweser Friedrichskirche. Beide ziehen zur Mittelstraße 19.
1905
Am 29. Juli 1905 heiratet unser Sohn Max in Neuendorf die Anna Margarethe Runge. Sie wohnen in der Nowaweser Priesterstraße 68, wo er auch ein Elektrogeschäft eröffnet. Nun sind alle Kinder aus dem Hause. Dieser größte Teil unserer Lebensaufgabe ist geschafft.
1906
Meine gute Frau Elisabeth stirbt am 10. Februar in unserer Wohnung, Nowawes, Mittelstraße 9, nach 47 Jahren einer ordentlich geführten Ehe.
Zwar leben meine Kinder noch alle in Nowawes - ich aber ziehe nun im Alter von 74 Jahren noch einmal um. Und zwar in den Kreis Weststernberg, in die kleine Kreisstadt Reppen.
Dort war früher meines Oheims Carl Sommer (der jüngere Bruder meines Vaters) Ehefrau, eine geb. Keyling gestorben. Das Gebiet um Reppen ist im Gegensatz zu Potsdams Umgebung eher etwas schlicht zu bezeichnen - von Feldmarken umgeben. Was tut's?
1909
In diesem Jahr könnten Elisabeth und ich das Fest der Goldenen Hochzeit begehen, wenn sie mir nicht schon vorausgegangen wäre.
Am 28. Juni sterbe ich in Reppen in meinem 78. Lebensjahr. In Nowawes hatte ich meinen Wohnsitz ordentlich umgemeldet, so dass dort im Standesamt oder in der Friedrichskirche nichts mehr über mein Ableben nachzulesen ist.
Es ist ein glücklicher Teil unseres Lebens, dass wir sterben dürfen. Es geht ja nichts verloren. Vieles, was wir gedacht und versucht haben, lebt in anderen weiter.
Dietmar Schönherr