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Carl Ludwig August (der Jüngere) Dittwald / Dittwaldt
15. Mai 1837 – 06. Juni 1904, aus Massow bei Landsberg (an der Warthe)
und
Alwine Pauline, geborene Zinnow
03. Oktober 1843 – 17. November 1913, aus Nowawes
Unsere gemeinsamen Jahrzehnte im Berliner Süden
Ein Beitrag zur Familienforschung und Heimatgeschichte
Autor und Kontaktpartner für Fragen, Meinungen oder Hinweise: Christoph Janecke,
Stand der Bearbeitung: Dezember 2009, E-Mail: christoph@janecke.name
Bei den oben Genannten handelt es sich um Alteltern des Autors. Wenn du Interesse hast, mehr darüber zu lesen, was sich in dieser Zeit im Leben der Menschen abspielte, so sieh’ bitte auch in die Dokumentationen „Zeitgeschichte“ und „Zeitgenossen“. Zu dem hier vorliegenden Text sind auch verschiedene Bilder, Fotos und Dokumente vorhanden.
Wenn du dich deinen Vorfahren ein wenig nähern möchtest, musst du dorthin gehen, wo sie gewohnt haben, sollst du versuchen, es einmal so zu halten, wie sie gelebt haben.
Die Großeltern | ||
| Vater: Gen 06 / Ahn 36 | Mutter: Gen 06 / Ahn 37 |
Name | Dittwald | Schulze |
Vornamen | Carl Ludwig | Karoline Wilhelmine |
Geboren | vor 1817 | vor 1817 |
Beruf | Zimmergeselle Kolonist in Dechsel bei Landsberg an der Warthe |
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Getraut | wahrscheinlich um 1836 | wahrscheinlich um 1836 |
Gestorben | nach 1864 |
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deren Kinder | |
05 / 18.1 Carl August Ludwig Dittwald | Geboren in Dechsel (Neumark) bei Landsberg an der Warthe am 15. Mai 1837, vormittags 11 Uhr, ehelich. Taufe am 21. Mai 1837. (Dieses Kind führt die Ahnenreihe „in Richtung Janecke“ weiter) |
05 / 18.2 Ernestine Henriette | Geboren in Dechsel, 30. Januar 1840, vorm. Taufe am 06. Februar 1840 oo mit Herrn Neubert aus Nieder-Alvensleben |
05 / 18.3 Augustine Wilhelmine
| Geboren in Dechsel, 23. September 1841, Taufe am 26. September 1841 oo mit Friedrich Grützmann |
05 / 18.4 Maria Luise | Geboren in Massow bei Dechsel, 23 März, 1844 Taufe in Dechsel am 04. April 1844 oo den Kolonisten Karl August Quilitz, Massow |
05 / 18.5 Friedrich Ludwig Wilhelm | Geboren in Massow, 14. Oktober 1848 Taufe am 22. Oktober 1848 |
Von den vorgenannten Kindern betrachten wir nun 05 / 18.1 Carl August Ludwig
Dittwald(t) und seine künftige Ehefrau als Probanden
Die Eltern = Probanden
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Vater: Generation 05 / Ahn 18.1
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Mutter: Generation 05 / Ahn 19 | ||
Name: Vornamen: | Dittwald, später Dittwaldt Carl Ludwig August
| Zinnow Alwine Pauline | ||
Geboren: | Dechsel bei Massow, 15. Mai 1837 Kreis Landsberg (Warthe), Taufe: 21. Mai 1837 KB Dechsel Nr. 16/1837, S. 287
| Nowawes bei Potsdam, 03. Okt. 1843, nachm. 4 Uhr Taufe: 15. Okt. 1843 | ||
Beruf: | Zimmergeselle in Berlin (später Gastwirt)
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Getraut: | Nowawes,Friedrichskirche, 21. August 1864
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Gestorben: | Berlin SO (später Berlin-Kreuzberg) 06. Juni 1904, 67 Jahre
| Zehlendorf bei Berlin, 17. November 1913, 70 Jahre, 1 Monate, 14 Tage
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Die Kinder
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Familienname: Dittwaldt ,Gen. 04 / 9
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Geburts- und Sterbeorte, weitere Lebensdaten
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1.
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Marie |
Geb.: Berlin, März 1865, Gest.: Berlin 26. Sept. 1945, oo Weiland, Gustav, 2 Söhne (Georg und Bruno)
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2.
| Hedwig | Geb.: Berlin, (1869 / 70), Gest.: Berlin 15. Febr. 1948, 77J., oo Berlin, Nov. 1892, Borries, Ernst, 3 Kinder: Kurt, Johannes, Gertrud (als Kind gestorben) | ||
3.
| Pauline Klara Antonie | Geb.: Berlin, 03. Nov. 1872, Gest.: Nowawes, 25. Febr. 1933 oo, Berlin, 15. Sept. 1896, Janecke, Karl Friedrich August | ||
4.
| (Carl Gustav) Max | Geb.: Berlin, 02. Nov. 1874, Taufe: Berlin 29. Nov. 1874, Gest. : Lüneburg, 31. Juli 1953, 1 Tochter | ||
5.
| Alma | Geb.: Berlin 1876, Gest.: Düsseldorf, 26. Mai 1928, 52 J. oo Berlin (1896 … 1904) Zocher, Alfred, ohne Kinder | ||
6. |
Erich
| Geb.: Berlin (1867/68 oder nach 1877), im Kindesalter gestorben | ||
August erzählt uns aus seinem Leben:
1837
Meine geehrten Eltern, Carl Ludwig Dittwald und Karoline Wilhelmine, geb. Schulze, lebten in dem Angerdorf Dechsel, (Ostbrandenburg / Neumark) deren Kreisstadt Landsberg an der Warthe ist. Mein Vater war in Dechsel Kolonist und Zimmermann.
Hier wurde ich als erstes Kind meiner Eltern, am Montag, den 15. Mai 1837 gegen 11 Uhr am Vormittag geboren. Die evangelische Taufe erhielt ich in Dechsel, in der Fachwerk-Kirche, die im Jahre 1749 auf dem Dorfanger erbaut wurde, am Sonntag, den 21. Mai ’37 (Kirchenbuch Dechsel S. 287, 1837, Nr. 16). Um mich zu taufen, kam Herr Prediger Rathenburg aus Lorenzdorf. Alle meine Paten waren zu diesem Anlass versammelt: 1. Hanna Louise Heese, 2. Henriette Dittwald, 3. Henriette Stenigke, 4. Johann Wiebke und 5. Ernst Fiedler, der Fleischer.
Dechsel ist bereits vor 1316 urkundlich erwähnt. Den Ort legte man einst als Angerdorf an. In späteren Jahren wurde daraus eine Durchgangsstraße. Dechsel hatte wegen seiner „günstigen“ Lage an der Durchgangsstraße zwischen Landsberg und Schwerin schon im Dreißigjährigen Kriege sehr unter Plünderungen zu leiden.
1838
Eine der größten Neuigkeiten dieser Weltgeschichte: Der August Dittwald aus Dechsel (also ich) hat in wackligen Übungsstunden das zweibeinige, freihändige Laufen erlernt.
1840
Am 30. Januar gegen 9 Uhr am Vormittag wurde meine Schwester Ernestine Henriette Dittwald geboren. Sie erhielt ihre Taufe am 06. Februar 1840 von Prediger Henseler. Ihr wollen als Taufgevattern zur Seite stehen: 1. Henriette Dittwald, 2. Hanna Louise Heese, 3. Friedrich Königs Ehefrau, 4. Friedrich Wilhelm Stenigke und auch hier der Fleischer Ernst Fiedler, eine herzhafte, praktische Bindung. (Kirchenbuch Seite 414, Nr. 07/ 1840). Meine Baby-Schwester – das weis sie heute noch nicht - wird viel später Herrn Neubert aus dem benachbarten Nieder-Alvensleben ehelichen).
1841
Meine zweite Schwester Augustine Wilhelmine wurde am 23. September 1841 halb 01 Uhr in der Frühe geboren und am 26. September von Prediger Henseler getauft. Als Paten gewannen meine Eltern: 1. Hanna Louise Hensel, 2. Martin Stenigkes Ehefrau, 3. Theodor Fiedler, 4. Wilhelm Stenigke und 5. Schneidermeister Julius Wunnicke. (KB Dechsel S. 475, Nr. 37/1841. Diese meine Schwester Augustine Wilhelmine heiratet später den Hausmann Friedrich Grützmann in Massow).
Als ich im Alter von viereinhalb Jahren stand, also im späten Herbste, zog unsere Familie von Dechsel nach Massow um. Dieses kleine Dorf ist ein „Schwesterdorf“ vom etwa ebenso kleinen Nieder-Alvensleben. Beide Dörfer sind nur einen „Katzensprung“ von Dechsel entfernt und der sandige Verbindungsweg ist mit schönen, schattenspendenden Ahornbäumen überkront.
Das Dorf erlebte seine Gründung im Jahre 1770 und man benannte es zur Ehrung des Ministers Massow mit diesem Namen. Zur Gründungszeit wohnten hier auf 32 Grundstücken eben so viele Familien. Jeder Familie wurde ein Haus, ein Stall und fünf Morgen Land zugemessen. Zu den Erstbewohnern zählte noch niemand, der den Namen Dittwald trug.
1843
In diesem Jahr beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Was man so leichthin „Besuch“ der Schule nennt, stellt sich in Wirklichkeit als eine achtjährige Pflicht dar. Was ich noch nicht wissen kann, ist, dass just in diesem Herbst, da für mich das Drücken der Schulbank anhebt, in dem Ort Nowawes bei Potsdam meine spätere Ehefrau geboren wird.
1844
Am 23. März erhalte ich mein nächstes Schwesterchen gegen 9 ½ Uhr. Es ist Marie Luise, (die später von Karl August Quilitz, ebenfalls aus Massow, zum Traualtar in Dechsel geführt wird). Vorerst aber ist ihre Taufe an der Reihe. Natürlich wieder in Dechsel, denn die paar Häuser von Massow haben keine eigene Kirche, sind damit aber, weiß Gott, mitnichten religionslos. Den Heiligen Akt des Taufens vollzieht wie gewohnt Herr Prediger Henseler. Als Taufzeugen dienen diesmal: 1. Auguste Werner, 2. Gottfried Senfts Ehefrau (wie hieß sie noch gleich?), 3. Auguste Geschke, 4. Julius Wunnicke und 5. Ludwig Wiesenthal. Das alles steht im Dechseler Kirchenbuch auf der Seite 570, Nr.07 / 1844.
1848, längst habe ich das 10. Lebensjahr vollendet
Jetzt bin ich nicht mehr so allein unter den vielen Frauenzimmern, denn am 14. Oktober, früh 01 Uhr, wird mein einziges, letztes und jüngstes Brüderchen Friedrich Ludwig Wilhelm geboren. Mein Lieblingsbruder! Taufe am 22. Oktober, wie üblich bei Prediger Henseler in Dechsel. Meine Eltern sprachen zur Patenschaft für ihn mit Erfolg an: 1. Caroline Werner, 2. Wilhelmine Schallert, 3. Wilhelm Stenigke, 4. Julius Wunnicke und 5. Julius Jonas, (KB in Dechsel, auf Seite 732, Nr. 36 / 1848). Ihr seht schon an der Häufigkeit der Patenschaftsbeziehungen, dass es in einem so kleinen Dorfe keine großen Auswahlmöglichkeiten gibt. Und es gibt ja so viele Dittwalds. Meine Eltern wissen, dass es engere verwandtschaftliche Beziehungen zu Trägern gleichen Namens z. B. nach den Dörfern: Also Dechsel und Massow sowieso und darüber hinaus nach Johanneswunsch, Eulam, Jahnsfelde, Nieder-Alvensleben, Egloffstein, Rodenthal und ganz gewiss noch nach weiteren Orten gibt.
Die Zukunft weiß, dass Fri Lu Wilhelm mir brüderlich nacheifern wird: Auch er wird später den edlen Beruf des Zimmererhandwerks erlernen, nach Berlin ziehen, auch er wird sich dann „Dittwaldt“ schreiben und auch bei Nowaweser und Potsdamer Zimmerleuten verkehren. So sind wir z. B. bei dem Potsdamer Zimmermann Mahnkopf gemeinsam zu Gast (siehe Ahnenaufstellung „Sommer“) und schließlich werde ich auch meine Frau durch die Pflege des beruflichen Freundeskreises kennen lernen. Wollen wir aber nicht vorgreifen.
1851
Inzwischen bin ich schon 14 Jahre alt und habe die Schulzeit beendet. Nun ist es an der Zeit beruflich weiter zu lernen. Vater ist Zimmermann. Ich habe ihm schon häufig zugeschaut und manchen Griff abgeguckt, Hand mit angelegt. Es zeigt sich als zweckmäßig, ebenfalls Zimmermann zu werden. In Landsberg und Umgebung wird viel gebaut und das Handwerk, so sagt man, habe „goldenen Boden“. Den Umgang mit dem Naturstoff Holz bin ich gewohnt und er scheint mir recht angenehm.
1855
Schwupp – so vergehen die Jahre! Um diese Zeit beende ich die Lehre und bin nun Zimmergeselle.
1856
Reste des Neandertaler Menschen werden bei Düsseldorf gefunden. Das hat nun aber rein gar nichts mit meiner Familie zu tun. Doch wir alle wissen ja: Es gibt noch mehr Interessantes auf der Erde.
1857
In diesem Jahr bin ich schon zwanzig Jahre alt.
Um 1860
Mit meinem Umzug in die weite Welt, in die preußische Metropole, ändere ich ein bisschen unwesentlich meinen Namen. Hieß ich bisher Dittwald, so werde ich mich künftig Dittwaldt schreiben. Es hört sich doch ohnehin genauso an.
Hier in Berlin lebe ich in der Schützenstraße 27, unweit der Friedrichstraße und arbeite bereits als Zimmerpolier.
1861
Der König ist tot – es lebe der König! Am 02. Januar ist unser König Friedrich Wilhelm IV. verschieden. Sein Bruder Wilhelm, der Kartätschenprinz von 1848, der ja bereits seit zwei Jahren Regent war, erreicht nun als Thronnachfolger die Königswürde.
Das erste brauchbare Telefon baute Philipp Reis. Unvorstellbar, wie die Worte, wenn auch elektrisch zweimal umgewandelt, durch den haardünnen Draht kommen.
1862
Bismarck wird Ministerpräsident von Preußen. Er will die großen Fragen der Zeit nicht im Parlament zerreden lassen, sondern diese effektiv durch „Blut und Eisen“ regeln. Er ist ja schon als „Schmied“ bekannt, der das Eisen kraftvoll formt, bevor es abkühlend erstarrt. Er ist sowohl der Mann für's Grobe, als auch für „Winkelzüge in der Politik“.
Mit Dampfkraft wird die Überquerung des Atlantischen Meeres jetzt bereits in reichlich acht Tagen bewältigt. Von und natürlich auch nach Berlin führen inzwischen schon sieben Eisenbahnlinien in alle Himmelsrichtungen, die jeweils vor den Toren der Stadt enden. 42 Züge gehen an jedem Tage von Berlin ab.
1863
Vor einiger Zeit habe ich wieder ein Mädel kennen gelernt. Sie wohnt in Nowawes und heißt Alwine Zinnow. Ihr Vater ist auch Zimmergeselle. So habe ich bei ihm einen beruflichen Verständnisvorteil und Alwine kennt auch schon so manches aus der Art unseres männlichen Broterwerbes.
Wir werden uns bald darüber einig, dass wir unser Leben gemeinsam fortsetzen wollen. Alwinchen möcht' ich sie so gerne nennen, kann es aber fasst nicht sagen, denn sie ist ja ein großes, kräftiges und ansehnliches Weibsbild von 19 Jahren und ich zähle jetzt 26 Lenze.
1864
Für das kirchliche Aufgebot in Alwines Wohnort sprechen wir den Hausherrn der Friedrichskirche in Nowawes, Herrn Pfarrer Groote an, denn dort, wo ihre Angehörigen leben, wo Alwine damals über das Taufbecken gehalten wurde, wollen wir auch gern heiraten.
Die für meine Wohnumgebung zuständige Berliner Kirche ist die Jerusalemkirche. Auch hier ist das Aufgebot zu bestellen. Unsere Absicht wurde also am 31. Juli, am 07. und am 14. August bekannt gegeben und es hatte gar niemand gegen unsere Verbindung jedwede Einwendungen. Das wäre ja auch „noch schöner“ gewesen. Mein Vater hatte seine Einwilligung zu unserer Heirat aus Massow schriftlich für die Pfarrer übersandt.
Das Kirchenbuch der evangelischen Jerusalem – Kirchengemeinde zu Berlin, Aufgebote, Seite 131, Monat August 1864, belegt das Hochzeits-Aufgebot der Brautleute Dittwaldt / Zinnow:
Der Bräutigam: Carl Ludwig August Dittwaldt, 27 Jahre alt, von Beruf Zimmergeselle, wohnend in Berlin, Schützenstraße 27. Dessen Vater: Carl Ludwig Dittwald, Zimmergeselle in Massow (bei Landsberg).
Die Braut: Jungfrau Alwine Pauline Zinnow, 20 Jahre alt, aus Nowawes. Deren Vater: Friedrich Wilhelm Zinnow, Zimmergeselle in Nowawes.
(Die Hochzeit aber fand in der Friedrichskirche zu Nowawes statt).
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Die Jerusalem-Kirche in der Stadt Berlin Sie stand an der Grenze der späteren Stadtbezirke Mitte und Kreuzberg
Der Bau entstand im Jahre 1484 als „Capelle Hierusalem“. In den Jahren 1689 bis 1693 baute Giovanni Simonetti (1652 – 1716) die Kapelle erweiternd um. 1728 – 1731: Eine Erweiterung durch Philipp Gerlach brachte die Kirche auf ein stolzes Maß von 35 m x 16 m Grundfläche. Die Kirche stand an der Kreuzung der Straßen: Jerusalemer Straße (später: Kochstraße) / Lindenstraße / Oranienstraße. Sie war die älteste Kirche „der Friedrichstadt“. 1838 erfolgte ein weiterer Umbau nach dem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel. Bei dem letzten Umbau, 1878 / 1879 durch Edmund Knobloch, versah man das Haus mit einer Verkleidung aus Backstein und Terrakotten. Nach Bombentreffern am Ende des Zweiten Weltkrieges, am 3. Februar und 2. März 1945 brannte die Kirche aus. Die Kirchenruine wird am 9. März 1961 gesprengt. Sie war rund 500 Jahre alt und mit 1.366 Sitzplätzen eine der größten Kirchen der Stadt Berlin. Auf dem Grundstück wurde nach 1961 das Haus des Axel-Springer-Verlages errichtet. |
Meine Alwine wurde am 03. Oktober 1843 in der Nowaweser Priesterstraße 60 geboren und am 15. Oktober in der Friedrichskirche von Pfarrer Steinmeyer getauft. (KB Seite 72, Nr. 115 / 1843. Als Paten hatte sie: 1. Maler Brendel, 2. Webermeister Smetana, dessen Vorfahren vor rund 80 Jahren aus Böhmen in diese neue Kolonie der Weber und Spinner eingewandert waren sowie 3. die Jungfrau Louise Perlewitz aus Stolpe bei Nowawes.
Hier die Familie meiner Frau:
Die Eltern | ||
| Vater: Generation 06 / Ahn38 | Mutter: Generation 06 / 39 |
Name | Zinnow | Rohde / Rothe |
Vornamen | Johann Friedrich Wilhelm | Sophie Friederike |
Geboren | Stolpe bei Nowawes am 18. September 1803 | Stolpe bei Nowawes, 18. September 1801 |
Beruf | Zimmergeselle Eigentümer |
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Getraut | Stolpe, am 15. August 1829 | durch Prediger Stöwe |
Gestorben | Nowawes, 18. Februar 1873 | Nowawes, 18. Dezember 1878 |
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Die Kinder | ||
05 / 19.1 Charlotte Friederike | Geboren in Stolpe am 24. September 1830 Getauft 17. Oktober 1830 oo Tischlermeister August Gericke aus Nowawes | |
Ein Töchterchen | tot geboren, Nowawes am 01. März 1833 | |
Ein Söhnchen | tot geboren, Nowawes, 27. Oktober 1834 | |
05 / 19.2 Charlotte Louise Auguste | Geboren in Nowawes am 08. November 1835 oo Friedrich Albert Gottlieb Sotscheck, Lehrer in Liebätz | |
05 / 19. 3 Friedrich Wilhelm Albert | Geboren in Nowawes am 31. Dezember 1838 | |
05 / 19.4 Alwine Pauline Zinnow | Geboren in Nowawes am 03. Oktober 1843 oo Carl Ludwig August Dittwald / Dittwaldt. (Dieses Kind führt die Ahnenreihe „in Richtung Janecke“ weiter. | |
Der Vater von Alwine, Johann Friedrich Wilhelm Zinnow, war das 10. und letzte Kind seiner Eltern, geboren am 18. September 1803 in Stolpe, Kreis Teltow (auf dem halben Wege zwischen Potsdam und Zehlendorf gelegen – diese Erläuterung scheint mir wichtig, denn es gibt ja über 60 Dörfer dieses Namens). Ihre Mutter ist Sophie Friederike Zinnow, geb. Rohde, die gleichfalls aus Stolpe stammt. Sie heirateten damals noch in Stolpe, zogen dann aber bald nach der Geburt der ersten Tochter, Charlotte Friederike, nach Nowawes, Priesterstraße 60. Sie haben vier erwachsene Kinder.
Unsere Trauung fand also im Heimatort meiner lieben Alwine, in Nowawes statt; am Sonntage, den 21. August 1864 in der Friedrichskirche (Kirchenbucheintrag 1864 Nr. 37). (Oh, ha – hatte der Pfarrer doch noch „Jungfer Alwine“ zur Hochzeit in das Kirchenbuch geschrieben – na, Irrtümer sind rein menschlich. Er war ja auch damals nicht zugegen. Vielleicht hatte Alwinchen aber auch eine Antwort auf die indiskrete, ihr hochnotpeinlich erscheinende Befragung, auf die sie nicht vorbereitet war, zu undeutlich gemurmelt, so dass es zu ihren Gunsten, zu jenem „unschuldig reinen Ergebnis“ kam. Was geht’s auch schließlich andre Leute an?)
Nach unserer Hochzeit beziehen wir eine Wohnung im Berliner Süden, in der Wilhelmstraße 146, Hof I. (Anmerkung: nachgewiesen ab 1866) Hier werden wir nun das kommende Jahrzehnt, bis 1874, wohnen. Das Haus gehört der Erbengemeinschaft „Geschwister Jannoch“, vorher der Witwe Marie Jannoch und früher ihrem Ehemann, dem Fabrikanten Krüsteck. Mit uns wohnen hier folgende Mieter: 1. Baumann, der Tapezierer; 2. Geschke, Seidenwirker; 3. Gräbert, Seidenwirker; 4. König, Kaufmann; 5. Jannoch, Tischler; 6. Kreisch, Tischler; 7. Rienitz, Gürtler; 8. Miehlnickel, Schneider; 9. Büttner, Wittwe; 10. Girnau, Leihamtsbeamter; 11. Jannoch II, Lithograph; 12. Jannoch III, Wittwe; 13. Krepper, Calculator und 14. Rienitz II, Maler.
Das Grundstück liegt fast unmittelbar am Belle-Alliance-Platz. Name und Gestaltung des Platzes erinnern an die Waffenbrüderschaft während der Befreiungskriege 1813 – 1815 gegen die napoleonische Besetzung. Wenn wir aus dem Hause treten, sehen wir im Mittelpunkt des Platzes die Friedenssäule von Cantian mit dem schönen Friedensengel aus Bronze von Christian Daniel Rauch.
Was aber gab es noch in diesem Jahr, außer unserer friedlichen Hochzeit? Gar manches wohl: So zum Beispiel stehen Preußen und Österreich, diesmal verbündet, im Kampf gegen Dänemark um Schleswig Holstein. Die Allianz gewinnt den Krieg und Preußen das Land.
1865
Am 17. Januar 1865 heiratet meine Schwägerin, Alwines ältere Schwester, Luise Auguste Zinnow in Nowawes den Lehrer und Küster Friedrich Albert Gottlieb Sotscheck (in Liebätz).
Im Frühjahr wird Alwine von unserer ersten Tochter, nach der üblichen Zeit der Schwangerschaft entbunden. Also dieses Mädchen erhält den Namen Marie. (Erst die spätere Zukunft wird es wissen, dass sie bis in ihr 80. Lebensjahr in Berlin leben wird).
Mein Schwager Friedrich Wilhelm Albert Zinnow aus Nowawes, also ein Bruder meiner lieben Frau, heiratet am 07. Mai. Die Hochzeit allerdings wird in der altmärkischen Stadt Stendal gefeiert, da die Braute, Johanne Sophie Amalie Thorau, dort ihren Stammsitz hat.
Den amerikanischen Bürgerkrieg gewinnen die Nordstaaten. Der President der USA, Mr. Abraham Lincoln wird als Sklavenbefreier beschimpft und deswegen ermordet.
Zwischen Europa und den USA wird eine 3.500 Kilometer lange und seewasserfeste Leitung verlegt, um besser miteinander reden oder sich schnell schreiben zu können. Man gab dieser Leitung die merkwürdige Bezeichnung „Unterwasser-Übersee-Kabel“.
1866
Schon wieder befinden wir uns in einem Kriege. Diesmal Preußen gegen Österreich, wegen der gewünschten Vorherrschaftsstellung in Europa (Einigungskrieg bei Bad Langensalza).
In der Chirurgie werden Worte wie Desinfektion und Antiseptik eingeführt und dazu auch die entsprechenden Methoden praktiziert, um faulende, stinkende Wunden, Wundbrand, Fieber und Tod zurückzudrängen. Die Kriege bieten ja ein leider reichliches Betätigungsfeld.
1867
Am 18. Februar '67 wird unser Sohn Carl Adolf geboren. Am 24. März ist die Taufe in der Neuen Kirche. Leider wird er uns nicht lange bei der Wanderung über diese Erde begleiten.
Unsere Wohnungsvermieter, die Erbengemeinschaft Jannoch, beantragt bei der Stadt, hier auf dem Grundstück zwischen der Wilhelmstraße und der Anhaltischen Communikation (spätere Königgrätzer Straße) einen Lagerplatz für Brennstoffe einzurichten. Das verspricht dann für uns etwas ungemütlicher zu werden (aber vorerst ist es ja noch nicht so weit).
Inzwischen bin ich 30 Jahre alt und Alwine 24 Lenze jung.
Man hört, der russische Zar verkauft Alaska für einen angenommenen Gegenwert von 7,2 Millionen Dollar an die USA. Eine gewaltige Stange Geld. Aber für ein so riesiges Stück Land – noch weiß ja niemand, was vielleicht wertvolles im Boden steckt. Diese „Katze im Sack“ kann also bestenfalls wertvoller sein, als sie äußerlich erscheint. Und nun grenzt Russland plötzlich nicht mehr direkt an die USA – plötzlich befindet sich die Grenze unbeschreiblich weit nördlicher und es liegt eine Meerenge zwischen den Riesen.
1869
August Bebel und Wilhelm Liebknecht gründen in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei.
1870
In diesem Jahr lassen wir unser zweites Kind das Licht dieser Welt erblicken. Wir wollen sie Hedwig heißen. Hedwig Auguste Antonie geboren am 12. Oktober, getauft am 30. Oktober. (Noch wissen wir natürlich nicht, dass sie ein Leben von 77 Jahren durch Berlin gehen wird.)
Friede in unserer kleinen Welt, Krieg in der großen. Schon wieder! Krieg zwischen Preußen und Frankreich. Preußen gewinnt militärisch. Der Preußische König Wilhelm I. wird nun gleichermaßen Deutscher Kaiser. Kaiser der Deutschen? Kaiser in Deutschland.
1871
Seine Krönung zu dieser neuen Kaiser-Würde findet nun aber nicht etwa in den preußischen Residenzen Berlin oder Potsdam statt, sondern am 18. Januar '71 im gerade gebeugten Frankreich, im Spiegelsaal des Schlosses Versailles bei Paris.
In diesem Jahr gibt es auch etwas für uns, und zwar offene Korrespondenzkarten (also keine gefaltet zugeklebten Bögen), denen bald bebilderte Ansichtskarten folgen. Das Bild kann man mit Mitteilungen und Grüßen schmücken, die Rückseite muss aber (bis 1905) streng frei bleiben für die postalischen Angaben für Adresse und Absender. und für amtliche Zustellanmerkungen und nicht zu vergessen: Für die schöne Marke.
1872
Unser drittes Kind ist Klara. Pauline Klara Antonie, die am Sonntag, den 03. November in der Wilhelmstraße 146, Hof I, geboren wird. (Ihr wird es beschieden sein, 60 Jahre auf dieser Erde zu weilen, die sie in Berlin-Süd, Rixdorf, Neuendorf bei Potsdam, Britz und Nowawes durchleben wird).
Unsere Vermieter, die Geschwister Jannoch verkaufen das Mietgrundstück No. 146 an die Rentiere Gottlieb Fredrich und Albert Weber aus der Skalitzer Straße 20. Das sind nun unsere neuen Herren, die aber keinen staubigen, lärmenden Brennstofflagerplatz wollen.
Seit der Zeit bald nach der Kaiserkrönung gibt es auch neue Briefmarken - für Norddeutschland noch mit Thalern und Groschen als Währung, für Süddeutschland mit Gulden und Kreuzern. Diese Unterschiede werden nun für ein Deutschland vereinheitlicht. Nun gibt es nur noch die Briefmarken in den Frankaturwerten von Mark und Pfennig. Es wird das bisherige Sexagesimalsystem der Zahlen auf das neue Dezimalsystem umgestellt. Das bedeutet – fast alles „gerät durcheinander“. Das Dutzend wird ungültig, genauso wie die Mandel und das Schock. Auch die Längeneinteilung in Ruten zählt nicht mehr. Fuß und Elle sind passé. Sechser gibt es nicht mehr, sondern Fünf-Pfennig-Stücke und so weiter. Alles sehr ungewohnt für uns. Man rechnet im Geiste immer noch um, wie wir es bisher gewohnt waren.
1873
In Nowawes stirbt am 18. Februar 1873 mein Schwiegervater, der Zimmergeselle und Kirchenälteste Johann Friedrich Wilhelm Zinnow im Hause Priesterstraße 7 in seinem 69. Lebensjahr und er wird am 21. Februar auf dem Kirchhof der Friedrichskirche an der Mittelstraße begraben.
Er litt schon seit längerer Zeit an Magenproblemen. Meine Schwiegermutter, Sophie Friederike (eine in Stolpe geborene Rohde / Rothe), wird die Wohnung im Hause Priesterstraße 7, gegen eine kleinere im Nachbarhaus Nr. 8 tauschen. Das bedeutet keinen großen Umzug.
Alwine begeht das 30. Lebensjahr, ich stehe im 36. Mit der schweren handwerklichen Tätigkeit sollte ich „kürzer treten“, denke ich und besser einen Familienbetrieb gründen.
Da käme doch beispielsweise eine Schankwirtschaft in Betracht. Ich sehe in der Umgebung, dass dieses Gewerbe vorzüglich floriert und die neu gebauten Gegenden sind jedenfalls noch unterversorgt. mit gastlichen Stätten für Speis' und Trank.
In unserer deutschen Hauptstadt beginnt man mit der Lösung der schwierigen Aufgabe, eine zentrale Abwasserkanalisation zu bauen. So werden die „verhältnismäßig sauberen Abwässer“ nicht mehr in den Rinnstein gegossen und die „Nacht-Emmas“ müssen nicht mehr unsere Nachtgeschirre leeren.
1874
Am 02. November wird unser Kind Max geboren. Carl Gustav Max. Getauft wird er am 29. November ’74. Gewiss wird er vorerst der Lieblingsbruder seiner großen Schwestern sein. Später wird er sich stärker zu Margarethe Goeritz hingezogen fühlen, die er heiratet. (78 Jahre wird er erreichen, trotz der Entbehrungen in zwei Weltkriegen, die ja Millionen von Menschen betrafen).
1875
Adé, du Wilhelmstraße! Im Hause Oranienstraße 174 haben wir in den Mieträumen des Hochparterres eine Schankwirtschaft geöffnet, die sich zum Restaurant entwickelt. Das Haus steht recht verkehrsgünstig, zwischen Oranienplatz und der südlich gelegenen Hochbahn, kurz vor der Adalbertstraße. Das Haus ist noch ziemlich neu; erst nach 1850 wurde es errichtet. Der Name der Straße geht auf das kleine Fürstentum Orange zurück, das im Süden Frankreichs liegt. Auf mehr als acht Meter verglaster Straßenfront erstreckt sich der Gastraum mit etwa 40 qm Grundfläche. Hell und freundlich. 25 Leute finden bequem Platz – bei 1,6 qm Fläche pro Nase. Eigentlich wollten wir gern noch einen Billardtisch aufstellen, hätten dann aber auf zwei Tische = 10 Gästeplätze verzichten müssen. So haben wir ihn einfach von der Anschaffungsliste abgesetzt. Und schon gespart. Hinter dem Gastraum liegen die Küche und das Vorratslager. Wenn alles gut läuft werden wir weiter sparen und uns dann später etwas ganz Eigenes schaffen. Das ist unser Wunschtraum. Zehn Jahre haben wir dafür in unserer Lebensplanung angesetzt.
Andere Menschen gehen dagegen ganz anderen Interessen nach. Heinrich Schliemann zum Beispiel hat sich als Lebensziel gesetzt, die verschollene Stadt Troja zu finden, nicht um eine Fahne mit seinem Namen darauf zu pflanzen, sondern um sie dann anschließend auszugraben. Und natürlich ihre Schätze zu heben. Aber das ist ein weiteres schwieriges Kapitel, denn solche vermuteten Schätze liegen ja eben nicht im Deutschen Staatsgebiet. Da sind unsere Lebensplanungen doch eher bescheiden, für uns aber mit Aussicht auf einen sichereren Erfolg.
1876
In diesem Jahr kommt aus unserer Familie wieder ein Mädchen zur Welt. Wir wollen sie Alma nennen. (Ihr wird nur ein Leben bis ins 52. Jahr beschieden sein).
Zu diesem Anlass lassen wir im Atelier eine photographische Aufnahme mit Alwine in der Schar unserer Kinder anfertigen. Es war für alle eine harte Geduldsprobe, so lange den Kopf, die Arme und die Beine still zu halten.
Ebenfalls neues Leben, allerdings künstliches, schöpfte Nikolaus Otto. Er hat einen “Viertakt-Benzin-Motor“ erfunden. Diese technische Bezeichnung hat aber nichts mit Musiktheorie zu tun, selbst wenn das Knallen und knattern, seinem Erfinder als solche erscheinen mag.
1877
Alwine ist noch 34 Jahre jung, ich stehe inzwischen schon im Alter von 40 Jahren.
Hier nun die Zusammenfassung unserer eigenen Familie:
Die Eltern
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Vater: Generation 05 / Ahn 18.1
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Mutter: Generation 05 / Ahn 19 | ||
Name:
Vornamen:
Geboren:
Getraut:
Gestorben:
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Dittwald, später Dittwaldt
Carl Ludwig August
Dechsel bei Massow, 15. Mai 1837 Kreis Landsberg (Warthe), Taufe: 21. Mai 1837 KB Dechsel Nr. 16/1837, S. 287
Zimmergeselle in Berlin (später Gastwirt)
Nowawes, 21. August 1864 In der Friedrichskirche
Berlin (später Berlin-Kreuzberg) 06. Juni 1904, 67 J.
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Zinnow
Alwine Pauline
Nowawes bei Potsdam, 03. Okt. 1843, nachm. 4 Uhr Taufe: 15. Okt. 1843
Nowawes, 21. August 1864
Zehlendorf bei Berlin, 17. Nov. 1913, 70 J, 1 M., 14 T. | ||
Die Kinder
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Familienname: Dittwaldt ,Gen. 04/9
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Geburts- und Sterbeorte, weitere Lebensdaten
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1.
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Marie |
Geb.: Berlin, März 1865, Gest.: Berlin 26. Sept. 1945, oo Weiland, Gustav, 2 Söhne (Georg und Bruno)
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2.
| Hedwig | Geb.: Berlin, (1869 / 70), Gest.: Berlin 15. Febr. 1948, 77J., oo Berlin, Nov. 1892, Borries, Ernst, 3 Kinder: Kurt, Johannes, Gertrud (als Kind gestorben) | ||
3.
| Pauline Klara Antonie | Geb.: Berlin, 03. Nov. 1872, Gest.: Nowawes, 25. Febr. 1933 oo, Berlin, 15. Sept. 1896, Janecke, Karl Friedrich August | ||
4.
| (Carl Gustav) Max | Geb.: Berlin, 02. Nov. 1874, Taufe: Berlin 29. Nov. 1874, Gest. : Lüneburg, 31. Juli 1953, 1 Tochter | ||
5.
| Alma | Geb.: Berlin 1876, Gest.: Düsseldorf, 26. Mai 1928, 52 J. Oo Berlin (1896 … 1904) Zocher, Alfred ohne Kinder | ||
6. |
Erich
| Geb.: Berlin (1867/68 oder nach 1877), im Kindesalter gestorben | ||
Die erste Telefonverbindung (zwei Anschlüsse) wurde hier in Berlin verdrahtet. Wenn das Mode wird – wie viele Botengänge kann man dann täglich einsparen aber die vielen Verbindungsdrähte durch die Luft, wie Spinnennetze – unvorstellbar. Und was machen dann die überflüssigen Boten? Und die Schuhmacher, und, und, und?
1878
Mein Schwager, der Lehrer und Küster in Liebätz, Gottlieb Sotscheck, ist kürzlich verstorben. Seine bisherige Ehefrau, Auguste (Sotscheck, geb. Zinnow, die Schwester meiner Frau) zieht daher nach Berlin-Süd, in das Haus Bethanienstraße 7, um in der Boppstraße No. 6 eine Mehl- und Vorkosthandlung zu eröffnen und sich hiermit den Lebensunterhalt zu verdienen.
Am 18. Dezember stirbt in Nowawes auch meine Schwiegermutter Sophie Friederike Zinnow, geb. Rohde mit 77 Jahren an Leber- und Magenkrebs. Ihre Eltern waren Johann Gerhard Rohde (Rothe) und Sophie Luise Schmaedicke, beide aus Stolpe stammend. (Das Dorf Stolpe liegt zwischen Nowawes und Zehlendorf bei Berlin).
Noch ein Söhnchen „Erich“ wird uns geboren, der jedoch schon bald wieder die Erde verlässt. Er soll unser letztes Kind gewesen sein.
Zwei Attentate gab es im zurückliegenden Jahr auf Kaiser Wilhelm I., denen er aber nicht zum Opfer fiel.
1879
Siemens und Halske bauten kürzlich die erste elektrische Lokomotive der Welt. Es ist eine recht kleine kräftige Maschine, der man einige Wägelchen angehängt hat. So zuckelt der Zug zur Beförderung von Personen durch die Berliner Gewerbeausstellung.
1880
Mächtig bietet sich der Anblick der Halle des neuen Anhalter Bahnhofs dar.
Am Potsdamer Platz und in der Leipziger Straße wird in Berlin die Nacht zum Tage gemacht. Firma Siemens stellt dort die erste elektrische Straßenbeleuchtung auf.
Versuchsweise beginnt man in einigen Straßen das Katzenkopfpflaster mit einer Asphaltschicht zu überdecken. Darauf rollt es glatt und leise.
Verschiedene Keime, die übertragbare Krankheiten verursachen können, wurden von Wissenschaftlern erkannt und mit „Bakterien“ benannt.
1881
Mitmieter von uns sind in der Oranienstraße 174: 1. Dittwaldt, Schankwirt – ist ja klar; 2. Hornburg, ein Seiler; 3. Albrecht, Töpfer; 4. Meinhardt, Möbelfabrik, 5. Krüger, Plätterin; 6. Lieder, Bildhauer; 7. Mertin, Tischler; 8. Müller, Silberarbeiter; 9. Pöpping, Schneider; 10. Schulz, Bildhauer; 11. Schulz II, Konditor; 12. Trepplin, Drechsler und 13. Stolzenwald, Buchdrucker.
Eine Schreckensnachricht: Der russische Zar Alexander II. erliegt einem Bombenattentat.
Siemens und Halske bauen die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Sie rollt auf einem Gleis vom Bahnhof Lichterfelde-Ost bis zur Hauptkadettenanstalt. Die Versuchsfahrt mit Prominenz übertrifft alle Erwartungen an Komfort und Geschwindigkeit. Nur mit der halben Geschwindigkeit des Möglichen, also 20 km in der Stunde, darf sie dann im regulären Verkehr rollen.
Das Berliner Telefonnetz hat nun schon 99 Anschlüsse. Dazu gibt es das „Buch der 99 Namen“, damit man weiß, wen man erreichen könnte, wenn man wollte (und selber in diesem Buche steht). Eine ausführliche Anweisung, was alles man im Interesse eines ungestörten Sprechverkehrs zu tun und auch zu lassen hat, gehört zum Inhalt des Buches.
1882
Einige wenige Haushalte besitzen bereits Glühlampenlicht. Vorherrschend ist aber die Petroleumlampe oder das vornehmere Kerzenlicht. Im Zentralhotel am Bahnhof Friedrichstraße können wir den neuen Palmengarten (in der überglasten Halle) bewundern. Wenn man doch so unsere Gaststätte ausstatten könnte – das wäre eine Attraktion!
Der berühmte Humanchirurg, Herr Dr. Ernst von Bergman, der in der Potsdamer Berliner Straße wohnt und sowohl in Berlin, als auch in Potsdam arbeitet, hat, wie man hört, in seinem Bereich die vor Blut und Eiter steifen schwarzen Operationsfräcke ab- und dafür helle, leicht waschbare Kittel und Schürzen angeschafft. Er kämpft mit Sauberkeit und scharfen Reinigungsmitteln (Desinfektionsmitteln) gegen das tödliche Wundfieber.
Siemens und Halske lassen erstmals einen elektrischen Bus über Berlins Holperpflaster rollen. Den Strom erhält der Motor genau wie bei der Straßenbahn von einer Oberleitung.
1883
In Berlin wird viel gebaut. In den neuen Straße, dem späteren „Kottbusser Damm“ haben wir uns ein Grundstück, eine Baustelle, ausgesucht. Jahrelang bestand hier eine wilde, ungeordnete Hüttenansammlung obdachloser Familien, die von der Obrigkeit mangels geeigneter Lösungen zeitweilig geduldet wurde. Jenes Gebiet wurde kürzlich beräumt und wird nunmehr als Bauland erschlossen.
Wir haben inzwischen soviel angespart, dass wir, natürlich mit dem großmächtigen Bankkredit, den Auftrag für den Bau unseres eigenen Hauses erteilen können. Im Erdgeschoss wird rechts unsere künftige Schankwirtschaft und links vom Hausflur ein Laden zum Vermieten Platz finden, darüber in der Belle-Etage werden wir wohnen und darüber erheben sich nochmals vier Etagen für Mietwohnungen. Insgesamt wird das Haus also sechs obere Stockwerke und natürlich ein Kellergeschoss besitzen. Die Mieten sollen den Kredit tilgen. Die Restaurantküche darf nicht zu klein werden. Daher müssen wir sie aus dem Hauptgebäude hinausreichend, noch etwas in den Hof „hinausziehen“ und darüber findet bestimmt noch eine schöne Veranda Platz oder aber ein Gästezimmer.
Grundstücks- oder Hausnummern gibt es für die neue Straße ja noch nicht. So heißt es vorerst „das Dittwaldtsche Grundstück“. Auch schön. Schon eine gute Reklame.
Die Erde und das Meer werden erschüttert von den heftigen Ausbrüchen des Vulkan Krakatau in Indonesien und auch wir von den Berichten über die grausamen Verwüstungen und Menschenopfer.
1884
Unsere Bau- und Veränderungspläne fügen sich vortrefflich in den vorgesehenen Zeitrahmen. Von „unserem“ alten Wohngrundstück, Wilhelmstraße 146, wurde uns bekannt, dass jetzt am 21. Mai der Baupolizei-Lieutenant Mappes wesentliche Baumängel im Hause feststellte und den Hauszustand mit dem Prädikat „abbruchreif“ würdigte. Alle Mieter müssen raus.
Am 08. Dezember 1884 beantragt der neue Eigentümer Louis Wedel den Abbruch und die Neubebauung. Das Grundstück wird wohl ein zugkräftiges Handelsobjekt.
Eine Vorschau: Als der Neubau (Vorderhaus) 1886 fertig ist, verkauft Wedel an den Errichter, Maurermeister Wuthe aus Rixdorf. Noch im gleichen Jahr verkauft jener das Gebäude an den Rentier Jacob Rose und dieser, auch noch 1886, wiederum an Dr. med. Wilhelm Boldt. Ich möchte wetten, dass der Neubau jedes Mal ein gutes Stück teurer veräußert wurde. Wie das Haus jetzt aussieht, ist auf der beiliegenden Ansichtskarte zu erkennen. (Allerdings wird auch diese Häuserzeile Wilhelmstr. 140 – 148 nur ein reichlich halbes Jahrhundert stehen und dann im Zweiten Weltkrieg zerstört werden).
Deutschland tritt ein in die Reihe der unterdrückenden Kolonialmächte.
1885
Nun können wir in unser großes neues eigenes Haus in bester Verkehrslage einziehen. Es erfüllt uns mit großer Freude. Allerdings müssen wird unser Geld auch sparsam zusammenhalten, weil wir einen größeren Bankkredit aufnehmen mussten, d. h. das Grundstück ist mit einer Hypothek belastet. Regelmäßige Rückzahlung und Zinsen wollen bedacht und eingehalten sein. Beim Gericht werden wir mit dem Besitz „Grundstück und Haus Kottbusser Damm 34“ in das „Grundbuch von der Hasenheide und den Weinbergen“ (später in „Grundbuch Tempelhofer Vorstadt“ umbenannt) Band 12, Blatt 491, Nr. 29 eingetragen. Kommt man vom Hermannplatz, befindet sich unser Haus auf der linken Straßenseite, wenige Schritte nach dem Überqueren der breiten Urbanstraße. Der Gastraum im Erdgeschoss ist 71 Quadratmeter groß. Die Normalbestuhlung ist für 38 Gäste vorgesehen, so dass je Person etwa 1,8 qm zur Verfügung stehen. Das Gebäude reicht mit kürzerer Straßenfassade tiefer in das Hofgelände hinein, weshalb es im hinteren Teil des Gastraumes nicht so schön hell ist wie in der Oranienstraße, meint Alwine. Die Küche, 20 qm, besitzt einen wahlweise gesonderten Zugang vom Treppenhaus. Zu einem hinter der Gaststätte liegendem Wohnraum, der Gästekammer von 1 1/2 –Zimmern Umfang, führt eine halbe Treppe.
Nachdem wir unsere Wohnung und die Gaststätte eingerichtet haben, melden sich bei uns bald einige mietwillige Leute und bald wohnen hier im Hause außer uns: 1. Harendt, Bodenmeister; 2. Huth, Tischler; 3. Krause, Gürtler, 4. Schubert, Tischler, 5. Hentschke, Schutzmann, 6. Jahn, Gürtler (der aber später als Schaffner bei der Elektrischen tätig sein wird); 7. Kulk, der Schlosser und 8. Wernike, ein Tischler. Für 10 Familien bietet unser Haus Wohnungen; eine ist also momentan also noch frei.
Der Fußboden unseres Hausflurs besteht aus den gleichen rot-weißen Fliesen, wie sie in der Marienkirche unweit des Alexanderplatzes verlegt wurden.
In unserer Wirtschaft bieten wir eine Anzahl typischer Berliner Gerichte. Zu den schnelleren, den einfacheren gehören, kalkuliert für einen Familientisch:
Berliner Kartoffelsuppe: 400g Kartoffeln, 50g magerer Speck, 30g Butter, 1 Bund Suppengrün, 1 Zwiebel, 1 Lorbeerblatt, Gewürzkörner (Piment), Majoran und Kümmel. 1Liter Fleischbrühe, 1/8 Liter süße Sahne, Scheiben Weißbrot, zu gerösteten Würfeln verarbeitet.
Eisbein: 2 kg gepökeltes Eisbein, 5 Pimentkörner, 4 Pfefferkörner, 3 Lorbeerblätter, 2 Zwiebeln, ½ Teelöffel Kümmel, Zucker (gibt dem Fleisch den rosa Farbton).
Brathering: 8 grüne Heringe, ¼ Liter Wasser, ¼ Liter Essig, 1 Lorbeerblatt, 3 Pfefferkörner, 1 Pimentkorn, 2 Zwiebeln, Mehl, Fisch salzen, in Mehl wenden, beidseitig durchbraten und im Essigwasser zugedeckt einen Tag ziehen lassen. Öl, Salz und Zucker.
Schusterjungen: 400 g Roggenmehl, 200 g Weizenmehl, 35 g Hefe, ½ Teelöffel Salz, 1 Prise Zucker. Mehl und Salz mischen, Hefe und Zucker in Wasser lösen, Teig rühren, warm stellen, aufgehen lassen, erneut durcharbeiten, nochmals gehen lassen, Runde Teigbrötchen formen und 20 min bei guter Hitze backen, dann in Roggenmehl wälzen.
Kapernklopse: 300 g Schabefleisch, 300 g Hackepeter (das Schwein hieß Peter nicht), 2 Zwiebeln, 1 Schrippe, 50 g Kapern, 1 Ei, 1 Pimentkorn, ½ Tasse süßer Sahne, 4 Sardellenfilets, Salz, Pfeffer, Zitronensaft, Zucker, Worchestersoße, Mehl und Butter. Teig bereiten, daraus Bällchen formen, in kochendes Wasser geben, mit dem Gewürz 20 min gar ziehen lassen. Helle Mehlschwitze bereiten, mit Klopsbrühe zur Soße auffüllen. Alles nochmals ziehen lassen.
Berliner Sülze: ½ Schweinekopf mit Backe, 500 g Spitzbein, Salz, ½ Liter Wasser, 1 hart gekochtes Ei, 2 saure Gurken, 2 Zwiebeln, 2 Mohrrüben, 1 Lorbeerblatt, 3 Pimentkörner, Pfeffer, Zucker, Essig. In kaltem Wasser ansetzen, weich gekochte Mohrrüben herausnehmen, des Öfteren abschäumen. Gegartes Fleisch in Würfel schneiden. Brühe durch ein Sieb passieren. Mit Essig, Salz und Zucker abschmecken. Nach dem Erkalten mit Ei, Gurke und Petersilie garnieren. Dazu Bratkartoffeln reichen.
Sauerbraten nach Altberliner Art: 1 kg schieres Rindfleisch, 150 g Räucherspeck, 2 Pimentkörner, Gewürznelken, Buttermilch, Salz, Pfeffer, Mehl. Das Fleisch mit dünnen Speckscheiben spicken. Das Fleisch 3 Tage mit Buttermilch bedeckt im Steintopf ziehen lassen, abtropfen und allseitig braun anbraten. Mehlschwitze mit Buttermilch zur Soße füllen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Darin das Fleisch etwa 2 Stunden garen. Oft wenden und übergießen.
Das jetzt ist kein Speiserezept mehr:
Ein „Petroleum-Reitwagen“ aus Eichenholz, das erste Motorrad der Welt, wird vom Konstrukteur Gottlieb Daimler vorgestellt und bald zeitgleich von Carl Benz das erste Dreirad-Automobil. Also ganz ohne Pferde, nur mit einem kleinen Benzin-Explosions-Motor.
1886
Am 22. September schreiben Alwine (42 Jahre alt) und ich (48 Jahre alt) unser gemeinsames notariell hinterlegtes Testament, falls einem von uns etwas zustößt. Wir haben uns vorerst gegenseitig zum Alleinerben eingesetzt und in der weiteren Erbfolge ausschließlich unsere fünf Kinder Marie, Hedwig, Klara, Max und Alma zu gleichen Teilen, ohne dass wir das Besitztum in Geldwerten ausdrücken. (Es handelt sich um unser Grundstück mit Haus und Inventar Kottbusser Damm 34).
Beherzte Ärzte wagen eine Blinddarmoperation, nachdem die Fachwelt sich im Wesentlichen darauf geeinigt hat, dass ein entzündeter oder gar vereiterter Wurmfortsatz dieses Blinddarms nur mit dessen Entfernung geheilt werden kann, weil konservative Behandlungsversuche unweigerlich mit dem Tode des Patienten enden.
1888
Schon wieder haben wir gesunden Menschen ein, zwei weitere Monarchen überlebt. In diesem Jahr haben wir drei regierende Kaiser. Der hochbetagte Kaiser Wilhelm I. stirbt. Nachfolger wird sein Sohn Kaiser Friedrich III – doch nur für 99 Tage, da er einem Krebsleiden erliegt. Nun erhält als Thronfolger wiederum dessen Sohn, der 29jährige Wilhelm II., als Deutscher Kaiser und König von Preußen die Regierungsgewalt.
1889
Im ernteschweren August begehen wir das 25. Jubiläum der Wiederkehr unserer Heirat, die silberne Hochzeit. Anlässlich dieses großen Tages lassen wir uns auf zwei Portraitbildern in der Photographischen Kunstanstalt konterfeien.
Die Weltausstellung in Frankreich wird überhöht von dem 300 m hohen Turm, den Gustave Eiffel gebaut hat. Er (der Turm) ist Ausstellungsstück, Aussichtsturm und künftiges Wahrzeichen von Paris. Dort sind auch die erste Rolltreppe, der erste Fahrstuhl und vieles mehr zu bestaunen.
1890
Unsere älteste Tochter Marie heiratet Gustav Weiland. Auch er ist von Beruf Restaurateur (also nicht Bilderreparateur, sondern Gastwirt). Sie werden miteinander zwei Söhne haben. Georg wird ein Fachmann in der Bauwirtschaft werden und Bruno ein Bankangestellter.
Der junge Kaiser versetzt den alten Kanzler Bismarck v. Schönhausen in den Ruhestand, weil ihre „Zusammenarbeit“ in fortwährenden Meinungsverschiedenheiten über die Gestaltung der Politik auseinander driftete. Allerdings soll er fürstlich abgefunden worden sein.
1891
Eine Sensation! Otto Lilienthal gelang vom Berg bei Derwitz ein Gleitflug von etwa 15 Metern. Hurra, der Mensch kann fliegen. Bald werden wir es den Vögeln gleich tun können.
Dr. Karl Schleich hat die örtliche Betäubung entwickelt. Nun kann man sogar kleinere Operationen durchführen, ohne dass der gesamte Mensch zwangsweise in den künstlichen Schlaf versetzt werden muss.
Erstmals (zum Weihnachtsfest) können Menschen vor dem Erstickungstod der Bräune gerettet werden. Mit einem Serum, das Emil v. Behring herstellt, lässt sich diese Krankheit (Diphtherie) bekämpfen. Allein in diesem Jahr waren in Preußen schon mehr als 36.000 Menschen daran gestorben.
1892
Im November heiratet unsere zweite Tochter, die Hedwig. Ihr Ehemann ist der Bahnbeamte Ernst Borries. Mit ihm wird sie drei Kinder haben: Kurt, der Wissenschaftler, Johannes, der ein tüchtiger Gutsinspektor in der Zehlendorfer Landwirtschaft wird und Gertrud, die aber schon als Kind verstirbt.
Der Bau der Transsibirischen Eisenbahn beginnt im russischen Riesenreich.
Die Gewerkschaften beschließen, auch Frauen als Mitglieder aufzunehmen.
Cholera Epidemie in Hamburg. Es sterben dort etwa 9.000 Menschen. Später wird man sagen können, dass es die letzte Epidemie in Deutschland war – weil anschließend ein Impfstoff zur Verfügung stand.
1895
Unsere Tochter Hedwig, bekam gestern, am 23. März ihr erstes Kind. Kurt soll der Sohn heißen. Kurt wird später in Tübingen Philologie studieren (u. a. mit den Kommilitonen Wernher Bauer aus Rangsdorf bei Berlin und Hugo Höppener, genannt „Fidus“ aus Waltersdorf) und später einen Lehrstuhl für Geschichte an der Universität Gießen bekleiden.
Mitte der neunziger Jahre, Klara wurde bereits großjährig, lernte sie August Janecke kennen. Er ist knapp drei Jahre älter als unser Klärchen aber ganz anders veranlagt als sie – nicht so temperamentvoll und sprühend, sondern mehr überlegsam, sensibel und ruhig. Man sagt ja, dass Gegensätze sich anziehen können, sofern sich nicht eher gleich zu gleich gesellt.
Schon früh war er aus seinem altmärkischen Elternhaus fortgezogen (worden), lebte bei Tante und Onkel Zelm hier in Berlin aber jetzt bei uns, vorerst im Raum oben hinter der Gaststätte, arbeitet als Vertreter und hilft schon am Abend in der Gaststätte mit.
Konrad Röntgen findet die „X-Strahlen“. Der Kaiser-Wilhelm-Kanal, der mit knapp 100 Kilometer Länge die Nordsee mit der Ostsee verbindet, ist fertig gestellt.
Im Wintergarten, findet die erste Kinovorstellung mit bewegten Bildern statt. Sie dauert wenige Minuten. Fridjof Nansen wollte mit einer großen Expedition den Nordpol unseres Erdballs erreichen, scheiterte aber an den harten Bedingungen widriger Umstände.
1896
Otto Lilienthal stürzt bei einem seiner Gleitflüge ab und wird dabei am 09. August tödlich verletzt.
Am 18. August wird das große Barbarossa-Denkmal in dem kleinen Kyffhäusergebirge eingeweiht und vom gleichen Architekten ist das Völkerschlachtdenkmal, das uns an die Jahre der Befreiungskriege 1813 – 1815 erinnert in Arbeit.
Unsere Tochter Klara wird wohl in absehbarer Zeit heiraten. Der glückliche Bräutigam ist wie ihr ja schon wisst, August Janecke. Hoffentlich weiß er diesen Umstand genügend zu schätzen.
Nachtrag: Am Dienstag, den 15. September haben sie im Standesamt IV. geheiratet und ließen sich anschließend in der Emmaus-Kirche trauen. Eine eigene Wohnung haben sie aber noch nicht. Bei uns, den Eltern, lebt es sich auch recht kostengünstig, denke ich und mit dem Platz reicht es aus.
1897
Unser kleines Klärchen sieht nun schon selber Mutterfreuden entgegen und ist doch noch so was von jung.
Sonntag, der 13. Oktober. Ein anstrengender Tag. Unsere Tochter Klara, sie wohnt mit ihrem Ehemann ja noch bei uns im Hause, hat um 1.00 Uhr des Morgens ihr erstes Kind zur Welt gebracht. Ein Mädchen. Sie soll Pauline Elisabeth Käte heißen. Kätes Taufe findet am Mittwoch, den 03. November in der Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ an der Zossener Straße, nachmittags um 3 Uhr statt. Festgeschrieben wird dieses Ereignis im Taufbuch 1897 der Kirche, auf Seite 263, No. 2091. Die Taufpaten sind Eretier, Anweiser (z. B. bei der Holzauktion); Weiland, Restaurateur (mein ältester Schwiegersohn) und Zelm, Fuhrherr (also August, der Ziehonkelvater meines Herrn Schwiegersohns). Nun hat unser Mädel schon eine richtige kleine Familie.
Die „zweite Abnabelung“, dieses Mal vom Elternhause, fiel Klara aber auch mit 24 Jahren nicht leicht. Zum Glück ziehen sie nicht weit fort, „bloß um die Ecke“ nach Rixdorf, in die Steinmetzstraße 61. Schwiegersohn August macht hier einen kleinen Fuhrbetrieb auf. Mit Pferden umzugehen hat er ja von der Pike auf bei August Zelm gelernt und über Jahre praktiziert.
In dieser Zeit wird auch Johannes, zweiter Sohn unserer zweiten Tochter Hedwig, verehelichte Borries, geboren (der sich später „Boriß“ schreiben wird).
1898
Es ist schon bedeutsam, wie oft die Leute umziehen, den Wohnort wechseln. Nur mal als eines der vielen Beispiele unser neues Haus, Kottbusser Damm 34 betrachtet. Hier wohnten allein in den Jahren 1896 – 1898:
Anzahl | 1896 | 1897 | 1898 | ||
1. |
Eigentümer: Dittwaldt, August, Gastwirt Die Gaststätte im Erdgeschoss, die Wohnung darüber liegend
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2. | Graffold, G., Tischler | Bärecke, Werkführer | Donat, E., Bildhauer |
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3. | Lehmann, Th., Witwe | Grandejus, Brauereiarbeiter | Eretier, F., Anweiser, (der Pate bei unserer Enkelin Käte wurde) |
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4. | Link, G., Maler | Janecke, August, Vertreter, (unser Schwiegersohn) | Greiner, L., Glasbläser |
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5. | Rosenberg, J, Kaufmann | Lehmann, Witwe | Ehling, C., Tischler |
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6. | Zacharias, A., Stellmacher | Maske, O., Metallarbeiter | Tischischak, H., Schmied |
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7. |
| Rohr, G., Brauereiarbeiter | Weigt, F., Agent |
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8. |
| Thiel, E., Handelsmann |
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9. |
| Weitphel, A., Witwe |
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10. |
| Zacharias, A. Stellmacher |
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Ein Schreck fährt durch die Depeschen: Die österreichische Kaiserin Elisabeth „Sisi“ ist von einem Attentäter mit einer Feile tödlich ins Herz gestochen worden und stirbt.
An Altersschwäche stirbt unser märkischer Dichter Theodor Fontane und auch das Leben des greisen Otto v. Bismarck – Schönhausen endet.
Im Mai findet die erste Probefahrt eines Autobusses mit Elektro-Akkumulatoren-Betrieb statt. Seit dem 09. September gibt es in Berlin Kraftdroschken (die man später Taxis nennen wird).
(1898)
Unser Nesthäkchen Alma heiratet den Straßenbahnmeister, den späteren Reichsbahnbeamten, Alfred Zocher, um mit ihm durch dick und dünn zu gehen. Diese Ehe wird zwar kinderlos bleiben, doch Klaras Tochter Käte sieht ihrer Tante Alma „wie aus dem Gesicht geschnitten“ ähnlich. Sie könnte als ihre „leibliche Leihtochter“ gelten.
1900, was für ein Jahr!
Seit dem Herbst wohnt unsere Tochter Klara mit ihrer Familie (Janecke) in der Stadt Rixdorf, Kreis Teltow, Jägerstraße 69, I. Das ist ebenso nahe am Tempelhofer Feld und der Hasenheide, wie vorher von Berlin-Süd aus zu diesen Orten. Eigentümer des Hauses ist der Steinsetzermeister Taubert.
(Anmerkungen: Die Jägerstraße ist jene Straße, die 1912 in Rollbergstraße umbenannt wird, wegen der rollenden Steine des Kieses der „Rollberge“. Das sind Ränder eiszeitlicher Gletscherbetten, die zur Baustoffgewinnung abgetragen werden. Dort, immer auf der Höhe, standen früher die Windmühlen des Ortes Rixdorf).
Drei Jahre nach dem Kätchen bekommt unsere Tochter Klara ihr zweites Kind. Am 01. Oktober gegen zehneinhalb Uhr am Abend wird Alfred Richard August geboren. Armes Mädel, armer Junge. Es war eine komplizierte anstrengende Geburt in Steißlage des Kindes – aber Mutter und Kind haben es überlebt. Genaueres wissen wir momentan noch nicht.
Nachtrag: Obwohl sie inzwischen Rixdorfer sind, brachten sie unseren Enkel „über die Grenze“ und ließen ihn am 04. November in der Hauptstadt, in der Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ taufen.
Am 07. August stirbt Wilhelm Liebknecht (1826 - 1900), Führer der Deutschen Sozialdemokratie.
Graf v. Zeppelin entwickelt sein erstes starres Motor-Luftschiff.
Der österreichische Arzt Karl Landsteiner (geboren1868) findet unterschiedliche menschliche Blutgruppen und nennt diese A, B, AB und 0.
Zwischen Wannsee und Zehlendorf bei Berlin wird der versuchsweise Betrieb eines Zuges mit Elektrolok (Triebwagen) aufgenommen.
Im Dezember beginnt an der Glienicker Lake (Lanke) der Bau des Teltowkanals. Bis 1906 soll er fertig werden.
In Berlin öffnen mehrere große Markthallen. Einkäufe im Regen unter freiem Himmel müssen nicht mehr sein. Berlin hat jetzt 2.712.000 Einwohner.
1901
Von jetzt an werden alle Wetterdaten für Deutschland regelmäßig erfasst.
Die Wissenschaftler Arthur Berson aus Berlin und Reinhard Süring aus Potsdam, bewiesen bei einer Ballonfahrt, die vom Tempelhofer Feld aus startete, das Vorhandensein der Stratosphäre. Sie erreichten die schier unglaubliche Höhe von 10.800 Metern. Dort oben herrschten -40°C.
Im ewigen Frostboden Sibiriens wird erstmals ein vollständiges Mammut (nicht nur ein Skelett) gefunden. Über etwaige Wiederbelebungsversuche berichteten die Gazetten nichts.
Auf der Militärbahnstrecke zwischen Berlin und Zossen hat man mit einem Elektrotriebwagen die kaum vorstellbare Geschwindigkeit von über 200 Kilometern pro Stunde erreicht.
In Berlin wurde auch das erste elektrische Personenauto, ein „Akkumobil“, vorgestellt.
Vom 19. Dezember an regelt eine so genannte „Ampel“ den Verkehr an der Kreuzung „Unter den Linden“ / Friedrichstraße. Eine große Elektrouhr wird am Potsdamer Platz aufgestellt.
1902
Überreste eines Raubsauriers von der Art „Tyrannosaurus Rex“ genannt, wurden entdeckt. Das Tier war einst 15 Meter lang. Seine Masse wird zu Lebzeiten etwa 8 Tonnen betragen haben, schätzt man. Es gilt als das größte bisher entdeckte Landraubtier.
Auf der Insel Martinique bricht am 08. Mai der Vulkan „Montagne Pelé“ aus. Fast alle Bewohner am Fuße des Vulkans, etwa 26.000 Menschen, ersticken binnen weniger Minuten.
Ab 18. Februar gibt es in der Hauptstadt die erste Untergrund- und Hochbahnstrecke Deutschlands.
In Düsseldorf findet die große Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung statt. Alma und Alfred senden uns eine Ansichtskarte mit dem Industriebrunnen – wie eine kleine Schwester unserer Granit-Suppenschüssel am Kastanienwäldchen.
Zwischen Kaiser Wilhelm und dem türkischen Sultan wird der Bau der Bagdadbahn besiegelt. Ein gewaltiges Vorhaben. Von Deutschland stählerne Geleise bis weit durch den Orient. Ein riesiger Absatzmarkt., vor allem für Fa. Krupp.
1903
Alwine fährt heute alleine nach Nowawes, denn ich fühle mich nicht so recht. Dort hört sie am 24. Mai den Festgottesdienst in der Friedrichskirche zur 150. Jubelfeier ihres Bestehens und trifft natürlich auch verschiedene Verwandte. Die Predigt hält Oberpfarrer Koller. Kaiser und König erscheint nicht, er wird aber durch den Sohn, Kronprinz Friedrich Wilhelm vertreten. Na gut. Alwine hat das Büchlein, den Druck der Festpredigt von Schwager Otto Gericke bekommen, der ja am Orte ansässig ist und ihn schon beschafft hatte. Für Alwine, so sagt sie, war es ergreifend, nochmals vor dem Altar ihrer Heimatkirche zu stehen, vor dem wir uns vor knapp 40 Jahren das „Ja – Wort“ für eine lebenslange Ehe gegeben hatten.
Mit den Kindern Käte und Richard geht sie sonntags hier zur Kirche, wenn ich den Frühschoppen richte. Mitunter wird es aber spät – mit dem Anziehen der Enkel oder wenn Kätchen nicht zügig laufen möchte. Hat dann der Gottesdienst bereits vor ihrem Eintreffen begonnen, stört sie mit den Kindern nicht etwa den Gottesdienst als Nachzügler, sondern verzichtet und unternimmt mit den Kindern ersatzweise einen Spaziergang – hält ihren Gottesdienst in der Natur. Ist mir auch recht und die Kleinen müssen nicht so schier endlos stille sitzen.
Das Grundstück in Britz, Werderstraße 53 war 1900 noch Baustelle des Tischlers Fricke aus Rixdorf. Dieses Grundstück mit dem Neubau kauften wir aber bald, setzten unseren Gewinn in dieser krisenfesten Anlagenform ein. Es bildet einen zusätzlichen Teil der Erbmasse für Alwine und die Kinder, wenn ich nicht mehr sein werde.
In Berlin wird der neue Dom als evangelische Hauptkirche zur Eröffnung geweiht, die gleichsam auch letzte Ruhestätte für die Glieder der kaiserlichen Familie sein wird. Wir werden es dagegen einfach aber gemütlich haben.
Die Glasbläser Burger und Reinhold aus der Glashütte bei Baruth in der Mark erfinden die isolierende Wärmeflasche (Thermoskanne, Butterdose usw.). Es gibt immer wieder Neues.
Das erste Motorflugzeug wird in den USA bekannt. Konstrukteure sind die Brüder Wright, beide Fahrradmechaniker von Beruf.
Oskar Meßter beginnt damit, Filmaufnahmen mit Grammophonplattenaufnahmen zu kombinieren. Wenn das so gelingt wie vorgesehen, dann wären ja später der Filmerklärer mit dem Zeigestock und der die Handlung lautmalerisch begleitende Piano-Forte-Spieler abkömmlich.
Zwischen Barmen und Elberfeld im Ruhrpott nimmt eine elektrische Hängebahn, „die Schwebebahn“ ihren Betrieb auf. Einzigartig bisher.
In Amerika wird der Bau des Panama-Kanals vorbereitet, der den pazifischen mit dem Atlantischen Ozean verbinden soll. Etwa ein Jahrzehnt werden für die Bauarbeiten veranschlagt.
1904
Unser Sohn Max heiratet Margarethe (Gretel) Goeritz und bald zeigt sich, dass sie Nachwuchs bekommen werden. Wird es ein Mädchen, so wollen sie es Christel nennen, wird es ein Junge, so soll er Christoph heißen.
In dieses schon erwähnte neue Haus in der Britzer Werderstraße 53 ziehen nun auch unsere Janecke-Kinder. Es ist eine Verbesserung gegenüber der Mietskaserne in der Jägerstraße und an uns brauchen sie ja auch keine Miete zahlen.
Am 06. Juni endet mein Leben im Alter von 67 Jahren. Leider muss ich Abschied von Alwine und der übrigen Welt nehmen und sie alleine lassen – doch Alwine hat ja noch die Kinder als Stütze und Freude. Sie hat jetzt 61 Jahre zurück gelegt. Habe ich seit über 40 Jahren im Berliner Süden gelebt; so werde ich hier nun auch zur letzten Ruhe begraben.
1905
Nun setze ich, Alwine, den kleinen Bericht fort. Unsere Häuser sind auf mich übergegangen, so auch die Gaststätte. Die Gaststättenräume habe ich aber erstmal an den Gastwirt, Herrn Gustav Haenisch vermietet, weil mir dieses Geschäft, völlig allein zu bearbeiten, über den Kopf wachsen würde.
1907
Gastwirt Haenisch hat den Vertrag wieder aufgekündigt und andere Gaststättenräume im vornehmen Charlottenburg, Helmholtzstraße 31 übernommen. So bleibt unsere Gaststätte erst einmal geschlossen.
1909
Ich kann die Häuser Kottbusser Damm 34 und Werderstraße 53 nicht mehr alleine bewirtschaften. Meine Große, Marie und ihr Mann Gustav Weiland kaufen mir am 01. April 1909 beide Grundstücke mit den Gebäuden ab und ihre anderen erbberechtigten Geschwister werden ausgezahlt. Ich darf „auf meinem Altenteil“ bei Marie (Weiland) in Zehlendorf, Düppelstraße 11, den Lebensabend verbringen. und bin diese geschäftlichen Sorgen nun vollends los. Bisher hatte Gustav seine eigene Gaststätte in der Wrangelstraße 100. Diese will er aufgeben und sich mit dem Jahreswechsel in unserem / seinem neuen Hause etablieren. So gibt es für die Kinder mit dem Jahre 1910 einen neuen Lebensabschnitt und ich muss nicht ganz Abschied von dem Hause nehmen.
Nachsatz:
1913
Am 17. November 1913 schließt auch Großmutter Alwine Dittwaldt, die wir in diesem Bericht seit ihrer Jugend begleiteten, einen Monat nach der Vollendung ihres 70. Lebensjahres für immer die Augen.
„Es ist ein glücklicher Teil unseres Lebens,
dass wir sterben dürfen.
Es geht ja nichts verloren.
Vieles, was wir gedacht und geleistet haben,
lebt in anderen weiter.“
Dietmar Schönherr
Damit schließt sich der Kreis des Lebens unseres Ehepaares
August Dittwaldt und Alwine geb. Zinnow,
doch das Leben geht in den Kindern und Enkeln weiter.